Bleiziegel

Ein verrückter Bekannter von mir dealt mit Versicherungen und als ich gerade dem armen Freund, in dessen Keller ich wohne, eine neue Wohngebäudeversicherung besorgt habe, bin ich in den Formularen auf eine interessante Option gestoßen: “Wollen Sie ihr Gebäude durch Schäden vor radioaktiven Isotopen versichern?”, hieß es in der Optionenliste, aus der man sich Leistungen aussuchen konnte.

Darüber habe ich dann mal zwei Sekunden länger nachgedacht als über die Option bzgl. “Bissschäden durch Nagetiere an elektrischen Anlagen und Dämmung”, bin aber zu dem Schluss gekommen, dass alle radioaktiven Dinge, mit denen ich so herumhantiere, keine nennenswerten Schäden an dem Gebäude anrichten können, in dem ich von Zeit zu Zeit “hause”, wie mein Mitbewohner zu sagen pflegt. Daher brauchen wir die Option nicht und dabei hätte es auch bleiben können, wenn ich nicht wenig später alleine zum Mittagessen gegangen wäre. Da ließ mir diese Option nämlich keine Ruhe und ich fragte mich: “Also, wenn ICH schon keinen Bedarf für eine Absicherung vor Schäden durch radioaktive Isotope habe… Wer zum Geier, in diesem Land, braucht denn dann eine Versicherung, die sowas abdeckt?” … Und da lässt sich doch bestimmt ein Scienceblogs-Artikel drüber schreiben!

Benda zum Thema Versicherungsmafia bei Anne Will

Benda zum Thema Versicherungsmafia bei Anne Will

Das habe ich dann auch bei meinem anschließenden Telefonat den lieben Benda gefragt und da er gerne mal in seinem Blog, bei seinen Talkshowauftritten oder im persönlichen Gespräch seiner zutiefst zynischen Weltansicht Worte verleiht, hat er auch in besagtem Telefonat nicht damit gegeizt: “Die Option gibt es, weil Leute Angst vor Radioaktivität haben, sich dagegen versichern wollen und Versicherungen oftmals herzlose Arschlöcher sind, die jede Gelegenheit ausnutzen, um ihren potentiellen Kunden das Geld aus der Tasche zu ziehen, sobald sich eine Möglichkeit dazu bietet.” Meine Einwand: “Ja, aber es wird doch niemals eine Situation geben, bei denen irgendjemand so eine Klausel in seiner Wohngebäudeversicherung brauchen würde… ich mein, so ein Fall tritt doch nie ein!” war dann eher noch eine Schippe Öl ins Feuer. “Ja, natürlich tritt so ein Fall niemals ein. Das ist doch genau das, was die Versicherungen wollen. Die Versicherungen haben Null Risiko und jeder Cent, der für diese Option mehr bezahlt wird, ist Reingewinn.” Tja, so wird natürlich ein Schuh draus, auch wenn es mir nicht sofort klar gewesen ist.

Naja, wenn man mir sagt, dass etwas nicht möglich ist oder niemals eintritt, dann löst dies natürlich eine Trotzreaktion aus und ich habe mir den Kopf darüber zerbrochen, ein Szenario zu konstruieren, in dem man bei einem solchen Versicherungsfall doch noch Geld herausholen könnte. Als ersten Schritt braucht man überhaupt erstmal etwas, das radioaktiv ist. Damit meine ich jetzt natürlich nicht physikalisch radioaktiv, wie Bananen, Glasflaschen oder legale schmutzige Bomben, sondern “nach deutschem Gesetz” radioaktiv. Danach ist etwas erst radioaktiv, wenn es “über der Freigrenze” liegt. Dabei habe ich die Freigrenze absichtlich in meine beliebten Gänsefüßchen eingeschlossen, da es mehrere Freigrenzen für bestimmte Anlässe und Stoffmengenkonfigurationen gibt, die im Rahmen dieses Artikels nicht so einfach zu erklären sind. Wir haben auf jeden Fall einen Grenzwert.

Da ich nun schon mal abgeklärt habe, dass ich mich nicht an die Versicherung wenden kann, wenn ein Bananenlaster seine Ladung auf dem Grundstück abgeladen hat, will ich nun einen Fall finden, bei dem die Versicherung einspringen würde … und das ist gar nicht mal so einfach. In dem Text steht sowas, wie: “…insbesondere Schäden durch Kontamination und Aktivierung. Dies gilt nicht für radioaktive Isotope von Kernreaktoren.” Hm, okay, wenn das benachbarte Kernkraftwerk in die Luft fliegt, dann bezahlt die Versicherug auch nicht. Das war soweit zu erwarten. Aber sie würde bezahlen, wenn ich mir auf meinem Grundstück etwas aktiviere, OK, damit kann ich arbeiten, Aktivierungsrechungen sind mein täglich Brot. Allerdings brauche ich dafür immer einen Teilchenbeschleuniger oder eine ähnlich potente Neutronenquelle um über die Freigrenze zu kommen. Diese darf ich in Deutschland nicht legal auf meinem Privatgrundstück betreiben und ich bezweifle stark, dass eine Versicherung für Schäden durch meinen illegal im Keller betriebenen Teilchenbeschleuniger aufkommen würde. Das wäre vermutlich recht nahe an der Definition “fahrlässig”.

Also bleiben noch “Schäden durch Kontaminationen”. In meinem Verständnis heißt das, dass nicht die Dekontamination als solches bezahlt wird, sondern nur die Schäden, die durch Kontamination am Gebäude angerichtet werden. OK, das kann ich. Ich habe ja letztens noch ausgerechnet, wann die Gummidichtungen in meinem Moderator so viel Strahlung abbekommen haben, dass sich die Polymere zersetzen und das Plastik denaturiert. Das wären ca. 5 Gray. Um die Dichtungen am Küchenfenster meines Kumpels zu beschädigen, müsste also schon eine Neutronenbombe in Düsseldorf explodieren. Ich bezweifle, dass in diesem Szenario die Gummidichtungen unser größtes Problem sind.

Katzen sind offensichtlich weniger sensibel als Nintendo Spielekonsolen.

Katzen sind offensichtlich weniger sensibel als Nintendo Spielekonsolen.

Das Strahlensensibelste in seinem Haushalt ist wahrscheinlich sein Rechner oder die Super Nintendo Classic Mini Edition, die wie alle Mikroelektronik eine gewisse Strahlenanfälligkeit hat. Um hier permanente Schäden anzurichten braucht es 10^4 weniger Strahlung als im Falle der Gummidichtungen, was heißen würde, dass schon eine Atombombe in Düsseldorf ausreichen würde. Selbst der potenteste Isotopentransport, der über Deutschlands Straßen rollt und in besagtem Vorgarten landen könnte, hätte nicht genug Strahlung, um irgendwelche Elektronik im Haus zu schädigen. Selbst wenn er dort für ein Jahr geparkt wird.

Irgendwelche exotischen Sonnenwinde (die den Untergang der Menschheit besiegeln würden) ausgeschlossen, fällt mir auch beim besten Willen kein Szenario ein, bei dem diese Versicherungsoption irgend eine ernsthafte Rolle spielen würde. Ich geben diesen Pitch gerne an den lieben Benda weiter, der mein Verständnis von Versicherungen und deren Texten gerne in der Luft zerreißen kann, aber ich bin mit meinem Latein am Ende mir ein Szenario zu konstruieren, das irgendwie plausibel ist … vorausgesetzt Dekontamination ist nicht mit abgedeckt, wie ich es vermute. Falls dem doch so wäre, fallen mit ad hoc plötzlich wieder ein Menge Optionen ein, die die Versicherungen eeeecht viel Geld kosten könnten.

Kommentare (30)

  1. #2 Robert
    18. Oktober 2017

    Tobias,
    irgendwann und irgendwo bekommt der größte Unsinn seinen Sinn. Ein Wahlspruch von mir!

    Tatsächlich hat man in Stuttgart auf dem Killesberg ein neues Wohngebiet erschlossen mit Luxuswohneungen zu Luxuspreisen.
    Ein halbes Jahr später berichtet die Stuttgarter Zeitung von überhöhten Strahlungswerten in den Kellern der betroffenen Häusern, die höchsten im Stuttgarter Raum.
    Was tun? Die Kellerböden besser isolieren , eine Zwangsentlüfutung einrichten? Auf jeden Fall war der Ruf dieser Wohnanlage geschädigt.
    Also, du siehst, der Versicherungsschutz gegen “Strahlenschäden” ist gar nicht so abwegig.
    Nachtrag: Pikanterweise sind die Strahlungswerte auf der Insel Jersey, der Insel der Reichen und Schönen und Steuersünder, am höchsten in Europa, weil sich Jersey auf einem Granitfelsen befindet. Einer Mitreisenden habe ich mit dieser Tatsache ihren Lebenswunsch versauert, sie wollte dort hinziehen, hat aber Angst vor rad. Strahlung.

  2. #3 schlappohr
    18. Oktober 2017

    Das ist geschäftsschädigend was Du hier machst! Du kannst nicht ein modernes Produkt einer seriösen Versicherung mit irgendwelchen Fakten derart niedermetzeln. Das ist einfach nicht vorgesehen, verstehst Du? Was ist denn, wenn jetzt ein potenzieller Kunde auf den Gedanken kommt, dass man diese Versicherung womöglich gar nicht braucht? Oder dass sie nicht zahlt, wenn man sie doch braucht?
    Ironie Ende.
    Was hältst Du da eigentlich in der Hand? Nicht die Banane (die habe ich erkannt), sondern auf dem ersten Bild?

  3. #4 Tobias Cronert
    18. Oktober 2017

    @Robert: Na das schlimme ist ja, dass (zumindest meinem Verständnis nach) eine Versicherung nicht dafür zahlt, dass die Quelle der Radioaktivität entfernt oder abgeschwächt wird, sondern nur für Schäden, die die Strahlung anrichtet. … und für Schäden an einer Wohnung oder deren Inhalt ist irgendeine handelsübliche Strahlenquelle viel zu schwach.

    @Schlappohr: Das ist ein Bleiziegel. Das dritte Schweinchen baute sein Haus aus Stein, aber da kam der böse Wolf mit einer Strahlenkanone, daher musste das vierte Schweinchen sein Haus aus Blei bauen. Das hilft natürlich nur so lange, wie man keine Bananen hereinlässt 😉

    Ansonsten: Tja mit der steilen Karriere in der Versicherungsbranche wirds wohl bei mir nichts. *g*

  4. #5 schlappohr
    18. Oktober 2017

    Ah, ich dachte das wäre ein Plutoniumklotz oder etwas in der Art.
    Aber wenn es Blei ist, warum dann der Aufkleber?

  5. #6 Hans
    zu Hause
    18. Oktober 2017

    Über Sinn oder Unsinn dieser Option zu streiten, bringt sicher nicht viel. Außerdem entscheidet sich der Wert und die Qualität einer Versicherung doch sowieso immer erst dann, wenn ein Schaden eingetreten ist. Vorher sind alle Versicherungen sowieso “Quatsch”!! 😀 😉

    Was jedoch komplett falsch ist: Die Versicherungsgesellschaft fährt keinen Reingewinn mit irgendwelchen zusätzlichen Optionen oder Klauseln ein, die man eben optional wählen kann!! Im Gegenteil, es existiert eine einfache (Milchmädchen)Rechnung: Beitrag rein – Schadensaufwendungen raus = Quote. Es ist ganz und gar so, dass diejenigen, welche sich für diese Option entscheiden, den zukünftigen Beitrag für ALLE Gebäudebesitzer sogar senken – wenn halt kein Schadensfall eintritt!! Denn, wie oben erwähnt: Je mehr Beitrag in den (Solidar)Topf einfließt, desto besser könnte sich die Schadenquote entwickeln. Ein wichtigen Punkt hast Du nämlich übersehen: Verbessert sich die Quote signifikant, müssen die Einsparungen im nächsten Beitragsjahr an ALLE Beitragszahler durchgereicht werden! Sogar an diejenigen, die im Jahr davor einen Schaden bezahlt bekamen! 😉

    Du siehst, so einfach kann man es sich nicht machen und pauschal alles ins Böse verdammen!

  6. #7 schlappohr
    18. Oktober 2017

    ” Beitrag rein – Schadensaufwendungen raus = Quote”

    Und was kommt dabei heraus, wenn “Schadensaufwendungen”==0 ist, weil der Schaden niemals eintreten kann? Wenn ich richtig rechne, bleibt da “Beitrag rein” übrig, bzw. aus der Perspektive des Versicherungsnehmers “Beitrag raus”.

    “pauschal alles ins Böse”
    In diesem Fall ist es ein Marketinggag, der aufgrund der Unwissenheit der Kunden funktioniert.

  7. #8 Tobias Cronert
    18. Oktober 2017

    @Hans: Wenn die Optionen nur durch Kundengeschmack und nicht durch “Sinnhaftigkeit” bestimmt werden, dann landen wir bei Krankenversicherungen, die homöopatische Behandlungen solidarisieren. Das möchte ich eigentlich nicht. Eine Google-Suche hat wenig bis keine Hits für Beispiele ergeben, wo mal eine Schaden anhand dieser Option reguliert worden wäre, aber viele Anfragen von Leuten aus der Versicherungsbrache, ob denn nicht mal jemand ein Beispiel hätte.
    Selbst wenn keine Schäde reguliert werden, dann verursacht diese Option Kosten, die verteilt werden. Da möchte ich aber ungern sinnlos Geld für bezahlen.

    @Schlappohr: Ich glaube Bilder von Plutoniumklötzen würde ich nicht öffentlich posten …. obwohl … 😉
    Das ist Standart Abschirmmaterial und der Aufkleber ist dafür da, dass man das Isotop und die Aktivierung des strahlenden Materials, was man damit abschirmt, festhalten kann. Besser als ein Post-It, die fallen immer nach ein paar Jahrzehnten ab.

  8. #9 nihil jie
    18. Oktober 2017

    Gibt es auch Versicherung gegen Schäden durch Tachyonen ? *tztz 😀

  9. #10 Robert
    18. Oktober 2017

    Tobias Cronert,
    du musst es positiv sehen. allein die tatsache, dass dich deine Versicherung an ein Strahlenrisiko erinnert, ist doch schon die Option wert.
    Zweitens sind nicht alle Menschen so rational und denken in Grenzwerten. Für die ist diese Zusatzversicherung ein Ruhekissen. Das darfst du nicht unterbewerten. Du findest erst nach einem Pils die nötige Bettschwere, andere brauchen eine Risikozusatzversicherung. Und wie Hans es so treffend bemerkt hat, senkt diese Zusatzversicherung die Beitragshöhe, es ist also ein Beitrag zum Solidarpakt.
    Drittens und letztens, und jetzt schimpfe ich mit dir. Grenzwerte sind nicht unumstritten, ein einziges Betateilchen reicht, um eine Zelle entarten zu lassen.

  10. #11 Laie
    18. Oktober 2017

    Was ist wenn ein Nagetier ein radioaktives Material aus einem Krankenhaus, das für Untersuchungen verwendet wird (Technetium oder wie das Material heisst?) stiehlt und im Nachbarhaus einem irgendwo in der Nähe des Kopfkissens in irgendwelchen Höhlräumen versteckt?

    Dann kanns schon Strahlenschäden geben, aber keine Ahnung wie man die wieder los wird.

    Spass beiseite, in Mexico wurde mal ein Krankenwagen gestohlen, die Diebesbande hat dann irgendein Gerät geöffnet, wo so ein Stoff drinnen war. Mit der Zeit sind die dann verstorben, weil sie sich mit dem in der Nacht leuchtenden Zeug, oder ionisierendem Zeug gespielt haben.

    Hier bräuchte man die Versicherung! :)

  11. #12 Robert
    18. Oktober 2017

    Laie,
    die Versicherung zahlt nur, wenn das Nagetier eine Haftpflichtversicherung hat.
    Noch nach dem 2. Weltkrieg wurden die Zifferblätter der Wecker mit Uranoxid +Zinksulfid bepinselt. Das machten Frauen ohne jede Schutzvorrichtung.
    Die bekamen dann Kinder, die heute unsere Politiker sind.

  12. #13 cleric
    Tübingen
    18. Oktober 2017

    Vermutung:
    Wenn Du, Tobias, versehentlich kontaminiert von der Arbeit nach Hause kommst zahlt die Versicherung zwar nicht die Dekontamination. Aber vielleicht den Ersatz für Dinge die einfach entsorgt werden, z.B. Kleidung, Bettwäsche, Handtücher, Perücken, Nahrungsmittel

  13. #14 Lercherl
    18. Oktober 2017

    @Laie

    Spass beiseite, in Mexico wurde mal ein Krankenwagen gestohlen, die Diebesbande hat dann irgendein Gerät geöffnet, wo so ein Stoff drinnen war. Mit der Zeit sind die dann verstorben, weil sie sich mit dem in der Nacht leuchtenden Zeug, oder ionisierendem Zeug gespielt haben

    Das klingt wie eine über Stille Post stark verunstaltete Version der Geschichte vom Goiânia-Unfall. Mexiko und Brasilien, ist ja eh alles dasselbe …

  14. #15 Alex
    18. Oktober 2017

    2001 war im Mehrfamilienhaus neben der Kita, in der ich meinen Zivi machte, Großeinsatz wegen Kontamination einer Wohnung.
    Da hatte jemand Plutonium aus einer Anlage geschmuggelt und in der Wohnung seiner Freundin deponiert. Ob die Versicherung hier greifen würde?

  15. #16 Lercherl
    18. Oktober 2017

    Zahlt die Versicherung Sanierungsmaßnahmen bei hoher Radonbelastung? So wie in Umhausen im Ötztal, wo schon einmal in einem Keller 270.000 Bq/m3 gemessen wurden, statt 200, was normal wäre.

  16. #17 Laie
    18. Oktober 2017

    @Lercherl
    Irrtum, das ist keine über stille Post stark Verunstaltete Version vom Goiânia Unfall, sondern ein Vorfall in Mexiko.

    Die beiden voneinander unabhängigen Vorfälle haben als Lehrstück die Gemeinsamkeit, dass man mit radioaktiven Zeug nicht spielen soll und nicht stehlen soll.

    Anmerkung: Brasilien und Mexiko sind nicht dasselbe, würde ich auch nicht behupten. Man muss aufpassen, wenn man meint, etwas unterstellen zu wollen, wenn es nicht stimmt.

    Der Vorfall in Mexiko fand 2013 statt:
    https://www.welt.de/vermischtes/article122566135/Extrem-gefaehrliches-Atommaterial-sichergestellt.html

    Ganz unten im verlinkten Artikel der Verweis auf den Vorfall in Brasilien und einen in Thailand.

    Nebenbei bemerkt ist der Diebstahl von Rettungsautos nicht in Ordnung, so soll es in Österreichs Hauptstadt Wien jeden 3. Tag gewaltsame Übergriffe gegen das Rettungspersonal geben. Vielleicht müsste man in der Zukunft einen Sheriff mitfahren lassen?

  17. #18 Lercherl
    18. Oktober 2017

    @Laie

    Du hast anscheinend beide Vorfälle (Brasilien und Mexiko) miteinander vermischt. In Mexiko ist (vermutlich) niemand gestorben, und das Detail vom Spielen mit dem leuchtenden Zeug stammt eindeutig vom Goiânia-Unfall:

    His six-year-old daughter, Leide das Neves Ferreira, later ate a sandwich while sitting on this floor. She was also fascinated by the blue glow of the powder, applying it to her body and showing it off to her mother.

    (Wikipedia)

  18. #19 Turi
    18. Oktober 2017

    Das die Versicherung nicht bei Isotopen aus Kernkraftwerken zahlt macht den einzigen Nutzen den ich vielleicht hätte sehen können kaputt. Denn hier können ja tatsächlich _wirtschaftliche_ Totalschäden an einem Haus auftreten, indem es unbewohnbar wird. Auch wenn die Auftrittswahrscheinlichkeit so gering ist, dass sich hier wohl keine Versicherung lohnt.

  19. #20 Anonymous
    18. Oktober 2017

    “Wollen Sie ihr Gebäude durch Schäden vor radioaktiven Isotopen versichern?”

    Steht das da wirklich so, das wäre lustig. Man müsste wissen, welcher Art die Schäden sein müssen, damit das Gebäude vor radioaktiven Isotopen versichert ist.

  20. #21 Ludger
    18. Oktober 2017

    “Wollen Sie ihr Gebäude durch Schäden vor radioaktiven Isotopen versichern?”

    Steht das da wirklich so, das wäre lustig. Man müsste wissen, welcher Art die Schäden sein müssen, damit das Gebäude vor radioaktiven Isotopen versichert ist.

  21. #22 Tobias Cronert
    18. Oktober 2017

    Na die Strahlung des Nagetierinduzierten Isotops müsste ja das Gebäude in irgendeiner Form beschädigen, damit die Versicherung greift. Im Zweifelsfalls tragen die Leute bei der Dekontamination die Sachen einfach wieder heraus, ohne das langanhaltende Schäden auftreten würden. Die Dekontamination wird ja mMn nicht bezahlt.

    @Alex: MMn würde hier die Versicherung eben nicht greifen, weil das Plutonium keinen Schaden am Haus angerichtet hat. Dazu müsst es ja etwas aktivieren oder eben zerstören … Spielekonsolen oder Zimmerpflanzen ?!

    Das gleiche gilt für Radon

    @Robert: Ja Grenzwerte sind umstritten und schon ein Gamma Quant kann eine Mutation auslösen. ABER die Versicherung wird sich auf den Gesetzestext berufen und laut dem ist etwas erst radioaktiv, wenn es über dem Grenzwert liegt (oder aus einem Kontrollbereich freigemessen werden muss). Die werden sich im Zweifelsfall hinstellen und sagen: Ja das Plutonium auf ihrem Grundstück erreicht nur 90% der Freigrenze. Damit ist es nicht radioaktiv, also zahlen wir auch nicht.

  22. #23 Mars
    18. Oktober 2017

    und sooo selten ist das auffinden radiaktivem materiel wohl auch nicht.
    es gab russische satelliten, die nach absturz von der landbevölkerung geplündert wurden – mit entsprechenden auswirkungen. Irgendwo am Nordpol liegt glaub auch noch einer …
    die USA verlieren schon mal eine atombombe vor Italien (wer weiss den wirklich wo noch?), Israel in der wüste – auch wenn die gar keine haben,
    sowie atom-u-boote, die dann doch irgendwie nicht auffindbar sind …. ganze anlagenteile in weissrussischen KKW’s.
    können wir nur hoffen, dass es etwas mehr kontrolle in deutschen vorschungseinrichtungen aber auch krankenhäusern und strahlenzentren gibt.
    solange Greenpeace Sylvester in Cattenom feiern darf, ist es gerechtfertigt, dass sich da endlich mal einer dagegen versichert – jawoll, zum wohle aller!

  23. #24 Umami
    18. Oktober 2017

    Ich habe mal in einen Bericht über Radon in Häusern reingesehen, aber nicht weiter verfolgt. Was ist denn da dran?

  24. #25 Tobias Cronert
    18. Oktober 2017

    Radon ist ein radioaktives Gas und kann sich in schlecht gelüfteten Kellern ansammeln. In geringen Mengen “dampft” es überall aus dem Erdboden aus. In wenigen Extremfällen kann es zu gesundheitsgefährdenden Dosen kommen.

    Aber da müsste ich mal mindestens einen ausführlichen Artikel zu schreiben.

  25. #26 gedankenknick
    20. Oktober 2017

    Also wenn man sich ein Haus aus lebendem Pilzmycel wachsen läßt (aus lebenden Bäumen kann man sich ja auch wachsen lassen)…
    …und dieser Pilz dann Cäsium 137 einlagert…
    …und die tragende Struktur dieses Hauses – also der Pilz selber – durch das Cäsium 137 geschädigt wird…

    …dann müßte die Versicherung einspringen?! Krass!

  26. #27 Anderer Ludger
    21. Oktober 2017

    Hallo Tobias,

    mir scheint es, Du denkst beim Wort “Schäden” zu physikalisch, also wenn etwas kaputt geht.
    “Schäden” im Versichungssinn sind finanzielle Schäden, also wenn etwas seinen (Nutz-)Wert verliert – es muß dafür nicht beschädigt werden.
    Diese Definition schließt deutlich mehr ein, als die Versprödung von Gummi-Dichtungen.

    Allerdings stellt sich auch dann die Frage, wie man diese erreichen kann, damit die Versicherung greift.

  27. #28 Umami
    22. Oktober 2017
  28. #29 Tobias Cronert
    23. Oktober 2017

    Hm, OK, dann will ich mal weniger physikalisch denken, aber das mal mit dem Radon machen.

    Wenn ich beim Radon den Keller gut durchlüfte, dann ist das ganze Radon weg (solange, bis neues aus dem Boden kommt). Das heißt den einzigen finanziellen Schaden bzw. Einschränkung bgl. der Benutzung liegt in der Ventilation mit einem großen Ventilator. Aber weil die Ventilation ja auch eine Dekontamination ist, wird sie von der Versicherung nicht bezahlt.

    Das ganze dauert vielleicht einen Tag und vielleicht kann man die Hotelkosten bis zur Dekontamination bei der Versicherung geltend machen.

    @Mars: Denk daran, dass die ganzen Sachen bzgl. KKWs usw. nicht von der Versicherung bezahlt werden. Ein U-Boot Generator würde wahrscheinlich auch als KKW zählen… falls der mal in deinem Vorgarten landet.

  29. #30 Strahlenschutz Matz
    Basel
    14. November 2017

    Da ein Schaden im versicherungstechnischen Sinne ja primär durch eine Wertminderung definiert ist, reicht eigentlich schon eine Kontamination im strahlenschutzrechtlichem Sinne – soll heissen Vorhandensein von radioaktiven Material über der Freigrenze. Mit Radon könnte das insofern schwierig werden, da das unter NORM (naturally occuring radioactive materials) fällt und sich ein Versicherer im Zweifelsfall aus der Affäre ziehen kann. Aber es gibt in der Schweiz tatsächlich ein paar reale Anwendungsfälle mit Radiumaltlasten. Radium wurde als radioaktive Leuchtfarbe auf Ziffernblättern bis in die 60er eingesetzt. Viele Uhrenmacher hatten ihre Ateliers daheim und in Folge wurden diese Heimateliers mit Radium kontaminiert. Derzeit werden im Rahmen eines nationalen Aktionsplans alle potenziell kontaminierten Standorte innerhalb der Schweiz erfasst, geprüft und ggf. dekontaminiert. Hier könnte eine Versicherung durchaus herangezogen werden. Hier der Link für weiter Infos: https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/themen/mensch-gesundheit/strahlung-radioaktivitaet-schall/radioaktive-materialien-abfaelle/radium-altlasten.html
    PS: Statt Radium verwendet man heute Tritium, welches in beschichteten Glaskapillaren abgefüllt wird. Daraus lässt sich theoretisch auch ein Szenario basteln….
    Viel Spass 😉