Der Vorteil eines langen Postingtitels ist der, dass man das Thema des Postings schon im Titel erklärt bekommt. Das spart mir eine längere Einleitung und meine Leserinnen und Leser kommen auf direktem Weg zu dem folgenden Gastbeitrag von Gastautor Dr. Hans-Werner Bertelsen.

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Das große Schweigen in der Medizin ist nicht allein. Es wird begleitet von Handlungen. Handlungen, die zwar bei Lichte betrachtet nicht immer wirklich nötig sind, aber doch durchaus lohnenswert. Fragen wir den Kardiologen, ob er sich lange mit dem diagnostischen Patientengespräch aufhält, oder man lieber gleich eine Herzkatheteruntersuchung initiiert.  Fragen wir den Röntgenologen, ob die Aussagekraft eines Computer-Tomogramms bei jeder klinischen Fragestellung die conditio sine qua non darstellt, oder ob wir unter Einsparung erheblicher Strahlenbelastungen schadlos französische Zahlen anstreben können, wenn es um die Häufigkeit des Computer-Tomogramms geht. Fragen wir den Hausarzt, ob er jede Medikation auch seinen Familienmitgliedern zumuten würde, oder ob ein Rezept aus dem dicken roten Buch manchmal nur dazu dient, ein Gespräch zu beenden. Eine von vielen engagierten Medizinern und Pharmakologen seit Jahren geforderte „Positivliste“ wird von der betriebswirtschaftlich denkenden Pharmaindustrie erfolgreich verhindert. Schließlich könnte es peinlich werden, wenn alle meine Nachbarn die gleichen Pillen verschrieben bekommen haben wie ich.

Privat versichert müsste man sein, dann könnte man mit dem Arzt seines Vertrauens endlich reden. Der Doktor würde einem sogar zurückgelehnt gerne zuhören, weil er sich von der anstrengenden Fließband-Arbeit selbst mal erholen muss. Als Privatversicherter bekäme ich dann eine Rechnung mit dem lustigen Kürzel Ä 34 und sehr gerne mit 61,22 Euro eine äußerst wirksame Dosis Sprechende Medizin in Rechnung gestellt. Das Kürzel Ä 34 würde besagen, dass mein Hausarzt sich mit mir, dem Privatversicherten, mal eine halbe Stunde Zeit gegönnt und dabei ein kommunikativer Austausch stattgefunden hätte.

Als Gesetzlich Versicherter sieht die Welt ganz anders aus und ist mit vielen und oftmals langen Wegen verbunden. Als Gesetzlich Versicherter muss ich 17mal zum Arzt gehen, damit ich von ihm eine halbe Stunde Gesprächszeit erhalte, weil ich nach zwei Minuten einen rosa Zettel erhalte, eine Art Austrittskarte für Gesetzlich Versicherte. Für Gesetzlich Versicherte ist das ärztliche Gespräch wertlos. Mehr als zwei Minuten bezahlt die Gesetzliche Krankenkasse dem Arzt leider nicht an Gesprächszeit: Es sind unglaublich lächerlich anmutende 9.- Euro. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Die Pizza beim Italiener kostet mehr als ein mitunter lebenswichtiges Gespräch zwischen Gesetzlich Versichertem Patienten und Arzt.  Zwar wird niemand ernsthaft behaupten, dass man einen Arzt für 9.- Euro länger als zwei Minuten beanspruchen darf, betragen doch allein die Betriebskosten für eine Praxis weit mehr als 120.- Euro. Aber die Frustration über das Nicht-gehört-werden und über die scheinbare Ignoranz des Arztes sitzt wie ein tiefer Stachel, weil die monatlich abgebuchten Beträge für die Gesetzliche Krankenkasse eben nicht 9.- Euro  betragen, sondern um den Faktor 50 höher anzusiedeln sind.

Der kommunikative Austausch zwischen Gesetzlich Versichertem Patienten mit seinem Arzt wird nur dann betriebskostendeckend  bezahlt, wenn er den Boden der Wissenschaftlichkeit, der Rationalität und der logischen Plausibilität verlässt. Der Name des dazugehörigen Geschäftsmodells lautet: Homöopathie! Sobald ich mich als Patient auf dieses nachweislich mitunter sehr gefährliche Spiel mit den putzigen Zuckerkugeln einlasse, habe ich meinem Arzt den Zutritt in das finstere Reich der lukrativen „Selektivverträge“ erteilt. Die Selektivverträge ermuntern die teilnehmenden Krankenkassen, große Geldpakete an die Kassenärztliche Vereinigung zu senden, damit die Zuckerkugelgespräche auch satt honoriert werden. So erhält mein Doktor nicht mehr lächerliche 9.- Euro, sondern das Zehnfache für eine Anamnese: 90.- Euro. Damit werden drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen:

  1. Mein Arzt bekommt seine Betriebskosten refundiert und auch noch sein Gespräch bezahlt.
  2. Meine mit trockenen und langweiligen Statuten eingezäunte Krankenkasse kann „einen auf dicke Hose machen“, weil sie sich mit meinem sauer verdienten Geld bei der Finanzierung von Mumpitz marketingdienlich lässig aus dem Fenster hängt und damit ihren Umsatzkuchen schön dick aufblasen kann.
  3. Ich als Gesetzlich Versicherter muss nicht 17 Mal zum Arzt gehen wenn ich eine halbe Stunde mit ihm reden will, sondern kann das mit einer Anreise erledigen und dabei noch die Umwelt schonen.

Die Zuckerkugeln rühre ich mir lieber in den Kaffee.

Damit dieses System, bestehend aus Sprachlosigkeit, überflüssiger Diagnostik und Therapie, auch weiterhin bestehen bleibt, dafür sorgt neben der hohen Anzahl der Aber- und Wundergläubigen eine heilige Allianz aus Politik, Versicherungsmathematikern und Finanzjongleuren. Sogar der Vorstand der Barmer Ersatzkasse (BEK) verrät angesichts der hohen Marketingkraft die im Sozialgesetzbuch fixierten Prinzipien von „Ausreichend, Wirtschaftlich und Zweckmäßig“, um sie durch die Homöopathie-assoziierten Attribute „Abergläubisch, Beliebig und Gefälligkeitsorientiert“ zu ersetzen.

Der Bundesgesetzgeber ist hier aufgerufen, der Sprechende Medizin endlich den Stellenwert zuzubilligen, der ihr gebührt und vieles aus dem Bereich der “besonderen Therapierichtungen” abzuschaffen. Alles gehört auf denselben Prüfstand. Wenn Leistungen, die heute der „Alternativmedizin“ zugeordnet werden, ein vernünftiges Nutzen-Schaden-Verhältnis haben, gehören sie in den allgemeinen Leistungskatalog. Ungeprüft jedoch, gehören sie weder durch die künstlich anmutende Legitimation von “Selektivverträgen” in den großen Topf, noch auf eine Extra-Rechnung der von hohen Beiträgen ohnehin schon arg gebeutelten Solidargemeinschaft der Gesetzlich Versicherten.

Was passiert denn aber nun, wenn die Homöopathie endlich nicht mehr von den Gesetzlichen Kassen finanziert würde?

  • Landärzte fänden wieder einen Nachfolger
  • Ambulanzen in den Kliniken wären entlastet
  • Invasive Diagnostik und überflüssige Operationen würden reduziert
  • Medikamentenverbrauch würde reduziert
  • Homöopathie wäre endlich überflüssig und Märchenerzähler hätten wieder Konjunktur

Bevor die Sprechende Medizin aufgewertet wird, müssen einige Informationen endlich offengelegt werden. Es gilt abzuklären, wieviel Hunderte von Millionen Euro im Bereich der „Selektivverträge“ ausgeschüttet werden, damit eine bessere – weil esoterikfreie – Medizin gestaltet werden kann. Meine Forderung seit vielen Jahren: „Intensivberatungen“ auch für Gesetzlich Versicherte Patienten. Zum Beispiel bei Tumorleiden oder bei Polymorbidität.

Der kommunikative Austausch darf nicht länger Privileg der Privatversicherten bleiben. Ein ausführliches Gespräch muss zukünftig ohne „esoterische Verpackung“ möglich sein.

Die Patienten haben es verdient.

 

Kommentare (45)

  1. #1 Harald Lieder
    Venezuela
    9. Oktober 2017

    Meine Reaktion in einem Wort:
    Herrlich!

  2. #2 RPGNo1
    9. Oktober 2017

    “Der Bundesgesetzgeber ist hier aufgerufen, der Sprechende Medizin endlich den Stellenwert zuzubilligen, der ihr gebührt und vieles aus dem Bereich der “besonderen Therapierichtungen” abzuschaffen.”

    Natalie Grams formuliert es mit anderen Worten, kommt aber in ihrem Buch “Homöopathie neu gedacht” zum selben Ergebnis.

  3. #3 ajki
    9. Oktober 2017

    Achtung, unerheblicher Nebenkriegsschauplatz…

    Ich frage aus Unkenntnis, weil ich nie “gesetzlich versichert” versichert war (also eben aus unterschiedlichen Gründen immer “privat” versichern mußte): kann ein gesetzlich Krankenversicherter eigentlich eine Leistung aus eigener Tasche bei einer Praxis bezahlen aus eigenem Verlangen bzw. aufgrund Vereinbarung (auf “einfachem” Weg)? Also etwa eine ausführliche Beratung / ein ausführliches Gespräch für einen privat zu entrichtenden Betrag von X?

  4. #4 tomtoo
    9. Oktober 2017

    @ajki
    Verstehe den Sinn der Frage nicht ?

    Darf ich dem Arzt meines Vertrauens 200€ in die Hand drücken ? Um zu fragen: Haste ein bischen Zeit mir das ausführlicher zu erklären ?

  5. #5 ajki
    9. Oktober 2017

    Im Prinzip ist der “Sinn” der Frage simpel: wäre ich ein “Kassenpatient”, dann wüsste ich mit hoher Wahrscheinlichkeit von dem Grundproblem (keine Kassenleistung für “Gespräch”). Ich nehme aber an, dass ich dann versuchen würde, einen gesonderten Deal zu machen.

    Die Frage für mich ist also: ist so ein Sonderdeal überhaupt (einfach) möglich? (einem “Kassenpatienten”)

    Wenn so ein “Deal” (einfach) möglich ist, dann wäre aus meiner Sicht der Ball eigentlich wieder im Spielfeld der Praxen – dann versäumen die es nämlich (vielleicht, weil unter ihrer “Würde”), ihre Kunden auf diese Möglichkeit hinzuweisen (vielleicht natürlich auch, weil diese ganze “Kassenmentalität” die “Patienten” dazu geführt hat, eine beliebige Praxisleistung als “ist schon bezahlt/darf nix zusätzlich kosten” zu betrachten und Sonderzahlungen kategorisch abzulehnen – was ich persönlich, wie eingang gesagt, aber hypothetisch für mich genommen so nicht begreifen würde).

  6. #6 Lercherl
    9. Oktober 2017

    Wie soll ich folgenden Satz verstehen?

    Fragen wir den Röntgenologen, ob die Aussagekraft eines Computer-Tomogramms bei jeder klinischen Fragestellung die conditio sine qua non darstellt, oder ob wir unter Einsparung erheblicher Strahlenbelastungen schadlos französische Zahlen anstreben können, wenn es um die Häufigkeit des Computer-Tomogramms geht.

    Macht man in Frankreich weniger CT-Scans als in Deutschland? Auf die Schnelle finde ich dazu nur: https://data.oecd.org/healthcare/computed-tomography-ct-exams.htm. Nach dieser Quelle sind es in Frankreich eher mehr.

  7. #7 noch'n Flo
    Schoggiland
    9. Oktober 2017

    @ ajki:

    Ich nehme aber an, dass ich dann versuchen würde, einen gesonderten Deal zu machen.

    Da stehst Du aber allein auf weiter Flur. Kassenpatienten erwarten Maximalversorgung ohne Zuzahlung, schliesslich zahlen sie ja schon unverschämt hohe Kassenbeiträge.

    Im Übrigen ist die Behauptung “keine Kassenleistung für Gespräch” nicht korrekt, das Gespräch wird nur sehr, sehr schlecht bezahlt. Trotzdem hat der Patient ein Anrecht darauf. Wo soll also der Anreiz für den Patienten liegen, da noch freiwillig zuzuzahlen?

    Abgesehen davon gelten ja in Deutschland schon seit Jahren die Quartalspauschalen (die je nach Bundesland zwischen 25 und 38 Euro liegen – egal wie oft der Patient in einem Quartal in die Praxis kommt).

  8. #8 demolog
    9. Oktober 2017

    Früher waren die Ärzte mal “Götter in Weiß”. Heute nur noch “Vollstrecker” von systemisch vorbereiteten Urteilen.

    Ob die Zeit, in der Ärzte noch Götter waren, mit Hahnemann zusammenhängt?

    Obwohl … seit wann sind Ärzte im weissen Kittel?

  9. #9 Omnivor
    Am 'Nordpol' von NRW
    9. Oktober 2017

    Meine Erfahrung als zeitweilig privatversicherter ist, dass die Ärzte die Zeit für Verkaufsgespräche nutzten und nicht zur gesundheitlichen Aufklärung.

  10. #10 Joseph Kuhn
    9. Oktober 2017

    Dass die sprechende Medizin besser honoriert werden muss, sehe ich auch so. Dass der Arzt nur zwei Minuten Gespräch bezahlt bekommt, ist aber etwas tendenziös, er soll bei dem, was er sonst tut, ja nicht schweigen und zu den Geringverdienern zählen Ärzte trotz allem auch nicht gerade. Psychotherapeuten, die nur für das Sprechen bezahlt werden, verdienen übrigens dem ZI-Praxispanel zufolge deutlich weniger.

  11. #11 Comp
    10. Oktober 2017

    Kann mir jemand erklären was eine “Positivliste” sein soll und was genau die Pharmaindustrie hier angeblich verhindert und warum?

  12. #12 ralph
    10. Oktober 2017

    habe ich richtig verstanden: könnte ein Arzt diese “Lücke” ausnutzen und unter dem Vorwand einer homöopathischen Behandlung sich mehr Zeit für seine Patienten nehmen und diese abrechnen?

  13. #13 ralph
    10. Oktober 2017

    …unter dem Vorwand einer zusätzlichen homöpathischen Behandlung. Für einen überzeugten Schulmediziner wäre das doch eine Überlegung Wert.

  14. #14 Matthias
    10. Oktober 2017

    Perfekt zusammengefasst.
    Dieser Text gehört auf die Titelseite!
    (Am Rande: Adjektive bitte klein schreiben)

    Matthias

  15. #15 SkeptikSkeptiker
    Randpolen
    10. Oktober 2017

    Ja, die Medizinbranche ist schon eine echte Goldgrube.
    Meine Frau hat zum Jahresbeginn schon wieder eine Gehaltserhöhung von 4% erhalten. Als ausgebildete Krankenschwester ist sie in einer Allgemeinpraxis für Organisation der Praxis, Durchführung der technischen Untersuchungen (EGK,…), Impfvorbereitung (Frau Doktor spritzt dann natürlich selbst), Blutabnahmen und Laborversand, seit neuem auch Hausbesuche und natürlich auch die Abrechnung zuständig. Die Putze hat die 4% natürlich auch bekommen. Und das alles wegen der Erhöhung des Mindestlohnes. Danke!

  16. #16 noch'n Flo
    Schoggiland
    10. Oktober 2017

    @ demolog:

    Früher waren die Ärzte mal “Götter in Weiß”. Heute nur noch “Vollstrecker” von systemisch vorbereiteten Urteilen.

    Was bitte sollen diese “systemisch vorbereiteten Urteile” sein?

    @ Omnivor:

    Meine Erfahrung als zeitweilig privatversicherter ist, dass die Ärzte die Zeit für Verkaufsgespräche nutzten und nicht zur gesundheitlichen Aufklärung.

    Dann hast Du bislang schlechte Ärzte gehabt.

    @ Comp:

    Kann mir jemand erklären was eine “Positivliste” sein soll und was genau die Pharmaindustrie hier angeblich verhindert und warum?

    https://de.wikipedia.org/wiki/Positivliste_f%C3%BCr_Arzneimittel

    Gemäss Verschwörungstheorien scheuen die pöhsen Pharmaunternehmen diese Liste, weil sie dann viele einträgliche Medikamente vom Markt nehmen müssten.

    @ ralph:

    könnte ein Arzt diese “Lücke” ausnutzen und unter dem Vorwand einer homöopathischen Behandlung sich mehr Zeit für seine Patienten nehmen und diese abrechnen?

    Ja.

    @ SkeptikSkeptiker:

    Die Putze

    …ist ein herabwürdigender Ausdruck für jemanden, der tapfer eine Arbeit macht, für die sich andere zu fein sind.

  17. #17 Hans-Werner Bertelsen
    10. Oktober 2017

    @ Joseph Kuhn

    Welche Ärzte meinen Sie mit Ihrem Kommentar? Den Radiologen auf der Suche nach einer Viert-Immobilie auf Mallorca (850.000.- Euro/Jahr) oder den für die Marketinghomöopathie zu dummen Landarzt, der aufgrund seiner Überzeugung noch immer keinen Selektivvertrag mit der Barmer abgeschlossen hat, für seinen 100-Stunden-Job mit Hausbesuchen grottenschlecht bezahlt wird (50.000.-/Jahr) und keinen Nachfolger findet, der sich diese Form der masochistischen Sklaverei antut?

    Auf diese wohlfeilen Phrasen (“Ärzte verdienen ja sowieso so viel!”) reagiere ich algerisch, seitdem ich für die jahrezehntelange Versorgung der Patienten in Altenheimen neben einem warmen Händedruck 20.- Euro / Patient erhalten habe und mir dazu die Tiraden der Angehörigen anhören musste, wenn ich eine Rechung über 50.- Euro für eine Unterfütterung der Prothese präsentiert habe, damit Oma/Opa endlich wieder essen kann. Die Angehörigen lesen eben auch Zeitung. Und da steht ja schließlich drin, dass Ärzte nicht zu den Geringverdienern gehören.

    Im undifferenzierten Schüren von Sozialneid sind manche Journalisten wirklich erste Sahne. Aber da kann ich nur noch müde gähnen.

    https://www.traunsteiner-tagblatt.de/nachrichten/deutschland-und-weltnews_artikel,-radiologen-bekommen-in-deutschland-die-hoechsten-verguetungen-_arid,348070.html

  18. #18 Hans-Werner Bertelsen
    10. Oktober 2017

    @Ralph

    Das ist der Trick. Die Kassen zahlen über die “Selektivverträge” dem Arzt bis zu 530.- Euro / Jahr / Patient zusätzlich, freuen sich über das solidarisch finanzierte Marketing und lachen sich ins Fäustchen.

    http://www.aerztezeitung.de/medizin/fachbereiche/sonstige_fachbereiche/homoeopathie/article/434705/homoeopathie-kollegen-immer-attraktiver.html

    Jeder Kassenpatient kann seinem Arzt sagen, er möchte gerne eine anständige Beratung zu Privatkonditionen. Ärzte bieten das nicht an, weil vile Patienten mit der Rechnung dann zu ihrer Krankenkasse laufen und das Geld wiederhaben wollen. Die Mitarbeiter der Krankenkasse sagen dann: “Wieso schreibt der Ihnen eine Privatrechnung? Frechheit!” Und so kommt der Schwarze Peter wieder zum Onkel Doktor. Dann doch lieber gleich zum Heilpraktiker. Der nimmt sich Zeit und die Rechnung wird sogar von der Kasse bezuschusst.

    Der Aderlass ist noch heute hochaktuell. Der einzige Unterschied: Es fließt kein Blut, sondern Geld.

    Für die Politik ist es sehr bequem. Zweimal abkassieren bedeutet zweimal Steuern kassieren.

    Voilá.

  19. #19 noch'n Flo
    Schoggiland
    10. Oktober 2017

    @ H.-W. Bertelsen:

    Auf diese wohlfeilen Phrasen (“Ärzte verdienen ja sowieso so viel!”) reagiere ich algerisch

    Und ich tunesisch.

  20. #20 Hans-Werner Bertelsen
    10. Oktober 2017

    Hochtunesisch!

  21. #21 Aveneer
    10. Oktober 2017

    >Der Doktor würde einem sogar zurückgelehnt gerne zuhören,…
    „Kürzel Ä 34“ bedeutet einfach einen besseren Stundenlohn für dieselbe durchschnittliche Beratungsdauer.

    Aus meiner Erfahrung (mit “4/5“ der Familie) – sie hören nicht länger oder besser zu. Sie bestellen dafür viel häufiger „zur Nachuntersuchung“ ein (“da muss ich noch einmal drauf schauen bevor “wir” das Pflaster weg machen) und machen die ein oder andere “unnötige” Untersuchung/Eingriffe mehr (anstatt eben zuzuhören).

    Nach diesen Erfahrungen bin ich lieber freiwillig bei den Gesetzlichen geblieben und bin es noch gerne.

    Kurz: Ein guter Arzt nimmt sich die Zeit und ärgert sich über die schlechte Bezahlung. Ein Schle(/ä)chter erhöht damit einfach seinen Stundenlohn.

  22. #22 Hans-Werner Bertelsen
    10. Oktober 2017

    @Aveneer

    Volle Zustimmung.

  23. #23 Umami
    10. Oktober 2017

    Wie funktioniert die “Positivliste”?

    Irgendwie komme ich nicht ganz mit. Dass ich als “Normalgesunder” weniger kosten sollte, als ich einzahle, sollte doch irgendwie klar sein, woher soll sonst das Geld für diejenigen mit Krebs, HIV, usw. herkommen?

    Und wie führt die Abschafgung von Homöopathie dazu, dass es mehr Landärzte gibt?

  24. #24 Omnivor
    Am 'Nordpol' von NRW
    10. Oktober 2017

    @noch’n Flo
    Gute Ärzte habe ich als GKV-Patient erlebt.
    Jetzt habe ich eine unangenehme, chronische Krankheit: feuchte AMD.
    Die Ärzte besprechen die Befunde mit mir, beim Spritzen ins Auge bieten die Schwestern mir Händchenhalten zur Beruhigung an (Vorher gabs natürlich Lokalanästhesie).
    Kann natürlich auch an meinem Alter und/oder Dr. rer. nat. liegen.
    Zusammenfassend kann ich nur wie Aveneer sagen, dass in der Hinsicht die PKV keinen Vorteil bringt.

  25. #25 tomW
    10. Oktober 2017

    “Für Gesetzlich Versicherte ist das ärztliche Gespräch wertlos”

    Keine Ahnung, ob ich im schnellen drüber lesen einen wichtigen Aspekt verpasst habe.
    Ich bin dann offensichtlich in der glücklichen Situation, bisher nur Ärzte kennen gelernt zu haben, die altruistisch gehandelt und mir die Zeit gegeben haben, mich auszusprechen zu können. Ich bin auch schon mit den Worten empfangen worden “Herr W. schon wieder? Was ist los?”. Trotzdem habe ich mich bisher nie abgelehnt gefühlt.

    Ich selbst arbeite in einer Rettungsstelle eines Hauses der Maximalversorgung in der Hauptstadt. Wir sind ständig überlastet, leiden unter Personalmangel, viele Kollegen stehen nah (oder sind mitten) im Burnout. Trotzdem tun wir unseren Job gut und erhalten trotz allem meist positive Reaktionen. Auch Patienten verstehen, dass in D. vieles schief läuft. Wir tun unser Bestes und versuchen, jedem Menschen das Gefühl zu vermitteln, willkommen zu sein. Wir machen Überstunden, tun Dinge, die eigentlich nicht selbstverständlich sind. WEIL wir es tief im Innern wollen. Sonst ist man falsch in diesem Job. Willst Du reich werde, dann geh nicht in die Medizin (oder leck dich so weit nach oben, dass du über den wirklich arbeitenden “Kollegen” stehst).

    “Die Zuckerkugeln rühre ich mir lieber in den Kaffee.”

    Das tue ich auch und empfinde als ehrenrührig, dass es im 21. Jh. etwas wie “Heilpraktiker” überhaupt geben darf. Dass man vorsichtig sein muss, wenn “Tante Käthe” praktische Tips gegen Kopfschmerzen auf Lager hat geht – glaube ich – sogar den meisten Menschen auf. Dass aber jemand eine sogenannte “Praxis” eröffnen und angeblich berufene Diagnosen und Therapiekonzepte aufstellen darf, ohne jemals im Leben eine Universität oder medizinische Schule von innen gesehen zu haben macht mich wahnsinnig wütend und enttäuscht mich gleichzeitig.

  26. #26 Frau Lampe
    10. Oktober 2017

    Sagen Sie mal, Herr Bertelsen, sprechen Sie nicht mit Ihren gesetzlich versicherten Patienten, wenn diese es brauchen oder wünschen?

  27. #27 Diaphanoskopie
    10. Oktober 2017

    Ich vermute ja eher, dass im aktuellen System eine bessere Honorierung von ‚sprechender‘ Medizin, zu mehr unnötigen Gesprächen führt als zu besserer Versorgung.

    Gibt es eigentlich Evidenz für die These, es würde zu wenig gesprochen?

    https://ganzheitlichdurchleuchtet.wordpress.com/2017/10/09/schweigen-teure-medizin/

  28. #28 noch'n Flo
    Schoggiland
    10. Oktober 2017

    Mehr Zeit für’s Gespräch bedeutet durchaus eine bessere Versorgung. Anstatt dem Patienten einfach ein Rezept für ein Medikament in die Hand zu drücken, kann ich den Patienten stattdessen über Verhaltensregeln und Hausmittel für bestimmte Erkrankungen aufklären. Ich kann besser vorbeugend arbeiten, anstatt dann zu reagieren, wenn das Kind erst in den Brunnen gefallen ist. Von den ganzen psychosomatischen Erkrankungen mal gar nicht zu sprechen.

  29. #29 Joseph Kuhn
    10. Oktober 2017

    @ Bertelsen:

    “Landarzt … 100-Stunden-Job 50.000.-/Jahr”

    Hausärzte verdienen vergleichsweise – verglichen mit anderen Ärzten – wenig und Ärzte auf dem Land haben es besonders schwer. Aber die Kombination 100 Stunden für 50.000 Euro ist auch hier nicht der Normalfall und mit solchen Schreckbildern kommt man bei dem Thema auch nicht weiter. Eher verdirbt man damit jungen Ärzten die Lust darauf, eine Praxis auf dem Land zu eröffnen.

    Zu den Ärzteeinkommen: Wem das Lesen im Original des oben genannten ZI-Panels zu anstrengend ist, kann sich eine übersichtliche Grafik daraus in der Ärztezeitung ansehen. Die zwei Arztgruppen mit den niedrigsten Überschüssen sind die beiden, die (fast) nur sprechen und was speziell die nichtärztlichen Psychotherapeuten (in der untersten Gruppe) angeht, denen missgönnen nicht wenige Ärzte bis heute auch noch das bisschen Geld, siehe z.B. die Polemik eines Teils der Fachärzte gegen die Reform der Psychotherapeutenausbildung.

    Dass es nicht angeht, dass Ärzte lange homöopathische Anamnesen abrechnen können, aber die sprechende Medizin ansonsten nicht ausreichend honoriert wird, darüber besteht, wie gesagt, Konsens.

  30. #30 Joseph Kuhn
    10. Oktober 2017

    @ Umami:

    “Wie funktioniert die “Positivliste”?”

    Die Positivliste war ein Ansatz im Gesundheitsstrukturgesetz 1992, die Arzneimittelausgaben der Krankenkassen zu begrenzen. Vorgesehen war, nur noch Arzneimittel zu erstatten, die bestimmte Auswahlkriterien erfüllen, z.B. eindeutig nachgewiesenen Nutzen. Man kann sich vorstellen, dass das weder der Pharmaindustrie noch Teilen der Ärzteschaft gefallen hat.

    1995 übergab der damalige Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, Baldur Wagner, dem damaligen Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie, Herrn Vogel, eine geschredderte Positivliste: damit war die Sache vom Tisch, ein peinlicher öffentlicher Kotau der Politik vor der Lobby. Im Jahr 2000 gab es einen zweiten Versuch, per Gesetz eine Positivliste einzuführen, kurz darauf wurde der Passus wieder gestrichen.

    Mit dem Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz 2010 konnte immerhin eine Nutzenbewertung für neue Arzneimittel als Voraussetzung für die Kostenübernahme in der GKV durchgesetzt werden, mit substantiellen Zugeständnissen gegenüber den Interessen der Pharmaindustrie.

  31. #31 Umami
    11. Oktober 2017

    Sollten nicht theoretisch alle zugelassenen Medikamente auf der Positivliste stehen? Immerhin sollte doch im Rahmen des Zulassungsverfahrens erwiesen werden, dass das Medikament wirksam ist.

  32. #32 Joseph Kuhn
    11. Oktober 2017

    @ Umami:

    Das sind alles recht komplizierte Geschichten und hier etwas OT, daher nur kurz: Bei der Zulassung geht es nur um Wirksamkeit und Sicherheit. Ob ein Medikament gegenüber schon vorhandenen Mitteln einen relevanten Zusatznutzen aufweist, spielt keine Rolle. Dadurch kommen immer wieder neue Mittel auf den Markt, die teurer sind als die älteren, bei denen aber unklar ist, ob sie auch einen größeren Nutzen als die älteren für die Patienten haben. Darauf ist die Nutzenbewertung nach AMNOG ausgerichtet, mit Konsequenzen für die Preise, die die Kassen nach einem Jahr entrichten müssen. Die Positivliste wäre hier noch restriktiver gewesen und hätte die Vielfalt der Medikamente, die zu Lasten der Kassen verordnet werden können, erheblich eingeschränkt.

    Sie können dazu vieles ergoogeln, wir sollten damit hier nicht die Diskussion um Herrn Bertelsens eigentliches Anliegen abwürgen.

  33. #33 noch'n Flo
    Schoggiland
    11. Oktober 2017

    @ Joseph Kuhn:

    und was speziell die nichtärztlichen Psychotherapeuten (in der untersten Gruppe) angeht, denen missgönnen nicht wenige Ärzte bis heute auch noch das bisschen Geld

    Dafür durfte ich mir als Assistenzarzt in einer Psychosomatischen Fachklinik jahrelang von den psychologischen Psychotherapeuten anhören, dass Ärzte ja eigentlich gar nicht psychotherapeutisch arbeiten können dürften, da sie ja nur eine Schmalspurausbildung in diesem Bereich hätten. Und ich musste immer wieder Patienten sinnvolle Medikamente vorenthalten, weil “wir arbeiten ja therapeutisch, nicht chemisch”.

  34. #34 Hans-Werner Bertelsen
    11. Oktober 2017

    @Diaphantasterei

    Welch merkwürdige Niederschrift. Keinerlei Differenzierung zwischen Privat- und Kassenpatienten. Das hat eintweder ein Heilpraktiker verfasst, oder jemand, der keinen blassen Schimmer von ärztlicher Gebührenabrechung hat (z.B. ein angestellter Klinikarzt mit fixem Einkommen). Gruselig…

    @Joseph Kuhn

    Warum sollten Privatpatienten eine betriebskostendeckende ärztliche Beratung erhalten, während GKV-Patienten diese nur im Bereich der Lügenmedizin erhalten, also in Esoterik eingewickelt ist?

    @Flo
    Wer hat hier die Deutungshoheit? Son kleiner Vulgärmediziner doch wohl eher nicht. Also: Schweigen. Blut abnehmen. Kurse buchen.

  35. #35 Diaphanoskopie
    11. Oktober 2017

    @ noch‘n Flo #28

    Das ist eine plausible Annahme, ich fragte jedoch nach Evidenz.

  36. #36 Diaphanoskopie
    11. Oktober 2017

    @ Hans-Werner Bertelsen
    letzteres, es gibt also keinen Grund, sich damit argumentativ auseinanderzusetzen.

  37. #37 Frau Lampe
    11. Oktober 2017

    @Hans-Werner Bertelsen
    bekomme ich auch eine Antwort auf meine Frage? #26

  38. #38 Joseph Kuhn
    11. Oktober 2017

    @ Bertelsen:

    “Warum sollten Privatpatienten eine betriebskostendeckende ärztliche Beratung erhalten, während GKV-Patienten diese nur im Bereich der Lügenmedizin erhalten”

    Ich bin bestimmt nicht dafür.

  39. #39 Hans-Werner Bertelsen
    12. Oktober 2017

    @Frau Lampe

    Sehr gerne spreche ich mit meinen Patienten – ob GKV oder PKV – da mache ich keinen Unterschied. Ich freue mich, wenn sich jemand für die Materie interessiert und es ihnen nicht egal ist, was gemacht wird. Der Austausch ist sehr wichtig, weil Sie als Behandler wissen müssen, ob jemand körperliche und/oder psychische Probleme hat, damit die Behandlung darauf abgestimmt wird. Es macht einen gravierenden Unterschied, ob jemand Beschwerden hat während er gerade in einer Prüfung steckt z.B., oder ob er gerade aus dem Urlaub kommt. Die Zeit dafür nehme ich mir. Als Homöopath reden Sie eine Stunde über Wichtiges und über Dinge ohne Relevanz für die aktuelle Krankheitssituation und bekommen den Small-Talk auch noch fürstlich bezahlt. Krankenkasse brüsten sich mit der Kostenübernahme von Marketing und buchen kräftig vom Konto ihrer Schafe ab. Wenn ich 120.- Euro für eine Stunde Beratung von der Krankenkasse überwiesen bekomme, dann mache ich das ab sofort mehrere Stunden pro Tag.

  40. #40 Frau Lampe
    12. Oktober 2017

    @Hans-Werner Bertelsen
    Danke für die Antwort. So wie Sie mit Ihren Patienten sprechen, machen das die anderen Ärzte aber auch. Es gibt ja dafür viele Gelegenheiten, während man andere Handlungen durchführt, RR messen, EKG usw. Es wird ja wohl kein Arzt stumm seine Tätigkeiten absolvieren.
    Abgesehen davon gibt es auch Abrechnungsnummern für ärztliche Gespräche z.B die 03230, dafür gibt es 90 Punkte für 10 min.
    Zu Ihrem letzten Satz: Wie soll das gehen als Zahnarzt?

  41. #41 Frau Lampe
    12. Oktober 2017

    Hier ein interessantes statement eines Landarztes aus einer facebook-Gruppe:
    “Ich bin ja Arzt, auf dem Land, allgemein, Hausbesuche, nur Kassenpatienten (Mecklenburg!) und eigentlich versteh ich meine Arbeit als “sprechen”. Dieses Gejammer über zu wenig Bezahlung finde ich extrem nervig. Natürlich kann ich den Hausbesuch um 22.00 Uhr beim sterbenden Patienten und 45, Minuten angehörigen Gespräch auf 14,30 runterreichten und mich dann beschweren. Aber eine Praxis läuft doch als mischkalkulation! Wie viele der Kommentatoren hier kann ich in 2 minuten einen jungen Patienten mit Infekt abhören, einschätzen und krank schreiben, da krieg ich dann 35 Euro für, das ist doch ok (?erstkontakt). Natürlich hab ich auch alte, kranke komplizierte Patienten wo sich das ” nicht lohnt”, aber eben auch viele wo “es sich lohnt” und mit der Mischung läuft das gut. Mit meiner mittelgroßen Praxis auf dem Land, ohne Igel Leistung, Homöopathischen Mist, oder Privatpatienten gehöre ich zu den 2%reichsten in diesem Land. Wenn ein Arzt rumkämet, fragt ihn nach seinem Auto. Ich mag meinen Beruf übrigens, und Geld zu haben ist auch schön, aber darüberhinaus habe ich doch eine ärztliche Ethik und die bestimmt -hoffentlich – mein handeln. Ich mache ein EKG wenn ich glaube es ist notwendig, nicht weil ich 3,50 dafür kriege.”

  42. #42 Struppi
    13. Oktober 2017

    Da die im Artikel geschilderten Probleme zumindest für Interessierte bekannt sein sollte, bleibt die Frage wer hat das zu verantworten?

    Im Artikel klingt es so, als ob allein der Gesetzgeber hier in die Pflicht genommen werden muss. Aber soweit ich weiß, sitzen hier noch mindestens zwei weitere Teilnehmer am Tisch und der Gesetzgeber ist im Grunde nur ein Erfüllungsgehilfe.

    Zum einen die (gesetzlichen) Versicherungen, die eigentlich im Sinn der Versicherten agieren sollten. Welcher Versicherte wollte das das System so ausgestaltet wird?
    Und wenn nicht sie es nicht wollten, was wurde getan es zu verhindern?

    Mich wundert das agieren der Versicherungen oft, da ich ja derjenige bin der zahlt und insofern erwarte eine gute Versicherung zu haben. In den letzten Jahren wurde aber durch Politik – auch mit Hilfe der Medien – immer der Eindruck erweckt, wenn wir bei der Krankenkasse sparen, ist das gut für mich.
    Was aber nicht in meinen Sinne ist. Ich zahle gerne mehr, wenn ich dann eine halbe Stunde mit meinem Arzt sprechen kann.

    Dann sitzen aber auch die Ärzte an diesem Tisch. Was haben die getan oder nicht getan, das das System so wird?

    Mein persönlicher Eindruck ist, dass die Apparatemedizin offensichtlich sehr lukrativ für alle ist und ich daher als Patient ständig zum Röntgen, MRT oder ct geschickt werde (ohne das jemals etwas dabei festgestellt wurde), beim Arzt selbst aber keine weitere Anamese mehr möglich zu sein scheint (vermutlich weil es sich einfach nicht lohnt)

    D.h. hier haben wohl Mediziner aus dem Bereich der Radiologie einen grossen Einfluss auf die ärztliche Selbstverwaltung, was z.b. auch erklärt, dass kein Arzt mehr eine “Landarztpraxis” eröffnen möchte. Lohnt sich nicht!
    Die Radiologien schiessen aber aus dem Boden, um jeden in die Röhre zu schieben der sich nicht wehren kann.

    Wie gesagt die Frage ist, wer will das und warum wird das nicht verhindert?
    Auch durch die Ärzte.

  43. #43 noch'n Flo
    13. Oktober 2017

    @ Frau Lampe:

    35 Euronen für 2 Minuten Arbeit hören sich zwar verlockend an, aber wenn man dafür pro Tag 50 oder 60 Patienten durch die Praxis schleusen muss, wird es zwangsläufig irgendwann unbefriedigend.

    Ich kann mir hier in der Schweiz für jeden Patienten 10-20 Minuten Zeit nehmen und komme mit 20-30 Patienten pro Tag (und 7-8 Wochen Urlaub im Jahr) trotzdem auf ein gutes Einkommen. Und die Krankenkassenbeiträge hierzulande sind sogar niedriger als bei Euch in Düütschland (obwohl hier sonst immer alles teurer ist).

    Es liegt also eindeutig am System. Schafft in Deutschland die völlig unnützen Kassenärztlichen Vereinigungen ab, hört auf mit den sinnlosen Privatisierungen der Spitäler, dann wird das mit dem Gesundheitssystem auch wieder. Und dann braucht kein Schwein mehr Heilpraktiker.

    @ Struppi:

    warum wird das nicht verhindert?
    Auch durch die Ärzte.

    Weil in der Ärzteschaft ein Klima aus Neid und Missgunst herrscht, bei dem sich jeder selbst der Nächste ist. Solidarität ist da nicht zu erwarten.

  44. #44 Robert
    14. Oktober 2017

    noch’n Flo,
    …..Organisation ist wichtig,
    als Patient fällt mir auf, dass die Ärzte, die keine Bestellpraxis haben, gestresst sind, wenn das Wartezimmer voll ist. Dann fallen auch die Gespräche kürzer aus.
    Bei einer gut organisierten Praxis mit Anmeldung ist der Arzt viel souveräner und in Gesprächslaune.
    Was die Missgunst zwischen den Ärzten betrifft, mein Zahnarzt spricht nur mit Hochachtung von seinen Kollegen.

  45. #45 Hans-Werner Bertelsen
    15. Oktober 2017

    @Flo

    Es ist der Grund, weshalb viele Mediziner das Land verlassen. Weil man mit 20-30 Patienten pro Tag in D keinen Praxiserhalt finanzieren kann. Häufig werden 100 Patienten – in Zeiten von Grippe auch 150 Patienten pro Tag (!) durchgeschleust. Weil die Quartalspauschalen (siehe Flo #7) nur 25 bis 38 Euro pro GKV-Patient betragen, könnte ein Niedergelassener Arzt, der “nur” 20-30 Patienten am Tag behandelte in D wirtschaftlich auskömmlich nicht arbeiten, geschweige denn Gehälter an Arzthelferinnen / MTA bezahlen. Die Sprechende Medizin für GKV-Patienten muss besser honoriert werden – ansonsten wird weiterhin “der Kundschaft” überflüssiger IGeL-Unfug angedient und / oder die Gespräche zum Heilpraktiker ausgelagert. Dass sich durch kleine Veränderungen im Honorarbereich positiv steuernd auswirken, konnten wir zuletzt im Bereich der aufsuchenden Zahnmedizin sehen. Wurde ein Besuch im Altenheim noch vor kurzem mit lächerlichen 20.- Euro belohnt, sind die Honorare für die Heimbesuche jetzt deutlich angehoben worden (ca. 40.- Euro). Seitdem sind nahezu alle Menschen in den Altenheimen zahnärztlich betreut. Ein Riesenfortschritt!