http://einestages.spiegel.de/page/Home.html ist das Geschichtsportal von SPIEGEL online. Hier soll Zeitgeschichte nicht nur gelesen, sondern vor allem auch selbst geschrieben werden.

Von Christine Stadler (Universität Heidelberg)

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Screen vom 1. November 2010.

Die Website einestages ist die Geschichtsseite des Spiegels. Die Idee dahinter ist, dass die Nutzer ihre eigenen Erfahrungen mit der Geschichte untereinander austauschen können, unabhängig davon, ob sie selbst Zeitzeugen sind oder ob sie die historischen Ereignisse durch Erzählungen bzw. Aufzeichnungen ihrer Eltern oder Großeltern mitbekommen haben. Aus diesem Grund befasst sich die Homepage nur mit der Zeitgeschichte, worunter vor allem das 20. Jahrhundert fällt.


Großes Potenzial

Bei der Umsetzung der Idee kommt der Redaktion von einestages die schwierige Aufgabe zu, Kommentare zu einzelnen Zeitzeugenberichten und Artikeln zuzulassen, um das Prinzip des Austausches aufrecht zu erhalten, aber gleichzeitig zu intervenieren, wenn propagandistische Nachrichten dieses Forum für ihre Zwecke missbrauchen wollen. Dieser Gratwanderung muss die Redaktion gerecht werden, um die Ziele der Seite umsetzen zu können, wobei das Potenzial, das einestages in Zukunft erreichen könnte, enorm ist, da es meiner Ansicht nach zu einem Wikipedia der Zeitgeschichte werden könnte.

Fundbüro

Die Bedienung der Seite ist recht einfach, auch wenn die einzelnen Rubriken – Home, Themen, Zeitzeugen und Fundbüro – zunächst wie Überschneidungen und nicht wie eigenständige Bereiche erscheinen. So ist das Fundbüro, obwohl es sich dem Leser nicht anhand der Überschrift erschließen mag, die Kategorie, in der die Nutzer historische Fotos posten können, über die sie mehr erfahren möchten, etwa weil sich Verwandte darauf befinden oder es sich ihrer Meinung nach um geschichtliche Ereignisse handelt, die sie näher erkunden wollen. Sehr übersichtlich und einfach verständlich ist aber die Hilfefunktion, die dem Leser die einzelnen Rubriken näher erklärt; auch die Suchfunktion ist äußerst hilfreich.

Relevante und weniger interessante Themen

Der Inhalt der Website ist gemischt: Auf der einen Seite finden sich wirklich gute Artikel zu historisch interessanten und relevanten Themen, aber es gibt auch Texte, die für die meisten Menschen unbedeutend sind wie beispielsweise einen Artikel über die Trennung von „take that” in den 1990er-Jahren. Doch einestages möchte nicht den Anspruch erheben, zu entscheiden, welche Themen relevant sind und welche nicht. In ihrer eigenen Beschreibung geben sie an, dass „nicht nur Krieg, Vertreibung, Trümmerfrauen, RAF und die Wiedervereinigung”, sondern auch „die Tapeten der siebziger Jahre, Michael Schumachers erste Fahrversuche oder das Musikphänomen Tokio Hotel” spannende Themen sein können. Sollte die Seite wirklich einmal die Größe Wikipedias annehmen, dürften solche Artikel natürlich nicht fehlen, allerdings sind sie im Moment, da die Homepage sich gerade noch im Aufbau befindet, wohl doch eher zu vernachlässigen. Genau dies ist auch die große Schwachstelle von einestages, weil die Seite sich noch im Aufbau bzw. am Anfang befindet werden viele Artikel noch von SPIEGEL-Autoren geschrieben, was der Idee von einestages ja widerspricht. Ein weiterer Nachteil ist meiner Ansicht nach, dass die Namen – teilweise auch mit Bild, Wohnort und ungefährem Alter – der Autoren (also der Nutzer) öffentlich zugänglich sind. Natürlich ist jeder selbst verantwortlich, welche Daten er von sich preisgibt, aber es wäre eventuell besser, um eine breitere Öffentlichkeit zum Mitwirken zu bewegen, wenn die Daten der Redaktion zwar vorliegen, um damit vielleicht die Validität der Aussagen zu überprüfen, diese aber nicht online zugänglich gemacht werden.

Fazit

Die Vorteile von einestages hingegen liegen klar auf der Hand: Eine Plattform für Zeitzeugen, die ihre Geschichten erzählen, so dass möglichst jeder die Möglichkeit besitzt, die historischen Erzählungen mit zu verfolgen und vor allem zu ergänzen, zu hinterfragen und so zu erkunden. Einestages wird deshalb meiner Ansicht nach in Zukunft eine Website mit sehr großer Bedeutung sein, wenn es einestages eine größere Menge an Nutzern aufweisen kann.

(Redaktion: Christian Jung)

Kommentare (1)

  1. #1 Philipp Spreckels
    November 1, 2010

    Die Frage ist doch, ob sich Einestages inhaltlich/qualitativ überhaupt so weit öffnen will – müssen die Artikel doch immer noch gut genug sein, um auf SpOn gefeatured zu werden.

    Hinzu kommt, dass sich Einestages durch die Dominanz der redaktionellen Bearbeitung natürlich nicht allzu sehr von SpOn entfernen will/kann. Das sieht man sehr schön an der Artikelkampagne von Spiegel zum 20. Jahrestag des Mauerfalls – da ändert sich an der geschichtlichen Darstellung/Dramaturgie relativ wenig, egal ob man das Magazin liest, bei SpOn herumsurft oder sich eben einen Artikel von Einestages anschaut.

    Nichtsdestotrotz ist und bleibt Einestages ein interessantes Projekt, dass seit 2007 stark gewachsen ist. Mal schauen wie es in 3 Jahren da steht.