Im aktuellen Focus findet sich auf Seite 102 ein Interview mit dem Physiker und Kognitionsforscher Douglas Hofstadter „Das Ich – eine virtuelle Murmel“.


Tja und was soll man sagen. Der Text gehört zu den lesenswertesten Äußerungen eines Hirnforschers seit langer Zeit. Hofstadter beweist darin erneut, dass er seit seinem Bestseller Gödel, Escher, Bach (1979) nichts von seiner Originalität verloren hat und mit den Jahren sogar eine tiefe Einsicht gewonnen hat.
Sein Konzept der Persönlichkeit ist – wenngleich unkonventionell – so doch allesamt logischer und ausbaufähiger als die gesammelten Schwafeleien von Daniel Dennett (von dessen Ideen er sich seit deren gemeinsamen Buch weit entfernt hat) oder Richard Dawkins.

Das Interview ist natürlich Werbung für sein aktuelles Buch:

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Kleine Kostprobe aus dem Interview: „Deshalb ist die Verwendung des „ich“ trügerisch. Es legt nahe, dass es sich um etwas Stabiles, Unveränderliches handelt, oft ohne dass wir dies bemerken.“
Und:
„Ich bin dagegen davon überzeugt, dass wir dank unserer Sinneseindrücke, die unser Gehirn auf molekularer Ebene verarbeitet, die Welt in abstrakte Konzepte übersetzen, von denen eines das des Ichs ist. Dabei handelt es sich jedoch um eine Fata Morgana, eine Illusion die für unser Überleben im Universum unabdingbar ist. Es existiert genauso wenig wie ein Regenbogen.“

Wenn es jetzt noch jemandem gelingt, eine Gesellschaftsform zu erfinden, die dieses „Konzept“ berücksichtigt, wäre viel gewonnen.

Kommentare (2)

  1. #1 Monika
    Februar 26, 2008

    Das “ewige” Thema der Hirnforscher, das “Ich” und das “Bewusstsein”, sind ein schönes Beispiel dafür, wie man Begrifflichkeiten, sofern man sie vorher nicht genau definiert, wie mit einem Gummiband in alle möglichen Richtungen ziehen kann und dann Diskussionen in Überlänge produziert……. Das Geheimnis dahinter: man bekommt genug Aufmerksamkeit, man kann Forschungsergebnisse hübsch aufbauschen (denn solche Abstraktionen sind nie exakt nachprüfbar) und Bücher lassen sich damit einfach besser verkaufen ;-)) Nun, man weiß ja nie…wo eine Murmel hinrollt….und wie man mit einer “Murmel” im Kopf ein Buch schreibt…;-))
    Solange jeder seine Schleife wieder findet….
    Sorry, wer mein Kommentar liest – besonders die letzten Sätze – dürfte genau so frustriert sein, wie die Leser des Buches, wenn sie dort eine Erklärung für ihr “ich” suchen….

  2. #2 Marcus Kober
    Februar 27, 2008

    Schon “Gödel, Escher, Bach” hat mich sehr fasziniert und deshalb freue ich mich schon auf Hofstadters neues Buch.
    Das Interview im Focus finde ich allerdings weder besonders informativ (vor allem auch wegen der Kürze), noch scheint mir die Interviewpartnerin sehr kompetent in diesem Bereich zu sein.
    Mehr dazu schrieb ich in meinem Blog:
    http://holonblog.geheimorden.de/index.php/2008/02/27/das-ich/