Dies ist keine Katze

Seit mehr als einem Jahrzehnt kommt in den (Internet)Medien und der Öffentlichkeit immer wieder das Thema Leukämie und Atomkraftwerke auf. Als Strahlenphysikerin mit frisch ausgebrochener Leukämie, die sich in ihrem Blog immer mal wieder gerne solche Themen zur Brust nimmt, möchte ich mich jetzt auch mal Kopf voran in den Themenkomplex stürzen und meine subjektive, professionelle Meinung dazu aufs digitale Papier bringen.

Meine Mutter ist passionierte Atomkraftgegnerin und ich bin in einem Haushalt aufgewachsen, in dem die Greenpeace-Zeitung immer auf dem Küchentisch lag. Darüber hinaus habe ich im Kinderwagen mit Anti-Atomkraftfahne an diversen Demonstrationen teilgenommen, bis ich irgendwann zu alt dafür war, in der Öffentlichkeit mit meinen Eltern gesehen zu werden (muss irgendwann um die Pubertät herum gewesen sein). Als ich dann Physik studiert habe und durchaus wieder in der Öffentlichkeit mit meinen Eltern fraternisieren konnte, hat sich meine Einstellung zu Strahlung etc. durchaus geändert (bzw. erst wirklich fundiert entwickelt), so dass ich heute zu den ganzen Atomkraftwerks-Geschichten mitsamt Atomausstieg eher eine komplexere Einstellung habe, die sich nicht in einem Satz beschreiben lässt. Dennoch habe ich immer noch eine gute Meinung von Greenpeace, weil diese trotz der persönlichen und politisch klaren Agenda, die sie bedienen, in der Regel (vor allem in meinem Feld) wissenschaftlich korrekt arbeiten und eben nur die objektiven Daten maximalst in ihrem Sinne interpretieren anstatt sie zu manipulieren oder selektieren, wie dies andere Organisationen (auf beiden Seiten) mit entsprechenden politischen Absichten durchaus tun.

Garching_01

Das hier ist KEIN Atokraftwerk, sondern der alte Forschungsreaktor in Garching, der seit Jahrzehnten abgeschaltet ist. Das berümte Atomei, das es auch ins Garchinger Wappen geschafft hat. Heutzutage sieht nahezu kein AKW mehr so aus, aber trotzdem haben viele Leute immer noch diese “Beton-Kuppeln” im Kopf, wenn sie an KKWs denken.

Das Wappen von Garching bei München mit dem Atomei. Quelle: Wikipedia.

Daher fange ich meinen Flirt mit dem Thema bei dem Artikel von Greenpeace zu dem Sachverhalt an, quasi als Extremposition und werde mich von da an in den Themenekomplex hereinstürzen. Damit möchte ich Greenpeace explizit nicht angreifen, sondern im Gegensatz sogar als extremsten Artikel einer Seite würdigen, der noch vollständig meine Ansprüche an eine wissenschaftliche und objektive Basis erfüllt. Dass ich mit den gleichen Voraussetzungen auf eine durchaus unterschiedliche Schlussfolgerung komme, wird ja dann in den kommenden Zeilen klar werden.

Aber jetzt endlich ml zu dem vielbeschworenen Artikel, ganz konkret dem hier: ”Leukämierisiko AKW – das ungelöste Rätsel”. Dieser eröffnet direkt im Sub-Titel, dass Studien gezeigt haben, dass das Leukämierisiko speziell für Kinder zwar erhöht ist, aber eingestanden wird: “Die genaue Ursache für die Erkrankungen liegt im Dunkeln. Die Expertenmeinungen gehen auseinander. Die einen schließen Strahlung als Ursache vehement aus, andere halten diesen Ausschluss für falsch.”

Gerade dieses Eingeständnis rechne ich dem Artikel hoch an, denn auch wenn die besorgte Mutter diese Zeilen interpretieren wird als: “Die einen  Experten sagen dies, die anderen das, also kann ich glauben, was ich will und damit mein confirmation bias bestätigen”, sagt ja gerade der letzte Abschnitt: “Es gibt keine Bestätigung für einen kausalen Zusammenhang, bestenfalls die Tatsache, dass ein kausaler Zusammenhang (noch) nicht ausgeschlossen werden kann.” Das Argument, dass ein kausaler Zusammenhang NICHT ausgeschlossen werden kann, ist allerdings eine sehr schwache Aussage und ja annähernd für alle solche Studien der Fall. Da müsste die Datenlage schon extrem gut und eindeutig sein, um mit einer hohen Warscheinlichkeit einen kausalen Zusammenhang wirklich und wahrhaftig von der Hand zu weisen.

Sprich unter dem Strich haben wir ein Lagebild, was zwar eine eindeutige Tendenz hat (warscheinlich keine Korrelation Leukämie/Atomkraft), aber nicht absolut eindeutig ist (ein Zusammenhang kann nicht 100% ausgeschlossen werden und sollte weiter untersucht werden). Das öffnet dann selbstverständlich Tür und Tor für Experten, Hobbyisten und Marktschreier, die ihre sowieso schon vorgefestigten Meinungen jetzt möglichst publikumswirksam unters Volk bringen wollen. Dem möchte ich mich natürlich nicht anschließen, da ich mich ausdrücklich keiner der Seiten zugehörig fühle und in meiner Funktion, die ich mit diesem Blog erfüllen will, einen gewissen Anspruch an Objektivität habe.

Trotzdem, oder gerade deshalb, kann ich aber noch mal die Extremposition von Greenpeace aufgreifen, die am Ende des Artikels, nach dem Zitieren von mehreren Studien (denen ich mich in den nächsten Folgen ausdrücklich widmen werde) ihr Worst-Case Szenario aufbauen und dieses damit definieren, dass im allerschlimmsten Fall – wenn sich ihre schlimmsten (wissenschaftlich fundierten Studien-) Meinungen bewahrheiten – das Leukämierisiko um 76% erhöht wäre.

Plakat bei mir zu Hause

AKWs abschalten? Damit die nicht in die Luft fliegen und Belgien und Aachen verstrahlen ist vielleicht ein Argument, aber zumindest nicht wegen der Leukämie. Auf jeden Fall nicht wegen meiner.

Für meine Form der Leukämie würde das ganz konkret heißen, dass im allerschlimmsten Fall mein spezielles Risiko von 1:100.000 auf 2:100.000 steigen würde. Ähnlich sieht es für die vielbeschworenen Kinder in der Nähe von AKWs aus. In meinem Tagebuch habe ich ja schon öfter geschrieben, dasd ich wegen eines doppelt so hohen Risikos für Leukämie nichts und absolut nichts an meinem Leben ändern würde. Zumindest nicht solange, wie ich in einer Welt lebe, in der das Sterberisiko im Straßenverkehr irgendwo bei 1:15.000 liegt. Solange die Investition in einen Fahrradhelm (selbst im schlimmsten Fall) mein Leben um mehr als das 10-fache sicherer macht als die Abschaltung eines Atomkraftwerks … da ist die Sache eigentlich ziemlich klar. Selbst mit der absolut extremsten Position, die noch irgendwie wissenschaftlich vertretbar ist.

Im nächsten Teil werde ich mir dann mal die einzelnen Studien konkret vornehmen und mich auf die verschiedensten Interpretationen und Gegeninterpretationen (Thema Holzschutz *g*) einlassen und mich damit beschäftigen, wie sehr denn einzelnen Studien für bestimmte politische Zwecke eingesetzt und (über)interpretiert werden. Dazu dann mehr in: Die Sache mit der Leukämie und den Atomkraftwerken – Teil 2 – Die Kontrahenten.

Kommentare (36)

  1. #1 Joseph Kuhn
    18. Juni 2018

    Die Leser/innen harren gespannt den Dingen 😉

  2. #2 Mars
    18. Juni 2018

    ja, tun wir …

    ein gutes thema, und gut vorgebracht.
    die häufung von erkrankungen im breich der KKWs, aber auch weiter gedacht im bereich von hochspannungsleitungen und -verteilern ist interessant
    denn es könnte den blick von der atomaren strahlung hin zu den elektrischen feldern führen.
    aber ich habe da derzeit zu wenig einblick … evt hast du da noch was in deinem fundus (aus kindertagen)

  3. #3 René
    18. Juni 2018

    Das Katzenfoto ist doch purer Clickbait! ;o)

  4. #4 Tobias Cronert
    18. Juni 2018

    Dafür gibtes doch den Artikel mit der Reaktorkatze von Garching … als als Clickbait 😉
    https://scienceblogs.de/nucular/2017/09/19/die-reaktorkatze-von-garching/

    Mars: Das mit den elektromagnetischen Effekten … also kurz Elektrosmog schiebe ich seit Jahren vor mir her und traue mich nicht dran. Das Thema ist sehr komplex, viel, viel Arbeit und extrem undankbar. Da stecken noch mehr persönliche Meinugn mit drin und es ist teilweise noch emotionaler, als Radioaktivität. Es steht immer noch sehr prominent auf meiner Liste, … aber tempus funghi und so

  5. #5 roel
    18. Juni 2018

    @Tobias Cronert Beeindruckend, wie neutral du dieses Thema angehst. Das muss mal gesagt werden. Greenpeace, Atomkraft, Leukämie .. da ist schon viel Sprengstoff drin.

    “elektromagnetischen Effekten” Die interessieren mich besonders. Beim Training mit Herzfrequenzmesser habe ich einen Einfluß von Stromleitungen auf die Messung beobachtet. Die Werte sprangen willkürlich hin und her. Und ich denke, wenn ein Gerät durch Stromleitungen gestört werden kann, wie sieht es dann mit Lebewesen aus.

  6. #6 René
    18. Juni 2018

    Ursprünglich hergelockt vom Katzenfoto bin ich nun aber doch ganz ungeduldig, die Fortsetzung der Serie zu lesen! O.O

  7. #7 knorke
    18. Juni 2018

    Ich glaub Greenpeace ist einfach gegen Atomkraft weil Atome ja böse sind und ihnen jedes Argument gerade Recht kommt.
    Das Hauptroblem ist das der ungeklärten Endlagerung und Strahlung bis sankt Nimmerlein, wo unsere Urururenkel uns noch am liebsten für auf den Mond jagen werden. Ein schönes Ei das wir nachfolgenden Generationen ins Nest legen. Vor allem, weil es trotzdem nichtmal verhindert, dass unsere Nachfahren Gletscher nur noch ausm Bildberuch kennen werden und Hamburg Tauchparadies wird…
    Die werden sich jedenfalls fragen, ob wir überhaupt irgendwas geschissen gekriegt haben.

  8. #8 Omnivor
    Am 'Nordpol' von NRW
    18. Juni 2018

    Ich hoffe, die Stadtmütter von Garching schreiben bei ihrem Wappen immer dabei, dass es sich nicht um eine Moschee handelt – bevor jemand bei der A.. oder der P.. einen Herzkasper wegen der heimlichen Islamisierung kriegt.

  9. #9 gedankenknick
    18. Juni 2018

    @Omivor
    Für die Moschee fehlen die Minarette. Könnte im Wappen auch das “Weiße Haus” sein – man sollte Herrn Trump mal einladen zur Besichtigung mit dem Hinweis, er regiert seit 1 1/2 Jahren in der falschen Residenz! 😛

  10. #10 Jonas Schimke
    18. Juni 2018

    @knorke,

    Vor allem, weil es trotzdem nichtmal verhindert, dass unsere Nachfahren Gletscher nur noch ausm Bilderbuch kennen werden und Hamburg Tauchparadies wird…

    Man kann natürlich auch argumentieren, dass die Gefahr einer Klimakatastrophe wegen des Ausbaus der Atomenergie größer geworden ist, denn schließlich sind etliche Hundert Milliarden in diesen Bereich geflossen und in Zukunft weitere astronomisch hohe Summen in Abriss und Abfalllagerung werden aufgewendet werden müssen, alles in allem also ein gewaltiges Verlustgeschäft.

    Hätte man für die Entwicklung der Erneuerbaren Energien einen vergleichbaren Aufwand getrieben, wäre das Klimaproblem heute möglicherweise keines mehr.

    Wenn man sich einmal klar macht, dass Atomkraft heute nur rund 10% des weltweit erzeugten Stromes (Tendenz weiter sinkend) liefert und damit nur rund 2% des Gesamternergieaufkommens, erkennt man, dass Atomkraft und Klimaschutz nie in einem direkten Zusammenhang gestanden haben, trotz gegenteiliger Behauptungen der Atomkraftlobby.

  11. #11 knorke
    18. Juni 2018

    @10 Jonas Schminke
    So kann man das natürlich auch sehen. Zur Verteidigung kann man aber zumindest sagen, dass die Atom-Subventionen zu einer Zeit gemacht wurden, wo CO2 und Klimawandel noch nicht so en vogue waren.

  12. #12 Tobias Cronert
    18. Juni 2018

    @Knorke: Die Sache Atom = Böse kommt in Deutschland ja vor allem aus den Nachwirkungen von Tschernobyl und der resultierenden grünen Welle, die sich eben sehr an der Atomkraft aufgehangen hat. Die habe ich damals voll in meinem Kinderwagen mitbekommen und wir Strahlenphysiker leiden immer noch an einer speziell deutschen “Strahlenskepsis”, auch wenn es um Krebsbehandlungen und die ganzen Guten Dinge geht, die man mit Strahlen so tun kann.

    Was Energiepolitik angeht werde ich auch in den zukünftigen rtikeln hier zu dem Thema immer nur kurz darauf eingehen können, weil es eben auch ein sehr komplexes Thema ist. Aber gerade die Tatsache, dass es in Detuschland seit 1986 kein neues Kraftwerk mehr gegeben hat und die Weiterentwicklung a(nächste Generation AKWS) aktiv von den Atomlobbiiesten torpediert worden ist, ist halt auch noch mal mindestens einen eigenen Artikel wert.

    Ich hoffe, dass der Aotmausstieg, der jetzt in den letzten zügen liegt da in Deutshcland so viel Druck aus dem System nimmt, dss man da in naher zukunft mal sachlich(er) drüber reden kann.

  13. #13 Laie
    18. Juni 2018

    Atomkraft durch Kernfusion aus den leichteren Elementen wäre ein enormer Fortschritt, da dadurch kein gefährliches Plutonium mehr anfällt, auf das eh keiner Millionen von Jahren aufpassen kann (aber müsste, weil zuviel schon da ist und es die Halbwärtszeit viel zu lang ist, um haltbare und somit bezahlbare Zwischenlager zu bauen).

  14. #14 Alderamin
    18. Juni 2018

    @Tobias

    Die Sache Atom = Böse kommt in Deutschland ja vor allem aus den Nachwirkungen von Tschernobyl und der resultierenden grünen Welle, die sich eben sehr an der Atomkraft aufgehangen hat.

    Nö, das war vorher schon so. Bei Tschernobyl war ich schon im Grundstudium; die “Atomkraft nein Danke”-Sticker pappten aber schon in der Mittelstufe, Ende der 70er, überall rum. Den einen oder anderen Störfall (Harrisburg) hatte es schon vorher gegeben. Der Film “Das China-Syndrom” stammt aus 1979. Tschernobyl war dann nur der “haben wir Euch doch immer schon gesagt”-Moment.

    Für mich war’s aber erst Fukushima. Bis dahin hatte ich gedacht, man könne die Reaktoren, denen eigentlich nur der Strom durch den Tsunami ausgefallen war, problemlos herunterfahren, und dann flogen die der Reihe nach in die Luft, ohne dass jemand was dagegen tun konnte. Hätte ich mir zuvor nicht vorstellen können, in einem Hochtechnologieland wie Japan. Seitdem bin auch kein Freund mehr von dieser Technik. Von Kohle schon gar nicht. Ich setze auf Gas und später Fusion, neben dezentraler Versorgung mit Wind, Solar und Wasser, und ein europäisches Verbundnetz – irgendwo scheint immer die Sonne oder weht genug Wind.

  15. #15 Jonas Schimke
    18. Juni 2018

    @Laie,

    Atomkraft durch Kernfusion aus den leichteren Elementen wäre ein enormer Fortschritt

    Du glaubst wohl auch an den Weihnachtsmann.
    Fusionstechnik war von Anfang an ein totgeborenes Kind. Seit gut 60 Jahren forscht man dran und seitdem hieß es immer lapidar: “in 40 Jahren bauen wir den ersten kommerziellen Reaktor.” Der kam 2000 nicht und heute ist man auch nicht weiter, als dass man sagen kann: “In 40 Jahren bauen wir den ersten kommerziellen Reaktor.” Das wird in 40 Jahren wahrscheinlich dann genau so lauten.

    Aber selbst wenn es dermaleinst wider Erwarten gelingen sollte, tatsächlich einen Fusionsreaktor zu bauen, der mehr als ein paar wenige Stunden lang unterbrechungsfrei Strom liefern kann, ist heute eines schon so gut wie sicher: der Strom daraus würde so teuer sein, dass es NIEMALS einen kommerziellen Reaktor geben wird.

  16. #16 Tobias Cronert
    18. Juni 2018

    Meine Familie ist da quasi erst mit Tschernobyl eingestiegen. Da bin ich wohl vorbelastet *g*

    So technologieliebend ich auch bin, so sehr muss ich eingestehen, dass die Fusionskraft trotz der Fortschrite, die immer noch passieren doch immer, immer, immer nochnicht aus dem Puschen kommt. Das hat viele Gründe, die in der allgemeinheit es aber leider nicht besser machen, vor allem bei einer so wichtigen Technologie.

    Darüber hinaus gäbe es noch die nächste Generation an Kernkraftwerken … zumindest theoretisch. Generation , also Flüssigsalzreaktoren würden viele Probleme lösen und neue Optionen schaffen. Aber ob die jemals kommen werden ???

  17. #17 zimtspinne
    18. Juni 2018

    Aus Rebellionsgründen hast du aber nicht diese Richtung gewählt? 😀
    Ich bin -zuerstmal ziemlich unvorbelastet, das Thema war nicht wirklich Thema in der Kindheit- dann leicht in die “Gegen”-Richtung geschwenkt, bis ich dann sehr viel über das Thema aus einem ganz anderen Blickwinkel erfuhr und meine Meinung sich nochmal leicht drehte.
    Ein sehr wichtiger Mensch kam sozusagen aus dem Bereich Nuke, war auf einem SUB (nuclear submarine) im Einsatz, was eine vollkommen faszinierende weil vollkommen andersartige Welt für mich war (und ich liebe Abenteuer, auch wenn sie einen durchaus ernsteren Hintergrund haben).
    Mir kommt daher deine Begeisterung für diesen “Krams” auch sehr bekannt vor. Wahrscheinlich fing ich auch nur deshalb hier an zu lesen…. ich wollte wissen, wie du damit umgehst, Teil eines eher ungeliebten Feldes zu sein und wie du selbst das alles siehst. Obgleich man das natürlich keinesfalls gleichsetzen kann, du bist natürlich auf der hellen Seite und nicht auf der dunklen Seite der Macht, um es mal so auszudrücken.

  18. #18 Jonas Schimke
    18. Juni 2018

    @Tobias Cronert,

    also Flüssigsalzreaktoren würden viele Probleme lösen

    Die bisherigen Erfahrungen sprechen eher dafür, dass it jedem “gelösten” Problem drei neue entdeckt werden.

    Reaktorkonzepte der IV. Generation geistern schon viele Jahre durch die Gegend, nur von Realisierungen hat man bisher nichts gehört. Ist wohl auch besser so.

    Derweil werden die Erneuerbaren von Tag zu Tag günstiger.

  19. #19 tomtoo
    18. Juni 2018

    Endlich kann man sich mal entspannt über dieses Thema unterhalten. Nein ich möchte es nicht, mich für die nächsten 100xxx Jahre aus meiner Heimat verabschieden zu müssen wegen einem Reaktorunfall. Das mag altbacken klingen, aber ich hab halt nun mal meine Heimat gern. Ich mag hier leben, meine Bros leben hier.

  20. #20 zimtspinne
    19. Juni 2018

    tomtoo,
    die Wahrscheinlichkeit, dass du in einem Autounfall dahingerafft wirst (gerne auch Alkohol im Spiel) ist um ein Unendliches größer, trotzdem kettest du dich nirgendwo an, um für ein 0 Promille-Gesetz einzutreten oder für sicherere Autos (Elektroautos zB).

    Das ist ne ziemlich verquere Doppelmoral oder besser gesagt auch eine Selbsttäuschung.

    So wie viele irrationale Flugangst haben, sich aber täglich ins Straßenverkehrsgetümmel begeben und wahrscheinlich dabei auch schon oft Unfälle bzw deren Folgen (auf der Straße liegende Tote/Verletzte) mitansehen konnten.

  21. #21 knorke
    19. Juni 2018

    @14 Alderamin
    Na musst Du aber noc lange warten, bis ein Energiemix mit Fuionsanteil Realität ist (wenns das überhaut mal wird). Die Frage ist, wie man die 60 Jahre bis dahin überbrückt, wenn man gegen Kohle und Atomkraft ist.

    Das kannst Du im nationalen alleingang vergessen, selbst als EU ist das ein kaum zu bewerkstelligendes Projekt (selbst wenn alle an einem Strang ziehen). nicht zu vergessen, der deutsche Bildungsbürger, der einerseits “Atomstrom nein danke” Fahnen im Garten aufstellt, Ökotrom bezieht und zugleich in Bürgerinitiativen die Windräder im eigenen Sichtfeld blockiert. Wir können natürlich die Sahara, Südspanien und das ganze unterentwickelte Süditalien mit Solaranlagen zupflastern, aber jegliche Initiativen in diese Richtung bisher verliefen ja auch, euphemistisch gesagt, verhalten…

  22. #22 Jonas Schimke
    19. Juni 2018

    @zimtspinne,

    Dein Vergleich hinkt etwas. Wenn ich mich ins Auto setze, gehe ich ein individuelles Risiko ein, das ich auch zu einem gewissen Prozentsatz durch meine eigene Fahrweise minimieren kann.

    Aber im dicht besiedelten Mitteleuropa gibt es keinen Fleck, der nicht potentiell von einer Atomkatastrophe betroffen werden könnte. Um dem Atomrisiko zu entgehen, müsste man also schon nach Australien oder Neuseeland auswandern.

    Atomkraft ist auch deshalb unverantwortlich, weil durch einen Störfall nicht nur die aktuell lebende Generation betroffen wäre, sondern auch x Generationen in der Zukunft durch die strahlenbedingten Schäden am Erbgut.

    Atomenergie wurde einmal als Alternative verkauft, wenn Kohle, Öl und Gas zu Ende gehen, aber wie man leicht zeigen kann, hätte sie nie eine solche werden können. Trotz massivster finanzieller Förderung führte sie immer nur ein Schattendasein.

  23. #23 zimtspinne
    19. Juni 2018

    Dein Vergleich hinkt etwas. Wenn ich mich ins Auto setze, gehe ich ein individuelles Risiko ein, das ich auch zu einem gewissen Prozentsatz durch meine eigene Fahrweise minimieren kann.

    Mag sein, aber genauso bist du dem willkürlichen Verhalten + Entscheidungen anderer Autofahrer ausgeliefert, ohne dass du dies beeinflussen kannst.

    Als Fußgänger und Radfahrer bist du sogar noch gefährdeter, sollte es mal knallen, allerdings kannst du dort auch bisweilen (nicht immer!) dem riskanten Fahrverhalten anderer besser ausweichen.
    Wenn dich aber so ein promilleschwangerer Typ aufgabelt, obwohl du dich verkehrsgerecht verhältst, kannst du gar nix machen und hast keinerlei Einfluss auf diese Fremdbestimmung.

    Im dicht besiedelten Mitteleuropa gibt es keinen Fleck, der nicht potentiell von rasenden, unaufmerksamen, alkoholisierten etc. Autofahrern betroffen sein könnte. Um dem Verkehrsrisiko zu entgehen, müsste man also schon nach Australien oder Neuseeland auswandern. 😉

    Ich habe aber auch noch eine Datensammlung zum Thema Todesfälle pro Terawattstunde für verschiedene Energieformen vorrätig, muss aber dazu erstmal auf die Suche in meienr Leseliste gehen. Bitte etwas Geduld.

  24. #24 Jonas Schimke
    19. Juni 2018

    @zimtspinne,

    Ich habe aber auch noch eine Datensammlung zum Thema Todesfälle pro Terawattstunde für verschiedene Energieformen vorrätig

    Die Suche kannst Du Dir schenken, denn die Zahlen sind wenig belastbar, weil z. B. die Todesfälle und Erbschäden als Folge des Uranerzabbaus nicht annähernd genau erfasst werden können. Auch für Tschernobyl sind die Zahlen höchst umstritten, sie schwanken zwischen kleiner 100 und größer 100.000!
    Und es bleibt immer noch die Gefahr einer zukünftigen Katastrophe, die wegen der Überalterung des Kraftwerksparks von Tag zu Tag größer wird.
    Schau Dir hier mal die Altersstruktur aller AKWs weltweit an und sage mir dann, ob Du einen größeren Störfall in den nächsten 20 Jahren ausschließen kannst.

  25. #25 Alderamin
    19. Juni 2018

    @Tobias

    So technologieliebend ich auch bin, so sehr muss ich eingestehen, dass die Fusionskraft trotz der Fortschrite, die immer noch passieren doch immer, immer, immer nochnicht aus dem Puschen kommt. Das hat viele Gründe, die in der allgemeinheit es aber leider nicht besser machen, vor allem bei einer so wichtigen Technologie.

    In letzter Zeit wurden ziemlich große Fortschritte gemacht und man weiß prinzipiell, wie Fusion funktioniert, der ITER wird funktionieren. Dass es so lange dauert hat ähnliche Gründe, aus denen andere Bauvorhaben so lange dauern (Elbphilharmonie, BER, Stuttgart 21). Kostenplanung ist schwierig, weil man so eine Anlage noch nie gebaut hat, es sind zu viele Partner beteiligt und ein Großvorhaben rennt auch immer wieder in technische Herausforderungen. Von der Physik her weiß man aber, was zu tun ist. Mit ITER, wenn er dann fertig ist, wird man zwei Jahrzehnte herumexperimentieren, bevor der Nachfolger DEMO gebaut wird. Und danach kommen erst kommerzielle Fusionsreaktoren. Sicher dauert das 40-60 Jahre. Aber die Menschheit braucht auch Energielösungen für die kommenden Jahrhunderte. Mit mehr Elan würde es wohl auch schneller gehen. ITER kostet 20% der ISS. So sehr ich für Raumfahrt bin – die Prioritäten werden manchmal seltsam gesetzt.

    @knorke

    Na musst Du aber noch lange warten, bis ein Energiemix mit Fuionsanteil Realität ist (wenns das überhaut mal wird). Die Frage ist, wie man die 60 Jahre bis dahin überbrückt, wenn man gegen Kohle und Atomkraft ist.

    Mit Gas. Immer noch besser als Kohle. Betrifft ja auch nur die Zeiten, wo regenerativ nicht genug verfügbar ist. Rein von der mittleren Leistung her gesehen, ist man mit Wind und Sonne ja in der gleichen Größenordnung wie der Gesamtverbrauch, aber eine Woche Inversionswetterlage im Winter und es wird eng (bzw. wäre das heutzutage mit regenerativen Energien nicht überbrückbar). Wenn alle europäischen Länder so viel regenerative Energie aufbauen wie hierzulande und die entsprechenden Leitungskapazitäten vorhanden sind, kann man das wohl europaweit ausmitteln, aber so weit sind wir noch nicht. Zumal der Bedarf zunehmen wird, wenn Kohle und Öl auch aus Verkehr und Industrie verschwinden sollen.

    Das kannst Du im nationalen alleingang vergessen, selbst als EU ist das ein kaum zu bewerkstelligendes Projekt (selbst wenn alle an einem Strang ziehen).

    Fusionsforschung ist ja bereits eine weltweite Kooperation. Das ist aber auch einer der Gründe, warum es so lange dauert. Bauprojekte mit vielen Beteiligten, die alle irgendwie mitverdienen wollen, dauern länger und kosten mehr, als wenn nur wenige Firmen beteiligt wären. Dafür profitieren nachher alle davon. Und wie gesagt, die fünfmal teuere ISS haben NASA, Roscosmos, JAXA und ESA auch gestemmt, in 30 Jahren. Man muss nur wollen.

  26. #26 Jonas Schimke
    19. Juni 2018

    @Alderamin,

    Man muss nur wollen.

    Das allein reicht leider nicht und ich fürchte, die physikalisch-technischen Hürden, die es zu überwinden gilt, sind enorm bis unmöglich zu überwinden. Und selbst, wenn das in fernerer Zukunft gelingen sollte (wenn selbst die Experten mindestens 40 Jahre ansetzen, heißt das doch im Klartext, dass man praktisch noch am Anfang steht und ein Ende nicht überblicken kann), muss dann immer noch die Wirtschaftlichkeit erreicht werden.

    Ich wage die Prognose, dass in 40 Jahren Wind und Sonne so konkurrenzlos preiswert sein werden, dass sie selbst mit angeschlossener Speichertechnologie (z. B. power-to-gas) alle anderen Energieträger preislich unterbieten werden.
    Was man heute mit Erdgas anstellt, kann man in wenigen Jahren ebenso problemlos mit Methan aus Wind und Sonne plus ein bisschen Biogas bewerkstelligen.

  27. #27 roel
    19. Juni 2018

    @zimtspinne “Ich habe aber auch noch eine Datensammlung zum Thema Todesfälle pro Terawattstunde für verschiedene Energieformen vorrätig, muss aber dazu erstmal auf die Suche in meienr Leseliste gehen. Bitte etwas Geduld.”

    Gerne, ich hatte auf PrimaKlima und auf Diax’s Rake mal eine Auflistung gesehen, aber die war meine ich von 2007 (Ursprung war dann doi.org/10.1016/S0140-6736(07)61253-7) . Ich suche gerade nach neueren Daten, da wird aktuell immer noch oft auf die Daten aus 2007 verwiesen. Wäre gut, wenn auch aktuellere Daten zur Verfügung stünden.

  28. #28 Alderamin
    19. Juni 2018

    @Jonas Schimke

    Das allein reicht leider nicht und ich fürchte, die physikalisch-technischen Hürden, die es zu überwinden gilt, sind enorm bis unmöglich zu überwinden.

    Ich empfehle diesen Artikel, der die Technik und Probleme erläutert.

    Fazit: “Die Frage, ob der Bau eines Fusionskraftwerks möglich ist, ist geklärt. Nicht geklärt ist nur, ob und wann der Bau umgesetzt wird.”

    Ich wage die Prognose, dass in 40 Jahren Wind und Sonne so konkurrenzlos preiswert sein werden, dass sie selbst mit angeschlossener Speichertechnologie (z. B. power-to-gas) alle anderen Energieträger preislich unterbieten werden.

    Effizienz Strom-Gas-Strom < 45%. Man muss also sehr große Vorräte/Überkapzitäten anlegen, um längere Flauten zu überstehen.

    Aber lass’ uns den Thread nicht zu einer Grundsatzdiskussion über regenerierbare vs. Fusionsenergie eskalieren. Ich finde es richtig, dass an beidem geforscht wird. Je mehr regenerierbar, desto besser. Mit Fusionsenergie fliegen wir hingegen vielleicht in 100 Jahren in ein paar Monaten quer durch das Sonnensystem. Da gibt es nichts zu regenerieren und Chemie hat zu wenig Wumms.

  29. #29 Karl Mistelberger
    20. Juni 2018

    Heute können es sich viele leisten: 95 % der Aufmerksamkeit Dingen zu widmen die zu 95 % belanglos sind: https://sciencebasedmedicine.org/move/

    Krebspatienten haben kürzere Lebenserwartung und sind krankheitsbedingt in ihren Möglichkeiten eingeschränkt. Das lohnt es sich besonders darüber nachzudenken, was man sich noch antut. Ketogene Diät und Jonas Schimke würden bei mir sicher nicht dazu gehören.

    Steinman’s daughter said that he had joked the previous week with his family about staying alive until the prize announcement. Steinman said: “I know I have got to hold out for that. They don’t give it to you if you have passed away. I got to hold out for that.”

    https://www.spektrum.de/magazin/patient-im-selbstversuch/1157697

  30. #30 Laie
    20. Juni 2018

    @Jonas Schimke
    Die Fusiostechnologie ist, wie Alderamin bereits korrekt ausführte, für die Zukunft (nicht mehr in ihrer Lebensspanne) die richtige Technologie.

    Die Zeit bis dorthin gilt es sinnvoll zu überbrücken, da sind wie er schon ausführte die sog. alternativen Energiequellen, durch Sonne, Wind und Geotherme von nöten.

    Seien sie etwas mehr aufgeschlossen und offen für neues, auch wenn sie es nicht mehr haben werden können.

  31. #31 tomtoo
    20. Juni 2018

    @Zimti
    Natürlich leben wir mit Gefahren. Ob ich in ein Flugzeug einsteige, ist aber immer noch meine Entscheidung. Klar es kann mir auch auf den Kopf fallen. Aber ein AKW kann in Minuten das Leben, und zwar dauerhaft, ganzer Regionen bestimmen. Siehe Fukushima, und das war Glück im Unglück. Der Wind Richtung Land und es hätte übel ausgesehen. Eine Umgefallene Windmühle mag persönlich tragisch sein, ist aber in 14 Tagen weggeräumt. In Fukushima geht es nicht wirklich vorwärts. Nun man könnte sagen wir Deutschen würden das alles viel besser machen. Ich habe da so meine Zweifel. Ein Endlager? Haben wir nicht, siehst du da Fortschritt? Ich nicht.

  32. #32 Jonas Schimke
    20. Juni 2018

    @Laie,

    Die Fusiostechnologie ist, wie Alderamin bereits korrekt ausführte, für die Zukunft (nicht mehr in ihrer Lebensspanne) die richtige Technologie.

    Die Fusionsenergie ist vor allem ein ungedeckter Scheck. Es ist doch albern behaupten zu wollen, DASS sie jemals als zuverlässige Stromquelle funktionieren wird. Ich sagte es bereits einmal: wenn man heute schon davon ausgeht, dass es noch mindestens 40 weitere Jahre dauern wird, bis man weiß, OB es überhaupt funktioniert, dann weiß man so gut wie gar nichts.

    Natürlich müssen die Wissenschaftler, die daran arbeiten, immer mal wieder “Erfolge” melden, sonst würde man ihnen einfach die Gelder streichen. Deshalb sind alle Berichte, die Fortschritte bei der Fusionsforschung behaupten, zunächst mit einer gehörigen Portion Skepsis zu betrachten.

    Mein Hauptargument aber ist und bleibt, dass angesichts der rasanten Verbilligung der Erneuerbaren die Fusionstechnik niemals wirtschaftlich konkurrenzfähig sein kann, weil der enorme technischer Aufwand, der dabei betrieben werden muss, nun einmal nicht umsonst zu haben ist.

  33. #33 zimtspinne
    20. Juni 2018

    Ich merke bisher nichts von rasanter Verbilligung, Jonas Schimke, eher im Gegenteil, steigen meine Stromtarife mit schöner Regelmäßigkeit und Zuverlässigkeit.

    Meine Risikoeinschätzung sieht deshalb auch recht pragmatisch und realitätsnah aus: Die Wahrscheinlichkeit, in den nächsten 50 Jahren an Krebs zu erkranken oder Opfer des Straßenverkehrs zu werden, ist um ein Vielvielvielfaches höher als in meiner Lebenszeit noch eine Atomkatastrophe zu erleben.
    Mir wäre es natürlich auch lieber ohne dieses (wenn auch eher unwahrscheinliche) Zusatzrisiko zu leben, ändert aber nichts an den Fakten.

    Die Angsttreiberei vor Atom-Alles ist ein schönes Beispiel für funktioniere Ideologie, ähnlich Religionen (@ Jonas Schimke).

    Ich meine das auch durchaus rückwirkend, als diese Ideologie Fuß fasste.
    Was hätte es denn die letzten 40, 50 Jahre für Alternativen gegeben? Haben die Linken das überhaupt mal weiter und zu Ende gedacht bei ihren Protesten? Ich glaube eher nicht. Hauptsache, rebellieren. Links und linksextrem halt.
    Die Atomenergie hatte ihre Berechtigung und ihre Zeit, und die war eben jetzt, zufällig genau zu unserer Lebenszeit.
    Es wird bessere Nachfolger geben, die heute evtl auch noch nicht vorstellbar sind.

  34. #34 zimtspinne
    20. Juni 2018

    edit/
    funktionierende

    @ roel

    Ich habe die Seite nun gefunden, ist von 2012. Beim Anschauen der Quellen komme ich aber auch auf ältere Daten, so dass ich einschätze, es handelt sich (leider!) um keine neueren/aktuellen Daten. Sehr schade.

  35. #35 KaterKarli
    Kaltenkirchen
    22. Juni 2018

    @ Jonas Schimke: rasante Verbilligung der Erneuerbaren

    Leider ist das Gegenteil richtig. Die Energiepreise in Deutschland sind international hoch gegenüber z. B. Frankreich. Wer hat den höheren Anteil an “erneuerbaren Energien”? Der Zusammenhang ist an sich trivial. Der Erntefaktor von Kernkraftwerken liegt eben deutlich höher als der von Wind, Biomasse und Solarzellen. Ein niedriger Erntefaktor führt zu höheren Preisen. Wir hatten in den letzten Jahren übrigens Glück, dass die Winter nicht so kalt waren und der Energiebedarf sich in Grenzen hielt. Zur Zeit der kleinen Eiszeit wäre der Ausstieg aus der Kernenergie nicht so glimpflich abgelaufen.
    Ich habe in Kernkraftwerken gearbeitet und auch für Windanlagenbetreiber. Was den Arbeitsschutz angeht, kann der Kernkraft nur die Chemieindustrie das Wasser reichen. In der Windtechnik arbeiten die Monteure unter schlechtesten Bedingungen, die Betreiber sparen an allen Ecken und Enden. Wenn es für die Windanlagen eine ähnlich strenge Meldeverordnung gäbe (in der Kerntechnik ist selbst ein offener Schnürsenkel des Kraftwerksleiters zu melden), wären die alle schon stillgelegt.

  36. #36 till
    23. Juli 2018

    @katerkarli
    Das mit der günstigen Kernenergie ist ein weit verbreiteter Irrtum. Ich habe das mal für Deutschland ausgerechnet wenn man (Stand 2014) alle verbrauchten Kilowattstunden gegen die Subventionen in Kohle und Kernenergie (das sind jeweils ähnliche Größenordnungen) gegenrechnet, und inflationsbereinigt kommt man auf ca. 30 Cent pro kWh das ist deutlich mehr als wir für Erneuerbare zahlen. Der Unterschied ist, das jeder die Kosten für die Erneuerbaren auf der Stromrechnung sieht während die Subventionen für Kernenergie und Kohle irgendwo im Finanzhaushalt verschwinden. Das war ein echter Geniestrich der Lobbyisten (widerlich aber genial), die Kosten für die Subventionierung von erneuerbaren Energien so deutlich sichtbar zu machen. Wohlgemerkt, die 30 Cent sind nur bereits geflossenes Geld, da sind die (noch überhaupt nicht absehbaren) Endlagerkosten noch nicht mit eingerechnet.