Astrologe bzw. Astrologin, das ist ja auch wirklich ein undankbarer Beruf. Man hat nichts G’scheites gelernt im Leben, dann ist einem dieser Astro-Schmöker von der Mitzi-Tant in die Hände gefallen und das Schicksal (!) hat seinen Lauf genommen. Jetzt sitzt man vor seinem Computer mit der neuesten Astro-Software und der spuckt auf Knopfdruck ein buntes Diagramm aus, in das man seine persönlichen Vorurteile projizieren kann. (Das ist der “kreative” Teil an der “Kunst” der Sterndeuterei). Wenn jemand bei der Astro-Hotline anruft, dann klingelt zuhause das Telefon und man stoppelt ein paar küchenpsychologische Weisheiten zusammen, die einem irgendwie plausibel vorkommen. Mit ein wenig Aszendentengeraune und Sonne-in-Opposition-zum-Uranus Geschwafel hört sich das nach tiefsinniger Sinngebung an und hilft das schlechte Gewissen zu lindern, wenn einem klar gemacht wird, dass man gerade im Begriff ist einen hilfesuchenden Esoteriksüchtigen abzuzocken.

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Man geht also im Grunde einer entwürdigenden Tätigkeit nach, und dann verdient man damit nicht einmal anständig. Weil die Markteintrittshürden fehlen und das Angebot und damit die Konkurrenz zahlreich ist, sind die Preise im Keller. Ein Installateur würde für sowas nicht einmal einen Dichtungsring in den Keller werfen. Als ob das nicht schon genug wäre, wird man vom Bildungsbürgertum auch noch wie ein Aussätziger behandelt. Als Beruf “Astrologe” anzugeben beschert einem in akademischen Kreisen ein Ansehen als hätte man sich als überzeugter Tierquäler geoutet. Da bleibt man dann lieber unter sich in den Esokreisen und fühlt sich wie ein kleiner Galilei.


Das Image der Astrologie ist in den oberen Bildungsschichten nun mal
ein katastrophales. Wenn man die Vertreter einer Pseudowissenschaft
ärgern will, dann stellt man sie in eine Reihe mit Astrologen.
(Achtung, Homöopathen können ganz unsanft werden, wenn man das tut!) Astrologen kann man
mit niemandem in eine Reihe stellen, außer mit den Flacherdlern, die es aber meines Wissens nur noch als Hoax gibt. Die Astrologie ist eben DIE Pseudowissenschaft schlechthin.

Das
bringt es mit sich, dass man als hochrangige Persönlichkeit des
öffentlichen Lebens gute Gründe braucht, wenn man an Astrologie auch
nur anzustreifen droht. Das folgende Bild ist zwar klein, bei genauem
Hinsehen erkennt man aber den österreichischen Wissenschaftsminister
Dr. Johannes Hahn
mit einem Buch unterm Arm.

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Bei noch genauerem
Hinsehen erkennt man vielleicht sogar das Buch selbst. Es nennt sich Gesundheitsfaktor SternzeichenAstro-Medizin für den Alltag.

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140.000 Vorsorgeuntersuchungen können nicht täuschen: Der Mediziner Dr.
Christian Temml und die bekannte Astrologin Adelinde Rumpler haben
diese gewaltige Zahl an Patientendaten in Zusammenhang mit den
Sternzeichen gebracht und die Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten
damit für jedermann berechenbar gemacht.

Tatsächlich
hat Minister Hahn Ende März bei der Buchpräsentation eine kleine Rede
gehalten. Das hat ihm den Zorn von Florian Freistetter eingetragen, der
ihn sogar mit der Strickliesl vergleicht – fürwahr ein strenges Urteil!

Aber
warum tut ein Wissenschaftsminister so etwas? Könnte das etwa mit jener
kryptischen Anmerkung zu tun haben, die er im Februar im Hohen Haus
machte?

Ich nehme zur Kenntnis, dass auch einige
Wortmeldungen nicht dazu beitragen konnten, den Unterschied zwischen Astrologie
und Astronomie aufzuklären, aber hier gibt es dann vielleicht in der Folge
noch Möglichkeiten.

Anstatt zu grübeln und zu spekulieren, fragt man am besten einfach nach.

21.03.2009
An: infoservice@bmwf.gv.at

Sehr geehrter Damen und Herren,

Laut dem Carl Ueberreuter Verlag soll BM Dr. Hahn am 25. März im Rathaus
eine Rede halten, und zwar anlässlich der
Präsentation des astrologischen Buches “Gesundheitsfaktor Sternzeichen”,
das Dr. Christian Temml gemeinsam mit der Astrologin Adelinde Rumpler geschrieben hat.

Da ich nicht glauben kann (bzw. will), dass das der Wahrheit entspricht,
ersuche ich um Mitteilung, ob dies tatsächlich so geplant ist.

Mit freundlichen Grüßen, Ulrich Berger

Mit etwas Glück bekommt man sogar eine Antwort, die halbwegs plausibel klingt.

30.03.2009
An: ulrich.berger@wu-wien.ac.at

Sehr geehrter Herr Prof. Berger!

Bundesminister Hahn hat an der Buchpräsentation am Mittwoch den 25. März teilgenommen. Er hat dort ein paar einleitende Worte gesprochen, da die Mitautorin eine langjährige Freundin und Nachbarin des Bundesministers ist, die ihn zu ihrem 78. Geburtstag inständig darum gebeten hat. Aus persönlicher Verbundenheit hat er diese Begrüßung vorgenommen und mit der für einen Wissenschaftsminister zu diesem Thema notwendigen Distanz und passend witziger Leichtigkeit ein paar Worte an das Publikum gerichtet.

Bitte diesen Auftritt in diesem Sinne richtig einzustufen.
Besten Dank für die Kenntnisnahme, für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Christina Kasess

Mag. Christina Kasess
Büro des Bundesministers Dr. Johannes Hahn

Damit
wäre diese Frage also einigermaßen geklärt. Davon kann man ja halten,
was man will. Dass Minister Hahn einen Hang zur Esoterik hätte, glaube
ich jedenfalls nicht – Granderwasser hin oder her. Dem Magazin Datum jedenfalls sagte er auf die Frage, was er lese und was nicht,

Ich verzichte frohen Herzens auf die immer länger werdenden
Buchhandlungsregale voll mit Werken über Esoterik, unerklärbare
Phänomene, das Transzendentale und seine Phänomenologie sowie die
geheimnisvolle Urkraft des Metaphysischen.

Interessanter als die Frage, warum man so ein Buch bewirbt,
finde ich persönlich die Frage, warum man so ein Buch überhaupt
schreibt. Und damit meine ich jetzt nicht die Autorin Adelinde Rumpler,
denn die ist schließlich Astrologin. Ich meine ihren Ko-Autor Dr.
Christian Temml
.

Denn Dr. Temml ist nicht irgendein Quacksalber,
sondern Internist, Epidemiologe und vor allem Leiter der Abteilung
Gesundheitsvorsorge Erwachsene
des Gesundheitsdienstes der Stadt Wien.

Warum also schreibt so jemand einen medizinischen Astroschinken? Will
er sich die Reputation zusammenhauen? Dr. Temml müsste wissen, dass sein Werk via Medien einen Beitrag zur
Volksverblödung leisten wird. Das ist im allgemeinen kein
erstrebenswertes Ziel.

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Schauen wir uns kurz an, was das Problem mit dieser Form der Astro-Medizin ist. Der Gesundheitsdienst der Stadt Wien bietet seit Jahren Vorsorgeuntersuchungen an, wie es sich auch gehört. Man untersucht und
untersucht also jahrelang und sammelt dabei einen riesigen Haufen
Daten. Was tun damit? Nun ja, zum Beispiel könnte man die in den
Computer füttern und ein dafür geeignetes Programm befragen, wieviel
Prozent der Widder, Wassermänner, Fische, Krebse, Jungfrauen etc.
Probleme mit dem Rücken, mit der Lunge, mit dem Herz, mit dem Gewicht
etc. haben. Das schöne dabei: Es gibt immer ein Sternzeichen, wo der
jeweilige Prozentsatz am höchsten ist; also gewissermaßen jeder Schuss
ein Treffer! Der ältere Widder-Mann z.B. liegt laut Dr. Temml bei Gewichtsproblemen an der Spitze der Sternencharts.

Wer in der Schule in Statistik aufgepasst hat, weiß
jedoch: Das muss gar nichts bedeuten, denn schließlich ist zu erwarten,
dass gewisse Abweichungen auftreten. Die entscheidende Frage ist: Sind
die Abweichungen so groß, dass man die Möglichkeit, dass sie rein
zufällig entstanden sind, mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen
kann? Wenn also etwa der Widder in unserer Stichprobe von allen
Sternzeichen am häufigsten Gewichtsprobleme hat, so könnten wir uns
fragen: Angenommen, Gewichtsprobleme treten in Wahrheit unabhängig
vom Sternzeichen auf – was ist dann die Wahrscheinlichkeit, dass die
Widder in meiner Stichprobe mindestens den beobachteten Prozentsatz an
Gewichtsproblemen aufweisen?
Diese Wahrscheinlichkeit nennt man den p-Wert, und damit kann man viele Menschen ganz schön verwirren – z.B. Homöopathen.

Wenn
diese Wahrscheinlichkeit, also der p-Wert, klein genug ist, sagen wir
kleiner als 1%, dann würden wir vielleicht folgern: Aha, das kann kein
Zufall sein, dass die Widder so häufig Gewichtsprobleme haben. Dann ist
offenbar das Sternzeichen daran schuld.

Und dann hätten wir schon mindestens drei schwere Fehler begangen.

Erster Fehler:
Wir haben aus den Daten unsere Hypothese (Widder haben sehr häufig
Gewichtsprobleme) gewonnen und dann haben wir unsere Hypothese an den
Daten geprüft. Das geht gar nicht. Entweder die Hypothese war bereits
unabhängig von den Daten da (z.B. als überliefertes uraltes Wissen der Astrologen) oder wir prüfen unsere aus den Daten gewonnene Hypothese an einem neuen Datensatz (der sog. Validierungsstichprobe).
Aber sich zuerst die extremsten Werte herauszupicken und dann
statistisch zu “beweisen”, dass diese Werte überzufällig extrem sind,
das ist ein schwerer methodischer Fehler.

Zweiter Fehler: Angenommen, “Widder haben Gewichtsprobleme” wäre tatsächlich uraltes Wissen der Astrologen (was es anscheinend nicht ist).
Und angenommen, wir finden das in unseren Daten bestätigt, also p <
0,01. Haben die Astrologen dann gewonnen? Mitnichten! Denn jetzt
müssten wir uns fragen, wie groß denn die Wahrscheinlichkeit ist, dass irgendein uraltes Astrologenwissen rein zufällig
bestätigt werden kann. Nehmen wir eine grobe Abschätzung und sagen wir,
dass zu den 12 Sternzeichen je drei auf uraltem Wissen und
Überlieferung beruhende gängige Astrologenbehauptungen existieren, die
im Prinzip medizinisch nachprüfbar sind. Dann haben wir also 12×3 = 36
mögliche Hypothesen. Wenn wir nun alle diese 36 Hypothesen anhand
unserer Daten nachprüfen und dabei tatsächlich eine “bestätigt” (p <
0,01) finden, so ist das tatsächlich weit weniger unzufällig, als unser
p-Wert uns glauben macht. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens
eine der 36 Hypothesen auf diese Weise “bestätigt” werden kann, ist
sogar dann um die 30%, wenn alle diese 36 Hypothesen in Wahrheit falsch sind!

Wenn
man das nicht berücksichtigt, macht man eine nachträgliche
Subgruppenanalyse ohne die entsprechende statistische Korrektur des
p-Wertes (z.B. nach Bonferroni) für multiples Testen. Auch das ist in
diesem Fall ein methodischer Fehler – sehr beliebt bei
Alternativmedizinern, bei Pharmariesen und bei Radiästheten. (Wann genau man korrigieren sollte und wann nicht, ist allerdings im allgemeinen schwer zu beurteilen und daher einigermaßen umstritten.)

Dritter Fehler:
Angenommen, wir hätten trotz Bonferroni-Korrektur gefunden, dass
Widder-Geborene überzufällig dick sind. Könnten die Astrologen dann
endlich aufatmen? Leider noch immer nicht. Denn der Widder ist im März
oder April geboren, die Schwangerschaft seiner Mutter fällt also in die
kalte Jahreszeit und im ersten Drittel war vermutlich gerade die
jährliche Grippewelle im Anrollen. Das könnte irgendwelche Auswirkungen
auf den Fötus haben und tatsächlich gibt es Hinweise auf solche jahreszeitlichen Einflüsse
aus seriösen Untersuchungen.

Aber gesetzt den Fall, es ließe
sich tatsächlich zeigen, dass die Gewichtsprobleme der Widder mit dem
Wechsel zum nächsten Sternzeichen schlagartig dahin sind, und nicht
etwa mit fortschreitendem Geburtstag stetig abnehmen, wie es ein
jahreszeitlicher Zusammenhang nahelegen würde. Wäre dann die Astrologie
bewiesen? Immerhin beinahe, aber nicht ganz! Schließlich hätte man dann
bloß eine Korrelation gefunden, aber noch keinen Kausalzusammenhang. Es wäre
zwar unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich, dass die Kausalität in die andere Richtung läuft – oder dass der Zusammenhang trotz allem zufällig war. Zugegeben, dieses Problem trifft nicht nur die Astrologen, sondern die gesamte Epidemiologie.

Man
sieht: Die Astrologie, speziell die Astro-Medizin, hat auf ihrem Weg zu
wissenschaftlicher Anerkennung noch einige Hürden zu meistern. Und
die wird sie nicht überwinden, denn methodisch gute Studien gibt es in
dieser Richtung schon einige, und keine davon ist jemals positiv
ausgefallen. Ein einigermaßen bekanntes Lehrstück dazu
lieferten Peter C. Austin et al. mit Daten von über 10 Millionen Patienten,
gegen die Dr. Temmls 140.000 Datensätze geradezu lächerlich erscheinen.

Doch
hier sollen keine voreiligen Schlüsse gezogen werden. Dr. Temml kann
man keine methodischen Fehler vorwerfen, weil seine Methodik schlicht
nicht erklärt wird. Ich vermute, sie beschränkt sich aufs Zählen der
Fälle. Sein schmales Büchlein mit dem großen bunten Text und den vielen
Bildchen, durch das ich mich in einer schwachen Viertelstunde beim
lokalen Buchhändler gequält habe, enthält nicht einmal eine Andeutung
darüber, wie er seine Ergebnisse erhalten hat.

Warum also
schreibt ein seriöser Arzt so ein dümmliches Buch? Wohlwollend könnte
man spekulieren, dass sein eigentliches Anliegen das der Gesundheitsvorsorge war.
Denn im Interview mit der BILD antwortet er auf die sinngemäß gleiche Frage so:

BILD am SONNTAG: Herr Dr. Temml, ist so ein Buch für einen Wissenschaftler seriös?

DR.
CHRISTIAN TEMML: Wenn heute ein Arzt etwas über die Gesundheit sagt,
geht’s zum einen Ohr hinein, zum anderen hinaus. Sagt ein Popstar wie
Madonna etwas, nehmen es die Leute wahr. Astrologie interessiert die
Menschen. Durch den Umweg über ihr Sternzeichen beschäftigen sich die
Menschen spielerisch mit ihrer Gesundheit und überdenken vielleicht
eher ihren Lebensstil.

Nimmt Dr. Temml also Spott
und Hohn in Kauf, damit die sicher zahlreichen Käufer seines Buches
wenigstens mehr auf ihre Gesundheit achten? Wer weiß? Am besten, wir
machen es wie bei Minister Hahn und fragen einfach:

17.06.2009
An: christian.temml@wien.gv.at

Sehr geehrter Herr Dr. Temml,

Als Autor eines ScienceBlogs, der sich mit Pseudowissenschaften beschäftigt, bin ich auf Ihr o.a. Buch aufmerksam geworden, das ich inzwischen auch überflogen habe. Mehrere Kollegen haben sich recht abfällig darüber geäußert, dass Sie mit diesem Buch der Astrologie ungerechtfertigte Schützenhilfe leisten. Die Behauptungen über die “signifikanten Unterschiede” zwischen den Sternzeichen, die Sie laut Werbetexten in den Patientendaten gefunden haben sollen, habe ich jedenfalls mit einigem Erstaunen aufgenommen. Als Epidemiologe ist Ihnen die in dieser Hinsicht recht deutliche Studie von Austin et al. (Journal of Clinical Epidemiology 2006) sicher bekannt. Andererseits habe ich aus Ihrem Interview in der Bild-Zeitung den Eindruck gewonnen, Sie würden die Astrologie ohnehin nicht ernst nehmen und nur als Vehikel zum effizienteren Transport des Vorsorgegedankens benutzen.

Da ich über Ihr Buch auf meinem Blog berichten werde, wäre ich für eine Stellungnahme Ihrerseits dankbar, die ich gegebenenfalls auch auf meinem Blog veröffentlichen würde.

Mit freundlichen Grüßen, Ulrich Berger

Literatur:
Austin, P.C., Mamdani, M.M., Juurlink, D.N., Hux, J.E. (2006) Testing multiple statistical hypotheses resulted in spurious associations: a study of astrological signs and health, Journal of Clinical Epidemiology 59 (9), 964-969.

Eine Antwort lässt seit zwei Monaten auf sich warten. Ob sie noch kommt? Das steht in den Sternen!

Kommentare

  1. #1 hic fuit
    18. August 2009

    Prima Blog, drei zentrale Fehler 1a erläutert. UND den verantwortlichen zwielichtigen Gestalten Druck gemacht. Vielleicht kann sich jetzt mal einer nicht mehr aus seiner Schwurbelfalle herauswinden! *freu* Wieder ein Vorzeigeartikel für Sb.
    OT – Artikelvorschlag: Könntest Du vielleicht mal etwas zur Wahrnehmungsproblematik zensierter Stichproben schreiben (“Die Toten interviewt man nicht”) ?

  2. #2 Ulrich Berger
    18. August 2009

    @ hic fuit:

    Könntest Du vielleicht mal etwas zur Wahrnehmungsproblematik zensierter Stichproben schreiben (“Die Toten interviewt man nicht”) ?

    Im Anlassfall gerne, wenn ich einmal auf so etwas stoße.

  3. #3 Constantin
    18. August 2009

    Lernt man wirklich Statistik in der Schule? Wir haben leider nichts dergleichen gemacht ausser ein bischen Wahrscheinlichkeitsrechnung und auch in 3 Jahren Physikstudium kam Statistik mal nur klein am Rand einiger Praktikumsversuche vor. Dabei ist es fuer wissenschaftliches Arbeiten so wichtig!

  4. #4 Ulrich Berger
    19. August 2009

    @ Constantin:

    Bei uns war es Stoff der 8. Klasse Gymnasium, wir hatten den “Bürger-Fischer-Malle” als Lehrbuch im Mathe-Unterricht. Wie es in der Unterrichtspraxis tatsächlich aussieht (bzw. aussah), erklärt Malle hier im ersten Absatz: http://www.oemg.ac.at/DK/Didaktikhefte/1992%20Band%2020/Malle1992.pdf

  5. #5 Arne
    19. August 2009

    Klasse Artikel! Gerade im Gesungdheitsbereich liest man ja staendig Artikel in den Tageszeitungen, die mit angeblichen statistischen Beweisen daherkommen.

    Schade allerdings, dass sich der Artikel auf die Medizin beschraenkt. Wie sieht es denn in anderen Bereichen aus. Z.B. in der Klimaforschung gibt es logischerweise nur einen Datensatz, da eine Validierungsstichprobe viel Gedult erfordern wuerde. Heisst das also, dass man alle Aussagen im Bezug auf das Klima, die auf Statistik beruhen, nicht ernst nehmen sollte?

  6. #6 Ulrich Berger
    19. August 2009

    @ Arne:

    Klimamodelle sind keine statistischen Hypothesentests, das kann man nicht 1:1 übertragen. Es gibt aber ein analoges Problem, das stimmt. Man verwendet auch analoge Methoden zur Lösung dieses Problems. Das funktioniert in etwa so, dass man Modelle anhand einer gegenwärtigen Zeitreihe kalibriert und anhand einer vergangenen Zeitreihe validiert. (Aber ich bin da kein Experte.) Siehe z.B. http://www.uni-bielefeld.de/Universitaet/Einrichtungen/Zentrale%20Institute/IWT/FWG/Simulation/Validierung.html

  7. #7 Wolfgang
    19. August 2009

    Ulrich schreibt Denn der Widder ist im März oder April geboren, die Schwangerschaft seiner Mutter fällt also in die kalte Jahreszeit und im ersten Drittel war vermutlich gerade die jährliche Grippewelle im Anrollen. Das könnte irgendwelche Auswirkungen auf den Fötus haben und tatsächlich gibt es Hinweise auf solche jahreszeitlichen Einflüsse aus seriösen Untersuchungen.

    Da gibts nicht nur Hinweise drauf, sondern die Evidenz nimmt zu. Maternale Infektionen (u.a. Influenza =”Grippe”) können ein Risikofaktor sein für die spätere Schizophrenie des Kindes.

    Übersicht hier:
    http://www.cma.ca/multimedia/staticContent/HTML/N0/l2/jpn/vol-33/issue-3/pdf/pg183.pdf

    Brown hat eine serologische Studie gemacht, die knapp an der Signifikanz Grenze lag- wobei das Problem darin liegt mit 30-40 Jahre alten Proben Serologie zu betreiben- wer hat schon 40 Jahre lang eine Serothek aufgebaut. Zusätzlich gibts noch eine ganze Reihe epidemiologischer Daten die alle in die selbe Richtung gehen. Und ein Tiermodell gibts auch.

    Das steht in medline und nicht in den Sternen. Der Epidemiologe könnte ja mal mit seinen Datensätzen in diese Richtung forschen- die Hypothese ist ja bereits erstellt.

  8. #8 Rose
    19. August 2009

    @Ulrich:

    Leider kann ich den Befund zum miesen Image der Astrologie in den “oberen Bildungsschichten” nicht ganz teilen. Ich weiß nicht, wie eng du das Segment derselben definierst, aber wenn Akademiker in Führungspositionen und kulturell überaus versierte Bildungsbürger damit gemeint sind, dann muss ich leider vom Gegenteil berichten. Unfassbar, wie viel Blödsinn da unhinterfragt geglaubt wird – von Leuten, die sonst jede Salatschüssel bei Ikea mit kritischen Betrachtungen zu Qualität und Produktionsstandards in Grund und Boden analysieren.

  9. #9 wolfgang
    20. August 2009

    Da muss ich Rose zustimmen.
    Ordinationsausstattung nach Feng Shui oder nach astrologischen Prinzipien

    http://www.aerzte-austria.at/fueraerzte/ordination.htm

    damit das böse Qi nicht aus dem Klo kommt :)

    Und sucht da nicht die Chefin Janet Kath des Interio Einrichtungshauses Ihre Mitarbeiter auch nach dem Sternzeichen aus?

  10. #10 Ulrich Berger
    20. August 2009

    @ Rose & Wolfgang:

    Naja, ich hab da eine etwas idiosynkratische Definition im Sinn, denn eigentlich meine ich naturwissenschaftliche Bildung. Mit “kulturell überaus versierten Bildungsbürgern” hab ich auch schon schauderliche Erfahrungen gemacht.

  11. #11 Micha
    21. August 2009

    Zum 3. Fehler:
    Um diesen auszuschliessen kann man natürlich auch einfach mal versuchen, die Hypothese mit Daten von der Südhalbkugel (Neuseeland, Uruguay, etc.) zu überprüfen. Wenn es eine Art “Dickleibigkeit wegen Frühlingsgeburt” gibt, dann müsste sich dies an Hand von Daten ausden genannten Ländern auf “unsere Herbstmonate” verschieben. So hat der Psychologe Richard Wiseman (http://www.richardwiseman.com/) seine Untersuchungen zum Thema “Born Lucky” (er hat ermittelt, dass Menschen, die in den Sommermonaten geboren wurden, sich glücklicher fühlen und von ihrer Umwelt als glücklicher wahrgenommen werden – der Unterschied ist zwar nicht groß, aber vorhanden) durch Untersuchungen in Neuseeland bestätigt: dort tritt das gleiche Phänomen auf, ebenfalls bei Sommergeburten. Da der Sommer dort jedoch in unseren Wintermonaten “stattfindet” und die gleichen astrologischen Tierkreiszeichen wie bei uns “gelten” spricht das dann eher gegen die Astrologie …

  12. #12 Markus Termin
    21. August 2009

    @Micha: jemand der so schlau schreibt und damit Kenntnis beweist, soll doch auch eine Antwort von der angeblich so geschmähten Astrologen-Seite bekommen. Ich erklärs Dir: einmal haben wir immer mit dem Komplementär-Zeichen, also unserem Gegenteil, dem Oppositionszeichen zu tun. Oft werden die Zeichen im Pärchen (Riemann z.B.) besprochen. Zum anderen dreht sich auf der Südhalbkugel der Aszendent. Ich z.B. habe einen Widder-AC, in Wellington wäre ich zur selben Zeit als Waage gebören. Alles klar, soweit?

    @ Ulrich Berger: vielleicht doch mal den Umweg über C.G. Jung machen, einfach mal um die “wissenschaftliche” Realität der Archetypen als empirisch sehr gut begründet zu verstehen? Einfach als gute Brücke zu dem Thema: “Welche Fragen kann man eigentlich stellen?” Respekt vor Ihrer Struktur-Stärke. Man liest den Artikel mit Vergnügen und Schmunzeln. Bei Widdern ist es übrigens der Kopf, um den es geht. Klar, soweit?

  13. #13 Micha
    21. August 2009

    @Markus Termin
    Es ging zwar eigentlich nur darum, durch welche Art von Untersuchung man ermitteln kann, dass ein vermuteter Einfluß eher der Jahreszeit als der Astrologie geschuldet ist, aber durch deinen Kommentar kann ich mal eine Frage loswerden, die mich schon immer interessiert:
    Wenn sich auf der Südhalbkugel der Aszendent dreht (in deinem Beispiel von Widder auf Waage), was wäre dein Aszendent, wenn du auf dem Äquator geboren wärst?
    Gibt es da einen “schleichenden Übergang” von Widder nach Waage oder springt ab einem bestimmten Breitsngrad der Aszendent einfach um?

  14. #14 Constantin
    21. August 2009

    @ Markus Termin:
    “einmal haben wir immer mit dem Komplementär-Zeichen, also unserem Gegenteil, dem Oppositionszeichen zu tun”

    das klingt nach einer praktischen Art und Weise, wie man im Nachhinein doch Recht behalten kann. Mit der Prognose daneben gelegen? Macht nix, war halt diesmal das Oppositionszeichen dominant!

  15. #15 Pianoman
    21. August 2009

    @Termin

    Betr.: Ihre Empfehlung an Ulrich Berger: vielleicht doch mal den Umweg über C.G. Jung machen, einfach mal um die “wissenschaftliche” Realität der Archetypen als empirisch sehr gut begründet zu verstehen?

    Abgesehen davon, dass die “wissenschaftliche” Realität der Archetypen weder gut begründet, noch als etabliert anzusehen ist, finde ich die selbstsichere Arroganz, die im Grunde nur aus Ihrem gemütlichen Suhlen im Morast des Confimation Bias herrührt, doch immer wieder provokant.

    Was mich jedoch wundert: Das, was Sie mit Ihren Kommentaren nachweisen wollen, nämlich die umfassende Belesenheit, die Durchdringung eines Stoffes, Ihre souveräne Beherrschung der Geisteswelt, erweist sich doch in schöner Regelmässigkeit als Viertelbildung.
    Die restlichen Teile werden Ihnen genau so regelmässig um die Ohren gehauen, bei C.G. Jung beispielweise dessen Rassismus, worauf Sie sich in ihren mittlerweile umbenannten “No response”-Blog zurückziehen, dort verbal ihre Wunden lecken, und Party feiern mit Blavatsky, Steiner, Jung und all den anderen Propheten, die vor Ihnen schon den Boden unter den Füßen verloren haben.

    Aber, Astrologe Termin, ganz egal, wen Sie zur Rechtfertigung der Astrologie bemühen, es ändert nichts an der Erbärmlichkeit Ihrer Tätigkeit, Hilfesuchende über den Tisch zu ziehen. Und der Otto Prokop hatte ganz recht, als er in seiner Auseinandersetzungen mit dem modernen Okkultismus schrieb:
    (…) Denn es gibt nichts Schändlicheres in der Welt als sich auf Lügen und Märchen einzurichten.”

    Pianoman

  16. #16 Rose
    21. August 2009

    @Pianoman:
    Wunderbar auf den Punkt gebracht! :-)

    Ich hatte beim Lesen des huldvollen Terminschen Wortes zum Freitag ähnliche Assoziationen: Markus Termin, in dessen Selbstbild die europäische Geistesgeschichte eine schnuckelige Privatbibliothek ist, durch deren Gänge er hurtig wandelt, dann und wann ein schweres Buch aus dem Regal sich greifend, um es wangentätschelnd einem unbedarften Buben vor die NAse zu halten und demselben gönnerhaft zuzuraunen: “Lies mal das, so als Umweg oder Brücke, damit du überhaupt erst einmal weißt, welche Fragen man stellen kann! Alles klar, soweit?”

    Nichts klar, soweit, Herr Termin, und von Ulrich Bergers Fähigkeit, strukturiert und stringent zu argumentieren, könnten Sie noch eine ganze Menge lernen, nur so mal als Brücke zur Erkenntnis, dass Namedropping und Herumschwurbeln mit glanzvollen Begriffen noch keinen inhaltlichen Erkenntnisgewinn bescheren – außer vielleicht dem Einblick in die Selbstinszenierungsbedürfnisse des Sprechers.

  17. #17 Gluecypher
    21. August 2009

    Im Wettkampf Markus “I know it all and you are too stupid to see it” Termin gegen die Realität steht es mittlerweile gefühlte 0:187.
    Watt is los, M.T? Läuft das Geschäft mit der Hausfrauen-Verarsche im Sommerloch so schleppend, dass Sie mal wieder ein paar Hits mehr auf Ihrer Website brauchen?
    Naja, es heisst zwar, jeder macht sich nach bestem Können lächerlich, aber M.T. ist sozusagen der Usain Bolt des Sich-zum-Affen-machens. Aber kein Wunder bei Jemandem, der die “Orgon-Energie” für die Widerlegung des II. Hauptsatzes der Thermodynamik hält.

  18. #18 Markus Termin
    22. August 2009

    @ alle: Nur zur Info: das “Klar, soweit” hat mir bei Jack Sparrows gut gefallen. Es ist auch schon lustig, wer hier alles zusammenläuft, ein wenig Gift zu versprühen; aber, im Ernst: wir werden uns doch nicht mehr streiten?

    Tatsache bleibt, dass die Astrologie eine der besten Persönlichkeit-Analyse-Methoden ist, die es gibt. Meiner Meinung nach sollte kein Mediziner auf sie verzichten. Nur freilich nicht in der populären Ausstattung des oben vorgestellten Werkes, sondern ein wenig differenzierter.

    Diskreminierung gegenüber Hausfrauen ist genau so wenig o.k., wie gegen Usain Bolt. Übrigens nicht schlecht getroffen, der Vergleich. Ich habe gleich neben der Trainigststrecke der jamaikanischen Sprinter Deutsch unterrichtet. Die sind einfach so gut. Ich glaube nicht, dass Bolt dopt, das hat er nicht nötig.

    Was die Temperatur-Differenz im Orgon-Akkumulator angeht, kann sie jeder nachmessen.

    Es gibt noch ein wenig mehr, als ihr glaubt.

  19. #19 Roland K
    22. August 2009

    @Markus Termin “Tatsache bleibt, dass die Astrologie eine der besten Persönlichkeit-Analyse-Methoden ist, die es gibt”

    Interessant wie sie “Tatsachen” definieren. Welche Belege haben sie für diese Behauptung?

    Was würden wir ohne Scheinkorrelationen machen und wozu Scheinkorrelationen, wenn es nicht Leute wie “Markus Termin” gibt, die ihre persönlichen “Tatsachen” davon ableiten.

  20. #20 Masrkus Termin
    22. August 2009

    @ Roland K: Sie legen bereits “Scheinkorrelationen” als Ergebnis fest. Das ist Unsinn.

    Die Persönlichkeit wird durch ein Horoskop annähernd so genau dargestellt, wie das Äußere eines Menschen durch eine Fotografie. Wenn Sie´s wissen wollen, setzen Sie sich ein paar Wochen neben einen professionellen Astrologen in die Praxis und beobachten ihn bei seiner Arbeit. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht. “Belege”, die auch ein Laie verstehen könnte, gibt es ebenfalls nicht und “wir” haben daran auch kein großes Interesse. Astrologen untereinander verstehen sich in der Regel, das reicht.

    Ich habe übrigens “Tatsachen” nicht definiert. Wollen Sie es versuchen? Herr Berger hat sich daran schon mal versucht. Ob nämlich ein System des Denkens – die mathematische “Wissenschaft” (denn Mathematik ist ja eine Metaphysik und keine Wissenschaft) selbst – das Ergebnis determiniert? Ist allerdings Erkenntistheorie nötig.

  21. #21 Roland K.
    22. August 2009

    @Markus Termin: nun, sie sind die Belege schuldig geblieben, dass die Astrologie eine der besten Persönlichkeit-Analyse-Methoden ist. Sie geben sich mit ihrem Erfahrungswissen zufrieden und sind nicht bereit das genauer zu hinterfragen. Also “glauben” sie weiter. Aber sie werden vermutlich feststellen, dass sie mit einer derartigen “Argumentation” (nämlich keine rationalen Argumente zu haben) hier niemanden von ihrer Sichtweise überzeugen können.

    Zugegeben, die Scheinkorrelationen sind eine Vermutung von mir, jedoch gibt es sehr umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema Astrologie, die diese Sichtweise nahelegen – und deren Ergebnisse sind eindeutig: nix dahinter, außer allgemeine Floskeln, die individuell klingen, aber auf so gut wie alle Personen passen (bzw. auch durch bewusste oder unbewusste Verwendung von Techniken wie “cold reading” verstärkt werden). Konkreter Beleg sind z.B. im Beitrag zu finden. Die Personenbeschreibungen werden zwar von vielen “Kunden” als passend EMPFUNDEN, aber sie sind alles andere als auf die Person zugeschnitten – aber genau DAS würde man doch von einer Persönlichkeitsanalyse erwarten, oder?

    Warum versagen die Astrologen regelmäßig bei Test wie diesen: http://www.youtube.com/watch?v=3Dp2Zqk8vHw Klären Sie uns auf!

  22. #22 Roland K.
    22. August 2009

    sorry, ich meinte eigentlich z.B. diesen Test http://www.youtube.com/watch?v=id3PuMvy_28&feature=fvw es gibt viele mehr, googeln sie einfach danach wenn es sie wirklich interessiert.

    das Video http://www.youtube.com/watch?v=3Dp2Zqk8vHw ist ein Beispiel für die “Austauschbarkeit”

  23. #23 Roland K.
    22. August 2009

    Was ist der Unterschied zwischen einem Zauberkünstler und einem Astrologen? Zauberkünstler täuschen ihr Gegenüber – Astrologen ihr Gegenüber und sich selbst.

  24. #24 Markus Termin
    23. August 2009

    @Roland K.: Ich sagte Ihnen bereits, “wir” haben kein Interesse an Belegen. Kennen Sie den Unterschied zwischen Wissenschaft und Wirklichkeit? Sie halten sich für den Besitzer der Wahrheit und Objektivität: und täuschen sich dabei, wie tendenziell alle Naturwissenschaftler mit ihrem künstlich gespaltenen Weltbild – vor allem über sich selbst. Wenden Sie ihre gescheiten Sprüche auf sich selbst an, da kommen Sie der Wahrheit näher.

  25. #25 Ulrich Berger
    23. August 2009

    “Wir” haben kein Interesse an süßen Trauben sagte der Fuchs.

    Die beste Perönlichkeitsanalysemethode ist übrigens zweifelsfrei die hier: http://www.astrogenital.de/ Alles klar soweit?

  26. #26 Roland K.
    23. August 2009

    @Markus Termin: ach ja, sie meinen wohl das, was man als “Non-Dualität”, das Überwinden von der Subjekt-Objekt-Spaltung bezeichnet – das Eins-werden mit der Welt.

    Natürlich arbeite ich auch an mir selbst:

    Ich meditiere seit Jahren über das ZEN-Koan “wie klingt das Klatschen einer einzigen Hand?”. Nun bin ich drauf gekommen…. es ist der Ton der entsteht, wenn sich ein rational denkender Mensch ihre Postings durchliest und sich dabei mit einer Hand auf die Stirn klatscht :-)

    P.S dieses Posting ist selbst ein KOAN, dessen tieferer Sinn mit gewöhnlichem diskursiven Denken nicht erfasst werden kann.

  27. #27 Dr. E. Berndt
    26. August 2009

    http://www.geowave.at/documents/Presse/aerzte_zeitung141206.pdf

    Immer mehr österreichische Krankenhäuser und Arztpraxen
    schwören auf die “Welle”: Das neuartige Metallelement soll
    natürliche Erdstrahlung, die sich negativ auf die Gesundheit
    auswirken soll, kompensieren und Patienten und Mitarbeitern
    mehr Wohlbefinden bringen.
    Ursprünglich sollte die Aluwelle den Patienten des Salzburger
    Unfallkrankenhauses den langweiligen Blick an die Decke etwas
    abwechslungsreicher gestalten. Doch offenbar konnte das
    gebogene und gewellte Designelement noch mehr. Kranke, die
    im Zimmer mit der Welle wohnten, fühlten sich dort
    außergewöhnlich wohl.
    Mehr aus Zufall fand man heraus, weshalb: Offenbar ist das
    Metallelement in der Lage, sogenannte Störzonen zu
    entschärfen. Ein Phänomen, das wissenschaftlich recht gut
    untersucht ist (etwa Hacker et al.: “Biomedical Evidence of
    Influence of Geopathic Zones on the Human Body: Scientifically
    Traceable Effects and Ways of Harmonization”, publiziert in
    “Forschende Komplementärmedizin und klassische
    Naturheilkunde”, Karger Verlag).
    Dazu ein Bild das einen Primar unter dem Entstörgerümpel zeigt:
    Aluwelle an der Decke:
    Professor Gernot Pauser,
    Ärztlicher Leiter der Salzburger
    Landeskliniken, mit einer der
    50 Wellen in der Klinik. Fotos:

    Salzburg ist sehr aktiv in Esoterik und Co : Dr. Oberfeld (Erfinder von Strahlenschäden ohne Sendemast!) ist immer noch Umweltmediziner und die Krankenanstalten sind radioästhetisch abgeschirmt!!! Ich glaube jetzt kommt noch Astrologie dazu – OP Termine nach Sternzeichen. Daß Homöopathen und Astrologen zusammenarbeiten ist nur logisch, gleich und gleich gesellt sich gern. Pseudo und Pseudo mag sich eben.

    Aber mal ehrlich: Medizin scheint wirklich sehr gefährdet zu sein für Pseudo aller Art!

  28. #28 Philippe Leick
    27. August 2009

    Aber mal ehrlich: Medizin scheint wirklich sehr gefährdet zu sein für Pseudo aller Art!

    Gefühlsmäßig stimme ich dieser Aussage zu und werfe die Ingenieure gleich zu den Medizinern in einen Topf: nach meiner Erfahrung sind auch sie für Esoterik aller Art recht anfällig.

    Bevor mir hier jemand vorwirft, da würde ein weltfremder Physiker sich abfällig über seine Ingenieurskollegen äußern, gestehe ich gleich, selbst – mehr oder weniger – einer zu sein.

    Mein Eindruck ist, dass sowohl Mediziner als auch Ingenieure im Studium sich sehr viel Wissen aneignen müssen. Wissenschaftliches Denken spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle. Im Vergleich ist die Zahl der Fakten, die ein Physiker für seine Prüfung wissen sollte, eher gering. Weil Physik aber eine grundlegende Wissenschaft ist, sollte ein guter Physiker aber dazu in der Lage sein, sein Wissen aus verschiedenen Teilgebieten sinnvoll miteinander zu verknüpfen. Dazu zählen theoretische wie experimentelle Gebiete. Und das ist – selbst wenn das im Studium nie explizit gesagt wird – die Grundlage des wissenschaftlichen Denkens.

    Fazit: viel Faktenwissen lehrt einen, dass manch seltsame oder fantastische Sache durchaus wahr sein kann. Die fehlenden Grundlagen führen aber anderseits dazu, das es schwer fällt, (angeblich) spektakuläre Ergebnisse richtig einzuordnen. Daher vielleicht die besondere Anfälligkeit. Andererseits fallen mir genug Physiker, Ingenieure und Mediziner als Gegenbeispiele zum gerade gesagten ein… meine Vorurteile will ich dennoch behalten und pflegen!

  29. #29 wolfgang
    27. August 2009

    Und die VAMED baut Krankenhäuser und Wellnessoasen nach dem Feng Shui Prinzip

  30. #30 Adromir
    27. August 2009

    Hallo Phillip,
    als jemand, der erst ein Medizinstudium begonnen hat und nun der Physik frönt, kann ich deine Vermutungen bestätigen..

  31. #31 miesepeter3
    27. August 2009

    Wenn das die Erika wüßte…..

  32. #32 a.w.
    4. September 2009

    @ dr.e.berndt

    Medizin ist gefährdet von Pseudo aller Art. Als Schulmediziner haben sie da eine lange Erfahrung. Die Liste ist endlos, von Contergan über Elektroschock und Lobotomie zu zahlreichen Medikamenten die vom Markt genommen werden mussten, obwohl sie “sorgfältig geprüft” und zugelassen waren.
    Und darum ist ein Schulmediziner so ziemlich der Letzte, der ein moralisches Recht hat, sich darüber zu beschweren dass auch Andere schwindeln. Zumal die meisten dieser Schwindeleien relativ harmlos sind.

  33. #33 Dr. E. Berndt
    4. September 2009

    @a.w.
    1. Sie sollen nicht über den Beruf anderer spekulieren. Das ist kein Argument
    2. Nobody is perfekt! Fehler der Vergangenheit, sind Fehler der Vergangenheit. Es ist wichtig zu begreifen, daß gerade die Bereitschaft oder das Vermögen Fehler zu erkennen und zu korrigieren, ein Argument für wissenschaftlich basierte Medizin ist. Das diese Korrekturen nicht immer “optimal” stattfanden, heißt aber auch nicht, daß alternativer Humbug besser ist.
    3. Dogmatische Heilslehren korrigieren sich nicht. Dies ist einer der größten Mängel überhaupt, die man sich nur vorstellen können.

    Money makes the health go round.

    Unsere – ursprünglich! – auf Aufklärung beruhende Demokratie beschert Ihnen heute allerdings auch das Recht, an jede Unwahrscheinlichkeit und Unwissenschaftlichkeit zu glauben und viel Geld dafür auszugeben. Ihre Ängste und Hoffnungen werden – völlig legal – mit glückverheißender Dogmatik bedient, die Sie von unseligem eigenem Denken befreit. Vertrauensvollen Glaubens an Alternatives pirscht man sich mit größtem Einfühlungsvermögen und Anteilnahme an Ihr Geld heran. Seriosität ist zum Zufall geworden. Esoterik und Quacksalberei sind weitgehend legalisiert und bestimmen immer mehr den Gesundheitsmarkt

  34. #34 a.w.
    4. September 2009

    Dr. E. Berndt

    Sie wissen gar nicht wie recht sie haben, wenn sie sagen dass sich dogmatische Heilslehren nicht korrigieren.
    Dass der Mensch nur ein materielles Wesen ist und deshalb seine Gebrechen auf dieser Ebene zu behandeln sind, ist ist nichts als ein Dogma, das zwar falsch ist aber sich von Innen niemals korrigiert.
    Und deshalb gibt es auch diese unübersehbare Menge von Menschen, die versuchen von anderen Gesichtspunkten wegzudenken. Darunter viele die man eigentlich nur Schwindler nennen kann. Was aber nicht darüber hinwegtäuschen kann dass die wissenschaftliche Alternative nicht recht haben “kann”, weil der Ausgangspunkt des Denkens falsch ist. Und deshalb nur Falsches produzieren kann.
    Was mein Recht betrifft, irgendwas zu denken oder zu glauben, hat überhaupt nichts mit irgendwelchen gesellschaftlichen Forman zu tun, sondern einzig und allein mit meinem Menschsein. Wenn ich auf ihre Erlaubnis gewartet hätte, selbst zu denken, würde ich heute noch so beschränkt sein wie viele der ach so “rationalen” Wissenschaftler.
    Seriosität ist zum Zufall geworden, sagen sie ohne wirklich einmal über dieses Wort nachgedacht zu haben. Zufall hat ethymologisch mit Willkür überhaupt nichts zu tun sondern bezeichnet etwas, was jemandem zufällt, und somit das genaue Gegenteil ihrer Verwendung.
    Alleine an diesem Wort könnte man eine Menge klären, was heute in der Wissenschaft falscht läuft, nur denken müsste man halt können.
    Aber das tut die Wissenschaft nicht, die verwechseln einfach kalkulieren mit Denken.
    Und darum sieht es so aus wie es aussieht und die Menschen, die sich abwenden werden von Tag zu Tag mehr.

  35. #35 Dr. E. Berndt
    4. September 2009

    @a.w.
    Ich denke, Sie haben das meine letzte Aussage nicht verstanden.
    Sie sollten mal selbst weniger dogmatisch denken. Ich habe nur Fakten zusammengefaßt. Und Fakt ist, daß Astrologie und Homöopathie nach bestem Wissen und Gewissen nicht wirklich wirksam sind. Das hat nichts mit den “geistigen” Bedürfnissen zu tun.

    Wissen Sie, wie mit Ihnen und Ihren Kindern gesunde Geschäfte gemacht werden?
    Glauben Sie, daß Sie Bescheid wissen?
    Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl?
    Halten Sie viel von altem Wissen?
    Sie wollen „natürlich“ und „ganzheitlich“ behandelt werden?
    Daher halten Sie Homöopathie und Co. für echte Alternativen? Und ans Horoskop, den Pendler und an den Mond glauben Sie natürlich auch!

    Seien Sie beruhigt! Sie sind beliebt und befinden sich unter vielen Gleichgesinnten! Die alternative Gesundheitswirtschaft heißt Sie und Ihre Brieftasche willkommen. Als mündiger Patient liegen Sie voll im Trend. Mit gezieltem und bezahltem Medical-Infotainment werden Sie in Ihrem Glauben an Unwissenschaftlichkeit und Quasi-Quacksalberei bei Laune gehalten. Und weil damit viel Geld gemacht wird, steht die Politik hinter den bunten, alternativen und komplementären Gesundheitsmachern.

  36. #36 Markus Termin
    4. September 2009

    @ Ulrich Berger, Roland K. und Dr. E. Berger:

    Nun wollen wir doch mal seriös werden, und uns überlegen, woher denn ihr starkes Interesse an Esoterik kommt? Und ich finde, wir sollten dabei so tolerant sein, Herrn Professor Bergers Vorlieben zu akzeptieren, auch wenn manchem seine bevorzugte Persönlichkeitsanalysemethode etwas merkwürdig vorkommen mag?!

    (Dabei unterstütze ich Herrn Professor Bergers Engagement für einen toleranten und offenen Umgangs, den er hier demonstriert, auch wenn es off-topic sein mag …)

    Ist denn die Psychoanalyse, die Psychologie in ihrem Sinn eine Wissenschaft? Und legen sie sich – auch gerne in Form eines Koans?! – Rechenschaft darüber ab, warum sie nicht einfach ihren jeweiligen Tätigkeiten nach dem Wahren, Guten und Schönen in der Wissenschaft zu suchen nachgehen, sondern stattdessen einen Großteil ihrer wertvollen Zeit damit verbringen, in ihren Augen lächerlichen esoterischen Spinnereien hinterherzulachen oder hinterherzuschimpfen? Was motiviert Sie? Sorge um die Menschheit? Der Wunsch, gut zu sein? Sorge, um sich selbst? Der Wunsch, gut dazustehen im Kontrast zur Armseeligkeit ihrer Objekte der Kritik? Langeweile mit der Spieltheorie?

    Wenn ich mir ein Buch über Quantenphysik vornehme, dann tue ich das, weil mich tatsächlich interessiert, wie die Welt beschaffen ist, und ich erhoffe mir Aufschlüsse aus der physikalischen Lehre im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Ich verstehe sicher nicht Alles, jedoch mir deucht: der Weisheit letzter Schluss ist der Urknall leider auch noch nicht. Aber ich würde mich nicht mit etwas beschäftigen, das ich eigentlich verachtete. Sie tun dies. Haben Sie gehört von Begriffen wie , “Projektion”, “Verdrängung”, “Über-Ich”?

    Natürlich haben Sie, aber sie verwenden diese Metaphern bestenfalls für ihre Gegner. Sie selbst glauben, here Ziele zu verfolgen!

    Soweit alles Klar?

  37. #37 Roland K.
    5. September 2009

    “woher denn ihr starkes Interesse an Esoterik kommt?”
    nun vermutlich ist das durch die spezielle “Esoterik-Konstellation” der Planeten zu meiner Geburtsstunde entstanden. Da hätten Sie aber auch selber drauf kommen können!

  38. #38 Dr. E. Berndt
    6. September 2009

    @Roland k.
    Sehr gut argumentiert. Astrologen kann man nur mit Astrologie, was ja ihr Fachgebiet ist, beikommen. Es geht nichts über die Astrologik. Und wie man sieht …. echt einfach und eben astrologisch!!

  39. #39 Rose
    6. September 2009

    @Markus Termin:
    Haben Sie schon einmal die Möglichkeit in Betracht gezogen, man könnte sich mit Esoterik und Pseudowissenschaften z.B. auch aus den folgenden Gründen beschäftigen:

    a) Jemand ist in biographischer Hinsicht “esoterikgeschädigt”, weil einschlägige Neigungen nahestehender Verwandter fatale Folgen für die ganze (unbeteiligte) Familie hatten, so dass das Entzaubern einstmals “mächtiger Denkgebäude” also eine Art von Vergangenheitsbewältigung darstellt.

    b) Unsereiner erkennt in Esoterik und Pseudowissenschaften gesellschaftlich mächtige und relevante Strömungen, die er/sie für problematisch, manchmal sogar für gefährlich hält. Mich z.B. interessiert schon sehr, welche Motive und Bedürfnisse hinter dem Esoterik-Boom stecken, vor welchem sozioökonomischen Hintergrund er stattfindet und dergleichen – dazu gibt’s auch nur wenig wirklich brauchbare Literatur – Klaus Ottomeyer ist da ein guter Tipp.

    c)Ihre Vermutung, hinter dem von Ihnen kritisierten “Eso-Bashing” stehe Projektion, Verdrängung usw., ist zweifellos verführerisch, gerät aber Ihnen selbst zum Bumerang: Ganz offen – was eigentlich motiviert Sie, sich hier immer wieder zu Wort zu melden? Haben Sie Ihre heimlichen Motive schon ergründet und sind die wirklich so lauter, wie Sie hier vorgeben?
    Bleibt man auf dieser Argumentationslinie, gäbe es statt fruchtbarer Diskussionen einfach nur eine unentwegte Selbstanalyse aller Beteiligten. Ob uns das weiterbringt?

    d) Und ja: Manchmal gibt’s auch einfach Grund zu lachen. Je aufgeblasener und anmaßender das Eso-Geschwurbel, desto mehr Spaß macht’s auch, die demütige Ehrfurcht zu verweigern, die die Gurus so dringend benötigen.

    Das sind schon einmal vier gute Gründe, sich gelegentlich kritisch mit Esoterik und Pseudowissenschaften zu beschäftigen – im Gegensatz zu vielen zahlenden Kunden der Branche beinhaltet mein Leben aber auch ohne all den Schmus allerhand Schönes und Sinnstiftendes, das mich beglückt und zufrieden macht.

    d

  40. #40 Markus Termin
    6. September 2009

    @rose: Sie wissen, dass ich Ihnen nicht antworten werde, weil Sie sofort persönlich verletzt spielen. “Gefährlich” meinen Sie. Dann ist ja wohl alles klar.

  41. #41 Markus Termin
    6. September 2009

    @rose: ach so, doch, eine Frage beantworte ich: warum ich hier bin: im Namen der Wahrheit!

  42. #42 Roland.K
    6. September 2009

    @Markus Termin “warum ich hier bin: im Namen der Wahrheit!”

    Interessant – da haben wir ja doch etwas gemeinsam. Aber die wesentliche Frage ist doch: Wie kommt man der Wahrheit auf die Spur? Wissenschaftliche Methoden sind ein ausgezeichnetes Werkzeug die Wahrheit (Wirklichkeit) zu ergründen. Mit ihrer Hilfe haben wir herausgefunden, dass die Erde keine Scheibe, sondern eine Kugel ist. Weiters wissen wir, dass Sonne und Mond keine “Götter” sind (so wie es alte Kulturen geglaubt haben). Tja und was die Astrologie angeht, so ist die Vorstellung, dass unser Schicksal von Planetenkonstellationen abhängt, bei genauerem Hinsehen (= Suche nach Wahrheit) einfach nicht aufrecht zu erhalten. Trotzdem daran festzuhalten bedeutet blinder Glaube (blind für die Wirklichkeit).

    Wenn es ihnen um die Wahrheit geht, dann erklären sie uns doch bitte wie sie die Wahrheit herausfinden. Wie machen sie das genau? Und wie vermeiden sie dabei Irrtum und Selbsttäuschung?

  43. #43 Dr. E. Berndt
    6. September 2009

    @Markus Termin
    Ich kann im hervorragenden Kommentar von Rose nichts entdecken, was auf persönliche Verletztheit hinweist. Im Kommentar steht nichts. Aber vielleicht steht etwas in den Sternen?
    Es handelt sich um ganz normale Begründungen. Einwandfrei und nachvollziehbar!
    Sie nehmen dazu aber nicht Stellung.
    Sie haben sich in den Schmollwinkel gestellt und machen auf persönlich. Ich sehe in diesem Verhalten eine Art Methode der Realitätsverweigerung.
    Ist das So ihr Umgang mit Wahrheit?

  44. #44 Adromir
    6. September 2009

    @Roland K.: Wenn man meint, ein höheres Wissen zu besitzen, dann glaubt man auch, daß man so banalen Irrtümern wie die engstirnigen Kleingeistern nicht unterliegt.

    Credo ergo est. Ich glaube, also ist es. So einfach ist das Weltbild in dem Astrologen leben.

  45. #45 Markus Termin
    6. September 2009

    @ Roland K. : Ich mache es nicht so, wie Sie. Letztlich ist noch gar nicht raus, ob nicht die Welt doch eine Scheibe ist. Die Kosmologen jedenfalls diskutieren so ein Modell unter anderen Modellen des Universums: das Scheibenuniversum. Woher wollen Sie denn wissen, dass Sonne und Mond keine Götter sind? Natürlich sind sie das, Gott möge ihre Respektlosigkeit verzeihen! Wer genau hinsieht, ist verblüfft von der parallelen Begleitung von Planetenbewegungen und Lebensbewegungen. Das Gegenteil von dem, was Sie schreiben, ist richtig. Wahrheit von Irrtum zu unterscheiden lehrt uns übrigens Parmenides von Ephesos am Beginn von Philosophie und Wissenschaft für uns: er erklärt, dass die Welt künstlich in Gegensätze gespalten ist, dass diese Spaltung Absicht und Irrtum ist und sich auf den gesamten Erkenntnisapparat erstreckt. Dabei bezieht Parmenides sich in seinem Wissen ausdrücklich auf die Göttin, von der er sein Wissen direkt bezieht! Und ich gestehe, alles, was ich selbst an Wahrheit erfahre, kommt durch sie!

  46. #46 Markus Termin
    6. September 2009

    @ Dr. E. Bernd: nunmal halblang, lesen Sie einfach den Satz “Jemand ist in biographischer Hinsicht “esoterikgeschädigt” … Damit meint @rose sich persönlich. Vielleicht können Sie helfen?

  47. #47 Roland K.
    6. September 2009

    @ Markus Termin: “Woher wollen Sie denn wissen, dass Sonne und Mond keine Götter sind? Natürlich sind sie das, Gott möge ihre Respektlosigkeit verzeihen!”

    ok, somit hat sich für mich jegliche weitere Diskussion erübrigt. Glauben sie was sie wollen. Es ist mir ehrlich gesagt um die Zeit zu schade mich weiter mit ihnen auszutauschen. Und ich denke es hat auch keinen Sinn.

  48. #48 Rose
    7. September 2009

    @Dr. E.Berndt:

    Danke für Ihre Unterstützung :-), aber Markus Termin bezieht sich hier auf einen länger zurückliegenden Disput mit mir in Florian Freistetters Blog. Damals sind mir aus thematischem Anlass viele Erinnerungen an die schwere Erkrankung meines Vaters hochgekommen, dessen wahnhaftes Ideengebäude von vielen Esoterik-Gurus ordentlich gefüttert wurde. Die emotionalen und übrigens auch massiv finanziellen Folgen dieses Wahns musste die ganze Familie, mich eingeschlossen, ausbaden. Und auch wenn das nichts an der Liebe zu meinem Vater änderte – mein Zorn auf die Eso-Abzocker, die kranke Menschen noch weiter in die Verzweiflung treiben und ihren Familien entfremden, erklärt sich unter anderem auch daraus.

    Das hatte ich in einem Absatz erwähnt, woraufhin mir Markus Termin freundlicherweise astrologische Beratung anbot, damit ich die “Sinnsuche meines Vaters sowie das Vaterthema generell besser verstünde” und dergleichen. Ich habe das angesichts meiner Geschichte als Verhöhnung empfunden und Herrn Termin auch so gesagt. Andere Fallgeschichten anderer Diskutanten kamen dann gleichfalls zur Sprache und plötzlich war es um die moralische Überlegenheit, die MT für sich und seinesgleichen so gerne postuliert, nicht gut bestellt: Die Esoterik-Abzocke hatte plötzlich Namen und konkrete Geschichten, und zwar keine Bagatellen.

    Das meint Markus Termin, wenn er mir vorwirft, ich würde auf “gekränkt spielen”. Dass ich wütend war auf ihn, dazu stehe ich sofort. An einer Diskussion heute – Monate später – würde mich das nicht hindern. Die erscheint mir eher aus anderen Gründen schwierig – wer sich auf göttliche Offenbarung bezieht, kann ja nur noch Gefolgschaft fordern. Wozu dann noch ein Gespräch? Aber immerhin – so deutlich ward der Größenwahn noch nie ausgesprochen.

  49. #49 Markus Termin
    7. September 2009

    @ rose: nein, meine Liebe, so war es nicht … aber ihre erstaunliche Fähigkeit, die Umwelt auf ihren Bedürfnissen anzupassen, entspricht durchaus ihrem Tierkreiszeichen Jungfrau.

  50. #50 Adromir
    7. September 2009

    Her Termin, sind sie ebenfalls Jungfrau?

  51. #51 Rose
    7. September 2009

    @ Markus Termin:

    Die Diskussion ließe sich ja gewiss in Florians Blog-Archiv nachlesen – dass Konfliktgeschichten immer zwei Perspektiven haben, ist Kommunikations-Basiswissen, das ist mir schon klar. Ich wollte Doc Berndt lediglich den Kontext Ihrer Schelte an mich erklären.

    Sei’s drum, ich will alte Geschichten nicht wieder aufwärmen. Dass Sie Ihre rhetorische Strategie von damals heute gleich noch einmal probieren – nämlich mit ungebetenen astrologischen Ferndiagnosen Diskussionspartner auf die Ebene von Objekten zu degradieren, die dringend der astrologischen Aufklärung über Persönlichkeitsmerkmale und Biographieverlauf bedürfen – erheitert mich in diesem Kontext nur.

    @Adromir: Chapeau – gute Gegenfrage! :-)

  52. #52 S.S.T.
    7. September 2009

    @Markus Termin

    Berücksichtigen Sie eigentlich inzwischen Nibiru bei Ihren Berechnungen? Das ist nachweislich für jeden Astrologen unbedingt erforderlich!

  53. #53 Markus Termin
    7. September 2009

    @ rose: Ich soll Ihnen also verzeihen und wieder mit Ihnen reden?

  54. #54 Roland K.
    7. September 2009

    Der Vollmond ist ja bald vorbei – vielleicht geht’s Markus Termin dann wieder besser :-)

  55. #55 Pianoman
    8. September 2009

    Wahnwitz zwischen Steppnaht und Stundenhoroskop

    Viele Geschichten beginnen mit der retorischen Frage, was zwei sehr unterschiedliche Aspekte dieser Welt miteinander gemeinsam haben ? Die Antwort ist meisten: Nichts, außer…

    Probieren wir es einmal: Was haben ein Wiener Raumausstatter und ein Nürnberger Astrologe gemeinsam ? Nichts, außer…

    …außer dass sie diese Welt nicht mehr verstehen, und diese Welt sie nicht so richtig ernst nimmt.
    Und natürlich, dass beide wissen, was daran die Schuld trägt.

    Wissenschaft ist der Übertäter.

    Jedenfalls diese Art von Wissenschaft, die sich auf der Suche nach der Wahrheit dem Beweis verpflichtet fühlt. Die ihre Strategien danach ausgerichtet hat, sich nicht zum Affen zu machen, und das im wahrsten Sinn des Wortes. Diese Art von Wissenschaft, die es verhindert hat, das der Weg herunter vom Baum zu einer evolutionären Sackgasse wurde. Diese Art von Wissenschaft, die irgendwann die kritische Vernunft entdeckte. Diese Art von Wissenschaft, die bereit ist, für ihre Entwicklungsfähigkeit die Zumutung der Ungewissheit zu ertragen.

    Und darum geht´s. Um die Ungewissheit, oder eher, um den Verlust der sicheren Geborgenheit im Mief der Horde. Es geht um den Angstschiss in der Hose, der seine Gegenwart einer kaum zu bewältigenden Lebensangst zu verdanken hat; und es geht um die Rache dafür.
    Es geht darum, der Ungewissheit die sichere Wahrheit entgegen zu setzen; egal von wem Sie verkündet wurde, egal wie geringfügig der Teil des Lebens ist, für den sie vermeindlich gilt.

    Und es ist dabei völlig schnurz, ob der Raumausstatter sich der Homöopathie hingibt, egal wie verheerend ihrer tatsächlichen Ergebnisse sind; hauptsache, sie vermittelt dort eine Sicherheit, wo ihm sein größtes Angstpotential Tag für Tag den berühmten Schweiß auf die Stirn treibt.
    Es völlig schnurz, ob der Astrologe seine Angst vor den Unwägbarkeiten seiner Existenz damit bekämpft, dass er die “ewigen Weisheiten” eines schizophrenen Okkultisten der Jahrhundertwende zu seiner Religion erklärt; es geht nur um die Geborgenheit in einer Denkwelt, in der der Konjunktiv eliminiert wurde.

    Da kann der Steiner (oder wahlweise der Hahnemann) noch so viel Unsinn erzählt haben.
    Da kann es noch so unübersehbar sein, dass Steiner schon zu dem Wissen seiner Zeit keinen Bezug hatte, und alles Faktische mit unendlichem Geschwätz solange zumüllte, bis nicht mehr zu sehen war, was irgendwie mit Realität zu tun hatte.
    Wichtig ist im Grunde nicht das, was Steiner zusammenfaselte, wichtig sind die zwei Vokabeln, ohne die sein Werk (und des Astrologen Seelenruhe) nicht denkbar sind: “gewiss” und “bestimmt”. Was für jeden normalen Menschen schon damals, und vielmehr noch heute, nur die peinlich heruntergelassene Hose der offensichtlichen Wissenslücke war und ist, gewinnt, wie alle anderen zusammengeschwafelten Weltmodelle die besondere Bedeutung durch die Gewissheit und Bestimmtheit, die freilich jeden Beweis schuldig bleibt.

    Deswegen braucht´s eine andere Wissenschaft. Eine ohne Beweise.

    Denn das Gute einer Wissenschaft ohne Beweise ist, das man Schwachsinn nicht mehr als Schwachsinn identifizieren kann. Dank der fehlenden Fähigkeit, Fehler zu erkennen, stellen dann auch massive Widersprüche zur Realität kein Problem mehr dar.

    Da zuckt man nicht mehr zusammen, wenn hochverdünnte Hundescheiße krankhaftes Dosenfischbedürfnis heilt, da fragt man sich nicht mehr, wer die Fossilien eingegraben hat, wenn die Erde vor 4000 Jahren erschaffen wurde, da ist es egal wenn eine ganze Generation ihr Lebensgefühl von jemanden bestimmen lässt, der seine welterleuchtende Begegnungen mit einem kiffenden Indianer in einer Universitätsbibliothek nur zusammenfabuliert hat, da stört es nicht, wenn eine durchgeknallte Ärztin behauptet, Beinbrüche heilen bei den Aborigines innerhalb einer Nacht.
    Und es irritiert ebenfalls nicht, wenn in einer verkitschten Maya-Schmonzette angeblich der Schlüssel zur Rettung der Welt liegt.
    Und irgendwann, wenn der Wahn und die Selbsterhöhung weit genug fortgeschritten ist, findet man es dann nicht mal mehr absonderlich, dass die Reinkarnation der Gottesmutter gemäß den geltenden Gesetzen tatsächlich als Mensch registriert wurde, und das ausgerechnet als Sabine Friedrichs , Martin-Opitz-Str. 1A, 13357 Berlin. Es sei denn, man erhebt selbst den Anspruch.

    Absonderlich ist höchstens noch, dass überhaupt jemals jemand über so etwas wie Beweise nachgedacht hat. Ohne sie wäre doch alles viel einfacher. Und so schön bunt.

    Da werden zur Zeit des vollentwickelten Industriekapitalismus infantile Wirtschaftssysteme entworfen, die einer Agrarkultur aus dem Mittelalter entsprechen, da wird Atlantis für bare Münze genommen, da werden krause Theorien über Botanik geäußert, die jeder wissenschaftlichen Betrachtung Hohn sprechen, da wird eine Physik betrieben, über die Archimedes gelacht hätte, da werden hahnebüchene Ernährungslehren formuliert, da wird ekelhafter Rassismus mit wolkig-spirituellem Räucherwerk umgeben, und als Begrüdung dafür läßt man in der Aklasha-Chronik fremdlesen. Denn die ist ja Wissenschaft pur. Alles wissende, beweisbefreite Geisteswissenschaft.

    Bei den Verkündern einer anderen, immer jedoch besseren Welt, gehört es zum Pflichtprogramm des professionellen Selbst- und Fremdbetrugs, dass man die zwingende Notwendigkeit des umfassenden Reengineering der menschlichen Zivilisation mit Hilfe einer der vielfältig zur Verfügung stehenden Irrationalitäten, wahlweise mit der Widerbelebung einer vergessenen oder der Vorwegnahme einer zukünftigen Wissenschaft begründet. Die dritte Option ist das Berufen auf eine mißachtete “Wissenschaft” der Gegenwart.

    Aber “Wissenschaft” ist wichtig. Allerdings nicht solche, wie man sie üblicherweise praktiziert.

    Es muss eben eine andere sein, ich sagte es schon.
    Denn die, die mit ihrem numerischen Kalkül den primitiven Seelentrost nicht bietet, die nicht die Existenzängste der entwurzelten Gegenwartsmenschen löst, die nicht der universellen Angstabwehr dient, die ist nicht die Art von Wissenschaft, die der “wahre Mensch” braucht. Nein, es muss eine Wissenschaft jenseits von Wissenschaft sein.

    Nicht eine, die Wissen in einem durchaus anstrengenden, machmal langwierigen Prozess schafft, sondern eine, die Wahrheit schon immer besaß, besitzt, oder irgendwann besitzten wird, die deshalb sakrosankt ist, und die auch dort Fakten schafft, wo allenfalls ahnungsfrei geBILDete Meinung, gepflegte Vorurteile und infantiles Wunschdenken einen flotten Dreier abziehen.

    Eine Wissenschaft, die auch für mediokres Viertelwissen noch Wochenend-Diplome vergibt. Die in wenigen Tagen die Befähigung verleiht, als Heilpraktiker an bedauernswerter Mitmenschen herumzupfuschen. Eine Wissenschaft, die selbst psychisch Gestörten noch das Recht gibt, sich beispielsweise als Psychoanalytiker aufzuführen.

    Solch eine Wissenschaft brauchen die wahren Erleuchteten.

    Eine Wissenschaft voll von Selbsttäuschung und Fremdbetrug, Primitivität und Ahnungslosigkeit, möglichst gut ökonomisch verwertbar, und, vor allem anderen, befreit von jeder Selbstkritik.
    Eine Wissenschaft, die von infantiler Magie, narzisstischer Apotheose, und dem banalen Konzept des Durchgeistert-Seins aller Phänomene des Kosmos lebt, und damit jeder Form vorurteilsbehafteter selektiver Weltwahrnehmung den Rang der universellen Erkenntnis verleiht.

    So eine Wissenschaft ist ein absolut geiler Tagtraum für eine nicht unerhebliche Zahl von Idioten, die von einem Computerprogramm differenzierte Persönlichkeitsanalysen erwarten, die sich oder andere in muffige und enge Kästen stecken und dann meinen, mit ubiqitären Lebenskräften verbunden zu sein, die gefährliche Infektionskrankheiten wie die Masern als biographisch sinnhafte Erkrankung auffassen, oder sich mit potenziertem Kuhschließmuskel von Juckreiz ihrer Hämorrhoiden befreien.

    Für den Rest der Welt, der sich mit dem Hinweis auf ein schlechtes Karma, als Begründung für einen unnötigen Tod durch eine subakute sklerosierende Panenzephalitis, nur begrenzt abfinden kann, ist ein solche Wissenschaft allerdings eine Katastrophe.

    Besonders dann, wenn mal wieder deutlich wird, dass der Regentanz des homöopathischen Heilpraktikers möglicherweise die Todesangst verdrängt, aber den Tod leider doch nicht verhindert, dass die “liebevolle Lebensberatung” diverser Telefonastrologen bei wirklichen Lebenskrisen genau so jämmerlich versagt, wie die Therapie eines erzreaktionären “Familienstellers”.

    Wenn kaum zu übersehen ist, dass das Bedürfnis nach außerordentlicher Bedeutung, nach unbegrenzerter Einflussnahme, nach Unsterblichkeit und zweifelsbefreiter Sinnhaftigkeit, letztlich nur noch dadurch zu erreichen ist, in dem man sich selbst zur einzig maßgeblichen Referenz erklärt.

    Dann wird klar, dass wir es bei der “anderen Wissenschaft” nur mit einer grandiosen Mogelpackung zu tun haben, mit einem bunt verpacktem Haufen Gedöns, Krams und Dingsbums, quasi Bisamrattensterz mit höhere Weihe.

    Dass aber die vergebliche Suche nach verwertbarem Inhalt in einem solchen Haufen Müll auf Dauer auch denen auffällt, die jeden Tag auf´s neue versuchen, sich ihr sinnloses Gestöber schönzureden, davon kann man getrost ausgehen.

    Und hier unterscheiden sich die wirklichen Termins vom Rest der Welt.

    Während die einen sich nämlich irgendwann angewidert abwenden, erklärt die wirklichen Termins ihre Müllkippe zur Goldmine, egal wie sehr es dort stinkt.
    Das mag, monetär gesehen, durchaus berechtigt sein, dennoch bleibt der olfaktorisch belegte Verdacht , dass sich der Zugang zum heiligen Wissen, der sich aus dem elitären Charakter esoterischer Glaubensgewissheit ableitet, als direkter Weg in die Isolationshaft der Selbstbezogenheit erweist.

    Aber nur noch mit sich selbst zu diskutieren, macht auf Dauer auch einem Terminierer der Planetenkonstellationen keinen Spaß. Und so wirkt dann die Umbenennung des Terminschen “No Response-Blogs” in den “Leave a Response”-Blog eher wie ein verzweifeltes Pfeifen hinter der Mauer zur ganz realen Welt, die mit dem Termin nur noch den Entfremdungsprozess vom jeweilig anderen gemein hat.

    Muss er einem deswegen leid tun ?

    Dafür spricht nicht viel, denn Termin (und mit ihm die vielen anderen Propheten des Extraordinären) beneiden, so zeigt die Erfahrung aus ungezählten Diskussionen, im Grunde die Pfaffen des Mittelalters, die dem allumfassenden Gültigkeitanspruch ihrer Weltsicht notfalls mit Gewalt zur gesellschaftlichen Durchsetzung verhalfen.
    Nun, die Mittel haben sich verfeinert, der dahinterstehende Geist ist der gleiche geblieben.
    Heute ist der richterlich verfügte Unterlassunganspruch oder die einstweilige Verfügung das Mittel der Wahl. Die Homöopathen haben diese Strategie im Umgang mit Bublaths Wissenschaftsmagazin genau so verfolgt, wie es die Anthroposophen bei jeder kritischen Publikation versuchen, oder wie es die Stiftung Warentest bei deren Publikation zur Komplementärmedizin erleben durfte.

    Was bei diesen hochallergischen Reaktionen überdeutlich wird, galt für die Kleriker des Mittelalters genau so, wie für die Neomystiker der Gegenwart.

    Es geht hauptsächlich um´s Geschäft, und dabei um die ökonomische Quadratur des Kreises, um den maximierten Ertrag mit minimiertem Aufwand, um den ewigen feuchten Traum jeden Kassenchefs.

    Wer jedoch – ohne jede Qualifikation und lediglich mit ein paar Phrasen aus dem Bullshit-Bingo des New-Age Vokabulars ausgerüstet – Esoterik-Gläubigen für ein bisschen Einlullung ihrer gepeinigten Seele ordentlich über den Tisch zieht, verdient dafür keine Nachsicht, sondern ein paar hundert Sozialstunden in Behinderten-Einrichtungen (1). Dort sind möglicherweise die zu finden, bei denen Belladonna C60 auch nach astrologischer Optimierung nicht geholfen hat, die Hirnschädigung als Komplikation einer falsch behandelten Masern-Infektion zu verhindern.

    Immer dann, wenn sich solche Ergebnisse idiotischer Wahndenke zeigen, sollte man dann ein paar Gedenkminuten einlegen, und ein wenig über die Lehren nachdenken, die uns die Geschichte tatsächlich vermittelt. Denn die modernen Propheten, die regelmässig auf die Verfolgung Andersdenkender durch den mittelalterlichen Klerus hinweisen, und deshalb für sich selbst Toleranz für jede denkbare Narretei einfordern, haben im Grunde die gleiche Geisteshaltung wie die Paffen sie hatten. Hätten sie die Macht, würden sie das Denken der Welt nach ihrem Gusto gestalten, egal wieviel Opfer es fordern würde.

    Und damit sind wir bei den Punkten, um die es wirklich geht.

    Es gibt nur zwei Möglichkeiten, des Termins Motive zu erklären:

    Entweder ist er ein geschäftstüchtiger Drecksack, der skrupellos seinem zahlungswilligen Publikum den Rudolf Steiner für Arme vorspielt. Stehen in höheren Welten, aber mit so langen Hosenbeinen, dass man die Stelzen nicht sieht.
    Oder er leidet an einer schwerwiegenden psychischen Erkrankung, die mit zunehmendem Realitätsverlust einhergeht.

    Möglicherweise mischt es sich auch.

    Pianoman

    (1) Ach ja, Termin, bevor ich es vergesse, ich habe die 2 Jahre meines Zivildienstes gegen Ende der 70er Jahre in einer solchen Einrichtung für Schwerstbehinderte absolviert.
    Ich habe Kinder und Jugendliche von ihren Exkrementen befreit, deren Ausscheidung sie aufgrund massiver Hirnschädigungen nicht mehr kontrollieren konnten.
    Ein erheblicher Teil dieser Kinder, für die ihr Leben schon vorbei war, bevor es richtig begonnen hatte, hatten erworbene Hirnschäden, regelmässig aufgrund zu später oder falscher Therapien diverser Infektionserkrankungen, regelmässig wegen fehlendem Impfschutz.

    Deshalb kotzen mich ehemalige Buchhändler an, die sich absurde esoterische Therapieempfehlungen zur Behandlung von Kindern anmassen. Klar soweit, Termin ?

    Wo haben Sie eigentlich ihren Zivildienst absolviert ?

  56. #56 Markus Termin
    8. September 2009

    @pianoman: Der Einfachheit halber lese ich nur den letzten Satz. Wer, glauben Sie, hat Zeit, sich Ihren Text anzutun? Zivildienst, wie kommen Sie darauf? Als ich den ersten von drei Einberufungsbefehlen bekam, hab ich erstmal `ne Weltreise gemacht.

  57. #57 Christian A.
    8. September 2009

    @pianoman: Schreibst du von Beruf wegen? Dein Text gefällt mir ;) Würd ich so nicht hinbekommen.
    @Markus Termin: Der Text ist gut. Ich glaube, ich gehe nicht fehl, wenn ich behaupte: In ihm wird sehr klar ausgedrückt, wie viele der Herumtreiber und SB-Autoren Astrologie, Homöopathie und Konsorten sehen. Die Ausdrucksweise ist plastisch und drastisch, aber angemessen :)

  58. #58 rincewind
    8. September 2009

    @Termin: Also ich habe die Zeit. Ich les sogar Bücher, die mehr Text haben. Und im Gegensatz zu ihrem Geschwurbel sind Pianomans Texte hervorragend zu lesen – sehr angenehm auch der Unterschied, dass man sich nicht dauernd an den Kopf klatschen oder wahlweise in die Tischkante beißen muss.

  59. #59 Christian A.
    8. September 2009

    Ich meine natürlich Herumtreiber hier auf dem Blog. Natürlich nicht alle, wie man immer wieder beispielsweise bei Florian sehen kann.

  60. #60 Ludmila
    8. September 2009

    Der Einfachheit halber lese ich nur den letzten Satz.

    Muaha! Wah, ich lach mich schlapp. Markus Termin, the Godfather of sinnentleertes Geschwurbel, der regelmäßig Texte beeindruckender Länge schreibt. Texte, bei denen das Gehirn bereits nach dem allerersten Satz aus reinem Selbsterhaltungstrieb den Notaus drückt…

    Also Markus Termin, Mr. fleischgewordener Schreibdurchfall, kann keine Texte lesen, die eine gewisse Länge überschreiten?

    Geil, geil, geil. ROFL.

    @pianoman: Ich hatte schon mal angefragt. Bitte, bitte, bitte, verhunz Deine schönen Texte nicht in den Kommentaren. Schreib selber einen Blog und poste hier die URL. Ich werde die definitiv lesen.

  61. #61 GeMa
    8. September 2009

    Es werden schon ein paar die Zeit haben, bzw. sich nehmen. Ich hole mir stets ein frisches antihomöopathisches Heißgetränk, vulgo Kaffee, um Pianomans Kommentare genüsslich zu lesen ;-)

    Die artikulierte Angst, längere Texte lesen zu müssen, bzw. die fehlende Vorstellungskraft, dass andere dies derweil tun, bereichert Ulrich Bergers Artikel nur auf das Trefflichste um eine – weitere – Illustration.

    … wie ein Kommentator andernorts schon vermerkte : hätten wir den Termin nicht, wir müssten diesen als Prototyp erfinden.

  62. #62 Rose
    8. September 2009

    @Markus Termin:

    “@rose: Ich soll Ihnen also verzeihen und wieder mit Ihnen reden?”

    Wie denn, hätten Sie wirklich die Güte, mir huldvollst nachzusehen, dass ich ihre schulmeisterlichen Astro-Belehrungen zu einem der sensibelsten Abschnitte meiner persönlichen Geschichte nicht sofort dankbar als bahnbrechende Verständnishilfe erkannte? So viel Großmut schlummert in Ihnen, dass Sie mich sogar von der Pein entbinden würden, die mir Ihre Gesprächsverweigerung beschert? :-)

    Im Ernst: Wer von uns beiden ist denn nun die Mimose? Und wer sind Sie, dass Sie glauben, ich bedürfte Ihrer “Verzeihung”? Auf eine solche Idee komme nicht einmal ich in meiner konfliktgeladenen Debattengeschichte mit Ihnen.

    Schauen Sie, und das sage ich ganz unzynisch, Ihr Weltbild erscheint mir, vorsichtig formuliert, bizarr, Ihre priesterlich anmutenden Auslassungen regen mich manchmal auf, immer öfter erheitern sie mich oder lösen nur noch Kopfschütteln aus. Zu klein ist die gedankliche “Schnittmenge”, die uns noch auf einer gemeinsamen diskursiven Ebene verbinden könnte. Aber deswegen hasse ich Sie doch nicht und ich hätte weder auf eine Unterwerfungsgeste Ihrerseits noch sonstwas gewartet, um wieder mit Ihnen zu kommunizieren…

    Umso mehr erstaunt mich, wie empfindlich Sie reagieren. Tststs, wo bleibt denn Ihre kosmische Gelassenheit? :-)

  63. #63 Markus Termin
    9. September 2009

    @alle:Ich bin etwas enttäuscht, Sie gehen nicht aufs Thema ein: lesen Sie doch den Parmenides erst mal, bevor Sie sich ein Urteil bilden?! -?: -?: !!!

  64. #64 Adromir
    9. September 2009

    @Termin: sie sind mit keinem Wort auf meine Fragen, geschweige denen von rose eingeganen. Woher nehmen sie sich die Arroganz, daß wir auf ihre Fragen antworten sollten?

  65. #65 GeMa
    9. September 2009

    Naja, Arroganz. Eher Realitätsverkennung durch Egozentrismus. Wir werden hier sicher von Herrn Termin mit der Kundschaft der Bibliothèque bleue verwechselt, die
    - ausschliesslich deshalb – Parmenides für trockenen Käse hält.

    “Wahrheit von Irrtum zu unterscheiden lehrt uns übrigens Parmenides von Ephesos am Beginn von Philosophie und Wissenschaft für uns: er erklärt, dass die Welt künstlich in Gegensätze gespalten ist, dass diese Spaltung Absicht und Irrtum ist und sich auf den gesamten Erkenntnisapparat erstreckt. Dabei bezieht Parmenides sich in seinem Wissen ausdrücklich auf die Göttin, von der er sein Wissen direkt bezieht! Und ich gestehe, alles, was ich selbst an Wahrheit erfahre, kommt durch sie!”

    Das ist kein Thema, sondern 2 cm lang Quark.

  66. #66 Roland K.
    9. September 2009

    Interessant, dass Markus Termin ein GEDICHT von Parmenides WÖRTLICH interpretiert (als wäre die Göttin tatsächlich existent, und nicht ein lyrisches Element im Gedicht). Damit sind wir bei Religion angelangt – einer Terminischen Patchwork-Religion, zu der er sich selbst als Prophet erhoben hat, sein Glaubensdogma lobpreist und verkündet. Amen.

  67. #67 S.S.T.
    11. September 2009

    Nun ja, wie üblich verpisst sich Markus Termin, wann immer es konkret wird. Es gibt übrigens genug Leute, die von Nibiru einen astrologischen Einfluss erwarten, nun ja, vom Berufs-Verpisser Markus Termin eine Antwort zu erwarten, wäre wahrlich zuviel verlangt. Nee, Mister Termin, wir sind auf der Jagd auf leichtere Opfer, die wir aussaugen können, hollo Berufsbetrüger! (Nun, es mag sein, dass Termin an seinen Quatsch tatsächlich selbst glaubt, also eigentlich kein Betrüger ist, aber das ändert nichst daran, dass er andere Leute ausnimmt.)

  68. #68 Dr. E. Berndt
    11. September 2009

    pianoman Texte sind immer vom feinsten!!! Danke ganz besonders

  69. #69 Zeichenkind
    13. September 2009

    Tur mir leid das ich jetzt hier dazwischenwerfe, aber es macht wirklich Spaß eure Diskussion mitzuverfolgen. Ich muss mich auch ganz klar auf Pianomans Seite stellen und nochmal ausdrücklich betonen das er wirklich wunderbare Texte verfasst. Schön zu lesen und mitreißend.

  70. #70 Dr. E. Berndt
    17. September 2009

    ES geht auch ohne Sterne absolut unbeschreiblich.
    http://www.amorex.at/index.html

    Kein früher Faschingsscherz, sondern heute in einem Magazin für Apothekenangestellte gefunden!

  71. #71 GeMa
    17. September 2009

    Das gibt´s doch nicht!

    “Studien zeigen, dass AMOREX die beste Lösung für solche Phasen ist.” Auch für (Scheidungs)kinder ab 14 geeignet …

  72. #72 Dr. E. Berndt
    17. September 2009

    Werde morgen vom Inserat ein JPG machen und Ulli bitten es in den Blog extra zu stellen. Die Bewerbung es in der Apotheke ins Sortiment zu nehmen ist vom feinsten
    Thema ihr Apotheker der Placebohelfer!

  73. #73 ROH
    19. September 2009

    ja, die Apotheker. Jetzt bieten sie sogar schon Biophotonen-Scans in Apotheken an. http://www.pharmacare.at/index.php?id=75 Klingt Esoterisch, ist es aber nur teilweise. Das Ding kann tatsächlich zumindest Carotinoide messen. Siehe auch http://www.esowatch.com/index.php?title=Biophotonen_Scanner

    Aber in einer Apotheken-Zeitschrift schreiben die Betreiber von der Apotheke Flötzersteig, dass sie dieses Gerät als “Dooropener” sehen um mit dem Kunden ins Gespräch zu kommen um ihm dann weiter mit Nahrungsergänzung, Schüßlersalzen und Homöopathie optimal weiter zu versorgen (und Geld zu verdienen). Tja, dem Kunden zu sagen, dass Obst und Gemüse essen gesund ist reicht wohl nicht, da muss schon was alternativmedizinisches verkauft werden.

  74. #74 Bullet
    28. Oktober 2009

    OMG. Ich merke jetzt auch mal was an.
    1. Pianoman: chapeau!
    2. ASTROGENITAL!!!11einself. (http://www.astrogenital.de) – Ich mach mir ins Hemd.
    Wer zum Geier hat das gefunden?? (Nein, das ist nicht zusammenhanglos. Das steht weiter oben irgendwo.)
    3. äh … ich bin mir etwas unschlüssig, ob ich die ganze Reihe hier “amüsant” finden soll. Denn wenn ich Aussagen wie die des Herrn Termin lese, die etwa so lauten:
    ——– “Letztlich ist noch gar nicht raus, ob nicht die Welt doch eine Scheibe ist. Die Kosmologen jedenfalls diskutieren so ein Modell unter anderen Modellen des Universums: das Scheibenuniversum. Woher wollen Sie denn wissen, dass Sonne und Mond keine Götter sind? Natürlich sind sie das, Gott möge ihre Respektlosigkeit verzeihen!” ——
    dann weiß ich nicht, an welcher Stelle ich mir zuerst Haare ausrupfen soll. Mit der Welt = Scheibe ist, wie ich frech auf Konsens hoffend behaupte, unsere Erde gemeint. Hätte irgendjemand vor 500 Jahren etwas anderes behaupten wollen? Gibt es irgendwo Belege in Schriften, die eine andere Deutung auch nur erahnen lassen?
    Der Begriff des Universums hingegen ist in der astronomischen (!) Forschung eher neuzeitlicher Prägung. Selbst WENN dieser Begriff vor Aufkommen der echten Astronomie verwendet worden wäre, so wäre jene dahinterliegende Begrifflichkeit heute wertlos. Zum Vergleich: wie sähe eine im … öhm … 14. Jahrhundert verfaßte möglichst vollständige Beschreibung des Erdmondes aus – und wieviel davon wäre noch gültig? “Erscheint rund. Zumindest manchmal.” Ja, äh, … danke. Liest sich wie “größtenteils harmlos”.
    Wie kommt man auf SO eine “Verbindung” zweier sich so eklatant unterscheidender Bezeichnungssysteme? Das ist nicht eine andere Hausnummer, das ist glatt ein anderer Kontinent. Pangäa oder so.

  75. #75 Dr. E. Berndt
    28. Oktober 2009

    Ihre Apotheke informiert:

    http://www.hippolyt-apotheke.at/index.php?ID=3&SUBID=5

    Hildegard’s Empfehlungen

    Gesunde Lebensweise:
    ausgewogene Ernährung (Säure – Basen)
    Vollwert
    Naturprodukte (Bio)
    Dinkel ist das wertvollste Getreide, ist warm und kraftvoll, Balsam für den Magen
    Vermeiden der Küchengifte
    Erdbeere- verschleimt, schwächt das Immunsystem
    Pfirsich- schwächt den Magen
    Lauch- reinigt den Gartenboden von schädliche Schadstoffen
    Zwetschke- erhöht die Harnsäure
    Aderlass wird zur richtigen Mondphase
    (die ersten sechs Tage bei abnehmendem Mond)
    mit einer speziellen Stichtechnik und Laminarnadel gemacht.
    Das Blut wird von schädlichen Schleim und Verdauungssäften gereinigt.

    Aderlass- Venen sind
    a) Kopf
    b) Mittelvene
    c) Leber
    Schröpfen wirkt lymphatisch, entstauend, entgiftend, abwehrsteigenrnd, schmerz und entzündungshemmend
    Viel Bewegung in frischer Luft
    In der Natur Kraft und Energie schöpfen

  76. #76 Bullet
    28. Oktober 2009

    Moment mal …
    “Lauch- reinigt den Gartenboden von schädlicheN[das mußte sein] Schadstoffen”
    Da ich mir nicht vorstellen kann, daß Lauch die magische Kraft besitzt, mittels Fernwirkung Materie zu zerstrahlen, kann doch diese Aussage nur bedeuten, daß der Lauch die bösen schädlichen Schadstoffe einsaugt, oder? Der Boden wäre dann tatsächlich weniger mit Schadstoffen belastet.

    Den Lauch dann auch essen? Nein danke.

  77. #77 Ronny
    19. November 2009

    Hat gestern jemand die Debatte über die Entsendung von Hrn. Hahn zur EU im österreischischen Parlament verfolgt ?

    Die beste Aussage kam von Van der Bellen an die FPÖ:

    Was haben sie für ein Problem Hr. Strache, für sie ist doch eine schwache EU Kommission von Vorteil.

  78. #78 klauszwingenberger
    19. November 2009

    “Den Lauch dann auch essen? Nein danke.”

    Natürlich nicht! Als Sondermüll entsorgen, was sonst.