Nachdem ich Anfang des letzten Jahres meinen kleinen Test zum sgp-001, dem “Geigerzähler fürs Handy und den Hausgebrauch”, veröffentlicht hatte, habe ich eine Menge Resonanz auf diesen Artikel bzw. den entsprechenden Test bekommen. Im Backend und der Statistik dieser Seite fällt es immer recht deutlich auf, wenn Leser außerhalb der “normalen” Scienceblogs-Leserschaft auf diese Seite kommen, sei es durch Direktlinks oder durch Suchmaschinenanfragen und da steht dieser Artikel recht weit oben auf der Rangliste.

Die Direktlinks kommen hauptsächlich von Seiten, die die Möglichkeit zur einfachen Messung (via Handy-App) von Radioaktivität bekannt machen wollen. Dies finde ich sehr toll und freue mich sehr, sowas unterstützen zu können. Speziell Foren, die sich mit Reisen nach Russland, der Ukraine oder Japan beschäftigen, verlinken gerne mal auf diesen Testbericht… danke dafür.

Zusätzlich hatte sich auch noch (einer) der deutschen Vertreiber des sgp bei mir gemeldet, meine Aussage (bis zu 50% Messungenauigkeit) angezweifelt, mich aufgefordert, die entsprechende Bewertung bei Amazon (drei Sterne und Kommentar) zurückzunehmen, und mir mit rechtlichen Schritten gedroht, falls ich dies nicht tun würde. Nun ja, wie ihr gesehen habt, hat sich nichts an meiner Beschreibung geändert, was vor allem daran liegt, dass ich meiner Messmethode ziemlich vertraue und auch – denke ich zumindest – hier klar beschrieben habe, woran diese rel. hohe Ungenauigkeit liegt (ist halt hauptsächlich bauartbedingt).

Obwohl (oder vielleicht gerade weil) ich den sgp-001 gestern wie heute für Erstanwender durchaus empfehlen kann, habe ich ihn mir aber noch einmal geschnappt und ein paar anderen Tests unterzogen als beim ersten Mal. Unterm Strich haben sich dabei meine Erfahrungen von vor einem Jahr bestätigt, so dass meine Meinung von damals auch jetzt immer noch steht.

spg_test_002Wesentlich konkreter heißt das: Ich habe Test mit verschiedenen Strahlern durchgeführt, die eine rel. klar definierte Aktivität und Art der Strahlung haben. Kurz gesagt detektiert der sgp nur Gammas (und Röntgen) (was ja auch zu erwarten ist) und sämtliche Tests mit Beta+- und Neutronen waren recht erfolglos. Falls der Detektor welche detektiert haben sollte, dann sind sie immer im Untergrund untergegangen (bis auf die 511keV-Sekundär-Gammas). Wer so einen Test mal zu Hause machen möchte, kann einfach den Detektor vor eine entsprechende Probe halten und einmal mit und einmal ohne ein mm-starkes Blei- oder Stahlblech (und Plastik bei Neutronen) als Abschirmung messen. Wenn sich kein nennenswerter Unterschied zeigt, dann sind es nur Gammas.

Dann bin ich mal langsam die Gamma-Energien durchgegangen. MeV und Größenordnung-100keV-Gammas detektiert er ganz gut und ist auch nach Herstellerangaben mit einer 137Cs Quelle geeicht worden, wo der Gamma-Peak bei ca. 700keV liegt. “Weiche Gammas” im zweistelligen keV Bereich bekommt er dann schon nicht mehr so gut hin und die Nachweiswahrscheinlichkeit geht in den Keller. Bei Röntgen dagegen ist er wieder recht gut bei der Hand, was jetzt natürlich nicht an der echten Nachweisbarkeit liegt, sondern daran, dass bei Röntgenquellen einfach wesentlich mehr Ereignisse zur Verfügung stehen (vor allem bei den gut kollimierten Geräten, an denen ich das Ding ausprobiert habe).

Mit hohen Energien kommt er erstaunlich gut klar, sei es bei durch Neutronenabsorption induzierten Gammas oder hoch energetischer Anregung. Da bin ich mir allerdings schon nicht mehr sicher, ob es jetzt echte Zählereignisse sind oder EM-Störungen, die von den Gammas ausgelöst wurden. Für Letzteres spricht vor allem, dass er bei hohen Zählraten mit einer recht langen Totzeit ziemlich untergeht und offenbar die Elektronik total überlastet wird. Es scheint halt schon eine (wie auch immer geartete) Diskriminierung stattzufinden, die aber eindeutig nicht für hohe Energien und/oder Zählraten ausgelegt ist.

Zuletzt wurde noch berichtet, dass man beim Smartphone alle Funkfunktionen ausschalten und es ruhig positionieren sollte. Sowas war für mich immer selbstverständlich gewesen und daher hatte ich mich beim ersten Test gar nicht erst drum gekümmert. Nun habe ich es mal mit zwei verschiedenen “Handys” (Mac und Android) getestet und auch während der Messung wild damit in der Gegend herumgewunken. Außerdem habe ich mal diverse Hochspannungen und Hochfrequenzkabel daneben gelegt und geguckt, wie es darauf reagiert.

Wie zu erwarten war, zeigen sowohl die EM-Störungen als auch die Bewegung leichte bis mittlere Auswirkungen in Form von zusätzlichen Phantom-Zählereignissen. Aber das ist erstens zu erwarten und zweitens dadurch zu beheben, indem man alles ausschaltet und das Ding ruhig hinlegt. Soweit so klar. Im Allgemeinen ist das Teil sogar wesentlich robuster gegen solche Einflüsse als meine Detektoren, die ich so benutze. Also mMn kein Problem an der Front.

spg_test_003Ich habe einmal versucht, thermische Einflüsse mit einem Fön zu simulieren, aber außer einer totalen Detektoraufgabe habe ich keine Fehlereignisse produzieren können. Allerdings hatte ich auch den “Nachteil”, dass mein Kontrollbereich immer klar temperiert war und ich keinen Unterschied zwischen 10°C und 20°C messen konnte. Ich erwarte da aber jetzt auch keine großartigen Überraschungen. Im Allgemeinen gilt halt: Bei höheren Temperaturen schwankt der Messwert stärker.

Wie am Anfang schon gesagt kann ich meine vorherige Meinung nur weiterhin vertreten. Das ist ein ganz vernünftiges Teil für den Hausgebrauch, solange man jetzt nichts Professionelles erwartet und einfach nur mal messen will, “ob da was ist”. Für die 60€ Kaufpreis ist das Ding unschlagbar günstig, vor allem, wenn man es mit den Geräten der 200€ Kategorie vergleicht, die vielleicht ein paar Messmodi mehr haben, aber unterm Strich dasselbe Ergebnis liefern. Ich hoffe sehr, dass in Zukunft mal ein Bastler (oder einfach nur Hobbyprogrammierer) ein Programm schreibt, das mit der kommerziellen Hardware läuft, aber wesentlich mehr kann als die “einfach nur messen und sonst nix”-Funktion des Herstellerprogramms. Ein paar Kollegen und auch mir hat es beim Ausprobieren da kräftig in den Fingern gejuckt, aber auf der To-Do-Liste wird das Bastelprojekt wohl nur einen höheren zweistelligen Platz erhalten und damit nicht mehr in der Lebenszeit des Universums drankommen. *sad*

 


Alle meine Artikel zu Detektoren gibt es hier.

Zu einem Beispiel, wo die Presse den SPG eingesetzt hat, um Radiaktivität bei Erdgas nachzuweisen und sich mit der entsprechenden Lobby anzulegen, geht es hier.

Kommentare (13)

  1. #1 Peter Köhler
    10. Mai 2017

    Wenn es nur um qualitative Anzeige geht, kann man noch billiger die App RadioActivity ausprobieren: http://www.hotray-info.de/html/radioactivity.html
    Dabei wird die Handykamera lichtdicht zugeklebt. Die App zählt dann Signale des CMOS-Chips, die durch Röntgen- oder Gammaphotonen ausgelöst werden. Funktioniert zumindest bei mir erstaunlich gut – natürlich nicht mit einer exakten Messung, aber dafür supergünstig. Für Leute, die einmal im Leben nach Chernobyl reisen möchten. (Disclaimer: kenne den Erfinder nicht, verdiene nichts dran)

  2. #2 Tobias Cronert
    10. Mai 2017

    Die App steht bei mir auch noch recht oben auf der Liste, der zu testenden Anwendungen. Bis dahin werde ich mich mit Aussagen zurückhalten.

    Bislang habe ich sehr gemischte Erwartungen und die Erfahrungen, die ich gelesen habe, besitzen auch eine sehr große Bandbreite.

  3. #3 rolak
    10. Mai 2017

    mit rechtlichen Schritten gedroht

    Ja aber sicher doch wegen der zutreffenden, zu wahrheitsnahen Einsortierung der just von mindestens einem der hiesigen Vertreiber genutzten Werbung:

    reißerisch und einfach nur dämlich

    :-)

  4. #4 Tobias Cronert
    10. Mai 2017

    eher die objektiven Messdaten *g* …

  5. #5 rolak
    11. Mai 2017

    objektiv

    Subjektiv hätte bei mir dieses unerreicht intellente ‘Akronym hinter Langform’ schon zu Abzügen in der B-Note geführt…

  6. #6 Laie
    11. Mai 2017

    Wenn der Hersteller weiterhin lästig ist und der verbaute Halbleiter nicht von demselben Hersteller stammt sondern zugekauft wurde, dann einfach ein kleines Paper zur “Evaluierung der Messwerttoleranzen unterschiedlicher Detektorarten” schreiben, worunter auch der Sensor bzw. das Gerät des Herstellers vorkommt, vielleicht wirkt das dann heilsam! :)

  7. #7 gedankenknick
    12. Mai 2017

    Ist zwar ein wenig OT, aber es wurde ein neues Strahlenschutzgesetz beschlossen. http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/panorama/nachricht-detail-panorama/bundesrat-neues-strahlenschutzgesetz/

    Für Baumaterialien, die natürliche radioaktive Stoffe enthalten könnten, sind künftig Messungen vorgeschrieben. Ah ja, heißt das, dass Granit demnächst nur nach Strahlenschutzfreigabe verbaut werden darf? Und welche Baumaterialien KÖNNTEN denn NICHT “natürliche radiaktive Stoffe” enthalten??? Selbst Holz ist mit C14 “belastet”…

  8. #8 Tobias Cronert
    12. Mai 2017

    Also ich werde mit absoluter Sicherheit mal mehrere Artikel zu der neuordnung im Strahlenschutz schreiben, aber dafür brauche ich erst mal die Zeit mich selber damit ausführlich auseinander zu setzen und dann braucht es auch noch ein wneig Zeit, bis es sich “eingeschliffen” hat, was die praktische Umsetzung angeht.

    Vor dem Gesetz ist halt etwas “nicht radioaktiv” wenn es unter der Freigrenze ist. Da ist die gesetzliche Radioaktivität eben etwas anderes, als die physikalische.
    Was das jetzt in der Realität heißt? … abwarten
    ich freue mich schon darauf im Baumarkt mit dem Geiegerzähler zu stehen und die Feuerwehr zu rufen, weil die Fliesen, die dort im Regal stehen mit Änderung der Gesetzeslage plötzlich radioaktiv werden *g*

  9. #9 Karl Mistelberger
    14. Mai 2017

    > #8 Tobias Cronert, 12. Mai 2017
    > ich freue mich schon darauf im Baumarkt mit dem Geiegerzähler zu stehen und die Feuerwehr zu rufen, weil die Fliesen, die dort im Regal stehen mit Änderung der Gesetzeslage plötzlich radioaktiv werden

    Früher war vieles anders. Vor 100 Jahren war die Radioaktivität noch etwas ganz Neues. Die Leute sind damals voller Begeisterung in die freie Natur ausgeschwärmt und freuten sich darüber, wenn sie wieder fündig wurden.

    Heute könnte man das auch machen, aber die Kombination Radioaktivität und Natur ist out und die Leute marschieren lieber in den Baumarkt. Sind sie nur bequemer oder auch dümmer geworden?

    • #10 Tobias Cronert
      14. Mai 2017

      Natürliche Radioaktivität (Steine in der Natur) und künstliche Radioaktivität (Fliesen im Baumarkt) sind in der Handhabung und (je nach Interpretation) auch im Gesezestext unterschiedliche Sachen, auch wenn sie physikalisch natürlich genau dasselbe sind.

  10. #11 tomtoo
    15. Mai 2017

    Wollte gerade sagen das so einige Pilzsammler nach Tschernobyl auch mit Zähler unterweg waren. Das Klicken aber nicht sooo freudig vernommen haben.

  11. #12 Tobias Cronert
    15. Mai 2017

    Ja, ich glaube es ist noch niemand auf die Idee gekommen Pechblende essen zu wollen.

    https://www.orau.org/ptp/collection/quackcures/toothpaste.htm

  12. #13 tomtoo
    15. Mai 2017

    @Tobias

    Ich habe die Vermutung das diese “Lebens Energie” schwafler irgentwie etwas gemeinsam haben. ; )