Nachdem schließlich am Wochenende nach der großen Hitze die Gewitter kamen und es deutlich kühler wurde, habt ihr vermutlich dasselbe gemacht wie ich: Alle Fenster aufgerissen, um Haus oder Wohnung wieder etwas herunter zu kühlen. Und genauso wie ich werdet ihr dabei vermutlich gemerkt haben, dass das erstaunlich wenig effektiv ist – man muss sehr lange lüften, damit ein Zimmer wieder auf halbwegs normale Temperaturen abkühlt. Sobald das Fenster auf ist, wird die Lift zwar kühl, aber macht man das Fenster wieder zu, ist es im Raum nach kurzer Zeit wieder (fast) so heiß wie vorher.

Ähnlich wie beim Schwitzen können wir auch das mit ein bisschen physikalischer Herumspielerei leicht verstehen. Entscheidend dafür ist die Wärmekapazität, also die Fähigkeit eines Materials, Wärmeenergie zu speichern.

Wasser hat eine Wärmekapazität von etwa 4200J/kg K (Joule pro Kilogramm und Kelvin – streng genommen müsste ich ne Klammer um kg K machen, aber so pingelig bin ich nicht.) – um also 1 Kilogramm Wasser um ein Grad (Celsius oder 1 Kelvin) aufzuwärmen, brauche ich 4200J (oder auch eine Kilokalorie). Euer Haus besteht aber vermutlich nicht aus Wasser, sondern aus Stein, die Wärmekapazität von Stein liegt etwas niedriger, laut dieser Seite hier so etwa bei 1000J/kg K. (Wie üblich kommt es mir auf ganz genaue Zahlen nicht an, sondern nur auf eine Abschätzung.)

Nehmen wir an (die ganze Schätzerei hier ist natürlich mal wieder ein Fermi-Problem), wir haben ein Zimmer mit einer Größe von 4×4 Metern, das 2,5 Meter hoch ist, Dann habe ich 4*4Meter*2,5Meter=40 Quadratmeter Wandfläche, zusätzlich noch 32 Quadratmeter Fläche für Decke und Boden. (Und Dinge wie Möbel stehen auch noch im Zimmer, vernachlässige ich hier mal wieder.) Macht also insgesamt so etwa 70 Quadratmeter Materialoberfläche. Eine typische Wand ist vielleicht so etwa 15 Zentimeter dick – aber da es ja nebenan auch noch ein Zimmer gibt, entfalle auf unser Zimmer nur die Hälfte davon, also etwa 7,5cm Dicke. Das macht alles zusammen 70m²*0.075m=5.25m³, also grob 5 Kubikmeter  Material. Beton hat ne Dichte von etwa 2000kg/m³, also haben wir alles zusammen 10 Tonnen Stein, die auf dieses Zimmer entfallen. Hochgerechnet auf ein Einfamilienhaus mit so etwa 100 Quadratmetern, wo noch Dachstuhl und so weiter dazukommen, sollte man also als Hausmasse so irgendwo zwischen Hundert und 200 Tonnen rauskommen – was ganz gut zu dieser Rechnung hier passt. (Anscheinend bin ich nicht die einzige mit einer seltsamen Vorliebe für scheinbar sinnlose Zahlen.)

So, wir haben also 10 Tonnen Stein. Nehmen wir an, die sind durch die große Hitze auf 30°C aufgeheizt und wir wollen sie wieder auf 25°C bringen. Dann müssen wir 10000kg* 5K *1000J/kg K=50000000J, also 50 Millionen Joule an Wärme abführen – und das tun wir durch Lüften. (Real geht natürlich auch ein guter Teil der Wärme durch Abstrahlung von den Hauswänden verloren, ich tue hier so, als hätte ich ein Zimmer irgendwo im Inneren eines Hauses ohne Außenwände (und als theoretische Physikerin mache ich von meinem Recht Gebrauch, nicht darüber nachzudenken, wie dann die kühle Luft ins Zimmer kommt…).)

Luft hat eine Wärmekapazität von 1000J/kg K – also etwa dieselbe wie der Stein. Klingt seltsam, oder? So ein guter Wärmespeicher ist Luft ja nicht. Stimmt, aber Luft hat eben eine sehr niedrige Dichte, ein Kilogramm Luft ist ziemlich viel. Die Dichte von Luft ist (bei 20°C) nur 1,2kg/m³ (beide Zahlen hier habe ich übrigens nicht auswendig gewusst, sondern von Wikipedia). Unser Raum hat ein Volumen von 4*4*2,5m³=40m³, es passen also etwa 40*1,2=48kg Luft rein, also so etwa 50kg.

Nehmen wir an, beim Lüften strömt Luft mit einer angenehmen Temperatur von 20°C in unseren Raum. Die heizen wir jetzt auf 25°C auf, dann tauschen wir sie aus (real ist das Lüften natürlich ein kontinuierlicher Prozess, aber das sei mir gerade egal). Dabei nimmt die Luft also etwa 5K*50kg*1000J/kg K= 250kJ an Wärme auf. Wir müssen also zwei mal in dieser Weise Lüften (die Luft komplett austauschen), um eine halbe Million Joule abzuführen, oder 200 Mal, um die 50 Millionen Joule loszuwerden, die in unseren Wänden gespeichert sind.

Wie schnell kann das gehen? Nehmen wir erst mal idealisierterweise an, dass die Luft sich sofort komplett aufheizt, wenn sie durchs Fenster kommt, und dass wir einen schönen Luftstrom durch unser Zimmer haben. Um die Luft im Raum 200 Mal auszutauschen, müsste sie die 4 Meter, die unser Zimmer lang ist, also 200 Mal zurücklegen, wir bräuchten also einen Luftstrom von 0,8 Kilometern Länge. Da wir im Zimmer nicht weggeweht werden wollen, ist die Strömungsgeschwindigkeit vielleicht 1m/s, danach müsste das Zimmer also nach 800 Sekunden oder etwa 13 Minuten abgekühlt sein.

Das ist aber offensichtlich nicht der Fall – real dauert es viel länger. Das liegt daran, dass die Wärmeübertragung auf unsere Luft natürlich nicht so effizient ist, wie oben angenommen. Ist auch eigentlich klar: wenn wir in 4 Sekunden die Luft komplett austauschen, können wir kaum erwarten, dass die Luft in der Mitte des Raumes viel von der Wärme in der Wand mitnimmt.

Realistischer ist es also, anzunehmen, dass nur ein kleiner Teil der Luft bei unserer “Schnell-Lüftung” Wärme aufnimmt – vielleicht nur die paar Zentimeter, die direkt oberhalb einer Wand liegen. Wir haben oben ja schon ausgerechnet, dass eine 7,5-Zentimeter-Schicht an der Oberfläche etwa 5m³ entspricht (als wir die Masse der Wände ausgerechnet haben). Tun wir also so, als würde diese 7,5-Zentimeter-Schicht die Wärme aufnehmen. Es dauert dann nicht 13 Minuten, sondern 8 mal solange (knapp 2 Stunden), um die Wände abzukühlen (weil wir statt 40m³ nur noch 5m³ haben). Und das immer noch unter der Annahme, dass die Luft im Raum alle 4 Sekunden ausgetauscht wird und dass die Wärmeaufnahme direkt an der Wandoberfläche quasi sofort passiert. Realistischerweise müssen wir also eher mit einer noch längeren Zeit rechnen.

Alternativ können wir auch annehmen, dass wir immer so lange warten, bis die ganze Luft im Raum die Wandtemperatur angenommen hat (oder zumindest die 25°C aus der Annahme oben), und sie dann austauschen. Das dürfte mindestens zwei Minuten dauern (wenn man nach dem Lüften das Fenster zu macht, ist es ja noch eine ganze Weile kühl), real vermutlich länger. Entsprechend können wir jetzt die Rechnung von oben nehmen, bei der die ganze Luft die Wärme aufnahm, aber der Prozess dauert jetzt 30 mal solange, weil wir nicht alle 4, sondern alle 120 Sekunden die Luft austauschen. Statt 13 Minuten also 390 Minuten – sechseinhalb Stunden.

Und hier noch eine dritte Möglichkeit, das ganze zu rechnen. Dazu betrachten wir die Wärmeströmung, die von der Wand weggeht. Auf dieser Seite hier finden wir eine Formel für den Wärmeübergangskoeffizienten zwischen einer Gebäudewand und Luft: \alpha = 1,74 \Delta T^{0,33}. Das α kann man verwenden, um den Wärmestrom von der Wand in die Luft zu berechnen – der Wärmestrom ist gegeben durch \dot Q = A \alpha \Delta T. In beiden Formeln ist ΔT die Temperaturdifferenz, A ist die Querschnittsfläche und das Q mit dem Punkt drüber ist der Wärmestrom (gemessen in Watt). Unsere Wand hatte eine Oberfläche von 70 Quadratmeter, es ist mit der Formel oben \alpha \Delta T = 1,74 \Delta T^{1,33}, macht einen Wärmestrom von etwa 2600 Watt. Abführen müssen wir 50 Millionen Joule, also brauchen wir dafür knapp 20000 Sekunden oder etwa 5,3 Stunden. Real ist es auch hier wieder länger, weil der Wärmestrom sich ja wegen der Abhängigkeit von der Temperaturdifferenz immer weiter verringert, aber es ist doch erfreulich, dass dieselbe Größenordnung rauskommt wie bei der Annahme davor (was wiederum zeigt, dass die erste Abschätzung deutlich zu optimistisch war – aber das war ja auch klar; dass sich die Luft im Zimmer nicht innerhalb von wenigen Sekunden komplett erwärmt, ist wenig überraschend.)

Zugegebenermaßen sind das alles sehr grobe Schätzungen – aber sie zeigen doch sehr deutlich, warum einmaliges Lüften in einem überheizten Raum zwar momentan angenehm ist, warum aber nach kurzer Zeit alles wieder genauso heiß ist wie vorher, und warum es ziemlich lange dauert, bis überheizte Räume durch Lüften wieder halbwegs angenehm klimatisiert sind. Deswegen wären schwitzende Häuser ja auch eine praktische Sache. Aber bis dahin heißt es: Fenster auf und abwarten.

PS: Auch hier wieder die Warnung: ich habe alles mal eben schnell abgeschätzt und nicht lange kontrolliert, ob alle Rechnungen stimmen. Ich übernehme also keine Garantie, wenn ihr ein Gebäude auslegt und die Kühlung nachher nicht passt, weil ihr meine Zahlen einfach glaubt. (Wer Fehler findet, darf sie aber trotzdem gern bemängeln, ich korrigiere sie natürlich gern.)

Kommentare (26)

  1. #1 MX
    7. Juli 2015

    Schöne Erklärung. Fehler finden: Einen Schreibfehler hätte ich anzubieten, sechste Zeile von oben, ein Lift ohne Luft.

  2. #2 MartinB
    7. Juli 2015

    @MX
    Bei Tippfehlern bin ich großzügig: Die darf wer sie findet behalten 🙂

  3. #3 Markus
    7. Juli 2015

    Ich hab auch noch einen…

    > Abführen müssen wir 50 Millionen Watt

    Zum Glück sind es nur 50 Millionen Joule und nicht 50 Millionen Watt – das wäre sonst ein sehr ungewöhnliches und wenig lebensfreundliches Zimmer 😉

    PS: vielen Dank für die vielen wunderbaren Abschätzungen!

  4. #4 Ich
    8. Juli 2015

    Schöne Erklärung, aber ich verstehe die Rechnung ganz zu Anfang nicht. Du berechnest mit 4*4*2,5 doch das Volumen, also die Kubikmeter Luft, die in dem Raum sind. Und nicht die Wandfläche. Für die Oberfläche brauchst du die Formel 2*(2ah + a*a). Ergibt 72 qm.
    Ich weiß, du schreibst etwas von “zusätzlichen 32 qm”, damit kommst du auch auf 72. Aber irgendwie ist die Rechnung doch krumm…

  5. #5 Schmidts Katze
    8. Juli 2015

    Immer schön die Einheiten dranschreiben, Ich.
    4 Wände á 4m * 2.5m, und 2* 4m * 2.5m für Boden und Decke.
    Hat mich auch erst verwirrt.
    Grüße
    SK

  6. #6 Schmidts Katze
    8. Juli 2015

    Und die richtigen Zahlen nehmen:
    2* 4m * 4m für Boden und Decke latürnich.

  7. #7 MartinB
    8. Juli 2015

    @Markus
    Ihr seid aber auch pingelig…
    Ich hab’s mal geändert.

  8. #8 Martin Marquardt
    8. Juli 2015

    Zitat aus dem Text : “und als theoretische Physikerin mache ich von meinem Recht Gebrauch, nicht darüber nachzudenken, ”
    Bildunterschrift rechts : “Martin Bäker ist Physiker. ”

    Daraus folgt : alles ist relativ ? 😉

  9. #9 Bokan
    8. Juli 2015

    “Wasser hat eine Wärmekapazität von etwa 4200J/kg K (Joule pro Kilogramm und Kelvin – streng genommen müsste ich ne Klammer um kg K machen, aber so pingelig bin ich nicht.) ”

    Spielt auf scienceblogs.de auch keine Rolle. Ist aber trotzdem Pfusch. Dass Sie Physiker sind hat mich richtig umgehauen.

  10. #10 MartinB
    8. Juli 2015

    @Martin
    Nein, daraus folgt, dass ich zwar aktuelle texte in femininer Form schreibe, aber alte nicht ändere.

  11. #11 Theres
    8. Juli 2015

    @Martin Bäker

    Super … und die Erklärung tröstet über das lange Warten auf die kühle Wohnung hinweg – nur die Heizleistung des denkenden Kopfes … 🙂

    Geniale Serie übrigens und prima erklärt, auch für Formelscheue wie mich), das muss ich mal wieder bemerken, weil ich selten kommentiere, aber ehrlich alle deine Artikel lese.

  12. #12 bruno
    9. Juli 2015

    …aber ja aber nein aber ja aber nur weil…
    …ich bewohne exakt oben beschriebenen raum allerdings nur aus aussenwänden bestehend.
    …und bin immer traurig, wenn lüften keine linderung bringt.
    …jetzt hat der artikel keine lösung gebracht – aber eine idee.
    DANKE!
    …nächstes mal halte ich den schlauch drauf …. das sollte doch entsprechend abkühlen – oder? vielleicht kannst du das noch eben mal durchrechnen…
    (mit deinem “faibel” für … zahlen 🙂 )

  13. #13 MartinB
    9. Juli 2015

    @bruno
    Schlauch drauf kühlt sicher schnell – Zahlen, mit denen du da was ausrechnen kannst, findest du im ersten Teil des Artikels (Verdunstungswärme). Siehe auch den Artikel mit dem schwitzenden Haus.

  14. #14 Alderamin
    9. Juli 2015

    Umgekehrt gilt natürlich auch, wenn es draußen heiß wird, Fenster geschlossen halten, auch wenn von drinnen der Kühlschrank, Fernseher, Toaster etc. dagegen heizt. Die Fenster halten Infrarot und warme Luft draußen, nur Licht kommt rein (also Rolladen runter lassen; innen einen dunklen Vorgang vorziehen, der sich im Sonnenlicht erwärmt, ist hingegen eher kontraproduktiv; dann lieber die Scheibe mit Alufolie abkleben, um das Licht als solches wieder nach draußen zu befördern). Und wenn lüften, dann stoß-., wie im Winter. So kann man die Erwärmung beim Anrollen der Hitzewelle ein wenig verzögern.

    Hab’ auch schon mal überlegt, ein, zwei Eimer Wasser auf unseren Südwest-Balkon zu kippen, der wird auch immer gut warm am Nachmittag. Wenn man abends lüften will, wird die Luft da gleich vorgeheizt.

  15. #15 bruno
    10. Juli 2015

    @Alderamin
    …das ist die frage… fenster mit alu abkleben ist im richtigen leben nicht sinnvoll praktizierbar.
    vorhang vor oder nicht? nimmt der vorhang mehr wärme auf (und gibt sie in den raum ab) als die alternativ angestrahlten möbel/ böden wenn man den vorhang nicht schliesst? hat man durch farb-/ materialwahl des vorhanges vor-/ nachteile?

    lüften nach sunset ist (kanaren) immer mit insekteneintrag verbunden… also alles zu. wie könnte man dennoch von den (nach sunset) sinkenden temperaturen profitieren? zumal wenn tv, herd, licht das ihrige zum gegenteiligen beitragen?
    lg

  16. #16 Theres
    10. Juli 2015

    @bruno
    Lüften nachts und heftig, tags trotzdem Durchzug und Ventilatoren –
    dieses Wohnung verammeln ist so ne typisch deutsche Sache, meine ich.
    Lüften auch bei heißem Wetter, denn der Luftzug kühlt und aufheizen tut sich Wohnung oder Haus sowieso … aber nur via unbesonnte Seite.
    Hast du nur Südfenster, haste enormes Pech.

    Es gibt Thermorollos, die Hitze einigermaßen draußen halten, weiße Vorhänge helfen ebenfalls, und es gibt herausragende Insektenvorhänge, die halten so ziemlich alles an Tierchen draußen.

  17. #17 Alderamin
    10. Juli 2015

    @bruno

    fenster mit alu abkleben ist im richtigen leben nicht sinnvoll praktizierbar.

    Warum nicht, Stanniolfolie und Tesa ist alles was man braucht. Nur für die ein bis drei Tage, die es brüllend heiß ist.

    vorhang vor oder nicht? nimmt der vorhang mehr wärme auf (und gibt sie in den raum ab) als die alternativ angestrahlten möbel/ böden wenn man den vorhang nicht schliesst? hat man durch farb-/ materialwahl des vorhanges vor-/ nachteile?

    Kommt auf den Vorhang an. Wenn er hell ist, reflektiert er mehr Licht, das ihn nicht erwärmt, und zwar zum großen Teil wieder zum Fenster hinaus. Die Möbel reflektieren in alle Richtungen, also auch in die Wohnung hinein, was dann bald als Wärme endet. Der Vorhang wird auch weniger Wärme speichern, als angestrahlte Inneneinrichtung. Also lieber Vorhang als gar nichts. Aber noch besser das Licht gar nicht reinlassen.
    Markisen am Fenster helfen natürlich auch, die direkte Sonne draußen zu halten.

    Gilt natürlich nur, so lange die Sonne auf das Fenster scheint.

    lüften nach sunset ist (kanaren) immer mit insekteneintrag verbunden

    Wie Theres sagt: Insektenschutznetze anbringen (geht ja einfach und reversibel mit Klettband) und nachts ordentlich Durchzug machen (man muss also nicht jedes Fenster mit Netzen versehen, sollte aber die Hauptwindrichtung durch die Wohnung lassen, meist West-Ost bei uns, oder Süd-Nord während der Hitzewelle). Morgens dann rechtzeitig Rolladen runterlassen oder Vorhänge vorziehen, wenn die Sonne rein scheint, und Fenster schließen, wenn es draußen wärmer als drinnen wird.

  18. #18 Theres
    10. Juli 2015

    🙂 Nicht nur die Theres sagt … Lüften via Nordseite oder Nichtsonnenseite ist besser als Fenster verammeln ..
    http://www.twitlonger.com/show/n_1s22ov0
    Kachelmann wetterts auch 😉

  19. #19 rolak
    10. Juli 2015

    Lüften .. ist besser

    Kann ich empirisch-anekdotisch bestätigen – drei gleichgeschnittene Wohnungen übereinander in einem NordSüd-Block, im Westen alle fast gleich abgeschattet durch die Bebauung der anderen Straßenseite, nach Osten alle gleich offen durch bebauten doch so gut wie unbebaumten Innenhof, über mir und unter mir hamse zum Steinerweichen gejammert ob der gräßlichen Temperaturen, beim Vergleich der Daten wars hier mit Abstand am kühlsten, 4-8° machen schon was aus 😉

    der Luftzug kühlt

    insbesondere wenns etwas zu verdunsten gibt, zB wg Pflanzen

  20. #20 Alderamin
    10. Juli 2015

    @Theres

    Lüften nachts (wenn’s draußen käter als drinnen ist) bringt was, ist tagsüber aber kontraproduktiv. Hab’ ich neulich wieder gemerkt, als wir vergessen hatten, tagsüber die Fenster im Treppenhaus zu verschließen – Treppenhaus heiß. Oder auf der Firma: solange wir nur stoßlüfteten, hatten wir das kühlste Büro von allen

    Es fühlt sich zwar kühl an, wenn der Luftzug dafür sorgt, die Luft um den Körper herum ständig zu erneuern, so dass die Körperwärme und verdunsteter Schweiß abgeführt wird, aber die Bude wird dadurch eben auch erwärmt. Wenn man das Fenster dann zu macht und der Luftzug fehlt, ist es dann umso schlimmer.

    Für die Luftbewegung kann man ersatzweise einen Lüfter bemühen, der macht nicht so viel Wärme, aber genau so viel Zug.

    Kachelmanns These, dass man sich bei Zug und Kälte nicht erkältet, kann ich auch nicht bestätigen. Zwar verursachen Viren und Bakterien die Erkältungen, und ohne die tut einem die Kälte nichts. Aber die Viren schwirren nunmal überall herum und pappen an den Fingern, und ich kann mich an mehrere Fälle erinnern, wo zu dünne Kleidung bei mir dazu geführt hat, dass die Körperabwehr kurzfristig geschwächt wurde und die Viren dann über mich her fielen (ich bin da relativ empfindlich; was twitterte Florian neulich, er sei anderthalb Jahre nicht mehr krank gewesen? Ich hab’ jedes Jahr drei bis sieben Erkältungen durchzumachen! In manchen Wintern bin ich länger krank als gesund; chronische Bronchitis, von der Bundeswehr zurück behalten).

    Zugluft im Ohr kann zu Mittelohrentzündung führen und Zugluft am Auge zu Bindehautentzündung. Alles schon mitgemacht.

  21. #21 Theres
    10. Juli 2015

    @Alderamin
    Gegenbeispiel: Ich hatte diese ganzen heißen Tage auch Tags Durchzug – Nordseite zu Nordseite und meine Wohnung blieb 10 Grad kühler als draußen … okay, bis ich dann mal die Balkontüren vergessen habe zu schließen … danach waren es nur noch so vier Grad weniger, aber die waren auch cool 😉

    Zugluft erkältet einem nicht, wenn man kerngesund ist.
    Biste aber chronisch erkältet, kann das schon reinhaun, oder bist du vorbelastet … also geschwächt oder angeschlagen …
    Klimaanlagen sind bei mir der Killer, Zug geht oft trotz chronischer Erkältung, mit sehr leichtem Schal am besten.
    Das ist halt individuell …

  22. #22 Theres
    10. Juli 2015

    Nachtrag:
    Die gefühlte Kühlung hängt natürlich auch von der Luftfeuchtigkeit ab. Und was ein Glück, dass die Wohnung noch warm ist heute … es ist lausig kalt in D Nordost!

  23. #23 Alderamin
    10. Juli 2015

    @Theres

    Gegenbeispiel: Ich hatte diese ganzen heißen Tage auch Tags Durchzug – Nordseite zu Nordseite und meine Wohnung blieb 10 Grad kühler als draußen …

    Na ja, die Wohnung braucht ja auch mit Durchzug eine Weile, um sich aufzuheizen, ein Tag reicht da kaum, siehe Artikel. Bei tagsüber geschlossenen Fenstern hätte es aber vielleicht 3 Tage gedauert. Und klar, wenn die Luft auf dem Balkon vorgeheizt wird, geht es noch schneller.

    1. Hauptsatz der Thermodynamik: Wärme fließt immer von warm zu kalt. Wenn’s draußen wärmer ist als drinnen, fließt sie von draußen nach drinnen. Je leichter man ihr das macht, umso schneller. Und unsere Häuser sind an sich als Wärmeisolatoren ausgelegt, für den Winter. Kann man auch im Sommer ausnutzen.

    Klimaanlagen sind bei mir der Killer,

    Mein Frau hat sich mal ganz böse erkältet in einem Reisebus in Neapel. War ziemlich heiß draußen, entsprechend leicht bekleidet. Im Bus blies uns dann die kalte Luft an. Die Woche danach war dann nicht mehr spaßig. Da kann der Kachelmann erzählen, was er will…

    Und was ein Glück, dass die Wohnung noch warm ist heute … es ist lausig kalt in D Nordost!

    Na wart’ mal ab, hier ist es schon wieder recht warm.

  24. #24 Theres
    10. Juli 2015

    @Alderamin
    Ich habs am dritten Tag verbaselt … aber egal.

    Generelle Frage: Würde es nicht helfen, feuchte Betttücher oder so etwas vor die Fenster zu hängen?
    Ein Windturm, auf unserer (gut isolierten) Platte, ja, das wäre noch besser 🙂

  25. #25 BreitSide
    1. August 2015

    Feuchte Tücher: Verdampfungskühlung reduziert zwar die Temperatur, erhöht aber die Luftfeuchtigkeit. Die Tücher werden kühler (bis zur Kühlgrenztemperatur) und damit die sie umfließende Luft, deren Energiegehalt wird aber nicht geringer, da die latente Energie steigt.

    Das hilft, solange man nicht schwitzt. Schwitzen wird dann durch die erhöhte Luftfeuchte wieder verhindert.

    Sinnvoll wäre es eher, die feuchten Tücher um Dich selbst zu wickeln. Das wäre dann exogenes Schwitzen…:-)

    Ein Windturm hat auch “nur” den Effekt, die nachts gespeicherte “Kühle” an die von außen zugeführte heiße Luft abzugeben, sodass die Bewohner sowohl von der kühleren Luft profitieren als auch vom Luftzug. Nachts muss das System halt immer wieder “mit Kühle aufgeladen” werden.

    Termiten machen das genauso: Ihr riesiger Turm kühlt in der Nacht aus, tags fällt die im Turm abgekühlte Luft innen runter und belüftet sogar die unter Erdgleiche liegenden Kammern.

    Ich habe auch einen Kollegen, der sommers die “frische” Außenluft von 35 Grad in die Räume reinziehen lässt, weil das so schön kühlt…

    Kachelmann hat – trotz aller Anekdoten – Recht. Man machte mal einen Versuch mit Menschen, die tagelang erbärmlich frieren mussten, aber keine höhere Ansteckungsgefahr hatten als die behagliche Vergleichsgruppe. Wirkliche Schwierigkeiten ob reduzierter Immunantwort haben zB Marathonläufer, das ist eine etwas andere Größenordnung.

  26. #26 Patrwink
    Dresden
    3. Mai 2017

    Hallo Martin,

    vielen Dank, sehr fundiert geschriebener Artikel mit hohem Wissensgehalt. Mach bitte weiter so.

    Ich habe das gerade in den Kommentaren gelesen, dass man die Hitze ja mit Markisen von vornherein draußen halten kann. Meine Frage ist, ab wann macht es denn Sinn, Markisen anzubringen? Nur bei direkter Sonneneinstrahlung?

    Gruß, Patrick
    Plumpen Werbelink entfernt. MartinB