Die Explosion und das gewaltige Ölleck der Tiefsee-Ölplattform Deepwater Horizon vor zwei Jahren war die schwerste Umweltkatastrophe, die die USA je erlebt haben (abgesehen von der systematischen Blockierung von Maßnahmen gegen den Klimawandel). Die nationale Kommission, die dazu einen Bericht abgeliefert hat, war nicht zufrieden damit, die (Nicht-)umsetzung ihrer Vorschläge einfach auszusitzen.

Mit nur wenig Geld und viel freiwilliger Arbeit sind sie daher am Ball geblieben und haben gerade einen kurzen Nachfolge-Report veröffentlicht, in dem sie bewerten, wie Administration, Industrie und Kongress Lehren aus dem Unfall gezogen haben.

Die Obama-Administration kommt dabei ganz gut weg. Sie bekommt insgesamt ein B, die zweitbeste Note, für neue Regulierungen für Tiefsee-Operationen, und für recht schnelle Reaktionen und Maßnahmen für den Schutz der Umwelt.

Die Industrie bekommt immerhin noch ein C+, was schön überraschend ist. Immerhin hat man einige Lehren gezogen und arbeitet an besseren Sicherheitsmaßnahmen, um eine solche Katastrophe nicht mehr passieren zu lassen.

Schlusslicht ist leider der Gesetzgeber. Der Kongress blockiert systematisch Maßnahmen und bekommt nur ein D. Es scheint so, als ob man nicht bereit sei, Lehren für die Zukunft zu ziehen. Das lässt den Schluss zu, dass die Industrie, die ja schließlich die Gesetze diktiert, ein bisschen Arbeit hineinsteckt, die schlimmsten Unfälle zu vermeiden, weil die ja ans Image gehen. Aber auf lange Sicht mag man nichts ändern.
Es gibt nicht genug Geldmittel, die Aufräum- und Restaurierungsmaßnahmen sei bestenfalls “work in progress”, und es sind keine Gesetze gemacht worden, um Programme zu finanzieren oder die Schuldigen in der Industrie künftig mit mehr als Taschengeldern an Entschädigung zu beteiligen (In der Tat hat BP die lächerlich niedrige Grenze von 75 Millionen Dollar ignoriert und deutlich mehr gezahlt, wenn auch natürlich nicht genug).

Ebenfalls nur ein C gibt es für die entmutigend begrenzten Fortschritte in der Erforschung der Arktisregion, die bald von Ölplattformen heimgesucht werden wird.

Nachtrag: Verlorener Teil des Artikels…

Insgesamt bleibt also der etwas ueberraschende Fund, dass die Industrie noch besser abschneidet als der Gesetzgeber. Aber wie gesagt, das ist vermutlich nur so viel wie zur Imagepflege benoetigt wird, und nicht so viel wie im Interesse der Bevoelkerung stehen sollte, da es nicht in Gesetze gegossen wird.

Kommentare (8)

  1. #1 Bullet
    05/04/2012

    … scheint da was am Artikel kaputt zu sein. 😉

  2. #2 Zockerjoe
    05/04/2012

    “Das lässt den Schluss zu, dass die Industrie, die ja schließlich die Gesetze diktiert, ”
    Was soll dieser Quatsch?
    Der Kongress ist von guten Amerikanern gewählt worden und ein ziemlich großer Anteil der US Bevölkerung, vielleicht sogar die Mehrheit, hält Umweltschutz für Teufelswerk mit dem liberale Kommunisten den American Way of Life zerstören wollen.

    Mit dem Verweis auf die pöse Industrie können die Amerikaner sich nicht aus ihrer Verantwortung für die Erhaltung ihrer Lebensgrundlagen herausreden, es gibt schließlich keinen Zwang mit 3t schweren Achtzylindern zum Sixpack holen zu fahren.

  3. #3 BreitSide
    05/04/2012

    Nix gelernt, das kann man so in einer lockeren Reihenfolge für all die schweren Ölunglücke sagen.

    Kennt noch einer die Torrey Canyon? Ich hatte ja damals gedacht, die würden reagieren: viele kleine ölabsaugende und -scheidende schwimmfähige Einheiten, jede vielleicht mit 1 m3 Fassungsvermögen, über die ganze Küstenlinie verteilt, die im Alarmfall per Boot oder Hubschrauber von überall her zum Krisenpunkt gebracht werden. Bis dann die großen Ölbekämpfungsschiffe kommen können.

    Aber nein, bei der Exxon Valdez ist die Hightech-Mondfahrt-Nation mit Kleenex-Tüchern angerückt, um händisch das Öl abzuwischen.

    Und aktuell bei der Deepwater Horizon laufen Trupps die Strände entlang, dürfen aber nicht mehr als einen Inch tief im Sand nach Ölklumpen suchen. Beschämende Alibiaktionen.

  4. #4 afx
    05/05/2012

    ” … die Industrie, die ja schließlich die Gesetze diktiert …”
    das fasst so ziemlich alles zusammen, was zu sagen ist. in jeglicher hinsicht hat das streben nach profit das ruder übernommen.

  5. #5 Jörg
    05/05/2012

    Wow, Zockerjoe, du weißt ja echt richtig viel über Amerikaner…

  6. #6 BreitSide
    05/06/2012

    Sooo Unrecht hat Zockerjoe ja nun nicht. Der eine Pöse schließt ja den anderen Pösen nicht aus.

    Die unstillbare Profitgier der Industrie (speziell der Öl-) ist ja bekannt. Die unstillbare Verschwendungssucht des Durchschnittsamerikaners auch.

  7. #7 Dagmar Landsberger
    05/07/2012

    http://www.rickey.org/eyeless-shrimp-in-gulf-of-mexico-bp-oil-spill/

    http://digitaljournal.com/article/324071

    http://thinkprogress.org/climate/2012/04/18/466660/legacy-of-bp-oil-spill-eyeless-shrimp-and-fish-with-lesions/?mobile=nc

    Ist es wichtig, dass Shrimps Augen haben? Doch sicher nicht, solange sie noch schmecken. Die hier sind wahrscheinlich schon in Öl eingelegt gefangen. Nur noch ein Hauch Knoblauch dazu! Wie es scheint könnte es sein, dass die Versuche der Firma das Problem “verschwinden zu lassen” die Einwirkung auf die Tierwelt eher potenzeirt haben.
    Aber: das muss natürlich erst genauer untersucht werden, bevor man hier jemandem die Schuld an augenlosen Tieren gibt. Wahrscheinlich alles genetisch! Und man ist jetzt nur aufmerksamer, augenlose Tiere gab es schon immer. Früher hat man sie eben nur ohne Köpfe serviert.

    Das Geld das in die Öffentlichkeitsarbeit dieser Konzerne geht, ist sicher nicht leicht verdient, aber da arbeiten helle Köpfe, die auch gut bezahlt werden dafür dass die Firma gut aussieht, egal was sie tut. Und das funktioniert, wie man sieht.

    Ein Politiker kann sich solche Leute nicht leisten, jedenfalls nicht von seinem Gehalt. Aber das macht nichts, wenn ein Politiker mitspielt wird er ja auch nach Kräften unterstützt, von diesem oder jenem.

    Wer in die enge Wahl kommt in Amerika, hat viel Geld dafür ausgegeben. Nicht unbedingt sein Geld, aber das Geld von Leuten die daran interessiert sind dass ihnen jemand an der Spitze zur Seite steht. Der Wähler hat natürlich die Wahl, welche Strohpuppe welcher Interessensgruppe er tolerieren will, aber ganz bestimmt nicht die Wahl einen von Geldeinfluss unabhängigen Kandidaten zu wählen.

    Und bei Entscheidungsprozessen in den verschiedensten Gremien, nicht unbedingt an der Spitze, hilft das Geld von Interessensgruppen natürlich auch. Guten Appetit.

  8. #8 Kerstin Gauck
    05/22/2012

    …war die schwerste Umweltkatastrophe, die die USA je erlebt haben (abgesehen von der systematischen Blockierung von Maßnahmen gegen den Klimawandel).

    Ach wirklich?

    Na da bin ich jetzt aber gespannt, was denn für schlimme Katastrophen nicht passiert wären, hätten die USA zB. das Kyoto Protokoll ratifiziert?

    Oder besser, gibt es denn irgendeine Katastrophe, welche bislang auf das sg. AGW zurückzuführen ist?

    Ich hoffe, wir befinden uns hier nicht auf Al Gore Niveau oder dem einiger Ideologen rund um gewisse NGO´s, aber was soll´s, solche Bemerkungen tauchen immer wieder auf, speziell dort wo Fachlaien glauben, genügend verstanden zu haben.