ScienceBlogs-Leser Gerald Fix ist über eine Behauptung in der Kondradin Wissens-Ecke gestolpert:

“Ich habe eine Frage zu dem Artikel “Können mathematische Roulettesysteme funktionieren?”, der von Konradins Wissens-Ecke veröffentlicht wurde. Leider gibt es dort keine Kommentar-Möglichkeit.

Die Aussage, mit einem Martingale-System (Verdoppelung des Einsatzes nach jedem Verlust) könne man langfristig gewinnen, widerspricht meinem Verständnis von Wahrscheinlichkeit.

Bei einem Starteinsatz von 5 € wäre nach 12 Verlusten ein Verlust von ca. 20.000 € eingetreten. Um diesen auszugleichen, wären weitere 20.000 € nötig. Serien von 15 oder mehr Verlusten sind im Roulette nicht unüblich (160.000 € Verlust + Einsatz in gleicher Höhe). Ab einem bestimmten Betrag scheitert der Spieler auch am Tischlimit.

Oder liege ich falsch und Konradin hat recht?”

Kommentare (20)

  1. #1 echt?
    28. März 2021

    Es wird erst mal ein Tischlimit geben.

  2. #2 Jürgen Schönstein
    28. März 2021

    Ich denke, das Problem ist, ob man die praktischen Einschränkungen der Casino-Realtität berücksichtigt, oder die Frage ausschließlich anhand der Gewinnchancen beantwortet. In der Realität gibt es eben die Probleme des Tischlimits – oder, wenn es es dieses Limit nicht gäbe, des begrenzten Budgets eines Spielers. Und die lassen diese Strategie in der Tat fraglich scheinen. Außerdem ist dieses System bestenfalls geeignet, Verluste zu minimieren – denn wenn ich meinen Einsatz verdoppele, dann kann ich bei einfacher Gewinnchance (Schwarz-Rot oder Gerade-Ungerade, oder wie immer das im Roulette-Jargon heißt) meine Verluste plus meinen ersten (kleinen) Einsatz wieder reinholen – vorausgesetzt, ich höre dann auf.

    Ich bn kein Zocker, aber ich finde, wer nicht bereit ist, Geld zu riskieren, sollte gar nicht erst in die Spielbank gehen. So ein System ist (wenn es, wie gesagt, nicht sowieso an Budget- oder Tischlimits scheitert) bestenfalls langweilig; warum sollte man seine Zeit damit verschwenden wollen?

  3. #3 Matthias
    28. März 2021

    Es gibt bei dem System “Roulette” auch noch die Null, bei der die Bank immer gewinnt.

  4. #4 Jürgen Schönstein
    28. März 2021

    @Matthias
    Das stimmt zwar, ist aber bei dem “System” nicht so relevant: man verdoppelt, wenn man verliert – ob gegen eine andere Gewinnzahl oder gegen die Null ist dabei egal. Und es ist auch egal, wie oft man verloren hat, da die letzte Verdoppelung alle bis dahin erlittenen Verluste ausgleicht. Aber das Problem ist halt, dass man zum ewigen Verdoppeln stattliche Geldmengen braucht und dass das Einsatzlimit der Verdoppelung harte Grenzen setzt. Selbst mit einem Starteinsatz von nur einem Euro würde man nach einer Serie von 15 Verlusten (wenn man das mal als nicht ungewöhlich annehmen würde) das Tischlimit beispielsweise in der Spielbank Hamburg erreichen. Und mehr als einen Euro würde man am Ende so einer Verlustserie doch nicht gewinnen können… was den Aufwand wirklich nicht lohnt.

    Aber wer in die Spielbank geht, um zu gewinnen, hat sowieso schon verloren…

  5. #5 knorke
    28. März 2021

    Ich bin kein Spieler, aber die Idee ist, nur zu verdoppeln wenn man verloren hat. Nicht wenn man gewinnt. d.h. man kann damit im Prinzip sehr wohl auch gewinnen, da man Gewinne mitnimmt, wenn sie anfallen, und Verluste versucht durch aufdoppeln zu kompensieren.
    In der Theorie funktioniert das, in der Praxis wohl kaum, denn Tischlimits gibt es ja nicht ohne Grund. Soweit ich weiß ist das einer der ältesten Strategien überhaupt und demzufolge kleines 1×1 der Casinos, sowas nicht vernünftig zu ermöglichen. Ich glaube es gibt auch nicht nur ein Tischlimit nach oben, sondern auch einen Mindesteinsatz, sodass man dasselbe Spiel unter high und low stakes Szenarien absichern kann, und jeder seinen Spass hat. Was daran Spaßig ist, reine Glücksspiele zu zocken erschließt sich mir aber nicht. Bei Poker sehe ich es schon eher ein, denn dort sind Faktoren wie Strategie und Menschenkenntnis (sowie grobes Kopfrechnen) ebenfalls erforderlich. Auch wenn der Glücksfaktor fraglos stark bleibt.

  6. #6 Tim
    28. März 2021

    Bin ich der einzige, der sich gefragt hat, was dieser Konradin-Artikel in einem Wissenschaftsforum zu suchen hat?

  7. #7 Omnivor
    Am 'Nordpol' von NRW
    28. März 2021

    Wie wird Mann über Nacht Millionär?
    In dem Mann als Milliadär ins Spielcasino geht.

  8. #8 Kerberos
    28. März 2021

    @Tim
    richtig, dieses “Konradin”-Zeug hat zwischen Blogs
    nix zu suchen. Es nervt, und ist teilweise einfachg
    falsch.

  9. #9 Karl-Heinz
    Graz
    28. März 2021

    Sobald ich Zeit habe, werde ich das Spiel mit Excel simulieren und euch vom Ergebnis berichten. 😉

    Frage: Wird die Verdoppelung auf den Startbetrag zurückgesetzt, wenn man gewinnt?

  10. #10 Jürgen Schönstein
    29. März 2021

    @Tim @Kerberos
    Die “Konradin Wissens-Ecke”-Rubrik ist, wie der Name schon anzeigt (und die Information zu dieser Rubrik weiter ausführt) KEIN ScienceBlog, sondern eine “Spielwiese” des Konradin-Verlags, der das ScienceBlogs-Portal betreibt. Was dort erscheint, ist NICHT als ScienceBlog konzipiert, sondern reflektiert Themen und/oder Angebote, die der Verlag für interessant hält.

    Und immerhin hat der Beitrag eine nicht-triviale und durchaus erleuchtende Diskussion hier angestoßen; das IST in meinen Augen ein nützlicher Effekt.

  11. #11 knorke
    29. März 2021

    @Karl-heinz
    ja wird sie.
    Im Prinzip ist das alles eine reine Risikovermeidungsstrategie.
    Geld gewinnen tut man nur in den Runden, wo man mit dem Startbetrag direkt gewinnt. Wenn man bei Roulette direkt auf Farbe setzt also in statistisch betrachtet max. der Hälfte der Runden.

  12. #12 Robert aus Wien
    29. März 2021

    Das ist doch eh in der Wiki schön erklärt: https://de.wikipedia.org/wiki/Martingalespiel

    -> negativer Erwartungswert, daher nicht erfolgversprechend.

  13. #13 echt?
    29. März 2021

    Einfach jedes mal, wenn man nicht ins Casino geht, sich den Einsatz als Gewinn auszahlen!

  14. #14 Karl-Heinz
    Graz
    29. März 2021

    Tag 1. Heute ist mein Roulette-Tag. Ich spiele das Martingale-System.
    0 ist schwarz, 1 ist weiß. Ich setze auf schwarz.

    Mein Starteinsatz ist 10 EUR.
    Meine Strategie sieht wie folgt aus. Gewinne ich, so spiele ich mit 10 EUR Einsatz weiter. Verliere ich, dann verdopple ich meinen Einsatz, bis ein Gewinn erfolgt.
    Bei Verlust werde ich wie folgt verdoppeln:
    10 EUR, 20 EUR, 40 EUR, 80 EUR, 160 EUR, 320 EUR, 640 EUR.
    Für dieses Vorhabe statte ich mich mit mehr als 1270 EUR aus (1270 EUR + Eintritt + Getränke).
    Für den heutigen Tag gehe ich davon aus, dass die Roulette-Kugel 100 mal rollt.
    Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass 7 mal schwarz oder weiß hintereinander kommt. Die Mathematik sagt, dass die Wahrscheinlichkeit 7 mal hintereinander zu verlieren unter ein Prozent der Spielanzahl ist. Wie es ausgegangen ist, seht ihr unten. Gott sei Dank ist es nur eine Simulation. 🙂

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  15. #15 Karl-Heinz
    Graz
    30. März 2021

    Upss … Sorry.
    Ich setze in #14 natürlich auf weiß. Die Null selbst habe ich einfach halber vernachlässigt.

  16. #16 frbn
    30. März 2021

    Die beiden wichtigsten Fehler im Konradin-Artikel wurde schon genannt: 1. Tischlimits; es geht einfach nicht; 2. Kapital: Man braucht beliebig hohes (vulgo unendliches) Kapital für wirklich einen sicheren Gewinn.

    Daraus folgt ein weiterer Einwand: Wenn man mit korrekten Zahlen (18/37 rot/schwarz, 1/37 Null) den Erwartungswert für den Kapitaleinsatz ausrechnet, ist der erstaunlich hoch. Wenn man diesen Erwartungswert vorhält (oder für mehr Sicherheit den doppelten oder was immer), dann bekommt man mit einer hohen Wahrscheinchkeit den Grundeinsatz als Gewinn.

    Und nur absolute finanzielle Vollidioten würden ein so hohes Kapital für diese mickrige Rendite einsetzen. Schon das Sparbuch (auch heute) hätte eine höhere!

  17. #17 Gerald Fix
    30. März 2021

    Ich danke für die erhellen Antworten.

    Was die Serien angeht: Ich erinnere mich an einen Text (des krankhaften Spielers) Dostojewskij, in dem es sinngemäß heißt, am schlimmsten sei es, wenn 16 oder 17 mal in Folge rot oder schwarz gekommen wäre – dann würden die gelangweilten Adelssöhne an den Tisch kommen und alles setzen, was sie besäßen – um danach ruiniert nach Hause zu gehen.

    Dostojewskij kannte also 18er-Serien.

  18. #18 Karl-Heinz
    Graz
    30. März 2021

    Es lohnt sich des öfteren, wenn man sich manche Sachverhalte etwas genauer ansieht.
    Wie hoch ist der kumulierte Gewinn bzw. Verlust pro Spielrunde, wenn man normal, also ohne Martingale-System, mit 10 EUR pro Einsatz je Spielrunde spielt.
    0 ist schwarz, 1 ist weiß.

    Schwarz, weiß Folge
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    Kumulierter Gewinn pro Spielrunde, wenn man auf weiß (=1) setzt:
    10, 20, 10, 0, 10, 0, 10, 0, -10, 0,
    -10, -20, -10, -20, -10, -20, -10, 0, -10, -20,
    -10, 0, -10, -20, -10, 0, 10, 0, -10, -20,
    -10, 0, 10, 20, 10, 20, 30, 20, 10, 0,
    -10, -20, -30, -40, -30, -40, -50, -40, -30, -40,
    -30, -40, -50, -60, -50, -40, -30, -40, -50, -60,
    -50, -60, -70, -60, -70, -80, -90, -100, -90, -100,
    -90, -100, -90, -100, -110, -100, -90, -100, -90, -100,
    -110, -100, -110, -100, -90, -80, -90, -80, -70, -60,
    -70, -80, -90, -80, -90, -80, -70, -60, -50, -60

    Kumulierter Gewinn, wenn man auf schwarz (=0) setzt.
    -10, -20, -10, 0, -10, 0, -10, 0, 10, 0,
    10, 20, 10, 20, 10, 20, 10, 0, 10, 20,
    10, 0, 10, 20, 10, 0, -10, 0, 10, 20,
    10, 0, -10, -20, -10, -20, -30, -20, -10, 0,
    10, 20, 30, 40, 30, 40, 50, 40, 30, 40,
    30, 40, 50, 60, 50, 40, 30, 40, 50, 60,
    50, 60, 70, 60, 70, 80, 90, 100, 90, 100,
    90, 100, 90, 100, 110, 100, 90, 100, 90, 100,
    110, 100, 110, 100, 90, 80, 90, 80, 70, 60,
    70, 80, 90, 80, 90, 80, 70, 60, 50, 60

  19. #19 Karl-Heinz
    30. März 2021

    upss …
    Besser wäre die Bezeichnung:
    kumulierte Gewinn bzw. Verlust nach n-Spielrunden.

  20. #20 Karl-Heinz
    Graz
    30. März 2021

    upss …
    Besser wäre die Bezeichnung:
    kumulierte Gewinn bzw. Verlust nach n-Spielrunden.