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Kommentare (8)

  1. #1 fherb
    18. März 2016

    Zuerst ein Glückwunsch an wasgeht-Frank, dass Dir jetzt Artikel von Spektrum abgekauft werden, wie ich oben gelesen habe! Du hast hier in den letzen vielen Monaten schon Unglaubliches geleistet, wie einige andere sehr aktive Autoren bei scienceblogs auch. Euch allen zu folgen ist hoch interessant und regt den eigen Knorpel über dem Hals an. ;-)

    Wieder mal hast Du ein interessantes Thema aufgegriffen. Dass man Fusionsprozesse in die Kernwaffen auf diese Art inkludiert, war mir bisher nicht bekannt. Aber das Prinzip leuchtet ein.

    Was in unseren Mediem leider nie Erwähnung findet, sind die Relationen hinter solch einer Aufrüstung. Nordkorea weiß ganz bestimmt, dass es keine Chance hat, Territorien (z.B. Südkorea) zu erobern, um damit irgend welche Vorteile zu erreichen. Wirtschaftlich, wie innenpolitisch, wie außenpolitisch. Es geht also nur darum von anderen Staaten ernster genommen zu werden, wenn es um spezielle lokale Verhandlungsfragen geht. Und noch mehr geht es wohl darum, innenpolitisch Macht zu stabilisieren. – Und nur dort sehe ich ein Risiko: Wenn Kim innenpolitisch die Macht nicht auf sich allein wird verbuchen können, gibts es eine letzte Mission: Krieg mit den Nachbarn. Damit schlägt ein Diktator zwei Klappen auf eine Fliege: Er kann leichter die Massen wieder hinter sich vereinigen, und im Extremfall, dass der Krieg eskaliert, dann, so wird er glauben, stirbt er nicht als Schwächling, sondern als Letzter. In jedem Diktator steckt ein Hitler: Wenn nichts mehr geht, so solle alles ausgelöscht werden. Und das ist dann der Punkt, wo Kernwaffen völlig irrational doch zum Einsatz kommen können.

    Südkorea ist nicht zu beneiden. Allerdings könnte die demonstrierte Stärke der USA als Partner von Südkorea genau dann zur kernphysikalischen Falle werden, wenn Kim schwächelt. Zumindes finde ich manche demonstrierte Gebärde Amerikas vor der Küste Nordkoreas übertrieben. – Man kann es aber mit den südkoreanisch-amerikanischen Machtspielen auch positiv sehen: Solange Kim mit Amerika einen adäquaten Feind seiner Bevölkerung vermitteln kann, so lang kann er die Masse leichter unter sich vereinen und das Risiko für einen Krieg ist eher gebannt.

    • #2 wasgeht
      19. März 2016

      Über Nordkorea haben wir dieses Jahr ein paar mal im Countdown Podcast gesprochen – und das was ich dazu zu sagen hatte geht weitgehend in die Richtung.

      Ich hatte nur noch keine Lust gehabt dazu einen Artikel zu schreiben – denn alle Nuancen die man mit der Stimme, leichtem Zögern, einem bestimmten Tonfall, kurzen Einschübn etc. in einem Text auszudrücken ist schwierig – besonders wenn der Text dann auch noch lesbar sein soll. Und meine Artikel haben bei kontroversen Themen einen gewissen Hang dazu Kommentatoren anzuziehen, die nicht unbedingt alles durchlesen – geschweige denn den Versuch unternehmen etwas anderes als die eigene Meinung in dem Text zu lesen.

      Ist ein schwieriges Thema.

  2. #3 Martin
    19. März 2016

    Hallo,

    es ist nicht nur das Boosting, was den Bau kleiner Kernwaffen erlaubt. Gerade das klassische Teller-Ulam Design, auf dem die Multi-MT Bomben der 1950er Jahre beruhen, macht den Bau kleiner Kernwaffen moeglich. Auch der W80, wie auch alle anderen Kernwaffen im aktuellen US-Arsenal, beruhen auf diesem Entwurf. Boosting und Teller-Ulam sind dabei kombiniert und erlauben so auch die einstellbare Sprengkraft der Waffen.

    Ein anderes Beispiel aus den 1950er Jahren waere der Test Plumbobb Hood im Jahr 1957: eine “richtige” Wasserstoffbombe mit zwei Stufen ergab 74kt (0.074MT) Sprengkraft bei etwa 190kg Gewicht. Die geboostete Erststufe lieferte dabei 12-19kt. Also “richtige” Wasserstoffbomben muessen keine Multi-MT Waffen sein.

    Das bedenkliche an der ganzen Geschichte in NK ist fuer mich nicht, dass die jetzt kleinere oder staerker Bomben bauen koennten – sondern mehr. Wenn NK ein Arsenal mit 20kt Sprengkoepfen aufbauen moechte, dann brauchte es bisher dafuer wahrscheinlich um die 4kg Pu pro Sprengkopf. Meistert es aber geboostete Waffen, dann sind es nur noch 2kg, sie koennten also ihr Arsenal mit dem bestehenden Bestand an Plutonium verdoppeln.

  3. #4 Anderer Michael
    19. März 2016

    “Und meine Artikel haben bei kontroversen Themen einen gewissen Hang dazu Kommentatoren anzuziehen, die nicht unbedingt alles durchlesen – geschweige denn den Versuch unternehmen etwas anderes als die eigene Meinung in dem Text zu lesen.”
    Herr Wunderlich-Pfeiffer, hoffentlich meinen Sie nicht auch mich damit. Ich habe Ihnen zweimal widersprochen, bei Nordkoreas Raketenstart im Februar 2016 und beim Thema Maschinengewehre. Auch wenn ich nun wirklich so manche politische Meinung nicht so ganz nachvollziehen kann, sehe ich Ihre Beiträge als Gewinn für mich und lese gerne immer nach (stimme der Aufassung von fherb zu, speziell zum Thema Go (auch Ihr Kollege Thilo hat dazu geschrieben), welches mich dazu bewog, ein Go-Spiel zu kaufen ). Geschichte ist nun mal ein Lieblingsthema, da konnte ich mich nicht beim Thema Maschinengewehre zurückhalten.
    Zu Nordkorea: Ich frage mich inzwischen, warum NK Atombomben baut. NK ist ein Stachel im”Fleisch der USA”, an dem sich China und Rußland genüßlich erfreuen, Diese würden es nicht zulassen, wenn NK von SK besiegt/erobert(was wahrscheinlich nicht ohne wesentliche Hilfe der USA ginge) werden würde.Eine militärische Atommacht NK ist auch ein Risiko für China und Rußland, genaugenommen sogar ein größeres als für die USA angesichts der Unberechenbarkeit. Wenn Nordkorea klar signalisiert, wir werden bald eine militärisch relevante Atommacht sein, besteht dann nicht das Risiko, dass die beiden “Schutzmächte ” in einer Risikobewertung sich sagen: Lieber ein vereintes Korea nach südkoreanischer Manier( in der Hoffnung, die USA würden ihr militärisches Engagement im dortigen Raum zur Deeskalierung zurückfahren ( 1.))als selber einem unberechenbaren skrupellosen Diktator mit Atomwaffenpotential gegenüberzustehen bzw im Falle Chinas vor der Haustür zu haben.
    Eigentlich müsste NK immer sich so darstellen, dass es zwar noch nicht eine Gefahr sei, aber falls einige technische Hürden beseitigt sind, könnten sie eine sein. Unter dieser Überlegung müsste NK einen technischen Durchbruch sogar zurückhalten, um nicht fallengelassen zu werden. Das ist nur eine Überlegung, die vollkommen substanzlos sein kann. Das Regime kann genauso der Auffassung sein, nur ein tatsächlich relevantes Atompotential sichert ihm das Überleben.

    1. Wie gesagt, bei Trump könnte ich mir so eine Reduzierung des militärischen Engagement durchaus vorstellen, nach seinen Äußerungen.

    • #5 wasgeht
      20. März 2016

      Nein, das war allgemein gesprochen und nicht auf irgendwen persönlich bezogen.

  4. #6 Andreas
    Muenchen
    20. März 2016

    Atomwaffen zu besitzen, kommt einer nicht-einmischungsgarantie gleich. Die daraus folgende Logik heißt: Länder dieser Erde bewaffnet euch atomar.

  5. #7 Anderes
    Märchen
    21. März 2016

    Jaja, Andreas!
    Wenn mal wo ein Feuerchen losgeht, dann kommt die Feuerwehr und löscht den Brand. Wir beide gehen ja mal davon aus, in allen “Peace-Keeping-Raketen” ausreichenden Brandschutz eingebaut vorzufinden, mitsamt ordnungsgemäßer Lagerung und 10000%igen immer funktionierendem Personal, und einer ordentlichen Versicherung. Absolute Sicherheit, perfekt, nicht nur in München!