Mahlzeit

Rühreier leicht gemacht

Die Lebensmittelindustrie will uns noch die letzten Handgriffe abnehmen. Und erfindet allerlei skurrile Produkte.

Schade, die “Intercool”, eine Fachmesse für Tiefkühlkost, habe ich leider verpasst. Aber “stern-tv” war offenbar letzte Woche in Düsseldorf und hat sich ein paar nette neue Produkte angeschaut.

Ein Highlight stellt zweifellos der Ansatz dar, das Braten von Rühreiern zu erleichtern. Nun gibt zwar um die hundert Varianten für diese Speise, aber das Grundprinzip – Eier aufschlagen und verquirlen – ist doch so denkbar einfach, dass ich darin nie eine Marktnische erkannt hätte. Jetzt gibt es also Rührei aus der Tüte für die Mikrowelle und alternativ Flüssigei aus dem Tetrapack für die Pfanne. Die Zeitersparnis von ein bis zwei Minuten lassen sich die Hersteller dieser innovativen Produkte hoffentlich fürstlich entlohnen.

In diesem hübschen kleinen Video lässt sich das stern-tv-Team übrigens von der TV-Moderatorin Alexa Iwan begleiten, vorgestellt als “Ernährungsexpertin und Mutter”. Das scheint eine neue Art Doppelqualifikation zu sein, zu der wir nur ehrfürchtig aufschauen können. :-0

Kommentare

  1. #1 Marc Scheloske
    Oktober 7, 2008

    Ich stehe schon immer kopfschüttelnd vor dem Supermarkt-Regal, wenn dort Kaiserschmarrn-Fertigteig und ähnliches feilgeboten wird. Aber Rührei ist wirklich noch eine andere Liga. Mich würde schon sehr interessieren, welchen Kundenkreis/Zielgruppe die Hersteller im Auge haben.

  2. #2 Stefan Jacobasch
    Oktober 7, 2008

    Stichwort Kundenkreis/Zielgruppe: Da es sich ja um eine Messe handelt, ist noch fraglich, ob das Flüssigei im Karton tatsächlich in den Handel kommt. Dafür müssen neben dem Hersteller auch die Händler vom Potenzial dieser “Erfindung” überzeugt sein. Wir können ja mal konzentriert nach den entsprechenden Kartons Ausschau halten. ;-)

  3. #3 Ludmila
    Oktober 7, 2008

    @Stefan: Das Rührei aus dem Tetrapack ist in der Gastronomie ein uralter Hut. Gibst seit Jahren in der Metro. Gerade im Chinarestaurant kannst Du darauf wetten, dass viele Betreiber Rührei im Tetrapack verwenden, weil sich bei gewissen Mengen die Zeitersparnis gerade im Imbiss-Bereich natürlich lohnt.

    Mein Mann ist Gastronom. Daher kenne ich das.

  4. #4 Stefan Jacobasch
    Oktober 7, 2008

    Okay, für die Gastronomie sind vorgefertigte Zutaten schon länger ein Thema, aber für den Single-Haushalt? Was spart der denn, wenn er zwei, drei Eier nicht mehr aufschlägt?

  5. #5 Pascal Becker
    Oktober 7, 2008

    Also bei Fertig-Pizzen oder Saucen, da kann ich es wirklich noch nachvollziehen, dass man sich diese fertig kauft, da dort wirklich viel Zeit gespart werden kann. Selbst ich komme ab und an mal in den “Genuss” solcher Gerichte.
    Aber bei einem Rührei, welches wirklich kaum Zeit zur Zubereitung braucht, wäre es wirklich verschwendetes Geld und vorallem ist es sicherlich niemals auch nur halb so gesund wie ein selbstgemachtes Rührei, am besten noch mit Eiern aus Freilandhaltung.
    Auch die Fischstäbchen aus dem Toaster, die es dort gab würde ich mir nie kaufen. Gerade bei Fisch und Ei reicht doch (solange man es nicht mit Haltbarkeitsmitteln und was die Industrie noch alles zu bieten hat, zukleistert) eine einzige Unterbrechung der Kühlkette, damit ich den nächsten Tag auf der Schüssel verbringe. Wenn nicht im Krankenhaus.

    MfG
    Pascal

  6. #6 Alex
    Oktober 7, 2008

    Mein Highlight der überflüssigen Produkte sind die Fertigmischungen für Waffel- oder Pfannkuchenteig in der Plastikflasche. Nur noch Milch zugeben, schütteln, etwas stehen lassen, fertig. Das sich das seit Jahren in den Regalen nicht wegwünschen lässt, kann eigentlich nur bedeuten, dass ein Markt dafür besteht.
    Ähnlich verläuft es auch mit solchen “Innovationen” wie Fertigrührei. Sollte es in den Handel kommen und findet keine Abnehmer, dann ist es aus selbigem auch bald wieder verschwunden. Das regelt sich sozusagen von selbst.
    Aber alleine die Fülle an Möglichkeiten aus denen wir (heute) schöpfen können und dürfen, ist beeindruckend.

    @Pascal Becker
    >Aber bei einem Rührei, welches wirklich kaum Zeit zur Zubereitung braucht, wäre es wirklich verschwendetes Geld und vorallem ist es sicherlich niemals auch nur halb so gesund wie ein selbstgemachtes Rührei,//

    Warum? Was ändert sich am Nährwert?

    >am besten noch mit Eiern aus Freilandhaltung//

    Warum?

    @ Stefan Jacobasch
    >Okay, für die Gastronomie sind vorgefertigte Zutaten schon länger ein Thema, aber für den Single-Haushalt? //

    Es gibt auch Großfamilien^^
    Ei (-gelb/klar) aus dem Tetrapack für den Gastronomiebereich ist auch erstmal kein großartig vorgefertigtes Produkt, lediglich aufgeschlagen. Vollständig durchgegart muss es sowieso werden und zusätzlich zur Zeitersparnis ist es ein gewisser Garant für gleichbleibende Qualität. Eipulver gäbe es übrigens auch noch.

  7. #7 Stefan Jacobasch
    Oktober 7, 2008

    @ Alex: Eier aus Freilandhaltung bzw. Bio-Eier würde ich auch vorziehen. Weil ich Käfighaltung für Tierquälerei halte. Und was die Großfamilien angeht: Die sollen nicht nur zusammen essen, sondern auch zusammen kochen, dann geht´s nochmal so schnell mit der Zubereitung. ;-)
    Warum Flüssigei “ein gewisser Garant für gleichbleibende Qualität” sein soll, will mir übrigens nicht einleuchten. Jedes frische Ei, das ich “im Stück” kaufe, liefert mehr Informationen über seine Qualität, u.a. mit den Herkunftsstempeln. Aber Flüssigei? Das ist ja wie ein Mischhonig “mit Honig aus EU- und Nicht-EU-Ländern”, wie so schön an manchen Gläsern steht. Nein danke!

  8. #8 klaus
    Oktober 8, 2008

    Alles nichts gegen den Brülle, den ich von ein paar Jahren im “Frischeregal” fand: fertig geschlagene Sahne im Halbliterbecher. Die Luft in Tüten…

  9. #9 Alex
    Oktober 8, 2008

    @ Stefan Jacobasch “Eier aus Freilandhaltung bzw. Bio-Eier würde ich auch vorziehen. Weil ich Käfighaltung für Tierquälerei halte.”

    Habe ich etwas anderes geschrieben? Meine Frage an Herrn Becker handelte vom Nährwert des Fertigrührei.

    Die zweite ging um die Freilandhaltung bzw. warum genau diese. Es gibt Käfighaltung (noch bis 2009), Bodenhaltung und Freilandhaltung. Trotz der unwürdigen und schädigenden Unterbringung der Hühner sind die Eier dieser Haltungsform vom Gesundheitsaspekt für den Menschen die bessere Wahl. Sie haben die wenigsten Krankheitskeime. Mit den anderen Formen der Hühnerhaltung steigt auch das Risiko für Keime und Krankheiten. Natürlich sind sie eher artgerecht. Bodenhaltung ist aufgrund den hygienischen Umständen gegenüber der Freilandhaltung im Vorteil. Auch ein Grund, warum ich Eier aus Bodenhaltung bevorzuge. Im Bereich der Ökoeier sind die Möglichkeiten der Krankheitsbekämpfung dünn gesät, die hygienischen Umstände nicht besser als bei Freilandhaltung.

    Sie haben Recht, der Spruch vom Tetrapack liest sich seltsam. Bevor man ein Ei in die Pfanne schlägt, nimmt man es in die Hand. Was da trotz Reinigung evtl. noch daran haftet, hat man an ihr und werkelt damit weiter in der Küche herum. Das Ei wird durchgegart, die Hand nicht. Die Eier aus der 10 st Packung “altern” unterschiedlich schnell (Größe, Eierschalendicke). Im Tetrapack ist dem beides mal nicht so.