Überraschung ist das freilich keine, aber als ich vor ziemlich genau einem Jahr über eine “besonders perfide Marketingstrategie” der Granderwasser-Firma IPF berichtete, war es noch nicht 100%ig sicher.

Wovon ist die Rede? Die Strategie der Granderwasserfirma, speziell ihres “Forschungsleiters” Johannes Larch ist die folgende: Man finanziert für ein Taschengeld eine Diplomarbeit an der TU Graz. Dabei wird mit allen möglichen Methoden, die Naturwissenschaft und Technik zu bieten haben, fieberhaft versucht, einen Unterschied zwischen Granderwasser und normalem Leitungswasser zu finden. Findet man einen solchen Unterschied, so wird das Resultat sofort als “wissenschaftlicher Beweis” für die Wasserbelebung a la Grander verkündet, und unkritische Medien erledigen den Rest. So lief es etwa bei der inzwischen längst widerlegten Geschichte mit der durch Grandertechnologie angeblich reduzierten Oberflächenspannung.


Sind hingegen – und das ist der Normalfall – sämtliche Resultate negativ, so lässt man die fertige Diplomarbeit für die maximale Dauer von fünf Jahren sperren. Wie und warum das funktioniert, habe ich letztes Jahr anhand des Falles der Diplomarbeit von Margit Hölbling dargelegt. Sie hatte mit sieben verschiedenen Methoden nach Unterschieden von Wasser und Granderwasser gesucht und genau gar nichts gefunden. Ihre 2004 fertiggestellte Diplomarbeit musste daraufhin bis 2009 auf die Freigabe für die Öffentlichkeit warten.

Diese Form der Unterdrückung von unliebsamen wissenschaftlichen Ergebnissen hat bei der Granderwasserfirma offenbar System. Am Ende meines Beitrags hatte ich damals rhetorisch gefragt:

Und jetzt das Sommerrätsel zum Mitraten: Was wird wohl die seit 2006 gesperrte Diplomarbeit von Herrn Maier ergeben, wenn sie 2011 freigegeben werden wird?

Tatsächlich geht aus dem Titel der Diplomarbeit von Herrn Maier, Solvatisierungseigenschaften unterschiedlich behandelter Wässer, nicht einmal hervor, dass es Granderwasser war, das untersucht wurde. Naheliegend war dies allerdings, und wie sich jetzt herausstellte auch richtig. Und wie gesagt: auch die Ergebnisse waren naheliegend.

Herr Maier hat sich sechs verschiedener physikalisch-chemischer Methoden bedient. Gefunden hat er nada, nix, niente.

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Die Frustration auf Grander-Seite dürfte groß gewesen sein. Vielleicht ist das der Grund für den späteren Strategiewechsel, der ein wenig jenem in der Homöopathieforschung ähnelt. Seit 2007 gibt es nämlich eine an der Uni Graz entstandene BWL-Diplomarbeit in Gestalt einer Anwender-Befragung über die Zufriedenheit von Grander-Kunden aus der Industrie. Eine simple Fragebogenstudie, die mit pseudowissenschaftlichem Quatsch angereichert ist:

Aus der Homöopathie weiß man, dass das Wasser aufgrund der Clusterbildung Informationen speichern und abgeben kann

Die Antworten der Grander-Kunden, die die inzwischen völlig ins Esoterik-Metier gewechselte Autorin erhoben hatte, waren zur Zufriedenheit der Granderwasserfirma ausgefallen, weswegen diese Arbeit jetzt der einschlägigen PR dient.

Im neuen Bachelor-Master System eröffnen sich da ungeahnte Möglichkeiten für die Grander-PR. Tausende Bachelor-Kandidaten warten bereits auf geeignete Themen für Bachelorarbeiten. Die sind gewiss noch billiger zu haben.

Kommentare (24)

  1. #1 Hanno
    14. Juli 2011

    Meine Forderung, schon lange: Open Access – und das auch für Diplomarbeiten. Stellt die Sachen ins Netz, keine NDAs mit Firmen mehr, Wissenschaft sollte transparent sein – und das sollte auch für Studenten gelten.

  2. #2 E. Berndt
    14. Juli 2011

    Jesus oder Grander?

    Alpenländischer Paradigmenwechsel – vom Weihwasser zu Granderwasser

    Naturwissenschaftliche Überlegungen verlieren heute wieder an Bedeutung. Das magische Denken kehrt aus dem Hinterkopf zurück. Es hat sich aus Köpfen der Menschen trotz Aufklärung und aller damit verbundenen Erfolge nicht verabschiedet. Heute wie gestern nimmt es Einfluß auf unsere Entscheidungen. Magische Vorstellungen sind immer noch und wieder zusehends mehr, als man zu glauben gewillt ist, als Entscheidungshilfe anerkannt. Die Götterdämmerung der Aufklärung beginnt im Alltag. Wenn der Freitag mit Vorsicht begonnen und darauf geachtet wird, nicht mit dem linken Bein aufzustehen, wenn große Teile der Bevölkerung unerschütterlich an das Horoskop und felsenfest an die Kräfte des Mondes glauben, wenn mit Jahreswechsel die Glücksbuden aus dem Nichts erscheinen und Rauchfangkehrerfigürchen und Glücksschweinderl verkauft werden.

    Mit einer Hasenpfote um den Hals läuft niemand mehr herum, aber unzählige dem entsprechende Geräte sind in Verwendung. Aber auch das modernste Outfit und eine noch so imposante high-tec Elektronik vermögen nicht Wirkungen herbeizuzaubern, die uns ein magisches Denken nahelegt. Fetischismus kann viele Formen annehmen und beschränkt sich nicht auf Nobelmarken. Die Bindung an oder – man könnte auch sagen – die Abhängigkeit von Maskottchen, überschreitet oft genug die Grenze zu einem üblicherweise akzeptierten Tic. Dies mag noch als harmlos gelten, aber wenn man in den Leistungssport hineinschaut, läßt sich beobachten, daß der Rahmen des „Mental-Coaching“ sehr weit gespannt ist. Auch hier ist Glückbringen mit transrealen Vorstellungen zum einträglichen Geschäft geworden. Meditationsübungen und Umhängen angeblich harmonisierender, energetisierender und vor allem vor böser Umwelt schützender Schrottelektronik gehen Hand in Hand. All das gilt als ganz normal. So normal, daß wer nicht daran glaubt, Gefahr läuft, für schrullig gehalten zu werden. Das Gegenteil von Aufklärung ist im Trend. Die postmoderne Eintrübung des Denkens zeigt Wirkung. Die unkritische Masse im alltäglichen Denken hat so zugenommen, daß eine esoterische antiwissenschaftliche Kettenreaktion abläuft.

    Warum nicht wieder an die Wunder des Wassers glauben?

    Die alten Mächte werden nicht mehr um Hilfe angefleht. Heute, in der modernen Hölle, glauben die Verzweifelten an Energien, Schwingungen und Bioinformation und hoffen, daß diese nun Wunder bewirken. Ja, früher, in der guten alten katholischen Zeit, da war das anders. Damals konnte man noch wallfahren, an allen möglichen Gnadenorten das Heil des Himmels erflehen, auf ein Wunder hoffen, Kraft tanken für das Jenseits und zahlreiche Heilige um Fürsprache beim Allerhöchsten bitten. Jeder Beruf, jeder Stand, jede Gegend, jedes Land hatte eigene, höchst wundertätige Heilige. Heute noch erzählen uns Tausende Votivtafeln von vielen erflehten und auch in Erfüllung gegangenen Wundern. Diese wunderbaren Erfahrungen waren einmal Standard und ganz normaler Alltag. Man sollte darüber als moderner Mensch nicht ungläubig lächeln und womöglich mit Achselzucken bemerken, daß der Glaube eben Berge versetze. Und für diese Wunder wurde auch sehr viel Geld ausgegeben. Wenn nicht Geld für Breverl, Schluckbildchen und Andachtsbilder bezahlt wurde, so mußte doch gespendet werden, um sich der göttlichen Hilfe zu versichern. Eine Wachskerze war damals etwas sehr kostbares und kein Billigpräsent!

    Der Wunderglaube hat Konjunktur

    Es funktioniert heute noch genauso wie gestern, nur ein wenig anders. Die Menschen haben sich ja in 3–4 Generationen nicht verändert – genetisch am allerwenigsten. Sie werden heute im Grunde von den gleichen Sorgen geplagt wie gestern. Und diese werden immer noch mit den gleichen ererbten Strategien wie gestern bewältigt. Der Glaube an Wunder hat immer Konjunktur, man muß ihn nur zu vermarkten wissen! Heute glauben wir an alle möglichen feinstofflichen Wunder. Mit modernen Begriffen wird das unmögliche Wunder zur logischen Möglichkeit. Die Wunder sind heute technoid und konsumgerecht. Damit läßt sich natürlich auch Geld verdienen. Unsere modernen Gurus machen es wie die alten Scharlatane.

    Wer kein Versprechen halten kann, kann alles versprechen.

    Die Befriedigung der Sehnsucht nach einer glückhaften Veränderung der Lebensumstände und der Gesundheit ist die hohe Kunst der Scharlatanerie. Ihr Charisma ist Teil des Überzeugungs- und Werbeprogramms. Das Aussehen und das Gehabe zielt auf Ablenkung und Eindruckschinden hin. Und auch dem Wort kommt eine besondere Bedeutung zu. Der Scharlatan weiß instinktiv – und das ist seine wahre Kunst –mit welchen Ohrwürmern er seine psychologischen Angelhaken zu Anbeißen bestückt.

    Um zu Beindrucken und um Seriosität vorzutäuschen, werden griffig erscheinende Ausdrücke aus Wissenschaft und Technik schlicht gestohlen und verdreht. Sie werden – im Klartext geschrieben – entgegen ihren ursprünglichen Definitionen und ungeachtet ihres angestammten Kontextes zu undefinierten Modebegriffen verfälscht, um damit einem disponierten Publikum die gewünschten Wunder glaubhaft verklickern und verhökern zu können.

    Sie kennen die dafür verwendeten undefinierten und sinnentleerten Begriffe, die überall in den Medien herumschwirren: Bio-, Natur-, Energie, Schwingung, Information, Quanten etc. Und die Magie beschränkt sich nicht auf Gesundheit oder Glück. Auch Benzin kann belebt und das Handy harmonisiert werden und unzählige Konsumenten warten auf die freie und kostenlose Energie aus dem Vakuum! Real an all diesen transrealen Vorstellungen ist, daß man damit echtes Geld machen kann.

    Von Bio-Fetischismus zum Wasser-Info-Wunderglauben

    Es floriert der Glaube an unbekannte Energien, Schwingungen und Bioinformationen generell und besonders rund ums Wasser. Wasser ist Leben und daher muß es informiert sein. Logisch, oder? Um das Leben zu meistern, werden daher Kraftorte aufgesucht, Bäume umarmt und informierte Wässer getrunken. Biologische Informationen und Energien werden verehrt. Neue Gottheiten, die Biogötter und Informationsgötter werden angebetet. Und siehe da, sie wirken – wie die alten Götter!

    Die wirklich ganz großen Wallfahrtszentren gibt es natürlich noch, aber die vielen kleineren Orte der Gnade von anno dazumal fristen traurig dahin. Wir erfahren von dort keine Wunder mehr. Um das Verarmen und das Vergessen ganzer Orte und Gegenden hinauszuzögern, hat sich der Tourismus ihrer angenommen und vermarktet sie zu Kraftorten, wo positive Energie in der Gegend herumströmt. Das ist modern und läßt sich verkaufen. Die Wünschelrutengänger erzucken dazu mit Ruten die konsumwissenschaftlichen Beweise, die Pendel der Esoteriker schwingen, daß es nur so ein Wunder ist. Das moderne Opfergeld sind die Tourismusabgabe und die Kurtaxe. Granderwasser mauserte sich zum universellen Heilwasser des 3. Jahrtausend. Endlich gibt es gibt eine Erlösung für die Probleme einer scheinbar überholten oder überentwickelten Zivilisation. Granderanhänger vermeinen die Physik auf den Kopf stellen zu können und die Anbieter der Grandertechnik sehen zusätzliches Umsatzpotential. Ideale Vorraussetzungen für einen Hype.

    Die Eigendynamik von Granderwasser

    Der finanzielle Erfolg des „Unternehmen“ Grander erscheint beispiellos. Ein Blick in die Geschichte der Scharlatanerie zeigt jedoch, daß derartige Phänomene so neu auch wieder nicht sind und auch von Zeitgenossen damals richtig eingeschätzt wurden. Der „Grander-Hype“ hat diesbezüglich seine historischen Pendants. Granders „Erfindung“ ist aus der Sicht einer naturwissenschaftlichen Kausalität ein Wunder. Eine Wirkung kann nach allem, was wir heute als gesichertes Wissen bezeichnen, völlig ausgeschlossen werden.

    Wasserverbesserer u. -veredler sind aber nicht neues. Der Förstersohn Viktor Schauberger kann als ein erster Wasserveredler angesehen werden. Er vermeinte Wasser durch gezielte Verwirbelungen, die er der Natur abgeschaut haben will, verbessern zu können. Heute kursiert ein buntes Sammelsurium von skurril bis krausen Ideen und extrem simpel bis mit high-tec Elektronik aufgepeppten Gerätschaften ist im Umlauf und hat Anhänger. Die Begriffe und Vergleiche, die zum Erklären und Vermarkten verwendet werden, sind samt und sonders pseudowissenschaftlicher Kauderwelsch. Die Rede ist von Informieren, Levitieren, Dynamisieren, Energetisieren usw. Diese Vorgänge werden selbstredend immer als biologisch und natürlich bezeichnet. Leitungswasser ist tot und muß belebt werden. Es werden bunte Steine in Wasser eingelegt, an die Wasserleitungen werden diverse Magnete gelegt und mit elektronischen Schnickschnack wird das Wasser nicht irgendwie informiert, sondern das Hauswasser wird auch über die Biorhythmen der Hausbewohner unterrichtet. Der Unsinn ist grenzenlos. Die Speicherkapazität des ständig postulierten Wassergedächtnis offenbar auch.

    Der Grander Sanktus – Das Perpetuum mobile der Bioinformation

    Nach der Methode „Grander“ wird mittlerweile weltweit „totes“ Wasser mit Naturinformationen des „lebendigen“ Wassers aus einem ehemaligen Kupferbergwerk informiert. Die sensationelle Technik besteht lediglich darin, daß sozusagen Ur-Granderwasser in einem Edelstahlblechbehälter hermetisch eingeschlossen wird. und dann – im Vorbeifließen – unedles, gewöhnliches, chaotisches kurzum gerade noch unschädliches Wasser in edles, biologisches, richtig informiertes also gesundes Wasser verwandelt wird. Warum gerade das Tiroler Wasser aus Jochberg so einzigartig informiert oder geordnet ist und daher seinen Biosegen exklusiv auf alle anderen Wasser berührungsfrei, und ohne Energieverluste auf immer und ewig ab- u. weitergibt, ist und muß ein Mysterium bleiben. Dieses Mysterium, der Grander Sanktus, zählt zu den einträglichsten Tiroler Handelsobjekten und wird daher auch von der Wirtschaftskammer entsprechend gewürdigt.

    Warum dieser Informationsstrom nie versiegt, nie zum Stillstand kommt und nicht auch einmal kentert und unerwünschte Infos und Unordnung in die Gegenrichtung fließt, ist noch mysteriöser. Abermillionen Liter chaotisches Wasser mit unbiologischen und negativen Informationen kontaminiert, können der Wirkung eines Viertel Liters positiven Granderwassers nichts anhaben. Einmal eingebaut, wird auf ewig und immerdar informiert! Die Wissenschafter stehen vor einen Rätsel, die Psychologen eher weniger. Das Hokus Pokus ist schlicht: Es wird erwartet, daß es wirkt.

    Die bekennenden Anhänger und Anwender sind die Grundlage der Werbung. Diesen neugläubigen Spätheiden verdankt Granderwasser seinen traumhaften Erfolg und seine Eigendynamik. Josef Grander hat alle seine Konkurrenten weit hinter sich gelassen und ist nun der ungekrönte Doyen aller Wasserbeleber. Ihm kann niemand mehr das Wasser reichen. Vielleicht gelingt es Psychologen die Ursachen dieser Eigendynamik zu enträtseln und Welt vom Granderismus zu heilen.

    Wissenschaft kontra Wasserwunder

    Wurden zu Beginn der Granderära noch „wissenschaftliche“ Aussagen getätigt, so präsentiert sich heute ein Granderwasserprospekt in perfekter Hochglanztopqualität und absolut aussagefrei. Die juristischen Nachstellungen scheinen diese aalglatte Werbeform nahegelegt zu haben. Es spielt aber keine Rolle, daß seitens der Vertriebsfirma keine naturwissenschaftlich nachprüfbaren Aussagen mehr getätigt werden. Der Hinweis „Wissenschaftlich nicht beweisbar“ gilt in vielen Kreisen schon als Qualitätsmerkmal!
    Die zahlreichen Studien zu Granderwasser sind in Summer negativ. Alles andere wäre eine Sensation allerersten Ranges gewesen. Prof. Erich Eder hat sie feinsäuberlich aufgelistet.
    http://homepage.univie.ac.at/erich.eder/wasser/indexstudien.htm

    Nach Ablauf der Sperrfrist kann auch in bisher „geheime“ Auftragsarbeiten eingesehen werden.
    http://dl.dropbox.com/u/2792090/granderwasser.pdf

    Das Resümee ist dürftig und typisch in seiner Argumentation. Wie immer, wenn keine Wirkung nachgewiesen werden konnte, wird moniert, daß die Prüfmethodik unzureichend ist. Merke, das negative Ergebnis ist nicht negativ, weil es real nicht ist, sondern weil nicht richtig geprüft worden ist. Das liest sich dann am Schluß dieser Auftragsarbeit so:

    “Nach den Ergebnissen dieser Arbeit zu urteilen, hat es aber den Anschein, als seien die angewendeten physikalisch-chemischen Methoden nicht die Mittel der Wahl, um den durch mikrobiologische Untersuchungen[Zitat:57] und ebenfalls durch Anwender vielfach bestätigten Grander-Effekt messbar zu machen. Ziel wird es daher vielleicht sein, einen anderen, kreativen, durchaus wissenschaftlichen Zugang zu dem Thema zu finden, sei es in der Medizin oder in Kombination von Methoden, direkt oder indirekt. Dazu wird es nötig sein, immer wieder über althergebrachte wissenschaftliche Dogmen und sogenannte Grundregeln hinauszudenken – so wie es Herr Grander, der Entdecker dieser Technologie getan hat.”
    Zu erwähnen ist noch das Zitat 57:

    Ergebnisse aus Zwischenberichten sind in der Medizin ein beliebtes Marketingmittel. Entscheidend ist aber immer der Endbericht.

    In vielen Ländern wurden die entsprechenden Vertriebsfirmen für Granderwasser wegen unhaltbaren Werbeaussagen gerichtlich belangt. Im Kern geht es darum, daß Behauptungen über Wirkungen – sei es im Bereich der Technik oder der Medizin –, die nach den herrschenden Naturgesetzen schlichtweg unmöglich sind, offenbar nur mit sehr wenig Einschränkungen aufgestellt werden dürfen.

    Dies klingt im Schatten eines Zeitgeistes von heute durchaus gewohnt, der auch in den Naturwissenschaften eine Meinungsliberalität als korrekt und erstrebenswert sieht, wie sie für demokratische Weltanschauungen als notwendig erachtet wird. Die Sache hat nur den Haken, daß in den Naturwissenschaften die Kausalitäten, also die grundlegenden Naturgesetze, nicht per Konvention, Abstimmung oder nach Vorstellungen gefunden werden, die ein magisches Denken nahelegt. Aber, was soll das noch für eine Bedeutung haben, wenn von oberster Gesundheitsstelle die Aufforderung kommt, daß alternative, komplementäre und ganzheitliche Medizin in die konventionelle Medizin, die gerade mal erst in den letzten Jahrzehnten, 2000 Tausend Jahre nach Galen und Hippokrates, gelernt hat, wie die Spreu vom Weizen hinsichtlich einer tatsächlichen Wirksamkeit getrennt werden kann. Fortschritt in der Heilkunde passiert zur Zeit nach dem Sprichwort: Einen Schritt nach vorne und zwei Schritte zurück. Medizinische Höchstleistungen sind kleine Inseln im Ozean einer scharlatanesken Gefälligkeitsmedizin.

    Unsere Demokratie beruht auf Aufklärung und diese wiederum ist untrennbar mit Wissenschaft verbunden. Allerdings beschert heute die Demokratie jedem das Recht, an jede Unwahrscheinlichkeit und Unwissenschaftlichkeit zu glauben und viel Geld dafür auszugeben. Und schließt auch das Recht ein, Behauptungen aufzustellen, die den herrschenden naturwissenschaftlichen Kenntnissen völlig zuwiderlaufen. Darauf fußend dürfen auch Geschäfte getätigt werden. Das Grundrecht auf Erwerbsfreiheit ist offenbar so grundlegend, daß es nicht durch grundlegende naturwissenschaftliche Erkenntnisse eingeschränkt werden kann. Daher können völlig legal Ängste und Hoffnungen der Konsumenten mit Tecno-Dogmatik bedient werden. Es gibt ja auch Kurse für ’s Kartenlegen, für ’s Pendeln und für Astrologie. Die „mündigen“ Konsumenten, die mit Dogmatik vom Denken befreit wurden, wissen was sie tun und können sich ohnehin frei entscheiden. Die Beweislast liegt beim Käufer und nicht Verkäufer.

    Wer trotzdem öffentlich denkt, kommt in Schwierigkeiten mit den Gesetzen gegen unlauteren Wettbewerb etc. Man wird geklagt wegen – im weitesten Sinn – Geschäftsstörung und Unterlassung von wissenschaftlich begründeten Aussagen. So erging es dem Biologen Dr. Erich Eder, der die behauptete Wirkung in Sinne einer wissenschaftlich begründeten Kausalität verneinte. Schlußendlich konnte dieser wackere Kritiker buchstäblich gerade noch aufatmen. Immerhin wollte man von ihm an die 20.000 €.

    In höchstem Erklärungsnotstand, warum die Wasserveredelungsanlage so und nicht anders funktionierte bzw. das Wasser so wirksam sei, berief sich dann Johann Grander bei Gericht auf Jesus Christus, der ihm persönlich das Geheimnis des Wunderwasserpatents offenbart haben soll. Nun, das war dem Gericht doch zu spirituell und zu wenig wissenschaftlich. Die Klage auf Schadensersatz wurde abgewiesen. Und nun darf jeder öffentlich behaupten, daß Granderwasser ein aus dem esoterischen Milieu stammendes Wundermittel ist. Wer jedoch glaubt, dies sei das Ende des Wasserspuks, der irrt gewaltig. Die Grandertechnologie wird nun, anders als früher, mit dem unüberlesbaren Hinweis, wissenschaftlich nicht nachweisbar zu sein, angepriesen und offenbar noch erfolgreicher als bisher verkauft. Aber der große Erfolg hat auch seine Schattenseiten. Unzählige weitere Wasservergolder bearbeiten nun ebenfalls den offenbar immer noch lukrativen Markt.

    Weihwasser kontra Granderwasser – was wirkt besser?

    Modernes Marketing ist auch in der römisch katholischen Kirche gefragt. Ihre altehrwürdigen Institutionen verschließen sich neuen Strategien nicht, um wieder bzw. neue Gläubige zu gewinnen. Fortschrittliche Geistliche ahnen, daß altmodisches Rosenkranzbeten und Weihwasser nicht mehr so gefragt sind wie früher, weil der Glaube an himmlische und höllische Mächte lau geworden ist. Um die Unbill von heute auszuhalten, den Anforderungen der Globalisierung zu genügen und am modernen Streß nicht zu erkranken, kurzum, um heute psychisch und physisch über die Runden zu kommen, bedarf es immer noch eines Glaubens – an Wunder eben!

    So vermeinten die Benediktiner des Stiftes Admont in der grünen Steiermark ebenfalls die Zeichen der Zeit erkennen zu müssen und sprangen auf den Zug der modernen Wassermystik. Sollte dieser neue Glaube an die besonderen Kräfte des Granderwasser zu einem Weihwasser-Revival genützt werden? In ihrer Museumsbibliothek sprudelte 2007 Granderwasser. Jeder gläubige Besucher sollte offenbar sein Wasser vorfinden. Die einen zum Wohlfühlen, die anderen zum Seligwerden. Doch mittlerweile wurden die Wasserspiele im Stift beendet, und es wird strikt vermieden, mit Grander in Verbindung gebracht zu werden, obwohl Herr Jesus dem Tiroler die ganz spezielle Wassertechnologie hat schauen lassen. Genaue Auskünfte darüber sind nicht zu bekommen. Das Stift schweigt. Die Frage, ob dafür spirituelle, naturwissenschaftliche oder gar kommerzielle Gründe maßgeblich waren, bleibt offen.

    Nun das „Mittlerweile“ stimmt schon wieder nicht mehr. Die seitens der Stiftsverwaltung durch Herrn Gombotz im September 2009 getätigte Aussage, daß man nicht mit Grander in Verbindung gebracht werden will, ist Geschichte. In der Gratiszeitung „Aktiv Plus … lesen tut gut“ sind die Benediktiner Prior Mag. Pater Gerhard Hafner und Kaplan Pater Maximilian in vollem Ornat in einem Granderwerbeartikel zu bewundern. Auch der Bürgermeister von Admont ist bei dieser illustren Gesellschaft mit dabei. Zu lesen ist vom Nutzen in öffentlichen Gebäuden und das Wohl der Kinder wird als besonderes Anliegen des Grandervertriebes hervorgehoben. Warum sollte bei Wasser eine emotionale Bewerbung mit dem Hinweis, daß es gut für Kinder sei, nicht funktionieren, wo es doch bei Schokolade klappt?

    Die Werbung für ein Produkt, das auf Grund eines Gerichtsurteils öffentlich als unwirksam bezeichnet werden darf, mit der Sorge um die Kinder zu verknüpfen und dazu noch Geistliche zu präsentieren verstößt offenbar gegen keine gesetzlichen und moralischen Regeln. Kinderschokolade mit Milch mag ja kritisiert werden, aber Wassertrinken ist ja nicht schädlich. Und wenn es den Leuten als Notwendigkeit assoziativ zwischen den Zeilen geschickt näher gebracht wurde, dann ist es geradezu mitmenschlich, wenn die entsprechenden Gerätschaften für teures Geld auch gleich verkauft werden. Man kann ja nicht wissen, vielleicht wirkt es doch. Und die Patres sind auch dabei. Diesen kann man doch vertrauen.

    Spirituell ist die Sache sicherlich etwas heikel. Neiden vielleicht kirchliche Würdenträger dem Herrn Grander das Wunder? Die Behauptung des Herrn Grander vor einem weltlichen Gericht, Jesus habe ihm die Technik persönlich schauen lassen, wurde bis heute von der Amtskirche meines Wissens nicht bestätigt. Theologische Abhandlungen darüber sind mir nicht bekannt geworden.

    Weihbischof Andreas Laun, der sich gerne zu Wort meldet, hat so z.B. in einer unnachvollziehbaren Logik Medikamente, die bestimmungsgemäß zur Heilung und Linderung von Krankheiten ersonnen und produziert werden, mit Kriegswaffen, die zum Töten, also zum gänzlich entgegengesetzten Zweck erdacht und verwendet werden, verglichen. Zu Granderwasser hat er sich meines Wissens noch nicht öffentlich geäußert. Auch Kardinal Christoph Schönborn äußerte sich nicht zur Tirolerischen Variante eines intelligenten Wassers. Könnte nicht die unerklärliche revolutionäre Evolution von Wasser zu Wunderwasser als Beweis für das Wirken eines intelligenten Designers angesehen werden? Welche außerlogischen Schlüsse könnten dazu verlautbart werden? Entspräche es katholischen Vorstellungen, daß diese Wunder verkauft werden können und daß es überall und jedem zur Verfügung steht. Ist es mit der christlichen Tradition vereinbar, daß es keinen Klerus, keine Wallfahrt und keine Gottesgnade mehr braucht, um die Segnungen einer angeblich himmlischen Technik zu erlangen.

    Jesuales Wasserwunder für Atheisten

    Auch Muhammed, ihr türkischer Installateur, hat keine Probleme, Buddhisten, Agnostikern oder gar Atheisten dieses jüngste Wunder Jesu zu verkaufen. Wo kommen wir hin, werden sich vielleicht die Benediktiner gefragt haben, wenn backwoodlerische Energieforscher ihre Patente jenseits der Naturwissenschaft als von Jesus höchstpersönlich inspiriert reklamieren. Vielleicht war es gar nicht Jesus, sondern der Teufel höchstpersönlich, der die Technik vermittelt hat?

    War die Berufung auf Jesus vor Gericht nur eine dreifach bauernschlaue Schutzbehauptung, um sich juristischen, wissenschaftlich-skeptischen und geistlichen Anfeindungen zu entziehen? Müßte man dieser Teufelei nicht mit einem Exorzismus begegnen? Jedenfalls ist der Weihwasserver- u. Gebrauch im Vergleich zu Granderwasser keine vergleichbare Größe mehr. Der kommerzielle Erfolg des Granderwassers ist geradezu teuflisch. Während die Neugläubigen für das Tiroler Jesuspatent gerne zahlen, muß sich die Kirche zu hohe Kirchensteuer vorhalten lassen und mit Almosen von Altgläubigen begnügen.

    Ja früher begleitete uns der Segen von Weihwasser vom Aufstehen bis zum Zubettgehen. Heute wird der Tagesablauf daheim, in Handwerk, in Industrie und vor allem in der Wellneßbranche, dem ehemaligen Erholungsgewerbe, vom Granderwasser bestimmt. Mit Hilfe himmlischer Technik veredeltes Wasser sprudelt heute in Admont nur mehr aus profanen Brunnen. Ich denke, es wäre schon schön gewesen, wenn ein Konzil so brisante Glaubensfragen „Wie wirkt Granderwasser?“ oder „Warum wirkt Granderwasser besser als amtskirchlich gesegnetes Wasser?“ klären hätte können, denn die Naturwissenschaft ist in solchen Fragen wissenschaftlich befangen. Die Wissenschafter denken zu kompliziert! Immerhin eine Latzhose wirkt so authentisch, daß wenigstens einfache Leute und Handwerker die Technik verstehen

    Die Wirkung liegt im Marketing

    In dieses Bild paßt die Sendung „Vera exklusiv“ vom Sonntag nachmittag den 30.11.2009 im ORF. Selbstverständlich ist die ganze Sendung Werbung, Werbung und wieder Werbung, obwohl eigentlich nichts über die Grandertechnik erzählt wird. Gerade das ist die hohe Kunst. Die Botschaft einer Wirksamkeit wird durch die Reichweite eines Sendeformats vermittelt, ohne daß man darüber spricht. Jeder kann ja selbst im Wahrmachermedium Nr. 1 sehen, wie erfolgreich die heile Familie Grander und ihr Unternehmen ist. Also muß da etwas dran sein! Der Bekanntheitsgrad der Moderatorin bestimmt den Wirkungsgrad vom Granderwasser.

    Der Zweck solcher Sendungen erscheint klar. Es darf keine verstörende wissenschaftliche oder gar skeptische Diskussion aufkommen. Die vielen Frohbotschaften der zahlreichen Anwender, die eine Sinnhaftigkeit und eine Wirksamkeit – wie auch immer – belegen, spießen sich fundamental mit unserem naturwissenschaftlich kausalen Weltbild. Diese eigentlich jedem erkennbare Diskrepanz geht im mächtigen Gefühlsrauschen einer Familiensendung unter. Das Denken wird ausgeschaltet. Damit steht und fällt der Erfolg von Wundern.

    Ungewollt hat die Moderatorin mit einem Scherz am Schluß der Sendung Granderwasser in Punkto Wirksamkeit mit der Homöopathie gleichgestellt. In Anspielung auf die zahlreichen Nachkommen bzw. auf die Großfamilie meinte Sie freundlich lächelnd, wie es einer Infotainment-Tante zukommt, daß Granderwasser nicht empfängnisverhütend ist. Der Homöopathie mangelt es auch an dieser Wirkung. Bis dato hat es noch kein Homöopath gewagt, die als Globuli bekannten Streukügelchen anstelle der Pille zu verordnen, obwohl immer unentwegt die Wirksamkeit der Homöopathie gerade bei Steuer- und Regulationsvorgängen des Organismus beschworen wird.

    Es bleibt die Frage „cui bono?“ Die Antwort liegt in der Finanzierung dieser Sendung. Wer bezahlt das alles? Wird es zur Gänze mit den diktatorisch eingehobenen ORF-Zwangsgebühren finanziert? Die Sendung wird höchstwahrscheinlich nicht vom ORF selbst produziert, sondern von einer TV-Film-Produktionsfirma. Üblicherweise werden die Produktionskosten dafür teils über Werbung, Sponsoren etc. aufgebracht und/oder die Sendung an eine Sendeanstalt verkauft. Gesendet wird meistens auch nicht unentgeltlich, sondern die Kosten dafür werden ebenfalls in gleicher Weise wie für die Produktion gedeckt. Letztendlich erscheint es zulässig, derartige Sendungen als Info-Commercials zu bezeichnen.

    Der Meinungsdruck

    Das Marketing für Grander ist perfekt, schlechthin. Die eigentliche Werbung und den Schutz ihres Meisters übernehmen die zahlreichen gewerblichen und privaten Anwender. Sie sorgen für die Missionierung neuer Glaubensgenossen. Die Anwerbung neuer gläubiger Kunden ist eine Bestätigung, selbst richtig gehandelt zu haben. Wenn andere das auch machen, dann habe auch ich mein Geld nicht verschwendet und bin keiner Fiktion erlegen. Die erfolgreiche Weiterverbreitung der Meinung, daß Granderwasser wirkt, schützt vor peinlicher Bloßstellung.

    Entsprechend dieser Werbestrategie sind auf der WEB-Seite für Granderwasser seitenweise Prominente aus allen denkbaren Brachen gelistet, denen die frohe Kunde vom wunderbaren Wasser am Gesicht abgelesen werden kann, womit die Immunisierung gegen Kritik und Skepsis perfekt ist. Auch Einrichtungen, wo man es kraft personeller Besetzung besser wissen müßte, lassen stolz verlautbaren, Granderwasser zu verwenden. Der Bogen reicht von Spitälern, Schwimmbädern, Lebensmittelerzeugern bis hin zu technischen Betrieben, wo gewöhnlich nicht Glauben angesagt ist, sondern Entscheidungen von Menschen getroffen werden, die dafür bezahlt werden, dies sachverständig auf der Basis rationaler Aktivitäten wie Zählen, Rechnen, Messen, naturwissenschaftlich kausal gesichertem Wissen und logischem Denken zu tun.

    Viele Gewerbebetriebe dürften einfach nur mitmachen, um ihren Kunden zu gefallen. Es gibt offenbar genügend Wunderwassergläubige fürs Geschäft. Der Einbau einer Wasserveredelung wirkt wie eine Gehirnwäsche. Die Betroffenen beginnen ebenfalls zu missionieren und meinen es besser als bisher zu haben. Dadurch steigt der Meinungsdruck. Wenn sie mehrheitlich auftreten, hat man Mühe z.B. den Einbau vermeintlicher Wasserbelebungen in Wohnanlagen zu verhindern. Wer nicht aufpaßt, wird von der Wohngemeinschaft zu Kasse gebeten und zahlt Glaubensabgabe neu: die Grandersteuer!

    Die Erfahrung des täglichen Lebens und die Geschichte der Scharlatanerie lehren, daß Gläubige alles tun und alles zu glauben bereit sind, um recht zu behalten. Manchmal führen Schockerlebnisse Gläubige zu einem Umdenken. Am empfindlichsten reagieren Scharlatane auf Satire und Spott. Als die Venezianer anfingen Spottlieder zu singen, sah sich der berühmte Goldmacher Bragadino gezwungen, die Stadt zu verlassen.

    Angesichts des Meinungsdrucks den geschickte Marketingstrategien zu erzeugen vermögen, gehört schon ein gefestigtes Verständnis für naturwissenschaftliche Zusammenhänge und ein gesunder Hausverstand dazu, um trotzdem voll überzeugt bleiben zu können, daß, vom Standpunkt der Naturwissenschaft und/oder der Psychologie gesehen, an den zahlreichen Wasserverbesserungen nichts dran ist – außer einer Massenhysterie und einer Urheber bzw. Nutznießer mit dem Verdienstkreuz für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet bleibt!

  3. #3 E. Berndt
    14. Juli 2011

    Jesus oder Grander?

    Alpenländischer Paradigmenwechsel – vom Weihwasser zu Granderwasser

    Naturwissenschaftliche Überlegungen verlieren heute wieder an Bedeutung. Das magische Denken kehrt aus dem Hinterkopf zurück. Es hat sich aus Köpfen der Menschen trotz Aufklärung und aller damit verbundenen Erfolge nicht verabschiedet. Heute wie gestern nimmt es Einfluß auf unsere Entscheidungen. Magische Vorstellungen sind immer noch und wieder zusehends mehr, als man zu glauben gewillt ist, als Entscheidungshilfe anerkannt. Die Götterdämmerung der Aufklärung beginnt im Alltag. Wenn der Freitag mit Vorsicht begonnen und darauf geachtet wird, nicht mit dem linken Bein aufzustehen, wenn große Teile der Bevölkerung unerschütterlich an das Horoskop und felsenfest an die Kräfte des Mondes glauben, wenn mit Jahreswechsel die Glücksbuden aus dem Nichts erscheinen und Rauchfangkehrerfigürchen und Glücksschweinderl verkauft werden.

    Mit einer Hasenpfote um den Hals läuft niemand mehr herum, aber unzählige dem entsprechende Geräte sind in Verwendung. Aber auch das modernste Outfit und eine noch so imposante high-tec Elektronik vermögen nicht Wirkungen herbeizuzaubern, die uns ein magisches Denken nahelegt. Fetischismus kann viele Formen annehmen und beschränkt sich nicht auf Nobelmarken. Die Bindung an oder – man könnte auch sagen – die Abhängigkeit von Maskottchen, überschreitet oft genug die Grenze zu einem üblicherweise akzeptierten Tic. Dies mag noch als harmlos gelten, aber wenn man in den Leistungssport hineinschaut, läßt sich beobachten, daß der Rahmen des „Mental-Coaching“ sehr weit gespannt ist. Auch hier ist Glückbringen mit transrealen Vorstellungen zum einträglichen Geschäft geworden. Meditationsübungen und Umhängen angeblich harmonisierender, energetisierender und vor allem vor böser Umwelt schützender Schrottelektronik gehen Hand in Hand. All das gilt als ganz normal. So normal, daß wer nicht daran glaubt, Gefahr läuft, für schrullig gehalten zu werden. Das Gegenteil von Aufklärung ist im Trend. Die postmoderne Eintrübung des Denkens zeigt Wirkung. Die unkritische Masse im alltäglichen Denken hat so zugenommen, daß eine esoterische antiwissenschaftliche Kettenreaktion abläuft.

    Warum nicht wieder an die Wunder des Wassers glauben?

    Die alten Mächte werden nicht mehr um Hilfe angefleht. Heute, in der modernen Hölle, glauben die Verzweifelten an Energien, Schwingungen und Bioinformation und hoffen, daß diese nun Wunder bewirken. Ja, früher, in der guten alten katholischen Zeit, da war das anders. Damals konnte man noch wallfahren, an allen möglichen Gnadenorten das Heil des Himmels erflehen, auf ein Wunder hoffen, Kraft tanken für das Jenseits und zahlreiche Heilige um Fürsprache beim Allerhöchsten bitten. Jeder Beruf, jeder Stand, jede Gegend, jedes Land hatte eigene, höchst wundertätige Heilige. Heute noch erzählen uns Tausende Votivtafeln von vielen erflehten und auch in Erfüllung gegangenen Wundern. Diese wunderbaren Erfahrungen waren einmal Standard und ganz normaler Alltag. Man sollte darüber als moderner Mensch nicht ungläubig lächeln und womöglich mit Achselzucken bemerken, daß der Glaube eben Berge versetze. Und für diese Wunder wurde auch sehr viel Geld ausgegeben. Wenn nicht Geld für Breverl, Schluckbildchen und Andachtsbilder bezahlt wurde, so mußte doch gespendet werden, um sich der göttlichen Hilfe zu versichern. Eine Wachskerze war damals etwas sehr kostbares und kein Billigpräsent!

    Der Wunderglaube hat Konjunktur

    Es funktioniert heute noch genauso wie gestern, nur ein wenig anders. Die Menschen haben sich ja in 3–4 Generationen nicht verändert – genetisch am allerwenigsten. Sie werden heute im Grunde von den gleichen Sorgen geplagt wie gestern. Und diese werden immer noch mit den gleichen ererbten Strategien wie gestern bewältigt. Der Glaube an Wunder hat immer Konjunktur, man muß ihn nur zu vermarkten wissen! Heute glauben wir an alle möglichen feinstofflichen Wunder. Mit modernen Begriffen wird das unmögliche Wunder zur logischen Möglichkeit. Die Wunder sind heute technoid und konsumgerecht. Damit läßt sich natürlich auch Geld verdienen. Unsere modernen Gurus machen es wie die alten Scharlatane.

    Wer kein Versprechen halten kann, kann alles versprechen.

    Die Befriedigung der Sehnsucht nach einer glückhaften Veränderung der Lebensumstände und der Gesundheit ist die hohe Kunst der Scharlatanerie. Ihr Charisma ist Teil des Überzeugungs- und Werbeprogramms. Das Aussehen und das Gehabe zielt auf Ablenkung und Eindruckschinden hin. Und auch dem Wort kommt eine besondere Bedeutung zu. Der Scharlatan weiß instinktiv – und das ist seine wahre Kunst –mit welchen Ohrwürmern er seine psychologischen Angelhaken zu Anbeißen bestückt.

    Um zu Beindrucken und um Seriosität vorzutäuschen, werden griffig erscheinende Ausdrücke aus Wissenschaft und Technik schlicht gestohlen und verdreht. Sie werden – im Klartext geschrieben – entgegen ihren ursprünglichen Definitionen und ungeachtet ihres angestammten Kontextes zu undefinierten Modebegriffen verfälscht, um damit einem disponierten Publikum die gewünschten Wunder glaubhaft verklickern und verhökern zu können.

    Sie kennen die dafür verwendeten undefinierten und sinnentleerten Begriffe, die überall in den Medien herumschwirren: Bio-, Natur-, Energie, Schwingung, Information, Quanten etc. Und die Magie beschränkt sich nicht auf Gesundheit oder Glück. Auch Benzin kann belebt und das Handy harmonisiert werden und unzählige Konsumenten warten auf die freie und kostenlose Energie aus dem Vakuum! Real an all diesen transrealen Vorstellungen ist, daß man damit echtes Geld machen kann.

    Von Bio-Fetischismus zum Wasser-Info-Wunderglauben

    Es floriert der Glaube an unbekannte Energien, Schwingungen und Bioinformationen generell und besonders rund ums Wasser. Wasser ist Leben und daher muß es informiert sein. Logisch, oder? Um das Leben zu meistern, werden daher Kraftorte aufgesucht, Bäume umarmt und informierte Wässer getrunken. Biologische Informationen und Energien werden verehrt. Neue Gottheiten, die Biogötter und Informationsgötter werden angebetet. Und siehe da, sie wirken – wie die alten Götter!

    Die wirklich ganz großen Wallfahrtszentren gibt es natürlich noch, aber die vielen kleineren Orte der Gnade von anno dazumal fristen traurig dahin. Wir erfahren von dort keine Wunder mehr. Um das Verarmen und das Vergessen ganzer Orte und Gegenden hinauszuzögern, hat sich der Tourismus ihrer angenommen und vermarktet sie zu Kraftorten, wo positive Energie in der Gegend herumströmt. Das ist modern und läßt sich verkaufen. Die Wünschelrutengänger erzucken dazu mit Ruten die konsumwissenschaftlichen Beweise, die Pendel der Esoteriker schwingen, daß es nur so ein Wunder ist. Das moderne Opfergeld sind die Tourismusabgabe und die Kurtaxe. Granderwasser mauserte sich zum universellen Heilwasser des 3. Jahrtausend. Endlich gibt es gibt eine Erlösung für die Probleme einer scheinbar überholten oder überentwickelten Zivilisation. Granderanhänger vermeinen die Physik auf den Kopf stellen zu können und die Anbieter der Grandertechnik sehen zusätzliches Umsatzpotential. Ideale Vorraussetzungen für einen Hype.

    Die Eigendynamik von Granderwasser

    Der finanzielle Erfolg des „Unternehmen“ Grander erscheint beispiellos. Ein Blick in die Geschichte der Scharlatanerie zeigt jedoch, daß derartige Phänomene so neu auch wieder nicht sind und auch von Zeitgenossen damals richtig eingeschätzt wurden. Der „Grander-Hype“ hat diesbezüglich seine historischen Pendants. Granders „Erfindung“ ist aus der Sicht einer naturwissenschaftlichen Kausalität ein Wunder. Eine Wirkung kann nach allem, was wir heute als gesichertes Wissen bezeichnen, völlig ausgeschlossen werden.

    Wasserverbesserer u. -veredler sind aber nicht neues. Der Förstersohn Viktor Schauberger kann als ein erster Wasserveredler angesehen werden. Er vermeinte Wasser durch gezielte Verwirbelungen, die er der Natur abgeschaut haben will, verbessern zu können. Heute kursiert ein buntes Sammelsurium von skurril bis krausen Ideen und extrem simpel bis mit high-tec Elektronik aufgepeppten Gerätschaften ist im Umlauf und hat Anhänger. Die Begriffe und Vergleiche, die zum Erklären und Vermarkten verwendet werden, sind samt und sonders pseudowissenschaftlicher Kauderwelsch. Die Rede ist von Informieren, Levitieren, Dynamisieren, Energetisieren usw. Diese Vorgänge werden selbstredend immer als biologisch und natürlich bezeichnet. Leitungswasser ist tot und muß belebt werden. Es werden bunte Steine in Wasser eingelegt, an die Wasserleitungen werden diverse Magnete gelegt und mit elektronischen Schnickschnack wird das Wasser nicht irgendwie informiert, sondern das Hauswasser wird auch über die Biorhythmen der Hausbewohner unterrichtet. Der Unsinn ist grenzenlos. Die Speicherkapazität des ständig postulierten Wassergedächtnis offenbar auch.

    Der Grander Sanktus – Das Perpetuum mobile der Bioinformation

    Nach der Methode „Grander“ wird mittlerweile weltweit „totes“ Wasser mit Naturinformationen des „lebendigen“ Wassers aus einem ehemaligen Kupferbergwerk informiert. Die sensationelle Technik besteht lediglich darin, daß sozusagen Ur-Granderwasser in einem Edelstahlblechbehälter hermetisch eingeschlossen wird. und dann – im Vorbeifließen – unedles, gewöhnliches, chaotisches kurzum gerade noch unschädliches Wasser in edles, biologisches, richtig informiertes also gesundes Wasser verwandelt wird. Warum gerade das Tiroler Wasser aus Jochberg so einzigartig informiert oder geordnet ist und daher seinen Biosegen exklusiv auf alle anderen Wasser berührungsfrei, und ohne Energieverluste auf immer und ewig ab- u. weitergibt, ist und muß ein Mysterium bleiben. Dieses Mysterium, der Grander Sanktus, zählt zu den einträglichsten Tiroler Handelsobjekten und wird daher auch von der Wirtschaftskammer entsprechend gewürdigt.

    Warum dieser Informationsstrom nie versiegt, nie zum Stillstand kommt und nicht auch einmal kentert und unerwünschte Infos und Unordnung in die Gegenrichtung fließt, ist noch mysteriöser. Abermillionen Liter chaotisches Wasser mit unbiologischen und negativen Informationen kontaminiert, können der Wirkung eines Viertel Liters positiven Granderwassers nichts anhaben. Einmal eingebaut, wird auf ewig und immerdar informiert! Die Wissenschafter stehen vor einen Rätsel, die Psychologen eher weniger. Das Hokus Pokus ist schlicht: Es wird erwartet, daß es wirkt.

    Die bekennenden Anhänger und Anwender sind die Grundlage der Werbung. Diesen neugläubigen Spätheiden verdankt Granderwasser seinen traumhaften Erfolg und seine Eigendynamik. Josef Grander hat alle seine Konkurrenten weit hinter sich gelassen und ist nun der ungekrönte Doyen aller Wasserbeleber. Ihm kann niemand mehr das Wasser reichen. Vielleicht gelingt es Psychologen die Ursachen dieser Eigendynamik zu enträtseln und Welt vom Granderismus zu heilen.

    Wissenschaft kontra Wasserwunder

    Wurden zu Beginn der Granderära noch „wissenschaftliche“ Aussagen getätigt, so präsentiert sich heute ein Granderwasserprospekt in perfekter Hochglanztopqualität und absolut aussagefrei. Die juristischen Nachstellungen scheinen diese aalglatte Werbeform nahegelegt zu haben. Es spielt aber keine Rolle, daß seitens der Vertriebsfirma keine naturwissenschaftlich nachprüfbaren Aussagen mehr getätigt werden. Der Hinweis „Wissenschaftlich nicht beweisbar“ gilt in vielen Kreisen schon als Qualitätsmerkmal!
    Die zahlreichen Studien zu Granderwasser sind in Summer negativ. Alles andere wäre eine Sensation allerersten Ranges gewesen. Prof. Erich Eder hat sie feinsäuberlich aufgelistet.
    http://homepage.univie.ac.at/erich.eder/wasser/indexstudien.htm

    Nach Ablauf der Sperrfrist kann auch in bisher „geheime“ Auftragsarbeiten eingesehen werden.
    http://dl.dropbox.com/u/2792090/granderwasser.pdf

    Das Resümee ist dürftig und typisch in seiner Argumentation. Wie immer, wenn keine Wirkung nachgewiesen werden konnte, wird moniert, daß die Prüfmethodik unzureichend ist. Merke, das negative Ergebnis ist nicht negativ, weil es real nicht ist, sondern weil nicht richtig geprüft worden ist. Das liest sich dann am Schluß dieser Auftragsarbeit so:

    “Nach den Ergebnissen dieser Arbeit zu urteilen, hat es aber den Anschein, als seien die angewendeten physikalisch-chemischen Methoden nicht die Mittel der Wahl, um den durch mikrobiologische Untersuchungen[Zitat:57] und ebenfalls durch Anwender vielfach bestätigten Grander-Effekt messbar zu machen. Ziel wird es daher vielleicht sein, einen anderen, kreativen, durchaus wissenschaftlichen Zugang zu dem Thema zu finden, sei es in der Medizin oder in Kombination von Methoden, direkt oder indirekt. Dazu wird es nötig sein, immer wieder über althergebrachte wissenschaftliche Dogmen und sogenannte Grundregeln hinauszudenken – so wie es Herr Grander, der Entdecker dieser Technologie getan hat.”
    Zu erwähnen ist noch das Zitat 57:

    Ergebnisse aus Zwischenberichten sind in der Medizin ein beliebtes Marketingmittel. Entscheidend ist aber immer der Endbericht.

    In vielen Ländern wurden die entsprechenden Vertriebsfirmen für Granderwasser wegen unhaltbaren Werbeaussagen gerichtlich belangt. Im Kern geht es darum, daß Behauptungen über Wirkungen – sei es im Bereich der Technik oder der Medizin –, die nach den herrschenden Naturgesetzen schlichtweg unmöglich sind, offenbar nur mit sehr wenig Einschränkungen aufgestellt werden dürfen.

    Dies klingt im Schatten eines Zeitgeistes von heute durchaus gewohnt, der auch in den Naturwissenschaften eine Meinungsliberalität als korrekt und erstrebenswert sieht, wie sie für demokratische Weltanschauungen als notwendig erachtet wird. Die Sache hat nur den Haken, daß in den Naturwissenschaften die Kausalitäten, also die grundlegenden Naturgesetze, nicht per Konvention, Abstimmung oder nach Vorstellungen gefunden werden, die ein magisches Denken nahelegt. Aber, was soll das noch für eine Bedeutung haben, wenn von oberster Gesundheitsstelle die Aufforderung kommt, daß alternative, komplementäre und ganzheitliche Medizin in die konventionelle Medizin, die gerade mal erst in den letzten Jahrzehnten, 2000 Tausend Jahre nach Galen und Hippokrates, gelernt hat, wie die Spreu vom Weizen hinsichtlich einer tatsächlichen Wirksamkeit getrennt werden kann. Fortschritt in der Heilkunde passiert zur Zeit nach dem Sprichwort: Einen Schritt nach vorne und zwei Schritte zurück. Medizinische Höchstleistungen sind kleine Inseln im Ozean einer scharlatanesken Gefälligkeitsmedizin.

    Unsere Demokratie beruht auf Aufklärung und diese wiederum ist untrennbar mit Wissenschaft verbunden. Allerdings beschert heute die Demokratie jedem das Recht, an jede Unwahrscheinlichkeit und Unwissenschaftlichkeit zu glauben und viel Geld dafür auszugeben. Und schließt auch das Recht ein, Behauptungen aufzustellen, die den herrschenden naturwissenschaftlichen Kenntnissen völlig zuwiderlaufen. Darauf fußend dürfen auch Geschäfte getätigt werden. Das Grundrecht auf Erwerbsfreiheit ist offenbar so grundlegend, daß es nicht durch grundlegende naturwissenschaftliche Erkenntnisse eingeschränkt werden kann. Daher können völlig legal Ängste und Hoffnungen der Konsumenten mit Tecno-Dogmatik bedient werden. Es gibt ja auch Kurse für ’s Kartenlegen, für ’s Pendeln und für Astrologie. Die „mündigen“ Konsumenten, die mit Dogmatik vom Denken befreit wurden, wissen was sie tun und können sich ohnehin frei entscheiden. Die Beweislast liegt beim Käufer und nicht Verkäufer.

    Wer trotzdem öffentlich denkt, kommt in Schwierigkeiten mit den Gesetzen gegen unlauteren Wettbewerb etc. Man wird geklagt wegen – im weitesten Sinn – Geschäftsstörung und Unterlassung von wissenschaftlich begründeten Aussagen. So erging es dem Biologen Dr. Erich Eder, der die behauptete Wirkung in Sinne einer wissenschaftlich begründeten Kausalität verneinte. Schlußendlich konnte dieser wackere Kritiker buchstäblich gerade noch aufatmen. Immerhin wollte man von ihm an die 20.000 €.

    In höchstem Erklärungsnotstand, warum die Wasserveredelungsanlage so und nicht anders funktionierte bzw. das Wasser so wirksam sei, berief sich dann Johann Grander bei Gericht auf Jesus Christus, der ihm persönlich das Geheimnis des Wunderwasserpatents offenbart haben soll. Nun, das war dem Gericht doch zu spirituell und zu wenig wissenschaftlich. Die Klage auf Schadensersatz wurde abgewiesen. Und nun darf jeder öffentlich behaupten, daß Granderwasser ein aus dem esoterischen Milieu stammendes Wundermittel ist. Wer jedoch glaubt, dies sei das Ende des Wasserspuks, der irrt gewaltig. Die Grandertechnologie wird nun, anders als früher, mit dem unüberlesbaren Hinweis, wissenschaftlich nicht nachweisbar zu sein, angepriesen und offenbar noch erfolgreicher als bisher verkauft. Aber der große Erfolg hat auch seine Schattenseiten. Unzählige weitere Wasservergolder bearbeiten nun ebenfalls den offenbar immer noch lukrativen Markt.

    Weihwasser kontra Granderwasser – was wirkt besser?

    Modernes Marketing ist auch in der römisch katholischen Kirche gefragt. Ihre altehrwürdigen Institutionen verschließen sich neuen Strategien nicht, um wieder bzw. neue Gläubige zu gewinnen. Fortschrittliche Geistliche ahnen, daß altmodisches Rosenkranzbeten und Weihwasser nicht mehr so gefragt sind wie früher, weil der Glaube an himmlische und höllische Mächte lau geworden ist. Um die Unbill von heute auszuhalten, den Anforderungen der Globalisierung zu genügen und am modernen Streß nicht zu erkranken, kurzum, um heute psychisch und physisch über die Runden zu kommen, bedarf es immer noch eines Glaubens – an Wunder eben!

    So vermeinten die Benediktiner des Stiftes Admont in der grünen Steiermark ebenfalls die Zeichen der Zeit erkennen zu müssen und sprangen auf den Zug der modernen Wassermystik. Sollte dieser neue Glaube an die besonderen Kräfte des Granderwasser zu einem Weihwasser-Revival genützt werden? In ihrer Museumsbibliothek sprudelte 2007 Granderwasser. Jeder gläubige Besucher sollte offenbar sein Wasser vorfinden. Die einen zum Wohlfühlen, die anderen zum Seligwerden. Doch mittlerweile wurden die Wasserspiele im Stift beendet, und es wird strikt vermieden, mit Grander in Verbindung gebracht zu werden, obwohl Herr Jesus dem Tiroler die ganz spezielle Wassertechnologie hat schauen lassen. Genaue Auskünfte darüber sind nicht zu bekommen. Das Stift schweigt. Die Frage, ob dafür spirituelle, naturwissenschaftliche oder gar kommerzielle Gründe maßgeblich waren, bleibt offen.

    Nun das „Mittlerweile“ stimmt schon wieder nicht mehr. Die seitens der Stiftsverwaltung durch Herrn Gombotz im September 2009 getätigte Aussage, daß man nicht mit Grander in Verbindung gebracht werden will, ist Geschichte. In der Gratiszeitung „Aktiv Plus … lesen tut gut“ sind die Benediktiner Prior Mag. Pater Gerhard Hafner und Kaplan Pater Maximilian in vollem Ornat in einem Granderwerbeartikel zu bewundern. Auch der Bürgermeister von Admont ist bei dieser illustren Gesellschaft mit dabei. Zu lesen ist vom Nutzen in öffentlichen Gebäuden und das Wohl der Kinder wird als besonderes Anliegen des Grandervertriebes hervorgehoben. Warum sollte bei Wasser eine emotionale Bewerbung mit dem Hinweis, daß es gut für Kinder sei, nicht funktionieren, wo es doch bei Schokolade klappt?

    Die Werbung für ein Produkt, das auf Grund eines Gerichtsurteils öffentlich als unwirksam bezeichnet werden darf, mit der Sorge um die Kinder zu verknüpfen und dazu noch Geistliche zu präsentieren verstößt offenbar gegen keine gesetzlichen und moralischen Regeln. Kinderschokolade mit Milch mag ja kritisiert werden, aber Wassertrinken ist ja nicht schädlich. Und wenn es den Leuten als Notwendigkeit assoziativ zwischen den Zeilen geschickt näher gebracht wurde, dann ist es geradezu mitmenschlich, wenn die entsprechenden Gerätschaften für teures Geld auch gleich verkauft werden. Man kann ja nicht wissen, vielleicht wirkt es doch. Und die Patres sind auch dabei. Diesen kann man doch vertrauen.

    Spirituell ist die Sache sicherlich etwas heikel. Neiden vielleicht kirchliche Würdenträger dem Herrn Grander das Wunder? Die Behauptung des Herrn Grander vor einem weltlichen Gericht, Jesus habe ihm die Technik persönlich schauen lassen, wurde bis heute von der Amtskirche meines Wissens nicht bestätigt. Theologische Abhandlungen darüber sind mir nicht bekannt geworden.

    Weihbischof Andreas Laun, der sich gerne zu Wort meldet, hat so z.B. in einer unnachvollziehbaren Logik Medikamente, die bestimmungsgemäß zur Heilung und Linderung von Krankheiten ersonnen und produziert werden, mit Kriegswaffen, die zum Töten, also zum gänzlich entgegengesetzten Zweck erdacht und verwendet werden, verglichen. Zu Granderwasser hat er sich meines Wissens noch nicht öffentlich geäußert. Auch Kardinal Christoph Schönborn äußerte sich nicht zur Tirolerischen Variante eines intelligenten Wassers. Könnte nicht die unerklärliche revolutionäre Evolution von Wasser zu Wunderwasser als Beweis für das Wirken eines intelligenten Designers angesehen werden? Welche außerlogischen Schlüsse könnten dazu verlautbart werden? Entspräche es katholischen Vorstellungen, daß diese Wunder verkauft werden können und daß es überall und jedem zur Verfügung steht. Ist es mit der christlichen Tradition vereinbar, daß es keinen Klerus, keine Wallfahrt und keine Gottesgnade mehr braucht, um die Segnungen einer angeblich himmlischen Technik zu erlangen.

    Jesuales Wasserwunder für Atheisten

    Auch Muhammed, ihr türkischer Installateur, hat keine Probleme, Buddhisten, Agnostikern oder gar Atheisten dieses jüngste Wunder Jesu zu verkaufen. Wo kommen wir hin, werden sich vielleicht die Benediktiner gefragt haben, wenn backwoodlerische Energieforscher ihre Patente jenseits der Naturwissenschaft als von Jesus höchstpersönlich inspiriert reklamieren. Vielleicht war es gar nicht Jesus, sondern der Teufel höchstpersönlich, der die Technik vermittelt hat?

    War die Berufung auf Jesus vor Gericht nur eine dreifach bauernschlaue Schutzbehauptung, um sich juristischen, wissenschaftlich-skeptischen und geistlichen Anfeindungen zu entziehen? Müßte man dieser Teufelei nicht mit einem Exorzismus begegnen? Jedenfalls ist der Weihwasserver- u. Gebrauch im Vergleich zu Granderwasser keine vergleichbare Größe mehr. Der kommerzielle Erfolg des Granderwassers ist geradezu teuflisch. Während die Neugläubigen für das Tiroler Jesuspatent gerne zahlen, muß sich die Kirche zu hohe Kirchensteuer vorhalten lassen und mit Almosen von Altgläubigen begnügen.

    Ja früher begleitete uns der Segen von Weihwasser vom Aufstehen bis zum Zubettgehen. Heute wird der Tagesablauf daheim, in Handwerk, in Industrie und vor allem in der Wellneßbranche, dem ehemaligen Erholungsgewerbe, vom Granderwasser bestimmt. Mit Hilfe himmlischer Technik veredeltes Wasser sprudelt heute in Admont nur mehr aus profanen Brunnen. Ich denke, es wäre schon schön gewesen, wenn ein Konzil so brisante Glaubensfragen „Wie wirkt Granderwasser?“ oder „Warum wirkt Granderwasser besser als amtskirchlich gesegnetes Wasser?“ klären hätte können, denn die Naturwissenschaft ist in solchen Fragen wissenschaftlich befangen. Die Wissenschafter denken zu kompliziert! Immerhin eine Latzhose wirkt so authentisch, daß wenigstens einfache Leute und Handwerker die Technik verstehen

    Die Wirkung liegt im Marketing

    In dieses Bild paßt die Sendung „Vera exklusiv“ vom Sonntag nachmittag den 30.11.2009 im ORF. Selbstverständlich ist die ganze Sendung Werbung, Werbung und wieder Werbung, obwohl eigentlich nichts über die Grandertechnik erzählt wird. Gerade das ist die hohe Kunst. Die Botschaft einer Wirksamkeit wird durch die Reichweite eines Sendeformats vermittelt, ohne daß man darüber spricht. Jeder kann ja selbst im Wahrmachermedium Nr. 1 sehen, wie erfolgreich die heile Familie Grander und ihr Unternehmen ist. Also muß da etwas dran sein! Der Bekanntheitsgrad der Moderatorin bestimmt den Wirkungsgrad vom Granderwasser.

    Der Zweck solcher Sendungen erscheint klar. Es darf keine verstörende wissenschaftliche oder gar skeptische Diskussion aufkommen. Die vielen Frohbotschaften der zahlreichen Anwender, die eine Sinnhaftigkeit und eine Wirksamkeit – wie auch immer – belegen, spießen sich fundamental mit unserem naturwissenschaftlich kausalen Weltbild. Diese eigentlich jedem erkennbare Diskrepanz geht im mächtigen Gefühlsrauschen einer Familiensendung unter. Das Denken wird ausgeschaltet. Damit steht und fällt der Erfolg von Wundern.

    Ungewollt hat die Moderatorin mit einem Scherz am Schluß der Sendung Granderwasser in Punkto Wirksamkeit mit der Homöopathie gleichgestellt. In Anspielung auf die zahlreichen Nachkommen bzw. auf die Großfamilie meinte Sie freundlich lächelnd, wie es einer Infotainment-Tante zukommt, daß Granderwasser nicht empfängnisverhütend ist. Der Homöopathie mangelt es auch an dieser Wirkung. Bis dato hat es noch kein Homöopath gewagt, die als Globuli bekannten Streukügelchen anstelle der Pille zu verordnen, obwohl immer unentwegt die Wirksamkeit der Homöopathie gerade bei Steuer- und Regulationsvorgängen des Organismus beschworen wird.

    Es bleibt die Frage „cui bono?“ Die Antwort liegt in der Finanzierung dieser Sendung. Wer bezahlt das alles? Wird es zur Gänze mit den diktatorisch eingehobenen ORF-Zwangsgebühren finanziert? Die Sendung wird höchstwahrscheinlich nicht vom ORF selbst produziert, sondern von einer TV-Film-Produktionsfirma. Üblicherweise werden die Produktionskosten dafür teils über Werbung, Sponsoren etc. aufgebracht und/oder die Sendung an eine Sendeanstalt verkauft. Gesendet wird meistens auch nicht unentgeltlich, sondern die Kosten dafür werden ebenfalls in gleicher Weise wie für die Produktion gedeckt. Letztendlich erscheint es zulässig, derartige Sendungen als Info-Commercials zu bezeichnen.

    Der Meinungsdruck

    Das Marketing für Grander ist perfekt, schlechthin. Die eigentliche Werbung und den Schutz ihres Meisters übernehmen die zahlreichen gewerblichen und privaten Anwender. Sie sorgen für die Missionierung neuer Glaubensgenossen. Die Anwerbung neuer gläubiger Kunden ist eine Bestätigung, selbst richtig gehandelt zu haben. Wenn andere das auch machen, dann habe auch ich mein Geld nicht verschwendet und bin keiner Fiktion erlegen. Die erfolgreiche Weiterverbreitung der Meinung, daß Granderwasser wirkt, schützt vor peinlicher Bloßstellung.

    Entsprechend dieser Werbestrategie sind auf der WEB-Seite für Granderwasser seitenweise Prominente aus allen denkbaren Brachen gelistet, denen die frohe Kunde vom wunderbaren Wasser am Gesicht abgelesen werden kann, womit die Immunisierung gegen Kritik und Skepsis perfekt ist. Auch Einrichtungen, wo man es kraft personeller Besetzung besser wissen müßte, lassen stolz verlautbaren, Granderwasser zu verwenden. Der Bogen reicht von Spitälern, Schwimmbädern, Lebensmittelerzeugern bis hin zu technischen Betrieben, wo gewöhnlich nicht Glauben angesagt ist, sondern Entscheidungen von Menschen getroffen werden, die dafür bezahlt werden, dies sachverständig auf der Basis rationaler Aktivitäten wie Zählen, Rechnen, Messen, naturwissenschaftlich kausal gesichertem Wissen und logischem Denken zu tun.

    Viele Gewerbebetriebe dürften einfach nur mitmachen, um ihren Kunden zu gefallen. Es gibt offenbar genügend Wunderwassergläubige fürs Geschäft. Der Einbau einer Wasserveredelung wirkt wie eine Gehirnwäsche. Die Betroffenen beginnen ebenfalls zu missionieren und meinen es besser als bisher zu haben. Dadurch steigt der Meinungsdruck. Wenn sie mehrheitlich auftreten, hat man Mühe z.B. den Einbau vermeintlicher Wasserbelebungen in Wohnanlagen zu verhindern. Wer nicht aufpaßt, wird von der Wohngemeinschaft zu Kasse gebeten und zahlt Glaubensabgabe neu: die Grandersteuer!

    Die Erfahrung des täglichen Lebens und die Geschichte der Scharlatanerie lehren, daß Gläubige alles tun und alles zu glauben bereit sind, um recht zu behalten. Manchmal führen Schockerlebnisse Gläubige zu einem Umdenken. Am empfindlichsten reagieren Scharlatane auf Satire und Spott. Als die Venezianer anfingen Spottlieder zu singen, sah sich der berühmte Goldmacher Bragadino gezwungen, die Stadt zu verlassen.

    Angesichts des Meinungsdrucks den geschickte Marketingstrategien zu erzeugen vermögen, gehört schon ein gefestigtes Verständnis für naturwissenschaftliche Zusammenhänge und ein gesunder Hausverstand dazu, um trotzdem voll überzeugt bleiben zu können, daß, vom Standpunkt der Naturwissenschaft und/oder der Psychologie gesehen, an den zahlreichen Wasserverbesserungen nichts dran ist – außer einer Massenhysterie und einer Urheber bzw. Nutznießer mit dem Verdienstkreuz für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet bleibt!

  4. #4 Ingo
    14. Juli 2011

    @Hanno

    Meine Forderung, schon lange: Open Access – und das auch für Diplomarbeiten. Stellt die Sachen ins Netz, keine NDAs mit Firmen mehr, Wissenschaft sollte transparent sein – und das sollte auch für Studenten gelten.

    Was reden sie da? Ohne finanzielle Unterstützung von Firmen wäre Forschung (zumindest bei uns an der TU Wien) längst nicht mehr leistbar. Oder wollen Sie mich bezahlen, damit ich meine Dissertation fertigstellen kann?

  5. #5 nihil jie
    14. Juli 2011

    @E. Berndt

    Na… da haben Sie uns heute mit einer netten Abendlektüre beglückt 🙂 ich habe es gern gelesen…. den Blogartikel von Ulrich Berger natürlich auch 😉

  6. #6 E. Berndt
    14. Juli 2011

    @Ingo
    Würden Sie auch eine Diplomarbeit über die “Energie von Bischofsstäben” oder die “Kraftelder von Lourdes” machen?
    Sie würden natürlich ohne jeden Gewissensbiß eine Untersuchung darüber machen, wie dick das Edelstahlblech sein darf, damit das Jesuspatent Granderwasser noch wirken kann!
    Beeiträchtigen 0,5 mm Stahlblech die Informationsübertragung nicht, und 5 mm schon?
    Wieviel muss Ihnen gezahlt werden, damit Sie ihre Ausbildung verleugnen?

  7. #7 E. Berndt
    14. Juli 2011

    @Ingo
    Würden Sie auch eine Diplomarbeit über die “Energie von Bischofsstäben” oder die “Kraftelder von Lourdes” machen?
    Sie würden natürlich ohne jeden Gewissensbiß eine Untersuchung darüber machen, wie dick das Edelstahlblech sein darf, damit das Jesuspatent Granderwasser noch wirken kann!
    Beeiträchtigen 0,5 mm Stahlblech die Informationsübertragung nicht, und 5 mm schon?
    Wieviel muss Ihnen gezahlt werden, damit Sie ihre Ausbildung verleugnen?

  8. #8 E. Berndt
    14. Juli 2011

    Ich hab ein altes E-Mail nur ein wenig ummodeln müssen… und schon hat es gepaßt:

    Betreff: “Wasserbelebung am Beispiel Grander-Technologie – Eine empirische Erhebung unter industriellen Anwendern” eine Diplomarbeit an Katrin Zunkovic.

    Sehr geehrter Herr Prof. Vorbach!

    Grundsätzlich nehme ich an, dass wir beide in ein und derselben „physikalischen“ Welt leben, und wir beide für alle Naturwissenschaften dieselben Gesetzmäßigkeiten, ihren hierarchischen und widerspruchsfreien Aufbau für zutreffend und als gegeben erachten. Wir sollten übereinstimmen, dass wissenschaftlich Naturforschen bzw. Arbeiten bedeutet, kraft der gefundenen (natur)wissenschaftlichen Grundgesetze die Natur erklären zu können, verstehen zu können und sicher eintreffende Vorhersagen machen zu können. Außerhalb dieses Systems zu arbeiten, oder naturwissenschaftliche Erkenntnisse nur nach Belieben gelten zu lassen, sie zu ignorieren, ist nicht möglich, unstatthaft und unwissenschaftlich.

    So ist das Eintreffen von Ereignissen eben absolut unwahrscheinlich, sprich unmöglich, die der herrschenden 4 Kräfte-Lehre total widersprechen, die das Fundament unserer Naturwissenschaft ist. Mit diesem Wissen kann jeder kleine Ingenieur die Funktionstüchtigkeit einer Maschine vorweg feststellen. Er braucht nicht weiter im Detail nachprüfen, ob eine Maschine funktioniert, wenn dieser in Summe weniger Energie zugeführt wird, als sie abgibt. Das ist eben der Witz der Wissenschaft. Und daran ändert sich auch durch Umfragen nichts.

    Sie schädigen den Ruf der gesamten Universität Graz, wenn Sie das außer Acht lassen.

    Dies ist natürlich ein harter Vorwurf, aber er ist begründbar.

    Welchen wissenschaftlichen Wert sollen Arbeiten haben, die wissenschaftlich betrachtet, sich mit esoterischem Humbug geschäftigen und diesem dadurch Glaubwürdigkeit verliehen wird. Es fehlt diesbezüglich jeder konkrete und kritische Hinweis auf wissenschaftlich unerklärbare, nicht zu tolerierende Widersprüche und Annahmen. Auf diese Mängel des Untersuchungsgegenstandes nicht hinzuweisen, ist typisch für Pseudowissenschaft.

    Welche Ziele die Leute im Gefolge des Herrn Grander verfolgen sei dahingestellt, aber es ist eine Verhöhnung der Aufklärung, wenn sich Universitätsinstitute mit Empirischen Erhebungen dafür einspannen lassen. Diesen Humbug auch noch auszuwerten bzw. in irgendwelche “wissenschaftlichen” Arbeiten einzubeziehen, ist ein starkes Stück.

    In diesem Sinne ist es eine Vergeudung von Ressourcen, eine Abkehr von Wissenschaft und eine Verbildung der Studenten, die im Namen der TU Graz passiert ist. Wenn das o.k. ist, kann sich ein Universitätsinstitut genauso gut „wissenschaftlich“ mit Chiromantie befassen, formal versteht sich. Und es wird dem Ruf der Chiromantie nicht schaden.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Berndt

  9. #9 E. Berndt
    14. Juli 2011

    Ich hab ein altes E-Mail nur ein wenig ummodeln müssen… und schon hat es gepaßt:

    Betreff: “Wasserbelebung am Beispiel Grander-Technologie – Eine empirische Erhebung unter industriellen Anwendern” eine Diplomarbeit an Katrin Zunkovic.

    Sehr geehrter Herr Prof. Vorbach!

    Grundsätzlich nehme ich an, dass wir beide in ein und derselben „physikalischen“ Welt leben, und wir beide für alle Naturwissenschaften dieselben Gesetzmäßigkeiten, ihren hierarchischen und widerspruchsfreien Aufbau für zutreffend und als gegeben erachten. Wir sollten übereinstimmen, dass wissenschaftlich Naturforschen bzw. Arbeiten bedeutet, kraft der gefundenen (natur)wissenschaftlichen Grundgesetze die Natur erklären zu können, verstehen zu können und sicher eintreffende Vorhersagen machen zu können. Außerhalb dieses Systems zu arbeiten, oder naturwissenschaftliche Erkenntnisse nur nach Belieben gelten zu lassen, sie zu ignorieren, ist nicht möglich, unstatthaft und unwissenschaftlich.

    So ist das Eintreffen von Ereignissen eben absolut unwahrscheinlich, sprich unmöglich, die der herrschenden 4 Kräfte-Lehre total widersprechen, die das Fundament unserer Naturwissenschaft ist. Mit diesem Wissen kann jeder kleine Ingenieur die Funktionstüchtigkeit einer Maschine vorweg feststellen. Er braucht nicht weiter im Detail nachprüfen, ob eine Maschine funktioniert, wenn dieser in Summe weniger Energie zugeführt wird, als sie abgibt. Das ist eben der Witz der Wissenschaft. Und daran ändert sich auch durch Umfragen nichts.

    Sie schädigen den Ruf der gesamten Universität Graz, wenn Sie das außer Acht lassen.

    Dies ist natürlich ein harter Vorwurf, aber er ist begründbar.

    Welchen wissenschaftlichen Wert sollen Arbeiten haben, die wissenschaftlich betrachtet, sich mit esoterischem Humbug geschäftigen und diesem dadurch Glaubwürdigkeit verliehen wird. Es fehlt diesbezüglich jeder konkrete und kritische Hinweis auf wissenschaftlich unerklärbare, nicht zu tolerierende Widersprüche und Annahmen. Auf diese Mängel des Untersuchungsgegenstandes nicht hinzuweisen, ist typisch für Pseudowissenschaft.

    Welche Ziele die Leute im Gefolge des Herrn Grander verfolgen sei dahingestellt, aber es ist eine Verhöhnung der Aufklärung, wenn sich Universitätsinstitute mit Empirischen Erhebungen dafür einspannen lassen. Diesen Humbug auch noch auszuwerten bzw. in irgendwelche “wissenschaftlichen” Arbeiten einzubeziehen, ist ein starkes Stück.

    In diesem Sinne ist es eine Vergeudung von Ressourcen, eine Abkehr von Wissenschaft und eine Verbildung der Studenten, die im Namen der TU Graz passiert ist. Wenn das o.k. ist, kann sich ein Universitätsinstitut genauso gut „wissenschaftlich“ mit Chiromantie befassen, formal versteht sich. Und es wird dem Ruf der Chiromantie nicht schaden.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Berndt

  10. #10 fatmike182
    14. Juli 2011

    Ich bin vom Stil der Arbeit ja beeindruckt: man kann zwar dies und jenes nicht nachweisen, aber die Tendenz ist da. Solche Sätze hört man sonst nur von Leuten, die innerhalb von 2 Minuten ein ganzes Haus im Casino durch wasserdichte Systeme verspielen.

    @ hanno
    Ich gehe davon aus, dass die wenigsten Firmen die Taktik von Grander verfolgen, wenn es um die Sperrung von solchen Arbeiten geht. Es wäre vllt sinnvoll vorzuweisen, warum die Arbeit gesperrt werden musste. Im Falle lauter negativer Ergebnisse ist das auf jeden Fall fraglicher, als wenn ein Chemiker im Dienste einer Pharmafirma ein wertvolles Molekül synthetisiert.

  11. #11 YorkTown
    14. Juli 2011

    @Hanno:
    Gebe es keine Sperrmöglichkeit von DAs so würden in diversen Industriezweigen Diplomanden gar nicht erst angenommen werden. Die Diplomanten hätten keine Möglichkeit in gewissen Bereichen bzw. für bestimmte industrielle Arbeitgeber zu forschen, da sie keinen Zugang zu wichtigen Informationen erhalten dürften.

    Daher halte ich die Sperrfrist grundsätzlich für nichts schlechtes. Natürlich wird, wie in diesem Fall, die Regelung auch missbraucht.

  12. #12 Philippe Leick
    16. Juli 2011

    Gesperrte Diplomarbeiten sind per se nichts schlechtes, gerade im Ingenieurbereich ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Industrie und Universitäten wichtig und angebracht. Da ist bei manchen Themen eine Geheimhaltungsvereinbarung einfach notwendig. In meiner Firma ist es aber üblich, dass bei Diplomarbeiten im Vorfeld über die Art der Geheimhaltung entschieden wird, so dass es am Ende nicht darauf ankommt, ob auch das gewünschte Ergebnis herausgekommen ist.

    In die Pflicht nehmen muss man aber den Professor, der seitens der Universität die Diplomarbeit betreut hat. Denn erstens obliegt es seiner Verantwortung, dass im Rahmen der Diplomarbeit wissenschaftlich sauber gearbeitet wird. Zweitens muss auch er der Geheimhaltung zustimmen, bei einem (wie soll man es sagen… vorbelasteten?) Thema wie Granderwasser sollte er auf eine Offenlegung der Ergebnisse bestehen. Zumal der Granderwasser-Hersteller in der Vergangenheit nicht unbedingt einen wissenschaftlich einwandfreien Ruf aufgebaut hat.

  13. #13 Heterodyne
    24. Juli 2011

    Ich weiß nicht, wie relevant das ist und auch leider nicht mehr Details, aber als ich vor einigen Jahren einer Sponsion an der Boku Wien beiwohnen durfte hat mich sehr erheitert, daß in einer der vorgestellten Arbeiten die größere Bekömmlichkeit (sic!) von Granderwasser im Vergleich zu Leitungswasser (das weiß ich nicht mehr genau) behandelt worden war. Da wurde wohl nicht nur Graz “angezapft” 😉

  14. #14 Christian A.
    24. Juli 2011

    Da fällt mir was ein: Warum schreibt einer von uns nicht mal eine Arbeit, in der es um die größere Bekömmlichkeit von (uninformierten usw.) Leitungswasser im Vergleich zu Granderwasser geht? Wir postulieren einfach den gegenteiligen Effekt! Und halten die Studie dann geheim … Und wenn die Granders dieser Welt herkommen und unsere Studie sehen wollen, dann wollen wir deren Studien und Diplomarbeiten sehen …

  15. #15 Wolfgang
    25. Juli 2011

    Es ist ja nicht nur das Granderwasser. Ich war letzte Woche in Ulrichs Heimat Kärnten.
    Da ist mir ein Büchlein über die Holzschnitte des (verstorbenen) Kärntner Künstlers Lobisser unter gekommen (Kunstverlag Magnet).

    http://www.lobisser.at/

    Lobisser hat Holzschnitte vieler Kärntner Kirchen geschaffen. Im Buch werden nun Wanderungen zu diesen Kirchen geschildert und bei mindestens zwei Kirchen gibts Brunnen bzw Quellen mit rechtsdrehendem (!) Wasser.

    Da drehts mir den Magen um. In Kärnten gibts ja viel Rechtsdrehende- aber dass solches von Kärntner H2O nun auch behauptet wird?

  16. #16 ingo
    27. Juli 2011

    @ Dr. Berndt

    Würden Sie auch eine Diplomarbeit über die “Energie von Bischofsstäben” oder die “Kraftelder von Lourdes” machen?
    Sie würden natürlich ohne jeden Gewissensbiß eine Untersuchung darüber machen, wie dick das Edelstahlblech sein darf, damit das Jesuspatent Granderwasser noch wirken kann!
    Beeiträchtigen 0,5 mm Stahlblech die Informationsübertragung nicht, und 5 mm schon?
    Wieviel muss Ihnen gezahlt werden, damit Sie ihre Ausbildung verleugnen?

    Davon war eindeutig nicht die Rede. Ich habe nur gemeint, dass es sinnvoll und notwendig ist, dass Diplomarbeiten gesperrt werden können!

    Und um auf Ihre Frage zu antworten: Nein. Ich habe besseres zu tun, als mich mit Unfug zu befassen. Aber bei Ihnen ist es offensichtlich ein Hobby, dass sie jeden Quatsch ausführlich kommentieren müssen.

  17. #17 E. Berndt
    27. Juli 2011

    @Ingo
    Wer in den Dreck greift, muss rechnen dass er sich schmutzig macht.
    Ich befasse mich nicht ausführlich mit dem Dreck und wenn, dann werde ich immer so deutlich sein, dass auch ein Laie versteht, dass es sich hier um – naturwissenschaftlich gesehen – um unwirksames Zeug handelt. Wenn ein Naturwissenschaftler Granderwasseruntersuchungen annimmt, so muss er wissen, so ferne er die Inhalte seines Studiums begriffen hat, dass es sich hier um die Untersuchungen von Phänomenen handelt, die nicht im Bereich der Naturwissenschaften liegen können, sondern im Bereich der Psychologie, der Erwartungshaltungen, der Täuschungen und dergl. mehr.
    Und insofern schädigt er , so ferne er das nicht berücksichtigt, den Ruf seines Institutes und natürlich seine Reputation, weil er gleich wissenschaftlichen Scharlatanen agiert.
    Wenn ein Buchhändler eindeutige Pornohefte verkauft, zählt er auch zu den Pornoheftenvertreibern – oder nicht?

  18. #18 ingo
    1. August 2011

    @ Dr. Berndt

    Ehrlich gesagt verstehe ich nicht wo das Problem liegt. Nicht, dass es mich interessieren würde so etwas zu machen, aber wenn ich die Möglichkeit habe, im Rahmen einer Diplomarbeit/Dissertation ein “Phänomen” auf seine Existenz hin zu prüfen, dafür von einer Firma bezahlt werde und bei meiner Arbeit wissenschaftliche Methoden anwende ist das doch in Ordnung. Das Thema ist wurscht, solange der Professor es für gut befindet und solange die wissenschaftliche Methodik befolgt wird – worin genau besteht Ihr Problem?

  19. #19 E. Berndt
    4. August 2011

    @Ingo
    Das Problem ist, dass mit dieser Arbeit den Geschäften der Firma Grander in die Hand gearbeitet wird! Herr Prof Vorbach muß wissen, dass es keine Wirkung von Granderwasser gibt. Wenn er der Meinung ist, es gibt doch eine Wirkung, die auf stofflichen, geistigen oder gar transzendeten Eigenschaften beruht, dann sollte er besser seine Diplome zurücklegen. Mit dieser Arbeit wird auf der Granderwebseite den Unbedarften nichts anderes als Wirksamkeit signalisiert.
    Sie sollten darüber nachdenken, ob es Aufgabe einer guten Universitäten sein kann, sich so über die Aufklärung hinwegzusetzen und sich als Handlanger des Aberglaubens anheuern zu lassen!

  20. #20 E. Berndt
    4. August 2011

    @Ingo
    Das Problem ist, dass mit dieser Arbeit den Geschäften der Firma Grander in die Hand gearbeitet wird! Herr Prof Vorbach muß wissen, dass es keine Wirkung von Granderwasser gibt. Wenn er der Meinung ist, es gibt doch eine Wirkung, die auf stofflichen, geistigen oder gar transzendeten Eigenschaften beruht, dann sollte er besser seine Diplome zurücklegen. Mit dieser Arbeit wird auf der Granderwebseite den Unbedarften nichts anderes als Wirksamkeit signalisiert.
    Sie sollten darüber nachdenken, ob es Aufgabe einer guten Universitäten sein kann, sich so über die Aufklärung hinwegzusetzen und sich als Handlanger des Aberglaubens anheuern zu lassen!

  21. #21 Dietmar
    8. August 2011

    Ich verstehe Ihre Kritik, finde aber eine wissenschaftlich nachgewiese (!) Unwirksamkeit einfach schön. 🙂

  22. #22 E.Berndt
    9. August 2011

    Eine wissenschaftlich nachgewiesene Unwirksamkeit wäre sehr schön. Geht aber nicht. Leider lässt sich eine Unwirksamkeit nur in konkreten Beispielen nachweisen, aber nicht generell an sich. Es lässt nicht nachweisen, ob die Schwerkraft immer wirkt. Es ist wahrscheinlich, sehr wahrscheinlich, dass die Schwerkraft immer wirkt.

  23. #23 Hawk
    17. August 2011

    Eventuell war die Motivation des Herrn Professors ja auch einfach, mit den finanziellen Mitteln der Firma Grander zu zeigen, dass eine Wirksamkeit ihres Produktes wissenschaftlich eben mal wieder nicht zu beweisen ist.
    Auf welche Seite sich der Diplomand dabei stellen würde, der ja anscheinend eine gelinde Enttäuschung über das negative Ergebnis in das Fazit hat einfließen lassen (die allerdings auch als Ironie gelesen werden kann), war eventuell nicht von Anfang an ersichtlich.

    Gruß Hawk

  24. #24 Martin
    18. August 2011

    Was ich nicht verstehe:
    Wenn eine Diplomarbeit von einer Firma bezahlt wird und ihre Veröffentlichung dann 5 Jahre lang untersagt wird, dann gilt das natürlich auch für die Firma, die diesen Vertrag abgeschlossen hat.
    Das bedeutet aber, dass die Firma, die den Vertrag geschlossen hat, während dieser Sperre dem Inhalt der gesperrten Diplomarbeit nicht vollinhaltlich widersprechen kann. Auch das wäre eine Art der Veröffentlichung wenn die Arbeit das gleiche Thema hat, die Arbeit wird in diesem Fall einfach nur falsch zitiert und bricht diese Firma somit ihre eigene vertragliche Vereinbarung. Im Gegenzug könnte somit auf Betreiben des Rektors die Sperre dieser Arbeit gerichtlich aufgehoben werden? (Vertragsverletzungsverfahren)