Als Neutronenphysiker entwickelt man schon fast zwangsläufig eine gewisse Vorliebe und Passion für Alufolie. Sie ist nahezu durchsichtig für Neutronen, man kann Pulverproben und auch ganze Einkristalle bestens darin einwickeln, sie dient als Strahlungsschild für kryogene Proben nahe dem absoluten Nullpunkt, hält das Mikrowellenessen warm, wenn man in der Nachtschicht mal wieder nichts Ordentliches bekommen hat und kann auch sonst um jeden Detektor und jedes Kabel gewickelt werden, um es vor elektromagnetischen Störungen zu schützen.

Warum ich das schreibe? Weil viele Suchbegriffe, die Leser auf diese Seite führen, so aussehen wie “Alufolie Schutz Radioaktivität” oder “Alufolie Festplatte radioaktive Strahlung”.  So sehr ich Alufolie auch liebe und so praktisch sie für die vielen oben beschriebenen Dinge ist, eines kann sie leider nicht: Zum Schutz vor ionisierender und speziell radioaktiver Strahlung ist Alufolie kaum besser als ein Blatt Papier. Bei jeglicher “geladener” ionisierender Strahlung ist die Abschirmfähigkeit in erster Näherung proportional zu der Kernladungszahl der Teilchen. Das macht ein Metall zwar generell zu einer guten Wahl, aber ein kurzer Blick ins Periodensystem zeigt, dass so ziemlich alle anderen Metalle besser sind. Weiter heißt es dann auch “je dicker die Abschirmung desto besser” und AluFOLIE ist ja eben absichtlich nicht massiv.

Die Verwechslungen kommt natürlich daher, dass Alufolie gut zum Abschirmen von langwelliger elektromagnetischer Strahlung von Infrarot bis Funk (durch sehr unterschiedliche Mechanismen) benutzt werden kann und sowohl Röntgen- als auch Gamma-Strahlen ja auch nur EM-Wellen mit einer anderen Wellenlänge/Energie sind. Leider ist die Energie von Röntgen- und Gamma-Photonen (um jetzt mal das Teilchenbild zu bemühen) zu hoch, um von den paar einzelnen Elementarladungen in der Alufolie aufgehalten zu werden und so gehen sie da durch wie ein heißes Messer durch Butter.

 

Alle “Kurz notiert:” Artikel gibt es hier.

Kommentare (33)

  1. #1 nihil jie
    4. April 2017

    Tja… die Produktion von Alufolie befindet sich ja auch in unserer Kontrolle. Das müssen wir so machen, damit wir die Aluhut-Fraktion immer noch mit unseren Bewusstsein verändernden Strahlen erreichen können. Also manipulieren wir die Alufolie bevor sie in den Handel kommt *gg Für die wissenschaftliche Anwendung bleibt sie natürlich unbehandelt. Ich schwöre es, dass es so ist 😉

  2. #2 Michael
    4. April 2017

    “… Vorliebe und Passion für Alufolie …”

    Aluminium kann sich im Gehirn anlagern und spielt damit u. U. eine Rolle bei der Entwicklung von Alzheimer.

    https://www.deutsche-alzheimer.de/unser-service/archiv-alzheimer-info/leichtes-metall-mit-schweren-folgen-aluminium-und-die-alzheimer-krankheit.html

  3. #3 rolak
    4. April 2017

    Alzheimer

    Hast Du den von Dir verlinkten Artikel auch gelesen oder das nach dem Überfliegen der Überschrift schon vergessen gehabt, Michael?
    Letzteres ist aufgrund des Abstandes zum hiesigen Thema wahrscheinlicher…

  4. #4 Tobias Cronert
    4. April 2017

    Also ich mag zwar Aluminium, aber ich werde es mir jetzt sicher nicht ins Gehirn spritzen oder mein Blut damit anreichern. Soweit geht meine Passion dann nun auch wieder nicht.

    Aber wo ich das gerade schreibe stelle ich mir die Frage, wie wohl ein FMRT auf einen Aluhut reagieren würde … ob der mich davor schützen würde, dass das MRT meine Gedanken liest?

  5. #5 rolak
    4. April 2017

    dass das MRT meine Gedanken liest?

    Selbstverständlich nicht, Tobias.

    Durch diese Unstetigkeit dieser einen quantenhyperdynamischen Symmetrie bzw wegen des dadurch möglicherweise ausgelösten, sehr selten auftretenden und generell kaum etwas bewirkenden Effekt wird aber ulkigerweise just in diesem Falle zuverlässig verhindert, daß das MRT Deine Gedanken kontrolliert.
    Klar, das Hütchen muß schon korrekt gefaltet sein.

  6. #6 Tobias Cronert
    4. April 2017

    Wow, dann wirds aber kompliziert.

    Aber mit dem Lesen bin ich mir auch nicht so sicher. Dem Magnetfeld ist die Alufolie ziemlich egal, aber dem RF-Impuls auf der Lamor-Fraquenz nicht … na toll jetzt juckt es mich wieder in den Fingern.

  7. #7 rolak
    5. April 2017

    Lamor-Fraquenz

    Das fällt ein wenig hinter den hiesigen & aktuellen Erfahrungshorizont, Tobias, da einerseits der Zeeman-Effekt hier in K fast nur beim Einkaufen zu beobachten ist, andererseits im Frühling eher l’amour zählt.

  8. #8 tomtoo
    5. April 2017

    Ich überlege mir gerade ob so ein Aluhut je nach Umfeld nicht evtl. einen Einfluss auf die l’amurfrequenz des Trägermaterials besitzen könnte ?

  9. #9 gedankenknick
    5. April 2017

    @tomtoo:
    Auf die l´amour-Frequenz des Trägermaterials haben meist Hüte aus Latex oder Polyuretan Einfluss… Die schirmen aber bekannter Maßen auch eher schlecht vor Strahlung ab, wenn man mal von alpha-Strahlen absieht…
    *duck&cover*

  10. #10 tomtoo
    5. April 2017

    @gedankenknick

    Der @Rolak wars *fingerzeig* der hat angefangen.
    ; )

  11. #11 Trottelreiner
    6. April 2017

    Naja, das Alufolie so gut zum Abschirmen längerwelliger Strahlung ist wage ich aus eigener Erfahrung etwas zu bezweifeln.

    Hintergrund, der etwas jüngere Trottelreiner besaß einen portablen CD-Spieler (ja, so lange ist das her, wenn ihr wissen wollt was CDs sind fragt eure Eltern) der auf EM-Felder in der Umgebung rechr angepisst reagierte. AFAIR ging nicht einmal Autofahren (ich tippe auf Zündkerze oder Lichtmaschine), unangenehmer war der Ausfall bei längeren Zugfahren (die Oberleitung?).

    Lösungsversuche mit Alufolie, gerne auch extrastark und mehrlagig waren meines Wissens nicht von Erfolg gekrönt, aber vielleicht hätte ich das Teil ja an einen “Elektrofühligen” verkaufen sollen. Handies waren BTW, wieder AFAIR kein Problem. 😉

    • #12 Tobias Cronert
      6. April 2017

      Um eines meiner Lieblingszitate der letzen Jahre von einem Techniker der Bundesnetzagentur anzubringen: “Ach Funk ist manchmal einfach wie schwarze Magie.”

  12. #13 Laie
    6. April 2017

    @Trottelreiner
    Die Abschirumung muss geschlossen sein. Wenn sie nicht geschlossen war, dann dürfte die Stromversorgung des CD-Players Mist sein, da sie HF nicht abblockte. Lösung wäre gewesen, in der Stromversorgung eine LC-Kombination einzufügen. Kabelausgänge könnten auch als Antennen gewirkt haben, naja, am Besten die Zündkerzen in Alufolie wickeln, dann passiert nix! 😉

  13. #14 gedankenknick
    6. April 2017

    @Trottelreiner:
    Hätte vielleicht geholfen, die Alufolienverpackung zu erden, sprich eine gut leitende Verbindung zur Masse (Karosserie Auto; Heizungsverkleidung bei Zügen [prä-ICE-Ära]) herzustellen. Irgendwohin will das weggefangene elektromagnetische Feld ja auch entsorgt werden…

    Bei Autos hilft es oft, hinter der Lichtmaschine nen Hochfrequenzfilter installieren zu lassen – bzw. wenn der Verbraucher am Bordnetz hängt, direkt vor den fraglichen Verbraucher nen Hochfrequenzfilter zu schrauben. Problem (gerade bei älteren Autos ohne viel Elektronikgedöns) dürfte wohl sein, dass die Drehzahl der Lichtmaschine abhängig ist von der Drehzahl des Motors. Moderne Autos sollten da nicht so viel Ärger machen, da zum Schutz der eigenen E-Komponenten die Hersteller meist schon passende Filter installiert haben…

    @Tobias Cronert
    “Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.” Drittes Clarkesches Gesetz. https://de.wikipedia.org/wiki/Clarkesche_Gesetze Schwarze Magie ist seitens dieses Gesetzes NICHT ausgeschlossen… 😉

  14. #15 tomtoo
    6. April 2017

    @Tobias Cronert

    Sry aber ein bischen blödeln gehört bei mir halt dazu. ; )

    Aber jetzt ist mir etwas aufgefallen.
    “” sie dient als Strahlungsschild für kryogene Proben nahe dem absoluten Nullpunkt “”

    Das verstehe ich nicht.

  15. #16 gedankenknick
    6. April 2017

    @tomtoo
    Du hast ne Probe, welche sich temperaturtechnisch nahe dem absoluten Nullpunkt (knapp über 0K) befindet. Damit sich die nicht aufheizt., wickelst Du Alufolie drum.

    Wir haben das immer umgekehrt gemacht, wenn sich unsere Destillationsanlagen nicht abkühlen sollten im Studium. Ordendlich Alufolie drum, und hoffen dass unter der Folie alle Schliffstopfen dicht bleiben… 😀

  16. #17 tomtoo
    6. April 2017

    @gedankenknick

    Vielen Dank. Es geht also nur darum die Probe kurzfristig kühl zu halten.Ich dachte schon “was jetzt los” ?

    : )

  17. #18 Tobias Cronert
    7. April 2017

    Alles in Ordnung. In bin nur gerade wieder auf einem Konferenz, deswegen komme ich nur sporadisch dazu zu antworten.

    Blödeln ist ausdrücklich erwünscht, vorallem bei Aluhüten *g*

    Ansonsten Alufolie mit Krokodilklemme erden macht vieles einfacher… solange nicht auf der Erde auch wieder eine komige Potentialschwankung drauf ist.

    Alufolie kann man bei tiefen Temperaturen benutzen, wie gedankenknkick schon sagte, oder als Superisolierung des armen Mannes. Das heißt, wenn eine Probe mit einem Kaltkopfcryostat auf 3K heruntergekühlt wird, dann hat der auf der Stufe nur ca. 4W Kühlleistung. Damit das ausreicht um den Wärmestrom der Umgebungstemperatur zu kompensieren braucht man ein gutes Isolationsvakuum. Wenn das sichergestellt ist, funktioniert der Wärmeübertrag nur noch durch Strahlung und diese nimmt ab, wenn die Außenwände spiegelnde / polierte Oberflächen haben. Das macht man prof. mit Superisolierung für 1000€/m (Schichten von teuerer Alufolie mit schlecht leitendem Plastik dazwischen) oder billiger mit Alufolie … wie in der Dönerbude 😉

  18. #19 tomtoo
    7. April 2017

    @Tobias
    Vielen Dank!

    Welches Problem hatte das FZ Jülich gestern um 15:00 mit der Dönerbude nebenan gemeinsam ?

    Die Alufolie war aus ! Ohhh ein kalter ; )

  19. #20 Tobias Cronert
    7. April 2017

    In einer, dem Schreiber bekannten, aber in dieser öffentlichen Form nicht näher zu benenneden, öffentlichen Einrichtung, musste das Institut für Metaphysik (auf dem Dach des Institutes für Physik) gegeründet werden um Alufolie (zählt als Nahrungsmittel) und Sonnencreme (zählt als Kosmetik) abrechnen zu können. – Böse Zungen würden es als schwarze Kasse bezeichnen.

    Alles nur, damit die Alufolie nicht ausgeht … das ist sehr wichtig!

  20. #21 rolak
    7. April 2017

    spiegelnde / polierte Oberflächen .. Alufolie

    Das heißt, in diesem Falle wäre es durchaus wichtig, die glattere(, produktionstechnisch walzenzugewandte) Seite der Folie nach außen zu positionieren, Tobias? Beim Dönertransport ist das bißchen Unterschied ja ziemlich schnurz…

    • #22 Tobias Cronert
      7. April 2017

      Die “Glattheit” ist hier eine mikroskopische Eigenschaft, so dass auch eine zerknitterte Folie (oder eine mit Wabenstruktur) “glatter” sein kann, als “die platte” Seite.
      Ob jetzt die Seite, auf der rauen Walze, oder die Seite, die an der Luft gezogen wird glatter ist kann ich ohne Reflektometrie pauschal nicht sagen. Ich glaube in der Anwendung hat sich da bei uns auch noch keiner ernsthafte Gedanken drüber gemacht, denn wenn es auf solche Feinheiten ankommt, dann sollte man vielleicht lieber doch das ganze Verfahren hinterfragen.

  21. #23 tomtoo
    7. April 2017

    @Rolak
    Gibts da wissenschaftliche Untersuchungen ?
    Oder war das nur eine Vermutung ?

    @Tobias
    Sagt ja das Wort “Metha” schon aus.
    Also über dem Dach sozusagen.
    : )

  22. #24 rolak
    7. April 2017

    auf der rauen Walze, oder die Seite, die an der Luft gezogen wird

    Oha, da tun sich ja Abgründe auf^^ Also schnell die klassische Bildungsserie verlinken -P

    Vermutung?

    Nein, tomtoo, die beiden Seiten zeigen schon ein unterschiedliches Reflektionsverhalten (glatt=besser), ob dies allerdings insbesondere bei Temperaturen im einstelligen Kelvinbereich einen signifikanten Unterschied macht, bleibt zu zeigen. Wenn ich raten müßte: nein, eher im satt dreistelligen Celsiusbereich.

  23. #25 Pilot Pirx
    7. April 2017

    Interessant. Hat man eigentlich schon rausgefunden ob Alufolie besser Wärme oder Kälte reflktiert? Ist das eventuell seitenabhängig? Oder spielt die Abrollrichtung da eine Rolle?

  24. #26 Roland B.
    8. April 2017

    Da “Kälte” das Fehlen von Wärme ist und nicht strahlt, kann sie auch nicht reflektiert werden.
    Gibt auch keine Geräte, die beim Einschalten Dunkelheit erzeugen (der Ventilator, der die Kerzen ausbläst, zählt nicht).

  25. #27 rolak
    8. April 2017

    keine Geräte

    Na, wenn nur der Ventilator nicht zählt, Roland, dann widerlegt ein ordinärer Kurzschlußstecker Deine offensichtlich zu allgemein gehaltene Aussage.
    Und selbstverständlich ist Kälte nicht das Fehlen von Wärme (-40°C dürften die meisten spätestens nach einiger Zeit als ‘kalt’ empfinden – dennoch sind es noch bummelig 230°K und ist vom Tiefraum aus gesehen scheißheiß), ja nicht mal ein real existierendes Ding, sondern ein individuelles GedankenKonzept zur relativen Temperatur-Einsortierung (kalt-ok-heiß). Die Problematik wird zB deutlich bei der Rotwein-Serviervorgabe ‘Zimmertemperatur’: für die gemeinten 14-18°C halte ich die Bezeichnung für extrem gut treffend, andere greifen zu Schal und Jäckchen.

    [reflektiert] Alufolie besser Wärme oder Kälte []?

    Beides gleich gut, Pilot Pirx, wie mittlerweile klar sein sollte, da halt Kälte nur ‘ein wenig weniger Wärme’ ist. Falls ein Material mit deutlich unterschiedlichen Oberflächen zum Einsatz kommt, sollte die besser reflektierende zum Warmhalten nach innen, zum Kühlhalten nach außen gewickelt werden.
    Die hier hauptsächlich genutzte Reflektorfolie ist allerdings nicht Alu-, sondern metallisiertes Mylar, ob nun als Rettungsdecke oder zu Beleuchtungszwecken.

  26. #28 Pilot Pirx
    8. April 2017

    Ich hab wohl den passenden Smiley vergessen…

  27. #29 rolak
    8. April 2017

    vergessen

    oder hast nach 7 Tagen doch noch einen Treffer gelandet, Pilot Pirx

  28. #30 rolak
    8. April 2017

    ;‑)

  29. #31 gedankenknick
    9. April 2017

    @Roland B. Gibt auch keine Geräte, die beim Einschalten Dunkelheit erzeugen
    Einige böse Zungen haben behauptet, das der LHC so ein Gerät ist, weil es beim Einschalten kugelförmige Dunkelheit erzeugen würde. Hat aber nicht korrekt funktioniert, offensichtlich… 😛

    @rolak
    Der Kurzschlussstecker gilt allerdings nur in militärischen Ausbildungseinheiten als eigenständiges Gerät, wenn ich richtig informiert bin.

    Ansonsten scheint es mir, dass sich das mit der Kältegeschwindigkeit genauso wie mit der Dunkelgeschwindigkeit verhält (welche nachgewiesenermaßen die höchste bekannte Geschwindigkeit ist): Ist die Wärme (bzw. das Licht) weg, ist die Kälte (bzw. die Dunkelheit) schon da!

  30. #32 rolak
    9. April 2017

    Bevor ich es noch länger verschlunze: Kumi hat sich der Thematik angeschlossen.

    allerdings nur

    Quatsch, gedankenknick, er hat nen Stecker, man kann ihn einfach so wegtragen – es ist folglich ein eigenständiges Elektrogerät.

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