Dass man sich nachts mit Hilfe der Sterne orientieren kann, ist ja nicht wirklich neu. Auch viele Tiere finden nachts ihren Weg mit Hilfe der Sterne. ForscherInnen aus Schweden und Südafrika ist es nun gelingen, zu zeigen, dass Mistkäfer sich dabei manchmal an der Milchstraße orientieren.

Mistkäfer sammeln bekanntlich Mist und rollen daraus Kugeln, die sie dann langsam verspeisen. (Das ist nicht ganz so eklig, wie es vielleicht klingt – der Mist der meisten Pflanzenfresser enthält noch reichlich Pflanzenfasern und anderes genießbare Zeugs.)

(Dieses und die folgenden Bilder von der Presse-Seite der Arbeitsgruppe in Schweden, mit freundlicher Genehmigung, Bild von Marcus Byrne.)

Das Kugeln-Bauen haben sie vermutlich zur Dino-Zeit gelernt, jedenfalls kennt man Mistkäfer schon aus dem Mesozoikum.

Um ihre Mistkugel in Ruhe fressen zu können, rollen sie sie an einen sicheren Ort, beispielsweise eine kleine Höhle. Und weil das Rollen über den Sandboden ja nicht ganz ungefährlich (und sicher auch anstrengend) ist, rollen die Mistkäfer ihre Mistkugel möglichst in gerader Linie durch die Gegend. Dazu müssen sie sich natürlich auch orientieren.

Tagsüber können die Mistkäfer das natürlich an Hand der Sonne tun, nachts leistet der Mond oft gute Dienste. Dabei haben Experimente vor einigen Jahren gezeigt, dass die Käfer dabei die Polarisation des Lichts verwenden, um sich zu orientieren.

Aber auch in mondlosen Nächten gelingt es den Mistkäfern, einen geraden Weg zu finden; jedenfalls dann, wenn der Himmel klar ist.

Um zu testen, wie genau sich die Mistkäfer nun eigentlich orientieren, haben die ForscherInnen sie in kreisförmige Arenen gesetzt, von denen aus sie keine Landmarken wie Berge oder so sehen können, und haben gemessen, wie lange sie brauchen, um ihre Kugeln zum Rand der Arena zu rollen und welche Wege sie dabei zurücklegen.

(Bild von Marcus Byrne)

Um zu testen, ob die Käfer den Himmel zur Orientierung nutzen, bekamen sie kleine Kappen aufgesetzt, so dass sie nicht mehr nach oben schauen konnten:

So sieht das Ergebnis aus – links ohne, rechts mit den Kappen:

Nun haben Mistkäfer nicht gerade Adleraugen – es ist ziemlich zweifelhaft, dass sie so scharf sehen können, dass sie einzelne Sterne erkennen, und den Trick mit dem großen Wagen und dem Polarstern hat ihnen vermutlich auch keiner verraten (würde auch wenig nützen, da das Experiment in Südafrika gemacht wurde). Woran orientieren sie sich also genau?

Um das herauszufinden, mussten die ForscherInnen gezielt Sterne ausschalten. Da das technisch ja nicht so ganz einfach ist und sie vermutlich auch Ärger mit den KollegInnen von der Astronomie bekommen hätten, wenn sie mal eben ein paar Sterne ausknipsen, haben sie ihr Experiment in das Planetarium von Johannisburg verlegt.

(Bild von Emily Baird, die abgebildete Wissenschaftlerin ist Marie Dacke, die mir auch freundlicherweise per mail ein paar Fragen beantwortet hat.)

Dort ließen sich dann gezielt einzelne Sterne ausschalten und nachprüfen, unter welchen Bedingungen die Käfer wie lange unterwegs waren (und damit mehr oder weniger gerade Strecken zurücklegten, denn ihre Geschwindigkeit war immer etwa konstant). Dabei zeigte sich zunächst einmal, dass eine Polarisation des Lichts nicht notwendig war – denn das Licht im Planetarium ist nicht polarisiert (ebenso wie das Sternenlicht draußen), trotzdem gelang den Käfern die Orientierung.

Im Planetarium probierten die Wissenschaftlerinnen jetzt unterschiedliche Varianten aus: Den vollen Sternhimmel, nur die Milchstraße, nur 4000 schwache Stern, nur die 18 hellsten Sterne  und schließlich gar keine Sterne. Hier das Ergebnis (aufgetragen ist die Zeit, die die Käfer zum Verlassen der Arena brauchen):

Man sieht, dass der Anblick der Milchstraße allein fast so nützlich war wie der des ganzen Sternhimmels (der Unterschied ist tatsächlich statistisch nicht signifikant – die Streuung der Werte ist doch recht groß). Mit 4000 schwachen Sternen kamen die Käfer immer noch einigermaßen klar (die Differenz ist zwar größer, aber immer noch nicht statistisch sicher vom vollen Sternhimmel zu unterschieden), während die 18 hellsten Sterne allein nicht so viel halfen und der vollkommen dunkle Himmel am wenigsten nützte.

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Kommentare (5)

  1. #1 Markus Termin
    23. Februar 2013

    @ Das ist schon kühn – den Skarabäus mit der “Milchstrasse” – unserer eigenen Galaxie zu verbinden – wie ihn die Ägypter auch gemeint haben:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Skarab%C3%A4us

  2. #2 Wolf-Dieter
    Quakenbrück
    13. März 2013

    Off topic: interessanter Artikel, aber mich stört eine Formalie: die Binnen-Majuskel in “ForscherInnen”. Das ist Quotendeutsch.

    Ich kenne keine Wissenschaftlerin, die sich bei Verwendung des Begriffs “Forscher” ausgegrenzt fühlen würde.

    In allen anderen Aspekten begrüße ich Ihr Bestreben, fachübergreifende Forschungstätigkeit teils nahe zu bringen und teils mit dem “richtigen Leben” abzugleichen.

  3. #3 MartinB
    15. März 2013

    @Wolf-Dieter
    “Ich kenne keine Wissenschaftlerin, die sich bei Verwendung des Begriffs “Forscher” ausgegrenzt fühlen würde.”
    Herzlichen Glückwunsch. Ich schon. Und nun?

    Die Debatte haben wir hier schon oft geführt (einfach mal Sexismus in die Suchmaske eingeben – Links funktionieren im Moment nicht so ganz reibungsfrei).

  4. […] simple Antwort gefunden. Mit dabei war übrigens auch Emily Baird, die wir schon von der Milchstraßennavigation der Mistkäfer […]

  5. […] weiterführenden Lektüre empfehlen wir diesen Artikel auf Scienceblogs.de (in deutscher Sprache), mit vielen Fotos und interessanten Details rund um das Projekt. Eine […]