Wie gelangen (Wissenschafts-)Journalisten heute und in Zukunft an ihre Themen? Welche neuen Recherchemöglichkeiten bietet das Internet, beispielsweise im Hinblick auf das “Deep Web” — in dem etwa 500-mal so viel Wissen verborgen ist wie in dem von Google indizierten “Surface Web”. Mit welchen neuen Online-Formaten experimentieren Journalisten schon heute? Sind diese vielleicht künftig entscheidende Alleinstellungsmerkmale für den “Wissensarbeiter” von morgen? Welche Medien- und IT-Kompetenzen müssen Journalisten künftig haben?

Fragen wie diese habe ich heute in einem Vortrag an der Humboldt-Universität im Rahmen der “Xinnovations 2010” diskutiert. Hier schon einmal die Präsentationsfolien:

Kommentare (7)

  1. #1 Mario
    13. September 2010

    Was soll denn die Folie 24 aussagen?
    Ist das Absicht, dass dort drei Zahnräder ineinander greifen?
    Da war doch letztens etwas bei Chris:
    http://www.scienceblogs.de/erklaerfix/2010/03/studieren-wie-man-sich-gegenseitig-stort.php

  2. #2 Mario
    13. September 2010

    Aber ich habe gerade mal eine Technik Seite gefunden, die das mit den drei Zahnrädern hinbekommen haben:
    http://www.worldoftechnic.de/Drei_Zahnraeder_2.gif
    Respekt ;)

  3. #3 Alexander Gerber
    13. September 2010

    Ja, da bräuchte es jetzt sozusagen den Ton meines Vortrags dazu. Die Folie ist nicht mehr als ein bunter Hintergrund für eine der zentralen Fragen, die wir heute auf der Konferenz diskutiert haben, nämlich dass der Journalismus seine klassische “Gatekeeper-Funktion” weitestgehend verloren hat. Das neue Berufsbild sollte dann der “Interpret” sein, der eher einordnet und verifiziert im Vergleich zum nachrichtlichen Grundrauschen des Webs, ggf. sogar schon als “Information Scout” den Informationshungrigen zur Seite zu stehen. Ich habe argumentiert, dass wir inzwischen auf die nächste Entwicklungsstufe des journalistischen Selbstverständnisses schauen müssten, nämlich den neutralen Moderator mit journalistischen Handwerk. So viel in aller “tippbaren” Kürze… ;-)

    –Alex

  4. #4 Mario
    13. September 2010

    OK, ich verstehe, was du ausdrücken willst.
    Der Zusammenhang deiner Aussage und dem Hintergrundbild erschließt sich mir jedoch noch nicht ganz. Das mit dem Schlüssel/Schloss als Symbol für die „Gatekeeper-Funktion“ mag ja noch passen. Aber was sollen nun diese drei (zum Stillstand verdammten) Zahnräder bedeuten?

    –Mario

  5. #5 Alexander Gerber
    13. September 2010

    …einfach zur Illustration, nicht mehr. ;-)

  6. #6 Hans Brandl
    17. September 2010

    In der Realität ist die Informationsbeschaffung von Journalisten viel einfacher und optimal der Zielgruppe angepasst. Extrembeispiel ist der Fachjournalimus zB. in der Süddeutschen Zeitung:
    Der weltgrösste Spendensammelverein , Greenpeace, lässt einen seiner berühmten Kompakttexte erstellen, die besonders für Journalisten einfach zu verstehen sind und die richtige Botschaft übertragen (die Konzerne, Gentechniker, Energiewirtschaft usw. sind böse, spendet und wir sind dann organisiert dagegen und erlösen euch von allen Übeln) und sendet diesen an die Redaktionen. Dem jeweiligen Journalisten erscheint das auf grund seiner persönlichen Konditionierung einsichtig und und in seinem Horizont nachvollziehbar und druckt das weitgehend wortwörtlich und unkritisch ab, auch wenn solche Statement wissenschaftlich nicht haltbar sind und das auch einfach nachzuprüfen wäre . (Kompetente Recherche ist sowieso etwas, das sich zwar der deutsche Presserat immer wünscht, das aber einfach zu lange dauert und anstrengend ist und weder vom Chefredakteur noch von der Zielgruppe honoriert wird) Ausserdem findet man sowieso im Internet schon die gleiche Instantmeldung und dann muss es ja stimmen. Und ausserdem stimmt dann auch auf einfache Weise die Sollzeilenzahl und alles ist gut.
    Journalisten tragen bei schlampiger Recherche, “journalistischen Tricksereien” oder als naives Politikerecho kaum ein Risiko. Folglich leisten sie sich weniger Informations- und Bildungskosten. Alles zu wissen ist ohnehin nicht optimal, und bei geringem Risiko ist es ökonomisch rational, nicht mal die Begriffe zu kennen, über die man schreibt.

    Und Qualitätsmanagement scheint in der Zunft ein absolutes Fremdwort zu sein, geschweige denn so einen Foliensatz verstehen zu wollen.

    Hans

  7. #7 Alexander Gerber
    17. September 2010

    Natürlich, lieber Hans Bandl, ist die Debatte über Recherchekompetenz und -aufwand so alt wie der Journalismus selbst. Gerade im Wissenschafts- (oder auch Fach-)Journalismus, wie Sie schreiben, denn gerade dieser ist am wenigsten investigativ und am wenigsten konsonant.
    Meiner Meinung nach zeigt uns allerdings die strukturelle Medienkrise mit ihren einbrechenden Auflagen (immerhin haben ausnahmslos alle Wissenschaftstitel massiv an Auflage verloren in den letzten Jahren, siehe hier: http://www.slideshare.net/AlexanderGerber/gerber-wk-trends-2009-wissenschafts-titel), dass die Rechercheproblematik eine ganz neue Dimension bekommt. Auch eine Chance, denke ich, denn wer zumindest jene Recherchemethoden beherrscht, über die ich in meinem Vortrag gesprochen habe (der natürlich allein anhand der Folien nicht komplett selbsterklärend ist für Kollegen, die sich mit Semantic Web u.a.m. nicht schon auseinandergesetzt haben), der hat zukünftig als Journalist ein unschlagbares Alleinstellungsmerkmal — kommt schneller an die besseren Storys, recherchiert zeiteffizienter und zuverlässiger, kann neue interaktive Formate einsetzen anstatt einfach seinen Text runterzutippen etc.

    Der Vortrag war insofern ein Appell vor allem an die junge Journalisten-Generation, die sich fragt, wie sie vom Journalismus in Zukunft noch leben kann. Beispiele für Kolleg(inn)en, die darauf eine sehr erfolgreiche Antwort gefunden haben, liefert die Präse: Christiane Schulzki-Haddouti auf Folien 12 und 14, Adrian Holovaty auf Folie 13, Lise Gagne auf Folie 16, Matthias Eberl auf Folie 18 und so weiter… — DIE haben es allesamt geschafft, haben die Herausforderung begriffen, die neue Online-Welt verstanden. Das ist die Botschaft. ;-)