Jodtabletten werden oft als Medikament gegen Radioaktivität genannt. Dabei ist zu beachten, dass Jodtabletten nur die Anreicherung eines einzigen radioaktiven Isotopes (nämlich Jod 131) im menschlichen Körper verhindert. Gegen alle anderen Arten der Strahlung, die bei einem nuklearen Unfall o.ä. auftreten, sind Jodtabletten vollkommen wirkungslos. Diese Tabletten vehindern “lediglich” dass radioaktives Jod im Körper angereichert wird, indem es die Schilddrüse mit “normalem” Jod sättigt.

Im Umfeld von (möglichen) Katastrophen wird immer sehr schnell von Jodtabletten gesprochen und der Verteilung (und Anwendung) eben jener ein sehr großer Stellenwert zugemessen. Diese Wichtigkeit ist meist wesentlich übertrieben. Denn wenn verhindert werden kann, dass überhaupt Partikel aufgenommen werden (z.B. durch die Benutzung von Atemfilern) haben sie keinen Mehrwert und auch sonst helfen sie nur dabei eine Gefahrenquelle etwas abzumildern. Andere Faktoren, wie Zeit und Abstand zu radioaktiven Quellen sind wesentlich wichtiger.

 

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Kommentare (13)

  1. #1 gedankenknick
    14. April 2016

    Erinnert mich daran, wie ich just zu Fokushima nen Beratungsmarathon starten konnte, dass Jod-Tabletten in D wohl kaum nutzen werden…

    Ich meine mich zu erinnern, dass damals die ABDA ein Rund-Fax rausgegeben hat, dass diese Art der Jod-Therapie in D wohl nutzlos ist, welches ich als Beleg meiner Argumente gegenüber mehreren Patienten und auch einem Ex-Amtsarzt zückte.

  2. #2 kari90
    14. April 2016

    @gedankenknick:

    In einer Sendung im Österreichischen Rundfunk wurde auch von einer besorgten Anruferin gefragt, wie hoch die Gefahr von Zugvögeln ist, die Radioaktivität mit nach Österreich zu bringen 😉

    Da wundert einen finde ich gar nichts mehr, dass auch fleißig Jod-Tabletten, Anti-Atomstromfilter etc gekauft werden. Es denkt ja keiner mehr rational in seiner Angst.

  3. #3 schorsch
    14. April 2016

    Während der jüngsten Berichterstattung zu den Vorfällen in Fessenheim wurden im Fernsehen (ich weiss nicht mehr, welcher Sender), verschiedene Bürger in der Freiburger Fußgängerzone befragt, was sie von den Vorfällen halten, und ob und wie sie sich auf einen Störfall vorbereiten.

    Dabei hat ein älterer Bürger in sehr schöner Weise den durchschnittlichen Kenntnisstand der Bevölkerung zu den Gefahren bei einem Störfall kundgetan: “Wenn da was passiert, zieh ich mich in mein Ferienhaus im Schwarzwald zurück. Die Berge dort sind so dick, da kommt bestimmt keine Strahlung durch”

  4. #4 August
    14. April 2016

    Knapp 30 Jahre nach dem Atomunglück von Tschernobyl sind immer noch viele Wildschweine in Bayern radioaktiv belastet. Der zulässige Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilogramm wird teilweise um mehr als das Zehnfache überschritten. Im Landkreis Augsburg überschritt im Jahr 2013 sogar mehr als die Hälfte der 612 genommenen Proben den Grenzwert. In anderen Kreisen war es mehr als ein Drittel – darunter Freyung-Grafenau, Neu-Ulm und Weilheim-Schongau.

    Vielleicht sollte man zu jedem Wildschwein eine Jodtablette beilegen?

  5. #5 Tobias Cronert
    14. April 2016

    Dann schon lieber ein Schälchen Bio-Zeolith zum Wildschwein http://scienceblogs.de/nucular/2016/01/14/medikament-gegen-radioaktivitaet-bio-zeolith/

  6. #6 wereatheist
    14. April 2016

    @August, #4:

    Vielleicht sollte man zu jedem Wildschwein eine Jodtablette beilegen?

    Eher ‘ne Cäsium & Strontium-Tablette.

  7. #7 bombjack
    15. April 2016

    Die erste Halbwertszeit bei Cs-137 (ca. 30 Jahre) und Sr-90 (knapp 29 Jahre) sind ja schon rum…nach nur noch 9 weiteren, ist die Belastung dann weg…dauert nicht mehr solange 😉

    Für mich eines der Argumente, neben dem ungelösten Abfallproblem, warum Atomkraft bzw. die Kraftwerke doch keine so gute Idee wären, da Technik nie zu 100% sicher ist und bei einem Unfall die Auswirkungen zu lange anhalten.

    bombjack

  8. #8 Abakuss
    16. April 2016

    Herr bombjack, wenn 1 Halbwärtszeit um die Hälte verringert, dann nach 10 HWZ um 2 hoch 10 um den Faktor 1024. Das ist dann also nicht weg, sondern ungefähr ein Tausendstel. In 300 Jahren, ja, dann könnte man wieder schön gute saftige Wildschweine essen und heimische Pilze/Schwammerl mit einer geringeren Belastung.

    Wir sollten die Cäsium-Fressenden Wildschweine exportieren, um auch von dem Verteilungseffekt zu profitieren, so geht das! Die Pilze/Schwammerl eventuell als Potenz förderndes Mittel? Leute die Nashornpulver dafür essen sind sicherlich geeignete Kunden.

  9. #9 Abakuss
    16. April 2016

    Frau kari90, der Durchschnittsbürger verfügt nicht über den Wissensstand wie wissenschaftlich ausgebildete Menschen, wie sie und ich es sind. Daher ist es auch nicht notwendig sich über die Sorgen lustig zu machen, sondern sachliche Aufklärung zu betreiben.

  10. #10 rolak
    16. April 2016

    In 300 Jahren, ja, dann könnte man wieder schön gute saftige Wildschweine essen und heimische Pilze/Schwammerl mit einer geringeren Belastung

    Nee, Abakuss, schon heute abend – das ist das Schöne an so einem Zerfall.

    Leute die Nashornpulver dafür essen

    Ach daher weht der Wind: Gar keine Ahnung. Das wird selbstverständlich lokal eingerieben und funktioniert 1A.

    den Wissensstand wie ausgebildete Menschen

    Na Hauptsache ´aus´ und keine weiteren Fragen.

  11. #11 Scharmane
    Köln
    16. April 2016

    Weissrussland und Polen waren am schlimmsten betroffen vo. Tschernobyl-Fallout. Und die Jod-Tabletten helfen umsomehr, je jünger man ist (weil man dann die Schilddrüse noch mehr Jod aufnimmt). Also hat Polen an die Kinder Jod-Tabletten verteilen lassen, Weißrussland nicht. Einige Jahre später hatte Weissrussland eine 100x höhere Rate bei Schilddrüsenkrebs bei Kindern und Jugendlichen… Ganz unsinnig sind sie nicht. Aber das Timing ist wichtig (Schutz max. 50 h), je jünger um so sinnvoller (ab 45 Jahren überwiegen die Nebenwirkungen), und die Austeilung muss bereits im Vorhinein erfolgen (wegen dem Timing). Aachen hat 10 Mio. Stück bestellt. Rechtsrheinisch machst wohl wenig Sinn, wenn man die Belgier und Franzosen mit Sorge betrachtet.

  12. #12 Tobias Cronert
    16. April 2016

    Jodtabletten haben schon einen Sinn und im Zweifel ist eine kleine Hilfe auch besser, als gar nichts.

    Aber “einfache” Maßnahmen, wie belastetes Material vermeiden und Entfernung zu Strahlenquellen sind wesentlich effektiver, als Medikamente. Daher als einfache Empfehlung: Abstand und Vermeidung, statt Medikamente.

  13. #13 Scharmane
    17. April 2016

    @Tobias
    Da stimme ich Dir völlig zu. Aber “Abstand und Vermeidung” ist bei 1-3 h Vorwarnzeit (falls die Behörden dort sofort warnen) in Aachen/Köln zwar machbar, aber nur wenn der Rest der Bevölkerung in Angststarre verfällt. Wenn sich alle gleichzeitig auf den Weg machen, werden die Meisten wohl den evtl. Fall-out im Stau erleben…