Das in meinem Alter…

Bei mir war der Verlauf dann doch etwas anders. In der Notaufnahme haben sie mich z.B. schon gar nicht mehr gefragt, ob ich Schmerzen hätte, weil ich denen in der Wartezeit bereits 3 Nierenschalen vollgekotzt hatte. Es ist einfach unmöglich bei einer ausgewachsenen Kolik würdevoll zu leiden.

Außerdem Druckpunkt? Was für ein Druckpunkt? Meine Schmerzen waren zwar heftig, aber diffus im gesamten Bauchraum verteilt. Zwei Ärzte haben mittels Ultraschall alles mögliche abgesucht: Niere, Pankreas, Gallenblase. Erst als der eine Arzt den Ultraschallkopf tief in meinem rechten Unterbauch vergrub, meinte ich: ‘Och ja, das könnte man – wenn man denn wollte – als leicht druckempfindlich bezeichnen.’

Die Ausmessung des Wurmfortsatzes und der Ausschluss anderer Ursachen ergab dann schließlich den Befund: Appendizitis. Ich gelangte zunächst in den Genuss von drei Infusionsbeuteln mit Schmerzmitteln, zu dem mich hinterher die gesamte Notaufnahme beglückwünschte, und anschließend musste der Wurmfortsatz dran glauben.

Dank minimal-invasiver endoskopischer Operationstechnik stand ich dann auch 12 Stunden nach der OP auf der Straße. Für die endgültige Heilung sind aber doch drei ganze Wochen veranschlagt, denn so ganz ohne ist selbst ein so vergleichsweise kleiner Eingriff am Bauch nicht.

Na ja, so lerne ich immerhin direkt die wichtigsten Unterschiede zwischen deutschem und belgischen System kennen.
1. Nimm immer Bargeld zu einem belgischen Arzt mit. Der normale Arztbesuch muss sofort bezahlt werden. Eine normale Konsultation kostet etwa 20-25 Euro und die meisten Ärzte haben keinen EC-Karten-Leser. Im Krankenhaus kommt die Rechnung hinterher zu Dir nach Hause.
2. Belgische Ärzte haben in der Regel keine Arzthelfer, sondern machen alles alleine: Termineinteilung, Abrechnung, Telefondienst und Konsultation; manchmal auch alles gleichzeitig. Daher empfiehlt es sich auch bei einem Notfall vorher in der Praxis anzurufen.
3. Zumindest im flämischen Teil Belgiens können wirklich alle passabel Englisch.
4. Leg Dir ne Mappe für Quittungen und Rechnungen zu! Selbst der Betreiber des Krankenwagens schickt Dir ne Rechnung nach Hause, die Du zunächst bezahlen musst. Du musst dann das Geld hinterher bei der Krankenkasse und/oder bei der Zusatzversicherung für den Krankenhausaufenthalt (Wichtig! Sollte mensch unbedingt abschließen.) wieder einfordern. Viele Belgier sammeln die Quittungen und reichen sie dann gesammelt ein oder zweimal im Jahr ein. Die Quittungen sind bis zu zwei Jahre gültig.
5. Selbst wenn Du noch nichts von der belgischen Krankenkasse/Versicherung hast: Keine Panik! Meine Unterlagen von der Krankenkasse waren praktischerweise auch erst einen Tag nach meiner OP im Briefkasten. Ich konnte denen in der Notaufnahme auch nur den Namen meiner Krankenkasse nennen und sonst nichts. Ich hab dann einfach nach meiner Entlassung im Krankenhaus angerufen und der Rechnungsstelle die Daten durchgegeben. War alles kein Problem.

Und ja, abgesehen davon, dass mein Bauchnabel ab und an noch zwickt, geht’s mir eigentlich ganz passabel.

Kommentare (27)

  1. #1 Gunnar
    August 28, 2012

    Au weia!
    Gute Besserung!!

  2. #2 Thomas J
    August 28, 2012

    ” Ich gelangte zunächst in den Genuss von drei Infusionsbeuteln mit Schmerzmitteln, zu dem mich hinterher die gesamte Notaufnahme beglückwünschte,…”

    versteh ich nicht… zu was genau wurdest du beglückwünscht?

    Und natürlich gute Besserung… und hoffentlich bald wieder Zeit und Lust zum bloggen!

  3. #3 rolak
    August 28, 2012

    Wassolldasdenn, Thomas J, einfach die Frage klauen, die doch ich stellen wollte 😉 Meine erste Vermutung wäre gewesen: Die ungemein positiven Nebenwirkungen waren dem Personal in bester Erinnerung. Und die zweite: Die Nebenwirkungen waren derart, daß jedwege Ansprache als Glückwunsch aufgenommen wurde. Die dritte, völlig unwahrscheinliche: Krankenhausrekord.

    Das Bargeldmantra läßt gewisse zahnärztliche Erfahrungen aus mehreren Urlauben wieder hochkommen .. *schauder*

    Den bisherigen Genesungswünschen schließe ich mich hemmungslos an, mach’s gut, Ludmila, werde gesund!

  4. #4 Ludmila
    August 28, 2012

    @rolak @ThomasJ: Na, zu den guten Drogen wurde ich beglückwünscht, die mich endlich nach 5 Stunden schmerzfrei machten.

  5. #5 Alderamin
    August 28, 2012

    Wie sich die Zeiten ändern, zu meiner Zeit lag man noch eine Woche in der Klinik mit Blinddarmentzündung, wobei ich mir dann Apollo 15 im Fernsehen anschauen konnte… ich war da allerdings erst in der 2. Klasse.

    Jedenfalls gute Besserung, nachträglichen Glückwunsch zum Titel und viel Glück in Leuven.

    Schön, dass dieser Blog wieder aktiv ist, dann schau ich hier auch mal öfters rein, wenn’s recht ist.

  6. #6 rolak
    August 28, 2012

    Oha, Ludmila, wenn das einen kollektiven Glückwunsch angemessen scheinen ließ, muß es wohl sehr heftig gewesen sein.
    Gab es irgendeinen wesentlichen Grund, nicht vorher schon analgetisch tätig zu werden? Kenne ich bisher eigentlich nur von der ins-Krankenhaus-Begleitung in Fällen, die wohl nach Akte den Ärzten bedenklich erschienen – dann setzte nach der Erkenntnis, daß die Schmerzen nicht simuliert waren, regelmäßig eine ziemliche Hektik ein…

  7. #7 Ludmila
    August 28, 2012

    @rolak: Tja in Belgien ist die Vorgehensweise wohl: Wenn’s nicht gerade lebensbedrohlich ist, dann kann’s warten. Und es war an dem Tag auch wirklich viel los in der Notaufnahme. Na ja, die 2h haben ich auch irgendwie überlebt, auch wenn ich mir echt was Schöneres vorstellen konnte.

  8. #8 rolak
    August 29, 2012

    /irgendwie überlebt/ Na toll – nichts gegen das letztendliche Ergebnis, doch die Umstände auf dem Weg dorthin… da kneifts mir alles mögliche zusammen. Nachträglich noch ein anerkennendes Schulterklopfen: Möge es in Zukunft pflegeleichter verlaufen!

    (Ja ich weiß, Appendix gibts i.a. nur einen, meine es mehr allgemein)

  9. #9 Chris
    August 29, 2012

    Gute Besserung!

  10. #10 schak
    August 29, 2012

    Gute Besserung und viel Glück im neuen Job.

    Das System vor Ort zahlen zu müssen und dann von der Krankenkasse zurückfordern würde ich mir in Österreich auch wünschen. Dann würden die Leute mal sehen wieviel Geld da herumschwirrt. Derzeit ist die Gesundheitsversorgung quasi gratis und somit irgendwie wertlos.

  11. #11 noch'n Flo
    August 29, 2012

    @ Ludmilla:

    Na, zu den guten Drogen wurde ich beglückwünscht, die mich endlich nach 5 Stunden schmerzfrei machten.

    Da hast Du dann wohl echten Premium-Stoff bekommen.

    Wenn’s nicht gerade lebensbedrohlich ist, dann kann’s warten.

    Nicht jeder entzündete Appendix wird heutzutage noch operiert. In leichten Fällen wird erstmal mit Antibiotika begonnen und beobachtet. So hat sich die Zahl der Blinddarmoperationen in Deutschland in den letzten 10 Jahren spürbar reduziert.

    Weiterhin gute Besserung!

    @ Alderamin:

    wobei ich mir dann Apollo 15 im Fernsehen anschauen konnte… ich war da allerdings erst in der 2. Klasse.

    Somit müsstest Du derzeit 49 Jahre alt sein (+/- 1 Jahr), korrekt?

  12. #12 Alderamin
    August 29, 2012

    @noch’n Flo

    Somit müsstest Du derzeit 49 Jahre alt sein (+/- 1 Jahr), korrekt?

    -1 ist korrekt 🙂

    Die Appendizitis war übrigens wohl eine Fehldiagnose. Ich hatte nach Pommes und Hähnchen Bauchweh. Einfach mal Bauchweh. Meine Mutter ist aber gleich mit mir zum Arzt gerast. Der hat mir mit spitzem Finger in den Bauch gedrückt und gefragt, ob das weh täte. Ja, seine spitzen Finger taten weh. Und ruck zuck ging’s unter’s Messer. Irgendein Arzt hat dann nachher gesagt “da war nix”. Na ja, jedenfalls hatte ich das dann schon mal hinter mir.

    Und danach habe ich jahrelang Pommes und Hähnchen verschmäht. 🙂

    Heute fahre ich aber manchmal für Pommes sogar nach Belgien, das sind von uns zu Hause nur 40 km. Am Marktplatz in Lüttich gibt es auf einer Ecke einen Laden mit gefühlt 200 verschiedenen Soßen. Genial.

    Lüttich heißt natürlich nur bei uns “Lüttich”. In Lüttich sagt man “Liège”, und das steht auch schon in Deutschland auf den Autobahnschildern. Im Flämischen Landesteil sagt man aber niemals “Liège”, das steht auf keinem Schild. Da sagt man “Luik” und sonst nichts. Wer da als Deutscher den Weg sucht, sollte ein Navi haben. Und wenn er nach Hause will, Richtung “Aken/Keulen” halten (= Aachen/Köln).

    Noch ein Anekdötchen aus Belgien: da waren die iPhones schon ein Jahr vorher als in Deutschland ohne Vertragsbindung zu bekommen. Also sind wir rüber um eines zu kaufen. Problem: Kein Laden hatte welche vorrätig, lange Lieferzeiten oder gar keine Angabe. Dann haben wir die Mediamärkte abtelefoniert. Ich: “Do you speak English?” Die andere Seite: “No iPhone!” Ich hätte brüllen können vor Lachen!

    Wir haben dann noch eines in Hasselt organisieren können. 🙂

  13. #13 noch'n Flo
    August 29, 2012

    @ Alderamin:

    Der hat mir mit spitzem Finger in den Bauch gedrückt und gefragt, ob das weh täte. Ja, seine spitzen Finger taten weh. Und ruck zuck ging’s unter’s Messer.

    Kein Test auf einen Loslassschmerz (der bei banalem Bauchweh negativ ausfällt)? Kein Vergleich der Messung der Körpertemperatur in Mund und Rektum? Keine Labordiagnostik? WTF?!?

    Am Marktplatz in Lüttich gibt es auf einer Ecke einen Laden mit gefühlt 200 verschiedenen Soßen.

    Jau, das Faible der Belgier für exotische Pommes-Saucen fasziniert mich auch schon seit längerem. Muss da dringen mal hin.

    Dann haben wir die Mediamärkte abtelefoniert. Ich: “Do you speak English?” Die andere Seite: “No iPhone!” Ich hätte brüllen können vor Lachen!

    Schliesse mich spontan an.

  14. #14 Alderamin
    August 29, 2012

    @noch’n Flo

    Kein Test auf einen Loslassschmerz (der bei banalem Bauchweh negativ ausfällt)? Kein Vergleich der Messung der Körpertemperatur in Mund und Rektum? Keine Labordiagnostik? WTF?!?

    Ich war 7 Jahre alt, an solche Details kann ich mich nicht mehr erinnern, nur dass er mit den Fingern gedrückt und gefragt hat, ob’s weh tut. Ob das beim Loslassen war, mag sein. Ich glaube, ich wollte ihm auch irgendwie den Gefallen tun, das zu sagen, was er hören wollte – das ist ja immer die Gefahr, wenn man Kinder befragt, man ist ja auf’s artig-Sein gedrillt.

    Ich glaube, der Hausarzt war’s, der später meinen Eltern gesagt hatte, da war nix, aber die haben mir das anfangs auch nur durch die Blume erzählt. Wollten mich wohl nicht schocken, aber hinterher war’s mir doch egal, war ja ohnehin nicht mehr zu ändern.

    Was tut man als Chirurg eigentlich, wenn man so eine Operation durchführt und einen gesunden Appendix vorfindet? “Oh scheiße” sagen, nehme ich an.

    Wenn Du Pommes in Belgien essen gehst, sag’ Bescheid, dann geh’ ich mit 🙂

  15. #15 Cornelius Courts
    August 29, 2012

    Gute Besserung!!

  16. #16 Ludmila
    August 29, 2012

    @noch’n Flo: Da gibt es durchaus geteilte Meinungen. Vor etwa 5 Jahren bin ich mit exakt denselben Symptomen in einem deutschen Krankenhaus gelandet und da haben die mich einfach mit Schmerzmitteln und Antibiotika vollgepumpt und ein paar Tage beobachtet. Keiner wusste damals, was es war. Mangels Druckpunkt kamen die anscheinend nicht auf ne Appendizitis und im Ultraschall war es wohl zu unklar. Die haben mich dann schulterzuckend nach Hause geschickt.

    Die Ärzte im belg. KH meinten dann auch, dass wenn der Appendix einmal gereizt war, die Wahrscheinlichkeit recht hoch ist, dass er sich innerhalb der nächsten Jahre wieder entzündet. Deswegen nehmen die ihn dort sofort raus und fackeln nicht lang. Ok, ist jetzt nur ne Anekdote und daher wenig aussagekräftig. Aber es wäre ja mal echt interessant verlässliche Daten darüber zu kriegen. Was in so nem Fall sinnvoller ist: Direkt raus oder mit Antibiotika probieren und dann hoffen, dass es weg geht. Und gibt es da nen Unterschied zwischen Erwachsenen und Kindern?

  17. #17 Ludmila
    August 29, 2012

    @schak: In Deutschland zahlt mensch 10 Euro pro Quartal ‘Praxisgebühr’, was zumindest auf dem Land wohl teilweise den Effekt hat, dass die Leute sich denken: ‘Jetzt hab ich 10 Euro bezahlt, jetzt muss ich das in diesem Quartal ausznutzen und geh wirklich bei jedem Pups zum Arzt.’ Mit anderen Worten. Das ist der gegensätzliche Effekt als beabsichtigt war.

    Netter Effekt des belgischen Systems: ‘Gutes’ Verhalten kann monitär belohnt werden. So wird z.B. der Fitnessclub bezuschusst. Oder mensch kriegt mehr Geld pro Arztbesuch zurück, wenn er/sie sich dazu entschließt eine zentrale Gesundheitsakte anlegen zu lassen, auf die dann innerhalb des gesamten belgischen Systems zugegriffen werden kann. Das erleichtert die Anamnese ungemein. Das find ich dann doch deutlich wirkungsvoller als alle Nase lang Broschüren in’s Haus zu schicken, die einem vermitteln wollen, wie toll doch Sport und Gemüse sind.

    Andererseits muss in Belgien jeder im Monat einen Geld-Puffer von etwa 100 Euro pro Person haben, um den Arztbesuch und Medikamente zunächst auch bezahlen zu können. Ich hab noch nicht alle Rechnungen vom KH, aber ich denke, dass wir uns hier schon in der Größenordnung von ein paar hundert Euro bewegen. Soviel Geld muss ich dann auch auf der hohen Kante haben. Auch wenn ich es wieder kriege, ist es ja zunächst weg. Wobei ich nicht weiß, wie das mit sozialen Härtefällen läuft und wie lang so ne Erstattung dauert.

  18. #18 noch'n Flo
    August 29, 2012

    @ Alderamin:

    Was tut man als Chirurg eigentlich, wenn man so eine Operation durchführt und einen gesunden Appendix vorfindet? “Oh scheiße” sagen, nehme ich an.

    Nee, eher sowa wie: “Na, wenn der Bauch jetzt schonmal offen ist…”

    Chirurgen werden im Rahmen ihrer Facharztweiterbildung die letzten noch verbliebenen Restzweifel (zuviele können es nicht sein, sonst wird man nicht Chirurg!) systematisch wegtrainiert. Da ist Pragmatismus angesagt.

    @ Ludmila:

    Und gibt es da nen Unterschied zwischen Erwachsenen und Kindern?

    Müsste ich mal recherchieren. Aber ich meine mal gehört zu haben, dass die konservative Vorgehensweise bei Kindern deutlich häufiger erfolgreich sei als bei Erwachsenen.

    Aber nota bene: ich bin selber auch noch nicht wirklich von der konservativen Behandlung überzeugt, ich habe lediglich den Stand des derzeitigen Vorgehens im deutschsprachigen Raum wiedergegeben.

    Mit anderen Worten. Das ist der gegensätzliche Effekt als beabsichtigt war.

    Erwartest Du etwas anderes, wenn Nicht-Mediziner am Gesundheitssystem herumpfuschen?

    Hier in der Schweiz zahlt der Patient grundsätzlich 10% von jedem Arztbesuch und verordneten Medikament selber (allerdings max. SFr. 700.- pro Jahr). Ausserdem gibt es noch die sog. “Franchise” – das ist eine Selbstbeteiligung, deren Höhe zwischen 300 und 2’500 Franken pro Jahr frei gewählt werden kann. Je höher die Franchise, desto geringer die Krankenversicherungsprämie.

    (Zahnbehandlungen sind ganz von der gesetzlichen Versicherung ausgeschlossen, es gibt aber die Möglichkeit, Zusatzversicherungen abzuschliessen, die aber auch nur max. 75% erstatten und auch absolute Erstattungsobergrenzen pro Jahr haben.)

    Der durschnittliche Deutsche hat pro Jahr 18 Arztkontakte, der Schweizer nur 3.6 (also fünfmal weniger). Damit sind die Deutschen “Europameister” im “zum Arzt gehen”, die Schweizer hingegen das “Schlusslicht” in diesem Ranking.

    Zufall?

  19. #19 Thomas J
    August 29, 2012

    @nochnflo

    aber trotzdem zahlen wir doch ziemlich viel hier in der Schweiz, oder was findest du?
    Ich finds allgemein ziemlich schwierig mir eine Meinung zu unserem Gesundheitswesen zu bilden.

    Beziehen sich die 3.6 Besuch nur auf Hausarztbesuche? Oder inkl. Fachärzte, Zahnärzte, Besuche in der Notaufnahme von Spitälern, etc.
    Sind diese Zahlen direkt mit Deutschland vergleichbar? Wenn ja, wär das ja wrklich ein Hammer…

  20. #20 noch'n Flo
    August 29, 2012

    @ Thomas J:

    aber trotzdem zahlen wir doch ziemlich viel hier in der Schweiz, oder was findest du?

    Also die Versicherungsprämien hierzulande sind deutlich niedriger als in Deutschland.

    Beziehen sich die 3.6 Besuch nur auf Hausarztbesuche? Oder inkl. Fachärzte, Zahnärzte, Besuche in der Notaufnahme von Spitälern, etc.

    Auf alle ambulanten Arztkontakte.

    Sind diese Zahlen direkt mit Deutschland vergleichbar?

    Ja.

    Wenn ja, wär das ja wrklich ein Hammer…

    Ist es auch. Aber es liegt sicherlich nicht nur an den Zuzahlungen. Ein wichtiger Faktor ist der ausgeprägte Gemeinsinn der Schweizer: niemandem zur Last fallen, die Kollegen nicht im Stich lassen durch Krankheitsausfall usw. In Deutschland dagegen herrst eine Ego-Gesellschaft. Es ist dort u.a. gar nicht einmal so unüblich, die schon üppigen 6 Wochen Ferien pro Jahr vom Hausarzt nochmal um 2 oder 3 Wochen aufstocken zu lassen.

  21. #21 Thomas J
    August 29, 2012

    @nochnflo

    glorifizierst du jetzt da uns Schweizer nicht ein bisschen?

    Was sagst du den zu den steigenden Prämien, wie soll man diesen entgegnen? Einheitskasse?

  22. #22 noch'n Flo
    August 29, 2012

    @ Thomas J:

    Einheitskasse? Bestimmt nicht. Aber die Managed Care Modelle sind sicherlich auch keine Lösung – da wird ein teurer Verwaltungsapparat aufgebaut, während die effektiven Leistungen für die Patienten schlussendlich sinken.

  23. #23 BreitSide
    August 29, 2012

    Horst Ewers ist Kult!

    Wie in der Rhön: http://www.horst-evers.de/?p=358

    Gute Besserung!

  24. #24 CM
    August 30, 2012

    zum Thema “Gesundheitssystem i.d. Schweiz” erinnere ich mich aus meiner Zeit auch daran, daß sich manche Leute keine Versicherrung leisten können und andere ganz schön an den Rechnungen zu kauen haben. Aber das Jagen schwarzer Schafe ist sicher wichtiger … ;-(

  25. #25 noch'n Flo
    August 30, 2012

    @ CM:

    Wer sich die Grundversicherung nicht leisten kann, wird vom zuständigen Sozialamt versichert. Und für diese Leute fällt auch die Selbstbeteiligung weg.

    Das Problem sind derzeit eher jüngere Leute, die sich die Prämien zwar leisten könnten, das Geld aber lieber für etwas anderes ausgeben. Dann streicht die Versicherung die Leistungen und die Leute können ihre Arztrechnung nicht mehr bezahlen.

    Was für “schwarze Schafe” meinst Du eigentlich?

  26. #26 CM
    August 30, 2012

    Das war eine – vielleicht nicht sehr witzige – Anspielung.

    Das kam etwas nach der Zeit in der diskutiert wurde, ob das Sozialsystem bzgl. Krankenversicherungen nicht doch zu große Lücken aufweist. Ich erinnere mich u. a. an entsprechende Artikel i.d. Zeitungen (versch. Coleur), aber um ehrlich zu sein: Das kann ich gerade nicht finden.

    Ich bin nicht mehr auf dem neuesten Stand (habe 2004 die Schweiz verlassen), doch spricht dieser Artikel witzigerweise nicht nur von schwarzen Schafen, sondern auch von Leuten, die durchs Raster fallen. Wenn ich weiterrecherchiere, frage ich mich auch, welche Aussagekraft die Zahl der Betreibungen (bzw. jetzt-nicht-mehr-Betreibungen) hat? Sind das wirklich nur pers. Fehlentscheidungen?

  27. #27 CM
    August 30, 2012

    @Ludmilla: Beterschap!