Am witzigsten ist Wissenschaft, wenn sie hochgradig systematisch vorgeht, Unmengen an Daten verarbeitet und nachher Ergebnisse liefert, die so kurios sind, dass sie Stoff für die wildesten Spekulationen liefert.
So geschehen bei der jüngsten dänischen Studie zum Thema Prostatakrebs. Anhand von Daten für die gesamte dänische männliche Bevölkerung (geboren im Zeitraum von 1936 bis 1988 also 51,5 Millionen, darunter 3600 Erkrankungen) wurde versucht herauszufinden, wer ein Risikokandidat ist.

Bereits zuvor hatte es Spekulationen gegeben, dass Kinderlosigkeit und ein niedriges Prostatakrebsrisiko zusammenhängen – obwohl die jeweiligen Ursachen sehr vielfältig sein können.
Wenn ein Mann keine Kinder hat, kann das daran liegen, dass er unfruchtbar ist oder dass seine Partnerin unfruchtbar ist oder weil er sich bewusst gegen Kinder entschieden hat oder weil er zu schüchtern ist …
Trotz dieser vielfältigen Gründe konnten Jørgensen und seine Mitarbeiter statistisch korrekt nachweisen, dass kinderlose Männer ein um 16 Prozent geringeres Risiko für Prostatakrebs haben. Das höchste Risiko die Erkrankung zu erleiden, haben ihren Zahlen zufolge Väter von ein oder zwei Kindern.
Also Nachrichtenmacher wie Frank Schirrmacher, die gerne über Großfamilien schreiben aber nur minimale eigene Erfahrungen einbringen (1-Kind-Familie).
Wenn die Männer jedoch immer mehr Kinder zeugen (z. B. der Heiko von Ursula von der Leyen) senken sie mit jedem zusätzlich gezeugtem Kind ihr Prostatakrebsrisiko und nähern sich in Bezug auf das Krankheitsrisiko wieder der kinderlosen Gruppe an.
Und jetzt das Schönste: die Erklärungen für die Ereignisse in der Unterhose:
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Bei Männern, die durch Zeugungsunfähigkeit kinderlos geblieben sind, spekuliert man, dass diese vielleicht einen genetisch bedingten niedrigen Testosteron-Gehalt besitzen und dadurch vor der Erkrankung geschützt sind.
Bei Männern wie Heiko von der Leyen, vermutet man hingegen, dass diese Männer eine besondere Vitalität besitzen, die sie vor der Krankheit schützt. Dabei soll diese Fitness zum Teil genetisch bedingt sein, aber zusätzlich durch den anspruchsvollen Alltag mit vielen fordernden Kindern zustande kommen.

Zuletzt noch die Erklärung für Hochrisiko-Väter wie Frank. Bei diesen vermutet man das „dicker Vater“-Problem. Also den Kerl, der zu viel auf dem Sofa sitzt. Er soll hochgradig mit seiner kleinen Familie zufrieden sein und dabei langsam dick werden. Dies soll seiner Gesundheit schaden und dem Prostatakrebs Tür und Tor öffnen.

Ob diese Theorien tatsächlich zutreffen, müssen weitere Untersuchungen klären. Aber sie zeigen auf jeden Fall, wie witzig (saubere) Wissenschaft sein kann.

Kommentare (2)

  1. #1 Stefan Jacobasch
    Januar 8, 2008

    Oder um es in vier Worten zu sagen: Genaues weiß man nicht. Schönes Beispiel für die Nutzlosigkeit von Statistiken!

    In Deutschland sollen rund 3 Prozent aller Männer an Prostatakrebs erkranken. Damit hab ich statistisch schon mal gute Chancen, nicht erwischt zu werden. Ob das Restrisiko dann noch einmal 16 Prozent höher oder niedriger liegt, spielt für mich als Individuum doch keine Rolle mehr, oder?

  2. #2 corax
    Januar 8, 2008

    Ja und die sinkende Zahl von Piraten ist der Grund der Erderwärmung und der Rückgang der Störche der Grund für die niedrigere Geburtenrate in Deutschland.
    Und 51,72% aller Statistiken sind eh falsch.