Manchmal kann man nur Zustände bekommen, wenn Physiker – auch wenn sie an der Harvard Universität lehren – sich bemühen, ohne mathematische Gehhilfe zu erläutern, wie sie die Welt sehen. In Februarheft 2014 von “Spektrum der Wissenschaft” schildert der Physikprofessor Subir Sachdev in einem Beitrag mit dem Titel “Stringtheorie für Festkörper” neue Einsichten in die Zustände der Materie, und er lässt dabei Sätze vom Stapel, die einen zur Verzweiflung bringen. Falls jemand wissen will, wie ein punktförmiges Teilchen – etwa ein Elektron – zu verstehen ist, dann wird ihm versichert, es sei der Endpunkt eines Strings, der aus einer Brane in eine höhere Raumdimension ragt. “Ach”, hätte Loriot gesagt, und weiter gelesen: “Wir können das Universum entweder als Menge von kompliziert wechselwirkenden Punktteilchen betrachten, die sich in einer vierdimensionalen Raumzeit bewegen, oder als Strings, die in einer fünfdimensionalen Raumzeit an Branen haften.” Falls sich jemand wundert – diese Erläuterung gilt als verständliche Wissenschaft. Gemeinverständlich, wie es gemeinerweise auch heißt. Der genannte Harvard Professor kann sicher rechnen – und er kann sogar Goethes Faust bestätigen, der sich beklagt, dass sich dort, wo die Begriffe fehlen, zur rechten Zeit ein Wort einstellt. Denn danach bin ich armer Tor so schlau als wie zuvor.

Kommentare (3)

  1. #1 Hans
    Februar 17, 2014

    “Denn danach bin ich armer Tor so schlau als wie zuvor.”

    Entweder Sie machen sich kundig, oder Sie landen hier:

    https://scienceblogs.de/bloodnacid/2014/02/13/bloodnacid-leicht/

  2. #2 roel
    *****
    Februar 17, 2014

    @Hans Alternative 1 ist klar die bessere.

  3. #3 Trice
    März 1, 2014

    Bei der Beschreibung von an einer Brane haftenden Strings und deren Endpunkten hatte ich spontan das Bild von “Raketenwürmern” vor Augen (die haften allerdings weder an noch für irgendetwas).
    Das Problem mit der natürlichen Sprache ist, dass Begriffe häufig vieldeutig sind, womit Missverständnisse vorprogrammiert sind. Und ein weiteres Handikap ist, dass sie Bilder wie das gerade genannte hervorrufen, die ihrerseits zu falschen Vorstellungen führen.
    Beides fällt weg, wenn man mathematische Gehhilfen,sprich: Formeln zur Verfügung hat, um Vorgänge bzw. Sachverhalte zu beschreiben. Das bringt nicht nur Klarheit, sondern gibt auch Sicherheit.