Ein Planet. Was ist das eigentlich? Ganz selbstverständlich benutzen wir den Begriff. Dabei war lange Zeit überhaupt nicht definiert, was ein Planet ist. Aber selbst heute ist immer noch nicht genau fest gelegt, wann ein Objekt ein Planet ist oder nicht.

Schon im Altertum kannte man sieben Planeten. Das waren alle mit dem bloßen Auge sichtbaren Himmelsobjekte, die sich regelmäßig gegenüber dem unveränderlichen Sternhimmel bewegten, also Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn. Kometen waren – und sind – dagegen eine eigene Klasse, weil sie einfach irgendwann, irgendwo auftauchten und nach kurzer Zeit wieder verschwanden.

628px-Geocentric_universe_-_Hartmann_Schedel_-_Liber_chronicarum_mundi_-_1493

Geozentrisches Weltbild im Mittelalter aus der Schedelschen Weltchronik um 1493. (Wikipedia)

Wie bitte? Wo ist die Erde? Und, die Sonne ein Planet? Auch der Mond soll ein Planet sein? Planeten haben Monde!

Nun, die Gelehrten gingen damals bei ihren Überlegungen davon aus, wie sich ihnen das Universum präsentierte, und entwarfen ein dazu passendes, in sich stimmiges Weltbild. Die Erde galt damals nicht als Planet, sondern ruhte im Mittelpunkt des Universums. Als Planet müsste sie sich bewegen und könnte somit nicht im Zentrum des Universums ruhen. Die Sonne dagegen bewegt sich regelmäßig zwischen den Sternen und kommt nach einem Jahr an ihren Ausgangspunkt zurück. Außerdem war es damals unvorstellbar, dass sie ein Stern sein könnte, denn diese waren punktförmig und gehörten zur Sphäre der unveränderlichen Fixsterne. Auch der Mond bewegt sich sehr genau vorhersagbar auf einer ähnlichen Bahn wie die Sonne und die anderen Planeten zwischen den Hintergrundsternen und war deshalb logischerweise ebenfalls ein Planet. So sieht es das ptolemäische, das geozentrische Weltbild vor.

Heliozentrisches Weltbild

Historische Darstellung des kopernikanischen Weltbilds. Aus “Harmonia macrocosmica” von Andreas Cellarius (1708)

Mit dem heliozentrischen Weltbild, in dem die Sonne im Mittelpunkt der Welt ruht und das sich durch die Arbeiten von Nikolaus Kopernikus (1473 – 1543) ab dem 16. Jahrhundert durchsetzte, wurde die Erde zum Planeten. Dafür fielen Sonne und Mond heraus.

Doch mit dem zunehmenden Wissen über das Weltall verlor auch die Sonne ihre privilegierte Stellung in der Mitte des Universums. Aber noch 1926 stritten Astronomen über den Aufbau des Weltalls. Eine Gruppe vertrat die Ansicht, dass die Spiralnebel weit entfernte Galaxien seien, wie unsere Milchstraße, eine andere meinte, die Nebel seinen Teil der Milchstraße und es gäbe auch nur diese eine Galaxie im Universum. Aber diese große Debatte ist ein anderes Thema.

Planeteninflation im 19. Jahrhundert

Nach der Erfindung des Fernrohrs im Jahre 1608 durch den Brillenmacher Hans Lipperhey wuchs im Laufe der Jahrhunderte die Planetenfamilie im Sonnensystem um drei weitere Mitglieder an: Uranus kam 1781 dazu, Neptun 1846 und Pluto im Jahr 1930. Aber ganz so einfach war die Geschichte nicht wirklich. 1801 wurde ein Objekt zwischen Mars und Jupiter entdeckt, dass sich wie ein Planet verhielt, und den Namen Ceres erhielt. Bis 1807 folgten weitere, Pallas, Juno, Vesta, die alle zwischen den Planeten Mars und Jupiter um die Sonne wanderten. Somit gab es zehn Planeten. Erst nach einer Pause von 38 Jahren wurde Objekt Nummer 5 entdeckt – Astraea, Planet Nummer 11. Nach 1847 wurden aber immer mehr gefunden. Offensichtlich waren diese Himmelskörper alle deutlich kleiner als die schon bekannten Planeten und bewegten sich zwischen Mars und Jupiter. Deshalb entschieden sich die Astronomen dazu, ihnen den Planetenstatus abzuerkennen. Für sie wurde die Klasse der Asteroiden eingeführt, auch Planetoiden oder Kleinplaneten genannt.

Aber eigentlich gab es keine allgemein anerkannte Definition, was einen Planeten auszeichnet. Die Klasse der Asteroiden wurden nur geschaffen, um der Inflation an Planeten zu begegnen.

Das änderte sich auch nicht durch die Entdeckung des Pluto. Aber manche Astronomen stellten seinen Planetenstatus bald infrage. Pluto war offensichtlich klein, selbst in großen Teleskopen erkannte man nur einen Lichtpunkt. Auch ist seine Bahn gegenüber den anderen Planeten deutlich schiefer und stark elliptisch. Zu manchen Zeiten befindet sich Pluto sogar näher an der Sonne als der Planet Neptun. Tatsächlich wurde lange Zeit vermutet, dass Pluto ursprünglich ein Mond Neptuns gewesen sei. Dieser besitzt den Mond Triton, der entgegen der Rotationsrichtung des Planeten um ihn kreist. Deshalb nahm man an, dass Triton einst von Neptun eingefangen wurde. Dabei sollte Pluto aus dem System geworfen worden sein. Doch allgemein galt dieser als Planet. In Meyers Handbuch über das Weltall, Ausgabe 1960, lesen wir den kurzen Eintrag: „Der erst 1930 entdeckte Planet ist naturgemäß noch wenig erforscht. Auf Grund seines Albedos und seiner scheinbaren Helligkeit schätzt man seine Größe auf etwa Erdgröße und seine Masse zu etwa 0,9 Erdmasse“.

1 / 2 / 3 / Auf einer Seite lesen

Kommentare (19)

  1. #1 RPGNo1
    6. Februar 2018

    Die hier beschriebenen Informationen sind mir im Großen und Ganzen bekannt (Ausnahme die drei letzten Absätze zu Braunen Zwergen und massereichen Planeten).
    Aber es ist sehr schön, sie in aufbereiteter, allgemeinverständlicher Form erneut präsentiert zu bekommen. Eine gute Gelegenheit zur Gedächtnisauffrischung.
    Vielen Dank!

  2. #2 Dr. Webbaer
    6. Februar 2018

    Sogenannte Planeten meinen wandernde Objekt am Himmelsgestirn, sogenannte Sterne (“astéri”) starre oder vglw. starr erscheinende Objekte dort.
    Es kann hier sinnhaft definitorisch geworden werden dem einen oder anderen genannten Objekte anders zuzuordnen.
    Hier – ‘Deshalb schlägt Schlaufman vor, Objekte mit mehr als 10 Jupitermassen nicht zu den Planeten zu zählen, bis weitere und bessere Beobachtungen es erlauben, die Grenze genauer festlegen.’ – wird Dr. Webbaer, zumindest im Moment nicht, umfänglich happy.
    Exoplaneten muss nicht allein auf ihrer Größe ihr Planeten-Dasein abgesprochen werden, sie könnten alternativ als sozusagen besonders Wandernde als besonders Wandernde bezeichnet werden, womöglich ist diese Begrifflchkeit mit den Exoplaneten also gar nicht so schlecht, und große, sehr große, i.p. Masse, Sterne umfliegende Sonnen, könnten weiterhin Planeten genannt bleiben.

    Macht den Braten natürlich nicht fett, vielen Dank für diesen WebLog-Eintrag,
    MFG
    Dr. Webbaer

    • #3 hzekl
      7. Februar 2018

      Schlaufmans Argumentation basiert auf statistischen Auswertungen und Überlegungen über die Bedingungen in protoplanetaren Scheiben. Sein Wert ist nur als erster Vorschlag zu betrachten. Er schreibt selbst im Paper:

      The analyses presented … suggest this threshold is at M ~ 10 M(Jup) but future data may revise this estimate.

  3. #4 pane
    6. Februar 2018

    ich möchte anmerken, dass es noch keine derartigen Einteilungen bei Monden gibt. Klar ist, sie umrunden einen Planeten. Aber sonst? Irgendwelche Größenbeschränkungen? Nur die größten sind Kugelförmig, die anderen unförmig. Es werden immer mehr Monde um die großen Planeten entdeckt. Naturgemäß werden sie immer kleiner, weil die größeren schon entdeckt sind. Aber wo ist die Grenze nach unten? Spätestens wenn wir im Submillimeterbereich angekommen sind, hat etwa der Saturn sehr, sehr viele Monde.

    • #5 hzekl
      7. Februar 2018

      Stimmt. Daran habe ich selbst noch nicht gedacht, dass es keine untere Grenze gibt.

  4. #6 RPGNo1
    7. Februar 2018

    @pane
    Eine interessante Überlegung. Ob sich die astronomische Fachwelt darüber schon Gedanken gemacht hat?

  5. #7 Aufgewachter
    Arnsberg
    7. Februar 2018

    Treffen sich zwei Planeten. Sagt der eine: „Ojeh, geht es mir schlecht … “ Der andere: „Was hast Du denn ?“ „Ich glaube, ich habe Homo Sapiens …“ „Macht nix, habe ich auch mal gehabt, das geht von alleine wieder vorbei!“

  6. #8 Aufgewachter
    Arnsberg
    7. Februar 2018

    Mond doch kein natürlicher Trabant

    Die Geschichte hört sich an, wie eine die des Kabarettisten Herbert Knebel. Nun denn, ich habe hier einen Leserbrief mit Bitte um Veröffentlichung, was ich hiermit getan habe :

    Vor geraumer Zeit da waren zwei junge Männer zum Kaffeetrinken bei uns. Meine Frau hatte gerade den Kaffee und Kuchen aus der Küche geholt, da dauerte es nicht lange, da lenkte einer der jungen Männer des unerwarteten Überraschungsbesuchs das Thema auf unseren Mond.

    „Na“, dachte ich – soweit so gut, Astronomie fand ich schon immer interessant. Aber was sich in den darauffolgenden Sekunden ereignete sprengte bei mir und meiner Frau jede Art von Vorstellungskraft.

    Ich hatte gerade die Tasse Kaffee zum Trinken angesetzt, da meinte einer der Männer plötzlich, daß er mit seinem Teleskop die Tage herausgefunden hätte, daß der Mond doch kein natürlicher Trabant sei und daß er höchst persönlich die Schweißnaht auf dem Mond entdeckt hätte, welche die beiden Metallhälften unseres umkreisenden und dahin gesetzten Himmelskörpers zusammenhalten würde.

    Als ich und meine Frau uns vor Lachen wieder beruhigt hatten, fragte ich nach der Sinngebung des Ganzen, da sagte der andere Besucher, daß unsere Elite uns von dort aus beobachten würde. In diesen Augenblick wußte ich, daß unserer Besuch auch mal dringend zur Beobachtung müßte.

  7. #9 Dr. Webbaer
    7. Februar 2018

    Ergänzend angemerkt :

    -> https://en.wikipedia.org/wiki/Co-orbital_configuration

    Vermutung :
    Derartige koorbitale (das Fachwort) Objekte dürfen gerne auch rund sein und über eine gewisse Masse verfügen, um derart klassifiziert werden zu können, als sogenannte Monde.
    Es gibt hier auch andere Definitorik, bspw. Satelliten oder Trabanten meinend.

    MFG
    Dr. Webbaer

  8. #10 T-Truckle
    7. Februar 2018

    Eines würde mich aber noch interessieren: wenn Monde definiert sind, als Objekte, welche um Planeten kreisen, was sind denn dann die Trabanten des Pluto (oder anderer Kleinplaneten)? Sie kreisen ja nicht um einen Planeten und dürften somit ja auch nicht als Monde bezeichnet werden.

    • #11 hzekl
      7. Februar 2018

      Doch, auch Monde um Pluto oder Asteroiden kreisende Objekte sind Monde. Die Bezeichnung als Mond ist nicht an einen Planeten gebunden. So besitzt der Asteroid (243) Ida einen Begleiter, den Mond Dactyl.

  9. #12 T-Truckle
    7. Februar 2018

    Danke hzekl,
    mir ging es um die Begrifflichkeiten. Gibt es da eine Unterscheidung zwischen Mond und Satellit?

    • #13 hzekl
      7. Februar 2018

      Nein. Monde sind Satelliten von Planeten oder Asteroiden. Satelliten ist nur eine andere Bezeichnung. Hier handelt es sich um natürliche Satelliten, im Gegensatz zu künstlichen, die von Menschen in eine Umlaufbahn geschossen werden.

  10. #14 anderer Michael
    9. Februar 2018

    Zum Punkt 3 der Planetendefinition
    Welches Objekt befindet sich in der Umlaufbahn des Pluto. Ich weiß , dass er die Umlaufbahn des Neptun kreuzt. Sofern dieses das Kriterium ist, wieso ist dann nicht auch Neptun ein Zwergplanet?

    • #15 hzekl
      9. Februar 2018

      Die dritte Bedingung beruht auf der sogenannten “Planetarischen Diskriminante”, die von Steven Soter, damals am Department of Astrophysics des American Museum of Natural History beschäftigt, eingeführt wurde (What is a Planet?. Kurz gesagt, berechnet man dafür das Verhältnis M/m. Dabei ist M die Masse des betrachteten Objekts und m die Gesamtmasse aller anderen Objekte in dessen orbitalen Zone. Jetzt wird es aber etwas schwammig, weil der Begriff “orbitale Zone” eigentlich nicht genau definiert ist. Soter verwendet ihn mehr als eine Art Vorschrift für die Berechnung des Verhältnisses. So bestimmt sich die orbitale Zone Plutos durch die Objekte, die potentiell mit ihm kollidieren können. Das sind hier die meisten Objekte im Kuiper-Gürtel, die seine Bahn kreuzen. Neptun gehört aber nicht dazu, weil die 3:2-Resonanz der Umlaufzeiten zwischen Pluto und Neptun einen Zusammenstoß verhindert. Aber diese grobe Berechnungsvorschrift ist tatsächlich ausreichend, Planeten von Zwergplaneten zu trennen, weil die planetare Diskriminante für die Planeten bei Werten zwischen 10.000 und 100.000 liegt, für Pluto aber nur bei 0,07!. Ähnliches gilt für die anderen Zwergplaneten.
      Ich hoffe, dass ich die Frage ausreichend beantwortet habe.

  11. #16 Kab
    24. Februar 2018

    Müsste es nicht heißen “Objekte mit MEHR als zehn Jupitermassen bevorzugen Sterne mit mehr Eisen als unsere Sonne”, da eine höhere Metalliziät die Entstehung von Planetesimalen fördert und schneller in den runaway growth übergehen lässt?

    • #17 hzekl
      26. Februar 2018

      Nein. Planeten entstehen durch Akkretion. Ein felsiger Kern bildet sich, der durch seine Schwerkraft weiteres Material anzieht. Am Ende steht ein Gasplanet. Je mehr Metalle die Wolken besitzt, aus der ein Sonnensystem entsteht, umso leichter bildet sich ein fester Kerne. Braune Zwerge dagegen bilden sich nicht wie Planeten. Sie entstehen wie Sterne direkt durch gravitativen Kollaps in einer Molekülwolke.

  12. #18 bruno
    26. Februar 2018

    Hallo erstmal… und herzlich willkommen! Habe gerade erst festgestell, dass es (noch) einen neuen Blogger hier gibt. Sehr gut!
    Kleinigkeit: Innerhalb von Einträgen will ich mich nicht mehr in die Rechtschreibung einmischen… aber bei allem was längerfristigen Bestand hat dann doch gerne 😉

    Über das Blog:

    nur fühlen sie viele von den Informationen in den Fernsehsendungen überfordert.

    “sich”

    lg

    • #19 hzekl
      26. Februar 2018

      Danke für den Hinweis. Ist korrigiert.

%d Bloggern gefällt das: