Ist die Intervention uns das ganze Säbelrasseln nur ein Ego-Trip oder Money-Grab von Trump? Als Bully vom Dienst hat er sicher Freude daran, die ganze technologische und operative Überlegenheit der US-Spezialkräfte gegen einen viel Schwächeren Gegner einzusetzen. Als reicher, mächtiger Narzisst, für den Geld weniger ein Zahlungsmittel als mehr eine Art Highscore ist, sieht er (oder wahrscheinlicher: sehen jene tüchtigen, intelligenten Menschen, die er dafür bezahlt) sicher Möglichkeiten, aus der Krise Geld zu machen. Immerhin hat er bereits mindestens einen Tanker voller Öl entern, das Öl verkaufen und den Gewinn auf ein besonderes, von der US-Regierung gemanagtes Konto in Katar überweisen lassen. Das bedeutet zwar nicht, dass er, wie oft kolportiert, dass das Geld bei ihm persönlich auf dem Konto liegt, aber die ganze Sache hat schon so ein Gschmäckle. Und allein der Handstreich gegen Maduro dürfte mehr gekostet haben.

Ist es strategische Weitsicht, sich für den Fall eines Weltkriegs die größten Ölreserven der Welt und kurze Transportwege zu sichern? Die liegen ja in Venezuela, wie immer wieder betont wird. Viel haben ist ja erstmal nicht schlecht und im Kriegsfall ist Öl sicherer durch den Golf von Mexiko zu transportieren als ein Mal über die Weltmeere. Allerdings wird der Bedarf ja bereits durch Kanada gedeckt, das noch sicherer ist und im Kriegsfall würden die dortige und die Inlandsproduktion so massiv steigen, dass die Autarkie Nordamerikas zu keinem Zeitpunkt gefährdet wäre.

Ist es der ehrliche Wunsch nach Verbesserung des Loses der Venezuelanischen Bevölkerung? Das wäre Großartig, allerdings passt dazu nicht, dass dieselbe Partei, wenn auch mit anderer Präsidentin, immer noch im Amt ist und Trump bereits mehrmals abgelehnt hat, mit der Oppositionsführerin und Friedensnobelpreis-Trägerin María Corina Machado als designierter neuer Regierungschefin zusammenzuarbeiten.

Oder ist es vielleicht etwas ganz anderes?

Wenn ich ehrlich bin, dann denke ich, dass ein Körnchen Rationalität (was nicht gleichbedeutend mit ethischer Vertretbarkeit ist) in der US-amerikanischen Intervention in Venezuela steckt, aber sie nur damit zu erklären, grenzt an Sanewashing. Die US-Regierung hat im letzten Jahr immer wieder gezeigt, wie empfänglich sie für Schnellschüsse ist und Trump selbst ist weder für Impulskontrolle noch rhetorische Kohärenz bekannt. Besondere Menschenfreunde sitzen zurzeit auch nicht an den Schalthebeln der Macht. Und Menschen im allgemeinen, auch in den höchsten politischen Ämtern, bleiben immer noch Menschen mit all ihren Emotionen, Vorurteilen, Vorbehalten und Agenden.

Ich denke deswegen auch nicht, dass sich die ganze Situation um Öl aus Venezuela grundlegend verändert oder zur weltweiten Veränderungen führt, die über Planspiele hinausgehen, was zu tun ist, wenn die USA das eigene Land angreifen sollten. Ich denke nicht, dass sich an den Fördermengen viel ändert und China findet jetzt schon Wege, den US-Einfluss auf den Venezuelanischen Ölsektor zu mitigieren.

Was vorläufig bleibt, sind Ripple-Effekte und Unsicherheit. Was langfristig bleiben wird, ist der politische Schaden, der Innen- und Außenpolitisch angerichtet wurde.

Und hoffentlich mehr Freiheit für Venezuela. Dann hätte die Sache wenigstens was Gutes.

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