Manche Bilder prägen sich einem einfach in das Gedächtnis ein. Hier ist ein Photo aus der Zeit des zweiten Weltkrieges, als Benzin Mangelware war.

auto1

Nein, das da oben auf dem Auto ist kein gut verpacktes Sofa. Es ist gut verpacktes Gas. Meistens war es Stadtgas – also eine Mischung aus Wasserstoff, Methan, Stickstoff und giftigem Kohlenmonoxid. Das brachte immerhin eine Energie von 20MJ/m³. Nun hatte so ein Sack vielleicht eine Kapazität von 10m³. Was konnte man damit anfangen?

Nunja, man kann das Gas durch den Vergaser in den Motor einblasen und dort als Treibstoff benutzen. Allerdings hat ein Liter Benzin etwa 40MJ Energie. Die Säcke auf dem Auto, voll gefüllt mit dem brennbaren (und giftigen) Stadtgas, hatten also nicht mehr Energie als 5 Liter Benzin. Entsprechend dürftig war die Reichweite damit, zumal die Aerodynamik des Autos mit dem Sack auf dem Dach ein ganz klein wenig eingeschränkt ist.

Im Laufe der Fahrt entleerten sich die Säcke und das konnte man auch sehen. Allerdings war es wohl so unansehnlich, dass die meisten Photos nur voll gefüllte Säcke zeigen. Andeutungsweise sieht man es am etwas schlaffen Vorderende hier:

auto3

Die Reichweite war entsprechend kurz. Etwa 50km und sonderlich schnell sollte man auch nicht fahren. Auf diese Geschichte bin ich vor 4 Jahren im LowTechMagazine gestoßen. Von dort stammen auch die beiden Photos und es gibt noch viel mehr davon.

Natürlich wird Gas heutzutage unter hohem Druck gespeichert, aber das war lange Zeit nicht sonderlich sicher. Im 19. Jahrhundert, als Lampen noch in vielen Fällen durch Gas betrieben wurden, gab es dafür Gasometer. Und natürlich auch noch später. Wegen der geringen Energiedichte muss so sein Gasometer möglichst groß sein. Hier ist zum Beispiel eines mit 30.000 Kubikmeter:

gasometer

Die Energie in diesem Tank, wenn er mit Methan und nicht mit Stadtgas gefüllt ist, entspricht in etwa der eines einzigen Tanklasters mit Benzin. Natürlich kann man Gas auch in Behältern mit größerem Druck speichern. Aber wenn man wirklich große Mengen speichern will, dann tut man das in unterirdischen Kavernenspeichern. Entweder in ausgedienten Erdölbohrlöchern, oder in Salzstöcken.

Die unterirdischen Speicher haben Ausdehnungen die teilweise in Kilometern gemessen werden. Das Speichervolumen in Deutschland beträgt etwa 19 Kubikkilometer. Bei etwa 10kWh Energie pro Kubikmeter Methan ergibt das eine Energiemenge von etwa 190TWh. Der Stromverbrauch liegt in Deutschland bei etwa 600TWh pro Jahr. Der Jahresverbrauch an Kohle, Gas und Öl liegt dagegen in der Größenordnung von 3000TWh pro Jahr.

Kommentare (7)

  1. #1 Turi
    1. Juni 2015

    Bei Gasen trifft eine tolle Verbrennungseffizienz auf eine nervige ineffektive Speicherung. Mal sehen ob wie das Speicherproblem in der Zukunft wenigstes für H2 gelöst bekommen.

  2. […] Mit Gas betriebene Autos gab es sogar schon im Zweiten Weltkrieg. Allerdings ließ es sich noch nicht so komprimieren, weshalb das Gas in einem riesigen Sack auf dem Dach mitgeführt wurde. Lustige Bilder. […]

  3. #3 DasKleineTeilchen
    1. Juni 2015

    das ist ja abgefahren; bisher kannte ich nur die holzvergaser, aber daß ist wirklich noch krasser. wieso eigentlich säcke? waren druckflaschen ebenfalls so mangelware, daß man auf diese extrem unsichere methode setzten musste?

  4. #4 DasKleineTeilchen
    1. Juni 2015

    ah, ok; die antwort ist natürlich im verlinkten artikel.

  5. #5 Albrecht
    2. Juni 2015

    Da gab es noch den Franzosen Jean Pain, der in Südfrankreich aus Buschwerk riesige Komposthalden baute und die Abwärme zum Heizen von Brauchwasser benutze. Zusätzlich war ein Tank für die Erzeugung von Biogas eingebaut. Dieses Biogas wurde in LKW-Autoschläuchen gelagert.

  6. #6 Raspel
    5. Juni 2015

    Aus welchem unterentwickeltem Land stammen denn diese lustigen Bilder? Ich denke eher, da wird wirklich ein gut verpacktes Sofa transportiert, Gänsefedern oder es handelt sich um einen Aprilscherz.

    In Deutschland hatten wir natürlich auch erheblichste Treibstoffprobleme und deshalb gab es rund eine halbe Million Autos mit Holzvergaser. Auch noch nach dem Krieg waren diese Fahrzeuge in Betrieb.

    Man hat sogar Panzer mit Holzvergasern ausgerüstet. Busse und Lastwagen sowieso und natürlich auch ganz “normale” PKWs. Die Holzvergasertechnik war ziemlich ausgereift. An den Tankstellen konnte man säckeweise sich Holz kaufen, welches eine ungefähr Streichholzschachtelgroße Stückelung hatte. Notfalls hat man sich auch mal einen Baum umlegen können, wenn man es nicht mehr bis zur Tankstelle geschafft hat :)

    Hier die Imbert Holzgasanlage und einige Fahrzeuge:
    http://www.nazigassings.com/images/imbertholzgas.jpg

    Auch Steinkohlevergaser waren gebräuchlich:
    http://www.nazigassings.com/images/hitlersurveying.jpg
    http://www.nazigassings.com/images/hitlerdiscussing.jpg

    Bus mit Holzvergaser:
    http://www.nazigassings.com/images/Image260.gif
    http://www.nazigassings.com/images/Image255.gif
    http://www.nazigassings.com/images/Image256.gif
    http://www.nazigassings.com/images/Image254.gif
    http://www.nazigassings.com/images/austrianbus2.jpg
    http://www.nazigassings.com/images/producergas.jpg

    Sicherheitstechnische Richtlinien. Nicht jeder durfte mit
    Holzvergaserfahrzeugen fahren.
    http://www.nazigassings.com/images/SafGreducedfweb2.jpg
    http://www.nazigassings.com/images/ProducerGasSTARTUP-34.JPG
    http://www.nazigassings.com/images/ProducerGasSTARTUP-56.JPG

    • #7 wasgeht
      5. Juni 2015

      Das unterentwickelte Land ist Holland.