Ich gebe zu: Man kommt nicht mal eben zufällig in Paderborn vorbei. Aber wenn es jemanden – z.B. an einem verregneten Wochenende – nach Ostwestfalen verschlägt, dann kann ich einen Besuch des dortigen Heinz-Nixdorf-Museumsforums nur empfehlen.

Ich hatte gestern leider nur die Gelegenheit, an einer kurzen Führung teilzunehmen bevor ich vor einem überschaubaren aber interessieren Zuhörerkreis einen Vortrag über Physik und Technologie zu halten hatte. Aber der kleine Rundgang regte mich zum Wiederkommen und zum Weitererzählen an.

Besonders erwähnenswert finde ich die Funktionsmodelle der verschiedensten Rechenmaschinen, u.a. von Wilhelm Schickard und Blaise Pascal. Einfach toll, wenn man diese Geräte, von denen man irgendwann in der Schule und im Studium mal ein paar merkwürdige Abbildungen gesehen hat, nicht nur “hautnah” sehen kann, sondern sogar selbst an den Rädern drehen daf und beobachten kann, wie die Zahnräder das Addieren und Subtrahieren bewerkstelligen.

Originalgetreue Nachbauten gibt es von fast allen Rechenmaschinen der Geschichte, eine komplette Hollerith-Maschine genauso wie den Eniac (gut, von dem nur “ein Schrank” aber die Originalgröße ist auf dem Boden und im Raum sichtbar gemacht). Natürlich gibt es auch einen echten Zuse (in dem Falle einen Z11) und sogar der Großrechner, an dem ich mein erstes PL/1-Programm laufen lassen durfte (ein ESER EC 1055) ist aufgebaut.

Damit kommen wir zur Abteilung Sentimentalitätstest. Natürlich hat man in Paderborn auch die kleinen Klassiker versammelt: den Amiga, den ZX81, den ersten Apple, alle sind da. Dazu eine Sammlung von 700 Taschenrechnern – da findet wohl jeder Über-Vierzigjährige sein erstes Modell.

Selbstverständlich hat das Museum auch einen großen Heinz-Nixdorf-Gedächtnis-Bereich, der aber auch gut gemacht wird und die typische Erfinder-Unternehmer-Persönlichkeit erklärt.

Was noch? Schreibmaschinen aller Generationen, Relaisstationen und sogar die Steuerungseinheit eines Lochstreifengesteuerten Webstuhls – die in Betrieb genommen werden kann. Emulationen von alten Computerspielen. Einen Nachmittag kann eine technikbegeisterte Familie sicherlich gut und gern in diesem Museum verbringen – ob Paderborn sonst irgendetwas zu bieten hat, womit man den restlichen Tag füllt, weiß ich leider nicht.

Kommentare (3)

  1. #1 Guenter
    August 27, 2010

    Das kann man nur unterstützen. Insbesondere auch die regelmäßigen Sonderausstellungen sind immer sehr lehrreich und spannend. Die letzte zu Claude Shannon beispielsweise war cool.
    Seine “ultimative Maschine” wäre ein gutes Symbol für euren unermüdlichen und leider auch unendlichen Kampf gegen die Dummheit, den ihr hier hier bei den Scienceblogs führt. 🙂

    Auf diesem Wege auch mal Danke an dich und die anderen Autoren. Ich lese hier schon ein Weilchen interessiert mit. Und wenn ich in der Regel auch wenig dazu zu sagen oder zu ergänzen habe, so ist es für mich doch spannend und erweitert den Horizont. Ich komme jedenfalls sehr gern hier vorbei.

  2. #2 Giuseppe
    August 27, 2010

    Ha, ich war gestern auch im HNF in Paderborn. Zufälle gibt es…

  3. #3 Jens
    Oktober 31, 2010

    Apple Mac-Treff OWL / NRW Paderborn

    http://dl.dropbox.com/u/13386760/Welcome.html