Die deutsche Mondmission LEO (Lunar Exploration Orbiter) ist wahrscheinlich gestorben, wie so viele ehrgeizige visionäre Projekte gestorben sind. Todesstoß durch Pfennigfuchser.

Schon die Medienberichte verhießen nichts Gutes. Wenn mal irgendeine Zeitung über die deutsche Mondmission berichtete, dann standen in den Berichten immer die Kosten im Vordergrund. Aber die Journalisten taten sich unheimlich schwer damit, irgendeinen Nutzen in dem Projekt zu sehen.

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Bild: DLR, LEO und die geplante hochauflösende 3D-Kamera.

Wozu soll das gut sein?

Ach, nur für neues Wissen, als Aushängeschild deutscher Wissenschaft und Ingenieurskunst, als Vorbild für die nächste Generation eine technisch-wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen, weil so eine Mondmission cool ist, für die Ausbildung – hier und jetzt – von wirklich kreativen und innovativen Ingenieuren, Technikern und Naturwissenschaftlerin an einem neuen, einzigartigen, innovativen Projekt, die dann nach ihrem Abschluss in die freie Wirtschaft gehen und dort ihre in der Wissenschaft erworbenen Fähigkeiten einsetzen könnten, um wirklich neue Dinge zu entwickeln, um damit Arbeitsplätze zu sichern und zu schaffen.

Oder dachtet Ihr vielleicht, hoch ausgebildete, kreative, innovativ denkende Techniker, Ingenieure, Naturwissenschaftler fallen vom Himmel? Oder dass man Innovationsfähigkeit irgendwie verordnen oder einimpfen kann? So wie das die Chinesen zu denken scheinen. Aber zum Glück für uns ist es dann doch nicht so einfach.

Echte Innovationsfähigkeit gedeiht nur in Freiheit. In der Freiheit zu denken, zu lernen und zu forschen. Wenn wir allerdings alles nur mit Euro-Zeichen in den Augen betrachten und bewerten, dann schränken wir diese Freiheit genauso ein, wie sie eine Diktatur einschränkt – nur mit subtileren Mittel. Z.B. durch die Kürzung von finanziellen Mitteln.

Innovationsfähigkeit gedeiht außerdem nur mit ständigen Herausforderungen. Man muss den jungen Leuten schon etwas geben, woran sie sich die Zähne ausbeißen können. Nur so kriegt Ihr die technisch-wissenschaftliche Elite, die Deutschland auf lange Sicht einen Standortvorteil verschafft. Nur so verhindert Ihr, dass unsere besten Köpfe abwandern oder sich gar nicht erst richtig entfalten können.

Ich habe eine Kollegin, eine intelligente, wissbegierige Frau, die von ihren Eltern gesagt bekam, dass sie mit ihrer Intelligenz doch lieber eine Banklehre machen sollte. Weil das etwas “Ordentliches” sei. Zum Glück für uns hat sie nach einigen frustrierenden Jahren im “ordentlichen” Beruf es gewagt, etwas Unordentliches zu machen. Inzwischen promoviert sie über die Physik der Marsatmosphäre.


Wozu soll das gut sein?

Das ist eine kurzsichtige, wie ein hypnotisiertes Kaninchen auf den unmittelbaren egoistischen rein wirtschaftlichen Gewinn stierende Frage, mit der wir uns als Gesellschaft ganz langsam unser eigenes Grab schaufeln. Zumindest wenn wir keine andere Antwort zulassen als ein fertig entwickeltes Produkt innerhalb der nächsten 10 Jahre. Das muss es natürlich auch geben – keine Frage. Aber darauf sollte sich Forschung nicht beschränken.

Wer nichts wagt, der kann auch nichts gewinnen. Wer immer weniger in die Grundlagenforschung reinsteckt, der braucht sich auch nicht zu wundern, dass immer weniger “Nützliches” rauskommt. Wo Bildung gering geschätzt wird, weil deren Wert nicht in Euro und Cent gemessen werden kann oder nur dann was zählt, wenn es einen irgendwie beruflich weiterbringt…

Ja, dann braucht sich keiner zu wundern, wenn unsere Kinder ebenfalls keinen Bock auf Bildung haben. Was regt sich alle Welt eigentlich über unsere schlechten Schüler auf? Es sind schließlich unsere Kinder, über die wir da motzen, und wer ist es folgerichtig auch schuld, wenn sie Wissen für Gedöns halten? Wer ist es schuld, dass wir anscheinend anstreben ein Volk von “Superstars”, Fernsehmoderatoren und Bankangestellten zu sein statt eines der Dichter und Denker? Ich hab übrigens nichts gegen Bankangestellte, Sänger und Moderatoren, so ist das nicht. Aber weder können wir alle Bankangestellte werden, noch kann es sein, dass die Arbeit in einer Bank, beim Fernsehen oder “reich und berühmt sein” gesellschaftlich als das Nonplusultra angesehen wird. Hier läuft doch irgendetwas ganz gewaltig schief!

Dann braucht sich auch keiner zu beklagen, dass zuwenig junge Menschen in Forschung und Technik gehen. Denn wenn die Freiheit zu lernen und zu forschen gering geschätzt wird, dann geht sie leise und durch die Hintertür verloren. Ganz einfach dadurch, dass immer weniger junge Menschen von ihr Gebrauch machen.

Fragt Euch bitte ehrlich! Warum sollten die Kids von heute so einen komischen Lebensweg einschlagen? Wird es denn irgendwie gesellschaftlich anerkannt, wenn sich jemand technisch- wissenschaftlich betätigt? Wenn ich Bekannten früher erzählte, dass ich Physik studiere, wurde ich meist seltsam angeguckt und dann kam meist die Frage: “Wozu soll das gut sein?” Ihr merkt es schon! Die Frage verfolgt mich schon seit Jahren und ich habe sie leidenschaftlich hassen und fürchten gelernt.

In so einem Klima muss ein junger Mensch schon sehr, sehr überzeugt sein, um diese Richtung beizubehalten. Doch wie bekommt man junge Menschen dazu, diese Richtung überhaupt erst einzuschlagen?

Mit Mondmissionen wie LEO bekommt man sie dazu. Wie viele Jungs und Mädels wollten nach der ersten bemannten Mondlandung Techniker, Ingenieure, Naturwissenschaftler werden? Unzählige! Weltweit! Selbst mein Chef gibt zu, dass die Bilder von Neil Armstrong auf dem Mond damals die Initialzündung für seine wissenschaftliche Laufbahn waren. Dabei ist er noch nicht einmal Amerikaner. Wir brauchen solche Visionen und Träume, wir brauchen sie sogar ganz dringend, um die junge Generation für Technik und Wissenschaft dauerhaft zu begeistern. Und wenige Projekte eignen sich besser dafür, das berühmte Funkeln in die Augen der zukünftigen Generation zu zaubern, als Weltraummissionen.

Meint Ihr ernsthaft, dass man einen 10jährigen mit fetten Gehaltsschecks bei Siemens und Bosch begeistern kann? Insbesondere wenn woanders fettere Gehaltsschecks zu holen sind?

Man muss den Kindern zeigen, dass Wissenschaft und Forschung und Technik cool sind. Und sie sind cool. Und das sie sowas Cooles auch mal machen können, wenn sie groß sind und sich genügend anstrengen.

Doch was ist uns das wert?

350 Millionen Euro werden in den nächsten 4 Jahren für die Mondmission benötigt, Start hätte im Jahr 2012 sein sollen, dem mindestens zwei Jahre wissenschaftliche Arbeiten auf dem Mondorbiter gefolgt wären. 350 Millionen Euro…Das klingt zunächst nach viel Geld.

Aber ist es wirklich so viel?

Ich hatte es bereits einmal erwähnt: 1,1 Milliarden Euro kostet alleine der erste Baubabschnitt der Erweiterung der Kölner U-Bahn. Davon hätte man 3,2 Mondmissionen finanzieren können.

Einmal Ortsumgehung in Rüdesheim kostet über 200 Millionen Euro. Für den Preis von 1,7 Ortsumgehungen hätte man ein wissenschaftliches deutsches Großprojekt haben können, dass der Welt gezeigt hätte: “Seht her! Deutsche Ingenieurskunst kann mehr als schöne große Autos bauen.”

Wie Ali mal schrieb, “verpufften 42.7 Milliarden alleine im Jahr 2007 für Kartoffeln, Kohl und Butterberge in der EU unter dem Titel “Common Agricultural Policy”. Davon hätte man 100 deutsche Mondmissionen bauen, betreiben und die Wissenschaftler bezahlen können.

Das RheinEnergie-Stadion in Köln kostete 117 Millionen Euro. Einmal Mondmission kostet also ca. 3 Fußballstadien. Ist das wirklich zuviel für eine langfristige Investition in Forschung und Bildung?

Laut dem Kölner Stadtanzeiger liegt der Marktwert des Fußballers Lukas Podolski bei 20 Millionen Euro. Für 17,5 Poldis könnten wir dutzende Forscher und Techniker vier Jahre lang beschäftigen und nebenbei eine Mondsonde bauen.

Vielleicht sollten wir auch einfach mal die Post anhauen? Laut einer Entscheidung des Europäischen Gerichtes erster Instanz kann der Konzern mehr als eine Milliarde Euro von der Bundesregierung zurückverlangen. Dann streichen wir eben den Mondorbiter gelb an und versehen ihn mit dem Schriftzug “DHL” 😉

Hach, naja…

Immerhin sagen die Leute, die schon seit Jahrzehnten auf eine deutsche Mondmission hinarbeiten: “Wir sind unserem Ziel noch nie so nah gekommen.” Immerhin wird außerdem die Phase A – also die Ausarbeitung der Missionsdetails – nachträglich bezahlt. Denn bisher haben alle Beteiligten, auch unser Institut und die Firma Astrium, für lau gearbeitet. Ohne Garantie, dass die Vorarbeit für LEO in irgendeiner Form vergütet wird. Weil sie an das Projekt glaubten.

Leider glaubten nicht genügend und vor allem nicht genügend Politiker an das Projekt.

“Wozu soll das gut sein” tötete die deutsche Mondmission und damit die Träume und Visionen deutscher Forscher und Ingenieure. Weil Träume und Visionen heutzutage weniger wert sind als 3 Fußballstadien oder 1,7 Ortsumgehungen oder 0,32mal Erweiterung Kölner U-Bahn.

Bitter ist das. Sehr bitter.

P.S.: Interessanterweise klingt das, was Johann-Dietrich Wörner von der DLR der FTD Online sagt deutlich hoffnungsvoller als das, was uns gesagt wurde. Mal abwarten. Vielleicht zuckt LEO doch noch.

Kommentare (27)

  1. #1 Daniel Fischer
    Juli 2, 2008

    Die LEO-Mission hatte sich eine Lobby aus einer Handvoll Planetenforscher und der Industrie ausgedacht und “hintenherum” lanciert, ohne die Astro-Community als ganze zu konsultieren (wie das z.B. in den USA üblich ist oder zumindest sein sollte). Und es wurde keck behauptet, die Mission könne das BMBF mal eben so bezahlen, ohne Extramittel und ohne Schaden für andere Projekte der Weltraumforschung. Das aber war – nach meinen Recherchen von Anfang an – nicht korrekt, und wenn es nun nichts werden sollte, geht man beim nächsten Anlauf für eine deutsche Weltraummission hoffentlich seriöser vor …

  2. #2 Ludmila Carone
    Juli 2, 2008

    Äh, Daniel. Also irgendwie habe ich andere Infos und eine andere Sichtweise als Du. Das ist aber denke ich ein typisches Missverständnis/Kommunikationsproblem zwischen Planetologen u. Astronomen.

    LEO war/ist nicht dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstellt, sondern als Projekt der Raumfahrt dem Wirtschaftsministerium. Und von daher sollten auch die Mittel fließen. Also zumindest die Weltraumforschungsprojekte, die vom BMBF gefördert werden, wären davon zunächst unmittelbar nicht betroffen gewesen. Höchstens mittelbar über den gesamten Bildungshaushalt. Insofern geht diese Kritik an der Finanzierung etwas an den Tatsachen vorbei.

    Es waren ja handfeste Hoffnungen mit dem Wechsel des ganzen Raumfahrtsektor zum Wirtschaftsministerium verbunden von seiten der Planetologen. Auch wenn es eine politische/Prestige-Entscheidung des Ministeriums war. Nämlich die Hoffnung, dass das Wirtschaftsministerium in Zusammenarbeit mit der Industrie eher die Mittel locker machen könnte.

    Was allerdings die fehlende Einbindung mit der Astrocommunity angeht. Meinst Du jetzt, dass die Astronomen nicht gefragt wurden?

    Aber Du musst hier mal bedenken, dass bei uns die organisatorischen Begebenheiten etwas anders sind als in den USA. Leider Gottes agieren bei uns in Europa und auch in Deutschland die Planetenforscher und die Astronomen ziemlich autonom nebeneinander her. Funktionierende Kommunikation ist Glückssache.

    Warum verirren sich so wenige Astronomen zur EGU? Oder zu Europlanet? Oder warum tagen wir national mit den Physikern und nicht mit der Astronomischen Gesellschaft? Es gibt hier eine echte, historisch gewachsene Trennung, wie sie in den USA so nicht vorzufinden ist. Insofern kann man die Situation hier und dort nicht vergleichen.

    Das ist irgendwie doof, aber das ist seit Jahrzehnten so und sollte auch überdacht werden, aber diese historisch gewachsenen Strukturen und die daraus resultierenden Schwierigkeiten in der Kommunikation dem LEO-Management zum Vorwurf zu machen, ist schon ein wenig ungerecht.

    Eine Mondmission ist nun mal zuallerst eine Planetenmission und untersteht daher auch zunächst mal den Planetenforschern, von denen es in Deutschland überhaupt als echte Planetenforscher eben “nur” eine Handvoll gibt, die auch Erfahrung mit Weltraummissionen haben. Ich glaube nicht, dass es Absicht war, die Astrocommunity auszuschließen. Planetologen und Astronomen sind nur in Deutschland zwei fast komplett getrennte unabhängige Bereiche. Da passiert es schnell, dass die Astrocommunity nicht mitbekommt, was die viel kleinere Planetencommunity so treibt. Wobei der Coup die Weltraumtechnik dem Wirtschaftsministerium zuzuschlagen sicherlich auch nicht wirklich geholfen hat. Aber auch das ist nicht die Schuld der Planetologen, sondern ein Ergebnis der Koalitionsverhandlungen. Also bitte die richtigen benennen!

    Aber vielleicht könnte das Debakel als Anregung dazu dienen diese Trennung zu überwinden. Denn sie ist in der Tat sehr störend und hat hier sicherlich nicht geholfen.

  3. #3 L. Carone
    Juli 2, 2008

    @Daniel: Ist die Meinung in der Astrocommunity wirklich so ablehnend gegenüber LEO? Da haben die Planetologen ohne uns zu fragen ihr Ding gemacht? Wobei man sich natürlich streiten könnte, ob die Astronomen überhaupt ein Recht darauf haben, sich ausgeschlossen zu fühlen. Wir fühlen uns schließlich auch nicht auf den Schlips getreten, wenn Astronomen irgendwas aufbauen, um Planeten zu untersuchen ohne uns zu fragen.

    Und das mit den Schaden für andere Missionen…Welche Missionen hätten denn da Einbußen hingenommen?

  4. #4 Christian
    Juli 2, 2008

    Passend zur Debatte gab es im SPIEGEL heute noch eine aktuelle Zahl: 2,5 Milliarden Euro würde es den Bund kosten, wieder zur alten Pendlerpauschale zurückzukehren und damit das Autofahren wieder stärker zu subventionieren.

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,563434,00.html

    Schuld ist der Wahlkampf. Bayern-Wahl 2008 und Bundestagswahl 2009 – da wird von allen Parteien wieder die Schatztruhe geöffnet. Gespart werden muss an anderer Stelle – und da die Wissenschaft nun mal über keine übermäßig starke Lobby verfügt (verglichen mit beispielsweise der Autoindustrie oder der Atomindustrie – wie an den aktuellen Debatten um “grünen” Atomstrom erkennbar)…

    Mein Bundesland hat übrigens in den letzten Jahren mehr als 10 Millionen Euro in den Aufbau und Betrieb dreier Spielcasinos (in Halle, Magdeburg und Wernigerode) investiert, die vor ein paar Wochen dank ausbleibender Besucher bereits kurz vor der Insolvenz standen. Und obwohl abzusehen ist, dass sich die finanzielle Situation der drei Glücksspielbetriebe kaum verbessern dürfte, wurde nochmal kurzfristig eine weitere Million nachgeschoben.

    Ich kann nur aus eigener Erfahrung sagen – auf Seiten derer, die gegen diesen Unfug protestiert haben, war es sehr einsam. Ein paar JU’ler, CDU’ler und FDP’ler sowie der Bund der Steuerzahler – das wars dann auch schon. Gleichzeitig kann unser Landkreis in absehbarer Zeit vermutlich die Kosten für die Schulbusbeförderung nicht mehr tragen – und Eltern, die keine 120 EUR pro Monat für eine Fahrkarte hinlegen können, werden es sich dann vermutlich dreimal überlegen, wie viele Jahre ihr Kind noch zur Schule gehen soll bzw. kann. Natürlich sind Landes- und Kreishaushalt zwei vollkommen verschiedene Töpfe, aber trotzdem – Geld für Spielcasinos aber kein Geld für Schulbusse….?

    Und was hätte ich mit nur ein oder zwei schlappen Prozent dieser 10 Millionen Euro in unserem An-Institut alles finanzieren können….

    Um aber mal auf den Artikel zurückzukommen – Fußballstadien sind in diesem Land einfach wichtiger als Mondmissionen, ebenso Autobahnen. Allein schon was diese sinnlose Olympiabewerbung der Stadt Leipzig im Jahr 2002 gekostet hat! Dafür hat der Bürger leider noch immer Verständnis, während an anderer Stelle dann einfach gespart werden muss. Hier müsste sich ganz grundsätzlich etwas im Bewusstsein der Menschen verändern – aber daruf können wir vermutlich lange warten.

    Der im FTD-Artikel zitierte haushaltspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Carsten Schneider, hat übrigens genau das gelernt, was Deine Kollegin nicht mehr machen wollte – er ist Bankkaufmann. Zu der etwas seltsamen Aussage, dass es doch vollkommen ausreicht, wenn die Amis für uns den Weltraum erforschen, würde ich den Mann an Deiner Stelle ja auch noch mal auf abgeordnetenwatch.de befragen…

    http://www.abgeordnetenwatch.de/carsten_schneider-650-5564.html

  5. #5 Ludmila Carone
    Juli 3, 2008

    @Christian: Du hast völlig Recht. Wir müssen mehr Lobbyarbeit machen. Ich muss mal unsere Lokalpolitiker einladen.

    Was Carsten Schneider gesagt hat… Dabei fiel mir fast die Kinnlade runter und ich frage mich allen Ernstes, was wir noch alles den Amerikanern, den Chinesen, den Indern, den Franzosen etc. überlassen sollen. Deutschland soll Mittelmaß werden oder wie? Gut, aber dann braucht man sich auch nicht beschweren, wenn einem vor Augen geführt wird, dass man Mittelmaß ist. Exzellenz in der Forschung erschöpft sich nicht darin, Exzellenzuni irgendwo dranzupappen und Geld drauf zu schmeissen. Vor allem, wenn das um Größenordnungen andere Gelder sind als echte Exellenzunis zur Verfügung haben. Ich schau mal am Wochenende, wie ich eine freundliche Email an ihn verfassen kann. Und ich meine freundlich, das ist nicht ironisch gemeint 😉

    Es ist keine Schande, wenn man sich auf einem Gebiet bemüht und doch von anderen überrundet wird. Wenn man es aber noch nicht mal versucht. Dann wird man noch nicht einmal “Weltmeister der Herzen”. Wenn Weltraumforschung keine Exzellenzforschung ist, was zählt dann als Exzellenzforschung? Lass mich raten…

    Irgendwas “Nützliches”?

  6. #6 Fischer
    Juli 3, 2008

    Ich glaube, die freundliche E-Mail kannst du dir sparen. Es ist ja nun wirklich nichts neues, dass die deutsche Politik als ganzes eine fundamental bildungsferne Schicht ist. Dieser Carsten Schneider ist ja nur das neueste Beispiel. Wissenschaft ist hierzulande schlicht unerwünscht.

    Deutsche Forschung in vier Worten: Wer kann, geht weg.

  7. #7 Alexander Stirn
    Juli 5, 2008

    Es ist wohl wirklich ein Problem der Vermittlung. Ich habe zuletzt auf der ILA in Berlin mit vielen Kollegen, alles Wissenschaftsjournalisten, die der Raumfahrt aufgeschlossen gegenüber stehen, gesprochen und niemand konnte so recht sagen, was der (wissenschaftliche) Sinn einer nationalen Mondmission ist.
    Auch Lobbyarbeit darf man keinesfalls unterschätzen, so funktioniert Politik heute nun mal. Wenn man sich z.B. anschaut, was da gerade vor und hinter den Kulissen läuft, um ATV Evolution (also den Einstieg in eine bemannte europäische Raumfahrt) trotz geringer Chancen auf die Bahn zu bringen, ist das fast schon eine Kampagne – und ATV Evolution müsste ebenfalls aus dem Wirtschafts-Etat bezahlt werden.
    Hintze als Raumfahrtkoordinator findet zwar alles prima, gegen die Bürokraten in seinem Ministerium und die Haushaltspolitiker aller Fraktionen hat er aber, auch das der Eindruck einer Podiumsdiskussion auf der ILA, wenig Chancen. Da braucht es schon politische Richtungsentscheidungen von ganz oben.
    Aber da Wörner diese taktischen Spielchen wie es scheint auch beherrscht, würde ich LEO noch nicht komplett abschreiben.

  8. #8 Ludmila Carone
    Juli 5, 2008

    @Alexander: Den ATV-Leuten scheint das aber auch nicht so viel geholfen zu haben. Da fehlen auch Gelder und das nicht zu knapp. Blöderweise steht man hier wieder in der Pflicht bei ausländischen Partnern. Wenn es da bei den Deutschen nicht rund läuft, dann beschädigt das unseren Ruf im Ausland.

    Nur mal so als Anregung. Man sehe sich an, was die Franzosen sich mit Ihrer Agentur CNES alles auf die Beine stellen. Calypso, Corot, Jason…

  9. #9 wolfgang
    Juli 8, 2008

    Für sehr kosteneffizient wird es gehalten wenn ein vermiedener (Lawinenschutzmassnahmen, Tunnelbau etc) Lawinentoter bis 3 Mio € kostet. Dann könnte man doch mal 350 Mio € in LEO investieren und könnte vom Mond her feststellen, dass es wegen Klimaerwärmung kaum noch Lawinen gibt- nur so als Idee 😉

  10. #10 Rafael
    Juli 12, 2008

    Eine wirklich enorm deprimierende politische Entscheidung. Die Erstellung einer vollfarbigen, topografischen Mondkarte in Hochauflösung hielt ich für eines der aufregendsten Projekte der unbemannten Raumfahrt. Und nicht zuletzt eine längst überfällige Aufgabe (siehe Mars!)
    @Ludmila: Wie wird man den Planetologe/In? Welche Studiengänge können einem in diese Richtung bringen. Vielen Dank fürs Feedback.

  11. #11 Ludmila Carone
    Juli 13, 2008

    @Rafael: Zunächst einmal ist Planetologe, wer auf dem Gebiet arbeitet. Wie man dort hin kommt… Verschiedene Wege führen zum Ziel.

    Ich glaub darüber schreib ich heute oder morgen mal einen eigenen Beitrag 😉

  12. #12 Michael Khan
    August 7, 2008

    LudmilaCarone schrieb

    > Aber die Journalisten taten sich unheimlich schwer damit,
    > irgendeinen Nutzen in dem Projekt zu sehen.

    Da kann ich nur sagen: dieses Problem war hausgemacht. Eine solche Mission muss mit offensiver Oeffentlichkeitsarbeit vertreten werden. “LEO” jedoch war PR-technisch ein Desaster. Er brach, aus dem Nichts kommend, ploetzlich ueber die Medien herein, Bild toente ebenso national wie unzutreffend: “Der Mond wird deutsch!” – und dann: Grabesruhe. Wer sich richtig Muehe gab, Fachzeitschriften las und wissenschaftliche Konferenzen besuchte, konnte sich tatsaechlich ein Bild vom geplanten Umfang dieser Mission machen. Alles musste man suchen, eine umfassende darstellung gab es nicht so einfach.

    Wer dies allerdings nicht konnte, was wohl auf die ueberwiegende Mehrheit der Bevoelkerung zutrifft, und bei der Suche nach Informationen die DLR-Webseite konsultierte, vielleicht gar in der Erwartung, einen umfassende Webauftreitt zu dieser Mission vorzufinden, der musste zwangslaeufig zu dem Schluss kommen, dass es den LEO ohnehin nie geben wuerde, denn es war nichts zu finden, nichts, gar nichts.

    Nun wird wieder auf die Presse geschimpft, auf die Politiker, auf deren Kurzsichtigkeit, und so weiter, und so fort. Hilfreicher waere an dieser Stelle aber ein geruettelt Mass an Selbstkritik. Da wird diese kurzfristig so hochgejubelte Mission einfach so nebenbei gekillt und es passiert – nichts. kein Sturm der Entruestung, keine Gegenbewegung, einfach nichts. Auch das ist kein Wunder, eine Mission, die keiner kennt, hat natuerlich auch kaum Unterstuetzung. Oeffentlichkeitsarbeit zu vernachlaessigen, das raecht sich bitter.

    Der Wert der Mission, darueber gibt es auch in der Fachwelt durchaus geteilte Meinungen. Die an den Instrumenten beteiligten Wissenschaftler stellen natuerlich den wissenschaftlichen Wert heraus, was ihr gutes Recht ist. Dieser relativiert sich allerdings angesichts der vielfachen anderen Mondmissionen anderer Nationen (siehe dazu auch meine Kommentare zu Eugen Reichls Artikel in den Kosmologs, auf den Frau Carone hinwies).

    Einen besonderen technologischen Wert eines deutschen Mond-Orbiters sehe ich allerdings nicht.

    Im Ernst: Ein deutscher Mond-Orbiter im naechsten Jahrzehnt beeindruckt niemanden und bringt Deutschland technologisch nicht voran. Allenfalls bringt man damit eins zum Ausdruck: Deutschland hat den Anschluss verschlafen.

    Wenn man wirklich “Vorsprung durch Technik” demonstrieren will, dann muss man den naechsten technologischen Schritt wagen: Ein Mondlander muss her, und zwar einer, der zu einer Punktlandung auf einem Punkt ewigen Lichts am Mond faehig ist, also beispielsweise dem Rand des Schackleton-Kraters am Mond-Suedpol.

    Das waere etwas Neues, ein wirklicher Quantensprung. Gar nicht zu vergleichen mit den Surveyor-Missionen der NASA in den 60ern, sondern wirkliches High-Tech der 2010er Jahre. In-Situ-Geoologie, vorzugsweise ein kleiner Rover, Seismometer …. diese Mission waere ein Traum, nicht nur fuer Ingenieure, sondern auch fuer Planetologen, aber auch fuer alle anderen. Wer moechte nicht Bilder direkt von der Mond-Oberflaeche sehen, am Rand eines gaehnend tiefen Kraters, in der Landschaft im Aitken-Becken mit ihrer desolat-einsamen Schoenheit …..

    Nun arbeitet die ESA gerade an einer solchen Mission:

    http://www.rssd.esa.int/SYS/docs/ll_transfers/1515_2D_Lunar_Science_NEXT_2D_D2E_Koschny.pdf

    Anstatt ueber das Ende des LEO zu lamentieren, dessen Wert ohnehin zweifelhaft gewesen waere, sollte lieber alle Kraft darauf verwendet werden, eine starke (oder gar federfuehrende) deutsche Beteiligung an der europaeischen Landermission zu bewirken. Ich hoffe, dass es in Deutschland auch wirklich ein Interesse daran gibt, dass wir alle vorankommen, und nicht bur ein Interesse, ueber Vergangenes zu lamentieren.

    In diesem Sinne: Auf zum Mond, mit voller Kraft, aber bitte ganz!

  13. #13 Ludmila
    August 7, 2008

    @Michael Khan: Ja, die Kritikpunkte sind sicherlich gerade was die PR angeht, nicht von der Hand zu weisen. Teilweise wurde auch der Standpunkt vertreten, dass es gut sei, nichts zu sagen, dann würde sich auch keiner gegen die Mondmission wehren.

    An der PR, da krankt es seit jeher. Es gehen nicht genügend Gelder in die Öffentlichkeitsarbeit. Dennoch finde ich, dass die Mondmission etwas hätte bieten können, aber vielleicht kam sie wirklich zu spät. Man bemüht sich seit Jahrzehnten da etwas auf die Beine aufzustellen und immer und immer wieder wurde man vertröstet. Wenn man sich außerdem ansieht, wie bestehende Planetenforschung gefördert wird. Da kann man schon etwas gefrustet sein. Alle setzen sich gerne die Lorbeeren auf, wenn mal wieder eine deutsche Beteiligung gelungen ist und wie toll das ist. Aber wenn es darum geht, konkret Gelder springen zu lassen, um beispielsweise die weitere Auswertung der Huygens-Mission oder von Venus Express zu finanzieren. Da wenden sich dann auf einmal alle ab.

    Ein Mondlander ist sicher spannend, aber nicht mit rein nationalen Mitteln auf die Beine zu stellen. Ich wünsche dem ESA-Lander alles Gute und hoffe, dass das DLR die Chancen dieses Projektes erkennt und fördert.

    Ach ja, die Franzosen machen übrigens vor, dass ein ambitioniertes nationales Raumfahrtprogramm zu machen ist, auch wenn auch hier einiges mit der PR im Argen liegt.

  14. #14 Michael Khan
    August 7, 2008

    Ludmila Carone schrieb:

    > Teilweise wurde auch der Standpunkt vertreten, dass es gut sei,
    > nichts zu sagen, dann würde sich auch keiner gegen die Mondmission wehren.

    Ich denke, eine solche Einstellung fuehrt in direkter Folge zum Ergebnis, wie wir es hier gesehen haben, naemlich zu dem Umstand, dass niemand die Mission kennt und niemand dafuer eintritt.

    Die Oeffentlichkeit, und dazu gehoeren Politik und auch Medien, sollen 300 Millionen fuer die Mission lockermachen, aber es wird ihnen noch nicht einmal gesagt, wofuer. Das kann doch wirklich nicht sein.

    Medien- und Politikerschelte kommen immer und ueberall gut an und finden immer Zustimmung, egal, worum es geht. Aber allein schon wegen dieser Vorhersehbarkeit und Beliebigkeit ist solche Schelte gar nicht zielfuehrend.

    Zuallermindest koennte mal begriffen werden, dass man eine “rein deutsche” Mission, dessen “Projektsprache deutsch ist”, nicht erst “Lunar Exploration Orbiter” und dann “Lunarer Explorations-Orbiter” oder “Lunarer Erfoschungs-Orbiter” nennen kann, nicht nur, weil das nicht deutsch ist, sondern weil das niemandem etwas sagt (Man frage doch mal seinen Friseur oder seine Taxifahrerin, ob er/sie sich darunter etwas vorstellen kann), und auch nicht LEO, weil selbst Fachleute damit das Sternbild Loewe oder “Low Earth Orbit” assoziieren, aber bestimmt nichts, was mit dem Mond zu tun hat.

    Es gibt in Deutschland durchaus eine Tradition von astronomischer Mondforschung und deswegen auch bekannte Namen von Astronomen, die sich um die Mondforschung verdient gemacht haben, beispielsweise Hieronymus Schroeter. Warum ist denn niemand auf die Idee gekommen, Schulen und Universitaeten im Rahmen eines Wettbewerbs zur Namensfindung einzubeziehen? Das kostet so gut wie gar nichts, Allein die Tatsache, dass hierzulande niemand auf so etwas kommt, hat doch schon eine gewisse Aussagekraft.

    Natuerlich ist das nicht alles. So einfach ist die Welt nicht gestrickt, dass man strukturelle Probleme wie die Technikfeindlichkeit in Deutschland auf Anhieb beseitigen kann. Aber man sollte doch auch nicht offensichtliche Wege, mit denen eine weite Oeffentlichkeit erreicht werden kann, einfach grundlos ungenutzt lassen.

    Die Oeffentlichkeit mitnehmen und einbinden: das haben uns die Japaner vorgemacht, wie so etwas geht.

    http://www.kosmologs.de/kosmo/blog/go-for-launch/allgemein/2008-01-08/kaguya1

    Preisfrage: Haette irgend jemand hier in Deutschland die Vision, auf so eine gute Idee zu kommen und als Medienpartner eine Fernsehanstalt einzubinden, damit das mit der professionellen Verbreitung klappt? Natuerlich nicht, das waere ja nicht wissenschaftlich, und ueberhaupt, und da koennte ja jeder kommen, und ueberhaupt, ….

    Im Falle des LEO kommt natuerlich hinzu, dass das ganze Projekt, wie beschrieben, 5-8 Jahre zu spaet angestossen wurde. Man stelle sich vor, der LEO wuerde gebaut. Dann wuerde er wahrscheinlich gerade dann gestartet, wenn die Chinesen schon eine Sonde auf dem Mond landen. Wie wurde doch vollmundig behauptet: “Wir hätten alle anderen Nationen, die sich derzeit auf den Weg zum Mond machen, technologisch geschlagen.” Im Ernst, wer glaubt denn so was?

    > Ach ja, die Franzosen machen übrigens vor, dass ein ambitioniertes nationales
    > Raumfahrtprogramm zu machen ist

    Das in Deutschland verbreitete Credo, starke nationale Raumfahrtprogramme seien die Loesung, halte ich fuer einen Trugschluss. Die Tatsache, dass der groesste Wirtschaftsraum des Globus, naemlich die EU, zusammengenommen kein Raumfahrtprogramm hat, dass es an Ambition und Volumen und auch technologischem Koennen mit dem der USA aufnehmen kann, liegt nach meinem Dafuerhalten in der Zersplitterung.

    Franzosen leisten sich ihre CNES, Italiener ihre ASI, Deutsche ihr DLR, und viele Laender zusammen nochmals die ESA (wobei die ESA aber nicht die Agentur der EU ist, wie manche meinen!) und es wird durch diese Zersplitterung die kritische Masse verfehlt, die man braucht, um ein wirkliches Raumfahrtprogramm auf die Beine zu stellen. Ergebnis, wir schaffen immer nur einzelne Projekte, aber nie ein Programm, das eine logische Sequenz konsekutiver Projekte darstellt, die aufeinander aufbauen.

    Die einen machen hier etwas, die anderen machen dort etwas, es sind aber vorwiegend unkoordinierte Einzelprogramme ohne eine klare langfristige Vision. Wie haben immer nur einzelne Projekte, von denen jedes einzelne bloss ja nie zu gross werden darf fuer eine Nation.

    Wir brauchen in Europa nicht noch mehr Kleinstaaterei und Zersplitterung. So werden wir nicht mit den Herausforderungen fertig, vor die uns die USA und auch die kommenden Giganten China und Indien stellen. Wir sollten die Faehigkeiten und das Potenzial unserer Forschungseinrichtungen und Industrien buendeln.

    Wenn Deutschland oder Frankreich immer noch in einzelnen Projekten federfuehrend die Hauptverantwortung uebernehmen wollen, dann geht das auch im Rahmen einer grossen supranationalen Agentur, wie viele optionale Projekte der ESA zeigen. Das ist Europas Chance fuer die Zukunft, und die sollten wir jetzt nicht mit Kleinstaaterei verspielen, bis der Zug endgueltig abgefahren ist.

    Denn sonst wird es schon sehr bald noch viel mehr zu lamentieren geben als nur der LEO.

  15. #15 Ludmila Carone
    August 7, 2008

    @Michael Khan: Ja, ist ja gut, ich sehe es im Großen und Ganzen genauso. Allerdings kämpft auch die ESA meines Erachtens nach einen Kampf gegen diese Kleinstaaterei. Denn jeder Staat will für sich einen Stück vom großen Kuchen abhaben, ob das sinnvoll ist oder nicht, das ist dann leider manchmal zweitrangig.

    Außerdem sollte man auch bei der ESA ein bisschen – hach was red ich da, viel mehr – Wert auf Öffentlichkeitsarbeit legen bzw. so selbstbewusst sein, dieses Geld auch von den Mitgliedsstaaten einzufordern und das Budget entsprechend zu planen. Die PR-Faulheit ist ein europäisches Problem und auch die ESA krankt daran. Da gibt es nichts zu deuteln. Ich kann die Kollegen in der PR am ESOC an einer Hand abzählen. Im Pariser Hauptquartier brauchen ich dann schon zwei Hände. Ich komme immer noch nicht darüber hinweg, dass am ESTEC Freiwillige ESA-Merchandising-Artikel verkaufen. Man bräuchte nur einen Online-Shop und man hätte für einen Minimalaufwand eine lukrative Einnahmequelle.

    Mein Blog ist ja auch z.T. deswegen da, um genau diesem Umstand etwas entgegen zu setzen. Ein bisschen mehr Werbung für deutsche und auch europäische Raumfahrt zu machen. Wir sind gut. Wir müssen das aber auch mal den Leuten da draußen erzählen.

  16. #16 Michael Khan
    August 7, 2008

    Ludmila Carone schrieb:

    > Allerdings kämpft auch die ESA meines Erachtens nach einen
    > Kampf gegen diese Kleinstaaterei.

    Das ist kaum von der Hand zu weisen und war genau der Inhalt meiner vorherigen Einlassungen. Dass wir hier in Europa uns nicht eine einzige schlagkräftige Agentur leisten, die auf Augenhöhe mit der NASA und den zukünftigen anderen großen operiert, ist Kern des Problems.

    Die Qualität der PR ist dabei nur ein Aspekt des Ganzen. Es wird oft bemängelt, dass die ESA wissenschaftliche Daten nicht zeitnah publiziert, Vorbild ist da immer die NASA.

    Wenige wissen jedoch, woran das liegt. Die NASA finanziert die Raumsonde komplett inklusive der wissenschaftlichen Instrumente. Damit kann die NASA aber auch die Bedingungen für “Public Outreach” und “Education” festlegen, und sie hat starke Druckmittel in der Hand, wenn diesen Druckmitteln nicht entsprochen wird.

    Das Mandat der ESA ist, aufgrund der vielfachen Einzelinteressen der Mitgliedsstaaten anders. Bei ESA-Raumsonden wird nur Bau und Betrieb der Sonden selbst von der ESA finanziert, die Instrumente werden durch die wissenschaftlichen institute, die sie bereitstellen, finanziert, z.B, durch Mittel, die direkt von den jeweiligen Regierungen kommen.

    Damit liegen sämtliche Rechte an den erworbenen Daten nicht bei der ESA, diese hat weitaus weniger Mittel in der Hand, um zeitnahe und umfassende Öffentlichkeitsarbeit zu leisten. Die ESA ist mehr oder weniger vom Wohlwollen der beteiligten Institute abhängig.

    Wenn von denen einfach nichts kommt, wie schon mehrfach geschehen, dann hat die ESA – und das liegt nicht an der Anzahl der PR-Mitarbeiter! – auch nichts in der Hand, was sie der Öffentlichkeit präsentieren kann.

    Dass das so ist, nutzt weder der Öffentlichkeit, noch der ESA, noch im Endeffekt der europäischen Wissenschaft. Wenn die Weltraumforschung nicht auch die Öffentlichkeit ausreichend involviert, sehen die Forscher den Effekt über kurz oder lang an wegbrechenden Fördermitteln – oder gar gestrichenen Missionen. Womit wir wieder beim Ausgangsthema wären.

  17. #17 Christian
    August 8, 2008
  18. #18 Ludmila Carone
    August 12, 2008

    @Michael Khan: Ok, ein Wort noch.


    Wenn von denen einfach nichts kommt, wie schon mehrfach geschehen, dann hat die ESA – und das liegt nicht an der Anzahl der PR-Mitarbeiter! – auch nichts in der Hand, was sie der Öffentlichkeit präsentieren kann.

    Also, mal ehrlich, wollen wir uns gegenseitig unsere Fehler vorhalten? ESA gegen nationale wissenschaftliche Institute

    Was bringt es uns, darüber zu lamentieren, dass die Karre feststeckt und sich gegenseitig den Schwarzen Peter zuzuschieben?

    Ich kann auch von ESA-Pannen bei der PR berichten. War es denn bei Mars Express unbedingt nötig, Beagle 2 derart in den Vordergrund zu schieben? Wo doch Eingeweihten völlig klar war, dass dieses Instrument sehr mit der heißen Nadel gestrickt wurde, was promt schief ging?

    Natürlich passieren auf beiden Seiten Fehler und das liegt meines Erachtens eben auch daran, dass wir alle völlig überlastet sind. Wir könnten locker das Doppelte an Leuten beschäftigen und deswegen müssen wir es irgendwie schaffen, mehr Geld für die PR locker zu machen. Beispielsweise für Medienprofis, die schöne Animationen machen. Wir haben eben keine tollen Bilder, wie die HRSC-Kamera, die für sich selbst sprechen. Da braucht man schon eine anständige mediengerechte Visualisierung. Sollen wir die uns aus dem Ärmel schütteln? Oder eben für PR-Profis, die gezielt auf die Wissenschaftler zugehen. Klingt doof, aber wie soll sich sonst etwas ändern? Irgendwie müssen wir den Karren erst einmal anschieben.

    Nur wir Wissenschaftler an unseren nationalen Instituten fahren bereits am Rande des bereits erträglichen. Wir können es nicht bringen und haben auch nicht die entsprechenden Kontakte und Wirtschaft und Politik. Und die bräuchte man dazu. Wo soll das Geld für den Anschub des Ganzen sonst herkommen?

  19. #19 Michael Khan
    August 13, 2008

    Ludmila Carone schrieb:

    > Also, mal ehrlich, wollen wir uns gegenseitig unsere Fehler vorhalten? ESA gegen
    > nationale wissenschaftliche Institute

    Es geht nicht darum, sich Fehler vorzuhalten und es geht auch nicht um “Pannen”. Ich halte es für wenig sinnvoll, auf Nebensächlichkeiten wie die Mitarbeiter im ESTEC-Space Shop oder die Darstellung der Mission Beagle 2 abzuheben. Gerade zu letzterer könnte ich eine Menge sagen, das gehört aber nicht hierher.

    Es geht um Wichtigeres:

    Es geht darum, dass es in Europa ein gänzlich anderes Konstrukt zur Finanzierung von Missionen gibt – nämlich einerseits die ESA, und andererseits die nationalen Agenturen – was dazu führt, dass jede Einheit für sich und letztlich auch alle zusammengenommen klein und wenig schlagkräftig sind und weder echte Flaggschiffmissionen oder wirkliche Raumfahrtprogramme als Folge logisch aufeinander aufsetzender Projekte umsetzen können.

    Es geht ferner darum, dass selbst innerhalb eines einzelnen Projekts in Europa getrennte Finanzierung der Raumsonde einerseits und der Experimente andererseits erfolgt, was dazu führt, dass im Fall der ESA die Rechte an allen erworbenen Daten nicht bei der ESA liegen, sondern bei den Instituten, die die jeweiligen Instrumente bereitgestellt haben.

    Beide Konstrukte haben sich in der Praxis als Nachteil für die europäische Wissenschaft und Weltraumforschung herausgestellt. Trotzdem werden sie beibehalten: Dies ist eine politische Entscheidung, sie ist ein Ausdruck der in Europa in vielerlei Hinsicht festzustellenden Neigung zur Kleinstaaterei. Über diese bestehenden Konstrukte meinen nationale Politik immer noch die Möglichkeit zur direkten Einflussnahme auf raumfahrtpolitische Entscheidungsprozesse nehmen zu können.

    Nach meiner Meinung ist das eine Fehleinschätzung, denn wenn man effektiv verhindert, dass die eigenen Raumfahrtprogramme die kritische Masse erreichen, schadet man in direkter Linie auch den eigenen nationalen Interessen. Oder umgekehrt: Wäre die europäische Weltraumforschung auf Augenhöhe mit der der USA, würden auch europäische Industrieunternehmen und Forschungsinstitute viel besser dastehen.

    Ludmila Carone spricht einen wichtigen Punkt an: Die finanzielle und personelle Decke in der europäischen Forschung ist so dünn, dass – wie mir auch andere Wissenschaftler mitteilen – selbst die Auswertung der gewonnenen Daten in Verzug gerät. Ein unangenehmer Aspekt der Misere, die den oben genannten Ursachen geschuldet ist.

    Generell wird hierzulande zuwenig für Grundlagenforschung ausgegeben, zusätzlich führt nationale Kleinstaaterei dazu, dass die europäische Weltraumfoschung nicht das Format erreicht, das ihr eigentlich, nach Maßgabe der Wirtschaftsmacht der dahinterstehenden nationen, eigentlich zustünde.

    Wie man den “Karren aus dem Dreck bekommt” ist sicher nicht einfach. Ganz sicher ist das nicht durch Lamentieren zu erreichen – deswegen lamentiere ich ja auch nicht, sondern ich nenne Ross und Reiter. Aber es ist eben auch NICHT durch noch mehr Kleinstaaterei zu erreichen – damit bewirkt man das genaue Gegenteil, nämlich die Zementierung der bestehenden, unzufriedenstellenden Verhältnisse.

    Deswegen stimme ich auch weder Ludmila Carone noch Eugen Reichl zu, wenn sie auf nationale Programme verweisen und sich davon eine Verbessrung erhoffen.

    Ich denke, der Ausweg aus der Misere wäre, die Rolle und die Finanzierungsmodelle der ESA ähnlich derer der weltweit erfolgreichsten und renommiertesten Raumfahrtagentur, nämlich der NASA auszurichten und dafür die nationalen Agenturen, die im zusammenwachsenden Europa ihre Bedeutung verloren haben, zurückzufahren und langfristig einzustellen.

    Die europäische Raumfahrtagentur sollte Missionen komplett finanzieren und dabei, wie in den USA üblich, gleich von vorne herein einen festen Anteil des Missionsbudgets für Öffentlichkeitsarbeit vorsehen. Diese Mittel stehen den Wissenschaftlern zweckgebunden zur Verfügung – ssie stehen ihnen sogar zu, was ein wichtiger Punkt ist – die Raumfahrtagentur hat aber auch ein Druckmittel in der Hand, wenn die Verpflichtungen nicht erfüllt werden.

    Ich denke, dies wäre ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Natürlich können dmit nicht alle Probleme gelöst werden – auch bei der NASA läuft macnches nichr rund. Wir leben nicht in einer perfekten Welt. Aber zumindest könnte man so eine Menge der Probleme lösen, für die es in der gegebenen Situation keine Lösung zu geben scheint.

  20. #20 Michael Khan
    August 13, 2008

    Kurz zusammengefasst:

    Wenn ich irgendjemandem in einem beliebigen europaeischen Land gegenueber die ESA erwaehne (das funktioniert gleichermassen bei Verwendung der Kuerzel DLR oder CNES), habe ich eine gute Chance, nur auf Verstaendnislosigkeit zu stossen.

    Sagt man dann aber: “Ja, wie die NASA. Nur eben in Europa”, dann hellt sich der Blick des Gegenuebers auf: “Ach, sowas wie die NASA! Ja, sag’ das doch gleich!”.

    Das ist der Kern des Problems. Nicht alles ist einfach und knapp zu beschreiben, das hier schon. Es kann in folgende kommutativen Aussage gekleidet werden:

    Die europaeische Weltraumfoschung ist klein (und unterfinanziert), weil sie keiner kennt. Keiner kennt die europaeische Weltraumforschung, weil sie klein (und unterfinanziert) ist.

    Wenn wir nicht wegkommen von nationaler Eigenbroetelei und Kleinstaaterei, wird sich hieran auch nichts aendern. Leider scheint sich dies erst noch herumsprechen zu muessen, was mich erstaunt.

  21. #21 Hendrik
    November 9, 2008

    Hallo Ludmilla

    Du schreibst, dass die Raumfahrt die Quelle der Inspiration für nachfolkgende Generationen sein soll. Wenn ich mir aber anschaue, was so an die Öffentlichkeit kommt an Ergebnissen aus diesen Missionen, dann ist das nicht viel. Gerade Venus Express ist ein Paradebeispiel des Misserfolges. Über Monate hinweg nach der Ankunft hatte man nichts mehr gehört von der Mission. Ich hatte schon gedacht das Projekt sei gestorben.

    Wie soll ich bitte da inspriert werden, wenn die einzigen Informationen zu einer Mission aus dem Namen, dem Ziel und einem Pressrelease das bei Ankunft der Mission am Zielplaneten besteht? Vielleicht ergänzt um ein Gruppenbild der beteiligten Wissenschaftler.

    Inzwischen hat sich die ESA gebessert, aber man ist noch weit davon entfernt von dem Idealzustand.

    Wenn ich mir jetzt LEO anschaue, da war ja auch nie viel an Informationen da. Und wenn ich aus der Vergangenheit mal auf die Zukunft schließe, dann sehe ich vorraus, dass es ausser einem Pressrelease nicht viele Bilder an die Öffentlichkeit geraten werden. Wiso sollte ich als gemeiner Bürger, der einen “normalen” Job hat aber privat an Universum und Planeten interessiert ist so eine Mission untersützen. Es ist sicher toll, was im inneren Kreis der Wissenschaftler an Daten aus dieser Mission zirkulieren könnte. Aber wenn ich als Normalsterblicher nicht rankomme an eben diese Daten, dann schwindet mein Interesse schnell das mit Geld zu unterstützen. In diesem Sinne muss ich die Entscheidung das Projekt abzubrechen loben.

    Die Medien haben recht, wenn sie nach den Kosten Fragen. Wäre genug interesanntes Material geliefert worden, wäre der Absatz mit den Kosten winzig geworden. Wenn aber keine Substanz da ist wird der Artikel mit Kostenfragen aufgefüllt.

    Und damit ich jetzt nicht weiter meckern kann, sollten diejenigen die hinter der Mission stehen mal auf Wikipedia gehen und den LEO Artikel mit interesanntem Material füllen. Viel steht da noch nicht.

    http://de.wikipedia.org/wiki/LEO_(Raumsonde)

    Geht man auf die DLR Homepage http://www.dlr.de und sucht dort im Suchfeld nach “LEO” so erhält man folgendes:

    Es wurde für Ihr Suchwort “LEO” leider nichts gefunden.

    Tolle Mission!

  22. #22 Ludmila
    November 9, 2008

    @Hendrik: Da sprichst Du ein ganz, ganz großes Problem an. In Europa haben wir so gut wie kein Geld für professionelle PR. Bei Venus Express kommt hinzu, dass der Planet durch dichte Wolken verhüllt ist.

    Es gibt nicht diese schicken Bilder, die man zeigen kann, sondern vor allem spröde Atmosphärendaten. Das erinnert mich daran, dass ich unbedingt noch mal was dazu schreiben wollte.

    Außerdem wird die ESA vielfach eindach nicht wahrgenommen.

    ESA Space Sciene erzählt tolle Geschichten. Nur kommen die so gut wie nie in die Presse.

  23. #23 Hendrik
    November 10, 2008

    Bei Gesamtkosten von im Breich von 100 Millionen Euro und mehr für große Missionen kann man sicher 10 Tausend Euro (0.01% der Gesamtkosten) locker machen um damit eine Unterseite auf der ESA oder DLR Webseite mit Informationen aufzufüllen. Die Plattformen sind vorhanden, es muss nur etwas Text geschrieben werden.

    Auch Wikipedia bildet eine gute Plattform, es enstehen nur Kosten jemanden zu bezahlen um einen Text zu verfassen. Die Plattform an sich ist vorhanden. Dies sollte nicht vernachlässigt werden, da auch Journalisten immer mehr Wikipedia heranziehen, wenn sie über Themen berichten. Da kann man auch mal einen Praktikanten oder Hiwi heranziehen, der das dann erledigt.

    Das ist wie wenn man einen Job bei einer Firma will. Ohne ein solides Bewerbungsschreiben und gut gefüllten Lebenslauf wird man den Job nicht bekommen, selbst wenn man der perfekte Fachidiot ist.

    Auf der Venus Express Seite der ESA gibt es ein paar Bilder, aber nur eine sehr beschränkte Auswahl. Damit kann man grob sehen was für Bilder Venus Express macht. Aber man kann nur begrenzt sehen wie sich die Venus Atmosphäre über die Zeit ändert, was mich durchaus interessiert. Zum Glück habe ich in den tiefen des Internets irgentwann durch Zufall mehr Bilder der Mission gefunden. Aber der Aufwand zum Suchen war dabei unverhältnismäßig groß. Inzwischen werden auf der ESA Seite auch Papers zu der Mission verlinkt, aber auch das hatte sehr lange gedauert.

    Die ESA bessert sich, und ich freue mich darüber. Aber ich hoffe auch, dass da in Zukunft noch mehr geht. Dabei sehe ich die NASA und die Science Community darum als Meßlatte für meine Erwartungen.

    Danke an dieser Stelle auch für Deinen Blog in dem Du auch etwas Licht ins Dunkel bringst.

  24. #24 florian
    November 10, 2008

    @Hendrik: Du hast ja vollkommen recht – aber irgendwie fehlt in Deutschland (Europa) das Verständnis für die Bedeutung von PR. In den USA hat jede z.B. Uni ihre PR-Beauftragten mit einem teilweise riesigen Budget. In Deutschland will man für sowas kein Geld ausgeben; da kann man froh sein, wenn sich Doktoranden bzw. andere Institutsmitarbeiter ein bisschen freiwillig engagieren. Das liegt auch daran, dass Öffentlichkeitsarbeit als nicht-relevant angesehen wird, was Wissenschaft angeht. Hier zählen ausschließlich Veröffentlichungen. Da ist es kein Wunder, wenn sich die Wissenschaftler dann auch nur auf ihre Forschung konzentrieren und alles andere nach Möglichkeit ignorieren. Und diese Einstellung setzt sich dann auch bei europäischen Projekten wie LEO u.ä. durch :(

  25. #25 Ludmila
    November 10, 2008

    @Hendrik: Bei Gesamtkosten von im Breich von 100 Millionen Euro und mehr für große Missionen kann man sicher 10 Tausend Euro (0.01% der Gesamtkosten) locker machen um damit eine Unterseite auf der ESA oder DLR Webseite mit Informationen aufzufüllen.

    Hendrik wir haben hier in Köln anfänglich keinen einzigen Cent gesehen für unsere Vorarbeiten für LEO. Wir mussten erst einmal umsonst nebenbei an der LEO-Mission arbeiten, mit dem vagen Versprechen, dass wir das Geld nachträglich bekommen würden. Und das ging allen so. Sogar den beteiligten Firmen wie ASTRIUM. So sieht die Wahrheit über die Planung vom Weltraummissionen aus: Macht mal! Aber billig, billig muss es sein. Meinst Du für exakt 0 Euro gibt es gute PR? Sollen wir Praktikanten für 0 Euro anstellen und jemanden daneben stellen, der für 0 Euro betreut?

    Man kann doch sicher.. Das sagt sich so einfach. Das kostet alles mehr Zeit und Geld, als man sich das so denkt.

    Bei der DLR ist man übrigens noch dazu ziemlich altbacken. Das Geld wurde dann eher in Broschüren gesteckt, statt eine Webseite aufzubauen: http://www.dlr.de/rd/desktopdefault.aspx/tabid-4788/7944_read-12662/

    Und für ein paar tausend Euro kriegst Du keine richtig gute PR. Für ein paar tausend Euro kriegst Du genau das, was Du beschrieben hast. Nicht mehr und nicht weniger.

    Schau Dir bitte mal die NASA-Seite an. Für richtig gute PR brauchst Du Fachleute, Leute die Animationen erstellen, Leute die Webseiten designen können, Leute, die gut schreiben können. Und davon bitte so um die 100. Das kannst Du nicht einfach so mit Praktikanten machen. Webseiten müssen ständig gepflegt und erneuert werden.

    Ich weiß, dass die europäische PR suboptimal ist. Das kommt eben raus, wenn man zuwenig Personal hat und kaum Geld reinsteckt. Dazu kommt erschwerend, dass immer noch nicht alle Beteiligten begriffen haben, wie wichtig die PR ist und es so mitschleifen.

    Wer soll es machen? Soll ich es machen, sollen unsere Arbeitsgruppe es machen? Wovon denn bitte? Wir müssen hier jeden Pfennig dreimal umdrehen. Fahren wir auf die und die Konferenz? Welche Stellen brauchen wir, um unseren Hauptberuf, die Wissenschaft zu betreiben?

    Dummerweise brauchen wir jeden Hiwi, jeden SHK für die Wissenschaft und die Datenverarbeitung. Das kriegen wir schon so kaum bewältigt. Sollen wir dann noch nebenberuflich mal eben schnell Dinge machen, für die wir gar nicht richtig ausgebildet sind und für die wir keinen Cent sehen, so dass wir dafür keinen extra einstellen können?

  26. #26 Hendrik
    November 13, 2008

    Fassen wir mal zusammen:
    – Weil es kein Geld gibt, gibt es keine PR
    – Weil es keine PR gibt, gibt es keine öffentliche Unterstützung/Interesse.
    – Weil es keine öffentliche Unterstützung/Interesse gibt, wird es als unwichtig betrachtet.
    – Weil es als unwichtig betrachtet wird, gibt es kein Geld.

    Ich bin gespannt wie das ausgeht.

  27. #27 Werner Fahl Kunitzsch
    Juni 23, 2011

    Ich habe keine Lust mehr zu wählen, denn alle Parteien sind nicht bereit in die Zukunft der Menscheheit zu investieren. Über ein paar Millionen wird sich aufgeregt, aber Banken werden gerettet, damit die ach so realistischen Zocker weiter machen können.
    Was für eine unreife und arme Gesellschaft!