Hier noch zwei Bemerkungen, eine rhetorische und eine ernsthafte Frage rund um Elevatorgate.

Bemerkung 1:

Richard Dawkins hat ja u.a. auch noch geschrieben:

No, I obviously don’t get it. I will gladly apologise if somebody will calmly and politely, without using the word fuck in every sentence, explain to me what it is that I am not getting.

Das finde ich lustig. Betrifft es deine Empfindsamkeit, “fuck” lesen zu müssen? Get over it, Richard, it’s not that bad! Actually, it is not bad at all.

Bemerkung 2:

Richard Dawkins riet Rebecca, sich ein dickeres Fell zuzulegen. Das hat sie offenbar, ist sie doch eine der Frontfiguren der skeptischen Szene. Wenn zutrifft (was ich nicht anzweifle), dass sie oft auf unangemessene Art angegraben wird, und sich daher unwohl fühlt, muss sie doch ein dickes Fell haben. Ich wäre jedenfalls unter solchen Bedingungen nicht bereit, mich weiter mit solch einer Szene abzugeben.

Rhetorische Frage:

Warum fühlen sich so viele, die den Post, die Kommentare oder die Links nicht gelesen haben und keinerlei Bereitschaft offenbaren, dies zu tun oder gar darüber nachzudenken, dennoch berufen einen Kommentar abzugeben der den gleichen Schmonz absondert als sei es die große neue Erkenntnis? Ich steig nicht durch…

Ernsthafte Frage:

Wie stellen sich denn nun alle, die Rebeccas Reaktion für überzogen hielten, mehr Frauen dazu bewegen, mitzumachen? Egal wo jetzt, atheistische oder skeptische Gemeinschaft, wissenschaftliches Bloggen, ist ja überall ein Problem. Und wo wir schon festgestellt haben dass Rebecca nur deswegen mitmacht weil sie ein dickes Fell hat, lässt sich ja auch leicht schließen (und wird durch Kommentare bestätigt), dass viele Frauen eben wegen dieses Problems keine Lust drauf haben. Und das geht ja noch grundsätzlicher: Wenn ich mir meine Kommentare durchlese frage ich mich regelmäßig obs das wert ist? Hab mir schon schwer genug getan, nach fast 2 Monaten nochmal etwas zu schreiben.
Ist das also egal, ob Frauen mitmachen? Oder dürfen sie schon, aber nur wenn sie sich nicht so anstellen?


Kommentare (108)

  1. #1 Theres
    07/11/2011

    @Radicchio
    Ich würde ja nicht so weit gehen, mieses Verhalten einer recht großen Gruppe zur individuellen Angelegenheit zu erklären, das immerhin viele Frauen seit … wann begann die Emanzipation … … Egal.
    ” … so bleibt doch die bewertung, was “mies” ist jedem selbst überlassen.”
    — Genau, und eine Bloggerin fand etwas mies, was sie klar aussprach.
    Worthülsen sehe ich nur im Kommentarteil, nicht zu hören im Videoblog.
    — Dann sind die vielen Hinweise darauf, dass es Männern ja so schlecht geht auch nichts anderes als individuelle Angelegenheiten.
    Fein. Das hättest du mir nicht unbedingt mitteilen müssen, sondern den entsprechenden Kommentatoren, aber danke dafür.

  2. #2 suscal
    07/11/2011

    Radicchio,

    jetzt stell Dir doch mal vor, dass Dir das fast täglich passieren würde, weil Du ‘nen Kleinwagen fährst und einige Daimlers nicht einsehen, DIR Vorfahrt zu gewähren. Hättest Du dann nicht auch den Gedanken, das vielleicht mal laut auszusprechen, dass Du Dich damit unwohl fühlst? Vielleicht weiss der Vorfahrtdieb das ja nicht?!?

    Woher Du wissen willst dass es Vorsatz war, lasse ich mal ungefragt; den Vorwurf hat RW schliesslich nicht erhoben.

  3. #3 rolak
    07/11/2011

    Zur rhetorischen Frage: Weil gemeinhin uninteressant ist was andere denken, wenn einem die eigene Meinung als das nonplusultra vorkommt.

    Zur nichtrhetorischen Frage: Sich an die goldene Regel halten. Und (ganz speziell die eigenen) Kinder nicht in die überkommenen Schablonen sozialisieren. Falls es jemand noch nicht gemacht haben sollte: Lasst doch mal ein (z.B. bzgl Selbstbewußtsein, Geschlecht, Grad(Angststörung)) wohlsortiertes Spektrum Menschen ein und dasselbe Event und seine Teilnehmer beschreiben; einzeln, nicht in einem Gruppengespräch. Dürfte erhellend sein…

    Hi Florian, das dürfte daran liegen, die aus dem Gesagten heraus empfundene grobe Dichotomie ‘Frau gut, Mann schlecht’ genauso grob relativiert wird. Wohlgemerkt: Nicht ‘gesagte’ sondern ’empfundene’. Das ist imho das eigentliche Kreuz mit derartigen Situationen / Streitgesprächen, daß nicht auf das gehört wird, was gesagt wird, sondern sofort das als Inhalt der Aussage behauptet wird, was im eigenen Denken an Assoziationen hochkommt.

  4. #4 Radicchio
    07/11/2011

    Ich würde ja nicht so weit gehen, mieses Verhalten einer recht großen Gruppe zur individuellen Angelegenheit zu erklären,

    @Theres
    es hat sich aber keine recht große gruppe frau watson gegenüber mies verhalten, sondern einer. und damit ist das auf beiden seiten eine individuelle angelegenheit. es sei denn, man möchte alle (achtung, worthülse!) weißen privilegierten hetereosexuellen männer in geiselhaft nehmen.

    jetzt stell Dir doch mal vor, dass Dir das fast täglich passieren würde, weil Du ‘nen Kleinwagen fährst

    @suscal
    ich fahre einen kleinwagen. aber es passiert mir nicht täglich. und das kann man getrost als metapher für den hiesigen fall betrachten. ich könnte nämlich aufgrund des bestehenden vorurteils, dass “daimlers” sich auf der straße rambohaft benehmen und kleinwagen ganz automatisch angst haben müssen, die front zwischen den armen diskriminierten kleinwagen, den daimler-machos aufmachen, das ganze hubraumismus nennen und diese verhältnisse aus meiner position der schwäche heraus anprangern. auch wenn das auf die allermeisten daimler gar nicht zutrifft und obwohl kleinwagen genauso die vorfahrt nehmen, könnte ich argumentieren mit “kleinwagen WERDEN …”, “das weiß man doch” und “daimlers, lasst das sein!”. ich würde argumentieren, dass mein auto so klein und mein leben bedroht ist. wenn es eine gesellschaftliche stimmung gäbe, die mitgefühl mit so klitzekleinen autos hat, die das ja gar nicht anderes kennen, denn sie waren ja schon immer so klein, haben kleine motoren und kleine sitze und kaum ps, dann würden mir viele zustimmen, weil sie die kleinen autos für benachteiligt und schützenswert halten, so etwa wie kinder, nur ein kleines bisschen größer. diese guten leute würden sich so richtig stark machen für mein kleines, kleines auto und sich gut und ehrenhaft fühlen, ganz so wie ritter. ich würde mich auch gut fühlen, so klein hilflos aber beschützt. niemand dürfte es wagen, von mir zu verlangen, einfach mal zu fahren, wo die straße gerade ist, weil ich ja so ein armes hascherl bin mit meinem winizgen auto. dann könnten die ritter starke gönner bleiben und ich klein und so zerbrechlich. und ich würde mich artig bedanken und einen knicks machen.
    super!!!!1111

  5. #5 suscal
    07/11/2011

    Jaja, nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich. Und sich einfach mal den Spass zu machen, den eigenen Standpunkt aus einer wenn auch noch so geringen Entfernung zu betrachten, ist auch nichts für jeden.

    Glaubst Du wirklich, dass ich gemeint habe, was Du jetzt geschrieben hast?

    “Das ist imho das eigentliche Kreuz mit derartigen Situationen / Streitgesprächen, daß nicht auf das gehört wird, was gesagt wird, sondern sofort das als Inhalt der Aussage behauptet wird, was im eigenen Denken an Assoziationen hochkommt.”
    QFT

  6. #6 Radicchio
    07/11/2011

    Glaubst Du wirklich, dass ich gemeint habe, was Du jetzt geschrieben hast?

    wieso sollte ich schreiben, was du meinst???

    ich schreibe für gewöhlich, was ich meine, und du schreibst, was du meinst.

  7. #7 HinrichD
    07/12/2011

    So lange die Menschen so: http://youtu.be/2YYlPq3hTKc?hd=1 sind, ist alles andere überflüssig…

  8. #8 michael
    07/12/2011

    >die frage von jörg rings hab ich weiter oben berets beantwortet. das gras wächst nicht, indem man daran zieht.

    Die Trampel am herumtrampeln zu hindern, ist dem Graswuchs aber förderlich.