Über einen Tweet vom Laborjournal bin ich auf eine Publikation aufmerksam geworden, die eine Liste mit über 400 besonders einflussreichen biomedizinischen Forschern der letzten Jahre enthält. Die Liste wurde durch die Auswertung der Anzahl publizierter Artikel und der Zitierungen und der biomedizinischen Fachliteratur generiert, sozusagen die erweiterten Wissenschaftscharts in der Sparte Biomedizin.

Man mag von der Evaluierung des Einflusses von Wissenschaftlern durch Publikationsdaten im Allgemeinen und von der Methode der Autoren der PublikationA list of highly influential biomedical researchers, 1996–2011” im Besonderen halten, was man will. Ein Ungleichgewicht bleibt wahrscheinlich selbst bei gravierendsten methodischen Mängeln bestehen:

Manuelles Auswerten der eingebundenen Tabelle ergibt, dass gerade einmal 26 der gelisteten einflussreichen Wissenschaftler weiblich sind – das sind etwas über 6%.

Die mit Abstand am häufigsten genannte Institution an der die aufgelisteten einflussreichen Wissenschaftler arbeiten (11,5%) ist Harvard. Ich war zufällig vor ein paar Wochen in Boston und habe dort eine Gruppe Harvard-Doktoranden getroffen, die an einem Kurs über “Leadership und Communication Skills” für Wissenschaftler teilnahmen und dort Techniken lernten, die ihnen helfen sollen, erfolgreiche Wissenschaftler zu werden. Was mir vor allem in Erinnerung blieb: Etwa 80% der Kursteilnehmer waren weiblich.

Lust auf Leadership scheinen die Frauen also zu haben. Ob sich das in einer Liste einflussreicher biomedizinischer Wissenschaftler in 30 Jahren so widerspiegeln wird?

Edit 17:28 Uhr: Ich arbeite freiberuflich für das oben erwähnte Consultingunternehmen und habe deshalb den Link zu deren Seite soeben wieder entfernt.

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Kommentare (11)

  1. #1 Thilo
    11. November 2013

    Was machst Du denn bei einem Kurs “Leadership and Communication Skills”? Willst Du zum Führer der scienceblogs aufsteigen?

  2. #2 HT
    11. November 2013

    Lust auf Leadership-Kurse von einem Veranstalter, der immer wieder die Betonung auf “Female Leaders” hat, haben vor allem Frauen. Ich zitiere von der Seite, die oben unter “Leadership und Communication Skills” (upcoming open courses) verlinkt ist:

    “How to actively fill out the role as a (female) leader: In out last article, we presented some scientific evidence that women are disadvantaged in academic science environments. …”

    “Female Leaders in Science (FLIS): It is an often cited fact that despite equal proportions of male and female undergraduate students in science, female scientists are underrepresented at higher career stages. …”

    Sind bei Leadership-Veranstaltungen, die nicht das eine oder andere Geschlecht in Führungspositionen immer wieder betonen, die Kurse ebenfalls zu 80% von Frauen besucht?

  3. #3 Tobias Maier
    11. November 2013

    Thilo,
    meine Ambitionen dahingehend halten sich in Grenzen.

    HT,
    der angesprochene Kurs wurde generell für Doktoranden im zweiten und dritten Jahr des Programms “Biological and Biomedical Sciences” der Harvard Medical School angeboten und war so auch angekündigt.

  4. #4 Tantal
    12. November 2013

    Vor die Wahl gestellt wo ich meine Zeit nutzbringender für die Karriere investieren kann – nämlich entweder im Labor oder beim Besuch eines “leadership”-Seminars – ist meine Vermutung dass es mir mehr bringt, Daten zu sammeln die sich irgendwann in Form einer Publikation niederschlagen. Der Besuch von Seminaren zu soft skills geht von der eigentlichen Forschung ab und ist möglicherweise eher Karrierehindernis and -schub.

  5. #5 Tantal
    12. November 2013

    Es muss natürlich “Karrierehindernis statt -schub” heissen.

  6. #6 Tobias Maier
    12. November 2013

    Genau so wird es sein, Tantal.
    Weil die Frauen innerhalb der sieben Jahre Doktorarbeit einen Tag in einem Seminar Tools zu Zeitmanagement und Konfliktlösung lernen, haben sie sich die Suppe eingebrockt.

  7. #8 Tantal
    13. November 2013

    Gerade in hochkompetitiven Arbeitsgruppen werden Aktivitäten neben der eigentlichen Forschung mit Stirnrunzeln betrachtet. Und es sind gerade diese “berühmten” Gruppen mit immensem Druck auf den Doktoranden, aus denen ein weit überproportionaler Teil der nächsten Professorengeneration rekrutiert wird. Daher teile ich deine Einschätzung nicht, dass wer an leadership-Seminaren teilnimmt überdurchschnittlich ehrgeizig ist, oder überdurchschnittlich erfolgreich sein wird. Um den verpassten Labortag geht es mir dabei weniger.

  8. #9 Joseph Kuhn
    13. November 2013

    … immerhin 6 % der einflussreichen Wissenschaftler sind weiblich, interessant. Ich kannte bisher nur Analysen, nach denen 100 % der Wissenschaftler männlich sind, unabhängig von ihrem Einfluss. Dafür sollen, was etwas nachdenklich macht, 100 % der Wissenschaftlerinnen weiblich sein, wiederum unabhängig von ihrem Einfluss. Vermutlich alles nur eine Frage der Datenstratifizierung 😉

  9. #10 Dr. Webbaer
    14. November 2013

    … immerhin 6 % der einflussreichen Wissenschaftler sind weiblich, interessant. (Dr. Kuhn)

    Könnte das Generische Maskulinum gewesen sein, das es aus Sicht einiger nicht gibt. [1]

    Sachnah betrachtet mag der im WebLog-Artikel berichtete Stand etwas damit zu tun haben, dass Ungleichheit unter den Primaten existieren könnte…

    MFG
    Dr. W

    [1] ‘Im Deutschen gibt es kein generisches Maskulinum und die „generische“ Verwendung maskuliner Formen bringt keinen praktischen Vorteil mit sich.’ (Quelle)

  10. #11 Erasmo Fennell
    23. September 2014

    Most of the important things in the world have been accomplished by people who have kept on trying when there seemed to be no help at all. ~Dale Carnegie

    http://powerofsuccess.net/mindsets-entrepreneurs-live-by/