Die katholische Kirche bringt immer wieder bösartigen Blödsinn hervor. Das scheint ein Gesetz zu sein. Kürzlich meinte ein Kardinal, der Biologe Dawkins sei wie der Führer Hitler, da beide im Menschen nur Vehikel für Gene sähen. Zum Glück aber gibt es noch ein Gesetz, und zwar ein gutes. Es heißt Godwins Gesetz (nomen est omen) und besagt, daß derjenige, der einen Vergleich mit den Nazis anführt, dabei verliert. Der Kardinal verliert auf jeden Fall, weil er Dawkins mit seinem unsäglichen Vergleich in die Knie zwingen wollte, als der britische Biologe sich gegen die Behauptung zur Wehr gesetzt hatte, Darwins Buch sei ein sakraler Text wie die Bibel. Wie viel Unfug glauben die Katholiken tatsächlich? Wie stumpfsinnig sind sie und ihre Herren wirklich? Man könnte meinen, sie wollten es ihren Feinden leicht machen. Vielleicht ist das auch ein Gesetz.

Kommentare (24)

  1. #1 metaxy
    November 23, 2009

    besagt http://de.wikipedia.org/wiki/Godwin’s_law nicht dass die Wahrscheinlich eines Vergleiches mit Nazis gegen 1 geht, je länger die Diskussion wird?

  2. #2 Römer
    November 23, 2009

    Sehr geehrter Herr Fischer,

    zwar lese ich Ihren Blog meist sehr gerne, aber dieser Beitrag besticht eher durch Ressentiment als durch Fairness. Auch Kardinal Meisners Anspielung auf angebliche Ähnlichkeiten im Denken von Dawkins und Hitler war natürlich nicht unbedingt hilfreich und nicht angemessen. Man sollte aber doch der Fairness halber darauf hinweisen, dass sich Meisners harsche Kritik nicht an Dawkins als Popularisierer der Evolutionstheorie entzündete. Kardinal Meisner bestreitet die Evolutionsbiologie nicht, er ist kein Kreationist, wie man sie bei amerikanischen Evangelikalen findet.

    Die Kritik Kardinal Meisners wurde vielmehr vom aggressiven, polemischen, missionarischen Atheismus Dawkins’ provoziert. Polemik folgte auf Polemik. Man könnte auch sagen: Ein Topf fand seinen Deckel. Es wurde nicht der Wissenschaftler Dawkins attackiert, sondern der polemische Pamphletist.

    Im Übrigen erlaube ich mir, darauf hinzuweisen, daß Bischöfe (und Kardinäle) einen Hirtenstab tragen. Dementsprechend werden sie von uns Katholiken nicht als Herren, sondern als Hirten wahrgenommen. Dies ist jedenfalls so, seit es keine Fürstbischöfe mehr gibt und weltliche Herrschaftsansprüche nirgendwo mehr mit dem Bischofsamt zusammenfallen.

    Herzlich,
    ein Römer

  3. #3 schlappohr
    November 24, 2009

    @Römer

    “Polemik folgte auf Polemik”

    Das ist sicher richtig. Ein wenig mehr Sachlichkeit würde beiden Seiten gut zu Gesicht stehen. Aber was sich der Kardinal da geleistet hat, war auch kaum diplomatisch. Ich hatte beim Lesen seiner Rede nicht den Eindruck, dass sich sein Hass allein gegen Dawkins richtet, sondern gegen die Wissenschaft allgemein. Ich hatte zudem das Gefühl, dass er seine zugegeben wenig erfreuliche Jugend in der DDR aufarbeiten wollte. Jedenfalls hatt er damit eine Menge Porzellan zerschlagen.

    Religiöser Glaube hat seine Berechtigung, wenn es darum geht, den Menschen spirituelle Stärke oder Hoffnung in bestimmen Situationen zu verleihen. Ein belastbares Weltbild hingegen kann er nicht vermitteln, das kann nur die Wissenschaft, trotz aller Irrtümer und vorübergehend falscher Lehrmeinungen. Das haben einige tausend Jahre Wissenschaftsgeschichte eindrucksvoll gezeigt.

  4. #4 Bundesratte
    November 24, 2009

    @Römer:
    >Man sollte aber doch der Fairness halber darauf hinweisen, dass sich Meisners harsche
    >Kritik nicht an Dawkins als Popularisierer der Evolutionstheorie entzündete. Kardinal
    >Meisner bestreitet die Evolutionsbiologie nicht, er ist kein Kreationist, wie man sie bei
    >amerikanischen Evangelikalen findet.
    >
    >Die Kritik Kardinal Meisners wurde vielmehr vom aggressiven, polemischen,
    >missionarischen Atheismus Dawkins’ provoziert.

    Ein klares “Nein”!
    Meisner muss schon die Evolutionstheorie und den Atheismus gemeinsam mit dem DDR- Sozialismus und dem Nationalsozialismus in einen Topf werfen, um überhaupt seinem Ziel, die ersteren beiden über deren Proponenten Dawkins zu diffamieren, nahe zu kommen. Wenn Sie nun Dawkins unterstellen, er habe Meisner zu diesen unsäglichen Vergleichen provoziert, ist das- mit Verlaub- ziemlich durchsichtig.

    Hier der Originaltext
    http://www.kath.net/detail.php?id=24391
    Auszug:

    Der positivistische Materialismus und Evolutionismus der neuen Atheisten möchte – zusammen mit dem Glauben an Gott – auch die christliche Sicht des Menschen als Ebenbild Gottes und vernunftbegabte moralische Person ausmerzen. Auf dieser Grundlage muss jedoch auf eine substanzielle Begründung der Menschenrechte und der Menschenwürde verzichtet werden. Die Personalität des Menschen steht und fällt mit seiner Wahrheitsfähigkeit und Freiheit, die sittliches Handeln erst ermöglichen. Diese wird heute aber gerade von ideologisierten Biophysikern, Hirnforschern und Evolutionisten infrage gestellt.
    Ähnlich wie einst die Nationalsozialisten im einzelnen Menschen primär nur den Träger des Erbgutes seiner Rasse sahen, definiert auch der Vorreiter der neuen Gottlosen, der Engländer Richard Dawkins, den Menschen als „Verpackung der allein wichtigen Gene“, deren Erhaltung der vorrangige Zweck unseres Daseins sei.

    Bundesratte

  5. #5 Zwetschgerich
    November 24, 2009

    betr. Bundesratte:

    Ob es das Ziel eines Kardinal Meisner ist, einen Prof. Dawkins zu diffamieren oder nicht, kann ich nicht beurteilen, ich kann in einen Menschen nicht hineinsehen. Diskreditieren muß man Dawkins jedenfalls nicht, das besorgt der Mann in letzter zeit schon selbst. Ich rede jetzt nicht von seinen wissenschaftlichen Positionen (die ich als naturwissenschaftlicher Einfaltspinsel sicher nicht beurteilen kann), ich rede von seiner Persönlichkeit, wie er sie in letzter Zeit in diversen Interviews gezeigt hat. Da kann man schon einmal von “missionarischem Atheismus” reden.

    Und weil schon Godwins Gesetz zitiert wurde (wie richtig auch immer): “Diffamieren”, interessante Wortwahl. In diesem Zusammenhang schlag nach bei Viktor Klemperer “LTI”.

  6. #6 Jörg Friedrich
    November 24, 2009

    Jemand der, wie Dawkins, Leugner der Evolutionstheorie mit Holocaust-Leugnern vergleicht sollte sich nicht wundern wenn seine eigenen Argumentationen auf Ähnlichkeiten mit Argumentationen der Nationalsozialisten geprüft werden. Das halte ich für legitim.

    Im Übrigen ist gerade das Vermeiden oder Tabuiesieren von Nazivergleichen eine sichere Methode, um Ansätze totalitären und unmenschlichen Denkens gedeihen zu lassen. Indem man darauf hinweist, dass bestimmte Denkansätze in ihrer Konsequenz zu Katastrophen wie dem Holocaust führen können, initiiert man frühzeitig eine Diskussion, die eben diese schlimmen Entwicklungen vermeidet. Wer solche Vergleiche verbietet, befördert im schlimmsten Fall das, was er eigentlich verhindern will.

  7. #7 Florian Freistetter
    November 24, 2009

    @Friedrich: Wenn Meisner also sagt

    «Ähnlich wie einst die Nationalsozialisten im einzelnen Menschen primär nur den Träger des Erbgutes seiner Rasse sahen, definiert auch der Vorreiter der neuen Gottlosen, der Engländer Richard Dawkins, den Menschen als ‘Verpackung der allein wichtigen Gene’, deren Erhaltung der vorrangige Zweck unseres Daseins sei»

    dann ist das für sie legitim? Warum schreiben sie nochmal hier bei Scienceblogs?

  8. #8 Bundesratte
    November 24, 2009

    Herr Fischer, ein Beitrag hängt in Ihrer Reuse fest.

    Grüße
    Bundesratte

  9. #9 Jörg Friedrich
    November 25, 2009

    @Florian Freistetter:
    Der Zusammenhang zwischen meiner Aussage, was ich für legitim halte, mit der Frage, warum ich bei Scienceblogs schreibe, erschließt sich mir nicht. Übrigens steht das, was ich für legitim halte, im ersten Satz meines Kommentars, dem habe ich nichts hinzuzufügen.

    In dem Zusammenhang wäre interessant zu erfahren, ob Sie Dawkins folgendes Statement für legitim halten, bzw, ob es aus ihrer Sicht mehr oder weniger legitim ist als die Meisner-Aussage: http://www.youtube.com/watch?v=sb2uB4_7CBY

  10. #10 Andrea N.D.
    November 25, 2009

    @Jörg Friedrich:

    Das Naziargument ist in gewisser Weise ein Totschlagargument – inwiefern es eine Diskussion initiieren soll ist mir schleierhaft.

    Auf einer abstrakten Ebene klingt Ihre Argumentation so: Wenn sich einer der Argumentationspartner ein Recht zu Vergleichen herausnimmt, steht dies dem anderen auch zu. Nun lassen sich derartige Argumentationen aber nicht nach diesem simplen Schema auf der abstrakten Ebene “vergleichen”. Ein differenzierter Blick wäre wünschenswert, bevor in dieser Art abstrahiert wird.

    Florian hat Ihnen die kritisierte Stelle noch einmal in Erinnerung gebracht. Diesen extrem unsinnigen, unpassenden und beleidigenden Bemerkugnen entgegenzusetzen, dass Dawkins einmal etwas geäußert hat, klingt ein bisschen nach: na Du warst aber auch ganz schön böse, deshalb darf ich jetzt auch böse sein. Wie alt sind Sie? Und: Kann man wirklich derartige Äußerungen für legitim halten bzw. damit entschuldigen, dass jemand einmal etwas anderes geäußert hat? Wo ist dann die Grenze? Und sollte sich ein Meissner in seiner Funktion/Position nicht gerade damit zurückhalten? Sind ihm vielleicht nur die Argumente ausgegangen, deshalb der Nazivergleich? Wie gesagt – ein etwas differenzierterer Blick wäre sehr wünschenswert.

    Auf einer speziellen Ebene, was Meisner-Dawkins angeht, bzw. deren inhaltliche Aussagen / Argumentationen, scheint Ihnen ein großes Stück Vergangenheitsbewältigung abzugehen – wie Herrn Meisner übrigens auch. Offensichtlich lief diese in den alten und neuen Bundesländern unterschiedlich ab. Sich dann hinzustellen und hier in diesem Forum zu behaupten, sie halten Meisners Vergleiche für legitim ist ein starkes Stück (oder gnadenlose Naivität) – daher wohl die Frage von Florian und deshalb der Zusammenhang, der sich Ihnen leider nicht erschließt.

    Ich weiß gar nicht, warum ich antworte. Vermutlich war das nur wieder Pöbelei. Jeder vernünftige Mensch, der ein bisschen darüber nachdenkt – sei er nun christlich oder nicht – kommt zu dem Schluss, dass die Äußerungen verurteilenwert sind. Und das ist definitiv alles andere als legitim. Für einen “Philosophen” ist das wirklich eine extrem unreflektierte Haltung.

  11. #11 Christian Reinboth
    November 25, 2009

    @Florian & Andrea: Im Gegensatz zu Jörg halte ich Nazi-Vergleiche in fast allen Fällen für unangebracht. Das gilt allerdings für Meissner ebenso wie für Dawkins, der in seinem neuesten Buch “The Greatest Show on Earth” kreationistische Umtriebe an US-Schulen mit denen von Neonazis und Holocaust-Leugnern vergleicht:

    Imagine you are a teacher of more recent history, and your lessons on 20th-century Europe are boycotted, heckled or otherwise disrupted by well-organised, well-financed and politically muscular groups of Holocaust-deniers. […] They are vocal, superficially plausible and adept at seeming learned. […] Imagine that, as a teacher of European history, you are continually faced with belligerent demands to “teach the controversy”, and to give “equal time” to the “alternative theory” that the Holocaust never happened but was invented by a bunch of Zionist fabricators.

    Fashionably relativist intellectuals chime in to insist that there is no absolute truth: whether the Holocaust happened is a matter of personal belief; all points of view are equally valid and should be equally “respected”. The plight of many science teachers today is not less dire.

    http://entertainment.timesonline.co.uk/tol/arts_and_entertainment/books/book_extracts/article6805656.ece

    Das Meissners Aussagen weder hinsichtlich seiner Position noch hinsichtlich der von ihm vertretenen Glaubensgrundsätzen angemessen sind, steht denke ich außer Frage. Was ich nicht verstehe ist, warum es illegitim sein soll, in diesem Zusammenhang auch mal auf Dawkins Ausrutscher hinzuweisen. Wer selbst zum Nazi-Vergleich greift, um seine Opponenten anzugreifen, kann sich wirklich schlecht beklagen, wenn sich jemand auf gleiches Niveau begibt. Das entschuldigt natürlich nicht die Rede von Meisner, ein Hinweis auf den Kontext sollte doch aber in Ordnung sein. Was mich an der Rede viel mehr irritiert ist, dass Meissner augenscheinlich nicht zwischen dem Wissenschaftsbegriff des DDR-Sozialismus und echter Wissenschaft unterscheidet…

  12. #12 Römer
    November 25, 2009

    @ C.Reinboth:

    “Das Meissners Aussagen weder hinsichtlich seiner Position noch hinsichtlich der von ihm vertretenen Glaubensgrundsätzen angemessen sind, steht denke ich außer Frage.”

    Dieses Statement verstehe ich nun allerdings nicht. Kardinal Meisner weist darauf hin, dass aus römisch-katholischer Sicht der Mensch als Mensch eine besondere Würde hat, die ihn eben zu mehr, zu wesentlich mehr macht als nur zu einem Gefäß für seine Gene. Können Sie mir erläutern, was an diesen Glaubensgrundsätzen nicht angemessen ist? Vielleicht habe ich Sie ja auch nur falsch verstanden. Ich hoffe es.

  13. #13 Andrea N.D.
    November 25, 2009

    @Christian:
    “Wer selbst zum Nazi-Vergleich greift, um seine Opponenten anzugreifen, kann sich wirklich schlecht beklagen, wenn sich jemand auf gleiches Niveau begibt.” – Hat Dawkins sich beklagt? Ich denke, dass Meisner darauf verzichtet hätte, die Spirale immer höher zu drehen, wenn er ernsthaft sachlich diskutieren hätte wollen. Aus beiden unpassenden/polemischen Äußerungen sowohl Dawkins als auch Meisners spricht eine gewisse Hilflosgkeit: bei Dawkins gegenüber der Dogmatik (wie will man da auch argumentieren?) und bei Meisner mangels Argumenten.
    Generell bin ich aber der Meinung, dass gewisse Äußerungen (zumal für einen “Hirten”!) No-Goes sind. Diese Form des Angriffs ist nicht plötzlich als Verteidigung zu werten bzw. für legitim zu halten, nur weil etwas vorangegangen ist. Weißt Du denn, ob Dawkins Äußerungen nicht auch legitim waren, weil die Kreatinionisten etc. etc. etc. ? Das wird ein infinitivum regressum.

    “Was mich an der Rede viel mehr irritiert ist, dass Meissner augenscheinlich nicht zwischen dem Wissenschaftsbegriff des DDR-Sozialismus und echter Wissenschaft unterscheidet…” Das ist mir auch aufgefallen und hätte noch zu Florians Frage an Jörg Friedrich gehört.

  14. #14 Andrea N.D.
    November 25, 2009

    @Christian:
    Alles zurück. Ihr macht es Euch ein bisschen zu einfach (oder übernehmt die Lesart Meisners?). Ich habe mir Dawkins Original noch einmal durchgelesen. Der Bezug Kreationisten – Holocaust-Leugner ist nicht so einfach und direkt, wie es von Dir, Meisner und Jörg Friedrich impliziert wird. Vorausschicken möchte ich, dass mich seine Theorie des egostischen Gens nicht überzeugt hat und dass mich sein Auftreten in der Öffentlichkeit zwar oftmals amüsiert, dieses aber der Sache nicht unbedingt immer dienlich ist).
    Wenn ich Dawkins richtig interpretiere, vergleicht er keineswegs amerikanische Kreationisten mit Holocaust-Leugnern. Er beschreibt eine fiktive Situation eines Geschichtsunterrichts (über das 20. Jh.) in Europa und sucht sich eines der wichtigsten Ereignisse heraus, das im 20. Jh. in Europa stattfand. In dieser fiktiven Situation setzt er die Maßstäbe des kreationistischen Unterrichts in US-Schulen an und lässt dieses – wie die Evolution – leugnen. Die Pointe ist, dass dieses Ereignis eben so bedeutungsvoll für Europa ist (wie für die Menschheit die Evolution in anderem Maßstab), dass es bereits Holocaust-Leugner gibt (bzw. eine Geschichte des Holocaust-Leugnens) und dass die Art des “Wahnsinns” dies zu leugnen hier verglichen wird, nicht Holocaust- mit Evolutionsleugnung.
    Ich könnte mir vorstellen, dass Dawkins, wenn er denn seine Rede in China halten würde, vielleicht ein Ereignis wie den langen Marsch bringen würde, in Frankreich wäre die Französische Revolution geeignet, ebenso Pol Plots und Stalins Völkermorde und für andere Länder ähnliche Ereignisse.
    Vor diesem Hintergrund finde ich Meisners Aussagen und Euer “legitimes Dafürhalten” um so schrecklicher. Meisners Vergleich funktioniert nämlich anders.

  15. #15 Christian Reinboth
    November 25, 2009

    @Römer

    Dieses Statement verstehe ich nun allerdings nicht. Kardinal Meisner weist darauf hin, dass aus römisch-katholischer Sicht der Mensch als Mensch eine besondere Würde hat, die ihn eben zu mehr, zu wesentlich mehr macht als nur zu einem Gefäß für seine Gene. Können Sie mir erläutern, was an diesen Glaubensgrundsätzen nicht angemessen ist?

    An dieser Aussage ist natürlich gar nichts unangemessen. Problematisch ist die Feststellung Meisners, dass Dawkins dieses Menschenbild “wie die Nationalsozialisten” nicht teilt. Erstens hatte ich – bei aller Kritik an Dawkins – bislang nicht den Eindruck dass er Menschen nur für genetische Gefäße hält, zweitens sollte man sich die Analogie “wie die Nationalsozialisten” für Szenarien aufsparen, in denen sie wirklich angebracht ist. Man stelle sich vor, man würde z.B. einer Forderung nach höherem Kindergeld mit “wie die Nationalsozialisten” begegnen. Auch das könnte man zwar irgendwie historisch rechtfertigen, es wäre aber dennoch in keinster Weise angemessen – ich denke, so viel Feingefühl kann man auch von Meisner erwarten.

    @Andrea:

    Weißt Du denn, ob Dawkins Äußerungen nicht auch legitim waren, weil die Kreatinionisten etc. etc. etc. ? Das wird ein infinitivum regressum.

    Genau aus diesem Grund bin ich der Ansicht, dass sowohl Meiser als auch Dawkins sich im Ton vergreifen, wenn sie den Nazi-Vergleich zücken. Von sowas sollte man wirklich Abstand halten, solange man nicht gerade ein wirklich schwerwiegendes Verbrechen kommentiert. Und da weder Atheismus noch Kreationismus in diese Kategorie fallen… Was mich irritiert ist eigentlich nur die Art und Weise, in der mit dem Fehlgriff von Meisner gegen die Kirche insgesamt geschossen wird, während man auf der anderen Seite ignoriert, dass Dawkins sich ebenso im Ton vergreift.

  16. #16 Andrea N.D.
    November 25, 2009

    @Christian.
    Da bin ich anderer Ansicht, siehe zweiten Kommentar.
    Ich bin auch überzeugt, dass das in der Natur der Sache liegt. Wissenschaftlich-rational argumentiert es sich eben leichter als dogmatisch-irrational. Insofern tritt man da auch einmal leicht daneben.

    Danke noch einmal für das gute Beispiel mit den Nazivergleichen. Mir ist hier schon einmal jemand begegnet (habe leider den Namen vergessen), der wie Jörg Friedrich “Nazivergleiche” mit historischer Bewältigung und Aufarbeitung der NS-Zeit verwechselt hat. Letztere kann selbstverständlich Diskussionen initiieren. Erstere killt das Gespräch und sollte darum vermieden werden.

  17. #17 Florian Freistetter
    November 25, 2009

    @Christian: “Was ich nicht verstehe ist, warum es illegitim sein soll, in diesem Zusammenhang auch mal auf Dawkins Ausrutscher hinzuweisen.”

    Das habe ich ja auch nicht kritisiert. Ich hab mich nur drüber gewundert, das Jörg Friedrich die Aussage von Meisner für legitim hält.

  18. #18 georg
    November 26, 2009

    @Jörg Friedrich, Christian Reinboth
    Das ist eine schiefe Darstellung von euch.
    Dawkins vergleicht nicht Kreationisten mit Nazis. Sondern er vergleicht zwei Gruppen, die allgemein bekannte Fakten ignorieren und bestreiten. Leute die den Holocaust betreiten sind nicht zwangsläufig Nazis. Darum geht es nicht.
    Es ist zwar überspitzt, wenn man Kreationisten, die die Evolution bestreiten und Anspruch auf Teilhabe am Biologieunterricht erheben, vergleicht mit Leuten, die den vielfach dokumentierten Holocaust bestreiten und Anspruch auf Teilhabe am Geschichtsunterricht erheben (“Teach the controversy”), aber vertretbar. Er soll die Leute zum nachdenken bringen, die sich schon daran gewöhnt haben. Bei euch ist das leider auf schiefe Bahnen geraten.
    mfg georg

  19. #19 Webbaer
    November 26, 2009

    Ähnlich wie einst die Nationalsozialisten im einzelnen Menschen primär nur den Träger des Erbgutes seiner Rasse sahen, definiert auch der Vorreiter der neuen Gottlosen, der Engländer Richard Dawkins, den Menschen als ‘Verpackung der allein wichtigen Gene’

    Ohne das jetzt verteidigen zu wollen, es ist ja Unfug, aber aus der kardinalschen Argumentation heraus konsistent.
    Dawkins auch nicht besser.
    Schade eigentlich, dass Dawkins nicht zur Objektivität neigt, die Memetik ist sein Meisterwerk, vgl. auch dieses Meisterwerk hier eines ehemaligen M$-Entwicklers, Pokerprofis und Superbrains.

  20. #20 Webbaer
    November 26, 2009

    @Jörg

    Im Übrigen ist gerade das Vermeiden oder Tabuiesieren von Nazivergleichen eine sichere Methode, um Ansätze totalitären und unmenschlichen Denkens gedeihen zu lassen.

    Nah, ist schon ein sinnvolles “Tabu” (besser: “vermeidenswert”, Nazivergleiche kommen ja schneller hoch als ein Lämmchen mit dem Schwanz wackelt).
    Dawkins natürlich auch oft schwer auf dem falschen Dampfer…

    Beste Grüße + weiterhin viel Erfolg, WB

  21. #21 Webbaer
    November 26, 2009

    Ein Wissenschaftsrockstar, gell:
    http://www.independent.co.uk/news/people/profiles/richard-dawkins-you-ask-the-questions-special-427003.html
    “You could say that the human species is a threat to the human species. I recommend Al Gore’s film on global warming. See it and weep.”
    etc.

  22. #22 georg
    November 27, 2009

    @Christian Reinboth

    Was mich an der Rede viel mehr irritiert ist, dass Meissner augenscheinlich nicht zwischen dem Wissenschaftsbegriff des DDR-Sozialismus und echter Wissenschaft unterscheidet…

    Das wundert doch niemanden, der weiss, dass die Katholische Kirche Wissenschaft, und insbesondere natürlich die Evolutionstheorie, letztlich nur unter Vorbehalt anerkennt. Und gegenüber einer diskreditierten Wissenschaft lässt sich dann ggf. der Vorrang der Theologie leichter einfordern.

  23. #23 georg
    November 27, 2009

    @Jörg Friedrich

    Jemand der, wie Dawkins, Leugner der Evolutionstheorie mit Holocaust-Leugnern vergleicht sollte sich nicht wundern wenn seine eigenen Argumentationen auf Ähnlichkeiten mit Argumentationen der Nationalsozialisten geprüft werden.

    Was Meisner hier macht ist nicht “Prüfung von Argumentation”, sondern eine Diffamierung mit einem, selbst für Theologen, ungewöhnlich hanebüchenen Analogieschluss. Aber wen wundert’s bei einer angeblich monotheistischen Theologie in der zwei deutlich unterschiedene Personen (Gottvater und Sohn) einen Gott ergeben. Da ist nichts mehr unmöglich.

  24. #24 Webbaer
    November 28, 2009

    @georg

    Aber wen wundert’s bei einer angeblich monotheistischen Theologie in der zwei deutlich unterschiedene Personen (Gottvater und Sohn) einen Gott ergeben.

    Darum heisst es ja auch Trinität.

    MFG, WB