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Seit der ersten PISA-Studie 2000 ist Bildung prominent auf der politischen Agenda. Ein paar Unis werden mit einem “Elite-Label” geadelt, und der warme Geldregen scheint sofort zu versickern. Die Bologna-Reformen führen zu einer Restrukturierung etablierter Studiengänge. Bessere Bildung oder nur spezifischere Ausbildung? Die Uni Freiburg erlässt Hochbegabten die Studiengebühren. Ist das effektive Elitenförderung oder nicht mehr als ein halblegaler Marketinggag?
WeiterGen hat sich mit Eliten- und Hochbegabtenförderung beschäftigt. Hier ein Interview mit Ulf Kaschl, Lehrer und Mentor am Landesgymnasium für Hochbegabte (LGH) in Schwäbisch Gmünd (Baden Württemberg).

Wie werden hochbegabte Kinder und Jugendliche in Deutschland gefördert?


WG: Ulf, In Deutschland scheint man mittlerweile begriffen zu haben, dass Eliten nichts Anrüchiges haben, und Hochbegabte gefördert gehören. Du bist Lehrer und Mentor an einer der wenigen staatlichen Schulen für Hochbegabte in Deutschland. Was unterscheidet eure Schule von einem regulären Gymnasium?

UK: Zunächst einmal die Tatsache, dass alle Schüler eine nachgewiesene Hochbegabung besitzen – die beginnt per Definition ab einem IQ-Wert von 130, das heisst jenseits der zweiten Standardabweichung vom Mittelwert 100. Somit sind etwa 2 % der Bevölkerung als hochbegabt anzusehen.
In unser Bewerbungsverfahren wird aufgenommen, wer einen IQ-Wert von über 120 nachweisen kann, da wir von einer gewissen Unschärfe der Tests ausgehen müssen, und tagesformabhängige Leistungsschwankungen berücksichtigen. In der Form orientiert sich unser Internat an den Campus-Modellen angelsächsischer Bildungseinrichtungen, dort hat man ja eine viel längere Tradition der Internatsschulen als in Deutschland. Hierzulande werden Internate oft nur von extrem Privilegierten genutzt oder zum Beispiel für schwererziehbare Kinder eingerichtet.

Als Folge ergibt sich eine Philosophie des „gemeinsamen Lebens und Lernens” – alle Lehrer arbeiten auch im Internat, die meisten wohnen mit auf dem Campus. Aus dieser Nähe ergibt sich einerseits eine Verschmelzung von Unterricht und Privatem (ich kann nicht mehr zählen, wie viele Bildungsinhalte bei mir zu Hause auf dem Sofa oder mal eben auf dem Weg von der Mensa zum Internat durchdiskutiert wurden) andererseits kann ich als Lehrer die Leistungsfähigkeit meiner Schüler sehr genau einschätzen, da ich sie in vielen Situationen kenne lerne, die im normalen Schulalltag völlig ausgespart würden.

WG: Gibt es weitere Unterschiede?

UK: Rein technisch unterscheiden wir uns auch im Curriculum: Fundamente unserer Hochbegabtenförderung bilden „Acceleration” und „Enrichment”, d.h. wir unterrichten den regulären Stoff in verkürzter Zeit (etwa 2/3 der Unterrichtsstunden) und gewinnen dadurch Stunden für Angebote, die man in normalen Schulen nicht oder nur selten findet: Creative Writing, Quantenphänomene, Molekularbiologie, Chinesisch, Arabisch, Hebräisch, Mathe-Spitzenförderung, Debating, Klettern, Fechten, Baseball, und so weiter. Diese sogenannten ‚Addita’ finden am Nachmittag statt und stellen meiner Erfahrung nach eine wesentliche Attraktion für unsere Schüler dar, da sie inhaltlich oft weit über normale AGs anderer Schulen hinausgehen.

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WG: Wie wird das Internat in der Öffentlichkeit wahrgenommen?

UK: In Schwäbisch Gmünd selber schwankt die Wahrnehmung zwischen „der Streberschule, die uns das Geld für die anderen Gymnasien wegnimmt” und „unseren Käpselen” auf die man stolz ist, wenn es sie in Fernsehen und Zeitung zu bestaunen gilt. Generell sind die Berührungsängste noch sehr groß, trotz vielfacher Bemühungen, uns ins Stadtbild zu integrieren. Zum ersten Punkt kann man nur immer wieder betonen, dass es die Stadt Schwäbisch Gmünd nicht mehr Geld kostet, uns zu unterhalten, als die anderen Gymnasien, da die meisten Gelder vom Land kommen. Dass die allgemeine finanzielle Lage des Bildungssektors gerade im Ostalbkreis katastrophal ist, bleibt allerdings traurige Tatsache. Davon bleiben auch wir nicht verschont – trotz vollmundiger Versprechungen warten wir nun schon im fünften Jahr auf eine eigene Turnhalle und haben gerade erst unseren Freizeitbereich halbwegs in Betrieb nehmen können – für ein Internat natürlich eine Zumutung.
Geht man über Gmünd hinaus, so stoße ich überall in Gesprächen und bei Fortbildungen auf interessierte Menschen, die sich mehrheitlich positiv zu der Idee einer speziellen Förderung hochbegabter Schüler äußern.

WG: Ist Hochbegabung einfach mit einem hohen IQ gleichzusetzen?

UK: Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten der Definition: eine leistungsbezogene, und eine, die das Potential zur Leistung anerkennt. Im ersten Fall ergibt sich aus einer hohen Problemlösungsfähigkeit und einer hohen Motivation sowie günstigen Rahmenbedingungen (wie z.B. ein sozial intaktes, förderndes Elternhaus und gute Lehrer) eine besonders gute Leistung, z. B. in Schulnoten oder bei Wettbewerben etc.
Im zweiten Fall bezieht man sich nur auf das Potential zur Erbringung einer Leistung, das heißt letztlich auf eine hohe Intelligenz. Wie bereits erwähnt, legt man hier gemeinhin die Messlatte bei einem IQ von 130 an, d.h. in den Top 2 % der Bevölkerung. Diese Grenze ist natürlich willkürlich gesetzt.
Am LGH verfahren wir nach der Potenzialdefinition – dementsprechend sind unsere Schüler nicht nur in ihren Interessen und Charakteren, sondern auch in ihren Leistungen höchst heterogen. Wir haben also keineswegs nur Schüler, die ausschließlich gute Noten haben und hoch motiviert sind (sogenannte Hochleister), sondern auch mittelmäßige bis ganz schlechte Schüler. Wir nehmen auch Schüler aus Real- und Hauptschulen auf, alleinige Kriterien sind nachgewiesene Hochbegabung und Internatsfähigkeit.

WG: Was ist die Motivation der Schüler, sich bei euch zu bewerben?

UK: Der am meisten genannte Grund für eine Bewerbung am LGH ist der Wunsch nach Freunden und Gleichgesinnten. Auch wenn dies nicht ausschließlich der Fall ist, erleben doch viele hochbegabte Schüler sich an ihren Regelschulen als Außenseiter und sozial isolierte ‚freaks’, die bisweilen nicht nur von Schülern, sondern auch von Lehrern missverstanden werden, und teilweise auch Mobbing ausgesetzt sind. Das Zitat von Hermann Hesse „Ein Lehrer hat lieber zehn Esel in der Klasse, als ein Genie” trifft leider immer noch auf viele meiner Kollegen zu.

WG: Häufig ist also ein Leidensdruck gegeben?

UK: Nicht ausschließlich. Unsere Schule bietet herausragende Möglichkeiten der Förderung mit extracurriculären Angeboten, Wettbewerben und individueller Lernwegsbetreuung – jeder Schüler hat einen Mentor, der eine individuellen Weg durch die Schullaufbahn und teilweise darüber hinaus schneidert. Dadurch werden auch Schüler angezogen, die vielleicht in ihrer normalen Schule sozial ganz gut aufgehoben sind, aber nicht genügend intellektuelle Förderung erfahren.
Außerdem gibt es eine Gruppe von Schülern, bei denen man den Eindruck hat, dass sie in ihren Ansprüchen das Elternhaus schlicht überfordern – und ich sage nicht, dass dies schlechte Eltern seien. Hochbegabte brauchen extrem viel Zuwendung und intellektuelles ‚Futter’, ein hochbegabtes Kind zu haben, ist tatsächlich für viele Eltern eine untragbare Belastung – nicht nur, aber auch – weil es einfach noch zu wenige Fördermöglichkeiten in der Regelschule gibt.
Interessanterweise glauben fast alle Eltern, ein hochbegabtes Kind zu haben, sobald es in der Schule nicht klappt. Das ist natürlich Unsinn.

WG: Ist das Förderkonzept und sind die pädagogischen Methoden am LGH nur für hochbegabte Schüler anwendbar?

UK: Da die Grenze zur Hochbegabung natürlich eine willkürlich festgelegte ist, ist diese Frage hinfällig. Das LGH böte mit seinem Konzept sicher auch für normal begabte Schüler optimale Förderbedingungen und würde so manche Leistungssteigerung bewirken. Die Regierungen der Länder täten gut daran, mehr Geld in die Bildung zu investieren, und ihre Schulen mit vergleichbaren Möglichkeiten auszustatten.
Dass man es aber tatsächlich mit Hochbegabten zu tun hat (was man im Alltag gerne mal vergisst), merkt man dann aber doch in den Ergebnissen. Die Preisträger der Wettbewerbe häufen sich zu schier unüberblickbarer Vielfalt, ob bei Jugend forscht, Jugend musiziert, Mathewettbewerben und so weiter. Nur bei Sportwettbewerben schneiden wir durchweg schlecht ab, was natürlich ein althergebrachtes Klischee zu unterstützen scheint.

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WG: Wie äußert sich die Hochbegabung der Schüler im Schulalltag?

UK: Das ist ganz unterschiedlich. Wir unterscheiden grob vier Typen. Da gibt es einmal den bereits erwähnten ‚Hochleister’, bei dem ‚Schule’ positiv besetzt ist, der fleißig und hoch motiviert lernt, und in allen Fächern Glanzleistungen erbringt. Darüber hinaus spielt er mehrere Instrumente auf hohem Niveau, verbringt seine Sommerferien auf Schülerakademien oder bei Forschungsprojekten oder mit sonstigen intellektuellen Herausforderungen.
Dann gibt es die „Spezialisten”, die auf einem Fachgebiet teilweise bereits universitäres Niveau erreichen, aber dafür an anderen Fächern nur mäßig interessiert sind. Solange es dort ohne Anstrengung für die „Drei” reicht, machen sie, außer für ihr Spezialgebiet, keinen Finger krumm.
Die „Minimalisten” hingegen haben überhaupt keine schulischen Interessen, sondern verbringen ihre Zeit mit Computer, Comics und Chaostheorie. Solange die Versetzung nicht gefährdet ist, bleibt Schule ein lauer Nebenjob. Den Extremfall hatten wir im ersten Abitur: der Schüler mit dem höchsten IQ brachte es fertig, die Grenzen der Abiturregelung so auszureizen, dass er mit der absoluten Mindestpunktzahl bestand. Ich glaube, er hat mehr Zeit damit verbracht, die Möglichkeiten dieser Minimaloption auszurechnen als er sich in seiner gesamten Schullaufbahn mit Mathehausaufgaben beschäftigt hat.
Schließlich gibt es die Gruppe der „Underachiever”, Schüler, die trotz nachgewiesenem Potential sehr schlechte Leistungen erbringen, und z.B. sehr stark vom Sitzenbleiben und anderem schulischem „Versagen” betroffen sind.

WG: Welcher dieser Schülertypen ist bei euch an der Schule am häufigsten repräsentiert?

UK: Auch wenn hochbegabte Schüler so bunt wie das Leben selbst sind, denke ich, dass alle vier Typen bei uns in ausgewogener Mischung vertreten sind. Natürlich sind alle unsere Schüler höchst individuelle Menschen, die man auch in ihren Leistungen nicht losgelöst von ihrer persönlichen Biografie betrachten kann und darf. Diese Typisierungen können ja nur grobe Vereinfachungen sein. Darüber hinaus sind es „ganz normale Teenager” mit all den Problemen und Problemchen, die diese haben, und die auf den ersten und oft auch zweiten Blick nicht von anderen Schülern zu unterscheiden sind. Als Erkennungsmerkmal ist allen höchstens eine ausgeprägte Leidenschaft zum Diskutieren gemein.

WG: Zum Abschluss noch eine Anekdote aus dem Internat?

UK: Ganz besonders ist mir der Morgen des Gründungstags in Erinnerung. Schüler und Lehrer hatten gemeinsam die erste Nacht auf dem neuen Campusgelände verbracht. Ich hatte schlecht geschlafen – schließlich war ich auf einmal Vaterersatz für zwölf hochbegabte pubertierende Jungs geworden. Ich ging zum Wecken um 6:30 Uhr in die Wohngruppe – die Hälfte der Schüler war bereits wach und spielte in Schlafanzügen Schach.

WG: Ulf Kaschl, vielen Dank für das Interview.

Kontakt:
http://www.lgh-gmuend.de/
info[ät]lgh-gmuend.de

Das Landesgymnasium für Hochbegabte in Schwäbisch Gmünd wurde 2004 gegründet und wird als Internat geführt. Derzeit gibt es sieben Klassen mit rund 150 Schülern. Es ist geplant, die Klassen 7-12 zweizügig auszubauen und bis zu 260 Schüler zu unterrichten. Beratung für Eltern und Schüler im Kompetenzzentrum des Landesgymnasiums. Lehrer bewerben sich direkt im Sekretariat.

Literatur
Hochbegabte Kinder, ihre Eltern, ihre Lehrer (Webb, Meckstroth, Tolan; Hans Huber Verlag ISBN 3-456-84118-3)
Hochbegabte Kinder – Persönlichkeit, Entwicklung, Förderung (Stapf; C.H. Beck Verlag, ISBN 3-406-50252-0)
Im Labyrinth. Hochbegabte Kinder in Schule und Gesellschaft (Hrsg: Deutsche Geselllschaft für das hochbegabte Kind e.V.; LIT Verlag; ISBN 3-8258-5205-9
Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind e.V. dghk.de

Links
Schüler des LGHs bei Johannes B Kerner
Hirnforschung und das Konzept der Hochbegabung – Drei Hirnforscher und zwei “Ansichten”
Was ist Hochbegabung? Hochbegabung ist das, was Wissenschaftler definieren….

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Kommentare

  1. #1 Monika Armand
    3. Juni 2008

    Sehr interessanter Beitrag. Eigentlich ist es ja nur fair, dass nicht nur die “Schwächsten”, sondern auch die geistig “Stärksten” in besonderen Schulen gefördert werden ;-)
    Und Wissenschaft benötigt immer auch hervorragende “Köpfe”. Bleibt nur noch zu hoffen, dass die Absolventen auch an Hochschulen ihren Platz finden können und es nicht so geht, wie im Buch Professor (Un)tat beschrieben: Hochschulpolitik, Professor (Un)tat & Wissenschaftlerdasein in Deutschland

  2. #2 Marie
    3. Juni 2008

    Schwache Schüler, lernbeeinträchtigte, auch verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche zu fördern, ist sinnvoll und einer modernen Industriegesellschaft adaequat. Das aber kostet Geld, Geld, das u.a. von Leistungsstarken erarbeitet werden muss. Daher ist die spezielle Förderung von Begabten und Hochbegabten unerlässlich – sie könnten später zu den Leistungsstarken zählen. Ob die Begabten-/Hochbegabten-Förderung allerdings in das politische Konzept jener Gleichmacher passt, in deren Augen jeder IQ über 100 verdächtig erscheint und gar als Ergebnis persönlicher, widerrechtlicher Bereicherung auf Kosten der “Armen” angesehen wird, das ist noch nicht abschließend diskutiert. Ich habs noch im Ohr: “Wir brauchen keine Eliten!”

  3. #3 Fee
    3. Juni 2008

    Hola Tobi,
    gelungener artikel und das Interviewformat gefaellt mir gut. Und auch Ulfs Eloquenz scheint mir Wahrheitsgetreu ruebergebracht worden zu sein (bei mir beweist der vorangehende Satz, dass die Eloquenz in meinem Fall bestimmt kein Hochbegabtenniveau erreicht hat!). Gruesse

  4. #4 Kaschl Günter
    5. Juni 2008

    “Wenn Könige bauen, bekommen Kärrner zu tun” sagte Werner Heisenberg und meinte damit: wenige Spitzenforscher haben die revolutionären Ideen, überschreiten die Grenzen des Hergebrachten und öffnen die Fenster zu Neuem. Viele weitere bekommen dann neue Aufgaben (und Brot!), indem sie die neuen Felder bestellen und damit den Fortschritt der Wissenschaft, aber der Gesellschaft vorantreiben, nicht zuletzt auch in sozialer und ökonomischer Hinsicht. Aber ohne Könige keine Schlösser!

    In der Hoffnung, dass aus den Hochbegabten Leistungs-Eliten (aber auch Charakter-Eliten!) werden, die in der Gesellschaft Führungsfunktionen übernehmen, sind mehr Institutionen wie das LGH dringend nötig. Die Investitionen werden sich vielfach zurückzahlen.

    Die Schüler des LGH sind sicherlich privilegiert. Ist das ungerecht? Nein! Chancengerechtigkeit heißt m. E.: Fördere jeden gemäß seiner Leistungsfähigkeit, Leistungsbereitschaft und erreichtem Niveau, um sein Potenzial optimal für die Gesellschaft zu nutzen. Das bedeutet für Hochbegabte sicherlich besondere Anstrengungen.

    Aber Deutschland hat für die Erziehung und Förderung auf allen Stufen und Niveaus Nachholbedarf. Und natürlich bedarf es besonderer Anstrengungen auch für die weniger Begabten, die Problemfälle und Erziehungsgeschädigten oder Unerzogenen, um schlimmen Folgen für die Gesellschaft vorzubeugen.

  5. #5 Schorsch
    18. Juli 2010

    Der Aussagen “Die Schüler des LGH sind sicherlich privilegiert. Ist das ungerecht? Nein! Chancengerechtigkeit heißt meines Erachtens: Fördere jeden gemäß seiner Leistungsfähigkeit, Leistungsbereitschaft und erreichtem Niveau, um sein Potenzial optimal für die Gesellschaft zu nutzen. Das bedeutet für Hochbegabte sicherlich besondere Anstrengungen.” möchte ich aufs heftigste widersprechen.
    Offenbar hat nicht die Hochbegabung sondern die fehlende Sozialkompetenz (Egoismus) der künftigen Eliten auf Herrn Kaschl während seiner Tätigkeit am LGH abgefärbt. Es kann nicht sein das man Minderbegabte und Hochbegabte verstärkt fördert und durchschnittliche begabte dass Nachsehen haben. Entweder es wird jeder mit gleicher Anstrengung gefördert, um ihm ganz nach seine Fähigkeiten die besten Starchancen zu bieten oder man fördert aus Solidarität die Minderbegabten stärker. Aber eine besondere Förderung der Eliten, um die Renditen auch im Bildungbereich zu maximieren ist angesichts der Finanzkrise, die auf letzlich auf Renditemaximierung zurückzuführen ist, verdammt kurz gedachht. Letzteres führt konsequenterweise dazu, das wir unsere Eliten klonen und die Minderbegabten sterilisieren oder gar eliminieren werden. Ein ähnliches Konzept haben die Nazis verfolgt, um die deutsche Rasse zu optimieren!

    Auch die Klagen des ehemaligen LGH-Lehrers über die schlechte Ausstattung des LGH`s in Schwäbisch Gmünd sind Klagen auf sehr hohem Niveau. Welche Schule hat ein Lehrer-Schülerverhältnis von 6 zu 1. Auch eine eigene Sporthalle in ausreichender Größe war stets vorhanden, nur nicht das neueste Baujahr. Auf dem Schulgelände befinden sich zwei Tennisplätze und ein Basketballplatz, ein Sportplatz liegt unmitelbar neben der Schule. Mittlerweile steht dem LGH zusätzlich eine 5-teilige Sporthalle zur Verfügung. Die Gebäude in denen das LGH untergebracht ist wurden aufwendig renoviert, obwohl die vorhandenen Gebäude der university of maryland lange Zeit vollständig ausgereicht haben. Man hat also bereits vor Eröffnung des LGH sehr viel Geld unnötig zum Fenster hinaus geworfen, nur weil das LGH ein Vorezeige- bzw. Prestigeprojekt des Landes bzw, der Eliten-Ministerin Schavan werden sollte. Etwas weniger Gejammer würde dem LGH und seinen Lehrern gut zu Gesicht stehen! Es gibt nicht viele Schulen, die so ausgestattet sind wie das LGH!!

  6. #6 Ulf Kaschl
    18. Juli 2010

    Hallo Schorsch,

    Erstmal: die fehlende Sozialkompetenz, die du bösartigerweise Herrn Kaschlunterstellst, auf dessen Aussage du dich beziehst, kann nicht von einer Tätigkeit am LGH und dem ‘Egoismus der künftigen Eliten’ dort rühren, da er niemals dort tätig war. Wer anonym im Internet stänkert, und ernst genommen werden will, sollte zumindest fähig sein, zwischen Ulf und Günter unterscheiden zu können.

    Zweitens: Das LGH kann erst seit Juni 2010 (die von dir angesprochene 5teilige) Turnhalle auf dem Campus benutzen, die übrigens natürlich nicht dem LGH ‘gehört’, sondern ein städtisches Sportzentrum darstellt und somit vielen Vereinen und der Gmüder Bevölkerung offen steht. Natürlich ist das gut so! Aber fast fünf Jahre lang mussten die Schüler des LGH zum Sportunterricht in die Turnhallen anderer Schulen in Gmünd gefahren werden. Falls du auf den provisorischen Gymnastikraum auf dem Campus anspielst, und diesen als ausreichend große Turnhalle betitelst, kann das ja nur ein Witz sein. Das Gebäude in Größe von etwa 1,5 Klassenzimmer war so baufällig, dass die Decke mit einem Netz auf 3 m Höhe abgehängt werden musste, damit niemand von herabfallendem Putz erschlagen wurde. Ballsportarten waren hier nicht möglich, nur Gymnastik und Aerobic, Auf dem ebenfalls angesprochenen angrenzenden Fußballfeld waren wir nur eine Zeit geduldet. Dieses Schuljahr etwa durfte er von LGH-Schülern nicht betreten werden.
    Also, lieber Schorsch, auch wenn du dich offenbar mit dem LGH beschäftigt hast, bitte bei den Fakten bleiben, und keinen Unsinn ins Internet streuen.

    Drittens: Deine Meinung, mit der Renovierung und den Neubauten wäre unnötig Geld rausgeschmissen worden, kann ich mir höchstens mit einem ausgeprägten schwäbischen Sinn für Inveśtitionen erklären. Die Gebäude der ehemaligen UofM in Europe waren höchst baufällig. Weder Mauerwerk, Fenster, Dämmung, noch Heizung waren auf aktzeptablem Stand, Sollte man etwa eine neues Internat in einer energiefressenden Altbauruine mit Schimmel in den Wänden unterbringen? Seltsame Vorstellung.

    Viertens: Ein Schüler-Lehrerverhältnis von 6:1 ist aussergewöhnlich? Das ist richtig – das LGH ist aber nicht nur Schule, sondern ein Vollzeitinternat, das ausschließlich von lehrendem Personal geführt wird, vom morgendlichen Zähneputzen bis zum Schlafengehen, und darüber hinaus durch die Nacht bis zum nächsten Morgen. Rechnet man diese Arbeitszeit mit ein, und wie sollte man das nicht, liegt das LGH voll in der Norm.

    Fünftens: Aus der besonderen Förderung Schwach- und Hochbegabter herauszulesen, dass die ‘Normalen’ nicht gefördert würden, ist schlichtweg absurd. Jeder Schüler verdient die Förderung, die aus ihm das Maximale herausholt. Hochbegabte müssen mehr gefördert werden, weil bei Ihnen mehr zu holen ist.

    Sechstens und Letztens: Der Vergleich der Förderung Hochbegabter mit der durch Renditemaximierung ausgelösten Finanzkrise ist für mich nicht schlüssig und klingt nach Geschwurbel – will sich hier jemand mit der Anspielung auf ein derzeit in der Bevölkerung sensibles Thema vor einer sachlichen Diskussion drücken bzw. eigene inhaltliche Defizite vertuschen? Für Hinweise, die zur Erklärung der unpassenden Metapher führen, wäre ich dankbar.

    Viele Grüße, wohin auch immer,

    Ulf Kaschl

  7. #7 Schorsch
    19. Juli 2010

    Mein letzter Kommentar hat sich auf zwei verschiedene Personen bezogen, wie ich nachträglich feststellen musste. Zum einen auf die Aussage von Günter Kasch und zum anderen auf Aussagen von Ulf Kasch. Aber vermutlich gehören die beiden irgendwie zusammen.
    Wenn man über die optimalen Bildungsvoraussetzungen nachdenkt, darf man die Finanzen darüber nicht ganz vergessen. Beim Prestigeobjekt der Frau Schavan wurde in die Vollen gegangen, um das politische Zeichen “Eliten sind wichtig” zu setzen. Was will Frau Schavan damit erreichen?
    Natürlich sind Eliten wichtig, denn das sind die, die an der Spitze stehen. Daher wäre es gut, dass aus Hochbegabten nicht das letzte herausgegequetscht wird, sondern dass vor allem ihre soziale Kompetenz gestärkt wird und zwar nicht im Sinne, wie manipuliere ich die Masse in meinem Sinne am Besten!
    Um die Problematik von Eliten deutlich zu machen, muss ich leider an Adolf Hitler und die, die ihn an die Macht gebracht haben, erinnern. Auch Adolf gehörte einer Elite an, leider fehlte ihm wie vielen seiner heutigen Kollegen jedes Verantwortungsbewusstsein.
    Wenn heute etwas in höheren Schulen verstärkt vermittelt werden sollte, dann ist es Verantwortungsbewußtsein und nicht elitäres Bewußtsein, wie etwa in den Elite-Schulen der Nazis. Hochbegabten sollte außerdem verstärkt deutlich gemacht werden, dass ihre Begabung ein unverdientes Geschenk ist, dass nicht nur in persönlichen Reichtum umgesetzt, sondern vor allem zum Nutzen der Menschheit eingesetzt werden sollte.
    Ob es politische Gleichmacher gibt, denen ein IQ über 100 verdächtig erscheint, wage ich zu bezweifeln. Wenn jemand gegen Eliten argumentiert, dann denkt er natürlich vor allem an die bisherigen Führungseliten der Menschheitsgeschichte (weniger an die grossen Geister wie etwa Einstein, Humboldt, Kant, Goethe,….), die in der Regel nur persönlichen Macht und Reichtum im Auge hatten. In dieser Beziehung hat sich wenig geändert. Der Spruch “Leistung muss sich lohnen” wird vor allem von denen missbraucht, die für ihre Familien bereits für die nächsten 2000 Jahre vorgesorgt haben. Die tatsächlichen Leistungsträger in unserer Wirtschaft, die neue Produkte oder Technologien entwickeln, verdienen bei weitem nicht das, was Manager verdienen, die jeden Tag Monopoly spielen und dabei die gesamte Weltwirtschaft aufs Spiel setzen! Einige haben offenbar schon die noch andauernde Finanz- und Wirtschaftskrise vollständig verdrängt.
    Wir brauchen dringend mehr Intelligenz und weniger Dummheit in unserer Eliten, aber vor allem benötigen wir vielmehr Sozialkompetenz (im positiven Sinn!). Ein hochbegabter Mensch namens Jesus hat vor 2000 Jahren gesagt “Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt”! Vielleicht hilft dieser Satz den Eliten von der Masse geliebt zu werden. Das gleiche kann man mit dem Satz “Liebe deinen Nächsten wie dich selbst” auch auf die nette Tour vermitteln. Aber die nette Tour ist beim Menschen, der “Krönung der Schöpfung”, und insbesondere bei der Krönung der Krönung der Schöpfung in der Regel nicht nachhaltig genug!

  8. #8 Schorsch
    19. Juli 2010

    Lieber Ulf Kaschl,
    habe deine Reaktion auf meinen gestrigen Kommentar ganz übersehen. Du kennst dich ja offenbar im LGH sehr gut aus. Wie soll ich den folgende Satz des obigen Artikels deiner Meinung nach interpretieren: “Hier ein Interview mit Ulf Kaschl, Lehrer und Mentor am Landesgymnasium für Hochbegabte (LGH) in Schwäbisch Gmünd (Baden Württemberg).” ? Ist das ganze Interview Fantasy?

    Die Tatsache, dass LGH-Schüler nicht mehr auf den Sportplatz dürfen, ist sicher kein Problem, dass nicht gelöst werden könnte. Ebenso wäre die Sache mit dem Deckenputz mit relativ geringem Kostenaufwand zu beheben gewesen. Leider beabsichtigt die Stadt die ehemalige Sporthalle, die den Studenten ausgereicht hat und nicht kleiner ist wie die Halle, die ich während meines 9-jährigen Besuchs in einem Gmünder Gymnasiums zur Verfügung hatte, dieses Jahr abzureißen, um den LGH-Schüler eine Freilichtbühne oder eine ähnliche Spielerei zukommen zu lassen. Damit wird der Denkmalschutz im Bereich der früheren Bismarck-Kaserene erneut missachtet, um den LGH-Schülern das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Mein ehemaliges Gymnasium in Gmünd (PG) musste jahrelange Eimer unterm Dach aufstellen und sich mit vorsinnflutlichen Computern herumschlagen. Übrigens der Umbau der denkmalgeschützten Gebäude der ehemaligen Bismarck-Kaserne hat zum größten Teil nichts mit dem notwendigen Wärmeschutz zu tun gehabt. Ist ein Glasdach eine Wärmeschutzmaßnahme? Das Hauptziel der Architekten war es den “Kasernencharakter” zu eliminieren, obwohl mit dem Einzug der UMUC das ehemalige Kasernengelände bereits den Charme einer “ehrwürdigen amerikanischen” Universität annahm. Heute ähnelt der ehemalige Universitäts-Campus wieder mehr einer Kaserne!

    Die Bemerkung mit der fehlenden Sozialkompetenz hat “Herr Kaschl” den Ausführungen von Günter Kaschl zu verdanken, wer immer das sein mag. Nochmals, es handelte sich um eine durch die Gleichheit der Nachnamen bedingte Verwechslung. Wenn Herr Ulf Kaschl, d.h. also Du, nie Lehrer am LGH war, dann ist mein Vorwurf ja automatisch gegenstandslos. Dennoch entschuldige ich mich für meinen Irrtum. Ich hoffe, dass dein aggressiver Ton nur auf diese Verwechslung zurückzuführen ist. Offenbar bist du noch etwas empfindlicher in Bezug auf unberechtigte Kritik wie ich.

    Vorwürfe sollten wenigsten sachlich begründet sein. Auch wenn mein Vorwurf gegenüber “dir” auf einer Verwechslung beruht, so ist der Vorwurf durch das Zitat zumindest begründet und eindeutig zuordenbar. Dein einleitender Vorwurf scheint mir völlig unbegründet zu sein.
    Wer sich unter dem Namen “Ulf Kaschl” an mich wendet, im Internet als Lehrer des LGH auftaucht und mir dann fehlende Sachkompetenz vorwirft, scheint mir deutlich fragwürdiger als jemand, der unter einem Spitznamen wie Lieschen oder Schorsch im Internet einen Kommentare abgibt. Übrigens deine Grüße kamen in der Werrenwiesenstraße in Schwäbisch Gmünd, in unmittelbarer Nähe des LGH an.

    Ich bin nur normalbegabt und habe außerdem nicht die Zeit, mich damit zu beschäftigen, ob jemand real oder fiktiv ist. Meine Meinung ist auf jeden Fall nicht fiktiv, sondern real und ich gehe davon aus, dass auch anonyme Schreiber meinen, was sie sagen! Deshalb reagiere ich auch auf jede unqualifizierte Äußerung, die mich ärgert!

    Selbst die Worte des fiktiven ehemaligen Lehrers und Mentors am LGH, “Ulf Kasch”, kann ich nicht ignorieren. Wenn eine fiktive Identität zu falschen Schlüssen führt, dann ist der dafür verantwortlich, der die fiktive Person erfunden hat und nicht der, der darauf reagiert.

    An einem rhetorischen Schlagabtausch, d.h. einem Debating-Wettbewerb, bin ich übrigens nicht interessiert. Mir geht es persönlich nur um eine sachliche Auseinandersetzung über das Thema “Elite und Hochbegabung”. Als unmittelbarer Anlieger des LGH bin ich auch mit den negativen Seiten von Hochbegabung und Elite konfrontiert! Habe aber auch schon die Freude gehabt mit einigen Exemplaren der Spezies “Hochbegabung” das bestandene Abi bei ein paar Bieren zu feiern! Etwas, dass ihnen am LGH-Campus offenbar verboten ist. Daher vermüllen immer mehr, immer weniger umweltbewußte LGH-Schüler die Gegend außerhalb ihres Campus bzw. des Universitätsparks. Details dazu gibt es demnächst unter http://www.gmend-gugga.de! Schon heute kann man sich dort unter dem Stichwort “Putzete” über die zunehmende Vermüllung im sozialen Brennpunkt Oststadt, dem Standort des LGH, und die Bemühungen diese einzudämmen informieren.

    Viele Grüße, an wen auch immer,

    der Schorsch aus der Werrenwiesenstraße in Schwäbisch Gmünd

  9. #9 Tobias
    19. Juli 2010

    Um Missverständnissen vorzubeugen: Ulf Kaschl war mein Interviewpartner, die Fragen sind per Mail beantwortet worden. Ulf Kaschl war Lehrer und Mentor am LGH, und ist identisch mit dem Ulf Kaschl, der hier auch Kommentare schreibt.

    Persönliche Probleme der Anlieger des Internats mit Schülern sollen bitte direkt mit der Schulleitung besprochen werden und nicht in meinem Blog.

    Schorsch schreibt: Mir geht es persönlich nur um eine sachliche Auseinandersetzung über das Thema “Elite und Hochbegabung”. Dazu gerne hier weiter kommentieren.

  10. #10 ulf kaschl
    19. Juli 2010

    Hallo Schorschi,

    also, auf was soll ich jetzt antworten? Vielleicht liest du einfach nochmal das Interview, sonst drehen wir uns halt ewig im Kreis.

    Es tut mir leid, und es ist auch wirklich ein unhaltbarer Zustand, dass es Gymnasien in Deutschland gibt, wo es durch die Decke tropft. Davon abzuleiten, dass es überall so sein müsste, zumal bei einer neu gegründeten Schule, ist halt leider Quatsch.

    Es tut mir ebenso leid, dass es LGH-Schüler gibt, unter deren Präsenz du durch Vermüllung der Nachbarschaft zu leiden hast (sicherlich ein Problem, das vorher überhaupt nicht in der Oststadt existierte, und alleine auf das LGH und seine Bewohner zurückzuführen ist). Umso schöner, dass du mit einigen der Schüler offenbar hervorragende Kontakte pflegst, und ein gepflegtes Bierchen zischst. BTW, hast du dir schon mal überlegt, wie es wäre, in einem Internat KEIN Alkoholverbot zu haben?

    Schorsch, im Übrigen musst du dich halt entscheiden: Sollen Hochbegbate anerkennen, dass sie wie alle anderen sind, und von daher keine besondere Behandlung erwarten dürfen? Oder sollen sie ihre Talente in die Gesellschaft einbringen, wie du forderst? Dann muss man sie aber auch fördern, sonst erlischt dieser Anspruch. Fordern ohne Fördern geht nicht.

    Aber eigentlich geht es doch hier um folgendes: Du willst nicht erkennen, dass man nicht alle Menschen gleich behandlen kann, eben WEIL das nicht gerecht wäre. Und die Geisteshaltung, die dem zu Grunde liegt, nennt man schlichtweg Mißgunst.Oder auch Neid. Und das hat weder etwas mit Hitler, noch mit Einstein, noch mit einem Jesus von Nazareth zu tun.

    Beste Grüße in die Oststadt.
    Ulf Kaschl

  11. #11 Schorsch
    20. Juli 2010

    Hallo Ulf Iskender Kaschl,
    ach nein, wir sind ja schon längst beim DU und sogar bei den Kosenamen angekommen. Also Ulfi, ich möchte dich noch einmal auf die Einleitung des Interviews auf dieser Seite aufmerksam machen:
    „WeiterGen hat sich mit Eliten- und Hochbegabtenförderung beschäftigt. Hier ein Interview mit Ulf Kaschl, Lehrer und Mentor am Landesgymnasium für Hochbegabte (LGH) in Schwäbisch Gmünd (Baden Württemberg).”

    Wenn du willst, dass ich das Interview ernst nehme und vollständig lese, solltest du erstmal erklären, was du bist, wenn du kein Lehrer bist, aber dennoch unter dem Namen eines solchen schreibst. Ist das etwa schriftstellerische Freiheit oder die Arroganz eines Hochbegabten.

    Kommentar editiert. Interna des LGH interessieren hier nicht. Tobias 20.07.10 13:32

    Es hilft wohl auch nichts, wenn ich dir explizit sage, dass ich grundsätzlich nichts gegen Eliten habe, wenn es sich dabei um Charakter-Eliten handelt. Aber es ist halt so. Aber vielleicht weisst du wenigsten, dass Geld oder/und Macht, zumindest auf lange Dauer, den Charakter der meisten Menschen verdirbt. Das gleiche gilt natürlich auch bei zu viel Zuwendung zu einer besonderen Gruppe, wie etwa den Hochbegabten, den Minderbegabten, den Jungs, den Mädels, den Migranten, den Eingeborenen, den Unterpriviligierten oder den Überpriviligiert. Dies kann man in den kleinsten gesellschaftlichen Gruppen, den Familien, bei Kindern ganz besonder gut beobachten. Auf staatlicher Ebene ist Helmut Kohl ein gutes Beispiel dafür, wie zu viel Macht über zu lange Zeit (16 Jahre) das Gespür für den Anstand zerstört oder in seltsame Bahnen leitet.

    Ich habe mich für meine Verwechslung von Ulf und Günter entschuldigt. Welche Aussage ich von Günter kritisiert habe, geht aus meinem Kommentar klar hervor. Das Heisenberg-Zitat von deinem Papi scheint dich und Günter schwer beeindruckt zu haben. Vielleicht bist du darüber informiert, das Könige die Welt seit Beginn der Zeiten vor allem in Kriege gestürzt haben. Gezahlt wurden die Kriege vom Volk, die Beute wurde vor allem unter Eliten (Verantwortungs- und Charakter-Eliten) aufgeteilt und die Niederlagen musste auch das Volk tragen. Glaubst Du wirklich, dass es einige wenige braucht, von deren Gnade oder Überfluss dann die vielen Armen leben. Oder leben die Könige nicht letzendlich von der Arbeit derer, die wenig oder zu wenig haben. Haben letztere am Ende nicht so wenig, weil vor allem den Eliten das Verantwortungsbewusstsein fehlt? So einfach, wie du, Günter und dein Papi es mit dem Heisenberg-Zitat auf den Punkt bringen wollt, ist die Welt nicht gestrickt.
    Auch Hochbegabung ist nicht alles. Wenn Erfahrung und Klugheit fehlen ist selbst Hochbegabung nicht sehr hilfreich, sie kann im Einzelfall sogar äußerst gefährlich werden.

    Für andere Zitate, z.B. von Jesus, bist du offenbar nicht offen. Das sagt viel über dich und die Einstellung von Günter aus. Offenbar habe ich bei Dir mitten in die größte Wunde der Hochbegabung gegriffen. Du gehörst anscheinend genau zu den Hochbegabten, die mit allen rhetorischen Tricks die Privilegien von wenigen Auserwählten verteidigen wollen, weil sie dazu zugehören. In deinen Kommentaren kann ich nicht die weitgehend sachlich argumentierende Person erkennen, die das obige Interview gegeben haben soll. Leidest Du etwa unter einer Persönlichkeitsspaltung?

    Vielleicht bist du ja wenigsten bereit über das folgende Zitat von William Stern, dem Urheber des IQ, nachzudenken:
    „Intelligenz an sich ist ein Rüstzeug: Wertvoll wird sie erst durch die positiven Ziele, in deren Dienst sie verwandt wird.”
    Ich hoffe du weißt, dass dieses Zitat Teil des Leitbilds des LGH ist. Leider sind die positiven Ziele nicht definiert. Du solltest dir einmal ein paar Gedanken über die positiven Ziel machen! Eine Hilfestellung möchte ich dir geben: Wirtschaftliches Wachstum ist nicht alles, es beruhigt nur, aber es löst keine Probleme! Bakterien glauben auch an unbegrenztes Wachstum, aber nur solang ausreichend Nahrung vorhanden ist, danach gehen sie zum Kannibalismus über. Kommt keine neue Nahrung von außen führt dies zum Ende Bakterienkultur. Der Mensch ist dank seiner Eliten derzeit auf dem Erkenntnisstand eines Bakteriums, das auf Wachstum setzt. Wenn Eliten intelligentere Perspektiven für die Menschheit entwickeln als Ausbeutung oder Wachstum, was letztlich das gleiche ist, dann haben sie eine Berechtigung, sonst nicht.

    Nach dem Zitat “Wenn Könige bauen, bekommen Kärrner zu tun” des hochbegabten Optimisten Heisenberg, der es liebte sich in Wettkämpfen zu beweisen, sich im Gegensatz zu Physikern wie Schrödinger mit den Nazis arrangierte und den man offenbar in jeder Beziehung den Vater der Unschärfe nennen darf, möchte ich noch ein etwas intelligenteres und weniger unscharfes Zitat von Albert Einstein, dem Vater der Relativität, in Bezug auf die Erziehung anfügen, das auch die Pädagogen des LGH noch etwas ernster nehmen könnten:
    “Es gibt keine vernünftigere Erziehung, als Vorbild zu sein, wenn es nicht anders geht, ein abschreckendes.”

    Zum Schluß noch eine Frage. Heißt dein Papi etwa Günter? Bist du deswegen so unsachlich, ungehalten, ja frech. Oder gehst du mit deinem Papi auch so respektlos um wie mit mir, Ulfi.
    Ich bin vermutlich mindestens doppelt so alt wie du, falls du ein LGH-Schüler bist oder warst! Wie wäre es mit ein wenig mehr Respekt vor dem Alter und der Erfahrung! Dein Papi kann dir offensichtlich auch noch ab und zu etwas beibringen, auch wenn das mit dem „Schlösser bauen” nicht so der Bringer war. Und trotzdem hast du dich dafür bei ihm artig bedankt!

    Ich habe dir viel intelligenter Zitate geliefert, wo bleibt der Dank, Ulfi! Hier eines von mir persönlich: „Wenn Könige Kriege führen, werden Könige mächtig, aber nur das Volk hungert und stirbt!”

    So das war es von mir, sofern du bei deiner ignoranten, sehr selektiven, oberflächlichen und beleidigten Art zu argumentieren bleibst. Polemisch sein kann ich auch, will es aber eigentlich nicht sein, wenn es nicht dazu führt, auf den Kern des Problems zu kommen.

    Viele Grüße, wohin auch immer,
    Dein Schorschi

  12. #12 Ulf Kaschl
    20. Juli 2010

    Ach Schorschilio,

    du weißt doch offenbar über alles schon bestens Bescheid, und wie es am LGH zugeht, kann dir keiner besser erklären als du selbst. Sollte ich mich also wirklich genötigt sehen, dir zu erklären, dass ich zum Zeitpunkt des Interviews tatsächlich Lehrer am LGH war? Das ich fünf Jahre am LGH unterrichtet habe, das Leitbild und Teile des pädagogischen Konzepts aus meiner Feder stammen? Das hast du doch sicher schon selber herausgefunden. Oder frag doch einfach beim nächsten Bierchen einen LGH Schüler nach mir.
    Somit wären wir wohl tatsächlich etwa gleich alt, aber was das persönliche Alter an argumentativen Gewicht haben sollte, wüßte ich jetzt wirklich nicht.

    Deine Haltung spiegelt sehr schön eine verbreitete deutsche Furcht vor Eliten wieder – die sich zu einem großen Teil aus der Erfahrung der Nazi-Diktatur speist, und damit auch eine Berechtigung hat. Trotzdem ist nicht jede Elite gleich elitär oder nationalsozilaistisch, und geistige Eliten sind nicht gleichzusetzen mit finaziellen Eliten, wie du das ständig zu tun beliebst. Das es sich bei den LGH Schülern nicht um letztere handelt wird schon durch die Aufnahmebedingungen klar – es ist keine Schule für verzogene Reichenkinder, die irgendwie für ihren Platz an den Fleischtöpfen der Welt vorbereitet werden sollen. Es sind Schüler, die aufgrund ihrer besonderen Begabung und diverser anderer Faktoren als besonders förderungswürdig angesehen werden. Wir haben eine höchst heterogene Familienstruktur bei den LGH Schülern, und genauso heterogen sind ihre finaziellen Hintergründe. Das LGH bietet ein umfassendes geistiges und soziales Training für diese Schüler an, und die Hoffnung ist NATÜRLICH, dass sie ihr Potenzial zusammen mit den am LGH erworbenen Kompetenzen gewinnbringend für die Gesellschaft nutzen – gewinnbringend nicht im monetären, sondern in einem sehr allgemeinen Sinne – und im Sinne des Leitbildes, das du zitiert hast.

    Die LGH Schüler streben nach dem Abschluss übrignes keinesfalls die Weltherrschaft oder unermesslichen Reichtum an – vielleicht gibt es da ein, zwei Gegenbeispiele, mag sein – aber das Gros bringt sich, soweit die (noch) jungen Erfahrungen mit der LGH-Alumni, auf den unterschiedlichsten Gebieten in Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft ein.

    Was ist jetzt daran falsch, das zu fördern?

    Deine Bakterienanalogie hinkt übrigens in Bezug auf LGH-Pädagogik und die dort verfolgten Ziele auf allen Ebenen. Würdest du zum Thema ‘Credo des Kapitalismus’ referieren, würde ich sie sofort unterschreiben. Bloß haben die halt nicht viel miteinander zu tun.

  13. #13 Maurice Meyer
    13. März 2012

    Und auch nach Jahren kann man nur den Kopf schütteln über die Ängste mancher Leute. Danke für deine Verteidigung des LGH, Ulf.
    Schorsch, es ist übrigens nicht immer alles so, wie es aussieht. Wenn du selbst nie davon betroffen warst, wie verfälscht Dinge durch die Medien werden, kannst du froh sein. (bezieht sich explizit NICHT auf dieses Interview, aber auf Berichte von z.B. Spiegel TV)

  14. #14 Schorsch
    13. März 2012

    Wäre schön, wenn alle Leser deines Kommentars wüssten, worüber Du den Kopf schüttelst und in Bezug auf was Ulf das LGH gut verteidigt hat. Deine Binsenweisheiten kannst Du dir auch sparen, wenn man nicht weiß auf was sie sich beziehen oder was sie aussagen sollen. Gib “Butter bei die Fische” wie man wohl im hohen Norden so sagt oder anders gesagt, werde konkret oder spar dir deine Worte. Von was warst du betroffen und was haben die Medien falsch dargestellt…etc…

    Kannst Du dir vielleicht vorstellen, dass dein Freund Ulf manche Dinge auch nicht korrekt darstellt. Möglicherweise hast Du den Text diagonal gelesen und nicht alles mitbekommen. Bevor Du ein pauschales Urteil abgibst, solltest Du etwas genauer hinschauen. Ab und zu schreibt dein Ulf auch manchmal ganz schönen Mist, aber das will er natürlich mit allen Mitteln verschleiern, weil ihm seine Fangemeinde bisher offenbar jeden Mist abgenommen haben.

    Es ist zwar schön, wenn man eine Mama oder einen Ulf hat, die/der sich vor ihre/seine Schützlinge stellt und diese mit allen Mitteln verteidigt. ohne sich selbst oder die Schützlinge zufragen, ob er selbst oder die Schützlinge vielleicht Fehler gemacht haben. Die englische Devise “Right or wrong my country” war auch bei den Nazis sehr beliebt. Ob dies eine gute Devise ist, das sollten wir mit Hilfe der englischen und deutschen Geschichte und unserem ganzen Verstand überprüfen.

    Ich habe übrigens kein generelles Problem mit den Hochbegabten oder den Pädagogen, aber durchaus mit manchen Hochbegabten und manchen Pädagogen. Mit dem Pädagogen Ulf, mit seiner undifferenzierten denkenden Fangemeinde, mit dem von ihm offenbar entwickelten Leitsatz des LGH und mit manchem was ich mit LGH-Schülern in meinem Stadtteil so erlebe, habe ich allerdings so meine Probleme. Ich gebe aber zu, dass ich erhebliche Problem mit der Ministerin Schavan und ihrer Art der Elitenförderung und mit ihrer Bildungspolitik habe.

  15. #15 Schorsch
    13. März 2012

    Im übrigen lieber Maurice Meyer, solltest Du dir über einen Blog ernsthafte Gedanken machen, dessen Admin in einen “Streitgespräch” mitttels Zensur eingreift. Ich kenne keine Internas des LGH, sonderm nur das, was nach außen wahrgenommen werden kann. Wie kann man da mit dem Verweis auf Internas eine Streichung vornehmen! Das kommt mir vor, wie wenn eine Diktatur sich die Eimischung in innere Angelegenheiten verbieten. Das deutet meist daraufhin, dass den Diktatoren irgend etwas außerordentlich peinlich ist.

    Ich würde dem Blog-Betreiber raten das ganze Streitgespräch zwischen Ulf Kaschl und Schorsch zu entfernen, denn durch die Zensur hat er in unzulässigerweise die Diskussion verfälscht. Solange Sitte und Anstand gewahrt bleiben und keine nachweisbaren Unwahrheiten oder mögliche Beleidigungen in den Kommentaren vorkommen, sollte es im Internet keine Zensur geben. Außerdem kann man nicht einfach ganz Textpassagen nach freiem Belieben ohne Rücksicht auf die Aussage herausschneiden. Noch leben wir nicht in China!

    Herr Kaschl wurde trotz seiner beleidigenden Art und seiner wiederholten Unterstellungen nicht ein einziges Mal zensiert!

    Ich hoffe, dass hiermit dieses nicht sehr produktive Streitgespräch zwischen Ulf Kaschl und Schorsch endgültig abgeschlossen ist und möglichst bald gelöscht wird.
    Unter Hinweis auf mein Urheberrecht für meine Textbeiträge, entziehe ich hiermit diesem Blog das Recht meine Textbeiträge verfälscht oder nur auszugsweise wiederzugeben, solange kein nachweisbarer Verstoß gegen Sitte und Anstand vorliegt. Entweder ganz oder gar nicht!

  16. #16 Helva0
    21. März 2012

    Sehr geehrter Herr Ulf Kaschl,

    ich beziehe mich auf diese Aussage :” Aus der besonderen Förderung Schwach- und Hochbegabter herauszulesen, dass die ‘Normalen’ nicht gefördert würden, ist schlichtweg absurd. Jeder Schüler verdient die Förderung, die aus ihm das Maximale herausholt. Hochbegabte müssen mehr gefördert werden, weil bei Ihnen mehr zu holen ist.”

    Ich möchte zu Bedenken geben, dass Sie dort den meiner Meinung nach unzulässigen Schluss ziehen, dass man aus Hochbegabten mehr gefördert werden müßten, weil aus Ihnen ein höheres Maximum zu erreichen ist als bei Normal-oder Minderbegabten.

    Ganz unabhängig vom IQ brauchen unterschiedliche Schülertypen unterschiedliche Arten (qualitativ und quantitativ), um aus ihnen das Maximum herauszuholen. Manche braucht man nur anzustupsen und sie laufen Marathon. Andere kommen so aus einem Kriechgang nicht heraus, die brauchen dann halt “mehr”.

    Wäre es nicht gerecht, wenn ALLE Schüler die Möglichkeit haben, das Maximum aus sich herauszuholen?

    Sind sie wirklich der Ansicht, Hochbegabte haben mehr Förderung verdient, weil sie mehr der Gesellschaft zurückgeben können? Und wie definieren sie dieses “mehr”?

    Vielleicht habe ich sie ja auch ganz falsch verstanden.

    Im Übrigen bergen geschlossene Systeme imho immer die Neigung, soziale bzw Charakterfähigkeiten zu verkümmern, einfach weil u.a. die Toleranz und auch die Fähigkeit mit ganz anderen Gedanken und Gefühle und Umgangsweisen als der eigenen Gruppe, umzugehen, leidet.

    Das sieht man genauso in Sonderschulen Schwerpunkt “geistige Entwicklung” wie auch in der Hochbegabtenförderung.