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In Zusammenarbeit mit researchblogging.org und scienceblogs.de hat WeiterGen die Übernahme eines Gütesiegels für deutschsprachige Blogeinträge über wissenschaftliche Publikationen initiiert.

Wer bloggt über Wissenschaft?

Bloggen über Wissenschaft ist das Thema von ScienceBlogs.de. Wie das geht und was gutes Bloggen über Wissenschaft ist, wurde in den letzten Wochen ja auch schon in einigen Blogs diskutiert, unter anderem natürlich in der Wissenswerkstatt (in einer dreiteiligen Serie), von Monika Armand mit einem kompletten Blog zu dem Thema, im Fisch-Blog, im Basic Thinking Blog, zuletzt hier auf SB.de bei Stefan Jacobasch und bei etlichen anderen, die ich jetzt nicht mehr finde (gerne als Kommentar hier darauf hinweisen). Sogar auf der re:publika08 gab es einen Workshop zu dem Thema.

Die authentischsten Quellen für Blogeinträge zu wissenschaftlichen Themen sind wissenschaftliche Publikationen. Subjektiv wahrgenommen sind es aber eher Pressemeldungen, die von Bloggern aufgegriffen weden (mein Blog eingeschlossen).
Blogeinträge zu Papern haben meiner Meinung nach leider nicht die Resonanz, die sie verdienen, und fachfremden Lesern fällt es schwer zu beurteilen, ob ein entsprechender Blogpost der zitierten Veröffentlichung gerecht wird.

Das soll sich jetzt ändern.

In Zusammenarbeit mit researchblogging.org und scienceblogs.de hat WeiterGen die Übernahme eines Gütesiegels für deutschsprachige Blogeinträge über wissenschaftliche Publikationen initiiert. Auf german.researchblogging.org kann man sich anmelden

Blogautoren, die auf deutsch über wissenschaftliche Publikationen schreiben, können jetzt durch Einbinden des “Blogging on Peer-Reviewed Research” Logos (siehe hier oben links) in ihre Einträgen deutlich machen, dass sie über Artikel aus anerkannten Wissenschaftsmagazinen schreiben.

Die Vorteile

Für den Leser ist mit diesem Gütesiegel sofort erkennbar, dass der Eintrag sich fundiert mit rezensierten Quellen aus anerkannten Magazinen auseinandersetzt, und trotzdem eine individuelle Leistung des Blogautors ist, also nicht nur wiedergegeben wird, was sowieso schon in der Originalveröffentlichung steht.

Auch für Blogautoren ergeben sich Vorteile:
-Eigene Blogeinträge werden bei researchblogging.org zusätzlich gelistet und haben daher eine höhere Präsenz, was wiederum die Anzahl der Leser erhöht.
-Wissenschaftler, die höchstens sporadisch bloggen, dann aber über ihr Fachgebiet (oder darüber nachgedacht haben), haben nicht das Gefühl “ins Nirvana” zu schreiben, sondern werden sofort von einer wissenschaftlich interessierten Lesergemeinde wahrgenommen.

Das Qualitätssiegel wird bereits von vielen englischsprachigen Wissenschaftsblogs genutzt. Eine aktuelle Übersicht der jüngsten, englischsprachigen Artikel findet man hier.
Hier einige Beispielposts:
Can grammar be sexist?, Ice-free arctic by the year 2030, You can learn to be nice, Elephants are not ethnic blind

Wie komme ich an das Logo?

Um das ganze auf Deutsch zum laufen zu kriegen brauchen wir ein paar deutsche Blogs, die – regelmäßig oder sporadisch – über wissenschaftliche Veröffentlichungen schreiben, und sich bei german.researchblogging.org registrieren. Dort finden Blogautoren weitere Informationen und regelmäßige Updates zu dem Projekt.

In der aktuellen Aufbauphase ist es vor allem wichtig, dass sich Blogger dort registrieren. ResearchBlogging.org wird derzeit komplett überarbeitet. Deutsch wird die erste Sprache sein, die neben Englisch in das System integriert wird, sobald die Seite fertig ist, und sich einige Blogs registriert haben.

Also Kollegen, schmeißt das Answers Research Journal in die Ecke, greift zu peer-reviewten Veröffentlichung, und vor allem:

Registrieren und weitersagen!

flattr this!

Kommentare (18)

  1. #1 Chris
    11. April 2008

    Das ist mal eine klasse Initiative. Der kommende Impact-Faktor!

  2. #2 strappato
    11. April 2008

    “Hat den Artikel gelesen und verstanden”. Das trennt sich die Spreu vom Weizen. Durch die Zugangsmöglichkeit und das fachliche Verständnis.

  3. #3 Benedikt
    11. April 2008

    Das hatte ich vor einiger Zeit auch schon auf meinem Blog gefeatured: http://blog.metaroll.de/2007/11/09/minervas-eule-20/ Die Idee ist prinzipiell ganz nett, nur: man sollte ein Siegel, das man sich selbst vergeben kann, nicht mit Qualität verwechseln. (Das gilt aber auch für das klassische Peer Review-System – jeder kann ein peer reviewed-Journal gründen.) Letztlich kann man diese Initiative auch als Versuch sehen, den Qualitätsanspruch von wissenschaftlichen Printjournals ins Onlinezeitalter zu retten. Ich bin überzeugt, dass die Fachverlage von dieser Idee begeistert sein werden.

  4. #4 Monika
    11. April 2008

    Eine prima Sache. Ich hoffe, dass Benedikt’s Bedenken durch eine echte Qualitätssicherung aus dem Weg geräumt werden. Wird wohl eine Sache der Teilnehmer sein, indem eine Eigenverpflichtung eingegangen wird…und qualifizierte Beobachter werden dann das Ihrige tun 😉
    so dass
    “Letztlich kann man diese Initiative auch als Versuch sehen, den Qualitätsanspruch von wissenschaftlichen Printjournals ins Onlinezeitalter zu retten. Ich bin überzeugt, dass die Fachverlage von dieser Idee begeistert sein werden.” Benedikt mit dieser Feststellung die Realität in ein paar Monaten tatsächlich trifft.
    Andererseits
    braucht es, wie Tobias sagt, erst einmal Blogger, welche sich für ein Qualitätslabel engagieren. Ich hatte ja auch schon Anläufe gemacht, allerdings – so denke ich – ist oft die Sorge da, dass allzuviel Wissenschaft “pur” die Besucher auf eine kleine “Elite” zusammenschrumpfen lässt.

    Wer das Bloggen aber aus Spass und Hobby betreibt,mit Liebe zur Wissenschaft, sollte das doch risikieren 😉
    Ich hoffe, dass sich etliche Blogger für diese gute Idee gewinnen lassen.

  5. #5 Tobias
    11. April 2008

    Benedikt hat Recht, es ist sicher per se kein zeichen für Qualität, wenn ein Blogeintrag mit diesem Logo erscheint. Es gibt zwei Levels der Qualitätssicherung bei researchblogging.org:

    1. Blogger müssen sich registrieren, um das Logo benutzen zu dürfen. Jeder Blog wird manuell überprüft, bevor er zugelassen wird. Wie das abläuft steht in einem aktuellen Post auf dem internationalen Pendant: http://bpr3.org/?p=88

    2. Blogeinträge mit dem Label werden auf der Seite researchblogging.org aggregiert und sie koennen als Feed aboniert werden. Wissenschaftler des selben Fachgebiets werden dadurch darauf aufmerksam. Qualitativ kritische Posts und Blogs werden im Forum diskutiert und können ausgeschlossen werden.

  6. #6 ulf
    11. April 2008

    Herzlichen Glückwunsch!
    Ganz große Klasse. Ein überzeugendes, bahnbrechendes Konzept.

  7. #7 Tobias
    11. April 2008

    strappato:

    Durch die Zugangsmöglichkeit…

    Guter Punkt. Leider bieten natürlich nicht alle Journals open access zu den publizerten Artikeln an. Angeblich verschiebt sich aber die Berichterstattung zu wissenschaflichen Themen mehr und mehr ins Internet. Siehe dazu auch hier: http://www.scienceblogs.de/weitergen/2008/03/wissenschaft-in-den-medien.php
    Magazine mit restriktiver Publikationspolitik tun sich also keinen Gefallen (wenn gewünscht wird, dass die Artikel im Internet aufgegriffen und besprochen werden).

    eine (unvollständige) Liste mit Open Acess publishern und frei zugänglichen peer-reviewten Artikeln gibts hier: http://en.wikipedia.org/wiki/Open_access_journal

  8. #8 strappato
    11. April 2008

    Bei mir im Fach sind die OpenAccess-Journals sehr selten. Es sind doch nicht die Magazine, sondern die 2-3 grossen Verlagskonzerne (Elsevier, Blackwell, Springer), die bestimmen, was frei veröffentlicht wird. Ich weiss nicht, wie die Arbeitsbedingungen in verschiedenen Fachbereichen sind. Z.B. für Assistenzärzte, die ja häufig nicht an der Unis sind, ist es schwer, an Literatur zu kommen. Selbst an Unikliniken haben die ja noch nicht einmal einen eigenen Schreibtisch.

    Die Forderung, alle Paper gelesen zu haben, grenzt möglicherweise “Hobbywissenschaftler”, Zuhause-Wissenschaftler und freie Wissenschaftsjournalisten aus. Ob das die Qualität der postings steigert, bezweifele ich.

    Ich habe 24/7 Zugriff – auch unterwges – auf alle relevanten Medizinjournals und eine Abteilung im Hintergrund, die mir den kleinen Rest möglichst schnell besorgt. Aber das ist wohl eher Luxus.

  9. #9 Monika
    11. April 2008

    Anbei meine Einladung zur Teilnahme 😉
    Neues Qualitätssiegel für wissenschaftliche Blogposts

    Ich würde mir in diesem Zusammenhang wünschen, dass die Teilnahme an die gesetzlich vorgeschriebene Impressumspflicht gebunden ist (siehe aktuelle Diskussion um Urheberrecht). Wenn anonym bloggende “Nichtwissenschaftler” – welche sich als Wissenschaftler ausgeben, sich ein solches Qualitätssiegel zu eigen machen, könnte das dem Ansehen des Projektes schaden.

    Neben der gesetzlichen Impressumspflicht ist es auch aus meiner Sicht nicht nachvollziehbar, wenn “echte” Wissenschaftsblogger sich hinter der Anonymität verstecken. Urheberrechtlich gesehen, sind deren Beiträge quasi “herrenlos”….das passt nicht zum Peer Review-Prinzip 😉
    Und da ich vor kurzem gerade durch einen anonym bloggenden Teilnehmer in lockerer Runde die “Veräppelung” der bloggenden Wissenschaftler durch seine angeblich gebloggte “Wissenschaft” erlebt habe (er hat sich darüber lustig gemacht, wie doof doch die Blogwelt sei und wie viele “wissenschaftlich” Interessierte seine rhetorisch gut verkaufte Wissenschaft konsumieren) stehe ich der Anonymität im Ressort “Wissenschaft” noch kritischer gegenüber. Ich hoffe, dass ich nicht ganz alleine mit dieser Anschauung bin 😉
    Im Übrigen sind die Diskussionen auf der amerikanischen Researchbloggingplattform hochinteressant !

  10. #10 Ralf Bendrath
    11. April 2008

    Würde das Siegel bedeuten, dass in dem Blog ausschließlich über wissenschaftliche Beiträge gebloggt wird?

    Ich blogge auch über meine eigene aktuelle Forschung und damit verwandte Themen. Diese Sachen sind aber in der Regel gerade noch nicht veröffentlicht und peer-reviewed, zum Teil noch nicht einmal fertig als Paper konzipiert, sondern die Blogposts sind i.d.R. einzelne Gedanken für spätere Veröffentlichungen.

    Aber vielleicht ist mir das Konzept des Researchblogging auch noch zu unvertraut. Wissenschaftsblogs sind jedenfalls breiter, das zeigen ja gerade die oben verlinkten Beiträge darüber. Vielleicht reicht also auch das “hard bloggin scientist” Gütesiegel. 😉

  11. #11 Tobias
    11. April 2008

    Hi Ralf,
    das Logo wird ausschließlich für einzelne Einträge über wissenschaftliche Publikationen verwendet. Ausschließlich diese Einträge werden dann auch bei researchblogging.org gelistet. Was du sonst im Blog schreibst, ist egal.
    Die auf deutsch übersetzten Richtlinien findest du auch auf german.researchblogging.org
    Das “hard blogging scientist” Label und das “blogging on peer reviewed research” Logo ergänzen sich sozusagen. Das erste für den ganzen Blog, das zweite für einzelne Einträge.
    Es geht ja auch nicht nur um das Logo, sondern auch um die researchblogging.org Seite, auf der die Posts aggregiert werden.

  12. #12 strappato
    11. April 2008

    Für einzelne Beiträge. Aha. Man liest einen Artikel und sasgt etwas dazu. So eine Art virtuelles Doktoranden-Colloquium. Nette Idee. Hat nur wenig mit Wissenschafts-Bloggen zu tun, meiner Meinung nach.

  13. #13 Marie
    12. April 2008

    Neues Qualitätssiegel…
    Das kann ja nicht ausbleiben. Nach Qualitätssiegeln für Rindfleisch und Bio-Möhren ist es auch für Blogger an der Zeit, Qualität zu liefern. Vielleicht wie beim Wein? Kabinett? Spätlese? Trockenbeerenauslese? Oder wie beim Cognac? VSOP als Qualitätsmerkmal? Vielleicht gibts bald einen Blogger-TÜV. Freigabe für weitere 2 Jahre, aber dennoch einer jährlichen Abgassonderuntersuchung unterworfen?
    Und wer entscheidet über die Qualität der Kommentare? Einer wie dieser wäre dann ohnehin nicht mehr möglich.

  14. #14 Sebastian
    12. April 2008
  15. #15 Thilo Kuessner
    12. April 2008

    @ Marie

    Es geht nicht um Qualitätskontrolle, sondern darum, daß man Feeds zusammenstellen kann aus Artikeln, die sich ausschließlich Forschungsthemen widmen.

    Viele der Beiträge auf Wissenschaftsblogs betrachten ja auch aktuelle politische oder sonstige Diskussionen, die mehr oder weniger mit Wissenschaft zu tun haben.

    Das Logo soll nicht die Qualität der Blog-BEITRÄGE, sondern die Forschungsnähe des THEMAS bestätigen.

  16. #16 Tobias
    12. April 2008

    @ Sebastian: Ja.
    Soweit ich das als Biologe beurteilen kann.
    Die genauen Richtlinien findest du hier: http://german.researchblogging.org/?page_id=6
    Beispieleinträge zu Computersciences findest du hier: http://researchblogging.org/index.php?cat=6
    Da du jetzt auf german.researchbloggin.org registriert bist, würdest du, wenn sich weitere Blogs, die über dein Fachgebiet schreiben registrieren wollten, eine Mail bekommen mit der Bitte, den entsprechenden Blog zu beurteilen und zu entscheiden, ob der Blog aufgenommen wird (wenn du dazu bereit wärst).

    @Thilo: Genau!

  17. #17 Benjamin
    14. April 2008

    Sehr gute Initiative. Das wäre für mich eine Anregung überhaupt mal etwas im engeren Sinne Fachwissenschaftliches zu bloggen. Bisher hätte ich das für ziemlich sinnlos gehalten, da die meisten KollegInnen in der Erziehungswissenschaft m.E. in der Blogosphere noch nicht so recht angekommen sind. Aber das wird sich dann ja zeigen.

  18. #18 Martin Gerken
    20. April 2008

    Das Format muss technisch noch weiter gedacht werden: http://hublog.hubmed.org/archives/001595.html
    Es ist ein “Tag”, also eine Kenntlichmachung durch den Autor selber, kein Qualitätssiegel im engeren Sinne.