Als ich ein kleiner Junge war, gab es in den illustrierten Zeitungen Rätsel, in denen ein Originalgemälde – etwa von Rembrandt – gezeigt wurde und daneben eine Variation. Die Aufgabe bestand darin, die vorgenommenen Fälschungen zu finden.
Merkwürdigerweise gefiel mir manchmal die Fälschung besser, und dies kam mir wieder in den Sinn, als mir klar wurde, daß der Mönch Mendel nicht durch seine Originalarbeit von 1865, sondern durch deren Übersetzung von 1905 ins Englische berühmt geworden ist. Alles, was bei Mendel noch unklar ist, hat der Übersetzer (William Bateson) richtig gestellt. Und da die Genetik auf Englisch groß geworden ist, gilt Mendel als großer Mann.
Als kleiner Mann gilt nach wie vor der Franzose Lamarck, obwohl er vor 200 Jahren – am 14. August 1809 – seine Zoologische Philosophie publizierte, in der er seine Entdeckung der Evolution beschrieb. Gelesen wurde der Text erneut vor allem in der englischen Übersetzung, nur daß sie diesmal schlecht war. Wenn Lamarck beschreibt, wie die Giraffen ihre langen Hals bekommen haben, verwendet er das Wort “besoin”. Er meinte, die Giraffen hätten es nötig gehabt, sich so hoch zu strecken. In der Übersetzung heißt es, die Giraffen hätten den langen Hals haben wollen. Darüber wurde gelacht. Wir sollten damit aufhören und Lamarck ehren. Die moderne Biologie und ihr Epigenetik wird seine Ideen brauchen.

Kommentare (7)

  1. #1 Stefan
    August 13, 2009

    Die Evolutionstheorie von Lamarck ist wissenschaftlich biologisch völlig unhaltbar. Wie genau kann die moderne Biologie von Lamarck denn profitieren? Und obwohl der Kern von Lamarcks Evolution – die Vererbung von Erfahrungen – nicht haltbar ist, ist es keinesfalls so, dass er in der Wissenschaft ignoriert würde. Selbst in einem Lehrbuch über Emotionspsychologie habe ich bereits Lamarcks Evolutionstheorie gelesen. Freilich nur im Rahmen eines geschichtlichen Ausflugs, bevor Darwin und schließlich die moderne Evolutionstheorie dargestellt wurden.

  2. #2 Alexander
    August 13, 2009

    Wir sollten damit aufhören und Lamarck ehren. Die moderne Biologie und ihr Epigenetik wird seine Ideen brauchen.

    Lamarck und Epigenetik haben nun wirklich nichts gemeinsam, auch nicht bei richtiger Übersetzung von besoin.
    Lamarck hat nämlich ganz deutlich und mehrmals gesagt, dass die Umwelt keinerlei Einfluss auf die Evolution habe. Ohne Umwelt gäbe es aber sehr wenig Epigenetik.

  3. #3 Microfilosof
    August 13, 2009

    Zur Epigenetik http://www.biosicherheit.de/de/lexikon/222.epigenetik.html würde ich gerne ein Beispiel aus der Praxis vorführen: in der Straßenbahn saß einmal vor mir eine Frau und hielt ihr Kind im Arm. Die Frau hatte am Ellenbogen eine merkwürdige Geschwulst und dieselbe ist auch auf dem Ellenbogen des Kindes gewesen. Epigenetik, (Gen)Expression, Histone, DNA-Methylierung beschäftigen sich alle mit Änderungen, Aktivierung oder Deaktivierung von Informationen usw. die bereits in allen Zellen unseres Körpers gespeichert sind. Wie bitte soll diese Information in den Genen der zwei Personen gekommen sein? Wenn diese Information tatsächlich da gespeichert war, dann müssten unendlich viele solche Infos in den Genen gespeichert sein, denn auch Muttermale und sogar Charakterliche Eigenschaften werden von Elterngenerationen auf die Nachkommen übertragen. Überschätzen wir nicht die Macht der Gene?

  4. #4 Geoman
    August 14, 2009

    Herr Fischer, das einzig erfreuliche an Ihrem aktuellen Beitrag ist, dass Ihr den Leser vereinnahmend-apodiktisches “wir” diesmal erst am Ende und nicht schon Anfang des Beitrages steht. Ansonsten werden Ihre Kurzbeiträge vom Inhalt her zunehmend unerträglicher her. Große (komplexe) Dinge und/oder große Leute werden oberflächlich angerissen und gewürzt mit einer kleinen Episode aus Ihrem eigenen Leben vermengt oder gegeneinander ausgespielt. Damit werden Sie weder den großen Dingen noch den großen Leuten gerecht und tun auch Ihrer Reputation als versiert-eloquenter Wissensvermittler keinen Gefallen.

  5. #5 Alexander
    August 14, 2009

    @Microfilosof: Wie kommst du darauf, dass diese “Geschwulst” eine epigenetische Ursache haben soll?!?
    Und auch epigenetische Information kann vererbt werden, das ist also erstmal kein Problem.

  6. #6 Microfilosof
    August 17, 2009

    @Alexander:Bist Du der Biologe der dabei ist in Karlsruhe zu promovieren? Ich würde Dir gerne antworten, aber nicht in einem öffentlichen Tagebuch. Geht das auch anders?

  7. #7 Lingo24
    August 18, 2009

    Hallo. Vergessen wir auch nicht Luthers Bibelübersetzung!! Eine großartige Leistung. Es ist schon interessant zu sehen, dass bestimmt Mensch durch Übersetzungen “berühmt” wurden. Das tun wir bei Lingo jeden Tag, nur dass Menschen, unsere Kunden, nicht berühmt, sondern einfach nur alle ihre Projekt in die Zielsprache für ihre beruflichen Bedürfnisse übertragen bekommen.