Wissenschaftsfeuilleton

Worüber die Leute so reden

In einem Gespräch mit “Spektrum der Wissenschaft” ist Rolf-Dieter Heuer, der Leiter des CERN, an dem immer noch nach dem Higgs-Teilchen gefahndet wird, das man angeblich schon lange und medienwirksam gefunden hat, auf die mangelnde Glaubwürdgkeit seiner Physik eingegangen und gesagt, es käme nich so sehr darauf an, daß die Leute verstehen, was es mit dem Higgs-Teilchen und seiner Suche auf sich habe, Es käme darauf an, daß darüber geredet wird. Und dann wirft Heuer einen Blick in die Vergangenheit und sagt: “”Anfang des 20. Jahrhunderts hat man in Cafés über Einstein geredet, über die Relativitätstheorie, über Quantenmechanik. Ich glaube nicht, daß die Leute damals mehr davon verstanden habenals die Leute heute vom Higgs-Boson. Aber sie haben darüber geredet.”

Lieber Herr Professor Heuer – Anfang des 20. Jahrhunderts haben nicht einmal die Physiker über eine Quantenmechanik gesprochen, weil es die erst seit 1925/26 gibt, und damals hat niemand die Öffentlichkeit darüber informiert. Das hat gedauert. Und wundern Sie sich nicht darüber, daß die Leute heute eher noch weniger von der Relativitätstheorie verstehen als die Leute damals? Sollten Sie nicht endlich Ihre Marketingstrategien aufgeben, um das Public Understanding of Science zu erreichen, daß uns die Physiker seit langem vesprechen und für das sie viel Geld vom Staat bekommen?

Sie erwarten, wie Sie in dem Gespräch auch sagen, daß die  Physik bald wieder zur Kultur gehört. Meinen Sie das ernst? In welcher Kultur leben Sie? Ihre Ansichten sind ebenso deprimierend wie die Tasache, daß “Spektrum der Wissenschaft” an diesrer Stelle keine kritische Nachfrage stellt und sich brav dafür bedankt, als kulturlos erklärt zu werden. Weiter so.

Kommentare

  1. #1 Bartleby
    Oktober 31, 2012

    Schön genölt, Herr Fischer. Wie wärs, wenn Sie auch den Link zu einer Quelle angegeben hätten, auch wenn Sie nicht abgeschrieben haben? Das kostet hier zwar keinen Titel, wäre aber eine vorblildliche Demonstration gewesen, wie Wissenschaftler arbeiten, die sich selbst als Teil der Kultur ansehen.

    Für alle Leser, die sich auch gern ein ungefiltertes Bild machen wollen: http://www.spektrum.de/alias/cern/die-physik-wird-wieder-teil-der-kultur/1169190

  2. #2 MX
    Oktober 31, 2012

    Anfang, Mitte und Ende: alles ist relativ.

  3. #3 Dr. W
    November 2, 2012

    Die Physiklehre ist ein wichtiger Teil der “westlichen” Kultur, irgendwie war der Sound hier schlecht, auch das hier – ‘Das kann passieren, aber das wissen wir erst in ein paar Jahren. Normalerweise arbeite ich ohne Plan B. Denn wenn Sie einen Plan B haben, rutschen Sie automatisch irgendwann hinein.’ – gefiel nicht wirklich.

    MFG
    Dr. W

  4. #4 Martin
    November 13, 2012

    Physiker haben ein Riesen-Problem. Sie wissen angeblich alles ein wenig. Physiker sind wie Informatiker, die auch Experten in jedem Fachgebiet der Welt sind, wenn sie einmal ein Programm dazu geschrieben haben.
    Wenn Du das Problem erkannt hast, dann nutze es gewinnbringend. Physiker und Informatiker sind ja nicht dumm.
    Am besten immer gleich in die Grenzbereiche des Vorstellungsvermögens und des Sinnvollen, dort wird mangels unmittelbarer Überprüfbarkeit leicht Anerkennung geerntet. Erstaunlich wie viele Leute über die Relativitätstheorie, Quantenmechanik, künstliche Intelligenz, schwarze Löcher zu berichten wissen und dabei nicht einmal die einfachsten physikalischen Phänomene erklären können.