Gastartikel

Doping im Radsport war in den letzten Jahrzehnten weit verbreitet. Wir dürfen davon ausgehen, dass es zumindest bei der Tour kaum saubere Spitzenleistungen gegeben hat. Team Sky beruft sich nun auf verbesserte Trainingsmethoden, Akribie hinsichtlicher technischer Aspekte und beste individuelle Betreuung ihrer Sportler und will so die zum Teil herausragenden Leistungen ihrer Sportler erklären. Ist das plausibel?

Um dies zu diskutieren, sollte man sich anschauen, welches Wissen und auch welche Technik den Sportlern heute zur Verfügung steht, das vor 5-10 Jahren noch nicht zur Verfügung stand und das ganze vor den Leistungsanforderungen eines möglichen Toursiegers.

Wie sehen Toursieger aus?

Offensichtlich müssen Radsportler, die schnell Berge hochfahren wollen, sehr leicht sein. Da die Berge bei der Tour bis zu 20 km lang sind und Aufstiegszeiten von bis zu einer Stunde benötigen, wird letztlich derjenige am Ende vorne sein, dessen relative Leistungsfähigkeit in einem Zeitfenster von 20-60 Minuten am besten ist. Aus den Aufstiegszeiten und dem Gewicht des Sportlers lassen sich dann Watt/ kg ausrechnen.

Bei Sprintern ist die Rechnung noch komplexer. Hier wird die absolute Wattleistung in Bezug zur Aerodynamik des Sportlers gesetzt. Kleine Fahrer wie Cavendish, die es schaffen, ihren Kopf bei Tempo 70 auf Lenkerhöhe zu halten, brauchen im Sprint geschätzte 200-300 Watt weniger als Sportler mit einer Figur und Haltung von Greipel.

Das Talent und normales Training bringt unseren Sportler vielleicht auf eine Leistungsfähigkeit von 420 Watt in der Stunde. Der Sportler wiegt 74 kg und seine relative Stundenleistung beträgt 5,67 W/ kg. Das ist nicht schlecht und würden diesen Profi auf jeden Fall zu einem sehr wertvollen Helfer auf Flachetappen machen und er könnte in der Position 3-5 am Berg auch noch Helfer für seinen Kapitän sein. Wenn unser Sportler aber nun von diesen 74 kg 10 kg verlieren würde – ohne Leistungsfähigkeit einzubüssen – hätten wir seine Leistungsfähigkeit auf 6,54 Watt/kg erhöht und sind in den Leistungsbereichen, die z.B. von Vayer mit Doping erklärt werden.

Wir sehen also, dass wir allein durch eine strikte Diät aus einem guten Profi einen Toursieger machen können. Natürlich werden auch Muskeln am Oberkörper Opfer dieser Diät. Das ist aber gewollt, jeder Muskel, der nicht benötigt wird, muss zusätzlich mit Sauerstoff versorgt werden. Unser Radsportler würde idealer Weise ergänzend ein Übungsprogramm absolvieren, z.B. Yoga, Pilates, Coretraining, um den Aufbau und Erhalt einer schlanken Muskulatur zu unterstützen. Das sind natürlich nur Zahlenspiele, die die Rolle des Körpergewichtes veranschaulichen sollen.

Amüsant ist, dass in einigen Medien neue Wundermittel aufgeführt werden, die den Profis helfen sollen, ihr mageres Gewicht zu erreichen. Um 10 kg abzunehmen brauchen wir ein Kaloriendefizit von 70.000 kcal. Sie glauben das ist viel? Ein Profi hat kein Problem im normalen Training 3500 kcal zusätzlich zu verbrennen. Das sind 20 Trainingstage und der Athlet müsste dann noch nicht einmal auf seine täglichen 2500 kcal verzichten. Natürlich würden die Profis, um ihre Leistungsfähigkeit zu halten, diese Diät auf einen Zeitraum von vielleicht 60 Tagen ausdehnen. Kein Profi, der messen und wiegen kann, braucht ein Mittel, dass die Fettverbrennung steigert.

Von Glycogenspeichern und Fettstoffwechseltraining

Die Stundenleistung kann nur dann auch am Ende der Etappe in etwa erreicht werden, wenn die Glycogenvorräte des Sportlers noch gut gefüllt sind. Wenn wir nun schätzen, das ein Sportler einen Glycogenvorrat von insgesamt vielleicht 600-700 Gramm hat, erkennen wir, dass wir hier einen Leistungsbegrenzer haben. Immer dann, wenn der Sportler Vollgas fährt, verbraucht er ausschliesslich Kohlenhydrate. Selbst volle Speicher reichen also nur für 1,5 bis 1,8 Stunden Vollgas. Wir können uns aber vorstellen, dass der Sportler, der es schafft, mit seinen Glycogenvorräten vorsichtig umzugehen, auf die Dauer einer Tour de France Vorteile hat.

Das war nicht immer so. Aus den Aufzeichnungen von Bernhard Kohl zur Tour 2008 wissen wir, das er täglich mit Insulin gearbeitet hat. Insulindoping soll die Glycogenvorräte um bis zu 40 Prozent steigern. Mit Doping hat man also schlicht und ergreifend den “Tank” vergrössert und konnte so länger schnell fahren. Was Kohl noch nicht wissen konnte, ist, dass man die Fettverbrennung auch im Bereich der Schwellenleistung (Stundenleistung) aktivieren kann (Studie von Jeukendrup). Die Trainingsroutine wird ergänzt durch eine wöchentliche Einheit in der der Fettstoffwechsel im Belastungsbereich zwischen 85 und 100 Prozent der Schwellenleistung (Stundenleistung) in Form von Intervallen trainiert wird. Zuvor werden die Speicher nahezu leer gefahren – mit enormen Lerneffekten des Körpers.

Der Sportler kann so den Anteil der Fettverbrennung an der Energieversorgung steigern und die Glycogenspeicher vergrössern. Das Konstrukt dieser Einheit ist so angelegt, dass der Sportler lernt mit erschöpften Speichern und seiner Wettkampfernährung noch Leistung zu bringen. Früher hat man lange 6-8 h Ausfahrten im ruhigen Tempo gemacht und so versucht, den Fettstoffwechsel zu optimieren. Wenn man bei solchen Ausfahrten dann in den Stunden 4-6 auch mal Berge mit höherer Leistung gefahren wäre, hätte man auch den oben geschilderten Effekt. Wenn wir den besseren Trainingseffekt aber in kürzerer Zeit gezielter hinbekommen, halten wir die Gesamtermüdung des Sportlers in Grenzen und gewinnen Platz im Trainingsplan für andere Einheiten und Trainingsinhalte. Hier sind weitere, sportmedizinische Hintergründe zum Fettstoffwechseltraining (pdf)

Individualisierte Rennernährung

Sie kennen als Zuschauer der Tour de France vielleicht noch die Silberlinge, die uns immer als Verpflegung der Profis dargestellt wurden? Heute weiß man, dass jeder Sportler eine individuelle Zusammensetzung seines Wettkampfgetränkes benötigt. Ideal ist ein Getränk, das zu einem Drittel aus Fructose und zwei Dritteln aus Einfach- oder Mehrfachzuckern besteht. Die Geschichte mit der Fructose (findet einen zusätzlichen Weg ins Blut) ist neu und dieses Wissen stand zumindest Armstrong und auch Ullrich noch nicht zur Verfügung. Man kann also heute bis zu ein Drittel mehr Nahrung aufnehmen und verarbeiten als früher. Man weiß heute auch, das in ein Wettkampfgetränk zusätzlich nur noch Salz und Koffein gehören. Alle andere Zugaben erhöhen ohne Nutzen die Anzahl der Teilchen und erschweren so die Verfügbarkeit und Menge der Kohlenhydrate.

Aus diesem Wissen folgt auch, dass man heute als Sportler mehrere Kohlenhydratlieferanten in Form von Maltodextrin, Wachsmaisstärke, Fructose (Verträglichkeit prüfen!) zu Hause hat und sukzessive austestet, mit welcher Mischung man am besten klarkommt. Zum Beispiel während der oben geschilderten Fettstoffwechseleinheit. Natürlich besteht aber auch ein Teil des Talents des Sportlers darin, möglichst viel Energie im Wettkampf aufzunehmen und umsetzen zu können.

Aber was ist mit dem Silberling? Während der Tour sollte ein Sportler jede Stunde nutzen, um sein persönliches Maximum an Nahrung pro Stunde zu sich zu nehmen. Während einer ruhigen Etappe im Feld können das 90 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde sein. Da die Muskulatur arbeitet, wird der Zucker im Blut sofort verarbeitet und schont somit die Speicher. Am Berg in der Rennentscheidung wird man vermutlich je nach Sportler eher auf 50-60 Gramm pro Stunde gehen und eine Mischung nehmen, die sehr schnell ins Blut geht. Beschrieben wird das beispielsweise in dieser Studie zur Leistungssteigerung beim Zeitfahren durch veränderte Ernährungsstrategien.

Adam Hansen beim Aufstieg nach Alpe d'Huez. Gerüchten zur Folge entspricht das Getränk in seiner Hand nicht der offiziellen Zusammensetzung für Radprofis.

Adam Hansen beim Aufstieg nach Alpe d’Huez. Gerüchten zur Folge entspricht das Getränk in seiner Hand nicht der offiziellen Zusammensetzung für Radprofis. Quelle: Twitter

Bleiben wir noch einen Moment bei den Glycogenvorräten, die es zu schonen gilt. Die Durchschnittleistungen bei einer Flachetappe können relativ niedrig liegen. Nehmen wir an, sie betrage 200 Watt. Dann verbraucht unser Sportler auf 200 km ca. 4000 kcal. Wenn wir diesem Sportler nun ein besonders eng anliegendes Trikot (Aerotrikot) anziehen und ihm einen Aerohelm aufsetzen und ihn auf einen Aerorahmen mit Aerolaufrädern setzen, können wir seine Durchschnittsleistung auf 170 bis 180 Watt reduzieren. Im Laufe einer normalen Etappe kann unser Sportler so seinen Energieverbrauch vielleicht um 500 kcal absenken. Das bedeutet von Tag zu Tag weniger Müdigkeit, weniger Belastung des Magen-/Darmtraktes und somit auch eine verbesserte Regeneration.

Bei einer rennentscheidenden Etappe hat unser professionell betreuter Sportler also einen Vorteil aus einer optimalen Fettverbrennung, seinem bestem Wettkampfgetränk und durch sein Material einen günstigen Luftwiderstandsbeiwert.

Auf der gestrigen Etappe mit dem zweimaligen Anstieg nach Alp d`Huez haben wir sehr deutlich gesehen, wie leere Speicher sich auf das Renngeschehen auswirken, aber auch wie unterschiedlich Fahrer darauf reagieren. Froome hat seine drohende Unterzuckerung rechtzeitig erkannt und konnte dann mit einem Gel die letzten fünf Kilometer noch so schnell fahren, das er auf die ihn verfolgende Gruppe von Contador nur ca. 10-15 Sekunden verlor. Da das Gel aber auch nicht sofort ins Blut geht, können wir davon ausgehen, das Froome das erste Anzeichen einer drohenden Unterzuckerung bemerkt hat. Der Leistungsmesser hilft hier.

Früher konnte man das hohe Tempo der Konkurrenz nicht mehr folgen und erzählte sich darüber Geschichten, heute weiß der leistungsgesteuerte Sportler, dass er Probleme hat, seine eigene Leistung zu erbringen und kann dann die richtigen Rückschlüsse ziehen. Gut, wenn man das im Training trainiert hat, zum Beispiel mit der oben dargestellten Trainingseinheit.

Neues Wissen, neue Trainingsmethoden?

Schauen wir uns noch mal ein bisschen näher das Training an. Zu Jan Ullrichs Zeiten wurden die Sportler auf ein Ergometer gesetzt und dann wurde ein Belastungsstufentest mit Spirometrie und Laktatmessung durchgeführt. Aus den Ergebnissen wurden dann Trainingsempfehlungen abgeleitet. Seit ein paar Jahren wissen wir, Laktat ist nicht nur ein Stoffwechselprodukt, das man als Parameter für die Ermüdung heranziehen kann, sondern spielt auch eine Rolle als Energieträger. Laktat kann also vom Sportler genutzt werden, um dem arbeitendem Muskel zusätzlich Energie zuzuführen.

Wenn wir früher bei Leistungssportlern die so genannte individuelle anaerobe Schwelle auf beispielsweise 400 Watt gelegt haben, dann konnte es durch aus sein, das dieser Sportler eine so genannte funktionelle (tatsächliche) Schwelle von 420 Watt hatte. Ich habe als Hobbysportler keinen Einblick in die Ergebnisse von Profisportlern, kenne aber persönlich nicht einen konventionellen Test im Hobbybereich der belastbare Trainingsempfehlungen gegeben hätte. Wenn Sie also Hobbysportler sind und Sie wollen ihre Leistungsfähigkeit untersuchen lassen, dann machen Sie es ruhig und sammeln sie die Daten, bis Sie sie selber interpretieren können.

Zurück zum Laktat und unserem neuen Wissen über seine Rolle als Energieträger. Mittlerweile gibt es erste Trainingsempfehlungen aus der Sportwissenschaft. Wir bauen Einheiten, in denen wir bewusst in einem Intervall Laktat erzeugen und dann die Leistung absenken, um das Laktat als Energieträger im Muskel zu verarbeiten. Wir fahren also 3-4 Minuten mit vielleicht 105-110 Prozent unserer Schwellenleistung und reduzieren dann die Leistung auf 85-95 Prozent für weitere 4 Minuten. Wenn die Tour näher kommt, würde man diese Übung dann entsprechend spezifizieren und mit Antritten am Berg kombinieren. Zum Beispiel 10 Sekunden hart antreten und dann für weitere 30 Sekunden das Tempo hochhalten und dann erst das Tempo auf 85-90 Prozent der Stundenleistung absenken.

Übrigens gab es schon immer Einheiten, wie z.B. das Schwellenkreuzen, mit denen man ähnliche Effekte erzielt hat. Neu ist heute, dass wir wissen, warum diese Einheit nützlich ist und zu welchem Zweck und wann sie eingesetzt werden kann. Verkürzend könnte man sagen, dass wir ähnlich der exogenen Versorgung mit Kohlenhydraten trainieren können, das Laktat als Energieträger zu nutzen; und zwar dergestalt, dass der Formaufbau begünstigt wird.Wir haben mit diesem Wissen also ein weiteres Puzzle, um unseren Sportler formaufbauend zu Tour zu bekommen.

Der Trainingsplan – gestern und heute

Wenn wir unseren Trainingsplan für unseren Tour de France Sieger 2014 zusammenbauen, hilft uns jedes neuere Wissen, die Einheiten entsprechend einzuplanen. Wir bekommen also mehr Qualität in unser Training. Bernhard Kohl hat in der „Zeit“ versucht, seinen Trainings- und Dopingplan zu rekonstruieren. Die Daten sind natürlich unvollständig und ich tue ihm vermutlich im folgenden Unrecht, möchte diesen Plan aber gerne als Beispiel nehmen.

Früher haben Leistungssportler im Oktober eine längere Ausszeit genommen. Radrennen sind sehr hart und sehr ermüdend. Nahezu jeder Profi und auch die meisten Hobbysportler haben am Ende des Jahres ein leichtes Übertrainingssyndrom. Eine Pause tut also gut und für die Gesundheit ist es förderlich, wenn man dem Körper eine z.B. 6 wöchige Regeneration gibt. Leider nimmt mir eine Pause von 4-6 Wochen fast die Chance, im nächsten Jahr stärker zu werden. Schon 2 Wochen Trainingspause reduzieren die Zahl der Mitochondrien dramatisch. Ich muss also beim Trainingsstart einen längeren Vorlauf einplanen, bevor ich wieder härter trainieren kann. Unserem Toursieger 2014 würde ich empfehlen, 2013 eine abgegrenzte Saison zu fahren und so die Ermüdung in Grenzen zu halten. Eine reine Saisonpause wäre dann hinfällig und unser Sportler könnte in einer Übergangsperiode von Mitte September bis Mitte Oktober aktiv mit Sport regenerieren.

Bernhard Kohl hat im Winter Langlauf gemacht, um wieder den Sport aufzunehmen. Für das Herz-Kreislauf-System ist es egal, welchen Ausdauersport wir wählen. Aber wenn wir nachdenken, werden wir unschwer erkennen, dass dieses Training auf dem Rad einen höheren Nutzen hat. Bernhard Kohl hat also Langlauf gemacht. Als Trainer hätte ich grosse Probleme, dieses Training in einer Trainingsplanung zu qualifizieren und auch die Trainingsbelastung zu messen. In der Trainingsplanung bauen wir auf Reize und auf Regeneration. Die Reize müssen sukzessive gesteigert werden. Jeden Tag vier Stunden Langlauf zu machen ist bestenfalls nett. Spätestens in der dritten Woche fange ich an meine Zeit zu verschwenden, wenn ich meinen Reiz nicht deutlich anpasse.

Leistungschart von Alejandro Valverde auf der neunten Etappe der diesjährigen Tour de France.

Leistungschart von Alejandro Valverde auf der neunten Etappe der diesjährigen Tour de France.

Verbesserte Leistungsmessung und Analysesoftware

Die Firma SRM hat für den Radsport einen Leistungsmesser bereits vor über 20 Jahren entwickelt. Mittlerweile gibt es diverse Softwareprogramme, die diese Leistungsdaten analysieren und den so genannten Trainingsload einer Einheit bewerten. Vereinfachend ausgedrückt werden Belastungen oberhalb der Schwelle deutlich stärker gewertet als Belastungen darunter. Mit dem Herzfrequenzmesser könnte Bernhard Kohl Belastungsspitzen durch kurze Hügel nicht wirklich erfassen, da die Herzfrequenz bis zu 3 Minuten Nachlauf hat. Wir fahren also einen Hügel hoch, sind sehr stark im anaeroben Bereich und unsere Herzfrequenz ist gerade mal von 120 auf 140 gestiegen. Unser Leistungsmesser zeigt aber, dass wir am Hügel 130 Prozent unserer Stundenleistung eingesetzt haben und diese Leistung korrespondiert eher mit einer Herzfrequenz von 180, die wir auch erreicht hätten, wenn der Hügel einen Kilometer länger gewesen wäre.

Für unsere Trainingsplanung sind solche Differenzierungen sehr wichtig. Durch die Messung der tatsächlichen Leistungen können wir die Reize viel genauer setzen und so auch die Regeneration viel besser steuern. In einer perfekten Trainingsumgebung kennt nicht nur der Trainer, sondern auch sein Schützling die Wirkweisen des richtigen Trainings und so können beide von Tag zu Tag die Feinsteuerung für das Training vornehmen. Natürlich hat es früher schon Ruhepulsmessungen morgens gegeben und es wurden Blutparameter gemessen. Nur die dann folgende Trainingsleistung kann man erst mit der Software für Leistungsmesser richtig setzen und auswerten. Wer es genau wissen will, kann sogar während der Ausfahrt den aktuellen Trainingsload vom „Tacho“ ablesen.

Wir können also einem Trainingstag eine Trainingsbelastung zuordnen und die Software kann uns dann anzeigen, wie sich der Trainingsload der letzten sieben Tage sich beispielsweise zum Trainingsload der letzten 42 Tage darstellt. Da man mittlerweile die Daten von vielen Leistungssportlern zum Vergleich hat, haben Trainer heute mehr Möglichkeiten, sich zu orientieren. Wir planen also unsere Trainingsbelastung für die Zeit von November bis Februar und steigern kontinuierlich den Trainingsload mit Einheiten, die für eine bestmögliche Basis für das weitere Training sorgen.

Man könnte neben vielen ruhigen Kilometern in dieser Zeit zum Beispiel auch harte, hochintensive Reize im so genannten Hittraining machen. Dieses hochintensive Training in Intervallform ist ein neuer und auch alter Hut. Die Sportwissenschaft arbeitet aktuell an Längsschnitten, die uns helfen werden, das Hittraining auch in die Mehrjahresplanung einzubauen. Aber schon heute sehen die Trainingspläne in nahezu allen gängigen Magazinen für Breitensportler deutlich roter (=intensiver) aus als noch vor einigen Jahren. Wer bislang noch wenig in diesem Bereich trainiert hat, wird von einem Hit-Trainingsblock vermutlich stark profitieren.

Softwareprogramme wie Golden Cheetah (opensource) verfügen über vielfältige Analysetools, zum Beispiel das Performancechart. Hier wird der aktuelle Trainingsload mit dem langfristigen Trainingsload verglichen. Wenn ich mein Pensum steigere, ist die aktuelle Belastung immer höher als die langfristige. Die Software erzeugt daraus die Trainingsstressbilanz, die dann in der Aufbauphase natürlich sehr stark negativ sein kann. Vor dem Wettkampf wird dann der aktuelle Trainingsload reduziert, um dann zum Wettkampf eine leicht positive Trainingsstressbilanz zu erzeugen. Der Sportler hat also ein Instrument, um die Trainingsbelastung zum Wettkampf genau auszusteuern; natürlich immer abgleichend mit eigenen Erfahrungswerten.

Von der Firma Trainingpeaks gibt es eine Kaufsoftware von Coggan und Allen, die sich seit über 20 Jahren mit dem Thema Training mit Powermeter beschäftigen. Hunter Allen hat sich in diesen Tagen auch zu den Berechnungen von Vayer geäussert. Allen hält aufgrund der vielen ihm vorliegenden Charts von Sportlern die 6,5 W/kg für sauber möglich. Andy Coggan hat sich gestern in Facebook dahingehend geäussert, dass er Leistungen von mehr als 9 W/kg im VO2 Max Bereich für physiologisch möglich hält und leitet daraus ca. 6,6 W/ kg als mögliche Stundenleistung ab. Wenn man sich die Topfahrer anschaut, liegen diese oftmals am Ende einer Tour nur 1-5 Minuten auseinander. Diese Unterschiede lassen sich mit einem Kg Gewichtsunterschied erklären.

Neue Trainingsmethoden sind besser als altes Doping

Wenn Sie mich fragen, ob die Leistungen von Wiggins und Froome sauber sind, würde ich das bejahen. Zwischen 1990 und 2010 gab es hinsichtlich des Wissens über „richtiges“ Radsporttraining eine Wissensexplosion. Natürlich hat die Trainingsmethodik unter Doping gelitten. Durch Conconi, Ferrari und co. wurde in der Trainingsmethodik der Focus sehr stark auf die Schwellenleistung und deren Beeinflussbarkeit durch Epo und Blutdoping gesetzt. Das Training in diesen Jahren stand sicherlich hinter den Möglichkeiten und Ergebnissen des Dopings zurück. Als Hobbysportler gebührt mein Respekt und meine Achtung den Sportwissenschaftlern, die unseren Sport mit ihrer Suche und Forschung nach weiteren Bausteinen, die unsere Erkenntnisse mehren und bereichern.

Der Radsport hat sich gewandelt. Teams wie Sky beschäftigen keine ehemaligen Doper. Die Sportler selber äussern sich heute eindeutig über Doper. Früher hätte man zum Doping der anderen geschwiegen und lediglich geleugnet selber zu dopen. Dieser Vorzeichenwechsel ist im Peleton erfolgt. Auch die aktuellen Leistungscharts z.B. von Valverde zeigen, dass die Sportler heute sauber sind. Der Radsport hat aus meiner Sicht an Faszination wieder gewonnen, weil die Leistungen nachvollziehbarer geworden sind.

Schauen Sie auf das Chart von Valverde und teilen Sie meine Leidenschaft für diesen Sport. Valverde hat am ersten Berg seine Helfer vorgeschickt und dann vor der Kuppe mit vielleicht 6,5-6,8 Watt/kg attackiert. Froome konnte ihm zwar folgen, war dann aber ohne Helfer. Die restlichen Berge der Etappe waren dann davon geprägt, dass Froome umzingelt von Gegner ohne eigene Helfer selber entscheiden musste, welche Gegner er kontrolliert. Die Leistungen von Valverde sind absolut plausibel. Ich kenne genug talentierte Hobbysportler, die natürlich mit höherem Gewicht, ähnliche Leistungen erbringen.

Freuen wir uns auf den heutigen Tag. Heute geht es zuerst über den Glandon, dann kommt der Col de Madeleine. Denken Sie heute mal an die Glycogenspeicher. Wenn auf den ersten beiden Bergen ein hohes Tempo gefahren wird, dann kann es durchaus sein, dass an den letzten Steigungen einige Topfavoriten sehr grosse Probleme bekommen. Sowohl Valverde als auch Contador sind beide überführte Doper. Beide sind aber auch herausragende Rennfahrer, die heute (sauber) den Radsport mit grosser Leidenschaft ausüben und aufgrund ihrer offensiven Fahrweise ihren Gegnern einen Wettkampf antragen, der an Faszination viel mehr zu bieten hat, als der Abgleich von Zahlen.

Peter_SturmDer Autor dieses Gastartikels ist Diplomkaufmann und seit vielen Jahren begeisterter Radsportler, der auch Rennen fährt. Er beschäftigt sich beruflich unter anderem mit der Entwicklung von Carbonteilen für Rennrad und Mountainbike made in Germany (Projekt sizezero). Am 01. August ist die offizielle Vorstellung.

Der Autor schreibt hier unter dem Pseudonym Peter Sturm.

Weitere Artikel zur Tour de France hier im Blog:

Ist Chris Froome gedopt?

Tour de France: Kann mit berechneten Leistungsdaten Doping nachgewiesen werden?

 

 

flattr this!

Kommentare

  1. #1 Ralph
    20. Juli 2013

    Vielen Dank für diesen höchst informativen, leidenschaftlichen und bestens erklärten Beitrag. Ich habe selten soviel in einem einzigen Blogartikel gelernt.
    Gerne würde ich wieder an einen ehrlichen und fairen Profiradsport glauben. Das kann ich nicht. Zu viele Fragen bleiben offen. Die Vertrauensgrundlage ist nachhaltig entzogen. Auch wenn die Trainingsmethoden besser sind, kann man sich durch Doping immer noch Vorteile verschaffen.
    Zwei Fragen, von vielen die sich mir aufdrängen:
    1.) Das Intervalltraining nach leergefahren Glycogenspeichern stelle ich mir unmenschlich schwer vor – ohne Mittelchen, die das eventuell erleichtern. Diese Mittelchen wären im nachhinein nicht mehr nachweisbar.
    2.) Christopher Froome tut mir unendlich leid falls er ehrlich ist und das Misstrauen ausbaden muss, welches seine Vorgänger verschuldet haben. Dennoch drängt sich eine Parallele zu Lance Armstrong auf. Nach schwerer, überwundener Krankheit ist man mit Spritzen Infusionen und deren Wirkung auf seinen Körper routinemässig vertraut. Das soll Zufall sein?
    (Ich weiß nicht, ob für Froome die gleichen Bestimmungen gelten wie für andere Teilnehmer, oder ob seine Krankheit immer noch eine individuelle, genehmigungspflichtige Medikation erfordert.)

  2. #2 Tobias Maier
    20. Juli 2013

    Ralph,
    Danke für deinen Kommentar. Vielleicht geht der Autor noch näher drauf ein. Zu Froomes Krankheit: er hatte Bilharziose, die er sich anscheinend bei einem Besuch in Kenia 2010 eingefangen hat. Die Wurmerkrankung wird soweit ich weiss durch einmalige Gabe eines Medikaments behandelt. Die Behandlung wird dann eventuell Monate später wiederholt. Ich denke also nicht, dass Froome unter dem Mantel einer ständig benötigten Medikation zu unerlaubten leistungssteigernden Medikamenten greifen kann.

  3. #3 Peter
    20. Juli 2013

    Hi Ralph, danke für Dein Interesse und Deine Fragen.

    Die 2. hat Tobias bereits beantwortet.

    Das Training mit bereits geleerten Speichern ist natürlich keine Übung für trainingsunerfahrene Sportler. Bevor die Speicher final geleert sind, kündigt der Körper das aber an. Die Leistungsbereitschaft nimmt ab und es fällt schwerer Wattleistungen zu treten, die in den ersten 2 h vielleicht noch ganz locker gingen. Dieser Punkt kündigt sich aber an und man hat vielleicht 20 Minuten Zeit zu reagieren und dann mit einer dosierten Kohlenhydratzufuhr zu beginnen. Wenn man dann im nächsten Intervall höhere Belastungen fährt, geht das schon, fühlt sich aber einfach anders (sprich härter) an als beim Start der Ausfahrt, weil der Körper jetzt mit den Resten seiner Glycogenvorräte geizt und versucht die Energie aus dem bisschen, was ihm zuführen und den Fetten zu erzeugen. Mittelchen braucht ein Radsportler dafür nicht. Wenn es mal wieder länger dauert;) reicht eine kleine Cola für 30 weitere Kilometer im Tempobereich.

  4. #4 roel
    *****
    20. Juli 2013

    Zur Behandlung von Bilharziose: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/042-005l_S1_Diagnostik_Therapie_Schistosomiasis_Bilharziose_2011-03.pdf

    @”Peter Sturm” Sehr interessanter Artikel.

  5. #5 passagier
    wien
    23. Juli 2013

    Obwohl ich mich eigentlich nicht sonderlich für den Radsport interessiere fand ich den Artikel spannend, interessant und lehrreich, vielen Dank!

    Eine Überlegung drängt sich mir nun aber auf.
    Der Artikel zeigt zwar plausibel wie sich frühere nur durch Doping erzielbare Leistungen mit modernen Methoden und Materialien “legal” erzielen lassen. Soweit sogut. Aber sobald ALLE Top-Teams mit diesen neuen Methoden arbeiten bleibt doch wieder “nur” der Giff zum Doping um sich vom Feld abzusetzen.

  6. #6 Peter
    23. Juli 2013

    @passagier: Das stimmt. Ich habe aber auch den Eindruck, das die Sportler gelernt haben, mit ihren Grenzen zu leben und den Sport auch lieben, wenn sie mal nicht erster werden. Diesen Stimmungswechsel meine ich zu beobachten. Ich hoffe, dass sportliche Leiter wie Bjarne Riis von Fahrern wie Contador den Druck, gewinnen zu müssen, weg nehmen.

    Wie wir dieses Jahr gesehen haben, kann eine saubere Tour viel interessanter als eine “gestohlene” Tour sein.

  7. #7 roel
    *****
    23. Juli 2013

    @Peter Sturm Im Leistungssport zählt die Leistung. Du kannst auch sagen, im Profisport muss das direkte und indirekte Einkommen auf Dauer ausreichen, um ihn überhaupt betreiben zu können. Das gilt für die Einzelnen, wie auch für die Teams. In sofern gibt es immer einen Druck, vorne dabei sein zu müssen.

    Auch das Training, das du oben skizzierst, ist ja nichts, was man ausschließlich aus Lust am Sport betreibt. Dazu gehört schon der eiserne Wille, seine Grenzen auszuloten und soweit wie möglich zu verschieben und eine ganz gehörige Portion Ehrgeiz. Und natürlich will man als Lohn für soviel hartes Training Siege einfahren, als unmittelbarer Sieger oder als Helfer.

    Ich denke SportlerInnen sind nicht ehrlicher als andere Menschen. Sie haben genausoviel Betrugspotential wie andere auch. Dass jetzt niemand positiv getestet wurde heißt nicht, dass es eine “saubere Tour” war. Ich hoffe es zwar aber das muss sich erst in Zukunft zeigen.

  8. #8 Peter
    23. Juli 2013

    @roel. Ich müsste nachschauen, wer folgendes gesagt hat: Im Radsport ist Doping heute keine Systemfrage mehr, sondern eine Charakterfrage.

    Das Kontrollsystem im Radsport ist gut und die Nachkontrollen finden statt. Vor 20 Jahren haben die “Dopingjäger” einen Tag vor der Kontrolle angerufen und ihr Kommen angekündigt. Diese Zeiten sind vorbei; auch die Wissenschaftlicher üben über die Medien Druck auf das System aus, siehe ZDF Sportstudio vom letzten Samstag.

    Wir tun immer so als könnten wir einen Sportler mit ausgeklügeltem Training zu Bestleistungen treiben. Tatsächlich ist es aber so, dass die Toptalente auf fast jede Trainingsform so stark reagieren, dass sie sich von der Masse abheben und sich als Kadersportler empfehlen. Das Dilemma für den Trainer und für den Sportler taucht nach systematischen Training relativ schnell auf. Der Sportler verbessert sich nicht mehr. Hier gab es früher Abkürzungen.
    Wenn nun z.B. Team Sky sagt, okay, lasst uns den ehrlichen Weg zu Ende gehen und jedes Detail anfassen, dann finde ich das gut. Diese finale Konsequenz sehe ich nicht bei allen Teams – heute!

    Ein Beispiel für bessere Methoden gleich höhere Leistung:
    Die Schweizer Skialpinläufer sind für die Schweizer sicherlich so wichtig, wie für uns die Fussballer. Die Trainer der Schweizer haben von Jahr zu Jahr versucht, die VO2max ihrer Sportler zu steigern. Sie sind damit von Jahr zu Jahr baden gegangen. 2008 (?) hat man dann die Erkenntnisse aus vielen Hitstudien genutzt und für die Alpinen Skiläufer im Sommer einen Hit-Kraftzyklus entwickelt . In der Folge verbesserte sich die Vo2max durchschnittlich um 8 Punkte (?) und im Winter kamen dann auch die Erfolge zurück.

    Sportler sind sicherlich nicht ehrlicher als jeder andere auch.
    Früher galten Schwarzgeldkonten in der Schweiz als sichere und unbedenkliche Geldanlage. Die Daten Cds zeigen, wie sich das Verhalten des Einzelnen verändert, wenn er durch Kontrollen auf einmal mit Aufdeckung rechnen muss.

  9. #9 Dr. Webbaer
    23. Juli 2013

    Ich habe aber auch den Eindruck, das die Sportler gelernt haben, mit ihren Grenzen zu leben und den Sport auch lieben, wenn sie mal nicht erster werden.

    Schön, dass sich das sozusagen ruckartig nun ergeben konnte.

    MFG
    Dr. W

  10. #10 Dr. Webbaer
    23. Juli 2013

    PS: Irritieren tut auch wenig das Pseudonym in Verbindung mit dem Foto – neben der Autoren-Interessenlage, sollte eine diesbezügliche vorliegen.

  11. #11 roel
    *****
    23. Juli 2013

    @Peter Sturm “Die Trainer der Schweizer haben von Jahr zu Jahr versucht, die VO2max ihrer Sportler zu steigern. Sie sind damit von Jahr zu Jahr baden gegangen. 2008 (?) hat man dann die Erkenntnisse aus vielen Hitstudien genutzt und für die Alpinen Skiläufer im Sommer ”

    Das mag sein und bei den Alpinen Skiweltmeisterschaft 2009 auch zum Erfolg geführt haben. ABER was lief denn dann bei den Alpinen Skiweltmeisterschaft 2011 und 2013 schief? Der Schweizer Cheftrainer wurde nach dem schlechtesten Abschneiden bei Weltmeisterschaften (0 Medaillen 2013) gefeuert.

  12. #12 Peter
    23. Juli 2013

    @roel: Keine Ahnung, ich verfolge den alpinen Skisport nicht wirklich;) Aber ich wäre auch interessiert zu erfahren, was die Trainer in den Folgejahren gemacht haben. Die Studienlage hinsichtlich Längsschnitten zum Hittraining ist wohl aber auch noch dürftig.

  13. #13 roel
    *****
    23. Juli 2013

    @Peter Sturm Naja die Sache ist die, im Beitrag verweist du auf geänderte Trainingsmethoden und hoffst damit auf ein Ende des Dopings und auf eine. In dem Kommentar hoffst du, dass der Druck vom Fahrer genommen wird.

    Das Schweizer Beispiel zeigt, dass trotz anfänglichem Erfolg aufgrund geänderter Trainingsmethoden der Druck sofort wieder da ist, wenn sich Misserfolg einstellt.

  14. #14 Peter
    24. Juli 2013

    @Roel Im Artikel wollte ich lediglich zeigen, dass wir heute mehr wissen als noch vor einigen Jahren und somit saubere Leistungen heute durch aus bestimmte Leistungsschwellen überschreiten können, die vormals nur mit Doping oder nur von gedopten Sportlern erbracht wurden.

    Der Radsport ist in einer komfortablen Situation. Die Aufstiegszeiten an Bergen sind zwar interessant, interessieren aber eher die Statistiker.

    Schauen Sie sich in der Leichtathletik die Entwicklung des Weltrekordes über 10.000 Meter oder im Marathon an. Das Marco Pantani mal mit allem was (rein-)ging in weniger als 37 Minuten nach Alpe d`Huez hochgefahren ist, nimmt heute keiner mehr ernst und wird auch bei keiner Übertragung eingeblendet. In der Leichtathletik haben sie die Sünden der Vergangenheit bei jeder Übertragung vor den Augen.

    Heute wird in Paris ein Bericht veröffentlicht, der im Anhang wohl auch Pantani als Doper 1998 überführen wird. Seinen Fans wird das egal sein. Sie haben ihn für seinen Fahrstil, seinem Mut und sein Kämpferherz geliebt und vermissen heute den Menschen, der nicht mehr unter ihnen ist.

    Die Franzosen lieben Poulidor, der ist immer nur Zweiter bei der Tour geworden; genau das hat ihm mehr Popularität eingebracht als es ein Toursieg hätte tun können.

    Als Zuschauer wollen wir eine ehrliche Tour und viele spannende Geschichten. Das Dilemma beginnt dann, wenn die Medien beginnen jemanden als Identifikationsfigur aufzubauen. Gerade in Deutschland wurden und werden von den Medien viele Stockfehler gemacht. Zu Zeiten von Jan Ullrich wurde aus nahezu jedem Journalisten ein Fanboy und selbst seriöse Magazine verkamen zu reinen Fanzeitschriften. Hier kann man vieles besser machen. Der Radsport schreibt sehr, sehr viele Geschichten, die man differenziert erzählen könnte und die jede für sich erzählenswert wäre. Z.B. hatten wir dieses Jahr das Duell dreier Sprintzüge, die der Hammer waren;) Fahrer wie Adam Hansen, die mir ihrer Kraft ihren Zug dermassen brutal beschleunigen, das alle anderen Züge Unterschlupf im Windschatten suchen, sind eigene Geschichten wert. Das schöne, diese Leistungen sind sauber möglich.

    Kennen Sie eigentlich Cancellara? Cancellara ist der Protagonist des Frühjahrs und seine Rennen bei der Flanderrundfahrt oder Paris-Roubaix sind heute schon Legende. Richtigen Radsportfans bedeuten diese beiden Rennen – neben den Ardennenklassikern – alles. Unsere öffentlich-rechtlichen Sender haben hier tolle Geschichten verpasst und waren nicht dabei als Legenden geboren wurden.

    Bei all meiner Begeisterung für den Radsport schaue ich schon sehr kritisch hin, wenn Leistungen erbracht werden, die ich mir nicht erklären kann. Wenn z.B. Contador einen Fahrer wie Cancellara im Zeitfahren schlägt, dann ist das ein sehr schlechter Witz. Wenn Fahrer wie Voigt und Aldag spanische Bergziegen am Berg abhängen, dann freut sich nur noch der Apotheker. Der Fan schweigt betroffen!

    Ich würde mir gern den Film die Höllentour mit unseren beiden Helden Aldag und Zabel mal mit neuen Untertiteln wünschen. Nahezu alles, was die beiden da erzählen, ist heute genauso Kult wie auch grosser Mist.

    Ich kann heute den Radsport als Zuschauer geniessen und muss nicht immer hinter die Fassade gucken.

    Heute Abend spielen die Bayer gegen Barca. Als ehemaliger Strassenfussballer mag ich den “neuen” deutschen Fussball und freue mich auf ein tolles Spiel. Das Spiel ist heute aber schneller als jemals zuvor und Fussball wird immer mehr zum Laufsport. Unser Frauenarzt Fuentes wurde auch mit Barca verlinkt und der Einsatz von Blutdoping und Epo im Fussball ist durchaus naheliegend. Der Superstar Messi hat nur durch Wachstumshormone seine derzeitige (kleine) Grösse erhalten. Guardiola hat eine Dopingvergangenheit. So what, ist trotzdem ein toller Typ.

    All das wird mich heute Abend aber nicht davon abhalten, das Spiel zu sehen.

    Wir werden nie hundertprozentig sicher sein können, ob das was wir als tolle Leistung beklatschen, nicht vielleicht doch ein grosser Betrug ist. So gesehen sind heute Begeisterung und Skepsis untrennbar miteinander verbunden.

  15. #15 JOGO
    24. Juli 2013

    Das Zitat “Im Radsport ist Doping heute keine Systemfrage mehr, sondern eine Charakterfrage.” stammt von Herrn Scharping – nicht gerade ein Vorbild im Dopingkampf.
    Neue Trainingsmethoden sind schön und gut, die Annahme, dass allein das Team Sky danach arbeitet halte ich für gewagt. Alle Teams arbeiten seit Jahren mit Leistungsmessern am Rad und alle Teams arbeiten seit Jahren mit Trainingswissenschaftlern zusammen. Ich bin sicher, Trainingsmethoden die hier im Blog nachlesbar sind , sind auch den Trainern der Teams bekannt.
    Das große Problem, das oben als einfach abgetan wurde ist, bei großer Gewichtsabnahme keine Leistung zu verlieren. Das mag einem Hobbysportler leicht fallen, der einfach 10kg Fett abtrainiert. Ein Radprofi der bei 5% Körperfett liegt, also bei 75kg Gewicht insgesamt keine 4kg Körperfett mehr hat, muss massiv Muskeln abbauen um 10kg Gewicht zu verlieren. Das geht ganz sicher nicht nebenbei in 2 Monaten und selbst in einem oder zwei Jahren ist das ohne Leistungseinbuße nicht zu machen. Radsportler verfügen nicht über große Arm- und Oberkörpermuskulatur auf die man verzichten könnte.
    Oben steht: “Ich kenne genug talentierte Hobbysportler, die natürlich mit höherem Gewicht, ähnliche Leistungen erbringen.” Wenn das so einfach mit dem Abnehmen ohne Leistungsverlust wäre, könnte man aus diesen Hobbysportlern – mit sicher mehr als 5% Körperfett – in zwei Monaten einen Podiumskandidaten für die Tour machen.
    Am Berg kann ein Fahrer mit geringerem Gewicht auch trotz Leistungseinbuße besser werden. Deshalb löst bei mir Froomes Leistung im ersten Zeitfahren, als er fast gleich schnell wie Spezialist Martin war die größten Zweifel aus.

    Contador und Valverde und nicht Froome waren für mich die interessanten Fahrer der Tour. Wenn sie in den Medien jetzt nicht als Verlierer hingestellt, sondern ihr Mut und ihre Leistung gewürdigt werden, ist ein wichtiger Schritt für einen sauberen Sport getan.

  16. #16 roel
    *****
    24. Juli 2013

    @Peter Sturm Mit allem was Sie schreiben stimme ich so zu 90% überein.

    Es sind nur immer kleine Ergänzungen. Cancellara – ja klar, ich interessiere mich für fast jeden Ausdauersport und die Frühjahrsklassiker sind immer sehenswert. Cancellara hatte mit Luigi Cecchini wenigstens auch einen Sportarzt gewählt.

    Und damit zum Frauenarzt Fuentes: Der hatte ganze Fussbalnationalmaschaften in Behandlung. Wollte keiner großartig etwas von wissen – die Vermutung war, dass da zu viel Geld im Spiel war.

    “Guardiola hat eine Dopingvergangenheit. So what, ist trotzdem ein toller Typ.” Das zählt dann zu den 10%.

  17. #17 Peter
    24. Juli 2013

    @Jogo: Die 10 kg dienten der Veranschaulichung. Die Hobbysportler, die ich anführte, können ganz sicher keine 10 kg-20 kg verlieren und dabei ihre Leistungsfähigkeit erhalten.

    Sie brauchen für die Geburt eines ausgehungerten Froome sehr sehr viel Talent – sprich genetische Indikation.

    Marcel Kittel war in seinem Umfeld als junger Sportler kein geborener Sprinter; wenn er neben einen Bahnsprinter steht, dann sind die Unterschiede offensichtlich. Vielleicht waren im gleichen Internat auch die Bahnsprinter untergebracht?
    Kittel war als Zeitfahrer einer der besten, wenn nicht der beste, seines Jahrgangs und erst bei Argos Shimano erkannte man, dass er ein toller Strassensprinter ist. Froomes Talent kann man hieraus ableiten. Nicht jeder ist dafür geschaffen, mit möglichst wenig Muskeln einen Berg schnell hoch zu fahren oder noch die Sprintmuskulatur nach 200 km zu haben.

    Die Leistung von Froome im ersten Zeitfahren war ausserordentlich stark, sein Gegner Tony Martin aber durch grossflächige Schürfwunden stark gehandicapt. Wenn wir Martin aussen vor lassen, dann hat Froome keine verdächtigen Abstände auf seine Gegner im Gesamtklassement rausgefahren.

    Ihren letzten Absatz teile ich.

  18. #18 Peter
    24. Juli 2013

    @roel: 90 Prozent ist doch ein toller Wert, können wir stehen lassen!

  19. #19 JOGO
    24. Juli 2013

    Leider habe ich anscheinend nicht verstanden was das 10kg Beispiel veranschaulichen sollte. Sie haben behauptet, ein Profi könnte in 60 Tagen 10kg abnehmen ohne seine Leistungsfähigkeit einzubüßen. Das geht beim besten Talent nicht.
    Das mit dem Talent ist ohnehin so eine Sache. Wie weit man allein mit Talent kommen kann weiß niemand. Ist Froomes Leistungsfähigkeit bei niedrigstem Gewicht Talent oder Medizin? Das weiß nur er selbst und vielleicht ein paar enge Vertraute. Auch die anderen Profis die im Gesamtklassement weit vorne landen sind sehr leicht. Haben sie weniger Talent oder weniger Medizin? Auch das können wir nicht wissen.
    Chris Froome war vor ein paar Jahren auch noch etwas schwerer. Er hat es geschafft leichter zu werden und dabei noch die Leistungsfähigkeit zu steigern. Talent? Ich weiß es nicht.
    Warum ist eigentlich Contadors Sieg gegen Cancellara ein schlechter Witz, Froomes knapper 2. Platz gegen Martin aber völlig unverdächtig? Der Vorsprung den Martin gegenüber anderen Fahrern hatte lässt den Schluss zu, dass ihn seine Verletzungen kaum beeinträchtigt haben. Allein Froome hatte weniger als eine Minute Rückstand. Ganze 12 Sekunden für einen federleichten Bergfahrer gegen einen langjährigen Zeitfahrspezialisten. Für mich nicht nachvollziehbar. Die anderen leichten Gesamtklassementfahrer haben alle ziemlich gleich viel, rund 2 Minuten, auf Froome verloren. Für mich ist das verdächtig.
    Zum Zeitfahren von 2009: Es gab damals einen Berg von guten 200HM zu überwinden, der Contador einen Vorteil gegenüber Cancellara brachte. Das Zeitfahren war auf der 18. Etappe gegen Ende der Tour. Ein Vorteil für einen Gesamtklassementfahrer, der seine Stärken unter anderem in der Regeneration hat. Contador war nur drei Sekunden schneller als Cancellara und insgesamt lagen 9 Fahrer innerhalb einer Minute (2013 waren es nur zwei). Contador hatte damals nur 1:45 Minuten Vorsprung auf Andy Schleck, einen bekanntermaßen mäßigen Zeitfahrer – keine 2 Minuten Vorsprung wie Froome in diesem Jahr. Und: Das Zeitfahren war von der Siegzeit her um ein Drittel länger als in diesem Jahr. Es hätte also eher größere Abstände geben müssen.
    Contadors Leistung ein Witz, Froome einfach zu erklären? Kann ich nicht nachvollziehen.

  20. #20 Peter
    24. Juli 2013

    @Jogo Contador ist ein reiner Bergfahrer, Froome ist eher Zeitfahrer als Bergfahrer. Er kann mit 68 kg Leistungen bringen, für die andere 72-74 kg brauchen. Ich glaube, es ist Talent und eine besondere Genetik. Du hast deine Zweifel. Damit kann ich leben. Contador ist ein überführter Doper. Es ist naheliegend, dass er auch 2009 mit Blut rumgespielt hat. Von Froome ist nix in dieser Richtung bekannt. Sky ist für mich glaubwürdig, Astana war es nie. Du kannst darüber anders denken.

    Das Zeitfahren 2009 war flach, 200 hm auf 40 km ist gar nix. Da fahr ich in der Lüneburger Heide auf 40 km mehr Höhenmeter und hier ist es so flach, das ich am Mittwoch beide Sonntage sehen kann.
    http://www.letour.fr/2009/TDF/COURSE/us/1800/etape_par_etape.html

    Sorry für den billigen Witz.

  21. #21 JOGO
    24. Juli 2013

    Schön. Der eine glaubt es ist Talent, der andere glaubt eher an Medizin.
    Jeder kann seinen Standpunkt wunderbar erklären und belegen. Was stimmt weiß man nicht.
    Seit wann ist Froome eher Zeit- als Bergfahrer? Er war bis zur Vuelta 2011 weder noch und ist seit dem in beidem einer der Besten. Warum kann er mit 68kg eine Leistung bringen für die andere 72-74kg brauchen? Für mich ist die von Dir als “amüsant” bezeichnete Nennung von neuen Medikamenten eine mindestens so gute Erklärung wie besonderes Talent.
    Dass Contador mittlerweile überführt ist und Froome nicht sagt gar nichts. Contador war ein paar Tage nach der Tour 2009 auch nicht überführt und ist auch heute nicht für die Tour 2009 überführt. Wer glaubwürdiger ist, ist eine reine Sympathiefrage. Telekom mit ihren Uni-Medizinern war glaubwürdiger als andere, Armstrong mit seiner Krebsgeschichte war glaubwürdiger…Für die Tour 2013 halte ich Contador für glaubwürdiger.
    Das Zeitfahren von 2009 war flach bis zum Berg. Die 200HM waren an einem Stück zu absolvieren (auf ca. 3,5km ca. 6% Steigung) und es gab oben eine Bergwertung. Man hätte also nur in einer Richtung den Sonntag gesehen. An solch einer Steigung kann ein reiner Zeitfahrer (was Cancellara nicht ist) viel Zeit verlieren.

    Dein obiger Artikel ist interessant, was neue Methoden des Trainings betrifft, sagt aber leider gar nichts darüber aus, ob oder warum die Tour auch sauber zu gewinnen ist, oder ob Froome dieses Jahr sauber gewonnen hatt.

    Übrigens neige ich bei allem Zweifel an Froomes Leistung eher dazu ihm zu glauben.

  22. #22 JOGO
    24. Juli 2013

    Nachtrag: Contador war spanischer U23 Meister im Zeitfahren. Wenn, dann ist er mehr Zeit- als Bergfahrer.

  23. #23 Dr. Webbaer
    24. Juli 2013

    Wenn das mit der möglichen Interessenlage des Autors noch geklärt werden könnte, so wie in einem wissenschaftsnahen Artikel zu erwarten, wäre das nett. Besteht diese?

  24. #24 Peter
    24. Juli 2013

    @Jogo: Jaksche hat sich Contador geäussert:http://06.live-radsport.ch/details_6603/TourGesamtsieger_Contador_von_Jaksche_belastet.html
    Ein Contador mit Once/Fuentes Unterstützung konnte genauso gut das Zeitfahren U23 gewinnen, wie 2009 das in der Tour.

    Du wirst sicherlich wenige finden, die deine Meinung teilen, das von beiden eher Contador als Froome der Zeitfahrer ist. Mit 62 kg Zeitfahren gegen ausgewiesene Zeitfahrer zu gewinnen, haben bislang keine sauberen Sportler geschafft.

    Der Berg 2009 im Zf war nach deinen Angaben eher ein Rollerberg, da sehe ich Contador gegenüber Cancellara nicht im Vorteil. Da Cancellara im Zeitfahren aber sicherlich der mit Abstand beste Abfahrer ist, hätte ich hier eher einen Vorteil für Cancellara erwartet. Aber ich kann mich nicht an die Abfahrt erinnern.

    So, genug der langen Worte. Ob Froomes Leistung nach seinen Worten ” will stand the test of time” werden wir sehen.

    @Dr. Webbaer Ich stehe in keiner Verbindung zu Profisportlern oder Teams. Ich habe es Tobias freigestellt, den beruflichen Hinweis aufzunehmen oder nicht.

  25. #25 Dr. Webbaer
    24. Juli 2013

    @Peter Sturm oder ‘Peter Sturm’
    Noch zwei Bonus-Fragen zu Ihrem informiert scheinenden Artikel, der ansonsten auch Meinung trägt, ansonsten auch in Teilen einem Kommentar ähnelt:
    1.) Sie unterstützen beruflich die Herstellung von Rennrädern, die für den professionellen Radrennsport genutzt werden?
    2.) Sie stehen photographisch identifizierbar zur Verfügung, aber namentlich als Pseudonym, Sie heißen nicht ‘Peter Sturm’?

    MFG
    Dr. W

  26. #26 Peter
    24. Juli 2013

    Dr. W:
    zu 1. Nein, wenn ich das weiter ausführen würde, müsste ich Aussagen mit Werbecharakter machen. Das möchte ich an dieser Stelle nicht.
    zu 2. Natürlich heiße ich nicht Peter Sturm. Und wer mich nach dem Foto identifizieren kann, kann das, weil er mich kennt und nicht weil er mich gegoogelt hat. Da sehe ich einen Unterschied.

  27. #27 Dr. Webbaer
    24. Juli 2013

    “Peter”, es geht um den möglichen Grad an Befangenheit, der Ihrer Nachricht/Ihrem Kommentar zugrunde liegen könnte.

    Man nennt’s auch: Conflict of Interest-Statement oder -Disclosure

    An sich würde Ihr Kommentatorenfreund einen sozusagen vollständigen Webauftritt anraten.

    MFG
    Dr. W

  28. #28 roel
    *****
    25. Juli 2013

    @Peter Sturm “Die Sportler selber äussern sich heute eindeutig über Doper. Früher hätte man zum Doping der anderen geschwiegen und lediglich geleugnet selber zu dopen.”

    Gestern ging es ja offiziell durch die Presse, wer 1998 bei der Tour de France gedopt hat.

    Hier einige Zitate:

    Jan Ullrich1998: “Wer positiv getestet ist oder zugegeben hat, daß er etwas genommen hat, gehört gesperrt. Und zwar nicht erst in zwei Monaten, sondern sofort.” ( http://www.welt.de/print-welt/article628215/Ullrich-Doping-macht-mich-wuetend.html )

    Doping-Fahnder Professor Wilhelm Schänzer 1998: “Es ist für mich unvorstellbar, daß ein Jan Ullrich unter der medizinischen Führung von Prof. Keul gedopt gewesen sein könnte.”

    und

    “Ich denke eher, daß die Faszination der Tour und des Radsports nicht gelitten hat. Viele hängen an diesem Sport, es gibt da einen hohen emotionalen Anteil. Zudem gab es Sponsoren, die reagiert haben. Und ich bin davon überzeugt, daß das faszinierende Duell Jan Ullrich/Marco Pantani bei exzellenter Trainingsvorbereitung auch ohne Doping möglich war: So etwas muß nicht – wie jetzt manche vermuten – das Duell zweier rollender Apotheken sein.” ( http://www.welt.de/print-welt/article630059/Jan-Ullrich-gegen-Marco-Pantani-das-muss-kein-Duell-zweier-rollender-Apotheken-sein.html )

    Das alles ähnelt der Situation heute. Fahrer und Teams beteuern nicht zu Dopen und verlangen Sperren für Gedopte. Fachkundige damal wie heute sind sich uneinig. Wird gedopt oder nicht. Damals haben die Recht behalten, die ein weitverbreitetes Doping angenommen haben. Was unterscheidet Heute von Damals? Neue Trainingsmethoden? Die gibt es alle paar Jahre wieder.

    Ich hoffe auch, dass jetzt ein Umdenken eingesetzt hat, aber ich befürchte, es ist nur eine momentane Nichtnachweisbarkeit.

    @webbär “Der Autor dieses Gastartikels ist Diplomkaufmann und seit vielen Jahren begeisterter Radsportler, der auch Rennen fährt. Er beschäftigt sich beruflich unter anderem mit der Entwicklung von Carbonteilen für Rennrad und Mountainbike made in Germany (Projekt sizezero). Am 01. August ist die offizielle Vorstellung.” Dazu kommt der Beitrag und die Kommentare. Hier schreibt ein ausgesprochener und optimistischer Kenner der Szene. Was interessiert Sie der echte Name? Haben Sie keine Lust zum Recherchieren?

  29. #29 Peter
    25. Juli 2013

    @roel: Klar bin ich optimistisch. Ich sehe mich aber nicht als Kenner der Szene, sondern beurteile mit meinem Wissen Leistungen der Profis. Kenner der Szene ist z.B. David Walsh, der Sky für sauber hält und dessen Wort in dieser Angelegenheit sicherlich mehr wiegt als meine theoretischen Betrachtungen.

    Dr. W. ich werde Ihrem Wunsch gerne nachkommen und wenn es soweit ist, Tobias bitten, einen Link zu setzen.

  30. #30 roel
    *****
    25. Juli 2013

    @Peter Sturm Klar Walsh ist schon eine hohe Hausnummer. Aber stellen Sie ihr Licht nicht unter den Scheffel. Ich habe selten so eine ausführliche Zusammenfassung wie diese gelesen.

    Ich hatte im letzten Kommentar Wilhelm Schänzer zitiert, einen ausgewiesener Experte in Sachen Doping. Und Sie sehen auch Experten können irren. Nicht, dass ich Walsh einen Irrtum unterstellen wollte, ich denke auch, dass diese Tour tatsächlich eine Chance, hat sauber zu bleiben, aber da ist er wieder der Test of Time.

  31. #31 Dr. Webbaer
    25. Juli 2013

    “Peter”, das ist nur nett, es war gerade das Zusammenspiel aus Bild und Pseudonym, das irritiert hat.
    Es sind gerade auch Wortmeldungen zur Tour de France oder zum Radsport allgemein willkommen, wenn sie von informierter, sozusagen bestallender Seite kommen.

    Ihr Kommentatorenfreund beobachtet die Sache seit Eddy Merckx und schätzt diesen Sport, wie auch den Marathonlauf, ganz besonders.

    MFG
    Dr. W

  32. #32 geoeg dorn
    25. Juli 2013

    warum man auch ohne doping die tdf gewinnen kann?

    Weil die neuesten mittel zum zeitpunkt des rennens noxh garnicht auf der verbotsliste stehen

    bei olympia wurden mittel genommen z.b. aicar oder s107 die noch garkeine med. zulassung haben bzw. nachweislich krebsv verursachen.

    versteh mich nicht falsch. dein artikel ist sehr gut. nur deine sichtweise ist etwas naiv. Am bsp von landis hat man gesehen welchen unterschied doping macht. Er war am boden und hat am nächsten tag 150 km solo der konkurrenz (die mit sixherheit ebenfalls gedopet war) 6 min abgenommen. Nur weil er eben frisch gedopet hatte.

    Verbesserungen im trainingsbereich gibt es immer. Aber die medizinischen sind nunmal am effektivsten und einfachsten.

  33. #33 geoeg dorn
    25. Juli 2013

    Die Verbesserungen im Bereich Training, Material Analyse überschätzt du mmn nach. Du fährst doch selbst rad? Ein freund von mir hat vor 3 jahren begonnen. Seine leistungssteigerung ist unglaublich. Er nutzt alle möglichen informationsquellen und analyseverfahren und hat es geschafft schon gabz gutvim amateurbereich in ö dabei zu sein. Seine steigerungen sind aber mittlerweile extrem niedrig. Von wattczu watt also. Ich kann mir nicht vorstellen das so fundamentale optimietungen mit großen wattsprüngen möglich sind. dafür ist die materie einfach schon zu ausgereizt.

  34. #34 geoeg dorn
    25. Juli 2013

    vorallem im spitzensport > fehlt da noch am ende.

    Allg. zu wiss. Artikeln. Ich abe selbst jahrelang hart trainiert u d diverse wiss. quellen bezogen. Zu jedem Artikel gibt es leider 10 die genau gegenteilige ergebnisse liefern. Einen artikel zum thema doping quasi als gegenargumentation würde ixh von dir durchaus interressant finden, falls du dazu das nötige wissen hast.

  35. #35 geoeg dorn
    25. Juli 2013

    argumentation aus dem allgemeinsport: Es existieren immernoch sehr viele weltrekorde aus den 90er jahren. Leistungen die trotz besseren trainings noch halten. Gegen die entwicklung der trainingsmethoden also. Doping ist durch verbesserungen bzw. entwicklungen wie du sie nennst nixhz aufzuholen. jedenfalls nicht in kurzen zeiträumen. Wenncsaubere leistungen gedopte überbieten dann sicherlich weil das trainingvim jugendalter heute effektivervund bessercuntersuchtcistvund so körp. vorteile besser entwickelt werden. Im Erwachsenenalter ist die die Trainingsverbesserung einfach sehr minimal und weit davon entfernt doping auszugleichen.

    Übrigens geht der trend zu dopingmittel die beim abnehmen helfen bzw. dievmitochondrienanzahl halten bei verlust von masse bzw. sogar steigern. Also genau der punlt den du angesprochenchast. Weniger Kg gleiche Leistung >> mehr watt/kg

  36. #36 geoeg dorn
    25. Juli 2013

    sry für die vielen postings und fehler. schreibe vom smartphone :)

  37. #37 roel
    *****
    25. Juli 2013

    @georg dorn Wie sieht es denn mit Texterkennung aus?

  38. #38 Peter
    25. Juli 2013

    @Georg: Auch die Zeiten von Pantani nach Alpe d`Huez stehen. Nachtests werden sicher in einigen Jahren mehr Sicherheit bringen. Froomes Leistungen sind stark, aber nicht soviel stärker als die der Konkurrenz und diese Unterschiede lassen sich durch Talent und dem Drehen an allen legalen Schrauben erklären. Und klar, wir kommen mit Training an Leistungsgrenzen. Aber es gibt viele Beispiele, die zeigen, dass man sich dann durch Trainingsumstellung noch mal steigern kann. Logischerweise gibt es aber das Ende der Fahnenstange, dann muss man sich jedes Detail ansehen und hoffen das man noch irgendwo Potential heben kann.
    Tim Kerrison ist ja der Vater des Erfolgs bei Sky und “helped give the team a new focus with a ‘no stone unturned mentality’, laying down the blueprint ahead of an historic 2012 campaign.”

    Der ein oder andere Profi, der dieses Jahr nur einen Tick schlechter war als Froome wird sicherlich darüber nachdenken, welche Steine er noch nicht umgedreht hat.

  39. #39 Flaix
    Bayern
    26. Juli 2013

    engagiert und gut geschrieben, jedoch hatten wir auch das schon einmal. Die Dominanz von LA wurde auch auf neues Training und seinen “neuen” Fahrstil geschoben. In den EPO Jahren hat man uns erklärt das das neue Training mit der Konzentration auf Schwellwerte die Leistungssprünge erklärt. Ernährungsumstellungen waren auch eine Zeitlang in Mode usw. usf.

  40. #40 Peter
    30. Juli 2013

    Wer immer noch glaubt, alle Profiteams würden auf dem Niveau von SKY arbeiten:

    http://velonews.competitor.com/2013/07/news/contador-riis-eager-to-bounce-back-after-drubbing-but-how_297320

  41. #41 roel
    *****
    20. August 2013

    @Peter Sturm “Am 01. August ist die offizielle Vorstellung” Die Vorstellung habe ich anscheinend verpasst, oder wurde die verschoben?

  42. #42 Peter
    20. August 2013

    @roel: Ich muss mich entschuldigen; wir haben den Start auf den 2.9. verschoben.

  43. #43 JOGO
    13. September 2013

    “Wer immer noch glaubt, alle Profiteams würden auf dem Niveau von SKY arbeiten:…”

    Dazu ein Zitat vom ehemaligen Sportlichen Leiter Sean Yates:
    “Von der derzeitigen Teamleitung bei Sky hält Yates übrigens nicht viel. „Um brutal ehrlich zu sein, gibt es keinen bei Sky, der viel vom Radsport versteht“, fügte er an.”

    So verschieden können die Meinungen sein.