Auf eine Forschungsfrage von Marius Flörchinger antwortet Marc Scheloske:

Die Tatsache, dass viele Insekten (v.a. Nachtfalter) geradezu magisch von künstlichen Lichtquellen angezogen werden, hat sich ja längst im Sprachgebrauch niedergeschlagen. Warum die Motten aber das Licht umkreisen, ist nicht zweifelsfrei geklärt.

Die meisten Fachleute sehen die Ursache jedoch in einer simplen, aber tragischen Verwechslung bzw. Irreführung der nachtaktiven Insekten. Denn von Natur orientieren sich die Nachtfalter und andere Insekten am nächtlichen Mondlicht. Der Mond dient ihnen in gewisser Weise als Kompass. Und die Position des Mondes bleibt eben weitgehend stabil, so dass die Falter (um etwa geradeaus zu fliegen) immer einen konstanten Winkel zu dieser Lichtquelle einhalten.

Das funktioniert aber nicht mehr, seit in den letzten Jahrzehnten immer mehr künstliche Lichtquellen aufgestellt wurden. Jede Strassenlaterne ist nämlich deutlich heller, als der Mond und somit orientieren sich die Insekten an dieser künstlichen Lichtquelle.

Denn auch zur Strassenlaterne versuchen die Tiere einen konstanten Winkel einzuhalten. Im Flug verändert sich die Position der Lampe aber natürlich sehr schnell, so dass die Insekten eben nicht geradeaus, sondern eine leichte Kurve fliegen. Und statt eines üblichen 90°-Winkels (zum Geradeausflug im Mondlicht), nähern sich die Insekten in einem 80°-Winkel immer näher der künstlichen Lichtquelle an.

In diesem so genannten Spiralflug umrunden die Falter die Laterne oder die knisternde Kerze in immer engeren Bahnen, bis sie schließlich darin verglühen oder erschöpft gegen das Laternenglas prallen.

Diese Erklärung ist diejenige, die am weitesten verbreitet ist. Es gibt aber auch einzelne Forscher, die glauben, dass die Facettenaugen der nachtaktiven Insekten so empfindlich seien, dass sie durch künstliches Licht geblendet werden. Andere Untersuchungen haben übrigens gezeigt, dass nicht jedes Licht gleich anziehend auf Insekten wirkt: grellweißes Licht von Quecksilberdampflampen zieht mehr als doppelt so viele Insekten an, wie das gelblich-orange Natriumdampflicht.

Und zum Schluß sei hier noch eine letzte Anmerkung gemacht: Dr. Willem Takken, Mückenforscher der Universität Wageningen (Niederlande), hat in mehreren Studien gezeigt, dass Mücken (also Stechmücken) sich von Licht kaum beeindrucken lassen. Es ist der Geruch des Menschen, der die stechenden Plagegeister anlockt. Die Anziehungskraft des Lichts gilt v.a. für die sprichwörtlichen Motten.

Weitere Antworten und Diskussionen sind erwünscht!

 » Marc Scheloske ist Wissenschaftssoziologe und Redakteur von ScienceBlogs Marc_45_sw.jpg

Kommentare (1)

  1. #1 Marcus Anhäuser
    Oktober 15, 2009

    Auch noch mal schön anschaulich erklärt bei “Wissen vor 8”:
    http://www.myvideo.de/watch/6137038/Wissen_vor_8_17_Wie_Motten_das_Licht