Keine Begeisterungsstürme, kein Jubel für den Präsidenten, keine Fähnchen schwenkenden Arbeiter in die Raffinieren oder bei Herstellern von Fördermaschinen oder in den Zentralen von ExxonMobil, Chevron, etc.
Dafür viel vorsichtiges Taktieren, Lavieren, gute Miene machen und zaghaft Bedenken äußern. Offen Trump bloßzustellen und laut ‘Nein!’ zu sagen kann niemand wagen, aber so ein richtiges ‘Ja!’ hört man auch nirgendwo. Chevron ist der einzige Konzern, der prinzipiell signalisiert hat, seine Produktion steigern zu können, aber das liegt auch nur daran, dass Chevron das einzige US-amerikanische Unternehmen ist, das überhaupt noch, mit einer speziellen US-Lizenz, mit PDVSA zusammenarbeitet. So ist denn auch die mögliche Steigerung der Produktion daran gebunden, dass die politischen Rahmenbedingungen sich stabilisieren.
Aber werden sie das? Mit der Entführung Maduros haben die USA mal wieder Interventionalismus auf dem Niveau der 1980er Jahre betrieben. Um die Person selbst vergieße ich keine Träne und ich hoffe sehr, dass die Freilassung politischer Gefangener oder Demonstrationen der Opposition keine Eintagsfliegen bleiben. Die USA haben allerdings keine besonders gute Erfolgsbilanz, wenn es um das Stürzen von Regierungen in Drittweltländern geht und ich persönlich bin deswegen skeptisch, dass Venezuela eine Ausnahme wird.
Zurzeit ist die Regierung de facto noch im Amt. Maduros Stellvertreterin Delcy Rodríguez hat die Geschäfte übernommen und es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickelt. Ich meine das gar nicht so sehr bezogen auf die Bevölkerung – für die geht gerade ein Traum in Erfüllung, sich nach Jahren der Repression wieder freier betätigen zu können – sondern auf die Wirtschaft.
Zwar verspricht die Regierung Venezuelas die Lockerung der Gesetze zur Verstaatlichung von Unternehmen oder der Zusammenarbeit von US-Unternehmen mit PDVSA. Auch die direkte der Kontrolle der USA über Venezuala hat sich massiv vergrößert, aber wird das automatisch auch dazu führen, dass das Interesse der US-Unternehmen oder innenpolitischer Druck durch die Regierung Trumps steigen?
Vergleichen wir die Situation mit dem Nachspiel des Irakkriegs 2003. Im kollektiven Gedächtnis war es ein US-Krieg um Öl, aber im Nachspiel waren US-Unternehmen selbst in der Hochphase ca. 2013 nur an ca. 30 % der Ölfelder beteiligt und wurden nur 10-15 % des Irakischen Öls von US-Unternehmen gefördert. Heute halten US-Unternehmen Beteiligungen an 5-10 % der Felder und machen effektiv 2-5 % der Gesamtproduktion aus.
Das liegt nicht daran, dass die US-Regierung damals nicht versucht hätte, die Anteile zu steigern, sondern an den nüchternen Geschäftsentscheidungen der Konzerne, die nach Abwägung aller Risiken sich für nur zaghafte und mit den Jahren sogar rückläufige Investitionen entschieden haben. Ich glaube nicht, dass die Grundrechnung von US-Unternehmen für Venezuela anders wäre.
Um was geht es dann?
Wenn die Unternehmen kein Interesse haben und der globale Ölmarkt ruhig ist und ruhig bleibt, was gibt es dann für handfeste Gründe, die die US-Intervention in Venezuela rational unterfüttern?
An dieser Stelle kann man viel spekulieren und genau das mach ich jetzt auch.
Ein handfester Grund ist die Unterminierung des Petrodollars. Eine der Stärken des US-Dollars und damit der US-Wirtschaft auf dem Weltmarkt ist die Tatsache, dass ein Großteil des Handels fossiler Energie in US-Dollar abgewickelt wird. Dadurch entsteht eine permanent hohe Auslandsnachfrage nach US-Dollar. Praktisch jede Zentralbank der Welt muss US-Dollar in großer Höhe halten, damit der Energiehandel funktioniert. Diese Säule der US-Wirtschaftspolitik stand jahrzehntelang stabil, aber mit dem Aufstieg Chinas zur Industriemacht, beginnt sie zu bröckeln. Denn China ist nicht nur der Hauptkäufer für Öl aus Venezuela, sondern hat seit 2024 seine Geschäfte nicht mehr in US-Dollar, sondern chinesischen Yuan abgehandelt. Wenn dieses Modell Mode macht, untergräbt es nicht nur einfach die US-Wirtschaft, es könnte systemgefährdend sein.
Allerdings haben die USA die Situation so selbst herbeigeführt. Nach dem Ausschluss Venezuelas aus dem US-Finanzsektor 2017, gab es keine Möglichkeit mehr, legal an US-Dollar zu kommen. In dieser Lage bot Venezuela China die Zahlung in Yuan an. Sanktionen bauen Märkte und Rohstoffflüsse dauerhaft um. Einen einfachen Weg zurück gibt es nach ein paar Jahren nicht mehr.
Letzte Kommentare