Die Autorinnen* des papers halten von dieser These wenig, um es vorsichtig zu sagen. Sätze wie “Here we argue that several of the conclusions made in Diedrich (2011a) are not tenable due to serious errors and insufficient evidence” liest man schon eher selten in wissenschaftlichen Veröffentlichungen.
*Ja, alle Autorinnen sind männlich, bekommen aber wie immer die weibliche Form. Vermutlich habt ihr euch an diese Merkwürdigkeit meines Blogs inzwischen gewöhnt…

Die einzelnen Überlegungen aus der Arbeit von Diedrich werden der Reihe nach gewogen und für zu leicht befunden. Insbesondere die Idee, dass Europasaurus gar keine Zwergart ist, sondern bloß ein jugendlicher Brachiosaurus, wird nach allen Regeln der Kunst demontiert – immerhin beruht die Aussage, dass Europasaurus tatsächlich ein halbwegs ausgewachsener Dino ist, auf einer detaillierten Analyse der Knochenstruktur, die eigentlich ziemlich wasserdicht sein sollte (dass man aus einer Knochenanalyse eine Menge lernen kann, sehr ihr, wenn ihr rechts in der tag-cloud auf das Wort “Knochen” klickt, da gibt es haufenweise Beispiele). Auch die anderen Ideen von Diedrich, nach denen diverse Spuren in Norddeutschland zu aus Amerika bekannten Arten wie Camptosaurus, Dryosaurus oder auch Brachiosaurus gehören, sind anscheinend nicht sehr gut belegt. (Wobei ich natürlich zugeben muss, dass ich keine echte Dino-Expertin bin und mich auf die Argumente im paper verlassen muss…) Und natürlich ist es sinnvoll, dass Fehler in Veröffentlichungen diskutiert und korrigiert werden – auch wenn das selten so deutlich geschieht wie hier.

                                             

Lallensack, Jens N., Sander, P. Martin, Knötschke, Nils, and Wings, Oliver. 2015. Dinosaur tracks from the Langenberg Quarry (Late
Jurassic, Germany) reconstructed with historical photogrammetry: Evidence for large theropods soon after insular dwarfism.
Palaeontologia Electronica 18.2.31A: 1-34

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Kommentare (6)

  1. #1 RainerM
    29. Juni 2015

    Die Theropodenfährten ähneln ja sehr denen in Barkhausen, ebenfalls aus dem mittleren Kimmeridgium, nur dass die noch grösser sind (angeblich 63 cm Durchmesser). Wäre es eigentlich vermessen, anzunehmen, dass die zur selben Art gehören?

  2. #2 MartinB
    29. Juni 2015

    @RainerM
    Im paper steht:
    ” In conclusion, the Langenberg tracks are more similar to the tridactyl tracks from Barkhausen than to Megalosauripus as defined by Lockley et al. (1998a). However, DFMMh/FV 645 from the Langenberg also closely resembles tracks from Portugal and Spain identified by Lockley et al. (1998a) in showing an elongated, distally tapering heel impression and irregular digit impressions.”
    Wenn ich es richtig sehe, hält sich das paper sehr darin zurück, die neuen Spuren eindeutig einer existierenden Spurenart zuzuordnen.
    So oder so dürfte der Dino, der die Spuren gemacht hat, aber dem aus Barkhausen ähnlich gewesen sein.

  3. #3 RainerM
    29. Juni 2015

    Danke für die Info! Ich hab mir dann doch mal das paper von Langensack et al. durchgesehen. Hab zwar eher wenig mit Paläontologie am Hut, aber ich stamme aus der Nähe von Barkhausen und kenne die dortigen Fährten ziemlich gut. Da bringe ich mich gerne mal auf den neuesten Stand.

  4. #4 Artur57
    2. Juli 2015

    Nun ist es ja so, dass das wechselwarme Tier in verschiedenen Temperaturzonen verschieden groß wird. In den Tropen beispielsweise sind Schmetterlinge, die bei uns Mokkatassengröße haben, so eine Art fliegende Zeitungen.

    Insbesondere bei der unlängst gefundenen Titanboa kam der Einfluss der Temperatur wieder ins Spiel:

    http://www.spektrum.de/news/monster-im-treibhaus/980718

    Dieses Tier ist quasi identisch mit der heute noch lebenden Anaconda und damit es diese riesigen Ausmaße erreichen konnte, hat man errechnet, dass die Temperaturen damals um sechs Grad über der heutigen gelegen haben muss.

    Es könnte sich also auch hier um eine identische Tierart handeln, die in verschiedenen Klimazonen verschieden groß wird. Was allerdings nirgends erklärt wird: warum braucht denn das größere Tier eine höhere Körpertemperatur?

  5. #5 MartinB
    2. Juli 2015

    @Artur57
    Zunächst mal gehen die meisten Forscherinnen heute davon aus, dass Dinos nicht wechselwarm waren, sondern eher gleichwarm.
    Den genauen Hintergrund der im Artikel zitierten Faustformel kenne ich nicht, laut Wikipedia soll sich das dadurch ergeben, dass große Tiere schneller wachsen und deswegen auch eine höhere Körpertemperatur haben. Ich bin da etwas skeptisch, und die englische Wiki-Seite auch:
    https://en.wikipedia.org/wiki/Titanoboa#Climate

  6. […] etwas über das Verhalten der Dinos ablesen. (Mehr über Dinospuren findet ihr auch hier, hier, hier, hier, hier und meinen eigenen kleinen Forschungsbeitrag hier – hmm, anscheinend finde ich […]