Scott S. Reuben galt als kompetent, fleißig, hochproduktiv und sein Urteil hatte Gewicht. Reubens medizinische Karriere begann in den 80er Jahren in New York, bevor er 1991 ans Baystate Medical Center in Springfield, Massachusetts, wechselte. Dort machte er sich einen Namen als Experte für die post-operative Schmerztherapie. Jetzt hat diese Bilderbuchlaufbahn ein trauriges Ende gefunden: Scott S. Reuben hat die klinischen Studien, über die er mindestens 21 wissenschaftliche Artikel publizierte, niemals durchgeführt.

Vor wenigen Tagen hat Reuben zugegeben, daß er in den vergangenen zwölf Jahren zahlreiche klinische Studien, die in namhaften Fachjournals publiziert wurden, erfunden, herbeiphantasiert oder schlicht: gefälscht hat. So wird die Liste der medizinischen Felix Krulls und Fälscher also um einen Namen länger. Dort stehen bislang etwa der deutsche Krebsforscher Friedhelm Herrmann oder der koreanische Klon-Superstar Hwang Woo-Suk. Und wieder stellt sich die Frage, wie die Fälschungen und Täuschungsmanöver von Reuben über so lange Jahre hinweg unentdeckt bleiben konnten.


i-5f77cdf8db2dcb600d1e8f7eba6c751b-Vioxx.jpgScharlatan oder Pionier der Schmerztherapie?

Denn es war keineswegs irgendeine Nische, irgendein unwesentliches Randthema, mit dem sich Reuben befasste. Als Anästhesist beschäftigte er sich mit neuen Ansätzen in der Schmerztherapie und war seit spätestens 2000 maßgeblich am Erfolg der sog. COX-2-Hemmer beteiligt.

Bis dato standen die klassischen nichtsteroidalen Antirheumatika (u.a. Ibuprofen oder Diclofenac) hoch im Kurs. Als jedoch – u.a. mit vermeintlich besserer Magenverträglichkeit – eine neue Generation von Schmerzmedikamenten zur Verfügung stand, war es allen voran Scott Reuben, der mit seinen Studien den Beleg für deren Überlegenheit lieferte.

Reuben, der noch 2007 in Fachzeitschriften als Pionier und Wegbereiter einer neuen Ära der Schmerzmedikamentation gefeiert wurde, empfahl etwa die OP-begleitende kombinierte Gabe von COX-2-Hemmern (etwa Vioxx, Celebrex oder Bextra) und bspw. des Antikonvulsivums Gabapentin. Basis waren seine Studien, die als “sorgfältig geplant” und “akribisch dokumentiert” gelobt wurden. Publiziert wurden sie in angesehenen Journals wie Anesthesiology, Anesthesia and Analgesia oder Journal of Clinical Anesthesia.

Immer wieder Pfizer…

Da verwunderte es offenbar weder, daß das von Reuben doch so heftig empfohlene Vioxx im Jahr 2004 wegen unabweisbarer Sicherheitsbedenken vom Markt genommen werden mußte. Noch irritierte offenbar, daß Reuben in schönster Regelmäßigkeit Produkte aus der Angebotspalette das Pharmariesen Pfizer als Mittel der Wahl präsentierte. In mehreren Studien hatte er bspw. den kombinierten Einsatz von Celecoxib (Celebrex®) und des Antikonvulsivums Pregabalin (Lyrica®) als hocheffektiv gepriesen.

Die Fabrikation von Erkenntnis

Der Schönheitsfehler an der Sache: Scott Reuben hat in mindestens 21 Fällen schlicht geflunkert, gelogen und wissenschaftliche Fachartikel zusammengebastelt, für die er keine Datenbasis hatte. Die Beobachtungsstudien, über die er Rechenschaft ablegte, gab es nie. Die auf diese Weise behandelnden Patienten? Nichts außer Kopfgeburten des Dr. R.

Reuben treibt die “Fabrikation von Erkenntnis” auf die Spitze

Eine erstaunlich dreiste Art einer “Fabrikation von Erkenntnis“, an die die Wissenschaftssoziologin Karin Knorr-Cetina in ihrem Buch kaum gedacht haben dürfte. Und – wie es eben so ist: wenn ein bestimmtes Wissen einmal in der (Fach-)Welt ist, so hat dieses Wissen bestimmte Folgen. Es wird anschlußfähig und produziert Folgehandlungen.

In diesem Fall stehen die erfundenden (!) Studien von Scott Reuben am Anfangspunkt; in der Folge wurden hunderttausende, vielleicht gar Millionen Patienten gemäß dieser Empfehlungen ganz real behandelt.

Steven Shafer, Chefredakteur des Fachjournals “Anesthesia & Analgesia”, erklärt:

“Wir sprechen hier wohlgemerkt von Millionen Patienten weltweit, deren postoperatives Schmerzmanagement auf den Studien von Dr. Reuben basierte”.

Und wir sprechen von vielen Milliarden US-Dollar, die die entsprechenden Pharmafirmen in den letzten Jahren mit den entsprechenden Medikamenten erlöst haben. Da kann es kaum verwundern, daß inzwischen auch bekannt wurde, daß Scott S. Reuben ausgesprochen gute Verbindungen zu Pfizer unterhielt; u.a. fünf Forschungsstipendien wurden ihm in den letzten Jahren vom Pharmamulti finanziert. Ein gutes Geschäft, wenngleich Reuben jetzt aus dem Spiel ist.

Was motivierte Reuben zu seinen gefaketen Studien? War es Geld, Gefälligkeit, Ehrgeiz…?

Eine Routineüberprüfung seiner eigenen Klinik hatte das Studien-Lügengebäude jetzt zum Einstürzen gebracht: er hatte versäumt, sich für zwei seiner Patientenstudien eine interne Durchführungsgenehmigung geben zu lassen. Dieses Versäumnis sorgte für Nachfragen, weitere Ungereimtheiten traten zu Tage…

Und doch stellt sich die Frage, wie Reuben über zwölf Jahre hinweg immer wieder neue Fake-Studien publizieren konnte. Und es stellt sich auch die Frage, wie jetzt mit dieser Information über den “Fall Reuben” umgegangen wird – denn natürlich werden in aller Welt Patienten im guten Glauben an die Expertise und Rechtschaffenheit Reubens behandelt. Vielleicht sollte man doch noch einmal nachprüfen, ob seine therapeutischen Empfehlungen tatsächlich belastbar sind…

Randnotiz: Erstaunlich – das nebenbei gemerkt – daß dieser gravierende Fall wissenschaftlichen Fehlverhaltens in den deutschen Medien bislang schlicht ignoriert wird. Auf “3vor10” hatte ich bereits vergangenen Freitag auf Reubens Fall hingewiesen.

Kommentare (26)

  1. #1 Tobias
    März 18, 2009

    Guter Beitrag, danke.

    Die Beobachtungsstudien, über die er Rechenschaft ablegte, gab es nie. Die auf diese Weise behandelnden Patienten? Nichts außer Kopfgeburten des Dr. R.

    Ist denn schon sicher, wie viele Studien er tatsächlich nie durchgeführt hat?

  2. #2 Christa Karas
    März 18, 2009

    @Tobias: Der 50-jährige Scott S. Reuben hat 72 Studien durchgeführt, davon waren 21 in den letzten 12 Jahren freie Erfindungen. – Vor gut einer Woche schrieb ich infolge der ersten Meldungen aus den USA nachfolgenden Bericht in der “Wiener Zeitung”:

    Zeitungen: “A Medical Madoff” – 21 Studien von Scott S. Reuben für dubiose Schmerzmittel waren Fakes
    Wissenschaftsbetrug schockt USA

    Von Christa Karas

    Auswirkungen auf Millionen Patienten in der ganzen Welt.
    Pharmafirmen kamen dadurch zu Milliardenumsätzen.

    Washington/Wien. Seine “Forschungsarbeiten” beeinflussten nicht nur in den USA ein ganzes Fachgebiet, nämlich die Schmerztherapie speziell nach orthopädischen Eingriffen. Nun steht fest, dass der Anästhesiespezialist Scott S. Reuben (50) vom Baystate Medical Center in Springfield, Massachusetts, innerhalb der vergangenen zwölf Jahre den Inhalt von gleich 21 klinischen Studien über die Wirkung verschiedener Schmerzmittel ebenso frei erfunden hatte wie seine Testprobanden.
    “Wir sprechen hier wohlgemerkt von Millionen Patienten weltweit, deren postoperatives Schmerzmanagement auf den Studien von Dr. Reuben basierte”, erklärt Steven Shafer, Chefredakteur des Fachjournals “Anesthesia & Analgesia”, warum in vielen US-Medien bereits vom bisher größten Wissenschaftsbetrug geschrieben wird. Das Fachjournal hatte zehn von Reubens Studien veröffentlicht, ehe der Betrug beinahe zufällig aufflog:

    Hal Jenson, Chief Academic Officer am Baystate Medical Center entdeckte im Mai des Vorjahres, dass es Reuben verabsäumt hatte, die Genehmigung des zuständigen Überprüfungsgremiums für zwei seiner Studien einzuholen. Als diese genauer unter die Lupe genommen wurden, fielen derart viele Ungereimtheiten auf, dass man sich entschloss, sämtliche Arbeiten des Anästhesisten zu überprüfen. Das Ergebnis war so vernichtend, dass der Mediziner ein umfassendes Geständnis ablegte und nun nach Angaben seiner Anwältin gegenüber “Scientific American.com” voll mit den Ermittlern kooperiert.

    Vom Profit profitiert?

    Im Raum steht indessen noch die Frage, ob sich Reuben dadurch auch finanzielle Vorteile verschafft hat. Paul White, Wissenschaftsredakteur von “Anesthesia & Analgesia”, gibt zu bedenken, dass die gefakten Studien sehr wahrscheinlich mit dazu beitrugen, dass potenziell gefährliche Mittel in enormen Mengen auf den Markt kamen.

    Dabei handelt es sich vor allem um entzündungshemmende Arzneimittel aus der Gruppe der sogenannten COX2-Inhibitoren, Celebrex von Pfizer und Vioxx von Merck, die den Unternehmen in erster Linie in den USA Milliardenumsätze eintrugen, ehe Vioxx im Spetember 2004 vom Markt genommen werden musste. Der Grund: Bei längerdauernder Einnahme führte das Mittel bei zahlreichen Menschen zu Herzinfarkten und Schlaganfällen. Merck sah sich Zehntausenden Klagen gegenüber.

    Celebrex, vor allem als Rheumamittel effektvoll, hat neben anderen ebenfalls das Potenzial für derartige Nebeneffekte, verblieb aber auf dem Markt. Die Arzneimittelrichtlinien lauten allerdings dahingehend, dass das Medikament nur eingeschränkt eingesetzt werden soll.

    Was nun obendrein die Optik empfindlich stört: Reuben war nicht nur ein Mitglied in Pfizers “speakers‘ bureau”, sondern erhielt von dort auch fünf Forschungsstipendien, deren Unabhängigkeit nun in Zweifel gezogen werden muss. Zumal Reuben auch den Einsatz anderer Pfizer-Medikamente empfahl wie zum Beispiel des Antikonvulsivums Neurontin und des ähnlich wirkenden Lyrica, die vor allem bei Krampferkrankungen (Epilepsie) angewendet werden.

    Auf Grund von Reubens Empfehlungen, diese Mittel zusätzlich zu Celebrex und noch während orthopädischer Operationen zu verabreichen, werden sie mittlerweile weltweit von Ärzten auch gegen neuropathischen Schmerz verwendet.

    Patienten geschädigt?

    Ob infolge von Reubens Tätigkeit Patienten zu Schaden gekommen sind, ist unbekannt, aber möglich, zeigte sich doch in Tierversuchen, dass die genannten COX2-Inhibitoren die Heilung von Knochen verzögern können. Gegen etwaige Vorwürfe suchte sich Reuben dadurch abzusichern, dass er seinen prominenten Kollegen Evan Ekman (Columbia) als Co-Autor für eine seiner “Studien” gewinnen wollte. Ekman ging auf Distanz, Reuben fälschte einfach seine Unterschrift.

    Printausgabe vom Samstag, 14. März 2009

    In der Zwischenzeit liegen mir Patientenberichte vor, die einen das Gruseln lehren könnten. Denn auch in Österreich verläuft das Schmerzmanagement nach den Richtlinien, die Reuben/Pfizer vorgegeben haben.

    Und: Ja, auch ich bin nach wie vor verstört darüber, dass dieser – gemessen an der Zahl der Millionen Betroffenen – größte Wissenschaftsbetrug von den deutschsprachigen Medien und vor allem den hiesigen Presseagenturen bisher nicht aufgegriffen wurde. Ich weiß, dass sich Journalisten schon längst von den Informationen der Agenturen abhängig gemacht haben und verstehe von daher, dass ihnen das “Offizielle” fehlt, um über diesen Skandal zu berichten. Was ich absolut nicht verstehe, ist dagegen das Schweigen sämtlicher Agenturen zu dem, worüber sämtliche US-Medien von Rang und Namen seit vergangener Woche berichtet haben. Derartiges ist mir in den bald 40 Jahren meiner journalistischen Tätigkeit noch nie untergekommen und mir fehlt jeder Erklärungsansatz dafür.

  3. #3 Alice
    März 19, 2009

    Mich überrascht, dass dies bei Scienceblogs.de kein grösseres Thema ist. Selbst die Kommentare halten sich in Grenzen. Wenn 21 Globuli- und Bachblüten-Studien betroffen wären, würde hier die Hölle los sein.

  4. #4 Jane
    März 19, 2009

    @Alice: “21 Globuli- und Bachblüten-Studien” Leider führen die Vertreiber solcher Erzeugnisse eben keine Studien durch und müssen das auch nicht. Deshalb gibt es dort keine Kontrolle. Hier sieht man ja, wie nötig die ist.

    Fazit: Strengere Regeln und zwar für alles, was als “Medizin” gelten will. Und hohe Strafen, auch Freiheitsstrafen, für Leute wie Reuben. Die juristische Seite würde mich da ohnehin interessieren. Kann man ihn irgendwie haftbar machen? Und müssen die Pharmakonzerne Entschädigungen zahlen? Das ganze fand ja in den USA statt, das kann teuer werden.

  5. #5 Chris
    März 19, 2009

    @Alice
    Das überrascht Dich wirklich? Es ruft die ganzen üblichen Verdächtigen halt nicht auf den Plan. Ganz einfach…

    Zurück zum Thema:
    Mal ein Gedankenexperiment: Wenn jetzt wirklich soviele Patienten auf Basis seiner Fakes therapiert worden sind, wäre das nicht eine genügend große Fallzahl, um seine angeblichen Erkenntnisse zu testen? Und was wäre, wenn es stimmt?
    Noch weiter gesponnen, wenn herauskommt, dass die neue Methode schadet, könnte er zur Rechenschaft gezogen werden?

  6. #6 Ludmila Carone
    März 19, 2009

    @Chris: Könnte man probieren. Aber letztendlich heißt das, dass Millionen Patienten zu unfreiweilligen Versuchskaninchen gemacht wurden und das kann ja wohl nicht wahr sein.

    Rein moralisch ist das ein unmögliches Fehlverhalten. Es zeigt, wie notwendig Kontrollen auf jedem Gebiet der Medizin sind. Und jeder, der sich dagegen sträubt, verdient es mit Misstrauen beäugt zu werden. Die Gesundheit von Menschen ist zu wichtig, um daran unkontrolliert herumzuexperimentieren.

  7. #7 Chris
    März 19, 2009

    @Ludmila
    Um die moralischen Aspekte ging es mir gar nicht, darüber müssen wir nicht diskutieren. Deshalb sagte ich ja “Gedankenexperiment”. Was ist wenn, er von den wissenschaftlichen Fakten her gesehen Recht hatte?

  8. #8 Wolfgang
    März 19, 2009

    Was ich überhaupt nicht verstehe, ist wie der soviele Studien durchführen konnte und keinem aus seinem Arbeitsumfeld ist aufgefallen, dass da keine Patienten da waren?

    Gabs die Patienten nicht, oder gabs die schon und er hat ihnen nur eine Medikation angedichtet?
    Und warum gabs da von Pfizer kein Audit in all den Jahren. Ist ja üblich, dass bei den Durchführenden ein Audit gemacht wird und dann im Detail geschaut wird wie die Dokumentation erfolgte. Die sind so kleinlich in Dokument A steht Arzneimittel wurde um 13:14 verabreicht, in Dokument B steht aber 13:15 -dann heisst es please clarify.
    Ist völlig unverständlich.

  9. #9 Marc
    März 19, 2009

    @Tobias:

    Ist denn schon sicher, wie viele Studien er tatsächlich nie durchgeführt hat?

    Es wird – nach meinen Informationen – davon ausgegangen, daß mindestens die Studien im Zshg. mit den 21 publizierten Artikeln gefälscht bzw. erfunden waren. Aber eine höhere Zahl an Fake-Studien will man offenbar bislang nicht ausschließen.

    @Christa Karas:

    Danke für die Erinnerung an Ihren Artikel in der Wiener Zeitung. Ich hatte ihn selbstverständlich gelesen, aber oben vergessen, ihn zu verlinken. Das hole ich gleich nach.

    Auch ich bin nach wie vor verstört darüber, dass dieser – gemessen an der Zahl der Millionen Betroffenen – größte Wissenschaftsbetrug von den deutschsprachigen Medien und vor allem den hiesigen Presseagenturen bisher nicht aufgegriffen wurde.

    Darüber – aber vermutlich bin ich zu naiv – auch mehr als verwundert. Nach meinem Dafürhalten ist die Story längst Stoff für eine große Geschichte, für die man auch gut und gerne 1-2 Tage recherchieren dürfte. Weshalb in den etablierten Medien nicht einmal eine Notiz dazu zu lesen ist, verstehe ich ganz und gar nicht.

  10. #10 Marc
    März 19, 2009

    @Chris und Ludmila:

    Das ist natürlich auch so eine weiterführende Frage, wie man nun mit dem Wissen umgeht, daß a) die Studien großteils gefälscht waren, b) auf deren Basis aber seit Jahren doch behandelt wird. Sollte durch die Kombimedikationen, die Reuben empfahl, wirklich relevante Nebenwirkungen zustande kommen, so wäre das mit Sicherheit aufgefallen.

    Fraglich ist aber (jedenfalls nach meinem Verständnis), ob die Empfehlungen von Reuben (die zwar nicht auf sauberen Studien, aber offenbar auf seiner langjährigen Expertise beruhen) wirklich so alternativlos sind. Oder anders: Gibt es nicht andere prä-, peri- und post-operative Schmerzmedikationen, die der Reuben’schen Variante überlegen sind?

    @Wolfgang:

    Ja, das ist mir vollkommen schleierhaft. Der publiziert Beobachtungsstudien mit hunderten Patienten und keiner der Kollegen wundert sich darüber, daß es entweder die Patienten nie gab oder aber Patienten, die aber eben nicht in solche Studien involviert waren.

  11. #11 Christa Karas
    März 20, 2009

    @marc et al: Selbstverständlich gibt – oder vielmehr gab – es vor diesem Sündenfall ein Schmerzmanagement comme il fault: Opioide, in den vergangenen drei Jahrzehnten bedeutend verbessert und an den jeweiligen Patienten angepasst. Allerdings ist mit diesen Mitteln kein Geld zu machen, sie kosten fast nichts. Also wurden sie zunächst in Misskredit gebracht (Suchtabhängigkeit etc), um ungleich teurere wie Vioxx und Celebrex auf den Markt bringen zu können. Dafür war Reuben der Steigbügelhalter und so kam es, dass weltweit nach dessen “Erkenntnissen” neue Richtlinien geschaffen wurden. Mit dem kleinen Nebeneffekt, dass neben den Millionen falsch behandelten Patienten auch die allenthalben belasteten Gesundheitssysteme weiter ins Defizit rutschten. In gleicher Weise ist es Reuben und dem Pfizer-Marketing zu verdanken, dass Mittel wie Lyrica, Neurotikon etc zusätzlich gegen neuropathische Schmerzen zum Einsatz kamen, nachdem sie sich als untauglich gegenüber dem eigentlichen Ziel – als Antikonvulsiva gegen Krampferkrankungen wie Epilepsie – erwiesen hatten.
    Soweit der Stand meiner Nachforschungen. Indessen teile ich die hier im Forum geäußerte Kritik, dass dem Eso-Unwesen in den Science-Blogs weit mehr Aufmerksamkeit zuteil wird als diesem – für mich in dieser Ausformung – schon ziemlich einzigartigen Skandal. Das bereitet mir mehr Unbehagen als die Tatsache, dass die deutschsprachigen Medien nach wie vor das Thema völlig übergehen. Ein Faktum, für das ich nicht einmal im Ansatz eine Erklärung finden kann.

  12. #12 Christa Karas
    März 20, 2009

    Very strange, wir sind immer noch das einzige deutschsprachige Printmedium, das darüber berichtet. Hier vorab, was morgen erscheint – mit besten Grüßen aus Wien.

    USA: Scott S. Reubens Wissenschaftsbetrug beweist auch, wie die Pharmakonzerne einen Bedarf erzeugten

    Wer benötigte neue Schmerzmittel?

    Warum Millionen Patienten falsch
    behandelt wurden.
    Neue Therapien wurden unkritisch übernommen.

    Von Christa Karas

    SanFrancisco/Wien. Der Skandal um den Anästhesiologen Scott S. Reuben vom Baystate Medical Center (Springfield/Massachusetts), der 21 seiner Studien zur Schmerztherapie während und nach orthopädischen Operationen glatt gefälscht hatte, lässt vor allem in den USA weiterhin die Wogen hoch gehen. In Europa – Großbritannien ausgenommen – wurde er dagegen bisher kaum wahrgenommen, obwohl von Reubens Betrug Millionen Patienten in aller Welt betroffen waren und sind. Also auch in Österreich.

    Während die Scientific Community einmal mehr über die Studienkontrollen (peer reviews) in Fachmedien diskutiert, erhebt sich vor allem die Frage, warum niemandem schon früher auffiel, dass Reuben ausschließlich den Vertrieb der ebenso teuren wie alles andere als unbedenklichen Produkte der involvierten Pharmafirmen Merck und in der Folge Pfizer forcierte – von Vioxx, Celebrex, Neurontin, Lyrica und weiteren.

    Bei Vioxx, das nach Herzinfarkten und Schlaganfällen im Jahr 2004 infolge Zehntausender Klagen gegen Merck vom Markt genommen werden musste, handelte es sich ebenso wie bei Celebrex von Pfizer um ein entzündungs- und schmerzhemmendes Medikament aus der Gruppe der sogenannten COX2-Inhibitoren. Diese zeigten zwar in der Zwischenzeit in seriösen Untersuchungen keinerlei Vorteile gegenüber den bis dahin angewendeten Medikamenten, haben aber dank Reubens „Studien“ und eines ausgeklügelten Marketings die bewährten und bedeutend preisgünstigeren „Oldies“ so gut wie verdrängt.

    Belastung für die Gesundheitssysteme

    Denn selbstverständlich gibt – oder vielmehr gab – es vor diesem Sündenfall schon ein Schmerzmanagement, das auch postoperativ gute Wirkung zeigte: Opiate bzw. Opioide zum Beispiel, die in den vergangenen drei Jahrzehnten bedeutend verbessert wurden und die an den jeweiligen Bedarf des Patienten angepasst werden können. Allerdings ist mit diesen Mitteln nicht das große Geld zu machen – sie kosten fast nichts und könnten in noch verbesserter Form hergestellt werden, würden sie nicht synthetisiert, sondern aus Rohopium produziert werden. (Was im Nebeneffekt auch zu einer drastischen Reduktion des illegalen Suchtgifthandels jener Länder führen könnte, die traditionell Schlafmohn anbauen.)

    Also wurden Opiate wie Morphium und Opioide – vor deren Einsatz in Ländern wie Österreich bekanntlich ohnehin viel zu viele Mediziner viel zu lange zurückschreckten – in Misskredit gebracht (etwa mit Verweis auf die Gefahr der Suchtabhängigkeit), um die ungleich teureren, damals neuen COX2-Inhibitoren auf den Markt bringen zu können. Dafür war Reuben in seiner Nebenfunktion – als Forschungssprecher bei Pfizer und mit fünf Forschungsstipendien der Firma ausgestattet – mit seinen „Studien“ an hunderten Patienten, die es gar nicht gab, der Steigbügelhalter. Und so kam es, dass weltweit nach dessen „Erkenntnissen“ neue Richtlinien geschaffen wurden.

    Freilich mit dem Nebeneffekt, dass unter anderem auch die allenthalben ohnehin belasteten Gesundheitssysteme weiter ins Defizit rutschten. In gleicher Weise ist es Reuben und dem Pfizer-Marketing zu verdanken, dass Mittel wie Lyrica und Neurotikon zusätzlich gegen sogenannte neuropathische Schmerzen zum Einsatz kamen, nachdem sie sich in Tests als nahezu untauglich im Hinblick auf ihr ursprüngliches Wirkungsgebiet – als Antikonvulsiva gegen Krampferkrankungen wie Epilepsie – erwiesen hatten.

    In der Folge machte es Reuben obendrein nahezu unmöglich, heute festzustellen, ob und wieviele Patienten durch diese Schmerztherapien zu Schaden kamen. Als eine unabhängigen Studie darauf hindeuteten, dass die Medikamente im Tierversuch zu einer Verzögerung der Knocheneinheilung führten, wurde dies umgehend von einer eilig produzierten „Gegenstudie“ Reubens widerlegt. Danach wurde nicht mehr weiter geforscht.

    Richtlinien werden immer noch befolgt

    Indessen liegen der „Wiener Zeitung“ seit Erscheinen des Erstartikels über den Wissenschaftsbetrug vor einer Woche Patientenberichte vor, die einen hinsichtlich der Nicht- und Nebenwirkungen das Gruseln lehren könnten. Denn auch in Österreich verläuft das Schmerzmanagement nach den Richtlinien, die Reuben/Pfizer vorgegeben haben. Die Betroffenen verstehen insbesondere nicht, wie es kommen konnte, dass Ärzte diese Richtlinien nicht hinterfragten und jahrelang unkritisch umsetzten. – Dazu ist anzumerken, dass man Studien im allgemeinen vertrauen können muss. Und dass die meisten Ärzte noch gar nichts von Reubens Betrug wissen.

  13. #13 sil
    März 20, 2009

    Selbst in den deutschen Blogs ist es ruhig geblieben:
    http://blogsearch.google.de/blogsearch?hl=de&ie=UTF-8&q=reuben+cox&btnG=Blogs+durchsuchen&lr=lang_de

    Keine Ahnung, was da los ist. Traut sich an Pfizer niemand ran?
    Das Schweigen ist ein zusätzlicher Skandal.

  14. #14 dagmar Landsberger
    März 21, 2009

    Unter Harvard-Medizin-Studenten hat sich eine nicht kleine Bewegung gebildet. Sie kämpfen um Offenlegung der Finanziellen Beziehungen ihrer Professoren zu Pharma-Unternehmen.

    http://www.nytimes.com/2009/03/03/business/03medschool.html?em

    Diese Bewegung wurde geboren aus der Beobachtung eines Studenten, daß Vorlesungen einiger Professoren geradezu Werbeverabstaltungen zu best. Medikamenten waren – Fragen nach unwerwünschten Nebenwirlkungen unerwünscht.

    Kritisches Hinterfragen von Studien?

    Für ehrgeizige Studenten nicht unbedingt die Garantie auf eine Karriere.

    Bei Besetzungen von Professoren-Stellen ist die Fähigkeit Drittmittel in beträchtlicher Höhe heranzuschaffen ein immer wichtigeres Kriterium.

    Mediziner die sich durch eine kritische Haltung auszeichnen werden da einen kleinen Nachteil gegenüber “anpassungsfähigeren” Kollegen haben.

    So könnte im ungünstigsten Fall ein Klima entstehen, welches eine “Fälschungsbereitschaft” begünstigen könnte.

    Und im schlimmsten Fall könnte diese Fälschungsbereitschaft zum Auswahlkriterium für Lehrpersonen werden.

    Eine Offenlegung der Finanziellen Beziehungen von Lehrenden wären eine erste wichtige Maßnahme.

    Dagmar Landsberger

  15. #15 Rose
    März 21, 2009

    Das ist ungeheuerlich!!
    Der Typ gehört hinter Gitter und für den Rest seines Lebens zu Entschädigungszahlungen verdonnert. Wie sieht es um die gegenseitige Kontrolle in der scientific community aus, dass ein Einzelner über einen so langen Zeitraum mit solch fingierten Daten arbeiten konnte? Gibt es da keine “Gegencheck”-Mechanismen?

    Ich finde es auch bestürzend, wie wenig darüber anderswo berichtet wird!
    Und eine Frage aus familiärer Betroffenheit: Mein Lebensgefährte wird seit zwei Monaten mit Lyrica gegen Fibromyalgie behandelt. (Übrigens relativ erfolgreich – aber wer weiß, Placebo?) Ich kann mich vage erinnern, vor einigen Wochen von einer hoffnungsvollen US-Studie in diesem Kontext gelesen zu haben – war auch die ein Fake? Weiß da jemand mehr dazu?

  16. #16 Dagmar Landsberger
    März 22, 2009

    @rose

    Hallo,

    ich habe hier einen Link auf eine Seite über Fibromyalgie und Lyrica.

    http://www.medknowledge.de/abstract/med/med2007/06-2007-49-lyrica-da.htm

    Dort sind 2 Studien über die Wirksamkeit aufgelistet, beide enthalten NICHT den Namen Reuben Scott.

    http://www.medknowledge.de/abstract/med/med2007/06-2007-49-lyrica-da.htm

    Es sieht zumindest bei oberflächlicher Betrachtung so aus, als ob die Fibromyalgie NICHT zu Reubens “Fälschungsfeld” gehört hat.

    Ganz sicher ist es sinnvoll den behandelnden Arzt zu konsultieren, und auf jeden Fall
    kein sofortiges Absetzen des Medikamentes ohne vorherige, zumindest telefonische Absprache, mit dem behandelnden Arzt.

    In der Vergangenheit ist es manchmal in solchen Fällen vorgekommen, daß Patienten durch ein unmittelbares Absetzen eines Medikamentes unnötige Komplikationen erlebten.

    Herzliche Grüße,
    Dagmar Landsberger

  17. #17 Rose
    März 22, 2009

    @Dagmar Landsberger:

    Hallo,
    vielen Dank für die Information – das beruhigt einigermaßen. Mein Lebensgefährte verträgt Lyrica übrigens sehr gut, ohne Nebenwirkungen. Vielleicht ist das Medikament für diesen Therapiezweck ja tatsächlich geeignet, nur hat dieser Skandal das Vertrauen in diesbezügliche Studien doch sehr erschüttert.

    Danke noch einmal für die hilfreichen Informationen und liebe Grüße
    Rose

  18. #18 Christa Karas
    März 25, 2009

    Ja, da schau her: Nach fast zwei Wochen berichten jetzt auch die “Süddeutsche” und “DerStandard” ein bisschen über den “Medical Madoff”, wenn auch in deutlich abgeschwächter und zum Teil nicht ganz richtiger Form. Aber immerhin…

  19. #19 Christa Karas
    März 25, 2009

    Nachtrag, mit dem ich ein Phänomen melden möchte: Heute berichten neben „derStandard“ in Österreich sieben deutsche Zeitungen (u. a. „Die Zeit“, „Süddeutsche“ und „Welt“) plus der „Tagesspiegel“ in der Schweiz online über den „Medical Madoff“ Scott S. Reuben, wenn auch nicht sehr detailliert und hinsichtlich Pfizers Rolle sehr zurückhaltend. – Wie das jetzt wohl kommt? Haben die alle in den Blogs gelesen?

  20. #20 Dagmar Landsberger
    März 27, 2009

    Diese Nachrichten von heute sind so schockierend, daß ich sie nicht einmal beschreiben möchte, Ich lasse sie Euch einfach lesen.

    Ich habe bis eben nicht einmal geahnt, daß ich heute zwei so scheußliche Beispiele für das Zusammenspielen von Forschern und Firmen sehen würde.

    Ich brauche jetzt ne Pause. Mir ist wirklich übel.

    http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2009/03/26/AR2009032604018.html?nav=emailpage

  21. #21 Marc
    März 30, 2009

    @Christa Karas:

    Nachtrag, mit dem ich ein Phänomen melden möchte: Heute berichten neben „derStandard“ in Österreich sieben deutsche Zeitungen (u. a. „Die Zeit“, „Süddeutsche“ und „Welt“) plus der „Tagesspiegel“ in der Schweiz online über den „Medical Madoff“ Scott S. Reuben, wenn auch nicht sehr detailliert und hinsichtlich Pfizers Rolle sehr zurückhaltend. – Wie das jetzt wohl kommt? Haben die alle in den Blogs gelesen?

    Naja, irgendwie hatte ich auch 10 Tage drauf gewartet, bis endlich der Fall thematisiert wird. Interessant fand ich dann, daß es dann – fast wie abgesprochen – auf einmal binnen 1-2 Tagen in allen relevanten Zeitungen bzw. Onlineportalen zu lesen war. Allerdings – wie ja die Kollegen von der Stationären Aufnahme dokumentieren – auffällig häufig mit O-Tönen von Ärzten, die ebenfalls in etwas fragwürdiger Verbindung zu bestimmten Pharmaunternehmen stehen. Ganz schlau werde ich daraus nicht.

  22. #22 Christa Karas
    März 30, 2009

    @Marc: Ja, ist schon auffällig. Ich hab’s ja nun nicht mit Verschwörungstheorien bzw. “Pharmabashing”, daher vermute ich, dass hier alle schon im Vorfeld um Schadensbegrenzung bemüht sind, und zwar – denken wir an Vioxx und die Folgen – im wahrsten Sinne des Wortes. Und/oder es soll, nachdem der Schuldige ja schon gefunden ist, so rasch wie möglich wieder Gras darüber wachsen.

  23. #23 Oliver
    März 30, 2009

    @dagmar landsberger

    Sorry, in dem WP-Artikel sehe ich kein “scheußliches Beispiel für Verflechtungen” – dass Wissenschaftler ungern zugeben, dass sie übertrieben haben, funktioniert vollkommen unabhängig von irgendwelchen wirtschaftlichen Beziehungen.

    Und auch die Einwerbung von Drittmitteln weiter oben ist nicht wirklich sinnvoll als Beispiel. Gerade in den USA bestehen die Forschungsbudgets zu einem großen Teil aus Bundesmitteln, sprich da werden Drittmittel nicht zuletzt vom NIH eingeworben.

    Im Übrigen könnten die Medizin-Studenten recht einfach ein zumindest kritischeres Hinterfragen von Studien lernen: Sie nehmen statt an reinen MD-Programmen and MD/PhD-Programmen teil. Insbesondere denen, die Harvard als Sprungbrett für die große Karriere als Forscher sehen, sei das ohnehin geraten – denn Mediziner werden als Praktiker ausgebildet, als Anwender.

    Wie ging der Witz:
    “Ein Physikstudent, ein Mathematikstudent und ein Medizinstudent bekommen von ihren Professoren jeweils ein Telephonbuch vorgelegt.
    Der Physikstudent: “Ich kann aus diesen Messergebnissen nicht auf den Versuch schließen und damit ist das Ergebnis zu ungenau und wertlos !”
    Der Mathematikstudent: “Diese Nummern lassen sich nicht als mathematische Reihe zusammenfassen, damit sind sie per Definition Definitionen und ohne Zusammenhang sind diese Definitionen wertlos”
    Der Medizinstudent schaut den Professor nur müde an und fragt : “Bis wann?””

  24. #24 dagmar Landsberger
    März 30, 2009

    @Oliver,
    Daß eine Studie als Beleg dafür veröffentlicht wird, daß ein Medikament langfristig wirksam ist, und sicher, aber die Daten, offengelegt erst 10 Jahre später, zeigen, daß diese Medikament langfristig nicht wirksam ist, und eine bedeutende Nebenwirkung haben kann, auf dem Gebiet der Kindes und Jugendpsychiatirie, ist für mich eine unerträgliche Sauerei. Aufgrund dieser Studie wurden diese Medikamente als tauglich zur Langzeitbehandlung betrachtet, und als nebenwirkungsarm.

    Diese Studie wurde benutzt, um andere Studien zu widerlegen, welche bereits die jetzt zugegebenen Probleme belegten.

    Der Link dazu ist oben.

    Das andere Beispiel für Zusammenarbeit zwischen Industrie und Forschern ist ebenso häßlich: Prof. Biederman, einer der angesehensten Psychiater der Welt, der es geschafft hat, daß bestimmte Medikamente ihrem Umsatz zt. fast verdoppeln konnten, hat offensichtlich der betreffenden Firma VOR DEN STUDIEN bereits versprochen, wie die Ergebnisse aussehen werden, Und da ging es zum Teil um Studien bei Vorschulkindern.

    Aufgefallen war der Mann vor einiger Zeit, weil ein Abgeordneter ausgegraben hatte, daß er über 1,6 Millionen Dollar von ebendieser Firma PRIVAT “verdient” hatte. Keine Drittmittel – Privat-“Verdienst”

    Ich hatte leider vergessen, diesen Link auch anzugeben, zur Entschuldigung:

    Ich hatte trotz allem was ich in Bezug auf Bierderman vermutet hatte doch geglaubt, daß es letztlich nicht ganz so KRIMINELL gelaufen ist. Ich hatte Vertrauen, daß es jemand, der mit den verletzlichsten Kindern und Jugendlichen arbeitet, ihr Vertrauen und das der Eltern nicht so weitgehend mißbrauchen würde.

    Hier der Link:

    http://www.nytimes.com/2009/03/20/us/20psych.html?_r=3

    Und was mir einfach nicht gefällt: In allen Fällen hat es mehrere Jahre gebraucht, bis irgendjemand etwas auffiel, im Fall Biederman war es ein Politiker, im Fall Reuben Angestellte einer Klinik, und nur im Falle der “Multimodal Treatment Study of Children With ADHD (MTA)” war es einer der Forscher, der nach vielen Jahren endlich den Fall aufbrachte.

    Bei mir wächst da nicht gerade das Vertrauen in die “Selbstreinigungskräfte”, die manche so hochhalten.

  25. #25 M. Ennen
    Juli 1, 2009

    Ein schockierender Bericht! Was mich daran am meisten erschüttert ist, dass es offensichtlich keine wirksamen Kontroll- bzw. Interventionsmechanismen gibt, die diese Art von Manipulation verhindern.

  26. #26 Schnappi
    November 10, 2010

    @Ennen
    Wenn man im System die Anreize zum Betrügen fest verankert, kann man soviel kontrollieren wie man will.