Struktur des Chikungunya Virus. Quelle: Wikipedia
Struktur des Chikungunya Virus. Quelle: Wikipedia

Im Dezember 2013 gab es die erste Meldung bestätigter Verdachtsfälle von Infektionen mit dem Chikungunya-Virus auf der Karibikinsel Saint Martin. Wie ein kleiner Punkt, der auf dem Radarschirm einmal schwach aufblinkt wurde registriert, dass ein Virus, dass im mittleren und südlichen Afrika, sowie in Südostasien heimisch ist, zum ersten Mal in der westlichen Hemisphäre auftaucht.

Inzwischen ist auf dem kleinen Punkt auf dem Radar auf Saint Martin eine veritable Epidemie geworden. Es gibt über 180 000 Verdachtsfälle aus der gesamten Karibik, inklusive der Touristenziele Dominikanische Republik und Martinique. Mehrere Fälle werden inzwischen auch aus Cuba, Mexico, anderen mittelamerikanischen Ländern, sowie den USA beschrieben.

Die Fälle sind bislang durch Touristen oder Geschäftsreisende eingeschleppt worden, Experten warnen jedoch, es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis das Virus auch auf dem amerikanischen Festland endemisch wird.

Chikungunya-Virus Infektionen in der Karibik seit Ende 2013. Quelle:

Chikungunya-Virus Infektionen in der Karibik seit Ende 2013. Quelle: CDC

Was ist Chikungunya?

Das Chikungunya Virus ist ein Alphavirus mit einem 11,6 kB großen, einsträngigen RNA-Genom. Das Virus hat die Form eines Ikosaeders und ist etwa 40 nm im groß. Es befällt Fibroblastenzellen und Muskelvorläuferzellen. Eine Infektion mit dem Chikungunya-Virus führt nach einer normalerweise zwei bis dreitägigen Latenzzeit zu Hautausschlag und akuten Fieberschüben, die mehrere Tage anhalten.

In der Folge klagen infizierte über arthritis-ähnlichen Schmerzen in den Gelenken der Extremitäten, die in Ausnahmefällen mehrere Jahre anhalten können. Es gibt aktuell weder die Möglichkeit, eine Infektion spezifisch zu therapieren, oder einen Impfstoff gegen die Infektion mit dem Virus. Übertragen wird das Chikungunya-Virus von Stechmücken der Gattung Stegomyia (früher: Aedes).

Die aktuell dokumentierten Chikungunya-Fälle beschränken sich nicht auf Amerika alleine. In Katalonien sind erste Verdachtsfälle aufgetreten, und Frankreich hat 47 Verdachtsfälle, allesamt bislang jedoch vermutlich eingeschleppt durch Aufenthalte in der Karibik.

Asiatische Tigermücke. Quelle: Wikipedia

Asiatische Tigermücke. Quelle: Wikipedia

Was muss passieren, dass die Krankheit auch in Europa zur Epidemie wird? Neben dem Einschleppen aus betroffenen Regionen, muss der Überträger endemisch sein, also die Stechmücken, die das Virus übertragen.

Ein bekannter Überträger von Chikungunya ist die Asiatische Tigermücke Aedes albopictus. Die Moskitoart wurde 1990 nach Italien gebracht und ist inzwichen im gesamten Mittelmeeraum verbreitet. 2011 wurde die Moskitoart auch in  in Deutschland gesichtet. Im warmen, äußersten Südwesten des Landes.

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Kommentare (8)

  1. #1 Tobias Maier
    1. Juli 2014

    European Center for Disease Prevention and Control warnt vor möglichen lokalen Übertragung des Chikungunya-Virus in Europa http://ecdc.europa.eu/en/press/news/_layouts/forms/News_DispForm.aspx?List=8db7286c-fe2d-476c-9133-18ff4cb1b568&ID=1028

  2. #2 rolak
    1. Juli 2014

    11,6 kB groß

    ~12000 Basen oder ist der Informationsgehalt des Genoms auf das IT-übliche Maß ‘runtergerechnet?

  3. #3 Tobias Maier
    1. Juli 2014

    Kilobasen. Sorry für doppeldeutige Abkürzung.

  4. #4 rolak
    1. Juli 2014

    nope2sorry, Tobias – mir war schon klar, daß es nicht ‘mein’ Kontext ist, in dem ich hier lese, die Ambiguität eher Fachfremde betrifft – dummerweise war mein Mundwerk Tippen aber schneller als das Denken, denn ein geheimer Blick ins wiki brachte die Aufklärung. Nach dem Abschicken des Kommentares, Asche über mein Haupt…

  5. #5 aeon
    2. Juli 2014

    Nur der Vollständigkeit halber: das Virus hat 2005/2006 auf Réunion und Mauritius für zahlreiche Erkrankungen gesorgt. Damals haben sich auch Touristen angesteckt, die z.T. in Frankreich und Deutschland behandelt wurden.

    (Insgesamt übrigens IMHO kein Grund zur Panik. Halt noch eine fiese Krankheit mehr, die potentiell einwandern könnte. Ich glaub’ das dauert noch ein wenig, bis die Vektoren hier ordentliche Populationen haben. :) )

  6. #6 Joseph Kuhn
    2. Juli 2014

    Ebenfalls nur der Vollständigkeit halber: Bis Ende Mai wurden für 2014 in Deutschland 18 Chikungunya-Fälle gemeldet, allein 9 bei Reiserückkehrern aus der Karibik. Quelle: RKI, Epidemiologisches Bulletin 22/2014, S. 194.

  7. #7 Tobias Maier
    3. Juli 2014

    Danke aeon und danke Joseph,
    die Fälle in Deutschland sind mir entgangen, und ich sehe es genauso: kein Grund zur Panik.

  8. #8 Andrea Hess
    15. Juli 2014

    Ebenfalls der Vollständigkeit halber:
    Dadurch, dass die Asiatische Tigermücke im Mittelmeerraum schon verbreitet ist, kam es 2007 in Italien schon zu einem regionalen Ausbruch der Krankheit. Und das bei Leuten, die vorher nicht auf Reise waren, sondern eben bei solchen, die sich zu Hause infiziert haben.
    http://www.eurosurveillance.org/ViewArticle.aspx?ArticleId=3260