Genmais

Im Englischen gibt es einen schönen Ausdruck, für den ich kein deutsches Äquivalent kenne: Preaching to the choir. Vielleicht trifft es offene Türen einrennen am besten. Oder Eulen nach Athen tragen? Jedenfalls habe ich das Gefühl, wenn ich hier über das Séralini-Paper (hier das .pdf) von letzter Woche schreibe, sowieso schon jeder weiß worum es geht und wo die Probleme bei der Studie liegen (hier noch ein paar Expertenmeinungen): Schlechtes Studiendesign, eine seltsame oder fehlende statistische Auswertung und das Vorenthalten von Daten. Ich würde mich nicht wundern, wenn Séralini das Paper demnächst zurück ziehen müsste. Aber der Medien-Coup, das Bewerben seines Buches, ist ihm mit Sicherheit gelungen. Gentechnisch veränderte Pflanzen waren ja auch hier im Blog schon manchmal das Thema und dieser Artikel mit Gründen für Grüne Gentechnik wird gerade wieder häufiger aufgerufen, wenn ich den Statistiken on Google Analytics glauben kann.

Insgesamt hatte ich trotzdem den Eindruck, dass die Presse dieses Mal relativ schnell den Braten gerochen hat, und daher weniger sensationslüstern über die Fütterungsstudie an Ratten berichtet hat. Die Achse des Guten hat dennoch ein paar Genmais is böse und macht Krebs-Links gesammelt. Eine Übersichtsseite mit Links zu Artikeln hat auch Marcus Anhäuser vom Mediendoktor angelegt. Ein aktueller Artikel in Slate vergleicht die Gegner genetisch veränderter Organismen mit Klimaskeptikern. Nur das die einen eher rechts und die anderen eher links im politischen Spektrum anzusiedeln seien. Eine interessante Parallele, wie ich finde.

Wer hat noch interessante Links gefunden? Oder unkritische Artikel?

Und – was völlig anderes – vor drei Wochen sind wir ja mit ScienceBlogs auf WordPress umgestiegen. Was nervt? Was fehlt? Was ist besser?

Schönes Wochenende.

flattr this!

Kommentare (29)

  1. #1 rolak
    28. September 2012

    Zum Titel: Dämliche Frage – wenn der Genmais alle ist, selbstverständlich

    /pttc/ ‘offene Türen einrennen ist etwas anderes (unerwartet nicht auf Widerstand stoßen), die Eulen passen schon für ‘die bereits Überzeugten zu überzeugen suchen’, direkt mit ‘predigen’ kenne ich nur das Gegenteil, also ‘tauben Ohren predigen’.
    Den Chor-Effekt hatte ich übrigens auch bei Séralinis Artikel und vielen der ihn (anfangs) Zitierenden bemerkt, meine Empfindungen wurden allerdings bereits von orac perfekt formuliert, da brauche ich nicht mehr nachdenken:

    Whenever I see the cranks pile on a study like this, my curiosity is piqued.

    (Un)kritische Artikel finden sich en masse bei der Suche G(Seralini 2012)…

    /Auf WP umgestiegen/ Ehrlich? Ist mir gar nicht aufgefallen :p Zu den Abschlußfragen:
    Was nervt? Die fehlende Vorschau. Speziell bei den noch unbekannten Eigenschaften des Input-Preprozessors.
    Was fehlt? Die im Werden begriffene (Neuer Kommentar)-EMail-Benachrichtigung und hier ein ‘r’ in der Überschrift 😉
    Was ist besser? Der Rest.

  2. #2 Tobias Maier
    28. September 2012

    Danke, rolak.
    Der Wunsch nach Kommentarvorschau ist registriert, ebenso wie die Benachrichtigung über Kommentare. Die seltsamen Benachrichtigungskästchen mit überlappendem Text unter dem Kommentareingabefeld sind jedenfalls meines Wissens nach noch funktionslos. Alternativ kann man alle Kommentare per RSS abonnieren (http://scienceblogs.de/weitergen/comments/feed/ für mein Blog)

  3. #3 Tobias Maier
    28. September 2012

    Und gerade bei mir im Feedreader: Retractionwatch lässt abstimmen, ob diese Studie (und eine andere über die Frage ob Bio-Lebensmittel besser sind) zurückgezogen werden sollten. Aktuell liegt die Option nur die Séralini Studie zurück zu ziehen oder keine der beiden gleich auf.

  4. #4 rolak
    28. September 2012

    Bitte, gerne.
    Ich habe mir zwischenzeitlich erlaubt, mir aufgefallene Unstimmigkeiten, Fehler und Merkwürdigkeiten in einer noch nicht definitiv bendeten mail-Serie Richtung Jürgen Schönstein zu versenden. Selbstverständlich nur als Anmerkungen, nicht etwa als Beschwerden.

    /Benachrichtigung/ Ist (von außen) wunderschön zu beobachten: Erst hatte einige Tage lang ausschließlich Thilo die beiden Kästlis, dann auf einmal alle, dann plötzlich einige handverlesene threads nurmehr eines. Ohne daß redaktionsseitig auch nur der Ansatz einer Erklärung für warum und wie zur Verfügung stünde (afaik). Wenn es immer noch so sein sollte, bin ich bereit auf ‘erstaunliche Seiteneffekte’ einen Zehner zu setzen ;−)

    /RSS/ Zu spät! :p

  5. #5 threepoints...
    28. September 2012

    nerven tuen die vielen Reihen aud der ersten Seite. Eine Reihe war fast unschlagbar. Das gleiche war damals beim Relaunche der Faz.de seite zu bemängeln. mehr auf einer Seite unterzubringen, mag ja ein Ziel sein sollen. Es ist aber völlig Sinnlos, wenn nicht genug Content erneuert wird, sodass auf der ersten Seite tagelang die alten (schon bekannten) Beiträge stehen.

    Auch blöd: Immer noch keine Kommentarbenachrichtigung möglich.

  6. #6 threepoints...
    28. September 2012

    Die Reihen sind natürlich wohl Spalten. Dadurch wird auch die Schrift immer kleiner und schlecht lesbar.

    Und sorry, dass ich eure Beiträge “Content” nannte. Sie sind natürlich mehr als das.

  7. #7 Tobias
    28. September 2012

    rolak, dass da plötzlich Kästchen zum ankreuzen unter dem Kommentarfeld erscheinen, ist ein zufälliger Nebeneffekt eines Plugins (Jetpack), dass eigentlich installiert wurde, dass mathematische Formeln dargestellt werden können. Das ganze Blog per Email abonnieren war da auch dabei. Das funktioniert auch.

  8. #8 Tobias
    28. September 2012

    threepoints,
    ich fand die alte Startseite im “Spiegel-Online” Stil auch schöner. Ich habe auch das Gefühl, früher relativ mehr Traffic von der Hauptseite bekommen zu haben als jetzt.
    Der Content der Hauptseite ist jetzt der gleiche als früher: Drei Artikel pro Kategorie (also Naturwissenschaften, Medizin, Kultur, etc.). Um nur die neuesten Artikel zu sehen, gibt es jetzt ja den Blogticker. Die Kommentarbenachrichtigung ist eines der dringenderen Probleme, aber noch dringender ist zum Beispiel das bei Martin (hier wohnen Drachen) und Cornelius (blooDNAcid) alle Artikel komplett da sind mit allen Kommentaren. Oder dass die alten Podcasts von Thomas Wannhof richtig migriert werden….

  9. #9 Spoing
    29. September 2012

    Ha, danke für die Info mit den Blogticker.
    Wie Blind kann man eigentlich sein 😀
    War gerade kurz davor genau so etwas als fehlend zu kritisieren.

  10. #10 Tobias Maier
    29. September 2012

    Zwar auch schon seit ein paar Tagen online, aber der Artikel von Carl Zimmer beleuchtet noch einen anderen Aspekt der Debatte: die Rolle des selektiven Presseembargos. Nur wohlgesonnene Medien und Journalisten wurden vorab von der Studie informiert.
    http://blogs.discovermagazine.com/loom/2012/09/21/from-darwinius-to-gmos-journalists-should-not-let-themselves-be-played/

  11. #11 Dagmar Landsberger
    Heidelberg
    1. Oktober 2012

    Langzeitstudien der genmais Befürworter Seite seien sorgfältiger gemacht, sagt der Verband der Deutschen Biologen. Aha. Hab ich mal geschaut, was ich da so finde, und das ist lustig.
    Guckt mal da:
    http://www.focus.de/wissen/technik/gentechnik/gentechnik-ungefaehrlicher-genmais_aid_383941.html

    “Ministerialdirigent Friedrich Mayer vom Bayerischen Landwirtschaftministerium legte Wert auf die Feststellung, dass die Tatsache, dass insgesamt 18 Kühe während der Versuchsdauer ausgetauscht worden seien, der üblichen Praxis in modernen Milchviehbetrieben entspreche und die Wissenschaftlichkeit der Ergebnisse dadurch nicht in Frage gestellt werde.”

    In jeder Versuchsgruppe waren jeweils nur 18 Tiere, wie im Artikel zu lesen ist. Das sind dann schon mal 2 weniger als bei Seralini, der in jeder Versuchsgruppe und in der Kontrollgruppe 20 Tiere hatte. (10 weibliche und 10 männliche) Der Milchwirtschaft mag das ja entsprechen die Versuchstiere gegen andere auszutauschen, aber das dies einer wissenschaftlichen Versuchsanordnung entsprechen könnte halte ich doch für eher unwahrscheinlich….

    Bei solchen “sorgfältigen” Sicherheits-Studien trinke ich meine Milch dann eben bio.

    Wie wärs, wollt ihr euch nicht mal die Studien der Befürworter anschauen? Könnt ja genauso lustig werden?

  12. #12 Spoing
    1. Oktober 2012

    @Dagmar Landsberger:
    Das Paradebeispiel eines Strohmannes, niemand hat diese Studie hier als Argument benutzt.
    Das Argument, die sind auch nicht besser ist zudem, wenn es um wissenschaftliche Studien geht auch definitiv keines.
    Des weiteren geht die Kritik hier auch gegen das Vorgehen des “Autors” der Studie. Missbrauch der Sperrfrist. PR fürs eigene Buch, vorsitzender eines Vereins der genau das zum Inhalt hat worum es in der Studie geht.

    Ein einziges der obrigen Sachen würde bei anderen Themen dafür sorgen, dass sofort ein Aufschrei durch die Menge geht. Auch wäre dann eine Inhalt anscheinend völlig fadenscheinige Studie nie von einem Seriösen Magazin aufgegriffen worden.

  13. #13 Dagmar Landsberger
    Heidelberg
    1. Oktober 2012

    @Spoing
    Das “Fehlverhalten des Autors” ist für mich völlig unerheblich. Ich will wissen: können seine Ergebnisse reproduziert werden, ist es nötig und wenn ja : wie kann das Studienprotokoll dazu so überarbeitet werden, dass eine maximale Vergleichbarkeit mit dem menschlichem Konsumverhalten und den biologischen Reaktionen hergestellt wird. Und wie gut sind dagegen die anderen Studien, die dafür sprechen dass es KEINE Gefahren gibt.

    Sind die Studien, die Genmais als ungefährlich darstellen, gut genug um zu sagen: man kann abwarten bis die Frage geklärt ist, ob man die französische Studie reproduzieren kann. Oder sind sie es eben nicht. Dann muss man den Genmais bis zur Klärung vom Markt nehmen um eine potentielle Gefährdung auszuschliessen. Dann auch bei einem geringfügigeren Verdacht!

    Sind die anderen “Entlastungsstudien” ähnlich der Milchstudie, die medial als “Beweis” vorgelegt wurde, dass Genmais unschädlich sei, dann wird man auch nur bei einem sehr geringen Verdacht verbieten müssen. Denn dann ist es so, dass wir nichts, aber auch nicht das geringste wissen über eine mögliche Gefährdung des menschlichen Verbrauchers.

    Oder würden sie die Milchstudie als vertrauensbildend wahrnehmen? Das spräche dann allerdings für sich.

    Hier ist mal der Link zur Studie von Seralini, die man mal in der Vollversion gelesen haben sollte, natürlich kostenfrei:

    http://research.sustainablefoodtrust.org/wp-content/uploads/2012/09/Final-Paper.pdf

  14. #14 Tobias Maier
    1. Oktober 2012

    Das seralini Paper ist oben im Text schon verlinkt. Hier der link zu einer fütterungsstudie mit nk603 Mais mit 400 Ratten. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15110110

  15. #15 Tobias Maier
    1. Oktober 2012

    Hier noch eine Zusammenfassung der sicherheitsanalyse von nk603:
    E.coli-produced CP4 EPSPS and CP4 EPSPS L214P proteins were used for toxicity studies after it had been demonstrated experimentally that these microbially produced proteins were equivalent to those extracted from maize event NK603. No toxicity of the CP4 EPSPS and CP4 EPSPS L214P proteins were observed in acute oral toxicity studies in mice. The CP4 EPSPS proteins were shown to be quickly degraded in simulated gastric fluid. Bioinformatics studies demonstrated that the CP4 EPSPS proteins show no homology to known toxic and allergenic proteins. A 13-week toxicity study in rats with 33% of the diet being maize NK603 indicated no toxicity, and a 42-day feeding study on broiler chickens with 57-63% of the diet being maize NK603 showed equivalent nutritional wholesomeness to the non-GM control maize and commercial maize varieties included in the study. The nutritional equivalence of maize NK603 to commercial maize varieties were confirmed in feeding studies on Angus-continental cross steers, Holstein dairy cows and growing-finishing pigs of two breeds. These studies on experimental and farm animal supported the findings of the compositional analysis which showed no change in composition beyond the intended expression of the CP4 EPSPS and CP4 EPSPS L214P proteins. The EFSA GMO Panel concluded that maize NK603 is as safe as conventional maize (EFSA, 2003a,b, 2009b).
    http://www.gmo-compass.org/pdf/regulation/maize/MON89034x1507xNK603_maize_opinion.pdf#page19

  16. #18 Dagmar Landsberger
    2. Oktober 2012

    “nicht ausreichend belegt”. das heißt also, eine Gefährdung konnte nicht sicher nachgewiesen werden.

    Das ist aber lauwarm! Ob das jedem genügen wird? Den Genmais sozusagen appetitlich macht?

    Eine einzige Studie kann die Gefährdung gar nicht nicht sicher nachweisen, auch wenn sie vom Design optimal gewesen wäre. Dann hätte man jetzt gesagt sie muss reproduziert werden.

    Dass Gen-Mais akut giftig ist, ist wohl nicht das Thema. 13 Wochen oder 42 Tage sind leider keine Langzeitstudien.

    Ganz abgesehen von der Seralini Studie kommt mir das Design der Befürworter Studien nicht besonders überzeugend vor. Wo sind dennn jetzt die Langzeitstudien von denen Der Bund deutscher Biologen sprach? Mir bislang nicht vor Augen gekommen.
    Nun wie auch immer, neue Studien wird es irgendwann geben. Und der Appetit auf den Genmais war sowieso nie in der Bevölkerung weit verbreitet. Und die Anzahl der Menschen die zumindest eine Weile mal genau hinschauen, wie es bei uns mit dem Verbraucherschutz steht, ist sicher gestiegen. Kann nicht schaden.

  17. #19 nuckythompson
    2. Oktober 2012

    Liebe Dagmar, hast DU die Seralini Studie tatsächlich gelesen?
    Hast du gelesen, dass die Autoren sehr wohl wissen, dass man für die Untersuchung der Kanzerogenität mindestens 50 Tiere pro Gruppe braucht, sie aber einfach drauf pfeifen?
    Hast du bemerkt, dass weder Mortalität noch Krebsrate statistisch ausgewertet wurden?
    Hast du bemerkt, dass die Tödlichkeit von GMO-Mais abnimmt, wenn die Ratten mehr davon fressen?
    Hast du gelesen, dass GMO alleine, Roundup alleine sowie die Kombination GMO+R genau die selbe Wirkung haben soll?
    Hast du gelesen, dass die etwas geringere Konzentration an Kaffeesäure und Ferulasäure im Genfutter die Nieren der männlichen Ratten geschädigt haben soll?

    Und hast du vor allem diesen Satz gelesen: “The authors declare that there are no conflicts of interest.”?

  18. #20 Dagmar Landsberger
    Heidelberg
    2. Oktober 2012

    @nuckythompson

    Und hast Du glesen, dass mich die Studie nur dann letztendlich überzeugt, wenn sie reproduziert worden ist?

    COIs so eine Sache. Bei scienceblogs wurde mir schon vorgeworfen ich würde auf ihnen herumreiten. Was ist denn sein COI? Dass er ein überzeugter Gegner ist? Dass er sich mit Green-Peace gut versteht? Dass er über seine Arbeit, meinetwegen Kreuzzug, ein Buch schreibt? wäre ein wenig verschwommen, oder?

    Ich wäre an einer Studie interessiert in der 3 Versuchsgruppen gegeneinandergestellt würden: Genmais und Glyphosat, herkömmlicher Mais und Glyphosat und zertifiziert Biologisch angebauter Mais ohne Glyphosat. Das Ganze wirklich über die Lebenszeit der Ratten, sozusagen XXL Langzeit, mit genügend Ratten und von unabhängiger Seite engmaschig überwacht.

    Wird wohl zunächst ein Traum bleiben. Wird sehr teuer und sehr schwer zu überwachen.

    Interessant wäre, wenn beide “Seiten” den Versuch gleichzeitig an verschiedenen Orten leiten würden.

    Egal ob wir Genmais als Große Chance für die Menschheit oder als bloße Gefahr sehen, wir müssen als Mitmenschen das Interessa daran haben dass er wirklich sicher ist.

    Und einfach nach der Seralini Studie zu sagen, wir wissen alles über Genmais was wir wissen wollen, wird nicht funktionieren.

  19. #21 Klaus Ammann
    Neuchatel, Schweiz
    2. Oktober 2012

    hier zwei vielleicht nützliche Links: eine Literatursammlung zu Séralini (er hat die Wahl zwischen einem wissenschaftlichen Staatsbegräbnis oder einer CO2-freien Einäscherung):
    http://www.ask-force.org/web/Seralini/Seralini-Slides-KA-final-20120928.ppt
    http://www.ask-force.org/web/Seralini/Bibliography-Longterm-Seralini-Rebuttals-20121001.pdf

    besonders gut dokumentiert: zahlreiche Langzeitstudien mit Sprague-Ratten, die ca. 70-80% spontane Tumoren entwickeln im Verlauf von 2 Experimentier-Jahren, das verschweigt der gute S. natürlich, zitiert auch sauber keine Literatur dazu.
    Klaus Ammann

  20. #22 Spoing
    2. Oktober 2012

    “Das Ganze wirklich über die Lebenszeit der Ratten”

    Das ist ja auch einer der Kritikpunkte. Hier handelt es sich über eine Rattensorte die dahin gezüchtet wurde, extrem schnell Tumore zu bilden. Das hat den Vorteil, dass karzinogene Stoffe stärker auffallen. Der Nachteil ist aber, dass diese Tiere fasst alle von alleine Krebs bekommen, wenn sie nur alt genug werden.
    Außerdem würde eine Verträglichkeitsstudie keinen Gegner zufrieden stellen, da (Teilweise zu recht) dann die schlechte Übertragbarkeit von Tierversuche auf den Menschen bemängelt werden wird.

    Sicherlich sind biologische Vorgänge hoch komplex und daher sollte man bei physikalischen Überlegungen immer sehr vorsichtig sein. Aber warum sollte (beim BT-Mais) der Stoff nun schädlicher sein, als vorher wo er in höheren Mengen auf gesprüht wurde.
    Zudem handelt es sich ja um ein etabliertes Produkt, welches auf Millionen von Hektar angebaut wird. Schädliche Wirkungen bisher: keine!
    (Ok, dies Argument zählt jetzt nur für die Konkrete Maissorte, wenn es um die Zulassungen künftiger Produkte geht kann das natürlich kein Argument sein)

  21. #23 nuckythompson
    2. Oktober 2012

    @Dagmar
    das mit dem COI ist ganz einfach: es ist wichtig wo die Kohle herkommt.
    Nein, man muss diese absurde Studie nicht replizieren, das wäre unnötige Tierquälerei.
    Und ich kann dich beruhigen, man weiß ziemlich genau was im “Genmais” vorgeht. Man darf nicht von seiner eigenen Ignoranz auf einen ganzen Wissenschaftszweig schließen.

  22. #24 Dagmar Landsberger
    Heidelberg
    2. Oktober 2012

    @Spoing

    Genau diese Eigenschaft der Inzuchtratten macht sie ja so wertvoll für medizinische Studien, wenn ich mich nicht irre. Sind die Versuchsgruppen und die Kontrollgruppe genügend groß zeigt sich dann ob es einen Unterschied gibt zur spontanen Rate. Der wäre dann auch sehr aussagekräftig für : Ratten.
    Der nächste Schritt wäre dann wohl Primaten. Wird dann aber schwierig mit Langzeitstudien, weil wir dann ziemlich lange warten müssen. Aber: große Aussagekraft. Forschung an Primaten macht mir aber wirklich Unbehagen der übelsten Sorte. Hätte ich lieber nicht.

    Ernsthaft, welche Chancen hätte ein Patient der bei einem normalen Arzt auftaucht und sagt “Den Tumor da, den habe ich glaube ich, von meinem Verzehr von Genmais.”

    Wie soll der Arzt dann überprüfen ob der Patient recht haben könnte? Er schaut nach wie die Studienlage dazu ist.

    Und da hat er hauptsächlich Tierstudien mit einer Belastungsdauer von einigen Wochen. Da ist dann kein Zusammenhang. Und was soll der Arzt dann tun? Den Patienten als “Verdachtsfall” melden? Es ist ja wohl auch nicht gerade so, dass Menschen Tumore nicht spontan bilden könnten.
    Das Problem mit der Übertragbarkeit von Tierstudien auf den Menschen wird man wohl kaum lösen können. Ein Restrisiko sich falsch zu entscheiden aufgrund von Tierstudien wird man wohl nie ganz beseitigen können.

    @nuckythompson
    Wenn das mit dem COI so einfach ist, und es reicht Seralini abzulehnen weil er ein COI hätte , weil ihn jemand zahlt, der gegen Gen-Mais isz, dann hätten wir wohl das Problem dass es keine Studien für den Genmais gäbe die nicht umgekehrte COI nur in “reicherem Masse” hätte. Da zahlt Monsanto. Und deren Motive liegen ja wohl auf der Hand, und finanziell sind sie erste-Sahne- Partner von willigen Forschern. Wie willig die Forscher sind, das kann ich nicht wissen, sie werden es uns nicht sagen. Wenn ich mir aber die Historik der Asbest-Forschung., und die Tabak-Studien anschaue, dann hat es wohl nie einen Mangel an willigen Forschern gegeben. Und diejenigen Forscher die nicht kooperierten wurden gerne unmöglich gemacht.

    Nur ein sehr ignoranter Mensch wird behaupten dass man ziemlich genau wisse was im Genmais vorgeht. Studien die mir zeigen dass Genmais plus Glyphosat für schwangere Tiere und deren Nachwuchs bis in die 3 Generation vollkommen unschädlich sind fehlen soviel ich weiß ganz.

    Und da man heute weiss dass Gifte an der Genexpression Veränderungen auslösen können, bis in die Enkel-Generation, sollten solche Studien z.B. noch kommen, bevor wir verkünden dass wir allwisend sind.

    Sicher bin ich ignorant, es ist schließlich nicht mein Gebiet. Das habe ich auch nicht verschleiert. Aber ich habe auch durch meine Zöliakie das Recht die Dinge für mich stärker zu hinterfragen, als Menschen die nicht wissen dass sie Dinge nicht vertragen, die für rund 99% der Menschheit kein Problem darstellen. Zöliaken in aller Welt sind mißtrauisch, dass man ihre Interessen völlig vergißt wenn es um gentechnische Veränderungen an Pflanzen geht. Da machen dann z.B. Forscher so dämliche Bemerkungen wie: “Weizengene sind vollkommen unschädlich , die werden schließlich seit Jahrtausenden verzehrt.” Sind halt auch nicht immer auf dem neuesten Stand.

    Ignoranz ist nur dann gefährlich, wenn man glaubt dass sie nicht die eigene ist.

    Dass ich noch viel dazulernen muss ist mir bewusst. Meine Lebesnszeit reicht nicht aus, um die Dinge zu lernen die ich gerne lernen möchte. Aber eines habe ich vor vielen jahren schmerzvoll gelernt: denen zu mißtrauen, die meinen sie wüßten genug.

    Weiter Studien an Tieren sind von Seiten der Skeptiker an Gen-Pflanzen nicht mehr Tierquälerei als von den Nutzniessern der Gen-Technik.

    So etwas zu sagen, das ist Ignoranz von der gefährlichen Sorte, sorry.

  23. #25 Dagmar Landsberger
    Heidelberg
    2. Oktober 2012

    @Spoing

    “Aber warum sollte (beim BT-Mais) der Stoff nun schädlicher sein, als vorher wo er in höheren Mengen auf gesprüht wurde.”

    Das ist wohl (so wie ich das verstanden habe) das Kernstück der These von Sralini, dass Gen-Mais Round-Up “wie ein Schwamm aufsaugen würde”.

    Deshalb ja wohl die Versuchsanordnung mit dem Vergleich von konventionellem Mais, der auch mit Round-Up behandelt wurde.

  24. #26 nuckythompson
    2. Oktober 2012

    @Dagmar
    Ok, das mit der Ignoranz ist etwas bösartig rübergekommen. Es ist aber so, dass grüne Biotechnologie ihren Schrecken verliert, wenn man sich mehr als oberflächlich damit auseinandersetzt. So ist es zumindest mir ergangen, trotz Ökogehirnwäsche im Kindesalter.
    Wenn Monsanto Studien oder Wissenschaftler bezahlt, muss das als COI deklariert werden. Seralini et al. tun so als ob das Engagement von CRIIGEN und CERES keinen COI darstellen würde. Das kratzt an ihrer Glaubwürdigkeit.
    Aufschlussreicher als ein weiterer Fütterungsversuch wären epidemiologische Daten zu Tumoren in Nutztieren. In denen könnte man leicht einen Zusammenhang mit GMOs finden (oder eben nicht). Die Schädlichkeit von Asbest und Tabak wurde auch nicht in Tierversuchen entdeckt.
    Genmais saugt Roundup wie ein Schwamm auf? LOL
    Kann man so vielleicht pestizidverseuchte Böden sanieren? Das sollte S. sich gleich patentieren lassen.

  25. #27 Dagmar Landsberger
    Heidelberg
    2. Oktober 2012

    @nuckythompson
    Zunächst einmal: großes Lob für friedliche Reaktion, schließlich habe ich ganz schön zurückgekeilt! Danke!

    Die meisten Nutztiere sind nur “kurzlebige Produkte”, daher für Langzeitstudien nicht geeignet.

    Epidemiologische Studien an Haustieren wären da eigentlich besser geeignet. Ein Teil meiner Bedenken gegen GMO stammt von Bemerkungen von Tierärzten, die einen Zusammenhang von Futter und Tumor-Erkrankungen, Nieren-Erkrankungen und Allergien bei Haustieren vermuten. Einige sagen die Tiere seien nicht in der Lage das Soja und das Gluten dass häufig im Futter ist an sich zu vertragen (für mich schon glaubhaft, warum sollte es nur Menschen geben, die kein Gluten vertragen, das wären dann unsere tierischen Zöliaken-Kollegen ;)) ), andere vermuten es sei GMO Futter das Problem.

    Nein, das ist richtig, sowohl bei Tabak wie auch bei Asbest haben die Tierversuche sogar verhindert dass die Befunde am Menschen ernst genommen wurden.

  26. #28 Tobias Maier
    28. November 2012

    Finale Einschätzung der EFSA:
    Séralini et al. study conclusions not supported by data, says EU risk assessment community
    http://www.efsa.europa.eu/en/press/news/121128.htm

  27. […] allem ob ihrer methodischen Mängeln kritisiert und unter anderem auch hier im Blog thematisiert. Die Briefe und Kommentare der Wissenschafter an den Verlag sind auf der Seite des […]