Bei genauerem Blick in den Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung fällt Seite 57 ins Auge:

– Bürgerdialog –

Forschung braucht den Dialog mit der Gesellschaft. Deshalb werden wir neue Dialogplattformen einrichten, auf denen mit den Bürgerinnen und Bürgern Zukunftstechnologien und Forschungsergebnisse zur Lösung der großen globalen und gesellschaftlichen Herausforderungen intensiver diskutiert werden. Insbesondere bei gesellschaftlich kontroversen Zukunftstechnologien wollen wir einen sachlichen Diskurs, der auf Toleranz aufbaut, eine realistische Abschätzung der Chancen und Risiken für den Einzelnen und die Gesellschaft ermöglicht und den erreichbaren Konsens auslotet.

Wir wollen unter wissenschaftlicher Leitung und mit Unterstützung der Wirtschaft in der Hauptstadt ein “Haus der Zukunft” schaffen, in dem sich Deutschland als Wissensgesellschaft und Innovationstreiber präsentiert, und die Forschungsmuseen stärken.

[RT: Danke auch für den Hinweis an Manfred Ronzheimer!]

Vor diesem Hintergrund hatte ja die Journalistenvereinigung TELI vor der Bundestagswahl eine “Wissenschaftsdebatte” angestoßen: http://www.teli.de/wissenschaftsdebatte/index.html

Dazu auch ein Blogbeitrag von Bernhard Weidemann aus dem Juli.

Auf einer Pressekonferenz im Rahmen der “Wissenswerte” in Bremen (November) wird die TELI ihre Aktion, Erfahrungen, Perspektiven und Zukunft vorstellen.

Wichtig im Vertrag sind außerdem die Seiten 7, 16, 17, 57:

“Wir streben eine steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung an, die zusätzliche Forschungsimpulse insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen auslöst.”

“Die Einführung von Innovationsgutscheinen wird in Abstimmung mit den Länder programmen geprüft.”

“Deutschland muss wieder zum Gründerland werden. Daher werden wir eine Gründerkampagne in Deutschland starten.”

“Die Wissenschaft ist dringend auf die Gewinnung und Sicherung von hochqualifiziertem Personal angewiesen. Die Bundesregierung prüft daher die Möglichkeit von außertariflichen Vergütungselementen und Tarifhoheit für die Forschungsorganisationen.”

…sowie natürlich das ganze Kapitel II.2 (Seiten 55-58)

Der komplette Koalitionsvertrag beim SPIEGEL: http://www.spiegel.de/media/0,4906,21958,00.pdf

Kommentare (2)

  1. #1 Dr. Glukose
    29. Oktober 2009

    Ich finde es sehr gut, wie die Kanzlerin immer wieder sagt, dass wir mehr auf Forschung und Technologie setzen sollten, da dies meiner Meinung nach der einzige Weg ist Deutschland wieder “vorran” zu bringen. In Sachen Biotechnologie ist Deutschland ja schon vorne dabei, man denke allein an die Biotech-Parks in und um Berlin. Soweit ich weiss, ist Berlin die Biotechnologie-Stadt Europas, gefolgt von München.

    “Die grüne Gentechnik kann einen Beitrag zur Bekämpfung des Welthungers leisten.”

    Endlich mal jemand, der da sieht! Auf eine Einrichtung namens “Deutsches Stammzellnetzwerk” bin ich auch schon gespannt. Zudem ist auch nennenswert (wie im Artikel schon erwähnt), dass die zumeist große Kluft zwischen Wissenschaft/Technologie und Bürger verkleinert werden soll, indem Bürger einen besseren Zugang zum Verständniss gewährt werden soll. Was allerdings unter einem”Roadmap-Prozess für Forschungsinfrastruktur” zu verstehen ist, ist mir noch nicht ganz klar.

  2. #2 Alexander Gerber
    1. November 2009

    Beim “Roadmap-Prozess für Forschungsinfrastruktur” dürfte es sich um die geplante Reform handeln. Unter anderem wurde ja in den Wahlprogrammen (insbes. von der FDP) eine steuerliche F+E-Förderung gefordert — sicherlich zunächst ergänzend zur bestehenden Projektförderung. Hieran, denke ich, wird man die Forschungspolitik der kommenden Legislaturperionde noch stärker messen müssen als allein an den Finanzmitteln.

    Bei der “Beweglichkeit” der neuen Regierung in Sachen Biotech-Forschung wäre auch ich skeptisch… ;-)