Manchmal kann man Dummheit sogar vom Weltall aus sehen. Das sieht dann so aus:

Ok, vielleicht ist “Dummheit” ein wenig zu hart. Aber abgesehen davon, dass das Bild oben ziemlich beeindruckend ist (aufgenommen hat es Astronaut Chris Hadfield von der Raumstation aus), zeigt es auch deutlich, wie seltsam wir Menschen manchmal sind. Wir wissen, dass die Erde kein Paradies ist. Die Erde ist gefährlich. Es gibt immer wieder Naturkatastrophen. Jedes Jahr sterben viele Menschen bei Erdbeben, Stürmen, Waldbränden, Überschwemmungen und Vulkanausbrüchen. Und trotzdem finden wir nichts dabei, unsere Städte mitten in die Gefahrenzonen zu bauen.

Der Vulkan auf dem Bild oben ist natürlich der Vesuv. Und die Stadt gleich daneben ist Neapel. In der Region wohnen bis zu 4 Millionen Menschen. Und der Vesuv ist immer noch aktiv. Im Jahr 79 brach er aus, zerstörte die Städte Pompeji, Herculaneum, Oplontis und Stabiae und bedeckte die ganze Region unter einer dicken Schicht aus Staub und Asche. Aber auch danach gab es immer wieder Ausbrüche. 1631 starben 4000 Menschen bei einer Eruption, Ende des 19. Jahrhunderts floss Lava direkt aus dem Berg (und tötete ein paar dumme Schaulustige die zu nahe heran gingen), 1906 wurden bei einen Ausbruch 105 Menschen getötet, 1929 wurden zwei Dörfer zerstört. 1944 fand der bisher letzte Ausbruch statt, der 26 Menschen das Leben kostete.

Der Vesuv ist aber definitiv noch nicht erloschen. Und wenn er wieder ausbricht, dann ist die ganze Region bedroht. Natürlich macht man sich Gedanken in Neapel. Es gibt Evakuierungspläne und man will dafür sorgen, dass nicht zu viele Menschen in den am stärksten gefährdeten Gebieten leben (die Leute wohnen ja oft direkt am Hang des Vulkans!). Aber leider wollen die Menschen nicht wegziehen und es werden tausende neue Häuser illegal gebaut.

Immerhin. Der Vulkan steht ständig unter Beobachtung und es bleibt zu hoffen, dass man im Falle eines Ausbruchs ein paar Tage vorher Bescheid weiß und die Gegend evakuieren kann. Aber selbst wenn es dazu kommt und die Evakuierung klappt werden die Menschen danach wieder zurück kehren. Wir sind eben seltsam. Oder vielleicht doch dumm?

(via Bad Astronomy)

Kommentare

  1. #1 Gunnar
    4. Januar 2013

    Und das Beste daran ist, dass der Vesuv vor seinen verheerenden Ausbrüchen gerne lange geruht hat. Den Bewohnern Pompejis war der Vulkanische Charakter ihres “Hausberges” so deutlich nicht bekannt. Man ignorierte sogar erste Erdbeben, die Zeichen des beginnenden Erwachens. In der Tat finden sich in Pompeji sogar heute noch Erdbebenschäden dieser beben, die man damals erst zu reparieren begann. Also, je länger der Berg ruht, desto wilder wird er erwachen. Aber desto sicherer werden sich seine Anwohner fühlen. Das wird definitiv ins Auge gehen. da bin ich mir ziemlich sicher. Nicht heute, und mit guter Sicherheit nicht morgen. Aber irgendwann in der Zukunft…

  2. #2 Rainer
    4. Januar 2013

    Der berühmte Ausbruch, als Pompeji verschüttet wurde, war aber 79 nach Chr.

  3. #3 Florian Freistetter
    4. Januar 2013

    @Rainer: Danke!

  4. #4 johnny
    4. Januar 2013

    Das ist ja nichts neues. Menschen die an die Küste oder an Flussufer ziehen, sind auch immer ganz überrascht, wenn sie man Wasser im Haus haben. :)

  5. #5 Jürgen Schönstein
    4. Januar 2013

    … und wenn dann was passiert, war’s natürlich eine “Natur”katastrophe.

  6. #6 noch'n Flo
    Schoggiland
    4. Januar 2013

    Da fällt mir doch dieses berühmte Einstein-Zitat ein…

  7. #7 Björn
    4. Januar 2013

    So “dumm” ist das gar nicht – Weltweit siedeln Menschen an Vulkanhängen und im Umkreis aktiver Vulkane, aus dem gleichen Grund aus dem sie auch an Küsten und Flussufern siedeln: Das Siedeln an diesen Orten hat Vorteile. Bei Vulkanen ist es der fruchtbare Boden. Dazu kommt im Falle Neapels noch die Anbindung ans Meer: Landwirtschaft, Fischfang und Handel, das ist eine verlockende Mischung. Diese Orte sind gefährlich, ja, aber die richtig großen Katastrophen kommen in verdammt großen Abständen, Viele Generationen profitieren von der gefährlichen Lage bis irgendeine die Zeche zahlt. Vergleich es mit dem Fischfang in arktischen Gewässern, das Gebiet ist gefährlich aber der Ertrag hoch und viele Schiffe fahren raus und kommen zurück bis es eine Mannschaft erwischt (ja, passiert auch heute noch gar nicht so selten)

    Historisch gesehen kann nicht am Vulkanhang zu siedeln kann sogar bestraft werden, wählt man stattdessen eine geologische sicherere Lage um zu siedeln, bekommt dafür aber schlechteren Boden droht regelmäßige Hungersnot – ein schlechtes Jahr und die Bevölkerung kann nicht ausreichend ernährt werden. Schlecht ernährte Menschen bieten eine Nährboden für die Ausbreitung von Seuchen, die Kindersterblichkeit liegt höher. Über die Generationen gerechnet kann dieser recht regelmäßige wenn auch überschaubarerer Bevölkerungsverlust sogar schlimmer wiegen als die vielen Toten auf einmal die es bei einer bei einer großen Katastrophe zu beklagen gilt.

    Dummerweise ist Neapel inzwischen eine gewaltige Großstadt und die zu befürchtenden Folgen beim großen Rumps könnte die ursprüngliche Kosten-Nutzen Rechnung über den Haufen werfen…

  8. #8 Florian Freistetter
    4. Januar 2013

    @Blörn: “Vergleich es mit dem Fischfang in arktischen Gewässern, das Gebiet ist gefährlich aber der Ertrag hoch und viele Schiffe fahren raus und kommen zurück bis es eine Mannschaft erwischt (ja, passiert auch heute noch gar nicht so selten)”

    Naja, aber die Leute wohnen nicht auf Schiffen in der Arktis. Dass das Leben riskant ist, lässt sich nicht ändern. Aber ne Millionenstadt direkt unter einen aktiven Vulkan zu setzen ist schon ein bisschen was anderes, als im Eismeer zu fischen…

  9. #9 Michael Scholz
    4. Januar 2013

    Also mich hat ja immer die Darstellung des Vesuv-Ausbruchs aus den Plinius-Briefen fasziniert. Er schildert die gesamten Vorgänge ja recht eindrücklich. Der Artikel hat mir große Lust gemacht, meine alte Plinius-Ausgabe herauszukramen und darin zu schmökern.
    Das Foto ist wirklich eindrucksvoll. Vielen Dank hierfür.

  10. #10 Björn
    4. Januar 2013

    Florian: Neapel hat ja nicht als Millionenstadt angefangen. Neapel war als Siedlungsraum erfolgreich (nicht zuletzt WEGEN der Vulkanlage) und ist deswegen erst zur Millionenstadt geworden. Niemand sagt “lass und hier eine Millionenstadt bauen” – Städte wachsen, ein wenig wie Lebewesen.

    Natürlich hast Du recht, wenn Du den heutigen Umgang mit der Gefahr kritisierst. Ichpersönlich möchte wirklich nicht in den Schuhen der lokalen Politiker undverantwortlichen Planer stecken – die stecken in einer gewaltigen Zwickmühle….

  11. #11 zero hour
    4. Januar 2013

    Die gewaltigsten und gefährlichsten Vulkaneruptionen werden nicht umsonst als “Plinianische Eruptionen” (http://de.wikipedia.org/wiki/Plinianische_Eruption) bezeichnet. Da kann man nur hoffen, dass die Evakuierung dann tatsächlich noch so funktioniert wie geplant (das berühmt-berüchtigte Restrisiko).
    Eigentlich ist eine langfristige Stadtentwicklung weg vom Vulkan die einzige nachhaltige Lösung. Aber was soll man erwarten, wenn das erfolgreichste italienische “Unternehmen” der letzten Jahre die Mafia ist?

  12. #12 Kallewirsch
    4. Januar 2013

    Wenns nach dem geht, dürfte in Kuba, Florida kein Mensch wohnen. Detto in Lawinengebieten.

    Aber so wie immer ist halt das Florianiprinzip stärker: Mich wirds schon nicht treffen.

  13. #13 Wurgl
    4. Januar 2013

    Italien ist doch das Land, wo Wissenschaftler verurteilt werden, weil sie _nicht_ vor Erdbeben gewarnt haben. Da wird es doch sicher auch Verurteilungen geben, wenn andere Wissenschaftler _nicht_ vor einem Ausbruch warnen.

    Dann wird jemand verurteilt und alles ist gut.

    Okay. Wahrscheinlich wird auch jemand verurteilt, wenn vor einem Ausbruch gewarnt wird und der blöde Ausbruch nicht statt findet. Mann kann es eben nicht allen recht machen.

    </sarkasm>

  14. #14 zero hour
    4. Januar 2013

    Klar, was meinst du denn was eine Massenevakuierung und mehrere Tage Produktionsausfall in so einer Riesenstadt kosten? Irgend einer muss die Verantwortung tragen, wenn sich alles als falscher Alarm herausstellt.

  15. #15 Alex
    4. Januar 2013

    Es wird wohl auch ganz klar Bio-Geologische Gründe geben, die Landschaft ist grossartig und fruchtbar. Vermutlich überwogen in früheren Zeiten einfach die Vorteile. Man kann nur hoffen, das im Ernstfall alles reibungslos klappt.

  16. #16 wsfgl?
    4. Januar 2013

    Also das Panorama von der Terasse aus ist bombastisch und über die E45 biste ruckzuck inner City.
    Mir haben Napolitaner mal erklärt, illegal am Vesuv bauen und dann Strafe zahlen ist die kostengünstigste Variante. Wenn dem noch so ist und in Anbetracht der Tatsache, daß da sonst alles zugebaut ist, wird das mit den Bemühungen, dass ausgerechnet am Hang nicht so viele Leute leben, nichts. Und hey, bis auf den finalen Rumms, der da evtl. kommen könnte, ist das doch ne super Lage. Das Panorama sag ich Dir..

  17. #17 Volker
    4. Januar 2013

    Das einzig wirklich Gute an der Situation ist – eben die Lage. Die Forschung, die dort betrieben wird kann man nicht in eine Kosten-Nutzen Kiste packen, dazu ist sie zu wertvoll – und noch dazu vor der Tür zu betreiben. Als der Mt. St. Helens hoch ging starben trotz Evakuierung Menschen, weil man nicht damit rechnete, dass er seitlich auskeilen könnte. Dann wusste man, dass es das gibt. Eine Erkenntnis mehr. Wir hier in D haben übrigens auch ein fettes Ei am brüten – die Vulkaneifel.

  18. #18 Anwalts_Liebling
    4. Januar 2013

    mal ehrlich… haben die Menschen aus Mexico-City gelernt? Los Angeles? Tokio? Ne… WAS sie gelernt haben: wie baue ich Erdbeben-sicher… zumindest glaubt man das, bis es dann sichere Gebäude erwischt. Wenn ich nur so die aktuellen Bauten anschaue… Die Türkei baut eine Brücke und einen Tunnel, Japan weiter Hochhäuser… USA baut Hochgelegene Autobahnen usw usw. Wenns dann knallt… tja – dann baut man eben noch sicherer….

    Ach ja: und es war dann natürlich HAARP – das weis ja jeder :-)

  19. #19 Florian Freistetter
    4. Januar 2013

    @Björn: Ich sag ja nicht, dass da irgendwer absichtlich dumm war, in der Form: Hey, lasst uns hier ne riesige Stadt bauen! Es waren viele kleine – wahrscheinlich unbewusste – Dummheiten die jetzt zu dem geführt haben, was da ist. Und die Dummheiten gehen weiter, mit jedem neuen illegal gebauten Haus, das am Hang des Vulkans steht, weils da so schön und billig ist…

  20. #20 tina
    4. Januar 2013

    Es waren viele kleine – wahrscheinlich unbewusste – Dummheiten die jetzt zu dem geführt haben, was da ist.

    Ja, so läuft das im Real Life. Menschen wachsen da einfach auf, erstmal ganz normal. Ein Wegzug erfordert ja immer eine zielgerichtete Entscheidung und Aktivität.
    Und die kurzfristigen Vorteile des Dableibens können auch durchaus die Nachteile eines Wegzugs überwiegen und so bleibt man halt. In der Summe sieht das dann dumm aus, aber für so ein kollektives menschliches Verhalten gibt es ja jede Menge Beispiele.
    Und wer wählt schon ganz rational seinen Wohnort nach Risiko-Kriterien aus? Meist sind es doch andere Dinge, private oder berufliche Gründe, die einen zum Bleiben oder zum Umziehen verleiten. Da spielt der Vulkan in der Nähe nicht so eine große Rolle, ist ja bisher auch immer gut gegangen…

  21. #21 Chris
    4. Januar 2013

    Das Problem ist, das aus der roten Zone (die mit dem höchsten Risiko) notfalls innerhalb von Stunden bis zu 2 Mio Menschen evakuiert werden müssten. Menschen, die im wesentlichen alles zurücklassen und diszipliniert den Anweisungen der Behörden folgen müssten. Alle Experten, die sich mit dem Thema beschäftigt haben, sagen, das das eine Katastrophe geben wird, wenn der Vesuv kurzfristig ausbrechen würde.
    @Volker: Die Toten am Mount St. Helens waren überwiegend Leute, die die Evakuierungszone nicht verlassen *wollten* weil sie dachten, das das übertrieben wäre.

  22. #22 Madamsel
    4. Januar 2013

    Bei meinem Besuch dort habe ich damals überhaupt nicht verstehen können wieso die Menschen direkt neben den verschütteten Häusern in Herculaneum neue bauen. Die Lava würde heute fast denselben Weg nehmen. und da war ein Haus neben das andere gebaut. Die Lage der berühmten Schwesterstadt war dagegen wirklich traumhaft. Schon ein komisches Gefühl auf einem Vulkan zu wohnen. Auch nur im Urlaub. Aber die Pizza in Neapel ist wirklich die Beste.

  23. #23 Dark_Tigger
    4. Januar 2013

    Das ist ja nichts neues. Menschen die an die Küste oder an Flussufer ziehen, sind auch immer ganz überrascht, wenn sie man Wasser im Haus haben. :)

    Es ist ja noch viel besser. Viele Menschen siedeln in etwas was im amerikanischen Amtsenglisch “Urban-Wildfire-interfirenz-Zone” heißt, also Städtische-Waldbrand-Überschneidungszone. In der NG gab es mal einen schönen Artikel, in dem das inoffizielle Wort der amerikanischen Feuerwehren für diese Zonen genannt wurde: “Idiot-Zone”.

  24. #24 Irische Seemöwe
    4. Januar 2013

    Naja, soviel ich weiß, sind die Italiener auch sehr stolz auf ihren Vesuv.Nicht umsonst findet dort hin immer noch viele Führungen statt, die sehr nahe an den Vesuv rangehen. Die sehen das auch als gute Einnahmequelle und es kommen ja auch viele Menschen genau deswegen dorthin. Ein Freund von mir kommt aus Neapel und wenn man den auf den Vesuv anspricht, ist der Stolz größer als die Angst.
    Ausserdem sind die Jungs, die den regelmäßig bewachen und Untersuchungen am Berg durchführen schon ganz gut auf Zack,das beruhigt die Bevölkerung natürlich auch. Aber die Italiener sehen das eher gelassen in der Gegend.

  25. #25 Liebenswuerdiges Scheusal
    4. Januar 2013

    Das Problem ist, das aus der roten Zone (die mit dem höchsten Risiko) notfalls innerhalb von Stunden bis zu 2 Mio Menschen evakuiert werden müssten. Menschen, die im wesentlichen alles zurücklassen und diszipliniert den Anweisungen der Behörden folgen müssten. Alle Experten, die sich mit dem Thema beschäftigt haben, sagen, das das eine Katastrophe geben wird, wenn der Vesuv kurzfristig ausbrechen würde.

    Man kann 2 Millionen Menschen nicht evakuieren.
    Man kann aber zwei Millionen Menschen auch nicht dazu bringen in einer ruhigen Zeit ihre gewohnte Umgebung zu verlassen.

    Sollte es zu einem Ausbruch des Vesuvs kommen wird das eine Katastrophe mit Opferzahlen die in Europa bisher nicht gezählt werden mussten.

    Aber was wäre die Lösung des Dilemmas?

  26. #26 Wurgl
    5. Januar 2013

    @Liebenswuerdiges Scheusal

    Nö, ist keine Lösung. Aber die Überlebenden werden unmittelbar danach an haargenau der gleichen Stelle wieder neu bauen und dort wohnen. GOTO 10

    Beim ersten Teil stimme ich zu. Es ist nicht möglich eine so große Zahl an Menschen zu evakuieren, besonders weil hier eine Stresssituation entsteht, die bei einigen (sprich zu vielen) zu Panik führen wird.

    Aber was reg ich mich auf, ich wohne in einer der Gegenden, deren Erdbebenrisiko zu den höchsten gehört und die Eifel ist nicht weit …

  27. #27 Naivi
    5. Januar 2013

    Ich denke die Menschen die dort leben sind sich im Gegensatz zu den Menschen in der Antike ihres riskos bewusst.
    Es gibt viele Beispiele für menschliches Versagen die viel gravierender sind siehe die Atomkraftwerke in fukushima

  28. #28 zero hour
    5. Januar 2013

    Heutezutage werden Städte und deren Entwicklung von den Behörden für Jahre im voraus geplant. Da sollte es wohl möglich sein, Neapel längerfristig aus den gefährlichen Zonen weg zu bewegen. Die Veränderung muss ja nicht von heute auf morgen statt finden. Selbst eine sich über Jahrzehnte hinweg ziehende Entwicklung würde das Risiko entschärfen.
    Programme zur Umsiedelung gibt es, besonders erfolgreich sind sie aber wohl nicht, wenn noch nicht einmal gegen illegale Neubauten direkt am Vulkan vorgegangen wird. Es müsste eindeutig mehr passieren. Die Gefahr wird nicht geringer dadurch, dass man sie einfach ignoriert.

  29. #29 Basilius
    5. Januar 2013

    @Naivi

    Es gibt viele Beispiele für menschliches Versagen die viel gravierender sind siehe die Atomkraftwerke in fukushima

    Woran misst Du hier das “gravierender”?
    Ich denke, daß ganz im Gegenteil ein ausbrechender Vesuv wesentlich gravierender wäre als der hochgegangene Reaktor in Fukushima, auch wenn letzterer anscheinend ein größeres Angstpotential erzeugt (hat). Ok, beim Vesuv kann man die Folgen nur versuchen abzuschätzen und in Fukushima kennen wir diese recht gut.
    Für mich sieht das so aus, wie wenn der Vesuv “gewinnt” und zwar ziemlich deutlich.

  30. #30 Basilius
    5. Januar 2013

    @Warme Mahlzeit
    Wolltest Du irgendetwas von Belang sagen?
    Falls ja, warum tust Du es dann nicht?
    Hast Du den Text der Meldung gelesen?
    Was machst Du, wenn dort über einen Scherzbold mit gefälschten Photos berichtet wird, der seine thailändischen Landsleute veräppelt hat?
    Bist Du dann immer noch so generös, jovial, geheimnisvoll und sagst dabei doch überhaupt nichts aus?
    0_0

  31. #31 Ex-Weimarerin
    5. Januar 2013

    @illegale Bauten am Hang: Ich schätze mal, für viele Familien wird sich die Frage woanders zu bauen gar nicht erst stellen, da sie nicht über das nötige Kleingeld dafür verfügen.
    Dass Not/Sachzwänge zu kurzsichtigem Verhalten führen, ist ja nicht neu.

  32. #32 sternschubser
    universum
    5. Januar 2013

    @Ex-Weimarerin

    Ja eben, das ist die berüchtígte Wahl zwischen Spinat und Brokkoli !
    (Ich wollte nicht das abgedroschnene Klischee von Pest und Cholera benutzen :-) )

  33. #33 Radicchio
    5. Januar 2013

    “Spinat und Brokkoli”

    spinat und rosenkohl

  34. #34 Naivi
    5. Januar 2013

    @Basilius
    Es ging mir nicht um die Folgen, sondern ums menschliche Versagen. Den Bau eines Atomkraftwerks an der Küste im Tsunamigebiet find ich dämlicher als wenn eine Stadt Jahrtausende lang stetig wächst .

    Neapel wird ein Problem bekommen wenn der Vesuv ausbricht…
    Liegt unter Neapel nicht auch ein Supervulkan ?

  35. #35 Spritkopf
    5. Januar 2013

    Tag, Madamsel.

    Bei meinem Besuch dort habe ich damals überhaupt nicht verstehen können wieso die Menschen direkt neben den verschütteten Häusern in Herculaneum neue bauen. Die Lava würde heute fast denselben Weg nehmen. und da war ein Haus neben das andere gebaut.

    Das weiß man im Vorhinein nie, welchen Weg die Lava das nächste Mal nimmt. Allerdings ist schon bemerkenswert, wie weit die seinerzeit verschütteten Pompeji und Stabiae vom Vesuv entfernt liegen und wie nah im Vergleich dazu die aktuelle Bebauung. Da wird man im Falle eines großen Ausbruchs mit dem Ausstellen der Urkunden für den Darwin-Award nicht hinterherkommen.

  36. #36 Basilius
    5. Januar 2013

    @Naivi
    Sorry, dann habe ich es falsch verstanden.
    Ok, für menschliches Versagen ist Fukushima Daiichi tatsächlich ein gelungenes Beispiel auch wenn die Folgen bei weitem nicht so gravierend waren, wie sie beim Vesuv vermutlich sein werden.
    Wenn ich die technischen Berichte richtig gelesen habe, dann war das Problem aber gar nicht mal der Bau eines Atomreaktors in Küstennähe eines Tsunami-gefährdeten Erdbebengebietes. Zugegeben, das klingt schon erst mal ziemlich dumm. Man hätte aber die Notstromaggregate schon auch so sichern können, daß sie dem Tsunami hätten standhalten können, was dann die Kühlung des Reaktors sicherstellen hätte können, so daß der dann nicht hätte hochgehen müssen (rein theoretisch jedenfalls…).
    Aber so wie an den Hängen von Neapel die Menschen wieder besseren Wissens illegal bauen und die Masse ganz sicher den Ausbruch eher versucht zu verdrängen und gar nix davon wissen will, so war in Japan eben auch wichtiger, daß der Bau billig war und man schnell viel Strom verkaufen konnte. Daß hierbei ein paar Vorschriften nicht eingehalten werden mussten, dafür hat man dann mit entsprechenden Geschenken an Politiker und Beamte gesorgt (Ein paar ausgesuchte Sündenböcke durften abschließend auch ihren Hut nehmen). Jedenfalls war das ganze eine Vorgehensweise, welche anscheinend auch in anderen Kontinenten “gerne” ausgeübt wird. Nicht nur in Italien oder Deutschland. Die Dummheit liegt also oft einfach in der Geldgier einiger weniger Menschen an Schlüsselpositionen.
    Auf der Gegenseite gibt es dann noch die kleinen Würstchen über die Ex-Weimarerin schon so richtig schrieb:

    Ich schätze mal, für viele Familien wird sich die Frage woanders zu bauen gar nicht erst stellen, da sie nicht über das nötige Kleingeld dafür verfügen. Dass Not/Sachzwänge zu kurzsichtigem Verhalten führen, ist ja nicht neu.

  37. #37 Spritkopf
    5. Januar 2013

    @Naivi

    Den Bau eines Atomkraftwerks an der Küste im Tsunamigebiet find ich dämlicher als wenn eine Stadt Jahrtausende lang stetig wächst .

    Ich nicht. Ob ein Seebeben der Stärke 9,0 direkt vor der Küste von Fukushima stattfinden würde, wußte niemand bis zu dem Zeitpunkt, an dem es tatsächlich passierte. Dass der nächste Ausbruch des Vesuvs direkt in Neapel stattfinden wird, weiß jeder. Es stellt sich nur noch die Frage, wie schwer er werden wird. Und wieviele Opfer hat der GAU in Fukushima gefordert und wieviele wird ein großer Ausbruch des Vesuvs fordern? Antwort für Fukushima: Etwa soviele wie ein schwerer Autobahnunfall auf der A1. Antwort für den Vesuv: Im Minimum einige Tausend.

  38. #38 zero hour
    6. Januar 2013

    @Naivi: Der Vesuv ist ein Schichtvulkan.
    Problematisch bei diesem Vulkantyp sind nicht nur die Lavaströme, sondern vor allem die bei einem größeren Ausbruch (wie bei dem von Plinius d.J. beschriebenen) entstehenden pyroklastischen Ströme. Diese bestehen aus einer Suspension von vulkanischer Asche in sehr heißen Gasen und können sich mit einer Geschindigkeit von bis zu 400 km/h bewegen.
    Die Evakuierungspläne für Neapel benötigen laut Wikipedia eine Vorwarnzeit von 2 Wochen. Meines Wissens ist so etwas aber derzeit technisch nicht machbar. Das Leben ist immer voller Risiken, aber wenn sie wie hier derart ins Auge springen, das tut schon weh.

  39. #39 JaJoHa
    6. Januar 2013

    Vieleicht wird es zukünftige Generationen freuen, wenn sie eine vollständig erhaltene Stadt ausgraben können.
    Das mag zwar böse klingen, aber wenn die Menschen wissentlich so ein Risiko eingehen kann man nicht viel machen.

  40. #40 Naivi
    6. Januar 2013

    @Basilius @Spritkopf
    Tepco wusste vom Tsunami Risiko . Sie wollten die Schließung vermeiden und haben es runtergespielt.
    Aber es ist glaub ich in dem Fall echt ne Meinungsfrage und ne Diskussion führt am Artikel vorbei.sorry das ich damit angefangen hab.

    @zero
    Weiss ich. Mein Sohn foltert mich mit dem beständigen vorlesen von Büchern über Vulkanismus.
    Die Gefährlichkeit bei Vulkanen des Vesuvtyps liegt in der Zusammensetzung des Gesteins . der erhöhte Anteil an kieselsäure die das Magma zähflüssiger macht und damit den schlot verstopft. Dadurch haben solche Vulkane eine erhöhte Sprengkraft und eben auch

  41. #41 Naivi
    6. Januar 2013

    Auch dieses Risiko für pyroklastische Stürme . Allerdings steht in minis buch die können bis 800km schnell sein..
    Ich hab die phlegräischen Felder gemeint musste den Namen aber nachschlagen .

  42. #42 mafl
    6. Januar 2013

    Neapel hat da wohl wirklich zwei vulkanische “Probleme”.
    Die Phlegräischen Felder (Campi Flegrei) liegen ja auch noch fast in der Stadt und sind lt. dem Vulkanologen B. Behnke auch gefährlicher.
    Hier gibt es grade ein Zitat dazu: http://tinyurl.com/b28j623
    “…So what (and many colleagues) guess is that the current repose period, initiated in 1944, might last for another few hundred years. I do not count on seeing Vesuvius erupt during my lifetime. However, I am quite concerned about the other, much less famous volcano, on the other (western) side of Naples, Campi Flegrei, which since several decades is showing signs of unrest …”

    Also bliebe auf der einen Seite noch Zeit etwas zu tun, aber da wartet eben noch ein weiterer Vulkan.

  43. #43 para
    6. Januar 2013

    @Naivi

    Den Bau eines Atomkraftwerks an der Küste im Tsunamigebiet find ich dämlicher als wenn eine Stadt Jahrtausende lang stetig wächst .

    Naja, wenn man die Gefahr abschätzen kann und die AKWs so baut, dass sie Beben und Tsunami auch stand halten (was ja auf die übrigen AKWs an der Küste Japans zutraf) dann ist es eben nicht mehr so dämlich. Maßnahmen, die die Folgen eines Vulkanausbruchs in unmittelbarer Nähe abpuffern gibt es jedoch keine.

  44. #44 Christian 2
    7. Januar 2013

    @ Spritkopf: Wieviele Opfer es durch Fukushima gegeben hat bzw. noch geben wird, ist doch noch garnicht absehbar. Die Leukämiefälle neugeborener Kinder werden sich erst in den kommenden Jahren häufen.

    Nur weil man das Glück hatte das keine Großstadt verstrahlt wurde heißt das noch lange nicht, das Fukushima ausgestanden ist. Man hat in Bodenproben festgestellt, das die Grenzwerte mancherorts außerhalb der Evakuierungszone deutlich überschritten waren. Es sollte jedem klar sein, was die Folgen sind.

    @ para: Nur weil andere AKW´s desselben Bautyps vom Tsunami verschont wurden, macht sie das noch lange nicht zu sicheren AKW´s. Diese Reaktoren sind alle vom selben Schlag, und vergleichbar (un)sicher.

    Sichere AKW´s kann man natürlich bauen. Die sind den meisten aber viel zu teuer, sie rechnen sich wirtschaftlich einfach nicht.

    Daher ist die Kernkraft auch so ein großes Problem für uns. Wenn Wirtschaftsinteressen auf geforderte Sicherheit stoßen gibt es Konflikte und Abwägungen, die eigentlich außer Diskussion stehen sollten.
    Kurzum: Die Kernkraft hat in den Händen von Wirtschaftsunternehmen nichts verloren, da sie bei unsachgemäßer Handhabe um Gelder zu sparen brandgefährlich wird.

    Der Vesuv ist unberechenbar. Das die Menschen sich dort sicher fühlen wo es jederzeit zu einem großen Ausbruch kommen könnte, ist für uns Deutsche nicht nachvollziehbar. Sie verdrängen die Gefahr. Und wenn es passiert, werden viele in ihren Häusern bleiben.

  45. #45 rambaldi
    7. Januar 2013

    Warten die nicht auf den Ausbruch, damit endlich ihre Probleme mit der Müllmafia gelöst werden?

  46. #46 awmrkl
    7. Januar 2013

    @rambaldi

    oO, der war jetzt aber richtig bös ;-)

    Und uU doch recht realistisch

  47. #47 Spritkopf
    7. Januar 2013

    @Christian 2

    Wieviele Opfer es durch Fukushima gegeben hat bzw. noch geben wird, ist doch noch garnicht absehbar.

    Richtig, es ist noch nicht absehbar, weder in negativer noch in positiver Hinsicht. Und es handelt sich größtenteils um Folgen, denen man sich im Zweifel durch Wegzug aus dem betroffenen Gebiet entziehen kann.

    Ich habe nicht die Absicht, den Reaktorunfall in Fukushima zu verharmlosen oder kleinzureden. Es gibt aber einen gravierenden Unterschied zwischen dem Risiko, an den Spätfolgen der dortigen Strahlenfreisetzung zu sterben und dem, direkt am Hang eines der gefährlichsten Vulkane Europas zu wohnen. Hierzulande scheint der Atomtod immer besonders tödlich zu sein und demzufolge waren nicht etwa die fast 20.000 Menschen, die ins Meer gespült wurden, das wichtigste Thema der deutschen Presse rund um den japanischen Tsunami, sondern die zwei Techniker, die ohne Strahlenschutzkleidung durch radioaktives Wasser stapften. Eine solche Art der Berichterstattung finde ich zynisch.

  48. #48 schak
    8. Januar 2013

    Das übliche Problem. Besteht eine Gefahr, Einschränkung oder spezifische Belastung für ein Grundstück, dann fällt automatisch der Preis und die Leute kaufen es.
    Das führt dann zu so obskuren Situationen, dass Leute im Rohbau sitzen und sich über Fluglärm beschweren oder den Rohbaukeller nur mit Taucheranzug betreten können und dann nach staatlicher Hilfe schreien weil ihr Haus in der Hochwasserzone überflutet wurde. In Neapel wirds genauso sein und wie schon oben etwas zynisch erwähnt: Man wird schon ein paar Wissenschaftler zum Verurteilen finden.

  49. #49 Alderamin
    8. Januar 2013

    @Spritkopf

    In Japan haben sie aber auch Glück gehabt, dass der Wind den radioaktiven Staub hauptsächlich auf’s Meer hinaus geblasen hat und nicht nach Tokyo, was anfangs befürchtet worden war. Das war dann wieder der Vorteil davon, dass man nahe am Meer gebaut hatte. Eine Menge hochradioaktive Brühe ist auch ins Meer gelaufen, out of sight, out of mind.

    Wäre alles halb so wild gewesen, wenn die Notstromaggregate nicht gerade an der tiefsten Stelle des Geländes aufgestellt gewesen wären. Hätte auch nicht die Welt gekostet, diese auf einem Podest oder dem Dach unterzubringen. Das war dann wieder Naivität

  50. #50 Spritkopf
    8. Januar 2013

    @Alderamin
    Keine Frage, die Tepco-Manager haben sich nirgendwo mit Ruhm bekleckert, weder bei baulichen Fragen noch beim Umgang mit Störfällen, die vor dem 11. März 2011 stattfanden. Und manches dabei ist schon nicht mehr mit Naivität zu erklären, sondern mit grober Fahrlässigkeit, die unangemessener Pfennigfuchserei entsprang. Pennywise and poundfoolish, wie man in England sagt.

  51. #51 capt vimes
    wien
    10. Januar 2013

    “Oder vielleicht doch dumm?”
    eher das… ;-)

    in tadschikistan bauen die leute ihre häuser und siedlungen direkt auf und in den schuttkegeln der berge, die immerhin allesamt 4000er und noch viel höher sind…

    und jedes jahr im frühling gibt es ein riesen geheule und betroffenheit, trauer, weil wieder einmal eine schwere mure ein oder mehrere dörfer zum teil vollkomen weggeräumt hat…
    wald gibt es dort nicht, da es eben ein sehr junges gebirge ist und die humusdecke zu gering – ergo: kein natürlicher lawinen- und murenschutz.

    ich habe zu hause aufnahmen, die ich aus dem hubschrauber gemacht habe und es lässt einen jeden, der im alpinen bereich aufgwachsen ist und die gefahren kennt, nur mehr den kopf schütteln…

  52. [...] ein paar Tagen habe ich euch ein eindrucksvolles Bild des Vesuv gezeigt. Der Vulkan in Italien steht in unmittelbarer Nähe der Millionenstadt Neapel und es [...]