Das Thema “Triggerwarnungen” taucht in letzter Zeit immer wieder mal auf, beispielsweise hier in der ZEIT. Aktueller Anlass für diesen Text hier war dann dieser Kommentar auf den Scienceblogs. Ich nehme das mal zum Anlass, ein paar persönliche Gedanken zum Thema in den Computer zu bringen.

Triggerwarnung: Text enthält Bezüge zu Krebserkrankungen und Chemotherapie

Erst einmal: was ist eine Triggerwarnung? Eine Triggerwarnung soll Menschen, die durch ein Ereignis in der Vergangenheit traumatisiert sind, davor warnen, dass ein Text oder Film sie mit ihrem Trauma konfrontieren könnte. Wer beispielsweise Opfer von Gewalt geworden ist, soll nicht unvorbereitet mit Texten, in denen Gewalt drastisch beschrieben wird, konfrontiert werden. Eine Triggerwarnung bedeutet allerdings nicht – auch wenn Josef Joffe im oben verlinkten ZEIT-Artikel etwas anderes suggeriert – dass der entsprechende Text dann an einer Universität nicht mehr gelesen oder diskutiert wird. Die Warnung ist eine Warnung, die es Menschen, die durch vergangene Ereignisse traumatisiert sind, ermöglichen soll, selbst zu entscheiden ob sie sich jetzt in der Lage fühlen, sich mit dem jeweiligen Thema auseinanderzusetzen oder ob sie dies z.B. auf einen Moment verschieben wollen, wo sie sich stärker fühlen. Ein Beispiel für eine Triggerwarnung seht ihr über diesem Absatz: In diesem Blogartikel werde ich gleich kurz etwas zu Chemotherapien schreiben – wenn ihr eine solche hinter euch habt, mag euch das sehr unangenehme Erinnerungen bescheren.

Vielleicht denkt ihr einmal kurz darüber nach, was für euch bisher besonders belastende Erfahrungen in eurem Leben waren. Bei mir war es besagte Chemotherapie, die sich über 4 Monate hinzog. Während einer Chemo fühlt ihr euch beschissen (sonst verwende ich ja im Blog selten Kraftausdrücke, aber hier gibt es kein treffenderes Wort). Um es mal analog zu Douglas Adams zu sagen: “Du glaubst vielleicht , du hast dich beschissen gefühlt, als du mal ne Woche lang jede nacht nur 4 Stunden geschlafen hast und total im Stress warst, aber das ist ein Klacks, verglichen mit einer Chemo.” Permanente Müdigkeit, extreme Sensitivität (am Ende mochte ich nicht mal mehr Wasserflachen aufdrehen, weil die Reibung des Deckels an der Hand weh tat), wenn mal zumindest ein teil einer Mahlzeit nicht ausgekotzt wird, dann ist das ein Triumph (aber übel ist euch trotzdem die ganze Zeit) – ach ja, die Angst, dass die Chemo vielleicht doch nicht anschlägt und ihr aus dieser Hölle nicht mehr lebend rauskommt, kommt dann noch obendrauf. Trotzdem schleppt ihr euch in jedem Behandlungszyklus wieder ins Krankenhaus und lasst euch dort mit fiesen Giften vollspritzen in der Hoffnung, dass die Gifte die Krebszellen schneller umbringen als den Rest von euch. (Die Tatsache, dass ich das hier schreiben kann, zeigt euch, dass das auch geklappt hat.) Nachtrag: In den Kommentaren weist omnibus56 darauf hin, dass Chemos nicht immer so heftig ablaufen und dass möglicherweise jemand diesen text liest und sich davon abhalten lässt, sich behandeln zu lassen. Bitte tut das nicht. Ja, eine Chemo kann schlimm sein – aber wenn eure Ärztinnen euch sagen, dass das eure beste (oder wie bei mir einzige) Chance ist, dann ignoriert das nicht leichtfertig. Chemo ist doof, aber Sterben ist noch deutlich doofer.

Euer Körper und euer Gehirn sind aber ja auch nicht völlig doof. Die merken sehr schnell die Zusammenhänge: Sobald ihr im Krankenhaus seid, geht es euch nach kurzer Zeit schlecht, sobald man euch an die Infusion anschließt (so etwa 4 Liter werden da pro Tag in euch reingepumpt), geht’s euch richtig mies. Und wie beim Hund vom Herrn Pavlov wird da schnell im Gehirn eine verbindung gezogen: im Krankenhaus riecht es immer nach diesem bestimmten Reinigungsmittel. Folglich wird einem irgendwann schon schlecht, wenn man nur dieses Mittel riecht, selbst wenn das Jahre später in einem ganz anderen Gebäude ist. Wenn ihr abends entspannt vor dem Fernseher sitzt und einen Film guckt, in dem es eigentlich um etwas ganz anderes geht, und in dem dann plötzlich jemand mit Krebs im Krankenhaus landet und an einem Tropf hängt, dann wird euch schlecht, der puls geht hoch, und vielleicht ist das auch ein guter Zeitpunkt, mal gerade in die Küche zu gehen (sowas ist dann wohl ein “panic room”). Da wäre es schon schön gewesen, vorher zu wissen, dass in diesem Film so etwas passiert, dann hättet ihr ihn zu einer anderen Zeit oder gar nicht gucken können.

Solche Assoziationen, die dann entsprechende Reaktionen auslösen, sind eure Trigger. Einige sind offensichtlich (Infusionen, Spritzen, besagter Krankenhausgeruch), einige weniger (ich hatte neulich eine Art Flashback in einem Krankenzimmer der gleichen Klinik, als ich das Fenster sah), einige ziemlich unvorhersagbar (bei mir zum Beispiel lange Zeit Thunfischpizza – die brauchte ich nur zu sehen und mir wurde elend).

Und obwohl so eine Chemo wahrlich nicht lustig ist, hat sie gegenüber anderen traumatisierenden Erlebnissen einen großen Vorteil: Die Menschen um euch herum sind euch alle wohlgesonnen, Ärztinnen, Krankenschwestern, Familienmitglieder, Freundinnen, alle sind um euch besorgt und hoffen, dass es euch besser geht, alle wollen euch helfen. Wie viel traumatisierender es sein muss, wenn das, was jemand erlebt (z.B. Gewalt) von einem Mitmenschen ausgeht, kann ich mir vermutlich nicht mal ansatzweise vorstellen.

So oder so – wenn also jemand sagt “es gibt Themen, da brauche ich eine Triggerwarnung”, dann kann ich das gut nachvollziehen. Ganz vermeiden kann man Trigger ohnehin nicht (Thunfischpizza?), aber warum sollte man sich nicht die kleine Mühe machen, auf die Möglichkeit eines solchen Triggers hinzuweisen, da, wo er ziemlich offensichtlich ist? Wer selbst nie erlebt hat, was es bedeutet, in so einer Weise “getriggert” zu werden, kann sich ja glücklich schätzen – aber warum soll man es Menschen, die ein Trauma überstanden haben (und gegen das, was andere erlebt haben, war meine Chemo dann ja noch harmlos), nicht ein klein wenig leichter machen und ihnen die Möglichkeit geben, selbst zu entscheiden, wann und wie sie sich mit Inhalten auseinandersetzen wollen, die sie triggern könnten?

In meinem Leben an der Uni gibt es nicht viel, womit ich Menschen triggern könnte (wissen kann man es natürlich nie – siehe die Thunfischpizza), dazu sind meine Werkstoffthemen ein bisschen zu physikalisch. Aber wenn ich in meiner Vorlesung “Biologische Materialien” Bilder von Spinnen zeige, die gerade Vögel fressen, dann warne ich vorher, nur für den Fall, dass jemand eine Spinnenphobie hat. Und auch vor dem Bild einer Kniearthrose warne ich lieber. (Ebenso, wenn ich bunte schnell wechselnde Bilder von Simulationen mit zellulären Automaten zeige – die können nämlich sogar direkt epileptische Anfälle triggern, wie ich mal irgendwo gelesen habe.) Aber vergeben tue ich mir durch diese Warnungen nichts. (Ich gebe zu, dass ich bei den ersten Vorlesungen an so etwas noch nicht gedacht hatte, aber irgendwann ist der Groschen gefallen.)

Bevor ihr euch also über Triggerwarnungen lustig macht – denkt einfach daran, wie ihr euch fühlt, wenn ihr unverhofft an das traumatischste Ereignis eures Lebens erinnert werdet. Und wenn euch das nicht so schlimm vorkommt, dann habt ihr vielleicht bisher schlicht Glück gehabt. Ein bisschen Rücksicht für den Fall, dass andere weniger glücklich waren, schadet aber sicher nicht. Und auch dieser Text hat durch die Triggerwarnung vorn ja nicht besonders viel verloren, oder?

 

Kommentare (166)

  1. #1 Ingo
    9. April 2016

    Das gesagte ist zwar prinzipiell richtig,- aber* Sorge habe ich vor etwas ganz anderen:
    Wenn Triggerwarnungen normal werden, was passiert wenn man mal eine vergisst?
    Werde ich dann ploetzlich in Regress genommen? Muss ich damit rechnen verklagt zu werden?
    Wird es Abmahnanwaelte geben die Vortraege im Internet automatisch durchsuchen ob irgendwo Triggerwarnungen vergessen wurden?

    Ich bin mir sicher, dass wollen sie dann auch nicht.
    Trotzdem zeigt die Erfahrung, dass solcherlei Sorgen nicht ungebruendet sind.

    Wie viele Leute vor einer solcher Verklagerrei Angst haben, erkennt man wenn man sich Mailfooter einmal durchliesst.
    Ich persoenlich bezeichne Mailfooter mittlerweile als eine morderne Form des magischen Aberglaubens:

    (“Wenn Sie in dieser Mail einen Link finden, dann distanziere ich mich und habe das nie gesagt / Wenn die Mail nicht fuer Sie ist, dann muessen Sie die Mail loeschen und eine Gedaechnisloeschung durchfuehren. / Falls ich copyrights verletzt habe, dann duerfen sie das Material nicht verwenden….
    Neu: Wenn ich eine Triggerwarnung vergessen haben sollte, dann koennen Sie diesen unter http://www.magische-triggerwarnungsliste-fuer-mailfooter.xx nachlesen. )

    Ich kann mir leider nicht vorstellen, wie schwierig es ist mit solchen Trigern leben zu muessen, solcherlei Erfahrung habe ich einfach noch nicht gemacht.
    Aber auch Sie haben diese Trigger ueberwunden,- schliesslich koennen Sie ein Krankenhaus immer noch betreten (auch wenn unschoene Erinnerungen damit verbunden sind, ist auch gleichzeitig eine Dankbarkeit mit dem Ort verbunden, schliesslich wurde Ihnen dort nachweisslich geholfen. (So verstehe ich Ihren Text))

    * Mein Kommentar beginnt mit dem ueblen ersen Satz “ja,- aber” – ich hoffe ich loese damit keine Boesen Erinnerungen bei der Leserschaft aus 🙂

  2. #2 michael
    9. April 2016

    @ Ingo:
    Ja, aber folgt aus diesen Beispielen dass das Urheberrecht abgeschafft werden muss, oder dass Verleumdung straffrei sein muss?

    Desweiteren scheint es mir jedenfalls einen gewaltigen Unterschied zu geben zwischen dem Brauch in gewissen Kontexten Triggerwarnungen zu verwenden und einer gesetzlichen Pflicht dazu (insbesondere wenn letztere durch das Strafrecht durchgesetzt wird, wie es bei Ehrverletzung und Urheberrecht ja der Fall ist). Es gibt auch den Brauch, E-Mails mit einer einigermaßen freundlichen Anrede zu beginnen. Und wird man nicht verklagt wenn man das unterlässt, und in keinem Footer (jedenfalls in keinem der mir je begegnet ist) wird sich für eine eventuell falsche oder fehlende Anrede entschuldigt.

  3. #3 rolak
    9. April 2016

    Anlass .. war .. dieser Kommentar

    Weil dort das Stichwort ´Triggerwarnung´ auftauchte oder weil er sich über die sinnleere, entwertend inflatorische Verwendung dieser prinzipiell durchaus sinnvollen Hilfestellung mokiert, MartinB?

  4. #4 MartinB
    9. April 2016

    @Ingo
    Mir geht es hier – und ich dachte, dass das auch ziemlich deutlich gesagt wäre – um zweierlei:
    1. Triggerwarnungen sind nicht so albern, wie man auf den ersten Blick denken mag. (Und ja, ich kann ein Krankenhaus betreten, aber nicht vollkommen stressfrei. Und andere mögen deutlich schlimmer traumatisiert sein als ich.)
    2. Deswegen halte ich Triggerwarnungen für ein Gebot der Rücksichtnahme und Höflichkeit. Ich schlage Leuten nicht die Tür vor der nase zu, ich nehme Rücksicht auf Leute da, wo ich es für notwendig erachte, und dazu gehört eben auch, im zweifel lieber ne überflüssige Triggerwarnung auszusprechen.

    Im übrigen sind solche “slippery-slope”-Argumente der Art “Wohin soll das noch führen” selten hilfreich und können gegen alles eingesetzt werden. “Was? Gesetze gegen Diebstahl? Und demnächst darf man dann nicht mal mehr Blumen pflücken?”

    @rolak
    “weil er sich über die sinnleere, entwertend inflatorische Verwendung dieser prinzipiell durchaus sinnvollen Hilfestellung mokier”
    Unter der Annahme, dass es eine “Triggerwarnung für Glutenunverträglichkeit” tatsächlich irgendwo jemals gegeben hätte. (eine kurze Internetsuche hat jedenfalls keine zutage gefördert.) Und der zweite Satzteil ” panic rooms überall installiert sehen möchten, falls man mal wieder irgendwo beleidigt wurde in seinen religiösen/politischen/trophologischen/.. Ansichten…” macht schon deutlich, dass die Kommentatorin von Triggerwarnungen, Panic rooms und Ähnlichem eher wenig hält. Und da halte ich es halt für angezeigt, mal einen Moment nachzudenken und ein bisschen Empathie zu üben.

  5. #5 Till
    9. April 2016

    Interessanterweise hat Dein Hinweis auf das Fenster im Krankenhaus bei mir eine Erinnerung ausgelöst (ich würde es nicht Trigger nennen, da die Erinnerung inzwischen so verblasst ist, dass das für mich nicht mehr mit Stress verbunden ist): An eine Hälfte (die mit dem Fenster) des Krankenhauszimmers in dem ich als Kind gelegen habe als ich einen Schädelbruch hatte. Dadurch wurde mir selbst di Kernaussage Deines Artikels gut vor Augen geführt.

    Was ich mich allerdings frage: Wie sorgt man dafür, dass die Triggerwarnung selbst nicht den Trigger auslöst? Außerdem ist so ein Trigger doch etwas sehr persönliches, das funktioniert bei jedem anders

  6. #6 rolak
    9. April 2016

    macht schon deutlich

    Ach ich weiß nicht, MartinB, da beides einschränkend konnotiert ist, sagt es mir nur etwas zur Einstellung zu der Verwendung im gegebenen (bzw analog zum exemplarischen) Kontext.

    eine kurze Internetsuche

    ..ohne Seitenwechsel spuckte das da aus, imho nahe genug dran.

  7. #7 sven
    9. April 2016

    @rolak
    Kann sein dass ich da was falsch verstanden habe, aber der Kommentar auf den sich MartinB bezieht spricht explizit davon,

    vor jeden Text über Weizen eine “Triggerwarnung”

    zu setzen. In dem Text den Du verlinkt hast und dem Video um das es dort geht, geht es aber überhaupt nicht um Weizen. Und Triggerwarnungen werden soweit ich das sehe auch mit keinem Wort erwähnt oder auch nur angedeutet.

  8. #8 rolak
    9. April 2016

    falsch verstanden

    Lesen geht über Buchstabenvergleiche hinaus, sven.

  9. #9 griesl
    10. April 2016

    @MartinB
    “…aber warum sollte man sich nicht die kleine Mühe machen, auf die Möglichkeit eines solchen Triggers hinzuweisen, da, wo er ziemlich offensichtlich ist? ”

    Wenn der Trigger offensichtlich ist, würde ich meinen, dass man nicht darauf hinweisen muss, sondern eher in Fällen, wie in deinem Kurs, wo der Zusammenhang nicht offensichtlich ist damit konfrontiert zu werden und auch nur dann.
    Sobald man von Triggern liest kann man davon ausgehen, dass etwas Trauriges gemeint ist. Warum ?

  10. #10 sven
    10. April 2016

    Ein Text, der nichts mit Weizen und nichts mit Triggerwarnungen zu tun hat, ist also ein Beispiel dafür, dass Leute fordern, vor jeden Text über Weizen eine Triggerwarnung zu stellen. Und zwar ein so eindeutiges Beispiel, dass es keine weitere Erläuterung bedarf. Man muss wohl wirklich ein extrem erfahrener Leser sein, um das zu verstehen.

  11. #11 sowhat
    10. April 2016

    Ein Lob auf die Angstgesellschaft. Jedem sein eigener Trigger. Ich für meinen Teil höre im Fall des Falles einfach auf zu Lesen, Höhren oder Sehen. Es soll ja auch hilfreich sein sich seinen Ängsten und Erinnerungen zu stellen. Seis in Eigenregie oder mittels professioneller Hilfe
    Sorry Hr. Bäcker, aber haben sie ihren lobenswerten Grundgedanken auch bis zu Ende gedacht, in all seinen Konsequenzen? Ich denke NEIN.

    PS: Es passiert mir immer wieder, daß ich bei bestimmten Sendungen in Tränen ausbräche. Ich weiß aber, daß auch niemand dafür eine Triggerwarnung aussprächen könnte. Es ist mein persönliches Problem. Und ich bin mir sicher, eines Tages darüber hinwegzukommen.
    Mein Trigger hat seine Ursache in einem tragischen Verlust in der Familie. Und verflucht viel erinnert mich daran.

  12. #12 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2014/02/22/arachnophobia/
    10. April 2016

    a) Kann man nicht wissen, was für Betroffene der Trigger ist
    b) Kann die Triggerwarnung selbst wohl ebenso triggern, wie das, vor dem sie warnen will

    M.E. sind die Traumatisierten selbst dafür verantwortlich sich einerseits vor Retraumatisierungen zu schützen, andererseits aber auch sich zu desensibilisieren.
    Der richtige Umgang mit Leuten mit Spinnenphobie ist es nicht, ihnen alle Spinnen aus dem Weg zu räumen, sondern sie mit kleinen, netten Spinnen vertraut zu machen, mit Bildern von Spinnen zu konfrontieren und Texten, mit Spielzeugspinnen die erst sehr verfremdet sind und später immer lebensechter werden.

    Triggerwarnungen ohne konkreten Verdacht finde ich albern.

  13. #13 Gast
    10. April 2016

    Danke, es ist wirklich wichtig für einen netten Umgang miteinander wohlwollende Triggerwarnungen auszusprechen. Jedoch läßt sich auch mit Triggerwarnung nicht immer der Trigger ausschalten, wie im Straßenverkehr. (Triggertext: “Da draußen fahren viele Volli…ten, also sei vorsichtig unterwegs)

    Auch bei Texten zunehmend zu lesen. “Dieser Text ist gegendert”. oder auch “Dieser Text ist nicht gegendert, um die Lesbarkeit nicht zu beeinträchtigen”. Wie user unknown schreibt, kann schon die Triggerwarnung den Trigger betätigen.

    Wie weiß man nun, welche wohlwollende Triggerwarnungen man nun hinschreiben oder aussprechen sollte, wenn man ja gar nicht weiß, was dem anderen alles getriggert werden könnte.

    Aus den Medienberichten zufolge sollen Autos, Alkohl, Fußbälle und seit neustem Silvesterveransteltungen vor allem Männer zu nicht zivilverträglichem Verhalten triggern.

    Welche Triggerwarnungen wären da angebracht? Ich bin überfordert!

  14. #14 AfD Wähler
    10. April 2016

    Triggerwarnungen in Foren für Menschen mit physischen Problemen sehe ich gerne ein, aber nicht Triggerwarnungen für alle Texte (allgemeine Zeitungsartikel etc.).

  15. #15 Beobachter
    10. April 2016

    @ MartinB:

    Ich denke, es geht Ihnen eher um den sozusagen inflationären Gebrauch des Begriffs “Triggerwarnung” und dessen Anwendung in Kontexten, wo es gar nicht nötig sein müsste/sollte bei gleichzeitiger Verunglimpfung des Begriffs in ernstzunehmenden, begründeten, nachvollziehbaren Fällen.

    Wenn “Triggerwarnung” im Kontext ironischerweise gebraucht wird (wie im verlinkten Kommentar) in Bezug auf Texte, in denen verbal einfach “die Sau rausgelassen” wird, man sich nicht bemüht, auch seine persönliche (“unwissenschaftliche”) Meinung vernünftig, nicht beleidigend und unzulässig pauschalisierend zu formulieren – und das halt eben nichts für “leicht zu beleidigende Sensibelchen” sei –
    ist das etwas völlig anderes als eine Triggerwarnung auszusprechen z. B. vor “Gesundheitsmagazin”-TV-Berichten über neueste OP-Methoden mit blutigen Bildern direkt aus dem OP-Saal (für Menschen, die kein Blut sehen können, selbst virtuell nicht oder aus persönlichen Gründen/Erfahrungen eine Krankenhaus-Phobie haben, traumatisiert sind).
    Oder auch wie in Ihrem Spinnen-Beispiel.

    Letztere Fälle sind vergleichbar mit einer Allergie – es treten (unangenehme bis lebensbedrohliche) Reaktionen auf, die man selbst nicht in der Hand hat und nicht steuern kann, und man sollte den Auslöser (Trigger) vermeiden, wenn man ihn kennt.
    Die Kennzeichnung der Inhaltsstoffe in Lebensmitteln ist ja auch nichts anderes als eine “Triggerwarnung” für Allergiker.

    Im ersten Fall wird nur die Unlust, Unfähigkeit oder Gleichgültigkeit des Autors in Texten bemäntelt, sich verständlich, vernünftig und nicht verletzend/beleidigend auszudrücken – wer das als Leser nicht “ab kann”, “ab will” oder kritisiert, ist selber schuld oder hat gar “psychische Probleme”.
    Diese “Argumentation” wäre ein Freibrief nicht nur für “schlechten Stil” jedweder Art, sondern auch selbst für Schmierfinken und Hetzer.

    Danke für Ihren persönlichen Erfahrungsbericht und dafür, dass Sie das Thema aufgegriffen haben.
    Viele Leute denken einfach zu wenig nach und können/wollen sich nichts vorstellen, was (bisher) außerhalb ihres eigenen Erfahrungsbereiches liegt.

  16. #16 MartinB
    10. April 2016

    @Alle, die hier schreiben “Aber Triggerwarnungen können doch gar nicht helfen, woher soll man wissen, was ein Trigger ist etc.”:
    Die Tatsache, dass Menschen Triggerwarnungen wollen, sollte schon dafür sprechen, dass diese Menschen auch glauben, dass ihnen diese Warnungen etwas nützen. Ihr könnt natürlich die Erfahrungen dieser Menschen (einschließlich meiner) leugnen, aber das ist schon ziemlich arrogant und auch wenig empathisch. Ja, mir hätte es seinerzeit etwas genützt, wenn ich bei einer meiner Lieblingsserien im Voraus gewusst hätte, dass mehrere Folgen lang Krankenhausgeschichten zum Thema Krebs eine Rolle spielen würden. (Ich hätte die Folgen dann vermutlich trotzdem geguckt, aber der anfängliche Schreck wäre harmloser ausgefallen.) Es ist ja oft gerade das Unerwartete eines Triggers, das die Wirkung so heftig macht.

    @Till
    “Wie sorgt man dafür, dass die Triggerwarnung selbst nicht den Trigger auslöst?”
    Meist ist es ja nicht bloß das Wort selbst, das als Trigger wirkt. kann natürlich sein, aber s.o. – Menschen bitten um Triggerwarnungen, die wissen dann schon, warum.

    @rolak
    “da beides einschränkend konnotiert ist, sagt es mir nur etwas zur Einstellung zu der Verwendung im gegebenen (bzw analog zum exemplarischen) Kontext.”
    Also ich interpretiere den Kommentar deutlich negativer, aber wer weiß. So oder so hat er diesen Artikel mit ausgelöst.

    @griesl
    “Wenn der Trigger offensichtlich ist, würde ich meinen, dass man nicht darauf hinweisen muss”
    Aber warum soll es für jemanden, der z.B. ein Buch in einem Uni-Kurs liest, das er oder sie nicht kennt, offensichtlich sein, dass da z.B. eine Gewalttat in plastischen Details geschildert wird?

    “Sobald man von Triggern liest kann man davon ausgehen, dass etwas Trauriges gemeint ist”
    Das hab ich nicht verstanden.

    @sowhat
    Ich habe den Kommentar nicht ansatzweise verstanden. Du wirst also selbst oft unverhofft getriggert, aber das ist für dich eigentlich kein Problem und deswegen soll es auch für niemand anderes ein Problem sein? Und was wäre die zu Ende gedachte Konsequenz?

    @user uknown
    Wie üblich lese ich deinen Kommentar nicht.

    @Gast
    “Wie weiß man nun…”
    Siehe oben. Und es gibt ja sehr konkrete Vorstellungen, welche Texte z.B. besser eine Triggerwarnung haben sollten – am wichtigsten wohl solche, in denen es um Vergewaltigung, Missbrauch, extreme Gewalt, Rassismus geht.

    “Männer zu nicht zivilverträglichem Verhalten triggern.”
    Ja, es macht viel Sinn, das Wort triggern in einer ganz anderen Bedeutung zu verwenden und dann etwas über meinen Text hier ableiten zu wollen.

    @Afd-Wähler
    Warum nicht? Wobei ein Artikel über den IS sicher keine Triggerwarnung für Gewalt mehr braucht. Bei einem Zeitungsartikel lässt sich ja meist aus dem Titel schließen, welche Themen getriggert werden könnten. Hier geht es ja auch weniger um Zeitungen und mehr um Dinge wie Kurse an Universitäten oder andere Texte.

    @Beobachter
    “Ich denke, es geht Ihnen eher um den sozusagen inflationären Gebrauch des Begriffs “Triggerwarnung””
    Nein, eigentlich nicht. Es geht mir darum , dass Menschen, die keine Ahnung haben, was es bedeutet, durch ein Buch o.ä. getriggert werden, durch meine persönliche Schilderung eine Idee bekommen können, wie sich das anfühlt. Deswegen heißt der Artikel auch nicht “Eine Analyse der Sinnhaftigkeit unterschiedlicher Triggerwarnungen.”

    Wer “Triggerwarnung” ironisch gebraucht, der wertet den Begriff dadurch natürlich ab, was auch ein Problem ist.

    Darum geht es mir hier aber nicht primär, sondern um Artikel wie den in der Zeit, in dem aus “Traumatisierte Menschen brauchen eventuell etwas Rücksichtnahme, wenn sie sich mit bestimmten Inhalten auseinander setze sollen” letztlich ein “die heutigen Studis in den USA wollen keine Inhalte mehr lesen müssen, die irgendwie belastend sein könnten” wird.

    “Viele Leute denken einfach zu wenig nach und können/wollen sich nichts vorstellen, was (bisher) außerhalb ihres eigenen Erfahrungsbereiches liegt.”
    GEnau darom sollte es gehen.

  17. #17 Beobachter
    10. April 2016

    @ MartinB, # 16:

    ” … Artikel wie den in der Zeit, in dem aus “Traumatisierte Menschen brauchen eventuell etwas Rücksichtnahme, wenn sie sich mit bestimmten Inhalten auseinander setze sollen” letztlich ein “die heutigen Studis in den USA wollen keine Inhalte mehr lesen müssen, die irgendwie belastend sein könnten” wird. … ”

    Wenn das daraus wird, würde es nicht dem ursprünglich Sinn der Sache (berechtigte Triggerwarnung, Rücksichtnahme) entsprechen.
    Wer es ablehnt, sich mit Inhalten zu beschäftigen, die “irgendwie belastend sein könnten” (oder die ihn nicht direkt selbst betreffen), obwohl er es gut verkraften könnte und in keiner Weise traumatisiert ist –
    ist einfach nur bequem, gleichgültig, zeigt keine Empathie und Solidarität.

    Ein sich Fernhalten-Wollen von problematischen Fragen/Inhalten, von eventuellen Belastungen bedeutet ein bewusstes Weichspülen der Realität – und letztlich auch das Ende notwendiger fruchtbarer Diskurse.

  18. #18 Radicchio
    10. April 2016

    Triggerwarnung Thunfischpizza.

    Mehr muss man dazu nicht sagen.
    Mancher mag sich vielleicht von Schokoeis getriggert fühlen oder von blaugeringelten Socken. Das ist dann genau dessen Problem. Traumata, falls es sich dann überhaupt solche handelt, kann man überwinden. Kein Grund, der ganzen Welt Verhaltensmaßregeln vorschreiben zu wollen.

  19. #19 MartinB
    10. April 2016

    @Beobachter
    Genau das wird ja in dem Zeit-Artikel so dargestellt, ist aber ja typischerweise nicht das, wozu Triggerwarnungen gedacht sind. (Obwohl es natürlich auch nicht mehr vertretbare Auswüchse gibt, aber man kann jeden Standpunkt und jedes Argument ad absurdum führen, wenn man es ins extreme treibt.)

    @radicchio
    ” Das ist dann genau dessen Problem.Traumata, falls es sich dann überhaupt solche handelt, kann man überwinden.”
    Wow, soviel Mangel an Empathie muss man erst mal aufbringen. “Euer Trauma kotzt mich an?”

  20. #20 Albert
    10. April 2016

    Triggerwarnungen sind nicht nur wichtig, sondern in der heutigen Zeit geradezu eine Pflicht für jeden, der seinen Mitbürgerinnen mit Mitgefühl begegnet.

    Beispiel:

    Liebe Nazistinnen!

    Triggerwarnung: in der Mensa essen heute auch Jüdinnen.

    Ein Glück für diesen Teil der Welt, dass es empathische Menschen wie die Bloggerin Martin gibt.

  21. #21 MartinB
    10. April 2016

    @Albert
    Mir fehlen die Worte. Ist aber ja egal, du hast dich ja selbst hinreichend geoutet.

  22. #22 Ulfi
    10. April 2016

    Ist nicht aus psychologischer Sicht schon recht eindeutig, dass triggerwarnungen mehr schaden als nutzen, weil sie verhindern, dass sich Menschen mit ihrem Trauma unvermittelt konfrontiert sehen und damit das Trauma nie wirklich verarbeiten?

  23. #23 Niels
    10. April 2016

    @MartinB
    Ist jetzt vielleicht ein bisschen arrogant, wenn ich mich dazu äußere, da ich zum einen durch nichts getriggert werde und zum anderen nicht wirklich mit Triggerwarnungen in Berührung gekommen bin.
    Außerdem kenne ich nur den Physikbetrieb deutscher Universitäten, da ist mir das bisher noch nie untergekommen.
    Keine Ahnung, wie es in anderen Fachbereichen aussieht.

    Die Triggerwarnung in diesem Artikel leuchtet mir aber zum Beispiel nicht als besonders sinnvoll ein:
    Ist es wirklich ein schwächerer Auslösereiz, wenn man über dem Text
    Triggerwarnung: Text enthält Bezüge zu Krebserkrankungen und Chemotherapie
    findet, als wenn der Text beispielsweise mit “Während meiner Chemotherapie” beginnt?

    Bei den Spinnenphotos ist das wieder eine ganz andere Sache, da ist die Vorwarnung eine echt gute Idee und völlig unproblematisch.

    Ja, mir hätte es seinerzeit etwas genützt, wenn ich bei einer meiner Lieblingsserien im Voraus gewusst hätte, dass mehrere Folgen lang Krankenhausgeschichten zum Thema Krebs eine Rolle spielen würden. (Ich hätte die Folgen dann vermutlich trotzdem geguckt, aber der anfängliche Schreck wäre harmloser ausgefallen.) Es ist ja oft gerade das Unerwartete eines Triggers, das die Wirkung so heftig macht.

    Na ja, aber oft ist diese Unerwartete ja ein wichtiges künstlerisches Ausdrucksmittel.
    Gerade bei Kunst in weitesten Sinne, also auch Filmen und Romanen, kann ich mir nicht wirklich vorstellen, dass man im Werk selbst immer problemlos Triggerwarnungen unterbringen könnte, ohne die beabsichtigte Wirkung zu schmälern.
    Bei neueren Werken kann man natürlich problemlos eine Rubrik auf der Internetseite einrichten und bei älteren Klassikern lässt sich in der Regel eine Inhaltsangabe auftreiben. Da müsste man sich natürlich in Eigenverantwortung informieren und im Voraus wird das natürlich nicht immer möglich sein.

    Aber warum soll es für jemanden, der z.B. ein Buch in einem Uni-Kurs liest, das er oder sie nicht kennt, offensichtlich sein, dass da z.B. eine Gewalttat in plastischen Details geschildert wird?

    Da kommt es meiner Meinung nach stark auf den Uni-Kurs an.
    Wenn im Medizin- oder Jurastudium in jeder Vorlesung erst einmal eine Triggerliste runtergebetet werden muss, ist das bestimmt nicht zielführend.

    Auch beim Studium der Literaturwissenschaft oder anderen Studiengängen, in denen Belletristik gelesen wird, muss man damit rechnen, dass dort auch Dinge vorkommen können, die einen triggern können.
    Ich finde auch, dass ein Dozent ziemlich überfordert wird, wenn von ihm erwartet wird, selbst Triggerwarnungen auszusprechen
    Okay, bei extremer Gewalt oder Vergewaltigungen ist das natürlich unproblematisch, aber viele Menschen werden mit Sicherheit schon bei wesentlich geringeren Schwellen getriggert.
    Wenn man bei klassischer Literatur aber beispielsweise vor Ungleichbehandlung von Frauen oder vor Gewalt großzügig warnt, bleiben nicht viele Werke übrig, bei denen man nicht warnen muss.

    Zusammengefasst:
    Für Universitäten sollen doch bitte Psychologen und andere Fachleute Triggerlisten erarbeiten, die die Studenten einsehen können.
    Am besten mit Ansprechparter, an den sich betroffene Studenten auch per Email wenden können.
    Wobei ich nicht weiß, ob das die psychologischen Beratungsstellen der Universität nicht auch jetzt schon leisten.
    (Für Dinge wie die Spinnenphotos ist so ein Aufwand natürlich nicht nötig, da reicht ein Hinweis des Dozenten.)

    Bei Filmen, Büchern, Computerspielen, … finde ich es wie erwähnt sehr schwierig.
    Vielleicht ist das jetzt herablassend, aber wäre da eine Selbstorganisation der Betroffenen nicht am sinnvollsten?
    Zum Beispiel eine Internetdatenbank, bei der man den Namen des WErkes eingibt und dann eine Triggerliste ausgegeben bekommt?
    Diese kann dann ja so umfangreich wie gewünscht sein und so viel vom Inhalt verraten wie nötig.

  24. #24 MartinB
    10. April 2016

    @Ulfi
    Kurze Antwort: Nein. Denn auseinandersetzen muss man sich mit dem Trauma so oder so. Die Frage ist nur, ob man das unter Bedingungen tut, die man selbst kontrolliert, oder eben nicht.

    @Niels
    “Ist es wirklich ein schwächerer Auslösereiz, w”
    nein, in dem Fall nicht. Das war ja ein Stilmittel, um zu demonstrieren, was man unetr einer Triggerwarnung versteht. Typischerweise sind es ja nicht die Worte selbst, die als Trigger wirken, sondern die Beschreibung eines Ereignisses.

    Aber bei Filmen oder Büchern o.ä. ist es ja anders, da wird die entsprechende Triggerszene ja mal schleichend eingeführt (und plötzlich realisiert man, dass man mitten drin ist in der triggernden Situation), oder sie kommt plötzlich und mit absichtlicher Schockwirkung. Solche Situationen dienen ja oft zur Erzeugung von Spannung. Und es ist ziemlich fies, wenn du z.B. deine Lieblingsserie guckst, und einer der Hauptcharaktere klagt plötzlich über Kopfschmerzen, und du bekommst ein mulmiges Gefühl bei der Sache, weil so etwas in Filmen meist etwas zu bedeuten hat, und hoffst, dass irgendwas anderes dahinter steckt, aber zwei Szenen später siehst du besagten Charakter dann zu Beginn einer neuen Szene in einem Krankenbett an einem Tropf hängen und fragst dich “stehe ich das jetzt durch?” Da hätte es geholfen, wenn es dir jemand vorher gesagt hätte “Achtung, da kommen fiese Krankenhausszenen.”

    “dass man im Werk selbst immer problemlos Triggerwarnungen unterbringen könnte, ohne die beabsichtigte Wirkung zu schmälern.”
    Möglich. Aber auch eine Frage von Prioritäten – ist die etwas höhere Spannung für viele wichtiger als das mögliche heftige triggern von wenigen? Und vergibt man sich viel, wenn man am Anfang eines Filmes drauf hinweist “Enthält Szenen heftiger Gewalt?” Im fernsehen oder Kino gibt es ja auch ne FSK-Warnung, die einem einiges sagt, was man zu erwarten hat, auf englischen DVDs bekommst du sogar zum Teii detaillierte Warnungen – “violence, sex/nudity, language” (natürlich gerichtet an Eltern, ist aber dasselbe Prinzip.)

    “Wenn im Medizin- oder Jurastudium in jeder Vorlesung erst einmal eine Triggerliste runtergebetet werden muss, ist das bestimmt nicht zielführend.”
    Ich weiß nicht, Wenn es in der Juravorlesung Strafrecht um einen Vergewaltigungsfall geht, bei dem eine Schilderung des Opfers gelesen werden muss, dann halte ich eine Triggerwarnung für ziemlich angebracht. Und in ner Vorlesung zieht ja auch das ARgument “Spannung” nicht.

    ” viele Menschen werden mit Sicherheit schon bei wesentlich geringeren Schwellen getriggert.”
    Wie schon im Artikel gesagt – es ist vollkommen klar, dass man nicht alle Triggerreize kennen und vor ihnen warnen kann. Das verlangt ja auch keiner.

    “Wenn man bei klassischer Literatur aber beispielsweise vor Ungleichbehandlung von Frauen oder vor Gewalt großzügig warnt, bleiben nicht viele Werke übrig, bei denen man nicht warnen muss.”
    Wo genau siehst du da das Problem? Was spricht dagegen, dass eine Leseliste, die ausgeteilt wird, die Hinweise enthält “Titus Andronicus – extreme Gewalt, Vergewaltigung, Verstümmelung”, “Marquise von O – Vergewaltigung”, etc. Tut das irgendwem weh, diese Zusatzinfos zu geben?
    Niemand erwartet, dass man alle Trigger vermeiden kann (Thunfischpizza) – aber so wahnwitzig aufwändig ist das bisschen erforderliche Rücksichtnahme nun auch nicht.

    “Für Universitäten sollen doch bitte Psychologen und andere Fachleute Triggerlisten erarbeiten, die die Studenten einsehen können.”
    Finde ich zu einfach gedacht. Erstens müssten dann Psychologinnen dafür bezahlt werden, Kursinhalte zu prüfen, zweitens schadet es Dozentinnen auch nicht, selbst darüber nachzudenken, ob etwas, das sie tun, ein Trigger sein könnte. Und drittens machst du damit deutlich, dass das Vermeiden von Triggern eine alleinige Aufgabe der Opfer ist.

    “Vielleicht ist das jetzt herablassend, aber wäre da eine Selbstorganisation der Betroffenen nicht am sinnvollsten?”
    Warum? Weil es einer Dozentin nicht zuzumuten ist, solche Triggerwarnungen zu verfassen? Weil man zwar auf ein Videospiel FSK:16 draufdrucken kann, aber nicht spezifisch “enthält sexualisierte gewalt” o.ä., insbesondere da, wo es evtl. nicht offensichtlich ist? (Dass in einem Ballerspiel Leute getötet werden, ist klar, das braucht keine Triggerwarnung.)

    Aber wie oben schon jemand schrieb: Triggern ist wie eine Allergie-Reaktion. Leute, die gegen Nüsse allergisch sind, sind verdammt froh, wenn “kann Spuren von Nüssen enthalten” auf der Packung steht (ein enger Freund von mir ist mal nahezu an einem aus Versehen verschluckten Erdnussflip gestorben), deswegen drucken wir Hinweise auf Lebensmittelpackungen. Sollen sich da die Betroffenen auch lieber selbst organisieren?
    http://fuckyeahtriggerwarnings.tumblr.com/post/11483930528/an-easy-analogy-for-triggering

  25. #25 Radicchio
    10. April 2016

    »Wow, soviel Mangel an Empathie muss man erst mal aufbringen. “Euer Trauma kotzt mich an?”«

    Richtig. Es kotzt mich an, mittlerweise jede Unpässlichkeit als Trauma verkauft wird. Ich habe weder Lust noch Zeit für alle möglichen Wehwehchen, die heutzutage als vermeintliche Traumata öffentlich vorgezeigt werden, Empathie aufbringen zu sollen. Die Welt ist kein Ponyhof, jeder Mensch wird Schlimmes erleben. Verluste, Krankheiten, Schmerzen sind nahezu unvermeidbar. Daraus resultiert für mich nicht, für jeden, der daraus einen passiv-aggressiven Imperativ klöppeln will, einen Kotau zu machen. Denn letztlich geht es dabei nicht um Traumatisierte, sondern darum, dass der Triggerwarner sich selbst als empatisch und “aware” darstellen möchte – alle anderen sind die fiesen Rücksichtlosen.
    Es ist schlicht moralische Selbsterhöhung. Wer wirklich traumatisiert ist, wird selbst wissen, welche Texte besser zu meiden sind. Und nein, die gepamperten amerikanischen Wohlstandsstudenten gehören nicht dazu.

  26. #26 MartinB
    10. April 2016

    @radicchio
    Dem ist in der Tat nichts mehr hinzuzufügen. Wenn Dinge wie vergewaltigung, andere Formen der Gewalt, Missbrauch, etc. als “Unpässlichkeit” bezeichnet werden, dann ist die Menschenverachtung wirklich ziemlich fortgeschritten.

  27. #27 Niels
    10. April 2016

    @MartinB

    Triggern ist wie eine Allergie-Reaktion. Leute, die gegen Nüsse allergisch sind, sind verdammt froh, wenn “kann Spuren von Nüssen enthalten” auf der Packung steht

    Danke, das hat mich zum Nachdenken gebracht.
    Schöner Vergleich. Lohnt sich vielleicht, den oben noch einzubauen`?

    Ich habe mich mit diesen Triggerwarnungen noch nicht auseinandergesetzt und noch nie länger darüber nachgedacht.

  28. #28 MartinB
    10. April 2016

    @Niels
    Das ist ja auch in Ordnung so. Ich habe auch erst vor nicht allzu langer zeit darüber gelesen, aber ich hatte eben den “Vorteil”, so etwas aus eigener Anschauung zu kennen und mich zumindest vage in so eine Situation hineinversetzen zu können.

  29. #29 Ulfi
    10. April 2016
  30. #30 sowhat
    10. April 2016

    @MartinB
    Der Vergleich mit Lebensmittelallergien hinkt doch ein wenig. Hier handelt es sich um teils lebensbedrohende Reaktionen. Und es bleibt natürlich auch ihrer persönlichen Empathiefähigkeit überlassen in ihren Artikel Triggerwarnungen einzubauen. Dies aber generell zu fordern könnte schwierig werden.

    Am besten stellen sie eine Liste aller Traumata, Allergien und Phobien auf. Wenn ich sie recht verstehe sollten dann dafür auch entsprechende Warnhinweise eingeführt werden.

    Diese Warnhinweise müßten dann auf allen relevanten Produkten aber auch Örtlichkeiten*) angebracht werden.
    Selbst bei Stellenausschreibungen müßten dann konsequenterweise entsprechende Informationen angegeben werden – zum Schutz der Arbeitnehmer. Und ganz zu Ende gedacht wäre auch der Arbeitgeber gut beraten seine MitarbeiterInnen auf ihre Trigger-Sensibilität zu prüfen.

    Das Ganze kann man bis ins Absurde treiben. ACHTUNG PRÜFUNG – Personen mit Prüfungsangst sollten der Prüfung fern bleiben.
    Vielleicht auch mit einer Abstufung: schwacher Trigger für XY, mittelschwerer Trigger für XY und schwerer Trigger für XY.

    *) Also an Häusern (Achtung Krankenhaus), engen Räumen wie etwa WC (Klaustrophobie), aber auch offenes Gelände wie Berge (Akrophobie – Höhenangst) oder auch Wiesen (Hymenopterengiftallergie – Insektengiftallergie) usw. pp.

  31. #31 AfD Wähler
    10. April 2016

    Schwieriges Thema, ich habe die verlinkten Artikel gelesen und auch selbst etwas gegoogelt, aber so richtig kann ich mir immer noch keine Meinung bilden.
    Was mir als Kompromiss einfällt wäre ein Aushang vor Vorlesungen bzw. eine extra Seite in einem Buch/einem Paper wo solche Triggerwarnungen aufgeführt werden, damit die interessierte Person sich vorher informieren kann. Bei Sendungen spät Abends gab es (zumindest früher, ich habe schon seit längerer Zeit keine TV Sendungen mehr angesehen) eine Warnung wenn die Sendung erst ab einem bestimmten Alter freigegeben war, dort könnte man Piktogramme oder ähnliches unterbringen (vergleichbar der amerikanischen PEGI). Generell lässt sich vieles machen, solange es den “Otto Normalo” nicht “stört”.

  32. #32 Radicchio
    10. April 2016

    “dann ist die Menschenverachtung wirklich ziemlich fortgeschritten.”

    Oha, MartinB das triggert mich jetzt ganz erheblich. Aber macht ja nix. Auf MEINE Gefühle musst du keine Rücksicht nehmen. Ich bin ja nicht deiner Meinung.

    Und nein, um Gewalt gehts hier gerade gar nicht. Es geht in deinem Artikel um Alltagsthemen wie Chemo und Thunfischpizza.
    Und das, MartinB, mag für dich fies gewesen sein, für mich ist es Befindlichkeit. Wenn ich bei jedem Wort nachdenken müssen soll, ob sich jemand vielleicht von einem niedlichen Katzenbaby getriggert fühlt, weil mal ein Katzenbaby durch unglückliche Umstände …, dann ist das die Einschränkung von Meinungsfreiheit mittels emotionaler Erpressung.

  33. #33 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2016/04/07/suv/
    11. April 2016

    Es wäre vielleicht hilfreich, wenn hier richtige Psychologen mitreden würden und nicht nur halbgebildete Interessenten am Thema wie ich.

    2 Einwände hätte ich noch vorzubringen.

    1. Soweit ich weiß muss es gar nicht das Thema selbst sein, welches ein PTBS auslöst. Wenn der Täter einen VW gefahren hat kann ein VW das Trauma aktualisieren, vielleicht hing aber auch ein Dufttannenbaum am Rückspiegel und ein solcher löst die Retraumatisierung aus. Das Opfer muss auch vorher nicht wissen, was auslösend ist, sondern kann davon selbst überrascht werden. Dazu wüsste ich ich aber gerne die Meinung eines Experten.

    2. Weiß ich nicht, was eine Person, die von Vergewaltigungsthemen in einem Strafrechtsseminar verloren hat. Sie muss doch damit rechnen im späteren Leben als Anwalt, Richter oder Strafverteidiger auch mit solchen Fällen konfrontiert zu werden. Man kann doch nicht mitten in einem Prozess diesen abbrechen mit Verweis auf die eigene Unfähigkeit sich damit zu befassen.

    Das wäre in der Tat wie ein Nussallergiker der in der Süßwarenindustrie als Verkoster arbeiten will.

    Ich weiß nicht, wie Anwälte zu Pflichtverteidigern werden, aber diese selbst suchen sich die Fälle doch nicht aus – das wird doch irgendwie zugewiesen (IANAL). Und so ein Faktum kann doch auch aus heiterem Himmel in einen Fall eingeführt werden.

    Es gibt doch auch keinen Abschluss ‘Befähigung zum Richteramt für alles außer Vergewaltigung’.

    Die Lebensmittelallergien passen als Analogie m.E. schlecht, weil diese meist nicht heilbar sind – aber auch hier lasse ich mich gerne von einem Profi belehren.

  34. #34 Radicchio
    11. April 2016

    “Leute, die gegen Nüsse allergisch sind, sind verdammt froh, wenn “kann Spuren von Nüssen enthalten” auf der Packung steht”

    Oberflächlich betrachtet ja. Tatsächlich verhält es sich eher so, als würde dort stehen “der Text kann das Wort Nuss enthalten”.

    Es geht hier nämlich nicht, wie MartinB meint, um “Dinge wie vergewaltigung, andere Formen der Gewalt, Missbrauch”, sondern um deren Erwähnung.

  35. #35 MartinB
    11. April 2016

    @Ulfi
    Wirklich relevant für die Diskusssion hier ist ja nur Punkt 4. Und da steht nur, dass “exposure therapy” sinnvoll ist und hilft. Man beachte das Wort “therapy”:
    “Working with their therapists, clients devise a hierarchy of progressively more challenging trigger situations that they may confront in everyday life.”
    So wie bei einer Allergie gegen Katzenhaare eine Desensibilisierung sinnvoll sein kann, was aber kein Argument dafür ist, einer Allergikerin mal ne Katze in den Schoß zu werfen. Entscheidend ist in solchen Therapien, dass die traumatisierten Personen selbst die Kontrolle haben, welchen Reizen sie sich wann aussetzen. Und genau das sollen Triggerwarnungen ja erreichen.

    @sowhat
    ” Hier handelt es sich um teils lebensbedrohende Reaktionen. ”
    Während Angstzustände,Überkeitsanfälle etc. ja vollkommen harmlos sind.
    “Das Ganze kann man bis ins Absurde treiben. ”
    Schon wieder die “slippery-slope-fallacy”? Ist das nicht lagsam langweilig, immer dieselben fehlerhaften Argumentationsmuster hochzukochen.
    Ja, man könnte z.B. auch Verkehrsregeln ins absurde treiben und zu viele Schilder aufstellen und zu viele Verkehrsregeln einführen. Ist das ein Argument gegen Verkehrsregeln?

    @AfD-Wähler
    “Was mir als Kompromiss einfällt wäre ein Aushang vor Vorlesungen bzw. eine extra Seite in einem Buch/einem Paper wo solche Triggerwarnungen aufgeführt werden, damit die interessierte Person sich vorher informieren kann. ”
    Mehr wird ja auch typischerweise (es gibt natürlich Auswüchse) nicht verlangt. Die Jura-Prosfessorin soll halt am Ende einer Vorlesungsstunde sagen “Nächste woche beschäftigen wir uns mit einem Vergewaltigungsfall, das mag für einige von Ihnen belastend sein.”

    @raddicchio
    “Und nein, um Gewalt gehts hier gerade gar nicht. Es geht in deinem Artikel um Alltagsthemen wie Chemo und Thunfischpizza”
    Nein, verstehendes Lesen wäre angebracht. Ich nehme meine Chemo als Illustration für Trigger-Erlebnisse, sage aber ja ganz klar, dass die Traumata, um die es bei triggerwarnungen typischerweise geht, wesentlich schlimmer sind.

    “Es geht hier nämlich nicht, wie MartinB meint, um “Dinge wie vergewaltigung, andere Formen der Gewalt, Missbrauch”, sondern um deren Erwähnung.”
    Nein, es geht nicht um das bloße Wort, sondern um die Schilderung entsprechender Ereignisse. Steht hier auch schon mehrfach, man müsste nur mal lesen und das Gehirn einschalten.

  36. #36 Bernd Lauert
    11. April 2016

    Im Endeffekt läuft es meiner Meinung nach darauf hinaus, ob ich bereit bin, ein wenig mehr Aufwand zu betreiben, um anderen das Leben etwas angenehmer zu gestalten (vgl. auch gendergerechte Sprache – gleiches Prinzip).

    Ich jedenfalls sehe kein Problem, in meinen Texten einen kurzen Satz davorzuschreiben, welche ggf. kritischen Themen vorkommen – Für mich ist es kein wirklicher Mehraufwand, wenn es Leuten hilft, ist das gut, und wenn nicht, ist auch niemanden geschadet. Warum sollte ich es dann also nicht machen?

    Die meisten Argumente in diesem Kommentarstrang lassen sich auf folgendes runterbrechen:

    >Triggerwarnungen helfen nicht.

    Triggerwarnungen sollen auch nicht bei der Traumabewältigung helfen, sie sollen ermöglichen, für einen kritische Inhalte (vorerst) vermeiden zu können. Wenn man sich gerade bereit fühlt, über [x] zu lesen, kann man es machen, wenn nicht, lässt man es halt (oder verlässt die Vorlesung, oder…). Wie im Originaltext schön gesagt: Es ist eine Warnung, was man damit macht, ist jedem überlassen.

    >Wo zieht man die Grenze?

    Auch hier hat der Originaltext schon etwas zu gesagt, ich denke, wenigstens die “großen” Dinge sollten ohne Probleme genannt werden können.

    >Ist doch nicht so schlimm!

    Wenn man sich selbst als Maßstab nimmt, sicher. Ist halt nur schlecht, dass es noch andere Menschen mit anderen Maßstäben gibt.

  37. #37 ulfi
    11. April 2016

    @MartinB Ich finde ja, dass Punkt 5 auch hoch relevant ist. Wer auf Triggerwarnungen achtet, laesst damit durch sein Trauma sein Leben bestimmen und einschraenken. Zuerst geht man nicht an Orte, wo die Triggerwarnung sagt, dass man getriggert werden wuerde, und schliesslich vermeidet man die Orte, an denen es keine Triggerwarnungen gibt, aus Angst getriggert zu werden.

    Die Gefahr die ich darin sehe ist, dass die Triggerwarnungen zu einer Kruecke werden: warum eine Therapie beginnen, wenn die Kruecke das Leben halbwegs ertraeglich macht? Warum noch durch die schwierige Behandlung gehen, mit dem Schmerz konfrontiert werden, wenn man ihn so auch umgehen kann?

  38. #38 MartinB
    11. April 2016

    @Bernd
    Danke, gut zusammengefasst.

    @ulfi
    ” Wer auf Triggerwarnungen achtet, laesst damit durch sein Trauma sein Leben bestimmen und einschraenken.”
    Das steht so nicht in dem text, den du verlinkt hast, und aus gutem Grund. Auf Triggerwarnungen zu achten, kann ein Symptom dafür sein, sich durch ein trauma bestimmen zu lassen. Die Lösung kann aber nicht sein, keine Trigegrwarnungen mehr zu haben, denn – siehe Punkt 4 – für das Verarbeiten des Traumas ist es wichtig, sich *kontrolliert* damit auseinanderzusetzen.

    “Die Gefahr die ich darin sehe ist, dass die Triggerwarnungen zu einer Kruecke werden”
    Sehe ich nicht, jedenfalls nicht vorrangig. Die Triggerwarnung z.B. an Unis bewahrt mich ja nicht davor, die entsprechenden Texte zu lesen.

  39. #39 Radicchio
    11. April 2016

    “Ich nehme meine Chemo als Illustration für Trigger-Erlebnisse, sage aber ja ganz klar, dass die Traumata, um die es bei triggerwarnungen typischerweise geht, wesentlich schlimmer sind.”

    “In meinem Leben an der Uni gibt es nicht viel, womit ich Menschen triggern könnte (wissen kann man es natürlich nie – siehe die Thunfischpizza)”

    Ach komm, MartinB, das ist doch Rabulistik. Du stellt hier ganz klar auf deine Chemo und Thunfischpizza als Trigger ab.

    Ich versteh sehr gut, dass du dir ungern in deine Awareness-Suppe spucken lassen möchtest und gern der Gute bleibst, der die Welt aus reinem Altruismus mit haufenweise Empathie beglücken will. Biste aber nicht. Du machst das in erster Linie für dich selbst und dein eigenes Gutgefühl und weils gerade angesagt ist.
    Im Grunde ist da nicht mal viel Schlechtes dabei. Der Mensch ist ein Herdentier. Man sollte sich nur der Tatsache bewusst sein, dass die Weltrettung auf diese Weise nicht stattfindet.

  40. #40 MartinB
    11. April 2016

    @raddicchio
    Den Absatz, der mit
    “Und obwohl so eine Chemo wahrlich nicht lustig ist, …” beginnt, hast du gezielt überlesen?

    “Du stellt hier ganz klar auf deine Chemo und Thunfischpizza als Trigger ab. ”
    Ich nutze sie als illustrierendes beispiel, deswegen heißt der Text ja auch “persönliche Gedanken…” Ich betone aber sehr oft, dass andere Traumata wesentlich schlimmer sind (und soweit ich sehe, leide ich auch nicht an PTSD und habe das auch nie getan).

    “Ich versteh sehr gut, dass du dir ungern in deine Awareness-Suppe spucken lassen möchtest …”
    und ich verstehe sehr gut, dass es dir im nachhinein sehr unangenehm und peinlich ist, traumatische Erinnerungen als “Unpässlichkeiten” abzutun.

    Natürlich kannst du jetzt versuchen, da irgendwie noch die Kurve zu kriegen und zu behaupten, darum sei es ja in Wahrheit gar nicht gegangen, und kannst auch versuchen, davon abzulenken, indem du mich angreifst und indem du das alles für ohnehin wertlos erklärst.

    Nützt aber nichts. Dein Mangel an Empathie ist hier für jeden nachlesbar.

    ” Du machst das in erster Linie für dich selbst”
    Daraus, dass ich meinen blog in erster Linie für mich selbst schreibe, habe ich nie einen Hehl gemacht.

  41. #41 Earonn
    11. April 2016

    @Ulfi
    Den Vergleich einer Triggerwarnung mit einer Krücke finde ich sehr gelungen – und ein Argument für solche Warnungen.

    Eine Krücke hilft. Wir nehmen Leuten mit Beinbruch nicht die Krücken weg, weil sie sonst “nie wieder ohne Krücken laufen wollen”. Uns ist durchaus klar, dass jemand mit Krücken lieber ohne durchs Leben ginge und sie nur benutzt, um den Beinbruch noch schneller bzw. überhaupt auszuheilen.

    Wenn irgendwo Hilfen für Gehbehinderte zur Verfügung gestellt werden (z.B. neulich bei einer Führung im Museum, da wurden Klappstühle angeboten, damit sich Leute bei Bedarf während der Vorträge hinsetzen konnten), finden wir das doch auch gut.

    Sobald aber sowohl Beinbruch als auch Krücke immateriell sind, soll da ein großer Unterschied bestehen?

    Ich bin ganz froh, dass unser TV Warnungen für Epileptiker vor Beginn der Sendung einblendet. Dann kann ich mich vorbereiten und werde nicht vom Geflacker überrascht. Das macht in der Tat etwas aus.

    Letztendlich hat Bernd Lauert es doch gut beschrieben: wenn es anderen hilft und wenig Aufwand für mich bedeutet, worin sollte das Problem liegen?
    Etwa darin, anderen das Leben etwas leichter zu machen?

  42. #42 MartinB
    11. April 2016

    @Earonn
    Das ist ja leider oft so – psychische Probleme werden nicht so ernst genommen, man kann sich ja zusammenreißen und sich nicht so anstellen.

  43. #43 Aveneer
    11. April 2016

    Hallo Martin,
    auch ich kann den Wunsch nachvollziehen und würde mich freuen, wenn dies in irgendeiner Form Eingang in unsere Medienkultur nehmen könnte. Ich frage mich auch warum die Menschen immer gleich überreagieren müssen? Ablehnen weil die „absolute“ Umsetzung in allen Teil- und Subbereichen unmöglich ist/erscheint?
    Was ein Fahrradhelm? Dann geh doch lieber gleich in den Keller und schließ dich ein – absolute Sicherheit gibt es nicht …
    Was kein Fahrradhelm? Dann spring doch gleich mit Nikotinabusus aus dem Flugzeug ohne Fallschirm… (Hmm -Rückwärts fällt die dümmliche Argumentationsweise leichter auf?)

    Warum nicht bei Filmen z.B. eine Art „E-Nummern“ einfügen, die einem interessierten darauf hinweisen, für welche (traumatisierte Patienten)-Gruppen dieser Film ungeeignet sein könnte.
    1: Häusliche Gewalt; 2: Naturkatastrophe; 3: Flugzeugabsturz; 4: Verlust/Tot von Angehörigen…
    “1-10”
    Das ist doch kein Beinbruch? Leicht umzusetzten… Ja und in 5 Jahren könnte man ggf. das erweitern (1a, 2a-c). Dann kommt es noch in die TV-Zeitschrift – meine Güte. Und ja in 20 Jahren, dann… Und nein, auch in 100 Jahren wird es nicht in einer Bewerbungsanzeige stehen oder die Lehrerin verklagt weil sie den Schüler/innen keine vollständige “Trickerliste” ausgeteilt hat….?

    >ja zusammenreißen und sich nicht so anstellen
    Manche „leiden“ einfach unter einer „Gefühls-Empathie-Sehschwäche“
    Reiß dich zusammen, sehe es wie ich – alles in „Graustufen“.
    Nein – das geht nicht. Mein kleiner Narzisst.

  44. #44 Niels
    11. April 2016

    @MartinB

    Das ist ja leider oft so – psychische Probleme werden nicht so ernst genommen, man kann sich ja zusammenreißen und sich nicht so anstellen.

    Ehrlich gesagt habe ich das gestern, als ich deinen Beitrag gelesen und meinen ersten Kommentar geschrieben habe, zuerst ganz spontan auch so empfunden.
    Obwohl ich eine Weile lang selbst recht starke Depressionen hatte und dadurch durchaus persönlich unangenehme Erfahrungen mit dieser Sichtweise sammeln konnte.

    Hm, da bin ich bei psychischen Erkrankungen also doch weniger sensibilisiert und mitfühlend, als ich annahm.
    Na ja, Selbsterkenntnis ist bekanntlich der erste Schritt… 😉

    Deswegen einfach einmal ein ganz persönliches Dankeschön für diesen Artikel und nicht zuletzt auch dafür, dass du allen Kommentatoren auch bei “soziologischen” Themen logisch schlüssig, einleuchtend, besonnen und stoisch antwortest.
    (Im Gegensatz zum Beispiel zu Cornelius Courts drüben bei blooDNAcid. Das ist zwar unterhaltsamer zu lesen, allerdings eigentlich auch nur, wenn man sowieso seine Meinung teilt. Ich glaube, Sarkasmus bewegt mich eher weniger dazu, meine Meinung zu überdenken.)

    So, ein Lob muss schließlich auch mal sein. 🙂
    (Nicht zuletzt auch, weil mir, also ich die Artikelüberschrift gelesen hatte, zuerst “Ach nö, jetzt beschäftigt sich der Martin mit diesem Unsinn”, durch den Kopf ging.
    Woanders hätte ich einen Artikel mit dieser Überschrift höchstwahrscheinlich auch gar nicht erst gelesen.)
    .

    @Ulfi

    Ist nicht aus psychologischer Sicht schon recht eindeutig, dass triggerwarnungen mehr schaden als nutzen

    Selbst wenn es so wäre, ist das wirklich so wahnsinnig relevant?
    Ist es nicht eigentlich grundlegende Höflichkeit, sich danach zu richten, was eine Person wünscht statt danach, was der eigenen Meinung nach gut für sie wäre?
    Es geht hier schließlich um mündige Erwachsene.

    Macht man in allen anderen Lebensbereichen doch eigentlich auch nicht anders, oder?

  45. #45 Steve Müller
    11. April 2016

    Als Betroffener würde ich ganz praktisch einfach Text nach meinen Triggerwörtern scannen.
    Als Schreiber würde ich meinen Text vor dem veröffentlichen auf alle bekannten Triggerwörter aller bekannten Phobiker scannen.
    Als empathischer Mensch würde ich von keinem verlangen, meine Phobien und Trigger zu kennen und diese zu markieren oder gar auszulassen. Ich bin ja kein Arsch.

  46. #46 Triggerwacht
    11. April 2016

    @ #45
    Triggerwarnung: Mobbing, Trigger, Kritik/Versagensängste

    Sehr geehrter Hr. Müller, daß war jetzt aber nichts das Gelbe vom Ei. Korrekt wären folgende Trigger zu ihrem Kommentar gewesen:
    Mobbing, Trigger
    Arsch triggert eindeutig Mobbing
    Trigger ist der Jocker, triggert alles

    mfg die Triggerwacht

  47. #47 Ismael
    11. April 2016

    Martin, wenn du glaubst deine werkstoff Themen sind zu physikalisch um andere zu triggern unterschätzt du die breite an Möglichkeiten die manche haben sich triggern zu lassen, immerhin sind auch Kohlenstofffaser sexistisch:
    Persöhnlich mag ich Triggerwarnungen nicht weil sie einem erlauben sich in seiner Filterblase noch weiter einzuschliessen. Man will nichts mehr wahrnehmen was nicht der eigenen Meinung entspricht. Wenn es um vergangene Traumata geht kann ich den Wunsch nach einer Triggerwarnung verstehen aber mittlerweile wird auch für politische Inhalte schon Triggerwarnungen verlangt (so geschehen bei einer Veranstaltung der Young Republicans an meinem Campus) und wer gibt mir das Recht zu entscheiden welches Trauma Triggerwarnungen würdig ist und welches nicht. Jeder Forderung nach zu kommen ist nicht möglich dafür sind es zu viele und eine entscheidung zu treffen welche würdig sind steht mir nicht zu.

  48. #48 MartinB
    12. April 2016

    @Niels
    Danke für den Kommentar. Ich war ehrlich gesagt von deinem ersten Kommentar ziemlich überrascht, weil er nicht zu dem Bild passte, das ich sonst von dir hatte hatte.
    Was BlooDNAcid angeht – ich lese dort nur manchmal, aber ich finde meist selbst (oder gerade) die Texte besonders ärgerlich, deren Message ich eigentlich zustimmen würde (z.B. Texte über Atheismus), weil sie meist einfach grottenschlecht argumentiert sind (dafür aber mit vielen Fremdwörtern…). Der aktuelle ist ja auch ein einziges Strohmann-Bashing, das sagt CC in Kommentar #113 ja quasi selbst.

    @Ismael
    “Man will nichts mehr wahrnehmen was nicht der eigenen Meinung entspricht. ”
    Das wurde hier ja schon mehrfach behauptet, ich habe auch schon mehrfach erklärt, warum das nicht das Ziel von Triggerwarnungen ist und auch gar nicht funktionieren würde.
    Und ja, es gibt auch Leute, die es übertreiben – aber man kann wie ebenfalls schon mehrfach gesagt so ziemlich jeden Standpunkt durch Betrachten seiner Extreme ad absurdum führen.

    @SteveMüller
    “Ich bin ja kein Arsch.”
    Aha, Menschen, die traumatisierende Erinnerungen vermeiden wollen und dafür m Triggerwarnungen bitten, sind also deiner Meinung nach “Ärsche”? Sorry, wenn das deine Meinung ist, war der zitierte Satz falsch.

  49. #49 Earonn
    12. April 2016

    Könnten die Nicht-ärsche und Trolle mal das tun, was sie ständig von anderen fordern, und sich ein bißchen zusammenreißen?
    Die paar Triggerwarnungen haltet ihr doch wohl aus, man muss hart sein heutzutage!
    So, und jetzt kein Geflenn mehr.
    /sarkasm off

  50. #50 MartinB
    12. April 2016

    @Earonn
    Die Ironie war mir noch gar nicht aufgefallen.

  51. #51 roel
    *****
    12. April 2016

    @MartinB Danke für deine “Persönliche Gedanken zu “Triggerwarnungen”. Das ist ein Thema, mit dem ich mich bisher kaum befasst habe. Aber diese Art von Rücksichtnahme erscheint mir auch angebracht.

    Der aktuelle Anlass zu diesen persönlichen Gedanken, also der Kommentar auf den du verweist und insbesondere der Blog, in dem er zu finden ist, propagieren genau das Gegenteil von Rücksichtnahme. Leider mit ungleichen Waffen, so dass ich dort gar nicht mehr meine Kommentare in die Zensur (sic!) schicke.

    Über die Jahre scheint der Ton auch der StammkommentatorInnen rauher zu werden und die Rücksichtnahme abnehmend zu sein. Wer schert sich schon um Fakten und Belege, wenn es doch nur um gebilligtes rumgetrolle geht. Davon sind leider einige Blogs betroffen. Dein Blog ist ein Vorzeigeblog hinsichtlich Themen, Ton und Wissenschaftlichkeit.

    Ich hoffe auf viele weitere interessante, lehr-, hilfreiche und persönliche Beiträge von Dir.

  52. #52 MartinB
    12. April 2016

    @roel
    “Das ist ein Thema, mit dem ich mich bisher kaum befasst habe.”
    Das geht ja vielen so – mich eingeschlossen. Um so wichtiger, dass man Leuten wie Joffe mit seinem absurden ZEIT-Artikel das Feld nicht komplett überlässt.

    “Über die Jahre scheint der Ton auch der StammkommentatorInnen rauher zu werden ”
    Das geht mir aber ebenfalls so – auf Kommentare, wie einige hier oben (oder anderswo von kenntnislosen, aber meinugsstarken Relativitätstheorie-“Kritikern”) reagiere ich schon deutlich heftiger als früher, halte das aber auch für angemessen.

  53. #53 roel
    *****
    12. April 2016

    @MartinB “Das geht mir aber ebenfalls so – auf Kommentare, wie einige hier oben (oder anderswo von kenntnislosen, aber meinugsstarken Relativitätstheorie-“Kritikern”) reagiere ich schon deutlich heftiger als früher, halte das aber auch für angemessen.”

    Kenntnislosen, kannst du versuchen Kenntnis zu vermitteln. Nach einem wiederholt gescheiterten Versuch kannst du dein Verhalten überdenken und ggf. verändern. Meinungsstarken kannst du nur meinungsstark gegenüber treten.

    Ich argumentiere zur Zeit gegen meinungsstarke denen eine geänderte Realität besser zu Ihrer Ansichten passt als die anerkannten Fakten. Ich versuche bisher erfolgleich meinen Ton nicht dem ihrigen anzupassen. Klappt soweit ganz gut. Aber ich schreibe auch keine 4, 5 oder mehr Blogbeiträge pro Monat zuzüglich zugehöriger Kommentare.

  54. #54 Earonn
    12. April 2016

    Zumindest weiß ich jetzt, dass es nicht nur mir so geht: auch ich hab den Eindruck gewonnen, dass der Ton an Schärfe zugenommen hat.
    Aufgefallen ist mir das innerhalb der letzten zwei Jahre, nun kann ich nicht sagen, ob das am schärferen Ton in Deutschland liegt (insbesondere seitdem die Flüchtlinge Thema sind) oder am vergleichsweise sanfteren Ton hier in Schottland.

    Oder vielleicht werde ich ja auch nur alt. Runter vom Rasen, ihr Lümmel!

  55. #55 MartinB
    12. April 2016

    @Earonn&roel
    Wobei das mit dem Ton ja gerade hier nur sehr partiell ist, meist geht es hier ja recht friedlich zu. Vielleicht sollte ich auch einfach Kommentare wie #46 und diverse andere schlicht löschen, werd ich in Zukunft drüber nachdenken.

  56. #56 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2016/03/31/sprachpolizei/
    12. April 2016

    Hat eigentlich jmd. Zahlen, wieviel Prozent der Bevölkerung an einem triggerbaren Trauma leiden?

  57. #57 rolak
    12. April 2016

    interpretiere den Kommentar deutlich negativer..

    Das liegt auch sicherlich im Bereich des sinnvoll Möglichen, MartinB, es gab zumindest diverse Fälle, in denen ich am negativ-Ende interpretierte nur um verblüfft festzustellen, wie weit ins Positive dies ebenfalls möglich gewesen wäre. Set & setting, nehme ich an.

    ..aber wer weiß.

    Der Geier. Immer.

    So oder so hat er diesen Artikel mit ausgelöst

    Das stand auch nie in Zweifel.

  58. #58 roel
    *****
    12. April 2016

    @Earonn und MartinB

    Meine persönlichen Gedanken zum Ton auf den scienceblogs.

    Ich denke nicht, dass der Ton auf den scienceblogs in Zusammenhang mit der Flüchtlingskriese steht.

    Mir kommt es so vor, dass u.a. einige Kommentatoren (m) eine Art Trolljagt spielen, die nach immer neuen Erfolgserlebnissen verlangt. Um die zu erzielen wird ein immer aggressiverer Ton angeschlagen. Eigene Meinungen werden nicht mehr hinterfragt, abweichende Meinungen werden als unwissenschaftlich wahrgenommen. Im Moment hat es mich erwischt, da ich es gewagt habe die Behauptung (kurzgefasst) Zucht ist gleich Gentechnik, zu widerlegen. Aber diese Diskussion will ich hier nicht hintragen. Wer sie sucht, wird sie finden.

    Hier ist der Ton im Allgemeinen friedlich, das liegt an den Themen, an MartinB und an seiner Stammkommentatorenschaft. Ich weiß nicht, ob ich Kommentare wie #46 löschen würde. Einerseits widerstrebt es mir Kommentare zu löschen, andererseits sollten sich Kommentatoren an die Netiquette halten. Von daher tendiere ich zu löschen.

    PS da wo es vom Ton her mit am lautesten zugeht, gibt es eine eigene Netiquette (heißt dort anders aber ähnlich) und der Blogger beteiligt sich auch gerne an der Trolljagt (wie oben beschrieben). Kollateralschäden inbegriffen.

  59. #59 MartinB
    13. April 2016

    @roel
    Danke für die Einschätzung. Ich habe auch immer ein wenig Hemmungen, Dinge zu löschen. Vielleicht werde ich in Zukunft bei entsprechenden Themen am Ende des Textes einen entsprechenden Kommentar mit Löschwarnung einbauen, oder ich mache es wie Ali und entvokalisiere…
    Was den Blog mit der eigenen “Netiquette” angeht – da lese und kommentiere ich nahezu nie, aus gutem Grund.

  60. #60 Adent
    13. April 2016

    @MartinB
    Hi Martin,
    ich sehe das so, an deiner Stelle würde ich nicht löschen, der Kommentar steht dort (dämlich wie er ist) und kann von jedem als tolles Beispiel nachgelesen werden :-). Ich würde erst dann löschen oder noch besser entvokalisieren, wenn jemand dauerhaft rumnervt durch Pöbeleien oder andere Störmanöver, Einzelposts in der Art sind halt die kleinen “Häufchen”, die überall auftauchen.
    Ansonsten, weiter so 🙂
    Die Triggerwarnung sehe ich mit gemischten Gefühlen, ich kann versuchen nachzuvollziehen, daß manche Menschen so etwas haben (ich zum Glück bisher nicht) finde es aber bei der Vielzahl an möglichen Triggern extrem schwierig diese vorherzusehen. Allerdings hat dieser Artikel insofern schon geholfen, da ich vor ihm gar nicht wusste, dass es so etwas in dem Maße gibt und jetzt darauf achten werde.

  61. #61 MartinB
    13. April 2016

    @Adent
    ” finde es aber bei der Vielzahl an möglichen Triggern extrem schwierig diese vorherzusehen.”
    Sicher. Deswegen schreibe ich ja auch oben nur, dass ich es da für sinnvoll/praktikabel halte, wenn es einigermaßen offensichtlich ist.

  62. #62 Niels
    14. April 2016

    @MartinB

    Ich war ehrlich gesagt von deinem ersten Kommentar ziemlich überrascht, weil er nicht zu dem Bild passte, das ich sonst von dir hatte hatte.

    Danke. Ich bin von Natur aus eigentlich nicht besonders emphatisch, aber ich bemühe mich.

    Was BlooDNAcid angeht – ich lese dort nur manchmal, aber ich finde meist selbst (oder gerade) die Texte besonders ärgerlich, deren Message ich eigentlich zustimmen würde (z.B. Texte über Atheismus), weil sie meist einfach grottenschlecht argumentiert sind

    Ich lese BlooDNAcid seit einiger Zeit gar nicht mehr. Kann also sein, dass sich da etwas geändert hat.
    Ich habe die Meinungsartikel immer als Polemiken verstanden, nicht als argumentative Erörterungen.
    Das ist erst mal auch okay, das ist manchmal kurzweilig und auch daraus können sinnvolle Diskussionen enstehen.

    Ich fand besonders ärgerlich, dass Cornelius Courts in den Kommentaren den Beginn einer sinnvollen Debatte aktiv abwürgt.
    Wenn Kommentatoren nicht seiner Meinung sind, reagiert er auf deren Beiträge (auch wenn diese vernünftig, wohldurchdacht, gut formuliert und höflich formuliert sind) praktisch ausschließlich mit Spott, Verächtlichmachung und aggressiver Polemik. Auch für persönliche Angriffe ist er sich nicht zu Schade.

    Deswegen lese ich dort nicht mehr.

    Na ja, BlooDNAcid ist hier aber nicht das Thema.
    Um auf deinen Umgang mit Kommentaren zurückzukommen und worauf ich eigentlich in #44 hinaus wollte:
    Ich finde es beeindruckend, wie du sogar auf polemische Attacken praktisch immer ruhig und unbeeindruckt antwortest und wie du deren Inhalt unaufgeregt argumentativ auseinandernimmst.
    Ich könnte das nicht.

    Deswegen würde ich auch nichts löschen. Beiträge wie #46 kann man ja getrost ignorieren.

    Ausnahmen würde ich nur bei Holocaustleugnung (kam glaube ich nur ein einziges Mal vor, als jemand plötzlich auf Krematorien in KZs umlenkte) und ähnlichen Dingen machen, die man aber schon aus Selbstschutz löschen sollte.
    Außerdem aber auch bei Beiträgen von “erik” und anderen Kommentatoren (oder ist das immer der selbe?), die immer mal wieder irgendwelche unzusammenhängenden, wirren Assoziationstextwüsten in den Thread werfen, ohne auf das Thema einzugehen und ohne auch nur das Geringste beizutragen.

    Ich kenne diese Pappenheimer natürlich mittlerweile und scrolle einfach ungelesen drüber, für Nichtstammleser wäre eine Löschung aber bestimmt ein Gewinn.

  63. #63 MartinB
    14. April 2016

    @Niels
    ” Ich bin von Natur aus eigentlich nicht besonders emphatisch, aber ich bemühe mich.”
    Und letzteres zeichnet Dich aus und entspricht dem Bild, das du bei mir hier in den Kommentaren hinterlässt.

    Nein, CC ist hier nicht das Thema – ich lese da auch nur sporadisch, aber den aktuellen Strohmann musste ich dann doch anschauen.

    Was das Sperren angeht – wenn ich sowas wie #46 stehen lasse, dann wäre das Sperren von Leuten wie erik (sinn- aber auch harmlos) schon etwas unfair, oder?
    Ich sehe ein wenig die Gefahr, dass es zu exzessiv wird mit dem Löschen und dass es schwer wird, da fair zu bleiben, deswegen lösche ich inzwischen nur noch sehr selten (ab und zu wird aber schon jemand gesperrt).

  64. #64 rolak
    14. April 2016

    Leute, die gegen Nüsse allergisch sind, sind verdammt froh, wenn “kann Spuren von Nüssen enthalten” auf der Packung steht

    Vorweg: Kein Widerspruch, MartinB, nicht der geringste.

    Allerdings gibt es auch da ÜberAktionen – eben beim Ausmisten des KüchenRegal-Inhaltes sprang bei einer in ein gutes Versteck gerutschten, schon vor 6 Jahren ablaufenden 200g-Haselnuß-Packung die erwähnte Warnung sofort ins Auge.
    Die GrinsePause klang so, allerdings eher wg leichten Asthmas ;‑)

  65. #65 Niels
    14. April 2016

    @MartinB
    Stimmt, besonders konsequent ist es nicht, deb Beitrag von Triggerwacht stehen zu lassen und die von erik zu löschen.
    Allerdings ist Triggerwacht wahrscheinlich ein “Hit and Run”-Kommentator, wahrscheinlich postet er kein zweites Mal. Und sein Beitrag ist wenigstens kurz und hat sogar etwas mit dem Thema zu tun.

    PS: Wegen dir hab ich jetzt den “ReLi”-Artikel einschließlich der Kommentare doch noch gelesen.
    Da hat sich eher nichts geändert, jedenfalls bestimmt nicht zum Besseren…

  66. #66 MartinB
    15. April 2016

    @Niels
    “Wegen dir hab ich jetzt den “ReLi”-Artikel einschließlich der Kommentare doch noch gelesen.”
    ‘tschuldigung…

  67. #67 cero
    15. April 2016

    Meine persönlichen Eindrücke/Fragen zu dem Thema:

    1. Ich denke viele Kommentare hier stammen aus der Tatsache, dass sehr schwammig ist, was denn nun ein Trigger ist und der Angst, dass die Anwendung (und Einforderung) von Triggern überhand nimmt. Du sagst, dass man zumindest die “offensichtlichen” Trigger vermeiden könnte. Aber was für ein Trigger ist denn nun offensichtlich? Ich wäre selbst bspw. niemals auf die Idee gekommen, dass Chemotherapien häufig(?) Traumata hervorrufen.

    Also wenn es tatsächlich “offensichtliche Trigger” gibt, dann würde ich dich einmal um eine umfassende Liste dieser Trigger bitten.

    2. Ein großes Problem hätte ich damit, wenn die Triggerproblematik dazu führt, dass – wie z.B. in dem Zeit-Artikel – Studenten unterschiedlich behandelt werden. Wie schon oben in einem Kommentar erwähnt, wer sich von Vergewaltigung triggern lässt und damit nicht umgehen kann, kann eben kein Strafrecht studieren. Wer es nicht aushalten kann über Chemotherapie zu sprechen hat im Medizinstudium nichts verloren.
    Ich denke es ist eine berechtigte Angst (da bei ähnlichen Themen schon oft geschehen), dass mit der Zeit die Forderungen immer lauter werden doch bitte einen Sonderweg zu schaffen.

    3. Da wir uns hier ja auf den ScienceBlogs befinden, gibt es denn aussagekräftige wissenschaftliche (d.h. evidenzbasierte) Studien zu den Triggern? Wenn ja, was sind die Ergebnisse?

    4. Zu deinem Argument “Diejenigen, die eine Triggerwarnung haben wollen, werden schon wissen, warum.” – Das Problem, was in dem verlinkten Kommentar beschrieben wurde ist ja gerade, dass teilweise diese Triggerwarnungen eben nicht mehr von den Betroffenen ausgehen, sondern von ideologiegetriebenen Aktivisten – und da kommen Punkt 1 & 2 wieder ins Spiel.

  68. #68 MartinB
    15. April 2016

    @cero
    “Also wenn es tatsächlich “offensichtliche Trigger” gibt, dann würde ich dich einmal um eine umfassende Liste dieser Trigger bitten”
    Ich denke,d as ist wirklich ziemlich offensichtlich: vergewaltuigung, Misshandlung, Kindesmissbrauch, schwere Gewalttaten, Folter, um nur die aller offensichtlichsten zu nennen.

    ” Wie schon oben in einem Kommentar erwähnt, wer sich von Vergewaltigung triggern lässt und damit nicht umgehen kann, kann eben kein Strafrecht studieren. ”
    Darum geht es ja nicht – mal davon abgesehen, dass Vergewaltigungen kein so zentraler Bestandteil des Strafrechts sind, dass das ein Grund sein sollte Leute auszuschließen. (Wundere mich gerade, dass ich das oben nicht kommentiert habe, aber stammt von StefanW alias “user unknown” – naja, das passt ins Bild). Es geht darum, solchen Triggern nicht ohne Vorwarnung ausgesetzt zu werden, nicht darum, iohnen gar nicht ausgesetzt zu werden. Aber das steht ja auch schon in meinem Artikel und ich habe es in den Kommentaren auch schon diverse male geschrieben.

    “gibt es denn aussagekräftige wissenschaftliche (d.h. evidenzbasierte) Studien zu den Triggern?”
    Nein. Die oben zitierte Seite liefert, wenn man hinschaut, genau nicht das, was sie behauptet. Es gibt natürlich prinzipiell Studien zu PTSD, die meines Wissens zeigen, dass ma PTSD wohl am ehesten überwinden kann, indem man sich den entsprechenden Trigger-Reizen unter kontrollierten Bedingungen und bewusst aussetzt – also genau das, was die Triggerwarnungen erreichen sollen. Ich bin aber keien Psychologin, insofern ist meine Meinung nur laienhaft.

    “sondern von ideologiegetriebenen Aktivisten”
    Ja, und weil es die gibt, sollen dann die Leute, die ernsthaft betroffen sind, drunter leiden? Die Logik kann ich nicht nachvollziehen – ist dieselbe Logik wie “Weil Menschen das soziale Netz missbrauchen könnten, schaffen wir jede Form von Sozialhilfe ab.”

    Ich habe es auch schon mehrfach geschrieben: Ja, man kann die Forderung nach triggerwarnungen etc. durch Übertreibung ad absurdum führen – aber das kann man mit allen möglichen anderen sinnvollen Dingen auch.

  69. #69 cero
    15. April 2016

    Ok, dein Chemotherapie-Beispiel war also tatsächlich eher als Beispiel als als Aufforderung gedacht.

    So weit kann ich dem auch zustimmen. Es sollte kein großes Problem sein, für solche Schwerstverbrechen Warnungen auszusprechen – darüber redet man ja auch nicht tagtäglich.

    Ich habe gerade festgestellt, dass ich einen anderen Artikel aus der Zeit im Sinn hatte, als du verlinkt hast. Nämlich diesen: http://www.zeit.de/2016/03/diskriminierung-universitaeten-usa-kulturelle-aneignung-minderheiten-studenten-protest/komplettansicht

    Was ich dort ziemlich bedenklich fand war die beschriebene Forderung vorzuwarnen, wenn man über Ovids Metamorphosen spricht, damit Studenten den Unterricht verlassen können.

    Was passiert dann, wenn eben dieses Werk Teil der Abschlussklausur ist?

    Wie gesagt, in deiner Interpretation, finde ich solche Warnungen durchaus vernünftig. Ich bin mir nur nicht sicher, ob das die Meisten, die Entsprechendes fordern, so sehen.

  70. #70 MartinB
    15. April 2016

    @cero
    “Was passiert dann, wenn eben dieses Werk Teil der Abschlussklausur ist?”
    Dann müssen diese Studis den Stoff wohl anderweitig nachholen, in einer Situation, in der sie sich fit genug fühlen, mit dem trigger umzugehen. In Vorlesungen herrscht zumindest bei uns keine Anwesenheitspflicht, ob jemand nicht kommt, weil sie wegen einer Triggerwarnung fernbleibt oder wegen der Audimax-Party am Vorabend ist egal.
    Insofern verstehe ich die Aufregung wirklich nicht, es gibt Menschen, die sagen “wenn ich in einer Vorlesung mit einem extremen Triggerreiz konfrontiert werde, dann möchte ich das vorher wissen” – wer verliert jetzt durch so eine Warnung irgendwas?

    “Wie gesagt, in deiner Interpretation, finde ich solche Warnungen durchaus vernünftig. Ich bin mir nur nicht sicher, ob das die Meisten, die Entsprechendes fordern, so sehen.”
    Um so wichtiger, dass man einen moderaten Standpunkt deutlich macht und propagiert – sonst sind es, wie so oft, die Extremistinnen, die den Ton angeben, und plötzlich ist jede Muslimin gleich eine islamistische Fanatikerin und jede, die eine Triggerwarnung fordert, will gleich die Lehrpläne umstoßen und nur noch Kuschelpädagogik.

  71. #71 Thomas
    16. April 2016

    Hallo Martin.
    Danke für den Artikel.
    Ich kannte dieses Thema bisher eigentlich überhaupt nicht, außer von Memen, die sich darüber lustig machen.
    Durch Deine Aufbereitung habe ich verstanden, dass es etwas sinnvolles ist.
    Sicher ist es gar nicht möglich, vor allem zu warnen, was aus irgendeinem Grund jemanden triggern kann (Stichword Thunfischpizze). Das heißt aber nicht, dass man nicht vor dem offensichtlichen warnenen kann (schlimme Krankheit, Tod, Gewalt, …).
    Durch Deinen Artikel ist mir klar geworden, dass dies eine ganz einfach und unaufwendige Form der Höflichkeit ist.
    Obwohl in meinen Vorlesungen, glaube ich, nichts (offentsichliches) vorkommt, was triggern kann, bin ich mir jetzt des Themas bewußt und kann es beim Erstellen meiner Slides im Hinterkopf behalten.

    Nebenbei bemerkt, den Gedanke dass die Leute sich gefälligst ihren Ängsten stellen und sich nicht so haben sollen … der hat irgendwas flasch-verstanden-darwinistisches an sich. Wenn man so denkt, dann kann man das prima auf so ziemlich alle Höflichkeitsnormen übertragen…

  72. #72 MartinB
    16. April 2016

    @Thomas
    “Durch Deinen Artikel ist mir klar geworden, dass dies eine ganz einfach und unaufwendige Form der Höflichkeit ist.”
    Danke, freut mich, wenn der Artikel doch auch so verstanden wird, wie er gemeint ist.

    “der hat irgendwas flasch-verstanden-darwinistisches an sich. Wenn man so denkt, dann kann man das prima auf so ziemlich alle Höflichkeitsnormen übertragen…”
    Nein, Höflichkeitsnormen gegenüber denen, die solche Probleme nicht haben (oder generel genenüber denen, die gesellschaftlich privilegiert sind) sind natürlich nach wie vor wichtig und unverzichtbar. [Warnung: Kann Spuren von Sarkasmus enthalten.]

  73. #73 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2016/03/23/bewusstes-buergersteigradeln/
    16. April 2016

    Bei der Mädchenmannschaft wird als Grund für Triggerwarnungen angegeben, dass man nicht in seiner Wellnessstimmung gestört werden soll:

    Immer wieder stoßen mir solche Szenen auf und holen unangenehme Bilder und Gefühle in mir hervor. Diese Szenen beinhalten z.B. Ezählungen oder (teilweise sehr detaillierte) Darstellungen sexualisierter Gewalt, aber meistens werde ich durch “Witze” über dieses Thema getriggert, da diese das Leid so vieler Menschen und auch mein eigenes Leid nicht als solches anerkennen und es sogar noch ins Lächerliche und Harmlose ziehen.

    , nicht dass ein Trauma reaktiviert werden könnte.

    Vor den Beitrag hat die Autorin selbst eine Triggerwarnung gesetzt, die man, kennte man den Blog nicht, für einen Scherz halten würde:

    Beschreibung von Triggern und deren Wirkungsweise, Ausschreiben des Wortes Vrgwltgng.

    Die Vorstellung, das Wort Vergewaltigung würde jemanden triggern, aber dessen Verkrüppelung zu Vrgwltgng nicht, kann doch nicht ernstgemeint sein! Es geht hier m.E. nur darum durch ritualisiertes Handeln eine virtuelle Gruppenzugehörigkeit zu zelebrieren.

    Wenn ich Google anwerfe, dann finde ich zu “Triggerwarnung” auf 10 Treffer 10, die sich mit Triggerwarnungen befassen, davon 2, die selbst eine Triggerwarnung enthalten. Diese warnen jeweils vor den Wörtern, die das Ereignis benennen, welches nicht erinnert werden soll und behelfen sich mit Devokalisierungen.

    Dabei problematisiert einer der Texte, dass es Nebensächlichkeiten sein können, die bei einem Betroffenen triggernd wirken, also bei einem Raubüberfallopfer etwa vielleicht nicht das Wort Raubüberfall, sondern “Mach voll!” oder das Rascheln einer oder eine bestimmte, bedruckte Plastiktüte.

    Vor möglichen Triggern kann man wegen der Vielzahl und Unbestimmtheit gar nicht warnen.

    Vor Wörtern, die Verletzungen benennen, kann man m.W. nicht warnen ohne die Wörter erkennbar zu machen oder Umschreibungen oder andere Hilfsmittel zu benutzen, die irgendwie erkennbar machen, wovor gewarnt wird, und damit genauso triggern können.

    Das Ausufern der Probleme, die mittels Triggerwarnungen tabuisiert werden sollen (Lookism, Ableism) zeigt, dass es sich um einen Aktivismusbohei handelt, bei dem es nicht um die ernsthafte Behandlung eines Problems handelt, sondern dass es beim großen me-too um einen szenetypischen Trick handelt, Veranstaltungen zu derailen, um über die Themen der Aktivisten zu reden und andere zu belehren während man sich als Held und Widerstandskämpfer inszeniert und fühlt während man zum Kleinkind retardiert.

  74. #74 Thomas
    17. April 2016

    @user unknown
    Bei jedem Thema gibt es immer Leute, die es übertreiben, die bis zur allerletzten Konsequenz, in jedem Lebensbereich und in jeder Situation “heilig” sind. Die sich dieses Thema zum Zentrum und Zweck ihres Lebens ausgewählt haben. Das ist hier so aber auch beim Naturschutz, bei der Flüchtlingskrise, usw. (Lustigerweise scheint es sogar oft sowohl auf pro als auch kontra-Seite solche Pole zu geben.)

    Das heißt aber nicht, dass das Thema an sich Unsinn ist. Vor Bildern oder längeren, graphisch geschriebenen Texten, zu warnen, die den Leser verstören könnten oder jemandem, der traumatisiert ist, einen Flashback bescheren können, erscheint mir sinnvoll. Es ist eine einfache Form der Höflichkeit. Es ist keine Selbstzensur, denn das Thema wird nicht ausgespart, es ist noch da, aber ich gebe dem Leser die Möglichkeit, sich, wenn nötig, auszuklinken. Das ist etwas anderes, als eine Triggerwarnung dass im folgenden Text der Chef männlich und die Sekretärin weiblich ist, um mal einfach ein Beispiel zu erfinden. Dies halte ich nicht für sinnführend.

    Komischerweise kommt es mir aber so vor, als ob wir auch die super-heiligen brauchen, die das Thema übertreiben. Ohne die wäre vielleicht der Artikel, auf den Martin sich am Anfang bezieht, nie erschienen. Ohne den hätte Martin vielleicht seinen Artikel nie geschrieben. Ohne den hätte ich nie ernsthaft darüber nachgedacht. Ohne die würde vielleicht niemand von uns überhaupt das Wort “Triggerwarnung” kennen. Vielleicht braucht es ja auch solche Leute, um das Thema erstmal sichtbar zu machen. Jemandem der so sachlich ist wie Martin wäre die Trigger-Idee vielleicht früher oder später auch von selbst gekommen, er hätte sie in seiner Vorlesung eingesetzt, und das wär’s. Ende. Vielleicht braucht es jemanden der laut rumschreit. Letzten Endes wird der gesellschaftliche Konsens irgendwo in der Mitte landen.

  75. #75 MartinB
    17. April 2016

    @Thomas
    Ich habe (wie immer) den Kommentar von User Unknown nicht gelesen. In deiner Anwtort finde ich den Satz hier ganz interessant:
    “Vielleicht braucht es ja auch solche Leute, um das Thema erstmal sichtbar zu machen”
    Ich vergleiche so etwas manchmal mit einem Regelkreis – um sich schnell ans Optimum anzunähern, kann es eben sinnvoll sein, am Anfang zu übersteuern.
    “Vielleicht braucht es jemanden der laut rumschreit.”
    Das sowieso. Es ist ja immer eine Forderung der Etablierten, dass Proteste doch bitte möglichst still und leise zu sein haben – das war so bei z.B. dem Frauenwahlrecht, der Bürgerrechtsbewgung in den USA usw. Aber leise Stimmen lassen sich eben auch ignorieren.

    Auf der anderen Seite muss man natürlich rechtzeitig die Bremse ziehen, um nicht vollständig von den Extremistinnen vereinnahmt zu werden.

  76. #76 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2016/01/27/der-biodeutsche/
    17. April 2016

    Ich habe (wie immer) den Kommentar von User Unknown nicht gelesen.

    Aber leise Stimmen lassen sich eben auch ignorieren.

    Finde den Widerspruch.

    Implizit ist es ja auch das Eingeständnis, dass es gar nicht um Rücksichtnahme oder Schonung von Individuen geht, sondern um plakativen Aktivismus, also den Missbrauch, die Instrumentalisierung von echten Opfern.

    Deswegen ist es auch wurscht dass man gar nicht weiß, was diese triggern würde und dass es keinen Sinn hat, anzunehmen, dass das Wort Vergewaltigung triggern könnte, aber V+rg+w+lt+g+ng nicht.

    Reines Symbolhandeln.

    Symbolhandeln wofür oder wogegen, darüber kann man wohl auch anders spekulieren, als ich das tue, was die Motive oder impliziten Annahmen dahinter sind, aber nicht darüber, dass es das ist.

  77. #77 Earonn
    20. April 2016

    @Thomas #74
    Danke für den ruhigen, durchdachten und Verständnis suchenden Kommentar.

    @user unknown
    Ich hatte bereits beschrieben, wie solche Warnungen mir tatsächlich helfen.

    Was wollen Sie jetzt machen – mich der Lüge bezichtigen, es einfach ignorieren, oder vielleicht mal genügend Rückgrat zeigen um zuzugeben, dass Sie sich geirrt haben?

    Wir können ja auch gerne mal darüber nachdenken, warum Ihnen Menschen, die aus Fürsorge für andere handeln, so zuwider sind.

  78. #78 MartinB
    20. April 2016

    @Earonn
    ” warum Ihnen Menschen, die aus Fürsorge für andere handeln, so zuwider sind.”

    Im aktuellen Heft des Hochschulverbandes war ein Artikel, in dem etwas interessantes dazu stand: Danach kann man grob zwei Grundeinstellungen zur Gesellschaft unterscheiden – die eine ist “fürsorglich”, d.h., sie sieht es als zentral an, dass Menschen geholfen wird, die andere ist “streng”, für sie ist zentral, dass Menschen sich an Regeln etc. halten und dass solche Regeln existieren. Fand ich erst mal ein interessantes Grundkonzept.
    Es wurde dann drüber nachgedacht, dass Triggerwarnungen diese gewohnten Kategorien insofern sprengen, weil man versucht, aus Fürsorge verbindliche Regeln aufzustellen, vielleicht sind deswegen manche Leute hier und bei verwandten Themen so empfindlich.

  79. #79 Earonn
    20. April 2016

    @MartinB
    Klingt in der Tat interessant und einleuchtend. Die Regel-Freunde müssten sich ihrer Fürsorglichkeit stellen und sicher gibt’s auch ein paar Fürsorgliche, denen es vor dem Schematischen von Regeln graust.
    Wobei ja, soweit ich sehen kann, Regeln bislang noch kaum in praktischer Form angesprochen wurden (da greift dann eventuell die Angst vor einer Slippery Slope).

    OT: ich hatte das, meine ich,noch nicht erwähnt: alles Gute zur überstandenen Erkrankung. Drücke die Daumen, dass es so bleibt.

  80. #80 MartinB
    20. April 2016

    @Earonn
    “Drücke die Daumen, dass es so bleibt.”
    Danke.

    “da greift dann eventuell die Angst vor einer Slippery Slope”
    Wobei das ja immer ein eher mieses Argument ist.

  81. #81 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2016/04/20/heilen-mit-sprache/
    21. April 2016

    @Earonn:
    Obwohl niemand meine Fragen beantwortet will ich Ihre beantworten:

    Flackernde Bilder sollen ja physischen Einfluss auf viele Epileptiker haben – da macht es durchaus Sinn eine Warnung auszusprechen.

    Dass Schlüsselwörter personenübergreifend triggernd wirken habe ich bezweifelt. Zweitens erreichen Fernsehsendungen ein Millionenpublikum, während Vorlesungen maximal wenige Hundert erreichen. Drittens, habe ich auch schon genannt, leuchtet nicht ein, dass ein Wort selbst triggernd wirken soll, eine Ersatzformulierung, durch die dieses Wort oder das damit bezeichnete Ereignis erkennbar wird, jedoch nicht. Viertens: Was macht ein Richter, Staatsanwalt oder Anwalt, wenn ein Prozess eine überraschende Wende nimmt, und solch ein Thema zum Gegenstand wird? Die Verhandlung unterbrechen und das Mandat niederlegen?

  82. #82 Dr. Webbaer
    27. April 2016

    Nur zum Sachverhalt “Trigger” ergänzend:
    -> https://de.wikipedia.org/wiki/Datenbanktrigger
    -> http://www.etymonline.com/index.php?term=trig

    Es handelt sich hier also um “Wahrheitswarnungen”, gerade im Bereich relationaler Datenhaltung ist das Aufsetzen oder die Installation sogenannter Trigger wichtig, bspw. wenn geschäftsrelevante Ereignisse eintreten und Geldsummen hin- und hergeschoben werden; die Gehaltserhöhung von Angestellten könnte im wirtschaftlichen Betrieb typischerweise Trigger auslösen, die für die Personalabteilung bedeutsam werden – mit Trigonometrie hat die Sache nichts zu tun.
    Dies nur spaßeshalber ergänzt.

    Aus dieser Aussage – ‘Aktueller Anlass für diesen Text hier war dann dieser Kommentar auf den Scienceblogs.’ – ist Ihr Kommentatorenfreund übrigens nicht schlau geworden.
    Nicht ad hoc zumindest, vielleicht kann ja noch explanatorisch hinzugebaut werden.

    MFG
    Dr. Webbaer

  83. #83 Dr. Webbaer
    27. April 2016

    PS:
    Aha! – Hier hat also, bevorzugt in den Staaten, eine Metaphorik stattgefunden und man hat’s dort übertragend theoretisieren können, ganz ähnlich wie bspw. sogenannte Mikro-Aggressionen, vgl. :

    Vergangenes Jahr begann eine andere antiliberale Welle durch College-Land zu rollen – die trigger warnings. Alle Bücher im Lehrplan, die beunruhigen oder “posttraumatischen Stress” auslösen könnten, sollten ein “Achtung, schädlich”-Etikett bekommen – wie Zigaretten. (Quelle: ZEIT-Joffe)

    Ja, schwierig, wie es Euch gefällt!

    MFG
    Dr. Webbaer (der Einschränkungen der Freiheit der Meinungsäußerung, gerade auch im wissenschaftlichen Betrieb, auch Lernende meinend, nicht gut finden kann – aber wenn’s gefällt?!)

  84. #84 MartinB
    27. April 2016

    “der Einschränkungen der Freiheit der Meinungsäußerung, gerade auch im wissenschaftlichen Betrieb, auch Lernende meinend, nicht gut finden kann”
    Und in wie weit ein “Achtung, jetzt reden wir über einen Text, der XXX beschreibt” eine Einschränkung der Meinungsfreiheit ist, erschließt sich vermutlich nur Bären. Die sagen vermutlich auch nicht “bitte” oder “danke”, weil eine solche gesellschaftliche Konvention ja die “Meinungsfreiheit einschränkt”.

  85. #85 switcher
    27. April 2016

    Ich will im Zusammenhang mit diesem Artikels auf eine jüngere Debatte verweisen, die Stephen Frys Äußerungen zu Kindesmissbrauch und Triggerwarnungen ausgelöst haben. Man kann hier gerne auch den schon verstorbenen George Carlin oder Ricky Gervais hinzuziehen, Kalkofe, Maher, weil sie Comedians waren bzw. sind und Satire wie im Fall Böhmermann gleichermaßen verhandelt wird im Moment. Da gibt es Gemeinsamkeiten bzw. Überschneidungen, die ich jetzt nicht im Detail herausarbeiten will, die aber offensichtlich sind.

    Hier zunächst mal das Interview mit Stephen Fry:
    https://youtu.be/eJQHakkViPo

    Kommentiert und reagiert wurde kontrovers, natürlich. Ich hab einen Artikel herausgesucht, der mit der Überschrift aufmacht: “He phrased it badly, but Stephen Fry pointed out something important: trigger warnings are oppressive too”

    http://www.independent.co.uk/voices/he-phrased-it-badly-but-stephen-fry-pointed-out-something-important-trigger-warnings-are-oppressive-a6982731.html

    Sehr viele haben Fry vorgehalten er wäre priviligiert, ihm fehle die Empathie, er wisse nicht wovon er redet usw. usf. Was ist richtig?

    Missbrauch ist nicht lustig. Die Tat an sich ist nicht komisch. Und doch sollte es z.B. möglich sein, Witze darüber zu machen (Frys Äußerungen waren nicht witzig, auch nicht gemeint, er wollte auf Clear Thinking, Free Speech, Enlightment, love yourself don’t pity yourself, freedom of art, critical thinking etc. hinaus, ich erweitere das Thema Triggerwarnung hier mal aus gutem Grund). Das ist der Zweck von Humor: Über schlechte Dinge, die im Leben passieren, hinweg zu kommen, sie irgendwie zu verarbeiten. So kann man das jedenfalls sehen. Ich würde behaupten, lachend stürzt sich niemand von der Brücke, wenngleich genug Fallhöhe für einen Witz vorhanden wäre.

    Frys Äußerung, die Anschlussdebatte, die Diskussion hier über Triggerwarnungen, Gendersprache, politisch korrekte Sprache – dies ist alles zu einer Frage geworden, die nur noch zwei Antworten zu haben scheint.

    Martin schreibt sinngemäß, dass es ein Gebot der Höflichkeit und Rücksicht sei, Triggerwarnungen auszusprechen. Nun, warum der Spin, wer nicht warnt ist empathielos, rücksichtslos: Es koste doch nichts, also wenn es so einfach ist und man es unterlässt, muss man ja ein Arschloch sein.
    Ist denn im Umkehrschluss jeder der warnt moralisch integer? Sind Worte mittlerweile wichtiger geworden als Taten? Wiegen wir jetzt Rücksichtnahme gegen freie Meinungsäußerung auf oder Geschmack gegen Kunstfreiheit oder Empathie gegen Gleichheit?

    Wenn ich höflich sein will und jeden Menschen (den ich nicht identifizieren kann), der ein Trauma hat (das ich nicht kenne), das durch ein Wort getriggert wird (das ich nicht kenne), wenn ich mich mit diesen und anderen Menschen (die Traumata/Triggerwörter haben oder auch nicht) in einem gemeinsamen Kommunikationsraum (Blog, Chat, Mail, Straße, Restaurant, Vorlesung etc.) befinde, dann bleibt mir als höflicher, rücksichtsvoller Mensch kaum mehr übrig als zu Schweigen. Denn die Wahrscheinlichkeit jemanden, einen einzelnen, zu triggern ist mutmaßlich größer als das Ergebnis eines Münzwurfs richtig vorherzusagen. Es geht hier nicht mehr um den Einzelnen, dessen Unversehrtheit geschützt werden soll, es geht um den Schutz eines viel basaleren, ausnahmslos alle Menschen betreffenden Rechts.

    Die Frage ist, wollen wir eine Gesellschaft, die konstatieren darf, das das Leben und die Welt sehr hässlich sein kann, aber darüber hinweg kommt, weitermacht und Dinge ändert, nachdem man sie benannt hat. Oder wollen wir Angst vor der Angst haben, die Augen zumachen und uns einreden, alles ist gut solange man nichts sieht und hört.

    Sich aus der Unmündigkeit zu befreien, bedeutet Autoiritäten und Dogmen zu hinterfragen, gegenteilige Meinungen auszuhalten.

    Dass Triggerwarnungen in einem bestimmten Stadium helfen können, klingt plausibel. Und wenn ich einen Menschen kenne, der getriggert werden kann, dann werde ich natürlich Rücksicht nehmen. Aber das sind persönliche, private Situationen, da zähle ich z.B. Vorlesungen nicht dazu. Öffentliche Räume sind öffentlich. Ich will hören, was die Menschen denken und fühlen und nicht den Umweg gehen über Stammtische, Man-wird-doch-wohl-noch-sagen-dürfen hin zu “AFD stellt Regierungskoalition” und damit vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden.

    Jetzt bin ich doch wieder beim Schwarzweiß-Denken angekommen, wahrscheinlich weil es grundlegende Fragen sind, die hier verhandelt werden und die Welt zerissen ist.

    Ich will daher mit folgendem Zitat schließen, auf das man sich vielleicht einigen kann, ein Gesprächsangebot gewissermaßen (Quelle: es fiel in einer Debatte der Oxford Union):

    “The freedom of speech includes the right to offend – but a right is not a duty.”

  86. #86 MartinB
    27. April 2016

    @switcher
    “Nun, warum der Spin, wer nicht warnt ist empathielos, rücksichtslos: Es koste doch nichts, also wenn es so einfach ist und man es unterlässt, muss man ja ein Arschloch sein.”
    Würde ich so hart nicht ausdrücken, aber ja – ist wie “bitte” und “danke” sagen oder anderen ne Tür aufhalten.

    “Ist denn im Umkehrschluss jeder der warnt moralisch integer?”
    Nein. Hat auch niemand behauptet – auch ein Bösewicht kann “bitte” und “danke” sagen.

    ” das durch ein Wort getriggert wird (das ich nicht kenne),”
    Darum geht es ja nicht, das steht sogar im Artikel selbst, den zu lesen könnte helfen. Man kann einzelne triggernde Worte nicht vermeiden – aber Triggererlebnisse werden meist auch nicht durch einzelne Worte ausgelöst, sondern durch Beschreibungen etc.

    “dann bleibt mir als höflicher, rücksichtsvoller Mensch kaum mehr übrig als zu Schweigen.”
    Das ist schon ziemlich absurd.

    “Oder wollen wir Angst vor der Angst haben, die Augen zumachen und uns einreden, alles ist gut solange man nichts sieht und hört. ”
    Nein. Aber darum geht es ja bei Triggerwarnungen nicht. Um Bernd das Brot zu zitieren:

    “Ich habe es euch schon hunderttausend mal gesagt, aber ich mache euch gern weitere drei Milliarden mal darauf aufmerksam”:
    Es geht darum, *vor* dem detaillierten Schildern oder Besprechen von entsprechenden Themen kurz zu sagen “Achtung, das könnte Sie triggern, wenn Sie sensitiv sind”. Es geht *nicht* darum, solche Themen nicht mehr anzusprechen.

    ” Ich will hören, was die Menschen denken und fühlen ”
    Und das kannst du auch dann, wenn ich erst eine Triggerwarnung ausspreche und dann sage, was immer ich zu sagen habe.

    “The freedom of speech includes the right to offend”
    Sicher – aber wenn du ohne Grund Leute triggerst, obwohl eine Warnung einfach gewesen wäre, dann gehört zu meiner Redefreiheit- und Meinungsfreiheit auch, dich entsprechend zu bewerten.

    Ansonsten wäre es wirklich schön, wenn du nicht gegen irgendwelche Stohmänner diskutieren würdest.

  87. #87 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2016/04/28/sonnentropfen/
    28. April 2016

    Man kann einzelne triggernde Worte nicht vermeiden – aber Triggererlebnisse werden meist auch nicht durch einzelne Worte ausgelöst, sondern durch Beschreibungen etc.

    Ich bin überrascht. Gibt es dazu empirische Befunde?

    Und wie häufig sind Personen überhaupt, die Gefahr laufen retraumatisiert zu werden?

    Und was ist mit Prüfungsstoff – hat da die Person, die sich das nicht durchlesen kann, Pech gehabt, oder wird der Prüfungsstoff so zusammengestellt, dass die häufigsten Trigger vermieden werden?

    Welches sind eigentlich die häufigsten Trigger?

    Ich halte das mit den Triggern für eine, auf den ersten Blick, gute Idee, die einem zweiten Blick nicht standhält.

  88. #88 MartinB
    28. April 2016

    @UserUnknown
    ” Gibt es dazu empirische Befunde?”
    Zumindest gibt es entsprechende Berichte von Menschen, die traumatisiert sind.
    “häufig sind Personen überhaupt, die Gefahr laufen retraumatisiert zu werden? ”
    Kannst ja mal die Zahl der Frauen googeln, die vergewaltigt wurden, dann hast du einen Anhalt.

    ” wird der Prüfungsstoff so zusammengestellt, dass die häufigsten Trigger vermieden werden? ”
    Vermutlich nicht – obwohl das meiner Ansicht nach in Einzelfällen angebracht sein kann (in einer Strafrechtsprüfung gibt es z.B. genügend mögliche Delikte, dass man nicht gerade eine Prüfung zum Thema “Vergewaltigung” abhalten muss (es sei denn, das wäre das spezielle Thema des Seminars o.ä.); in einer Medizinprüfung kann man logischerweise nicht auf das Thema “Krebserkrankung” verzichten, auch wann das jemanden triggern könnte.) Augenmaß ist gefragt.
    “Ich halte das mit den Triggern für eine, auf den ersten Blick, gute Idee, die einem zweiten Blick nicht standhält.”
    Das liegt aber schlicht daran, dass du krampfhaft nach Situationen suchst, in denen es nicht funktioniert (wie bei allen hier auf dem Blog diskutierten gesellschaftlichen Themen, bei denen auch nur ansatzweise die Möglichkeit besteht, dass du dein Verhalten hinterfragen oder gar ändern müsstest), um dann zu sagen “Dann taugt die ganze Idee nichts”. Nennt man “fallacy of the perfect solution”, ist ein beliebter Diskussionssstopper.

  89. #89 switcher
    28. April 2016

    @MartinB
    Aber was sagt das denn über die Idee aus, wenn sie in vielen Beispielen nicht so funktioniert, wie beabsichtigt, oder gerade wie beabsichtigt, aber dann nicht schützend sondern unterdrückend, egal ob jemand krampfhaft danach sucht (das ist eine unnötige, voreingenommene Attribuierung, die ich nach dem Lesen aller Kommentare zwar mitfühlen kann, aber doch der Argumentation nicht dient, MartinB) oder vor dem Hintergrund ihre Grenzen auszuloten und damit dem Grundgedanken, rücksichtsvoll miteinander umzugehen, nicht entgegensteht.

    Es steht doch hier nicht zur Diskussion (@all: oder?), nett zueinander zu sein und Menschen nicht unnötig oder gar böswillig zu triggern.

    Trotzdem es ja demgegenüber auch therapeutische Ansätze gibt, die Patienten mit ihren Traumata zu konfrontieren, kontrolliert und dosiert, und sie sich eben nicht abschotten zu lassen.

    Wenn wir hier jetzt nur die Beispiele diskutieren sollen, bei denen eine Triggerwarnung wirksam und sinnvoll wäre, dann zeigt das ironischerweise genau das gegenwärtige gesellschaftliche Problem der regelrechten Hermetik von Meinungen mangels (semi)permeabler Membran, zum Schutz des eigenen Weltbildes. Empathie ist nicht absolut, eher relativ, so wie die Wahrheit.

    Zu “perfect solution fallacy”: Irgendwie kennt man selbst diese Situationen, in denen eine vielleicht gute Lösung abgetan wird, weil sie nicht perfekt ist. Aber jetzt weiß ich, dass es dafür einen Begriff und ein Konzept gibt, danke 🙂
    Der Eindruck kann hier durchaus auch entstanden sein. Deshalb habe ich den Kontext von Triggerwarnungen mit Stephen Fry etc. erweitern wollen, weil es hier gar keine perfekte Lösung gibt, die man einer guten entgegenhalten könnte. Es ging mir darum, herauszuarbeiten, ob das Instrument Triggerwarnung womöglich ein schlechtes Instrument ist, auch wenn es manchmal gut ist.
    Überwachung kann auch ein gutes Instrument sein, und doch würden da wenige Bürger zustimmen.

  90. #90 MartinB
    28. April 2016

    @switcher
    ” wenn sie in vielen Beispielen nicht so funktioniert, wie beabsichtigt,”
    Und welche wären das? Die Beispiele, die bisher gebracht wurden, sind ja genau dvon der Art, die ich schon im Ausgangstext angesprochen habe – man kann nicht jeden Trigger kennen.

    “Es steht doch hier nicht zur Diskussion (@all: oder?), nett zueinander zu sein und Menschen nicht unnötig oder gar böswillig zu triggern.”
    Anscheinend doch, siehe die Kommentare oben.

    Das mit den therapeutischen Ansätzen hatten wir oben schon mehrfach diskutiert (und hoffentlich geklärt, warum das kein Argument gegen Triggerwarnungen ist).

    “Wenn wir hier jetzt nur die Beispiele diskutieren sollen, bei denen eine Triggerwarnung wirksam und sinnvoll wäre, dann zeigt das ironischerweise genau das gegenwärtige gesellschaftliche Problem der regelrechten Hermetik von Meinungen mangels (semi)permeabler Membran, zum Schutz des eigenen Weltbildes.”
    Das ist ein ziemlich schwaches Argument – weil es ja anscheinend genügend Leute gibt, die Triggerwarnungen per se ablehnen (siehe die Kommentare). Ansonsten ist das ein Argument der Art “In Spezialfall XY hilft ein Anschnallgurt aber nicht oder ist sogar gefährlich, deswegen sollte man sich im Auto nicht anschnallen.”
    Ja, es gibt Fälle, wo eine Triggerwarnung nicht funktioniert, und überraschenderweise habe ich das sogar schon im Text selbst angesprochen.

    “Es ging mir darum, herauszuarbeiten, ob das Instrument Triggerwarnung womöglich ein schlechtes Instrument ist, auch wenn es manchmal gut ist.”
    Es ist schlecht, obwohl es manchmal gut ist?

    Niemand hat behauptet “Man muss alle Menschen vor allen denkbaren Triggern bewahren” – gegen diesen Strohmann zu argumentieren, ist deswegen ziemlich sinnlos.

  91. #91 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2016/02/06/der-gutmensch/
    28. April 2016

    Kannst ja mal die Zahl der Frauen googeln, die vergewaltigt wurden, dann hast du einen Anhalt.Kannst

    a) Geht man von einer hohen Dunkelziffer aus, was die Belastbarkeit solcher Zahlen einschränkt.
    b) Ist die Definition dessen, was überhaupt eine Vergewaltigung ist, in jüngerer Zeit strittig geworden
    c) Hätte man damit nur eine obere Grenze, weil ja nicht alle vergewaltigten Frauen Retraumatisierungsanfällig sind.
    d) Umgekehrt aber auch nur eine untere Grenze, da Vergewaltigungen ja nicht die einzige Ursache von Traumata sind. Krieg, Unfälle aller Art, Naturkatastrophen, Gewaltverbrechen aller Art kommen in Frage.

    Ohne zu wissen wie viele Opfer und Zeugen es gibt und wie hoch der Prozentsatz der Traumatisierten ist, und wie viele davon retraumatisiert werden können und auf welche Weise, weiß man also quasi gar nichts.

    Universitätsveranstaltungen werden von 5 bis 500 Leuten besucht – Nachrichtensendungen dagegen hören und sehen Millionen, wieso spoilert man nicht die?

    in einer Strafrechtsprüfung gibt es z.B. genügend mögliche Delikte, dass man nicht gerade eine Prüfung zum Thema “Vergewaltigung” abhalten muss

    Als Anwalt, Staatsanwalt oder Richter kann man nicht mitten im Prozess erklären, das sei einem jetzt zu heftig, man legt das Mandat nieder. Und was Zeugen, Beschuldigte oder Opfer in den Prozess einführen werden kann man auch nicht vorab klären.

    Es ist also gar nicht zielführend traumatisierte Menschen für eine Tätigkeit auszubilden, die sie dann gar nicht ausüben können. Was will man mit Ärzten, die kein Blut sehen können?

    Das liegt aber schlicht daran, dass du krampfhaft nach Situationen suchst, in denen es nicht funktioniert (wie bei allen hier auf dem Blog diskutierten gesellschaftlichen Themen, bei denen auch nur ansatzweise die Möglichkeit besteht, dass du dein Verhalten hinterfragen oder gar ändern müsstest),

    Es ist umgekehrt eher so, dass ich krampfhaft nach einer Situation suche, in der Trigger sinnvoll sein könnten.

    Es wundert mich, dass Du Dir zutraust, beurteilen zu können, ob ich mein Verhalten hinterfragen muss und ob ich mein Verhalten ändern muss. Du weisst ja doch nahezu nichts über mein Verhalten.

    Über Traumata, wie mir scheint, weisst Du auch nicht viel mehr.

    “Dann taugt die ganze Idee nichts”. Nennt man “fallacy of the perfect solution”, ist ein beliebter Diskussionssstopper.

    Eigentlich nicht.
    Ich hinterfrage, wofür das überhaupt eine Lösung sein soll, ob es in vielen Fällen hilft, in wieviel Fällen es nicht hilft, und wieviele Fälle es überhaupt gibt und Du hast keine Ahnung, wie mir scheint.

    Und die Relevanz des Themas besteht darin, dass Leute mit noch weniger Ahnung Dir nacheifern werden und unsere Welt mit Spoilern aller Art zukleistern werden, vor Theaterstücken, Opern, Filmen und Büchern, Lehrveranstaltungen, Radiobeiträgen und Internetseiten.

    Und es werden sich immer Institutionen bemühen auf Beiträge, die triggern könnten, basierend auf dem oberflächlichen Wissen, welches sich in der Breite dann meist durchsetzt (enthält das Gene oder Chemie?) ganz zu verzichten – man will die Traumatisierten ja nicht ausschließen.

    Andere nennen es Selbstzensur, wir nennen es Safe Spaces. Ich nenne es Religion 2.0. Immerhin wird die Erlösung wie bei jener von performativen Sprechakten erwartet.

  92. #92 MartinB
    28. April 2016

    @UserUnknown
    “Nachrichtensendungen dagegen hören und sehen Millionen, wieso spoilert man nicht die? ”
    Zum einen, weil man bei Nachrichten Meldungen von katastrophen erwartet. Zum zweiten geben sich zumindest seriöse Nachrichten Mühe, keine zu drastischen bilder zu zeigen. und zum dritten – ja, könnte man drüber nachdenken.

    “Als Anwalt, Staatsanwalt oder Richter kann man nicht mitten im Prozess erklären, das sei einem jetzt zu heftig, man legt das Mandat nieder.”
    Genau. Und man wird in einen Gerichtssaal gebracht und muss dort plötzlich einen fall verhandeln, über dessen Inhalte man nichts weiß. Es ist nicht etwa so, dass sich Anwälte ihre Mandanten aussuchen, auf gar keinen Fall. Und natürlich beschäftigen sich auch generell alle Strafrechtsanwälte (oder Staatsanwälte oder Richter) mit Vergewaligungen, die sind auch in keiner Weise spezialisiert oder so.

    Dass die Logik z.B. in der Medizin eine andere sein muss, habe ich auch oben selbst geschrieben.

    “Ich hinterfrage, wofür das überhaupt eine Lösung sein soll, ob es in vielen Fällen hilft, in wieviel Fällen es nicht hilft, und wieviele Fälle es überhaupt gibt und Du hast keine Ahnung, wie mir scheint.”
    Doch – es gibt nämlich Leute, die Triggerwarnungen aus eigener Erfahrung gutheißen. Und deren Aussage zählt etwas.

    “und unsere Welt mit Spoilern aller Art zukleistern werden…”
    schon wieder ein slippery-slope-Argument?

  93. #93 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2014/02/22/arachnophobia/
    28. April 2016

    Doch – es gibt nämlich Leute, die Triggerwarnungen aus eigener Erfahrung gutheißen. Und deren Aussage zählt etwas.

    Noch viel mehr Menschen halten Homöopathie aus eigener Erfahrung für gut und noch viel mehr Gebete aller Art.

    Zum einen, weil man bei Nachrichten Meldungen von katastrophen erwartet.

    Wann hast Du zuletzt eine Nachrichtensendung gesehen, die Vergewaltigung thematisiert hat?

    Zum zweiten geben sich zumindest seriöse Nachrichten Mühe, keine zu drastischen bilder zu zeigen.

    Von drastischen Bildern in der Vorlesung habe ich gar nicht gesprochen.

    Wenn im Vorlesungsverzeichnis “Lungenkrebs” als Thema steht, dann werden aber womöglich auch Bilder von Krebs gezeigt.

    Dass Spinnenphobie auf ein Trauma zurückgeht ist, soweit ich weiss, auch eine ganz neue Erkenntnis, die Du dem Fachpublikum bekannt machen solltest. Man wird dort sicher mehr hören wollen.

    Genau. Und man wird in einen Gerichtssaal gebracht und muss dort plötzlich einen fall verhandeln, über dessen Inhalte man nichts weiß.

    Nein, man hat eine Triggerbehörde vor sich, der man vorab bekannt gibt, welche Inhalte man nicht verträgt, und die schirmt einen von diesen Inhalten ab.
    Überraschende Wendungen kommen in Prozessen quasi nie vor, die Fälle sind eigentlich, bevor sie im Prozess zur Sprache kommen, eigentlich schon gelöst.

    Inwieweit sich Richter und Staatsanwälte ihre Fälle aussuchen können weiß ich nicht, ich denke das nicht.

    “und unsere Welt mit Spoilern aller Art zukleistern werden…”
    schon wieder ein slippery-slope-Argument?

    Man kann diesen Prozess ja gerade live beobachten. Nur weil Du ein Funky-English-Word dafür hast ist das Argument noch nicht widerlegt.

    Außer man glaubt an magisches Sprachhandeln, dann ist die Gefahr natürlich jetzt gebannt. Wahrscheinlich musst Du den Zauberspruch aber in wenigen Kommentaren schon wiederholen – man kennt das ja von Priestern.

  94. #94 MartinB
    28. April 2016

    @user unkown
    “Noch viel mehr Menschen halten Homöopathie aus eigener Erfahrung für gut und noch viel mehr Gebete aller Art. ”
    Und jetzt darfst du überlegen, warum diese Dinge nicht vergleichbar sind. Ich bin sicher, mit etwas nachdenken kommst du drauf.

    “Wann hast Du zuletzt eine Nachrichtensendung gesehen, die Vergewaltigung thematisiert hat?”
    Aktuell gerade BokoHaram?
    IS?
    Silvester in Köln (o.k., das waren meist “nur” sexuelle Übergriffe)?
    Die Vergewaltigung 2012 in Indien mit Todesfolge, die lange in den internationalen Medien war?
    Steubenville? (O.k., vor allem in US-Medien)
    um die ersten zu nennen, die mir wirklich ohne jedes Nachdenken einfallen.

    “Von drastischen Bildern in der Vorlesung habe ich gar nicht gesprochen. ”
    Nein, in Vorlesungen können es auch texte sein, die gelesen werden, während fernseh-Nachrichten meist keine reinen Texte sind.

    “Wenn im Vorlesungsverzeichnis “Lungenkrebs” als Thema steht, dann werden aber womöglich auch Bilder von Krebs gezeigt. ”
    und deswegen schrieb ich auch oben
    “in einer Medizinprüfung kann man logischerweise nicht auf das Thema “Krebserkrankung” verzichten, auch wann das jemanden triggern könnte”

    “Dass Spinnenphobie auf ein Trauma zurückgeht ist, soweit ich weiss, auch eine ganz neue Erkenntnis”
    Es spielt doch keine Rolle, ob jemad sich vor Spinnen ekelt und gruselt, weil ein Trauma dahintersteckt oder was anderes – es gibt Menschen, die ungern Bilder von Spinnen sehen, also warne ich davor. Warum nicht?

    ” die Fälle sind eigentlich, bevor sie im Prozess zur Sprache kommen, eigentlich schon gelöst. ”
    Es dürfte schon sehr selten vorkommen, dass z.B. in einem Betrugsverfahren plötzlich von einer Vergewaltigung gesprochen wird.

    “Inwieweit sich Richter und Staatsanwälte ihre Fälle aussuchen können weiß ich nicht, ich denke das nicht. ”
    Spielt das eine Rolle, wenn jemand Jura studiert, um als Anwältin zu arbeiten?

    “Nur weil Du ein Funky-English-Word dafür hast ist das Argument noch nicht widerlegt. ”
    Nein. Das Funky-Word weist darauf hin, dass es kein Argument ist. Beispiele dafür habe ich oben schon gebracht.

    So, und deine wie üblich selektive Art, auf meine Kommentare einzugehen, verbunden mit den üblichen Nicht-Argumenten und Fehlschlüssen zeigt, dass es mal wieder ein fehler war, auf deine Kommentare einzugehen. Beim Billard gern wieder, bei anderen Themen wirklich nicht mehr.

  95. #95 Earonn
    28. April 2016

    Ich sag’s auch gern noch einmal:
    Triggerwarnungen gibt es bereits, und sie sind nützlich.

    Ich bin Epileptikerin.
    Im Fernsehen werden bei uns regelmäßig Warnungen eingeblendet, die darauf hinweisen, dass Flackerlicht etc. folgt.
    Ich kann mich dann darauf vorbereiten.
    Mein Partner ist nicht Epileptiker, er wartet halt, bis die eingeblendete Warnung vorbei ist und schaut sich dann die Sendung an.

    Vor den Sendungen wird auch regelmäßig auf Dinge wie “sexual violence” oder “extreme violence” hingewiesen. Persönlich finde ich das auch nützlich, ich mag mich nicht jeden Abend mit solchen Themen beschäftigen.
    Hätte noch nicht erlebt, dass deswegen der Rest Großbritanniens die Sendung nicht sehen kann.

    Fassen wir zusammen:
    Triggerwarnungen sind nicht unnütz, weil zumindest in (m)einem Fall ihr Nutzen da ist.
    Triggerwarnungen halten niemanden sonst davon ab, etwas anzuschauen, was sie sehen möchte.

    Wo genau war das Problem?

    @userunknown

    Und die Relevanz des Themas besteht darin, dass Leute mit noch weniger Ahnung Dir nacheifern werden und unsere Welt mit Spoilern aller Art zukleistern…

    Aha, Opfer von Vergewaltigungen sollen Darstellungen davon also gefälligst aushalten, aber DIR kann eine einfache Triggerwarnung offenbar nicht zugemutet werden?
    Wer will hier wohl zensieren, hm?

  96. #96 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2016/04/29/dick-und-dumm/
    29. April 2016

    Und jetzt darfst du überlegen, warum diese Dinge nicht vergleichbar sind. Ich bin sicher, mit etwas nachdenken kommst du drauf.

    Eine beim ersten Mal gelungene, rhetorische Figur, aber kein Argument und Du weißt warum!

    Wann hast Du zuletzt eine Nachrichtensendung gesehen, die Vergewaltigung thematisiert hat?”

    Deine Antwort ist also Februar und 2012/13? Wann war eine Nachrichtensendung zu Boko-Haram?

    Wenn 90% der Sendungen Vergewaltigungen behandelten, dann könnte man sagen, wir sparen uns die Warnungen, bei uns muss man jederzeit damit rechnen! Vielleicht auch noch bei 40% der Sendungen, obwohl man ja auch vor der einzelnen Meldung eine TW anzeigen/aussprechen könnte.

    Es spielt doch keine Rolle, ob jemad sich vor Spinnen ekelt und gruselt, weil ein Trauma dahintersteckt oder was anderes – es gibt Menschen, die ungern Bilder von Spinnen sehen, also warne ich davor. Warum nicht?

    Jetzt sind wir schon bei ‘ungern sehen’. Warum nicht? Weil massig Menschen irgendwas ungern sehen. Weil sich das leicht zu einem Anspruchsdenken ausweitet. Solange nur Du das tust wäre es in der Tat nicht sehr relevant.

    In diesem Blog und den Kommentaren dort, auf den die Mädchenmannschaft zum Thema TW verweist, wird auch Trauma, Phobien und allgemeine Unlust munter miteinander vermischt. Und hier findet sich eine vorläufige Liste von Themen, die TWs verdienen, um zu beweisen, dass meine Slippery-Slope-Warnung kein Hirngespinst ist. Liebe, nasse Socken und Schokolade haben es noch nicht auf die Liste geschafft.

    Der Verzicht auf eine Abgrenzung von Traumata, Phobien und unspezifischem Unwohlsein ermuntert offenbar viele Aktivisten in sich selbst nach Triggerwörtern und -Themen zu fahnden, womöglich um sich selbst als Opfer inszenieren zu können und so im Umfeld Aufwertung zu erfahren.

    Kleines Gedankenexperiment: Es heißt, viele Soldaten kommen traumatisiert aus Afghanistan zurück. Da könnte man jetzt ‘Afghanistan’, ‘Moslem’ und ‘leerer LKW am Straßenrand’ auf die Triggerliste setzen. Mit “Vorsicht! Der folgende Text enthält das Wort “M*sl*m”!” könnte man dann seine Texte auszeichnen. Wieso nicht?

    Es dürfte schon sehr selten vorkommen, dass z.B. in einem Betrugsverfahren plötzlich von einer Vergewaltigung gesprochen wird.

    Aber in einem Sorgerechtsstreit. Oder einer Klage wg. Harz-IV, Lebensgemeinschaft, Auszugswunsch aus der Wohnung. Oder ein Raubüberfall.

    Und von selektiver Art auf Argumente einzugehen musst Du gerade reden! 🙂

  97. #97 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2016/04/28/sonnentropfen/
    29. April 2016

    Im Fernsehen werden bei uns regelmäßig Warnungen eingeblendet, die darauf hinweisen, dass Flackerlicht etc. folgt.
    Ich kann mich dann darauf vorbereiten.

    Das heißt, dass Triggerwarnungen nützlich sein können, nicht dass sie es auch in anderen Zusammenhängen sind.

    Mal heißt es, die Wörter Vergewaltigung, Missbrauch, Essstörung usw. selbst seien bereits Trigger – dann könnte man aber nur vor mit einem Insidercode davor warnen oder wäre super unspezifisch.

    Dann lese ich von Beschwerden, dass ein Gewaltakt in allen Details geschildert wird.

    Wieso liest die Person dann weiter?

    Wie lange dauert es am Fernseher selbst zu merken, dass es flackert, und was ist eine gefährliche Zeit, dem ausgesetzt zu sein? Abgesehen von optischen Spielereien, bei denen die Leute auf die Problematik gefasst sind – wie sieht es aus bei zufälligen Effekten, vielleicht ein Spielfilm, mit einer Diskothekenszene, in der ein Stoboskopblitz leuchtet? Ich meine bei Epileptikern ist die Gefahr, dass sie anfällig sind für solche Effekte auch hoch, oder nicht?

    Da erscheinen mir Warnungen sehr sinnvoll.

    In der Debatte um andere Probleme, die von Trauma über Phobien bis zum Unwohlsein reichen ist dem nicht so. Für plausibel halte ich die gelegentlich gehörte Anmerkung, dass es individuelle Assoziationen sind, die ein Trauma aufleben lassen können, bei denen die Betroffenen dann hinterher, bzw. nach dem ersten Auftreten erst wissen, was es war.

    Das deckt sich mit dem, was ich bisher über Traumata erfahren hat.

    Bei Phobien dagegen arbeitet man m.W. mit Desensibilisierung und hat auch gute Heilungschancen. Und für Rücksichtnahme auf Abneigung gegen Themen sehe ich keinen Anlass. Das kann man aushalten oder muss sich vorbereiten (Handlung eines Filmes vorher erkunden usw.) oder hat genug Zeit eine Vorlesung zu verlassen ohne größeren Schaden zu nehmen.

    Aha, Opfer von Vergewaltigungen sollen Darstellungen davon also gefälligst aushalten,

    Das habe ich nicht gesagt – wie kommst Du darauf?

    aber DIR kann eine einfache Triggerwarnung offenbar nicht zugemutet werden?
    Wer will hier wohl zensieren, hm?

    Auch das habe ich nicht gesagt.
    Ich will die Sinnhaftigkeit einer Maßnahme rational und evidenzbasiert diskutieren.

    Und wer so nachlässig mit der Frage umgeht, wer wovor geschützt werden soll (Trauma, Phobie, Unwohlsein) und sich auch nicht erkennbar dafür interessiert, ob die Maßnahme, die er ergreift (Spritzer, Pseudocodierung triggernder Wörtern, indem die Vokale durch Sonderzeichen wie z. B. * oder + ersetzt werden) funktioniert, der setzt sich m.M. nach dem Verdacht aus, nur blinden Aktivismus zu betreiben.

    Bacon, »der Vater der experimentellen Philosophie«, hat die Motive schon versammelt. Er verachtet die Adepten der Tradition, die »zuerst glauben, daß andere wissen, was sie nicht wissen; und nachher, daß sie selbst wissen, was sie nicht wissen. Leichtgläubigkeit jedoch, Widerwille gegen den Zweifel, Unbesonnenheit im Antworten, Prahlerei mit Bildung, Scheu zu widersprechen, Interessiertheit, Lässigkeit in eigener Forschung, Wortfetischismus, Stehenbleiben bei bloßen Teilerkenntnissen: dies und Ähnliches hat die glückliche Ehe des menschlichen Verstandes mit der Natur der Dinge verhindert, und ihn statt dessen an eitle Begriffe und planlose Experimente verkuppelt: die Frucht und Nachkommenschaft einer so rühmlichen Verbindung kann man sich leicht vorstellen.

    Th. W. Adorno, Dialektik d. Aufklärung

  98. #98 MartinB
    29. April 2016

    @userunknown
    “r kein Argument und Du weißt warum!”
    Na gut. Ich exklärs dir, wenn du es nicht verstehst:
    Ob Homöopathie eine Krankheit heilt, lässt sich am besten durch Methoden der EBM prüfen.
    Ob Gebete objektiv etwas bewirken, lässt sich ebenfalls objektiv prüfen. Dagegen halten viele Menschen Gebete für subjektiv hilfreich – dagegen ist auch nichts einzuwenden, wenn sich jemand nach dem Beten besser fühlt und deshalb betet, ist das nicht von der Hand zu weisen.
    Letzteres gilt auch für Triggerwarnungen: Es gibt traumatisierte Menschen, die sagen: Mir hilft es, wenn ich mir den zeitpunkt aussuschen kann, zu dem ich mich mit einem Thema beschäftige. Diese Menschen gibt, es sie nehmen es so wahr. Und diese Evidenz sollte man nicht einfach unter den teppich kehren.

    “Deine Antwort ist also Februar und 2012/13? Wann war eine Nachrichtensendung zu Boko-Haram? ”
    Vor ein paar Tagen. Und die sexuellen Übergriffe in Köln waren wochenlang Thema in den Nachrichten. Und es waren nur die, an die ich mich sofort ohne Nachdenken erinnert habe.

    “Wenn 90% der Sendungen Vergewaltigungen behandelten, dann könnte man sagen, wir sparen uns die Warnungen, bei uns muss man jederzeit damit rechnen! ”
    Ich rechne bei jeder Nachrichtensendung damit, verstörende Bilder zu sehen zu bekommen. Trotzdem wird auch in Reportagen etc. oft gewarnt, dass Bilder folgen, die erschreckend sind. Sollte aber nicht sein, weil du Angst vor “Spoilern” hast?

    Und wenn so etwas so selten vorkommt, dann gäbe es ja auch nur alle paar Monate eine solche Warnung. Und das wäre so schlimm für dich?

    “Jetzt sind wir schon bei ‘ungern sehen’. Warum nicht?”
    Weil der Aufwand für mich so klein ist. Es kostet mich 10 Sekunden meiner Vorlesungszeit zu sagen “Wenn Sie Spinnen nicht so gern mögen, dann schauen Sie sich diese Bilder lieber nicht an”. Auch wenn eine Spinnenphobie wesenlich harmloser ist als ein echtes Trauma – warum soll ich jemanden erschrecken? Um die Nachricht rüberzubringen “Hey, sei mal tough?” Um zu zeigen, wie cool ich bei solchen Themen bin? Oder wo ist der große Mehrwert?

    “Da könnte man jetzt ‘Afghanistan’, ‘Moslem’ und ‘leerer LKW am Straßenrand’ auf die Triggerliste setzen.”
    Wie auch schon mehrfach gesagt, sind es i.A. nicht die Worte selbst, die triggern. (Ja, es gibt auch Leute, die vor den Worten selbst warnen wollen, das ist aber zumindest meiner Ansicht nach kaum möglich, weil man dann mit irgendwelchen Umschreibungen arbeiten muss etc.)

    “Aber in einem Sorgerechtsstreit. Oder einer Klage wg. Harz-IV, Lebensgemeinschaft, Auszugswunsch aus der Wohnung. Oder ein Raubüberfall”
    Ist denkbar. Und weil das denkbar ist. sagen wir der traumatisierten Studentin im 8. Semester – sorry, entweder du überwindest dein Trauma jetzt sofort, oder dein Studium verzögert sich halt für ein paar Semester?
    Warum soll das in der Entscheidung oder Verwantwortung einer Dozentin liegen? Was die Studentin später mit ihrem Studium macht, ist ihr Bier, und sie mag das Trauma ja auch später überwinden. Warum ist es so unmglaublich wichtig, in einem Strafrechtsseiminar nicht zu sagen “Achtung, nächste Woche beschäftigen wir uns mit einer Zeugenaussage in einem Vergewaltigungsfall mit zum Teil drastischen Schilderiungen”? Was genau ist daran problematisch. (Und jetzt bitte nicht wieder ein “aber dann wollt ihr nächstes Jahr auch XYZ”, sondern mal wirklich am konkreten Fall erklärt.)

  99. #99 MartinB
    29. April 2016

    PS: Wie ist das eigentlich mit FSK-Warnungen oder dem englischen PG-System? Auch dagegen? Wenn nein, warum nicht?

  100. #100 Earonn
    29. April 2016

    Ich hatte das Zitat genannt, auf das ich mich bezog. Soll ich echt nochmal? Meine Güte…

    Und die Relevanz des Themas besteht darin, dass Leute mit noch weniger Ahnung Dir nacheifern werden und unsere Welt mit Spoilern aller Art zukleistern…

    Ist es nicht etwas arg feige, eine Maßnahme zu fordern (nämlich die Welt nicht mit “Spoilern aller Art (zu)zukleistern”), aber dann, wenn die Folgen dieser Maßnahme aufgezeigt werden, sich darauf zu berufen, dass “man das ja nie so gesagt habe”?

    Allmählich wird es ebenso langweilig wie lächerlich.
    Es geht seit Jahrzehnten so: ein Vorschlag wird gemacht, wie einer benachteiligten Gruppe von Menschen das Leben leichter gemacht werden könnte.

    Und Typen wie user unknown stehen auf, plärren herum wie schlimm das alles sei, und man könne nicht mal mehr, und wieso überhaupt, und bestimmt wird alles ganz schlimm, und klappt doch gar nicht etc.pp.usw.usf.
    Man mag es kaum glauben, aber diese Art Geschrei habe ich das erste mal in den späten 70ern gehört, als die Welt behindertenfreundlicher gemacht wurde.

    Und was ist passiert?
    Die Gutherzigen haben sich durchgesetzt. Jene, die anderen eine kleine Erleichterung gönnen. Die tatsächlich wagen, der Meinung zu sein, dass man als Nichtbenachteiligter einen kleinen Mehraufwand hinnehmen kann, um jenen, denen es schlechter geht, das Leben zu erleichtern. Wir wurden behindertenfreundlicher, umweltfreundlicher, weniger rassistisch und weniger sexistisch ( inzwischen können sogar Männer zugeben, vergewaltigt zu sein, und was war DAS für ein Geschrei, als die Gutherzigen gegen die straffreie Vergewaltigung in der Ehe vorgingen!)

    Immer standen die User Uknowns auf, prophezeiten den Untergang des Abendlandes, minnigens, und fragten, wozu denn überhaupt.

    Und?

    Die Welt ist nicht untergegangen, user unknown wurde weder von Behinderten, noch Ausländern, noch Frauen, noch Homesexuellen, noch der geschützten Natur versklavt. Er sitzt in Ruhe vor seinem Computer und kann weiter Diskussionen führen.

    Wie wäre es, user unknown, mal aus der Vergangenheit zu lernen, anderen was zu gönnen (das Leben ist nicht in allen Belangen ein Nullsummenspiel, schon gemerkt?) und einfach abzuwarten? Keine Sorge, Triggerwarnungen werden es nicht ins Grundgesetz schaffen, sie können wieder fallen gelassen werden, wenn sie sich nicht bewähren.

    Aber nochmal: sie bewähren sich. In Großbritannien. Bei der BBC. Ob dir das nun passt oder nicht, das Experiment läuft bereits. Kannst ja mal nachschauen, ob alle Briten heulend und unterdrückt vor ihrem Fernseher kauern.



    Martin, hilfst Du mir bitte von meiner Obstkiste? 🙂

  101. #101 MartinB
    29. April 2016

    @Earonn
    Großartiger Kommentar.

  102. #102 switcher
    29. April 2016

    @MartinB
    Der Unterschied zwischen Barrierefreiheit und Triggerwarnungen ist folgender:
    Behinderten wird eine Umgebung geschaffen, in der sie sich wie alle anderen weitgehend frei bewegen und am Leben teilhaben können.
    Triggerwarnungen stellen keinen Freiheitsgewinn dar, den man einem Teil der Gesellschaft versagt. Im Gegenteil, im schlimmsten Fall führen Triggerwarnungen dazu nicht lediglich vor Inhalten und Meinungen zu warnen, sondern Meinungen nur noch versteckt äußern zu können, sich voneinander abzukapseln. Sie sind ein potenzielles Instrument, nicht genehme Meinungen zu unterdrücken. Jedes Instrument, das das Potenzial hat missbraucht zu werden und im Gegenzug so wenig Benefit bringt (anekdotische Beweise sind an anderer Stelle zurecht abgeschmettert worden) sollte mit Vorsicht implementiert werden. Die Vehemenez mit der es hier eingefordert wird, mag an die Vehemenz erinnern wie gegen Barrierefreiheit opponiert wurde.

    Und um nochmal den Punkt der Rücksichtsnahme, der geringe Aufwand, der damit verbunden wäre, aufzugreifen: Vergewaltigung, Gewalt, Krieg, Spinnen – das sind die Probleme, die wir lösen müssen. Für die Folgen haben wir ein öffentlich-privates Netz aus einem Sozialstaat, Ärzten, Therapeuten, Freunde, Familie. Darin sollten wir investieren, dort sollte unsere Aufmerksamkeit liegen. Das ist höchst empathisch und rücksichtsvoll, und dieses Netz wird immer löchriger. Es fühlt sich natürlich besser an, wenn man persönlich eingreifen kann, ist aber in Wirklichkeit häufig reiner Egoismus oder Eitelkeit. Ich will in keinem Land leben, in dem man im Ernstfall auf die Mild-/Wohltätigkeit einzelner Menschen angewiesen ist.
    Oder am Beispiel der Barrierefreiheit: Was ist besser? Abgesenkte Bürgersteige, Rampen etc. für alle oder nichts dergleichen, dafür darf jeder mal, wenn er gefragt wird helfen und sich dann gut fühlen?
    Triggerwarnungen hören sich für mich immer mehr danach an, die Augen vor der Realität zu verschließen und sie sich, anstatt zu ändern, schön zu reden.

  103. #103 MartinB
    29. April 2016

    @switcher
    Hör doch endlich auf mit den albernen Strohmännern. Wodurch soll sich irgendwas abkapseln, wenn die Dozentin sagt “Achtung, nächste Woche beschäftigen wir uns mit einer Zeugenaussage in einem Vergewaltigungsfall mit zum Teil drastischen Schilderiungen”?

    “. Es fühlt sich natürlich besser an, wenn man persönlich eingreifen kann, ist aber in Wirklichkeit häufig reiner Egoismus oder Eitelkeit.”
    Der übliche Vorwurf “Ach du tust anderen nur gutes, um dich selbst besser zu fühlen”. Selbst wenn – immer noch besser, als wenn ich gar nichts gutes tue.

    ” Ich will in keinem Land leben, in dem man im Ernstfall auf die Mild-/Wohltätigkeit einzelner Menschen angewiesen ist.”
    Dann müssen also Triggerwarnungen per Gesetz verordnet werden? Soweit wäre ich nicht gegangen, aber wenn du meinst…

    ” Was ist besser? Abgesenkte Bürgersteige, Rampen etc. für alle oder nichts dergleichen”
    Was ist denn das Äquivalent zu abgesenkten Bürgersteigen bei traumatisierten Personen, wenn nicht die Triggerwarnung?

    “Triggerwarnungen hören sich für mich immer mehr danach an, die Augen vor der Realität zu verschließen”
    Dann musst du besser hinhören, denn darum geht es – wie schon sehr oft wiederholt – nicht. Es geht nicht darum, Themen auszuschließen, sondern darum, zu sagen, dass ein bestimmtes Thema angesprochen wird. Warum ist das so schwer zu verstehen?

  104. #104 switcher
    29. April 2016

    @MartinB
    Wo liegt der Freiheitsgewinn bei einer Triggerwarnung a la Achtung, jetzt erwarten Sie Schilderungen von Gewalt?
    In einer freien Welt, würden die Schilderungen beibehalten und die Person darf/müsste den Raum verlassen, um ihrer selbst Willen. Es ist in dieser Situation die Schilderung, die Unbehagen auslöst, also wenn man es so will, die Freiheit der traumatisierten Person einschränkt. Freiheit hinzu gewinnen würde die Person also nur, wenn man die Schilderungen wegließe oder wenn man das Trauma behandeln würde oder wenn sie das Trauma gar nicht erst bekommen hätte. Eine Triggerwarnung befreit niemanden von etwas, es beschränkt im schlimmsten Fall. Und das ist das Strohargument, wie du es nennst, auf das ich aufmerksam machen will.
    Barrierefreiheit ist nicht das gleiche wie Triggerwarnung. Triggerwarnungen sind das Äquivalent zu ‘Vorsicht Treppe!’

    “immer noch besser, als wenn ich gar nichts gutes tue”
    Naja, ich könnte jetzt auch sagen, dass das das übliche und oft zitierte Argument wäre. Ich kenne das Gefühl einem im Prinzip fremden Menschen geholfen zu haben, ob als kleine Geste oder was auch immer. Es ist nicht das schlechteste. Und die Tat selbst wird dadurch auch nicht schlecht. Aber es ändert nichts daran, das Triggerwarnungen keinen Freiheitsgewinn erzeugen, keine Traumata heilen oder gar Gewalt oder anderer Ursachen aus der Welt schaffen. Es ist einfach nur gut gemeint.

    Und wie schon gesagt, ein für alle Betroffenen, Minderheiten geschaffenes Netz, das alle mitragen (finanziell, ideell, persönlich) halte ich nicht nur für möglich. Es existiert bereits, nur zerfällt es zusehends, weil einige gierig sind, und andere sich auf Kosten der ‘Opfer’ zu falschen Helden aufschwingen wollen.
    Ich beziehe das nicht auf dich, weil ich dich nicht kenne, sondern auf Gruppen, die vielleicht auch der von dir referenzierte Artikel von blood’n’acid meinte.

  105. #105 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2016/04/29/dick-und-dumm/
    29. April 2016

    Großes Kino der Rabulistik!

    Und Typen wie user unknown stehen auf, plärren herum wie schlimm das alles sei, und man könne nicht mal mehr, und wieso überhaupt, und bestimmt wird alles ganz schlimm, und klappt doch gar nicht etc.pp.usw.usf.
    Man mag es kaum glauben, aber diese Art Geschrei habe ich das erste mal in den späten 70ern gehört, als die Welt behindertenfreundlicher gemacht wurde.

    Nicht an mich wendest Du Dich, sondern an Typen wie mich. Denen unterstellst Du Plärren und Geschrei, um dann qua Analogieschluss zu unterstellen, ich sei gegen bauliche Maßnahmen für Behinderte.

    Meine Kritik war aber, dass die Maßnahmen nicht wirken, weil man nicht weiß was jeweils triggert. Eine Rampe, ein Aufzug erlaubt dem Gehbehinderten den Zugang. Eine Triggerwarnung erlaubt der Person im besten Fall sich selbst rechtzeitig auszuschließen.

    Wir wurden behindertenfreundlicher, umweltfreundlicher, weniger rassistisch und weniger sexistisch (…)

    Immer standen die User Uknowns auf, prophezeiten den Untergang des Abendlandes, minnigens, und fragten, wozu denn überhaupt.

    Ah, die User Unknowns standen auf gegen Behinderte, Umweltschutz, pro Rassismus und Sexismus? Hast Du dafür Belege, oder darf man das einfach so behaupten?

  106. #106 switcher
    30. April 2016

    @MartinB
    “PS: Wie ist das eigentlich mit FSK-Warnungen oder dem englischen PG-System? Auch dagegen? Wenn nein, warum nicht?”
    FSK ist ein gutes Beispiel. Hier schreibt der Gesetzgeber Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen vor welche Filme, Musik, Computerspiele konsumiert werden dürfen bzw. wie und wann bzw. wie der Urheber/Künstler sein Werk gestalten muss, um eine bestimmte Altersfreigabe zu erhalten. Damit hatte ja nicht nur Hitchcock in den 50/60ern seine Probleme (z.B. bei Psycho), sondern auch heutige Künstler.

    Dass diese Altersfreigaben mehr oder weniger willkürlich sind, erkennt man daran wie unterschiedlich das die Länder handhaben. Man muss nur mal USA, Deutschland und Frankreich vergleichen. Die einen stören sich nicht an Gewalt dafür wird Sex tabuisiert, bei den anderen ist es eher umgedreht, während z.B. in Frankreich ein Großteil der Filme gar keine Beschränkung/Altersfreigabe haben.
    Das französische Modell ist mir da lieber, demgegenüber haben die Franzosen eine Radioquote. Da kann man wieder drüber streiten.

    Der Punkt ist, Triggerwarnungen und FSK bringen keinen Freiheitsgewinn. Und es ist interesant, dass du das FSK-Beispiel gebracht hast. Hier sehen wir wie ein gutes Ansinnen (Minderjährige/emotional und intellektuell noch nicht fertige Menschen zu schützen) durch Maßnahmen derart pervertiert werden kann, dass die Kunst beschränkt wird, dass die Meinungsbildung beschränkt wird, dass der Meinungsaustausch beschränkt wird. Solche Instrumente in den falschen Händen, das wäre/ist unser Erbe an die nachfolgenden Generationen.

    Das Beispiel, was du beharrlich anbietest, – Vorlesung, Hinweis auf Schilderungen einer Vergewaltigung etc. – ist dann ein Beweis wofür? Je länger ich darüber nachdenke, ist die Triggerwarnung ja noch nicht mal rücksichtsvoll, sondern der freundliche Hinweis die Vorlesung zu verlassen. Überspitzt und nicht vorwurfsvoll gemeint.
    In privaten Konversationen werde ich vermeiden, ein Thema anzuschneiden, das beim Gesprächspartner, von dessen Trauma ich weiß, Unbehagen auslöst. Oder ich kenne denjenigen so gut, dass er mir versichert hat, völlig frei von der Leber weg sprechen zu können.

    Ein öffentlicher Kommunikationsraum bzw. eine Situation, die jeder mündige Mensch gewissermaßen kontrolliert und informiert betritt, dort kann eine Kultur von Triggerwarnungen dazu führen, dass Räume geschaffen werden, die Themen aussparen, weil dies der nächst logische Schritt wäre, statt nur zu warnen. Weil man irgendwann auf den Trichter kommt, Moment mal, die Triggerwarnungen bringen ja gar nichts, warum soll ich jetzt gehen, der Dozent soll gefälligst seine Vorlesung ohne Trigger halten, denn ich will so wie alle anderen behandelt werden, die nicht getriggert werden.

  107. #107 MartinB
    30. April 2016

    @switcher
    “Wo liegt der Freiheitsgewinn bei einer Triggerwarnung a la Achtung, jetzt erwarten Sie Schilderungen von Gewalt?”
    Ganz einfach: Die Person, die es betrifft, hat jetzt die Freiheit, sich zu entscheiden, ob sie sich damit auseinandersetzen will oder nicht. Nicht immer ist am Anfang so einer ASchilderung ja klar, wie es ausgeht – beispielsweise bei Erzählungen usw. Die Geschichte fängt an und entwickelt sich dahin, ist als Spannung ja auch ein Stilmittel. Bei Zeugenaussagen in einer Vorlesung o.ä. ist es sicher auch ähnlich.
    Und andersrum: Wo liegt der große Verlust?

    “Eine Triggerwarnung befreit niemanden von etwas, es beschränkt im schlimmsten Fall”
    Das behauptest du jetzt schon – allen Gegenarumenten zum Trotz, seit wer weiß wie vielen Kommentaren. Es wird durch Wiederholung nicht richtiger. Um es noch einmal zu sagen: Wir haben als Evidenz Aussagen von Menschen, die sagen “Triggerwarnungen helfen mir”.

    “Triggerwarnungen sind das Äquivalent zu ‘Vorsicht Treppe!’”
    Und “Vorsicht Stufe”-Schilder sind also sinnlos? Also ich bin gelegentlich ganz froh, wenn in einer unübersichtlichen Ecke Stufen gekennzeichnet sind.

    “Aber es ändert nichts daran, das Triggerwarnungen keinen Freiheitsgewinn erzeugen,”
    doch, siehe oben.
    ” keine Traumata heilen”
    das ist auch nicht ihre Funktion
    ” oder gar Gewalt oder anderer Ursachen aus der Welt schaffen”
    Ach so, du dachtest, irgendjemand hätte behaputet, wenn man nur genügend Triggerwarnungen gibt, dann verschwindet plötzlich die Gewalt in der Welt? Nein. hat keiner behauptet. (Ich glaube, das ist jetzt der neue Rekord für den absurdesten Strohmann hier auf dem Blog.)

    @userUnkown
    “Meine Kritik war aber, dass die Maßnahmen nicht wirken, weil man nicht weiß was jeweils triggert. ”
    Und das wurde wer weiß wie oft widerlegt. MAn weiß nicht alles, was triggert, aber man weiß einige Dinge, die es tun, und vor denen kann man warnen. Ist das eine perfekte Lösung die in Zukunft tzraumatisierte Personen immer und unter allen Umständen zuverlässig schützt? Nein. Hat aber auch keiner behauptet.

    “Eine Triggerwarnung erlaubt der Person im besten Fall sich selbst rechtzeitig auszuschließen. ”
    und sich mit dem triggernden Inhalt zu einer anderen Zeit eigener Wahl auseinander zu setzen, weil ein wichitger Aspekt der Verarbeitung eines Traumas ist, sich mit dem traumatisierenden Thema unter einer Bedingung auseinander zu setzen, die der eigenen Kontrolle unterliegt. Genau. Das soll eine Triggerwarnung tun. Mehr nicht.
    Schön, dass du einsiehst, dass Triggerwarnungen tatsächlich genau das tun, was sie sollen.

    “Ah, die User Unknowns standen auf gegen Behinderte, Umweltschutz, pro Rassismus und Sexismus? Hast Du dafür Belege,”
    Wer die Geschichte dieses Blogs und deine Kommentare kennt, der hat in der Tat mehr genug Belege dafür, dass du aufstehst, wenn irgendwo Maßnahmen gegen Sexismus diskutiert oder vorgeschlagen werden.

  108. #108 MartinB
    30. April 2016

    @Switcher
    “Der Punkt ist, Triggerwarnungen und FSK bringen keinen Freiheitsgewinn.”
    Doch. Wenn ich mit einem Kind ins Kino gehe oder einen Film im fernsehen gucke, dann kann ich an HAnd der FSK-Freigabe zumindest grob abschätzen, was mich erwartet (auch wenn es da vereinzelt Fehlleistungen gab wie Jurassic Park), ich muss den Film nicht erst allein gucken um zu sehen, ob er verstörend sein könnte. Das ist ein Freiheitsgewinn.

    “durch Maßnahmen derart pervertiert werden kann, dass die Kunst beschränkt wird, dass die Meinungsbildung beschränkt wird, dass der Meinungsaustausch beschränkt wird.”
    Kanst du das mal an einem konkreten Beipsiel (von heute, nicht aus den 50ern) belegen, wie dadurch der “Meinungsaustausch behindert” wird?

    “Je länger ich darüber nachdenke, ist die Triggerwarnung ja noch nicht mal rücksichtsvoll, sondern der freundliche Hinweis die Vorlesung zu verlassen. ”
    Ja, so wie ich bei triggernden Filmszenen dann mal in die Küche gegangen bin, als mein Trauma noch sehr akut war. Besser ich gehe jetzt raus, als ich breche in der Vorlesung zusammen. Und wieso glaubst du eigentlich, dass personen mit einem Trauma nicht selbst in der Lage sind zu entscheiden, wie sie mit einer solchen Warnung umgehen? Die eine bleibt vielleicht sitzen, ist aber froh, dass sie sich seelisch drauf vorbereiten kann, die andere geht raus?

    “dort kann eine Kultur von Triggerwarnungen dazu führen”
    die ständige Wiederholung immer der gleichen slippery-slope-Argumente wird jetzt echt langweilig. Ich habe das nicht gefordert, warum soll ich dagegen argumentieren?

  109. #109 switcher
    30. April 2016

    @MartinB
    Ja, Strohmänner sind meine Spezialität 😉 Also, um mal zwischendurch etwas zu entkrampfen: Bei der schriftlichen Kommunikation werden so manche Informationen nicht übermittelt bzw. Sender und Empfänger haben zur selben Botschaft unterschiedliche Sichtweisen. Ich halte das uns beiden zugute. Manches meine ich so, wie es bei dir ankommt, manches nicht, und das ist sicher auch umgekehrt so. Zurück zum Thema.

    Triggerwarnungen sind das Äquivalent zu ‘Vorsicht Treppe!’, weil sie z.B. dem Rollstuhlfahrer genau gar nicht helfen, im Gegensatz zu einer Rampe oder einem Aufzug, die ich zu Maßnahmen der Barrierefreiheit zähle. Er weiß jetzt nur, aha, hier komme ich also nicht weiter und muss umkehren.

    Zum Rest habe ich mich (ohne deinen aktuellen Kommentar gekannt zu haben) im vorhergehenden Kommentar geäußert. Auch wieder mit einem Heer aus Strohmännern 😉

  110. #110 MartinB
    30. April 2016

    @switcher
    “Triggerwarnungen sind das Äquivalent zu ‘Vorsicht Treppe!’, weil sie z.B. dem Rollstuhlfahrer genau gar nicht helfe”
    Und die Tatsache, dass es Menschen gibt, die sagen “Mir helfen Triggerwarnungen” ignorierst du schlicht.
    “Ja, Strohmänner sind meine Spezialität”
    scheitn so. Stolz wär ich nicht drauf und nen Smiley ist das auch nicht wert.

    ” im vorhergehenden Kommentar geäußert.”
    Die haben sich überkreuzt, und auf den habe ich auch genatowrtet. Aber eine Antwort auf die restlichen Argumente enthält das nicht.

    Und hier muss keine Diskussion “entkrampft” werden – du präsentierst eine Mischugn aus Strohmännern und slippery-slope-“Argumenten” und ignorierst die Aussagen von Betroffenen, ich halte dir das vor, das tue ich ganz unverkrampft.

  111. #111 switcher
    30. April 2016

    @MartinB:
    “den Film nicht erst allein gucken um zu sehen, ob er verstörend sein könnte […] Das ist ein Freiheitsgewinn”
    Es ist ein Zeitgewinn, aber kein Freiheitsgewinn. Man kann sich ja auch von Freunden oder befreundeten Eltern ein Feedback holen, ohne den Film schauen zu müssen, und dieses qualitative Urteil ist aufgrund ähnlicher Sozialisation oder gemeinsamer Interessen vielleicht sogar valider als eine vom Gesetzgeber für alle vorgegebene Richtlinie. Nicht alle Kinder reagieren gleich, sie entwickeln sich mit unterschiedlichem Tempo.

    “aktuelles Beispiel”: Böhmermann war zumindest solange ein Beispiel, bis man das Gedicht wieder öffentlich zugänglich gemacht hat. Bis dahin haben es das ZDF die Sendung depubliziert und Zeitungen nur zensiert veröffentlicht und mit blumigen Behelfskonstruktionen gearbeitet, was im Kern natürlich nicht förderlich ist, sich eine Meinung über etwas bilden zu wollen, dass man nicht lesen kann. Hat jetzt mit FSK nichts zu tun, und der Wind hat sich ja zum Glück gedreht, aber es entspricht dem Geist, den ich lieber in der Flasche lassen würde. Und ein bißchen konnte entfleuchen.

    Bei Filmen gebe ich mal zwei Links zum Besten.
    Einer, bei dem du selbst entscheiden kannst, ob die Art und Weise sowie Zahl und Verbreitung der Schnittfassungen tasächlich so gravierend sind. Ich finde eben die Kultur der Altersfreigabe und verschiedenden Schnittfassungen so befremdlich:
    http://www.schnittberichte.com/
    Der Zweite listet (ohne Gewähr auf Vollständig- oder Richtigkeit, weil es mitunter an Quellennachweisen mangelt) ‘Zensur’ bei Filmen auf. Die Kategorien auf dieser Seite sind aber beinahe Legion, betrifft also nicht nur Filme.
    http://www.zensur-archiv.de/index.php?title=Film

  112. #112 switcher
    30. April 2016

    @MartinB:
    Ok, ich verstehe wohin die Diskussion hinführen soll. Die Anekdoten beweisen, dass Triggerwarnungen hilfreich sind, sich vor Schilderungen oder Wörtern zu schützen, die ein erlebtes Trauma wieder aufleben lassen.
    Und selbst wenn die Anekdoten es nicht beweisen würden, wären die Triggerwarnungen etwas Gutes, weil die Anekdoten ja für sich stehen, und besser etwas Gutes tun als nichts
    Dagegen kann ich in der Tat nicht argumentieren und jedes Argument muss ein Strohmann sein. Und wenn selbst der Versuch die Kanten der Diskussion etwas zu glätten als Rhetorik (miss)verstanden wird, dann bleibt wenig Handlungsspielraum auf der Bühne, auf der die Meinungen sich zu duellieren pflegen. Aber die Bühne war immerhin vorhanden.

  113. #113 MartinB
    30. April 2016

    @switcher
    “Es ist ein Zeitgewinn, aber kein Freiheitsgewinn”
    Doch – ich habe die Freiheit, spontan einen Film zu gucken und einigermaßen sicher zu sein, dass das in Orndung geht.

    “Man kann sich ja…”
    Ja, man kann das Problem auch auf andere, umständlichere Weise lösen. Muss man aber nicht, so ist es halt einfacher. Das ist ein Gewinn – dass nur ein “Freiheitsgewinn” relevant ist, hat ja eh niemand gesagt.

    ““aktuelles Beispiel”: Böhmermann”
    Was zum Geier hat Böhmermann mit Triggerwarnungen zu tun?

    ” Hat jetzt mit FSK nichts zu tun”
    und mit Trigegrwarnungen auch nicht – aber danke für’s mitspielen.

    “Bei Filmen gebe ich mal zwei Links zum Besten.”
    Du wirft schon wieder das Schneidenund zensieren von Filmen mit der Warnung vor Inhalten in einen Topf. Das ist nicht dasselbe – hier reden wir über Triggerwarnungen.

    “ie Anekdoten beweisen, dass Triggerwarnungen hilfreich sind, sich vor Schilderungen oder Wörtern zu schützen, die ein erlebtes Trauma wieder aufleben lassen.”
    Zunächst mal ist das reflexhafte abtun von Erfahrungsberichten als “Anekdoten” bei Themen, bei denen es um subjektive Erfahrungen geht, nicht hilfreich. Was sonst, wenn nicht Erfahrungsberichte, soll man heranziehen? Gehirnscans? Antwortest du auch, wenn dir jemand sagt “Kannst du bitte X tun, dann fühlre ich mich besser”, “Bist du sicher? Vielleicht glaubst du ur, dass du dich besser fühlst?” Oder wie? Deinen Hyperskeptizismus kannst du dir hier also sparen.

    “Und selbst wenn die Anekdoten es nicht beweisen würden…weil die Anekdoten ja für sich stehe”
    Huh? Die Anekdoten, die es nicht gibt, stehen für sich?
    Und wieso argumentierst du gegen fktive Argumente von mir? Nein, wenn es keine Leute gäbe, die sagen, dass Triggerwarnunegn nützlich sind, dann würde ich sie auch nicht für sinnvoll halten.

  114. #114 MartinB
    30. April 2016

    PS
    “Und wenn selbst der Versuch die Kanten der Diskussion etwas zu glätten als Rhetorik (miss)verstanden wird”
    Kommt ja nicht eben selten vor, dass Leute, wenn ihnen die Argumente ausgehen, die Diskussion auf die Meta-Ebene heben und sich über den Tonfall beschweren oder das Diskussionsklima beschweren. Ist ein netter Trick, ändert aber an der Argumentationslage wenig.
    Und da wir hier beide durchweg einigermaßen sachlich argumentieren, sehe ich zum “Glätten” auch keine Notwendigkeit.

  115. #115 switcher
    30. April 2016

    @MartinB:
    Ok, einmal noch.
    “ich habe die Freiheit, spontan einen Film zu gucken und einigermaßen sicher zu sein, dass das in Orndung geht.”
    Der größte Feind der Freiheit ist ein glücklicher Sklave.
    Frage doch mal den Obdach- oder Arbeitslosen wieviel er von Freiheit durch Zeitgewinn hält.

    “umständlichere Weise lösen”
    Mit Freunden reden ist umständlich. Jetzt mach ich mir wirklich Sorgen um dich.

    “Böhmermann und FSK”
    Ähm, du hast die FSK ins Spiel gebracht (Kommentar #99) und du wolltest aktuelle Beispiele dazu hören (#108). Wenn du dich immer nur an einer Triggerwarnung aufhälst (Achtung, die folgende Vorlesung enthält Schilderungen zu Vergewaltigungen, die sie triggern könnten), dann ist der Spielraum recht klein. Ich könnte auch Safe Space sagen.

    “als das reflexhafte abtun von Erfahrungsberichten als Anekdoten”
    Hat dich das Wort Anekdote verletzt? Hätte ich vorher warnen sollen? Es macht für mich keinen Unterschied ob man es Erfahrungsbericht oder Anekdote nennt. Ich glaube den Erfahrungsberichten, habe ich nie bezweifelt. Du machst nur jedesmal den Deckel auf die Diskussion, sobald sie sich aus diesen Erfahrungsberichten hinaus bewegt. Ich halte es für legitim über wenige Erfahrungsberichte hinaus zu diskutieren, nicht zuletzt, da du einen Kommentar zum Anlass genommen hast, der eine andere Stoßrichtung hatte als dein eigener Artikel. Wenn dasselbe für die Kommentierung hier nicht gewollt ist, was den Anschein macht, dann sei es so. Es tut mir leid, dass nicht jeder Kommentar dich für dein hehres Anliegen widerspruchslos gelobt hat. Ich persönlich denke, dass du beste Absichten verfolgst und in deinem Umfeld Gutes bewirkst (kein Danaer-Geschenk). Nimm nur ab und zu mal die Scheuklappen ab.

    “Die Anekdoten, die es nicht gibt, stehen für sich?”
    Ich hab nicht geschrieben, dass es sie nicht gibt. Das hast du vielleicht verstanden, weil du es verstehen wolltest. Herrje, es mag schwer mit mir sein, aber du machst es einem aber auch nicht leicht. Ich schrieb:
    “Und selbst wenn die Anekdoten es nicht beweisen würden, wären die Triggerwarnungen etwas Gutes, weil die Anekdoten ja für sich stehen, und besser etwas Gutes tun als nichts” – Gebete beweisen nicht, dass es Gott gibt, aber ich bin davon überzeugt, dass sie Menschen helfen können (also nicht Probleme zu lösen aber mit den Folgen umzugehen). So in dem Sinne war der Satz gemeint. Ich weiß, dass du das genauso selbst gesagt hast (#98). Nur, darüber hinaus willst du nicht diskutieren. Und deshalb ist mir die Bühne zu klein geworden und mir wird langsam das Ohr taub, weil du immer lauter zu schreien scheinst.

  116. #116 MartinB
    30. April 2016

    @switcher
    “Der größte Feind der Freiheit ist ein glücklicher Sklave.
    Frage doch mal den Obdach- oder Arbeitslosen wieviel er von Freiheit durch Zeitgewinn hält.”
    Huh? Was hat jetzt das eine mit dem anderen zu tun? Soll das ein Argument sein, dass Zeitgewinn kein Wert ist? Und die FSK-Wertung macht mich zum Sklaven der Filmindustrie, weil ich ihrer Wertung glaube? Das ist jetzt nicht mal mehr ein Argument, das ist nur noch albern.

    “Mit Freunden reden ist umständlich. Jetzt mach ich mir wirklich Sorgen um dich. ”
    Es wird immer lustiger. Stell dir doch einfach vor, deine Tochter fragt dich “Können wir heute diesen Film sehen?” Was ist jetzt die einfachste Möglichkeit, um das zu entscheiden:
    A: Ich telefoniere mit all meinen Freunden um zu sehen, ob jemand den film schon gesehen hat.
    B: Ich sage “nein, aber ich werde ihn heute gucken und dan entscheiden, ob wir ihn vielleicht nächste Woche sehen können.”
    C: Ich schaue auf die FSK-Wertung.
    Versuchst du eigentlich auch nur mal eine Sekunde, über deine Kommentare nachzudenken oder schreibst du nur das erste hin, was dir ohne nachdenken als gegenargument erscheint? Oder wirst du mir jetzt sagen, dass es aber problematisch ist, sich auf die FSK zu verlassen, weil die sich auch gelegentlich mal in der Einstufung irren, und dass das Ganze deswegen sinnlos ist? (Das wäre dann mal wieder die fallacy of the perfect solution.)

    “Ähm, du hast die FSK ins Spiel gebracht (Kommentar #99) und du wolltest aktuelle Beispiele dazu hören (#108). ”
    Ja, ich wollte aber nicht Dinge hören, von denen du selbst sagst, dass sie damit nichts zu tun haben, sondern Beispiele *dazu*. Zu FSK. Nicht zu Erdogan-Gedichten oder der Zensur von Filmen oder sonst etwas anderem.

    “Ich glaube den Erfahrungsberichten, habe ich nie bezweifelt”
    Na denn. Es gibt also Leute, die sagen “Mir hilft’s”. Das ist ein Argument für Triggerwarnungen, richtig?

    “. Du machst nur jedesmal den Deckel auf die Diskussion, sobald sie sich aus diesen Erfahrungsberichten hinaus bewegt.”
    Aber nur deswegen, weil da eben keine Argumente gegen Triggerwarnungen per se kommen, sondern Argumente gegen irgednwas anderes wie zensur, Böhmermann oder sonst irgendwas. Ein sachliches Argument gegen Triggerwarnungen (und nicht gegen Dinge, zu denen Triggerwarnungen bestimmt eines Tages führen in irgendwelchen Horrorszenarien) gab es bisher genau eins: Dass Leute sich mit Triggern auseinandersetzen sollen und dass ihnen das helfen würde. Das habe ich oben widerlegt (weil dafür das auseinandersetzen kontrolliert sein muss, was genau das ist, was Warnungen ermöglichen). Alle anderen Argumente waren aus der Kategorie “Aber ihr wollt dann ja alles verbieten etc.”

    “Gebete beweisen nicht, dass es Gott gibt, aber ich bin davon überzeugt, dass sie Menschen helfen können (also nicht Probleme zu lösen aber mit den Folgen umzugehen). So in dem Sinne war der Satz gemeint. Ich weiß, dass du das genauso selbst gesagt hast (#98).”
    Ja prima. In welchem Sinne soll es dann irgendwie ein Gegenargument gegen meinen Standpunkt sein? Beten kann dem eigenen Befinden nicht helfen, weil es keinen Gott gibt?

    “Nur, darüber hinaus willst du nicht diskutieren”
    Was genau willst du darüber hinaus diskutieren außer deinen “dann wird eines Tages alles zensiert”-Argumenten? Wenn jemand (von dem ich weiß, dass er sich in einer schwieirigen Lage befindet) mir sagt “Beten hilft mir” – soll ich dem dann sagen “So ein Quatsch, Gott gibt es eh nicht, du bildest dir das nur ein?”

    Und ich warte immer noch darauf, was an der fiktiven Triggerwarnung in der Strafrechtsvorlesung von oben “Nächste Woche…” oder an kurzen Warnungen im fernsehen “Die nachfolgende Sendung enthält Bilder von…” so schlimm ist, dass es die Vorteile aufwiegt. Denn das ist das Thema hier.

    “weil du immer lauter zu schreien scheinst.”
    Das kommt dir nur so vor, weil du leider keine Argumente hast und auf immer seltsamere Tangenten ausweichst (ich sage nur “Frag mal einen Arbeitslosen zum Thema Zeitgewinn”, das ist wirklich das abstruseste Argument, das ich seit langem hier gelesen habe…)

  117. #117 switcher
    30. April 2016

    @MartinB
    Dann spule ich zurück zu meinem allerersten Kommentar, ergänze und bleibe bei Triggerwarnungen, warne aber vor gegenteiligen Erfahrungsberichten. Having said that…

    Hier ist ein Beispiel, in der einer Philosophie-Professorin, Christina Hoff Sommers, die Vorlesung an einem College in Ohio ‘nicht leicht gemacht wurde’, indem man Triggerwarnungen dazu nutzte, ihren Vortrag im Vorfeld und währenddessen zu derangieren, naja und sie etwas mit Schmutz zu bewerfen, verbal.

    http://www.thirdbasepolitics.com/oberlin-feminists-accuse-christina-hoff-sommers-of-supporting-racists/

    Erfahrungsberichte.

    Ich selbst habe schon erlebt, dass Kommilitonen ihr Zuspätkommen mit Verletzung ihres Safe Space offensiv entschuldigten, indem dem Hinweis des Dozenten auf die wohl durch das beschleunigte Gehen errötete Gesichtsfarbe ein Triggern von Unbehagen vorgehalten wurde.

    Erfahrungsberichte.

  118. #118 MartinB
    30. April 2016

    @switcher
    “Dann spule ich zurück zu meinem allerersten Kommentar”
    Oh, prima, noch ne Runde?

    Du zitierst 3BP? Laut eigenen Angaben
    “Third Base Politics is an Ohio-centric conservative blog”, wobei das lesen der Texte schon eher “erzkonservativ” scheint.
    Und Proteste gegen Christina Hoff Sommers? Die sollten nun wirklich niemanden überraschen.

    Die Triggerwarnung (der Rest sind schlicht Proteste) bezieht sich wohl auf diesen Text:
    http://oberlinreview.org/8032/opinions/in-response-to-sommers-talk-a-love-letter-to-ourselves/
    Ich empfehle, den mal zu lesen, falls du CHS nicht kennst, dann verstehst du vielleicht die Proteste gegen sie.

    “dass Kommilitonen ihr Zuspätkommen mit Verletzung ihres Safe Space offensiv entschuldigten, indem dem Hinweis des Dozenten auf die wohl durch das beschleunigte Gehen errötete Gesichtsfarbe ein Triggern von Unbehagen vorgehalten wurde.”
    Das hab ich nicht verstanden. jemand kommt zu spät zur Vorlesung, der Dozent sagt “Sie sind ja ganz rot, wohl vom schnellen laufen” (was man als Dozent nicht sagen sollte – wenn jemand zu spät in meine Vorlesung kommt, gehe ich mal davon aus, dass es dafür einen guten Grund gibt, und Bemerkungen über das Aussehen von Studis (außer vielleicht solchen, die ich persönlich kenne) sind eigentlich nie o.k.) und dann sagen die leute “Sie verletzen meinen Safe space triggern mein unbehagen”?
    Halte ich für falsches Verhalten auf beiden Seiten.

    Aber hat das jetzt irgendwas mit Triggerwarnungen zu tun?

    So, und jetzt klinke ich mich erstmal aus. Vor morgen abend habe ich keine zeit mehr.

  119. #119 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2016/04/30/walpurgiscat/
    1. Mai 2016

    Und das wurde wer weiß wie oft widerlegt. MAn weiß nicht alles, was triggert, aber man weiß einige Dinge, die es tun, und vor denen kann man warnen.

    Das wurde nicht widerlegt. Es wurde nur behauptet es sei widerlegt, basierend auf Hörensagen von Leuten, die sich nicht die Mühe machen, zwischen Trauma, Phobie und Unbehagen zu unterscheiden.

    Auch das Maskieren von Wörtern wird empfohlen unter Hinweis auf eine Person, die im Internet behauptet hat, dass es ihr hilft – wobei es der hilft, ob sie ein Trauma hat auch auch nur das Thema sehr unangenehm empfindet erfahren wir nicht.

    und sich mit dem triggernden Inhalt zu einer anderen Zeit eigener Wahl auseinander zu setzen, weil ein wichitger Aspekt der Verarbeitung eines Traumas ist, sich mit dem traumatisierenden Thema unter einer Bedingung auseinander zu setzen, die der eigenen Kontrolle unterliegt.

    Richtig. Betroffene Personen können nicht erwarten in einer Universitätsveranstaltung therapiert zu werden.

    Jetzt ist meine Frage, ob Du weißt, was die häufigsten Traumata sind, mit denen an hiesigen Universitäten zu rechnen ist, und wie häufig die sind.
    Das zweite wäre zu fragen, ob sich dazu jeweils eine Liste an Beschreibungen, womöglich Schlüsselwörtern finden lässt, und wie häufig man auf diesem Wege eine Retraumatisierung vermeiden kann.
    Oder ist die Analogie zu den Gebeten darin zu suchen, dass nicht bei dem, für den gebetet wird, eine gefühlsmäßige Besserung zu erwarten ist, sondern nur beim Betenden?

    “Ah, die User Unknowns standen auf gegen Behinderte, Umweltschutz, pro Rassismus und Sexismus? Hast Du dafür Belege,”
    Wer die Geschichte dieses Blogs und deine Kommentare kennt, der hat in der Tat mehr genug Belege dafür, dass du aufstehst, wenn irgendwo Maßnahmen gegen Sexismus diskutiert oder vorgeschlagen werden.

    Was würde diese Geschichte des Blogs damit über Fragen des Umweltschutzes, des Rassismus und des Umgangs mit Behinderten aussagen?

    Abgesehen davon stimmt es ja gar nicht, sondern das Gegenteil ist wahr.
    Wir hatten hier Debatten über den Sinn eines generischen Femininum in der Sprache, in der ich behauptet habe, dass es in der Natur des Sprechens liegt, dass man nicht jede einzelne Formulierung mit einem politischen Regelwerk abgleicht, und dass Bemühungen daran etwas zu ändern scheitern werden; dass historisch nicht gezeigt werden kann, dass das generische Maskulinum ein Instrument zur Unterdrückung von Frauen sind, dass Frauen an der Sprachbildung ebenso beteiligt sind wie Männer, dass die Mehrzahl der Frauen Gendersprech ablehnt, dass die beworbene Maßnahme nichts bringen wird, sondern ein großes Bohei sind, und dass der Glaube, man könne so substantiell auf die Berufswahl von Mädchen Einfluss nehmen alberner Wunderglaube sind sowie dass man zur Durchsetzung einer solchen Sprachreform massiv und totalitär in den Alltag aller Menschen und in die Berufe von vielen eingreifen muss.

    Du unterstellst mir dagegen ich würde an der klassischen Grammatik festhalten wollen um Frauen von den Berufen des Straßenbaus, des Bergbaus, des Programmierens usw. fernzuhalten.

    Ich traue Frauen aber zu die Funktion des Geschlechts in der dt. Sprache zu verstehen und diese dann souverän zu sprechen.

    Dann hatten wir, meine ich, Gender-Pay-Gap-Diskussionen hier. Da vertrete ich die Ansicht, dass Frauen, vor die Wahl gestellt länger, härter und mehr zu arbeiten oder mehr Zeit mit Familie und Kindern zu verbringen, in der Lage sind eine informierte Entscheidung zu treffen und dass eine Vielzahl ähnlicher Entscheidungen in die gleiche Richtung dazu führt, dass es dieses Pay-Gap gibt, dass aber ansonsten natürlich zu gelten hat gleiches Geld für gleiche Arbeit.

    Demgegenüber steht die Auffassung, dass die Frauen, durch 10.000 Jahre Patriarchat manipuliert, Entscheidungen treffen, die nicht gut für sie sind, und dass, wenn alles mit rechten Dingen zu geht, 50% der Arbeitseinkommen auf Frauen entfallen müssen.

    Falls wir hier auch über Quoten diskutiert haben: Da sieht die Argumentation ähnlich aus. Manche Feministinnen glauben, dass der Großteil der Frauen die von switcher ins Spiel gebrachten glücklichen Sklaven sind, dass sie aber den Durchblick haben und wissen, wie es richtig geht. Böse Zungen behaupten, dass diese Feministinnen meistens Sozialpädagogik oder Literaturwissenschaft studieren, nicht Ingenieurswissenschaften oder Informatik.

    Ich weiß, dass Du da andere Ansichten hast als ich, aber dein Vorwurf, ich stünde auf, wenn irgendwo Maßnahmen gegen Sexismus diskutiert oder vorgeschlagen werden unterschlägt, dass es untaugliche Maßnahmen sind, gegen die ich aufstehe, bzw. ein infantiler Feminismus, gegen den ich polemisiere.

  120. #120 user unknown
    1. Mai 2016

    Pardon – hätte ich mal erst Kontrolle gelesen. Absatz 3 sollte lauten:

    Auch das Maskieren von Wörtern wird empfohlen unter Hinweis auf eine Person, die im Internet behauptet hat, dass es ihr hilft, wobei wir nicht erfahren, ob sie ein Trauma hat oder auch nur das Thema als sehr unangenehm empfindet.

    Es folgen viele Stellen, an denen sind statt ist steht und umgekehrt. Pardon.

  121. #121 switcher
    1. Mai 2016

    @MartinB
    “CHF & conservative blog”
    Das ist entlarvend. Ich hab die Quelle und das Beispiel mit Absicht gewählt. Ein konservativer Blog (not my cup of tee), der über eine Veranstaltung berichtet (Fotos, Videos, Gesprächmitschnitte) und eine kontroverse Person im (amerikanischen) Feminismus, die u.a. die Methoden von Vergewaltigungstatisken kritisiert und darüber referiert.

    Erfahrungsberichte von Opfern sind glaubwürdig, Erfahrungsberichte, die auf konservativen Blogs erscheinen, sind nicht glaubwürdig? Beides ist subjektiv, oder? Aber nur eines davon ist glaubwürdig? Das enttäuscht mich jetzt, MartinB.

    Ich hab den von dir verlinkten Protestbrief gelesen, der als Triggerwarnung überschrieben war. Ein Zitat:
    “She can prioritize debunking statistics on sexualized violence; let’s prioritize each other healing from and refusing to tolerate violence. Her talk is happening, so let’s pull together in the face of this violence and make our own space to support each other.”
    Ich übersetze das mit: Sie kratzt an unserem Weltbild, und damit verletzt sie uns. Wir brauchen einen Ort, wo wir uns selbst bestätigen und keinen wo wir herausgefordert werden.

    Ich hab ein anderes Beispiel, das zeigt wie repressiv Triggerwarnungen wirken können. Eine junge schwarze Uni-Professorin, selbst Zeugin einer Vergewaltigung, verwendet Triggerwarnungen und nun lies was passiert (langer Artikel):
    http://www.salon.com/2015/10/28/i_wanted_to_be_a_supporter_of_survivors_on_campus_and_a_good_teacher_i_didnt_realize_just_how_impossible_this_would_be/

    Triggerwarnungen, Safe Space, Microaggressions sind Bestandteil einer Kultur des Opfertums, die die Kultur der Würde abzulösen scheint. Statt dass sich der Wert eines Menschen allein durch seine unverletzbare Würde definiert, wird der Wert durch die Aufmerksamkeit bemessen, die er als Opfer generieren kann. So ist die Theorie in knappen Worten.
    Das führt z.B. in Universitäten dazu, dass neue Erkenntnisse, die etwas altes ablösen, mit dem Argument abgeschmettert werden, das triggert Unbehagen, das ist aggressiv, das verletzt mein Weltbild, damit mich, ich bin ein Opfer, helft mir, ich will hören, was ich schon weiß.

    Drei Artikel zu Microaggessions und ihre Herkunft aus dem Opfertum (i), Yale-Problem (ii) und Coddle vs. strengthen (iii), die das etwas ausführlicher behandeln:
    (i) http://righteousmind.com/where-microaggressions-really-come-from/
    (ii) http://heterodoxacademy.org/2015/11/24/the-yale-problem-begins-in-high-school/
    (iii) http://righteousmind.com/coddle-u-vs-strengthen-u/

    Welche Universitäten? Nur in den USA? Nein, auch in Deutschland. An der HU Berlin ereignete sich der Vorfall, dass eine Vorlesung dauerhaft gekapert wurde, zum Unwillen der Kommilitonen übrigens, weil Kant gelehrt wurde, der ja ein Rassist war und deswegen untauglich.

    Wer andere am Erkenntnisgewinn hindert, ist an einer Uni falsch aufgehoben.

    Und weil ich deine Frage schon antizipiere: Was hat das jetzt mit den Triggerwarnungen zu tun, die du (MartinB) meinst?
    Ich traue dir zu, das differenziert zu betrachten und ein Beispiel nicht höher zu bewerten als ein anderes. Wenn Beispiele sich widerstreiten zeigt es nicht zwangsläufig, dass eines falsch und das andere richtig sein muss.

  122. #122 MartinB
    1. Mai 2016

    @swicther
    Zu viele links, deshalb Spam-Filter
    “Erfahrungsberichte von Opfern sind glaubwürdig, Erfahrungsberichte, die auf konservativen Blogs erscheinen, sind nicht glaubwürdig? ”
    Ich habe überhaupt keinen Zweifel, dass das, was da geschildert wird, so passiert ist. Aber dass Äußerungen einer CHS durchaus triggernd wirken können, mag ich eben – im gegensatz zu dir – glauben. Und der größte Teil des geschilderten Protestes war Protest und hat mit Triggerwranungen per se nichst zu tun.

    “Ich hab ein anderes Beispiel, das zeigt wie repressiv Triggerwarnungen wirken können.”
    Ja, und das sind Extreme, die ich selbst auch nicht unterstütze, da sind wir uns einig. Ich habe auch nie behauptet, dass alle Triggerwarnungen immer richtig sind oder dass es unmöglich sei, dass man den Standpunkt ins Extreme treiben und damit Schaden anrichten kann. Habe ich soweit ich mich entsinne sogar oben mehrfach geschrieben. Man kann die Sinnhaftigkeit einer Maßnahme aber nicht an möglichem Missbrauch oder Extrema festmachen.

    “Wenn Beispiele sich widerstreiten zeigt es nicht zwangsläufig, dass eines falsch und das andere richtig sein muss.”
    Eben. Und ich bleibe bei meinem Beispiel der Strafrechtsvorlesung – hältst du eine solche Triggerwarnung für sinnvoll oder nicht?

  123. #123 MartinB
    1. Mai 2016

    @Userunkown
    Ich wiederhole das, was ich auch switcher geschrieben habe, da du es bisher auch nicht beantwortet hast:
    ” ich bleibe bei meinem Beispiel der Strafrechtsvorlesung – hältst du eine solche Triggerwarnung für sinnvoll oder nicht?”

    “unterschlägt, dass es untaugliche Maßnahmen sind, gegen die ich aufstehe”
    Das behauptest du leider entgegen besserer Evidenz, siehe die Diskussion zur Gleichstellung, in der du so ziemlich sämtliche Studien zum Thema als unglaubwürdig abgetan hast, oder die zum Thema Privileg, als dich ein Haufen von Soziologie-Studien nicht von der korrekten Verwendung des Begriffs “Privileg” überzeugen konnte, währen d einer einziger Comic eines Feminsismusfeindlichen Zeichners aus den 70ern plötzlich als Beweis galt.

  124. #124 switcher
    1. Mai 2016

    @MartinB:
    Ich kann mir gut vorstellen, dass CHF triggert, aber das ist eben kein Grund alle anderen in Gewahrsam zu nehmen (man muss ja nicht hingehen) und die Vorlesung derart zu behindern (also hinzugehen). Das zeigt mir doch, das die Trigger nur ein Vorwand sind, sich als Opfer weiter aufzuwerten, indem man sich von CHF attackiert fühlt, indem man sich in die Vorlesung setzt und sich darüber empört, dass dort CHF redet. Entweder fernbleiben oder hingehen und sich die Argumente CHF anhören und hinterfragen/kritisieren. Universität eben. Kriegen wir hier auch hin.

    “Extrema”
    Ob das jetzt Extrema sind oder extreme Missbräuche von Triggerwarnungen, die sich häufen und zum Standard werden, kann ich nicht belegen, aber das kannst du für deine Beispiele genausowenig. Wie man damit umgeht, ist eine andere Diskussion. Diese junge Professorin resümierte ganz vernünftig wie lapidar: Life is a trigger.

    “Beispiel der Strafrechtsvorlesung – hältst du eine solche Triggerwarnung für sinnvoll oder nicht?”
    Für den Extremfall, dass tatsächlich traumatisierte Menschen, bei denen die Therapie (noch) nicht gelungen ist, freiwillig einen Beruf/Studium wählen/fortsetzen, das ihr Trauma triggert, und nach Beendigung der Ausbildung trotzdem ihren Beruf ausüben können (Universität=/=Gerichtssaal), dann ist eine Triggerwarnung in der Vorlesung sicher sinnvoll, für diese Betroffenen. Für alle anderen: Niemand zwingt die Betroffenen Jura zu studieren. Niemand hält sie vom Studium ab. Es ist einzig das Trauma, was beschränkt, solange man es nicht therapiert hat, und die Heilung, die befreit.

  125. #125 MartinB
    1. Mai 2016

    @switcher
    ” das ist eben kein Grund alle anderen in Gewahrsam zu nehmen (man muss ja nicht hingehen) und die Vorlesung derart zu behindern ”
    Nein. Das ist ganz normaler Protest, der hat mit Triggern nichts zu tun. (Weswegen er hier auch nicht relevant ist.)

    “Ob das jetzt Extrema sind oder extreme Missbräuche von Triggerwarnungen, die sich häufen und zum Standard werden, kann ich nicht belegen, aber das kannst du für deine Beispiele genausowenig”
    Lies doch einfach meinen Artikel und meine Kommentare. Darin habe ich geschrieben, worum es mir geht – um einfache Warnungen vor möglicherweise verstörenden Inhalten.

    “dann ist eine Triggerwarnung in der Vorlesung sicher sinnvoll, für diese Betroffenen.”
    Na, siehst du, wesentlich mehr war ja von mir nie gewollt. Ob das so ein Extremfall ist (imemrhin ist der Prozentsatz an vergewaltigten Frauen nicht eben gering), wage ich allerdings zu bezweifeln.

    “Es ist einzig das Trauma, was beschränkt, solange man es nicht therapiert hat,”
    Naja, die Gesellschaft trägt das ihre dazu bei, gerade, wenn es um Opfer von Vergewaltigungen geht.

    ” und die Heilung, die befreit.”
    Danke für diesen Allgemeinplatz, der eines Glückskekses würdig wäre. Nützt den Betroffenen natürlich nichts, sondern lädt ihnen die Bürde und Verantwortung auf: “Du musst halt für deine Heilung sorgen.” Und schön, dass du anscheinend der Meinung bist, wer durch so ein Erlebnis traumatisiert ist, würde eh besser daran tun, vielleicht auch sonst noch die letzten Jahre des Lebens wegzuwerfen und mit so was wie Jura aufzuhören oder mal ein paar Semester zu pausieren, bis sie geheilt sind.

    Übrigens Hochachtung, mit welcher Selbstverständlichkeit du meinen Kommentar #116 ignorierst, wieder von vorn anfängst, und mit keinem Wort mehr auf deine abstrusen Argumente a la “Obdachlose finden Zeitersparnis aber gar nicht toll” und “ich mache mir Sorgen um dich, weil du reden mit Freunden umständlich findest…” zurückkommst.

  126. #127 switcher
    1. Mai 2016

    @MartinB:
    Kurzer Kommentar zum Artikel “There are always those boys” und ich denke, dann habe ich alles zum Thema gesagt, vielleicht antworte ich noch auf die anderen Kommentare, aber nicht mehr heute:

    Den Schuh würde ich mir nicht anziehen, aber das war sicher nicht deine Intention. Jemanden anzupöbeln (wie der Hörer im Artikel) gefälligst auf Triggerwarnungen zu verzichten sonst hört er den Podcast nicht mehr und sagt es weiter, das ist autoritär und illiberal, und in dem speziellen Fall beleidigend, vielleicht sogar nötigend. Demjenigen würde ich gleichfalls sagen, dann hör ihn eben nicht oder skippe weiter, otherwise, just shut the fuck up, this is my podcast.

    Weißt du, MartinB, das ist das Dilemma, was ich in dieser Frage habe. Triggerwarnungen zu verbieten halte ich für absurd. Das wiederspräche meinen eigenen Prinzipien. Aber ich hab hier an der Diskussion teilgenommen, weder weil ich Triggerwarnungen verbieten will noch lobpreisen, sondern diskutieren wollte, wo ihre Grenzen liegen und wo sie missbraucht werden, von meiner Perspektive aus (Freiheit zu etwas vs. Freiheit von etwas). Ich denke, das habe ich darlegt, über Umwege und den ein- oder anderen Allgemeinplatz, den du auch geboten hast.
    Ich muss kein glühender Verfechter von Triggerwarnungen sein und würde sie trotzdem verteidigen, solange sie nicht missbraucht werden. Ich denke dieser Satz fasst meinen Standpunkt einigermaßen zusammen.

    Genug für heute. Schönen Sonntag noch.

  127. #128 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2015/12/15/fluechtlinge-zu-gefluechteten-sprachlog/
    2. Mai 2016

    @MartinB

    Ich wiederhole das, was ich auch switcher geschrieben habe, da du es bisher auch nicht beantwortet hast:
    “ ich bleibe bei meinem Beispiel der Strafrechtsvorlesung – hältst du eine solche Triggerwarnung für sinnvoll oder nicht?“

    Schön, dass Du darauf zurückkommst.
    Dazu habe ich Dir ja meine Gegenfrage gestellt: Wieviel Prozent der Studenten einer Strafrechtsvorlesung sind überhaupt, im Schnitt, nur grob, traumatisiert?

    Von diesen, wie viele könnte man mittels Triggern schützen? Wie viele würde man ungeachtet seiner Warnungen dennoch triggern, weil sie einfach nicht auf die passenden Schlüsselwörter triggern, sondern auf etwas unberechenbares? Wieviele würden auf die Warnungen reagieren, die es eigentlich nicht nötig haben?
    Und haben die Triggerwarnungen unerwünschte Nebeneffekte?

    Als solchen Nebeneffekt betrachte ich die Forderung von Aktivisten nach solchen Warnungen als verbindlichem Verhaltenskodex, als Ausweitung vom sinnvollen Schutz vor Trauma hin zu unliebsamen, verstörenden, schockierenden Inhalten, die niemanden traumatisieren aber mangels Bereitschaft zu differenzieren einfach als gleichwertige Anliegen vorgebracht werden.

    Dazu gibt es zwei interessante Artikel, einmal aus dem New Yorker , einmal aus einer Publikation namens Salon .

    Werfen wir den Blick zurück in die 80er Jahre, als häusliche Gewalt, Vergewaltigungen und Frauenhäuser auf breiter Front diskutiert wurden. Damals konnte ich mir noch nicht vorstellen, dass eine Frau zur Polizei geht und später vor Gericht, und eine erfundene Vergewaltigung vorbringt, um ihrem Partner zu schaden.

    Damals waren es Frauen, die mich in meinem Eifer bremsten und die Unschuldsvermutung nicht einem Bias gegenüber der Frau im allgemeinen opfern wollten. Eine sehr unbefriedigende Situation, weil es natürlich meist eine enorme Belastung ist, gegenüber der Polizei und später vor Gericht auszusagen; auch weil das Bedürfnis, sich nach einer Vergewaltigung zu waschen sehr gut nachvollziehbar ist.
    Als erstes ein Krankenhaus aufsuchen zu sollen, zur Spurensicherung, ist natürlich eine Zumutung. Ohne das wird es aber häufig auf eine Situation Aussage gegen Aussage hinauslaufen – das kann es auch mit Spurensicherung noch, wenn der Mann behauptet dass die Frau an härteren Spielarten Gefallen gefunden hätte.

    In dieser Zeit wurde auch oft von entwürdigenden Situationen auf der Wache berichtet, mit Sprüchen wie “So wie Sie gekleidet sind!” (victim blaming), Verharmlosungen und der Aufforderung, alles detailliert zu schildern, wozu dann überflüssige Bemerkungen abgegeben wurden.

    Ich weiß nicht inwiefern sich das bis heute geändert hat, ob es Leitlinien und Schulungen gibt, wie Befragungen und Anzeigenaufnahmen abzulaufen haben, um eine Retraumatisierung in dieser Situation zu vermeiden. Jedenfalls ist damals die Vokabel der Retraumatisierung in der politischen Protestszene viral geworden.

    Es ist ein Dilemma der politischen Bewegungen, dass sie, in dem sie populär werden und die breite Masse erfassen, viele Dampfschwätzer anziehen die sich rasch die passenden Vokabeln draufschaffen, und dann großzügig damit hausieren gehen und eine einstmals differenzierte Diskussion verwässern.

    Heute hat sich in vielen Milieus eine Vorstellung von kollektiven Traumata etabliert, wonach man eins haben kann, ohne selbst betroffen zu sein, weil man zu einer größeren Gruppe gehört, die für die wirklich Betroffenen signifikant ist (Frauen, Schwarze, …) und deswegen kann man auch retraumatisiert werden, ohne je traumatisiert gewesen zu sein; es genügt Betroffenheit zu fühlen.

    Weil man sich als Stellvertreter im Kampf für das Unrecht auf edelste Motive beruft ist diese Haltung sinnstiftend und wird deswegen gegen Kritik immunisiert.

    Ich weiß natürlich nicht wie viele eingebildete Traumatisierte sich im Vergleich zu echten so rumtreiben, aber die Symptome lassen mich schlimmes befürchten. Und dann erweisen Triggerwarnungen der Gesellschaft einen Bärendienst.

    Nun noch ein, zwei kleine Richtigstellung zu den vergangenen Debatten.

    In den 60er Jahren noch gab es in den USA das Privileg für Weiße im Bus, getrennt von Schwarzen, vorne zu sitzen. Ein Privileg ist ein verbrieftes Recht auf das man sich berufen kann.
    Ein anderes, ebenso zweifelhaftes Privileg, bestand in Parkbänken, die für Weiße reserviert waren. Zweifelhaft insofern, als man als Weißer mit einem schwarzen Freund nicht zusammen auf so einer Bank sitzen konnte, wenn man wollte. Sonst hat man das auch als Einschränkung der eigenen Freiheit empfinden müssen.
    Oder es gab Hotels, die kein Problem damit hatten die Spitzen von Jazz und Blues auf ihren Bühnen spielen zu lassen, um Gäste anzulocken, die aber diese Musiker nicht im Hotelrestaurant speisen ließen. Weiße only.

    Das kann man ein Privileg für Weiße nennen, zumindest war es als solches gedacht. Mehr ein Privileg für rassistische Weiße, nicht.

    Demgegenüber wird heute davon gesprochen, dass die Tatsache, dass manche Vermieter Rassisten sind, die an Schwarze oder Menschen, die einen türkisch klingenden Namen haben, nicht vermieten, nicht als Privileg bezeichnen, denn das ist nichts, worauf ich mich mit meiner blassen Haut und deutschem Namen nicht berufen kann. Es gibt eine statistische Chance, dass ich es beim Wohnungs- oder Arbeitsmarkt leichter habe und weil es ein umständlicher Ausdruck ist, hat man vielleicht aus Faulheit des Geistes sich mit dem irreführenden Wort ‘Privileg’ angefreundet.

    In der Tat war ich der Ansicht, dass das Wort in den 70ern, 80ern noch nicht derart gebraucht wurde, um anhand eines Robert Crumb – Comics zu lernen, dass es zumindest in den USA damals schon gang und gäbe war, übrigens von Crumb auch spöttisch benutzt, wenn auch aus dem Comic nicht hervorgeht, ob es nur als abgenutztes Schlagwort oder weil es so unpassend ist, seine spitze Feder provoziert hat.

    Ich halte also stur an meiner Kritik des Begriffs fest und habe nur meine These zu dessen Popularisierung korrigiert.

    Mein Eindruck damals aber war, dass Du einer derartigen Differenzierung nicht folgen kannst – ich vermute Du kannst es auch heute nicht.

    Und zu den sämtlichen 2 Sprachstudien, die habe ich nicht einfach als unglaubwürdig abgetan, sondern konkrete Kritik daran vorgebracht. Kann man alles nachlesen. Wollen wir das hier noch mal alles aufwärmen?

    Es ging ungefähr so: “Eine Gruppe Psychologen, die zum Kongress angereist kam, durchquerte den Bahnhof. Trotz des milden Wetters hatten alle lange Kleider an.” Die kognitive Dissonanz, die sich daraus ergibt, dass alle Kleider anhatten, also mutmaßlich Frauen sind, während zuvor unspezifisch “Psychologen” genannt waren, was das Geschlecht offen lassen sollte, sollte beweisen, dass es mit dem generischen Maskulinum nicht weit her ist.

    Der Satz wurde dabei nicht einer üblichen Konstruktion gegenübergestellt, von der man erwarten würde, dass sie geschrieben würde, wenn es sich um ausschließlich Frauen handelt, was man, in dem man von der Länge der Kleider spricht, hervorheben will.

    Genau dann wählt man nämlich den Plural femininum (Gruppe Psychologinnen), weil man den Leser üblicherweise nämlich nicht überraschen will. Analog würde man, wenn man den Satz fortsetzte mit “Als Hobbyboxer hatten alle schon ihren Sackschutz übergezogen.” auch von einer Gruppe männlicher Psychologen reden müssen, um eine Überraschung, dass alle Sackschutz tragen, zu vermeiden.

    Das ganze Paper war somit ein Strohmannargument, weil es den Kontext der Aussage und übliche Textdramaturgien nicht berücksichtigte. Ähnliches kann auch passieren wenn ich schreibe: “Er stand vor dem Spiegel und zögerte. Dann nahm er ihn doch mit, um ihn in der U-Bahn zu lesen.” Auch hier evoziert der Spiegel wahrscheinlich ein falsches Bild. Um das zu vermeiden – außer es wäre ein Effekt, den man willentlich anstrebt – würde man den Spiegel kursiv setzen oder sonstwie hervorheben.

    Im übrigen würde ich mir wünschen, dass Du ad-hominem-Argumentationen, die an Rufmord grenzen, nicht noch lobst.

  128. #129 MartinB
    2. Mai 2016

    @switcher
    “Ich muss kein glühender Verfechter von Triggerwarnungen sein und würde sie trotzdem verteidigen, solange sie nicht missbraucht werden.”
    Na, dann hätten wir uns die Diskussion ja sparen können… In meinem Artikel ging es ja nur darum, aus persönlicher Sicht zu zeigen, warum Triggerwarnungen sinnvoll sein können, mehr nicht. Ich habe ja nie gesagt, dass alle Forderungen, die jemals zum Thema gestellt wurden, richtig sind, noch, dass man traumatisierende Inhalte nicht mehr diskutieren soll o.ä.

    @user unknown
    “Wieviel Prozent der Studenten einer Strafrechtsvorlesung sind überhaupt, im Schnitt, nur grob, traumatisiert? ”
    Warum ist das relevant? Wenn es einer von 1000 ist, und da sitzen jedes Semester ein paar Hundert Studis, dann schützt man alle paar Jahre einen Menschen vor einer extrem belastenden Erfahrung. Ich würde lieber auf Nummer Sicher gehen, ehe ich hinterher erfahre, dass da jemand dank meiner Vorlesung weinend zusammengebrochen ist, wenn ich das hätte verhindern können. Die Wahrscheinlichkeit eines Autounfalls ist auch klein, trotzdem nehme ich mir immer die paar Sekunden, um meinen Anschnallgurt umzulegen – man weiß nie, wann es passiert, und wenn es passiert, sind die folgen eben sehr schlimm.

    Dass solche Forderungen – gerade in den USA, wo eine Lehrerin auch entlassen werden kann, weil sie in einer 8. Klasse im Kunstunterricht das Wort “vagina” verwendet – auch missbraucht werden können, habe ich nie bestritten. Aber aus der Möglichkeit des Missbrauchs abzuleiten, dass das Konzept selbst falsch ist, ist eben kein gültiger Schluss.

    “Damals konnte ich mir noch nicht vorstellen, dass eine Frau zur Polizei geht und später vor Gericht, und eine erfundene Vergewaltigung vorbringt, um ihrem Partner zu schaden. ”
    Auch heute kommt das nur überaus selten vor.

    Den Rest deiner Ausführungen zu diesem Thema habe ich nicht verstanden – was willst du damit sagen? Dass die Situation schwierig ist?

    “Ich weiß natürlich nicht wie viele eingebildete Traumatisierte sich im Vergleich zu echten so rumtreiben, aber die Symptome lassen mich schlimmes befürchten. Und dann erweisen Triggerwarnungen der Gesellschaft einen Bärendienst.”
    Ach so – so wie man aufpassen muss, dass man keine falschen Vergewaltigungsanschuldigungen glaubt, muss man auch aufpassen, dass man keinen falschen Triggerwarnungen glaubt, weil sonst … was? Bei einer falschen Anschuldigung gibt es ja jemand, der darunter leidet, aber wer nun so fürchterlich unter der Ankündigung “ncähste Woche…” leidet, hast du nach wie vor nicht erläutert.

    “Nun noch ein, zwei kleine Richtigstellung zu den vergangenen Debatten. ”
    Nein, danke, die Diskussion mache ich nicht wieder auf. Kann jeder selbst nachlesen.

    “Im übrigen würde ich mir wünschen, dass Du ad-hominem-Argumentationen, die an Rufmord grenzen, nicht noch lobst.”
    Der Kommentar von Earonn war auf den Punkt – egal ob generisches Maskulinum, Gleichstellungsdebatte, Privilegien oder Triggerwarnungen; immer stehst du auf, streitest zunächst mal die Existenz des problems ab, verlangst unumstößliche Beweise, dass diese Maßnahmen perfekt funktionieren werden, wirfst anderen vor, das wäre alles nur Aktionismus, der wenig nützt (dann könntest du es einfach akzeptieren – dass so viel Energie in solche Sachen gesteckt werden muss, liegt ja genau daran, dass es Leute wie dich gibt, statt dass alle einfach mal sagen “o.k., ab jetzt gibt es Triggerwarnungen in Vorlesungen bei offensichtlich sensitiven Themen”) – und genau dieselben Mechanismen sind immer am Werk, wenn es darum geht, die Gesellschaft rücksichtsvoller für Minderheiten zu machen. Du verwendest exakt dieselben Muster wie diese Leute. Du leugnest gern, dass Frauen in der Vergangenheit überhaupt benachteiligt waren (ich erinnere nur an das Argument “es gab auch ein paar weibliche Herrscher in Europa, deswegen ist es falsch zu sagen, dass die Gesellschaft damals männerdominiert war”, ähnliche Schätze gab es zu Hauf), du weigerst dich, Konzepte wie Privilegien anzuerkennen usw.
    Earonns Kommentar war kein rufmord (und erst recht kein ad hominem, Kritik an den Äußerungen einer Person ist kein “ad hominem”-Argument), sondern ein sauberer Vergleich deiner Argumentationstechniken mit denen in der Vergangenheit bei ähnlichen Themen.
    Wenn du meinst, dass der Schuh nicht passt, dann zieh ihn nicht an – aber hier in den Kommentaren dieses Blogs benimmst du dich exakt so, wie Earonn es beschrieben hat.

  129. #130 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2016/03/31/sprachpolizei/
    2. Mai 2016

    Du verwendest exakt dieselben Muster wie diese Leute. Du leugnest gern, dass Frauen in der Vergangenheit überhaupt benachteiligt waren (ich erinnere nur an das Argument „es gab auch ein paar weibliche Herrscher in Europa, deswegen ist es falsch zu sagen, dass die Gesellschaft damals männerdominiert war“, ähnliche Schätze gab es zu Hauf),

    Das ist falsch.
    In der Diskussion hattest Du behauptet,

    Dass Richter, Priester, Generäle, Ärzte, in den meisten Kulturen Herrscher alle männlich waren.

    Ich habe überhaupt nicht behauptet , dass man deswegen sagen könne, dass die Gesellschaft deshalb nicht männerdominiert war, sondern nur einige bekannte, europäische Herrscherinnen der Geschichte (viktorianisches Zeitalter schon mal gehört? Katharina die Große ein Begriff?) aufgezählt, die zeigen, dass Deine Pauschalisierung zu weit geht.

    Leider sind es solche Verdrehungen von Tatsachen, die einen immer wieder zu Richtigstellungen zwingen, will man Deine falschen Anschuldigungen nicht unkommentiert stehen lassen.

    Womöglich hast Du ein Problem damit, mit Kritik umzugehen, und nimmst das zu persönlich, so dass Du nicht mitbekommst worauf sich die Kritik genau bezieht und während Du verkennst, worauf sie sich bezieht, unterstellst Du dem Diskussionspartner falsche Motive?

    Ich habe nie geleugnet, dass Frauen in der Vergangenheit benachteiligt waren, bitte belege das, wenn Du es behauptest.

    dass so viel Energie in solche Sachen gesteckt werden muss, liegt ja genau daran, dass es Leute wie dich gibt, statt dass alle einfach mal sagen „o.k., ab jetzt gibt es Triggerwarnungen in Vorlesungen bei offensichtlich sensitiven Themen“) – und genau dieselben Mechanismen sind immer am Werk, wenn es darum geht, die Gesellschaft rücksichtsvoller für Minderheiten zu machen.

    Du bist aber nicht generell dagegen, dass man Evidenz für vorgeschlagene Maßnahmen einfordert?

    Du verwendest exakt dieselben Muster wie diese Leute.

    Wie welche Leute? Wie die, die immer wollen, dass man belegt, dass eine vorgeschlagene Aktivität die gewünschten Effekte auch erzielen wird?

    Hast Du die beiden von mir zuletzt verlinkten Artikel gelesen oder soll ich sie doch besser für Dich und andere, die sie nicht gelesen haben, noch mal zusammenfassen?

    Es hat doch niemand was dagegen, wenn Du ganz für Dich alleine beschließt, in Deinen Veranstaltungen vor was auch immer – von mir aus Spinnenbildern – zu warnen.

    Aber durch den Begriff Triggerwarnung sieht es ja doch so aus, als ob Du Dich als Teil einer gesellschaftlichen Emanzipationsbewegung begreifst – das unterstreichen ja auch die unsachlichen Seitenhiebe auf mich, wo ich ohne jede Evidenz als Gegner von Umweltaktivismus per se bezeichnet werde und in die Nähe von Rassisten gerückt werde, die aber nicht näher benannt wird, womöglich weil Dir die kritisierten Auswüchse nicht ganz unbekannt sind, so dass Du Dich bei Bedarf immer auf die Position zurückziehen kannst, dass Du da Deine ganz eigenen Regeln entwickelst, vor welchem Unbill Du Deine Studenten schützen willst.

    Da Du nicht darauf eingegangen bist, ob Du auch vor Retraumatisierung von Unfallopfern oder bei Kriegserlebnissen hilfreich sein willst bleiben aber Zweifel bestehen. Ginge es Dir einfach, wie behauptet darum, eine funktionierende Technik zum Schutz von Minderheiten einzusetzen, dann wäre es doch rational zu fragen welches die häufigsten Traumata sind, vor denen Du Leute beschützen willst. Dem ist aber nicht so, wie mir scheint.

    Ohne eine grobe Ahnung von den Zahlenverhältnissen zu haben soll hier mal drauf los geschützt werden. Wie gut das Instrumentarium funktioniert, das scheint Dich gar nicht zu interessieren. Wer nachfragt bekommt Vorwürfe an den Kopf geknallt er sei überhaupt dagegen etwas zum Schutz der Minderheiten zu tun!

    Nein, ich will nur einen kritischen Umgang mit dem Therapeutikum sehen. Wenn man großzügig über die Unterschiede von Trauma, Phobie und unangenehmen Gefühlen zu einem Thema hinwegsieht wird aber wohl keine differenzierten Erkenntnisse gewinnen können. Dann zu leugnen, dass es einen Slippery-Slope gibt ist dann aber grotesk.

    Statt die Kritik als Hinweis zu lesen, wie man den Umgang mit TW verbessern kann, diese Möglichkeit zumindest zu diskutieren und Fragestellungen zur Erkenntnisgewinnung zu entwickeln – als erstes fiele mir die Einbeziehung von Traumaforschern in die Diskussion ein – wird Kritik von Deiner Seite immer nur als Angriff auf Deine hehren Ziele betrachtet.

    Es tut mir leid, aber so verfestigt sich leider der Eindruck, dass es Dir um die Sache gar nicht geht, sondern nur um eine billige Selbstinszenierung als einem vagen Emanzipationsmovement zugehörig, welches als sakrosant zu gelten hat.

    verlangst unumstößliche Beweise, dass diese Maßnahmen perfekt funktionieren werden,

    Bitte belegen, dass ich unumstößliche Beweise verlangt habe und Maßnahmen, die perfekt funktionieren.

    In der Tat erwarte ich aber von einer Maßnahme, dass sie überhaupt funktioniert und dass sie einen hohes Maß an Plausibilität aufweist, wenn Beweise und Gegenbeweise nicht erbringbar sind. Ich sehe hier aber einen großen Widerwillen sich mit der Frage von Beweisen überhaupt zu beschäftigten.

    Bei einer falschen Anschuldigung gibt es ja jemand, der darunter leidet, aber wer nun so fürchterlich unter der Ankündigung „ncähste Woche…“ leidet, hast du nach wie vor nicht erläutert.

    Richtig. Das habe ich nicht erläutert, weil es nicht meine Behauptung ist. Es ist nur die Behauptung Deines Strohmanns.

    Aber aus der Möglichkeit des Missbrauchs abzuleiten, dass das Konzept selbst falsch ist, ist eben kein gültiger Schluss.

    Den Schluss habe ich auch nicht gezogen.

    Ich würde lieber auf Nummer Sicher gehen, ehe ich hinterher erfahre, dass da jemand dank meiner Vorlesung weinend zusammengebrochen ist, wenn ich das hätte verhindern können.

    Und dann willst Du sicher wissen was die häufigsten Trauma unter Deinen Teilnehmern sind – nicht 100% genau, bevor Du mir das wieder in den Mund legst – aber doch so ungefähr.

    Earonns Kommentar war kein rufmord (und erst recht kein ad hominem, Kritik an den Äußerungen einer Person ist kein „ad hominem“-Argument), sondern ein sauberer Vergleich deiner Argumentationstechniken mit denen in der Vergangenheit bei ähnlichen Themen.

    Earonn schrieb:

    Die Welt ist nicht untergegangen, user unknown wurde weder von Behinderten, noch Ausländern, noch Frauen, noch Homesexuellen, noch der geschützten Natur versklavt.

    Nehmen wir das ‘versklavt’ als legitime, polemische Übertreibung – wo habe ich behauptet von Ausländern irgendwie bedrängt oder eingeschränkt worden zu sein?
    Wo habe ich mich gegen Homosexuelle geäußert?
    Gegen Behinderte?
    Gegen Naturschutz?

    Auch gegen Frauen habe ich nie etwas gesagt. Was ich gesagt habe, ist, dass es Quatsch ist, dass Frauen in Deutschland mittels des generischen Maskulinum unterdrückt würden. Nun – immerhin.

    Aber die oberen 4 Punkte – was ist daran exact? Wo? Bring mir einen Beleg! Von mir aus kann auch Earonn einen bringen.

    Passt es nicht in Euer Weltbild sich in Fragen der Emanzipation einen eigenen Kopf zu machen? Ist man, wenn man in einer Frage von Eurer Meinung abweicht, gleich ein Verräter an der Sache der Menschheit und Umwelt, Frauen, Ausländer, Homosexuelle – alles verschmilzt zu einem Ding, bei dem es nur ein Wer-nicht-für-uns-ist-ist-gegen-uns gibt?

  130. #131 MartinB
    2. Mai 2016

    @user unknown
    “dass Deine Pauschalisierung zu weit geht”
    Das “in den meisten” hast du geflissentlich überlesen.

    “Womöglich hast Du ein Problem damit, mit Kritik umzugehen”
    Och nö, nicht die Masche. Der Fehler liegt – wie du am Zitat siehst – nach wie vor bei dir, also hast womöglich Du das problem.

    “Ich habe nie geleugnet, dass Frauen in der Vergangenheit benachteiligt waren, bitte belege das, wenn Du es behauptest. ”
    Lies doch einfach selbst, was diu geschrieben hast:

    Mein Text:
    “Das Frauen in einem Großteil unserer Geschichte weniger rechte hatten (kein eigener Besitz, noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts durften verheiratete Frauen nur mit Genehmigung ihres Mannes ein Bankkonto eröffnen oder einen Beruf ergreifen.) ”
    Deine Antwort
    “Nur mit Genehmigung oder nicht gegen den Willen des Mannees? Gibt es eine verbürgte Rechtsprechung zu den Fällen oder war das nur ein überkommener, verfassungswidriger Paragraph, der erst nicht angewendet und dann entsorgt wurde?

    Und gibt es einen Unterschied zwischen Frauen und Ehefrauen? Waren etwa alte Jungfern frei einen Beruf zu ergreifen und ein Konto zu führen? Wurden Ehen freiwillig eingegangen? Seit wann hatten die Frauen das Wahlrecht und die Möglichkeit diesen Umständen abzuhelfen? Gab es Widerstand gegen die Abschaffung dieser Vorrechte und von wem? ”
    Klar, liest sich total wie die Zustimmung zur Tatsache, dass Frauen benachteiligt waren. (Ich weiß, waren ja alles nur Fragen gäääähn).

    Aber ich habe schon zu lange mit dir diskutiert, kommen eh wieder dieselben Muster.
    Been there, done that, got the T-Shirt, und wenn du dich jetzt als Sieger fühlst, meinetwegen.
    Ich gehe wieder zum Ignorieren deiner Kommentare über.

  131. #132 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2016/01/27/der-biodeutsche/
    3. Mai 2016

    Das “in den meisten” hab ich nicht geflissentlich überlesen. Ich habe nur 3 große Imperien genannt, für die diese Aussage falsch ist. Darauf hast Du dann 7 genannt, für die sie stimmt. Ob das ausreicht, um eine Aussage auf “die meisten Kulturen” auszudehnen, ohne den Begriff abzugrenzen und zu sagen, wann und wo eine Kultur beginnt und wo sie endet, soll jeder selbst entscheiden. Unklar ist ja auch, wo die Vergangenheit beginnt, ab der man diese Kultur nicht mehr als vergangene betrachtet. In Europa sind ja die gegenwärtigen, gekrönte Häupter nicht mehr die Herrscher wie früher.

    Klar, liest sich total wie die Zustimmung zur Tatsache, dass Frauen benachteiligt waren. (Ich weiß, waren ja alles nur Fragen gäääähn).

    Ich hoffe dass die, die die Diskussion nicht verfolgt haben, sich ein eigenes Bild machen und im Gegensatz zu Dir in Betracht ziehen, dass das wirklich Fragen waren. Kritisches Hinterfragen galt mal als Tugend.

    > wenn du dich jetzt als Sieger fühlst, meinetwegen

    Nein, ich sehe mich als Verlierer, weil Du kritischen Fragen ausweichst, in Defensivstellung gehst und jede Frage als Angriff betrachtest. Davon hat niemand was.

    Meine Hoffnung, dass hier jemand ist, der sich mit Triggerwarnungen auskennt und beschäftigt hat, und meine Fragen dazu beantworten kann, wurde frustriert. Ich habe nur jemanden gefunden, der Werbung dafür macht und auch gar nicht mehr anstrebt.

    Gute Nacht.

  132. #133 MartinB
    5. Mai 2016

    Auch wenn Atheismus nicht unser Fokus hier war, der Link hier ist sehr treffend für vieles in dieser Diskussion:
    http://thehumanist.com/commentary/three-warning-signs-village-atheism-new-religion
    Zitate
    “Village atheists literally belittle attempts to make the world fairer and less harmful.”
    “The ubiquitous influence of privilege and social inequalities simply have no place in the preferred reality of village atheists, so they diminish the impact of social marginalization or deny these things exist altogether.”

  133. #134 erik||e oder wie auch immer . . . ..
    5. Mai 2016

    #133
    . . . .. RaumZeit als Absolut im Universum zu verstehen, damit auch das Verstehen von Atheisten und Physikerinnen einzubinden, ist im Vergleich zum zitierten Zitat sicherlich “tu matsch” (to much).
    Heute feiert ein bekannter Atheist Geburtstag . . . .. Karl Marx 😉 Da ich jegliches Sein im Universum zu verstehen suche – so fällt mir die zeitliche und räumliche Differenz (. . . .. inhaltliche Differenz) zwischen beiden Autoren auf . . . ..

    RaumZeit und ihre Absolute Ordnung ( . . . .. Determinismus ) bewegen Materie und deren Wechselwirkung in ihrer Kommunikation untereinander. Wer seinen Standpunkt im Denken verändern kann und zum Beispiel Evolution, Biologie, Chemie auf deren Grundlagen der Physik herunterbricht . . . .. Muss sich gelegentlich als Fall “Dunning-Kuningham” oder so ähnlich betiteln lassen. . . . .. Sind auch nur Menschen, die im Leben ihren Platz finden wollen . . . .. Wer solche Menschen immer wieder wegscheucht, muss sich mit mit dem Inhalt des zitierten Zitats auseinandersetzen . . . .. Statt der Straße ist doch ein Platz bei den scienceblogs.de ein “better place” . . . .. für eine “bettere world” . . . .. Happy Birthday Karl . . . ..

  134. #135 Earonn
    5. Mai 2016

    Sorry Martin, zu oft kann ich mir das einfach nicht antun.

    Dieses Gezeter und Gezerre um eine freiwillige Sache, die niemanden aussperrt.

    So gesehen ist “Vorsicht Hund” eine Triggerwarnung. Er muss nicht mal bissig sein, schon für Allergiker kann diese Info nützlich sein.
    Deswegen ist das Tor nicht abgeschlossen, und niemand hält Nicht-Allergiker davon ab, das Gelände zu betreten.

    Was ist an dem kleinen Wort “freiwillig” eigentlich so schwer zu verstehen?

    @Frauen in der Vergangenheit benachteiligt?
    Diskutiert doch nicht um das Bankkonto – Vergewaltigung in der Ehe wurde noch bis in die 90er allenfalls als Körperverletzung geahndet, weil es keinen Strafrechtsparagraphen dazu gab.
    Und in den 70ern gar nicht.
    Fragt doch mal meine Mutter, woher sie das weiß und wie ich entstanden bin…

    Aber nochmal meine Frage an UserUnknown:
    das Experiment Triggerwarnungen läuft ja bereits bei der BBC.
    Warum schaust du dir das nicht an und machst dir ein Bild darüber, was für Auswirkungen es auf einen Lebensbereich hat?
    Oder anders ausgedrückt: warum ignorierst Du, dass es den Briten zumindest deshalb nicht schlechter geht?

  135. #136 MartinB
    5. Mai 2016

    @Earonn
    “Sorry Martin, zu oft kann ich mir das einfach nicht antun.”
    Dafür hab ich völliges Verständnis.

    “Fragt doch mal meine Mutter, woher sie das weiß und wie ich entstanden bin…”
    Oh.
    Manchmal realisiere ich, dass ich trotz allem in einer ganz schön isolierten Heile-Welt-Blase lebe…

  136. #137 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2016/04/24/hundeauslauf/
    7. Mai 2016

    @Frauen in der Vergangenheit benachteiligt?
    Diskutiert doch nicht um das Bankkonto – Vergewaltigung in der Ehe wurde noch bis in die 90er allenfalls als Körperverletzung geahndet, weil es keinen Strafrechtsparagraphen dazu gab.

    Es ist nicht strittig, dass Frauen in der Vergangenheit benachteiligt wurden.
    Von der Ausnahme für verheiratete Männer bei Vergewaltigungen hörte ich erstmals vor über 30 Jahren und wollte es erst nicht glauben, aber es stand ja schwarz auf weiß im Gesetz. Also war ich empört und unterstütze seit dem nur politische Kräfte, die auf eine Änderung drängten, was dann erst 1997 gelang, als sich auch eine größere Menge rechter Abgeordneter dazu durchringen konnte.

    Aber nochmal meine Frage an UserUnknown:
    das Experiment Triggerwarnungen läuft ja bereits bei der BBC.
    Warum schaust du dir das nicht an und machst dir ein Bild darüber, was für Auswirkungen es auf einen Lebensbereich hat?

    Ich habe nach BBC, trigger warning und experiment gesucht und nichts über ein derartiges Experiment gefunden. Da ich nicht oft BBC kucke kann ich aus meiner Alltagserfahrung nichts darüber sagen.

    Das einzige was ich gefunden habe war ein Blogartikel der ein paar Aussagen über Triggerwarnungen versammelt. Darunter etwa das hier:

    Different things trigger trauma in different people. There is no set list.

    A woman who wants to remain anonymous tells us that a recent news story about the search for a man who stopped someone from jumping off a bridge in London, was a trigger for her. She says: “What he was doing, raising awareness of suicide, was really great and so positive. But every time I crossed that bridge I thought of jumping off – it triggered suicidal thoughts for me.”

    Vielleicht sollte ich mehr BBC schauen, um mein Englisch zu verbessern, aber ich verstehe den Absatz so, dass der BBC-Beitrag über einen vereitelten Selbstmordversuch von einer Brücke die Zuschauerin dazu gebracht hat, dass sie jetzt von dieser Brücke, über die sie häufiger fährt, getriggert wird. Die Brücke erinnert sie an den Beitrag – nicht umgekehrt.

    Sie möchte nicht generell von Berichten über Suizid bewahrt werden, aber wenn Orte darin vorkommen, denen sie in der Realität begegnet?

    Auch zum Thema Suizid:

    At the other end of the scale, the mental health charity Samaritans has produced guidelines for journalists which advise against publishing details of how people kill themselves. It also calls for dramatic phrasing to be avoided. Samaritans says reading about the subject can trigger copycat behaviour.

    Auch hier geht es nicht darum, dass eine Retraumatisierung vermieden werden soll, noch ein Nachahmungseffekt, der schon lange bekannt ist, als Werthereffekt und in Deutschland nochmal ausgiebig diskutiert bei dem 4Teiler “Tod eines Schülers”. Es gibt dazu Richtlinien vom Presserat, wie über Suizid berichtet werden soll und wie nicht, um Nachahmungseffekte möglichst zu vermeiden. Gegen eine solche Richtlinie habe ich nichts einzuwenden.

    Ob bei Suizidschilderungen Triggerwarnungen hilfreich wären, kann aber bezweifelt werden, da die Gefährdeten eher nach solchen Schilderungen suchen, als dass sie ihnen bei einer Warnung aus dem Weg gingen.

    Dann geht es im Artikel kurz um traumatisierte Soldaten, die durch Knallgeräusche getriggert werden könnten um dann wieder zum Thema Suizid zurückzukehren:

    The thing about the internet is, if you use the word “trigger” it makes troubling content more findable because you can just type it into a search engine. Before the warning existed, “triggering” content, as it’s referred to, was harder to find.

    Zumindest macht dieser Absatz jenseits des Themas Suizid wenig Sinn.

    Aber ein uninformierter Artikel auf einer BBC-Seite ist ja sicher ohnehin nicht das, was Du gemeint hast.

    Also, wo kann ich nachlesen, was die BBC genau macht und womit sie es begründet?

    Nachdem ich gelesen habe, wie leichtfertig Du mit Unterstellungen mir gegenüber umgehst, die Du ja bislang auch nicht zurückgenommen hast, möchte ich das schon bei einer seriösen Quelle nachlesen.

    So gesehen ist “Vorsicht Hund” eine Triggerwarnung. Er muss nicht mal bissig sein, schon für Allergiker kann diese Info nützlich sein.
    Deswegen ist das Tor nicht abgeschlossen, und niemand hält Nicht-Allergiker davon ab, das Gelände zu betreten.

    Wären die “Vorsicht! Bissiger Hund!”-Schilder als Warnung für Allergiker gedacht, dann sähe man sicher ebensoviele Schilder die vor Katzen, Hausstaub und Birken warnen.

    Natürlich kann ein Tierhaarallergiker ein Vorsicht-Hund-Schild dennoch als Warnung benutzen, um sich selbst zu schützen, so wie er sich auch willentlich über die Warnung hinwegsetzen kann, was Nichtallergikern, die unerschrocken der Gefahr Hund begegnen wollen, auch jede Freiheit lässt.

    Was ist an dem kleinen Wort “freiwillig” eigentlich so schwer zu verstehen?

    Wer hat denn Schwierigkeiten mit dem Wort?

    Ich finde es aber sehr beruhigend, dass Du nicht forderst, dass Professoren Triggerwarnungen verwenden oder Studentengruppen solche Warnungen einfordern, sondern es nur auf freiwilliger Basis empfiehlst.

    Allerdings sehe ich meine Fragen noch offen, wen man vor welchen Triggern vor welcher Retraumatisisierung zu schützen gedenkt, ob das wirklich in der Mehrheit der Fälle eher hilfreich oder eher schädlich ist, und ob es nicht praktisch auch heikel ist, wenn man vor Szenen sexuellen Missbrauchs warnt und erwartet, dass sich Betroffene dann selbst outen, in dem sie die Veranstaltung verlassen.

    Außerdem sehe ich die Gefahr, dass man, in dem man nachlässig mit solchen Begriffen wie Trauma umgeht, und ähnlich wie bei “Privileg” diesen als weiträumige Metapher nutzt, die oft auch nur “Unbehagen” bedeutet, ein Klima fördert, in dem Warnungen vor allem und jedem eingefordert werden und aus intellektueller Faulheit und Konfliktscheue seitens der Professoren, sich einer Debatte zu stellen, leichter Hand nur der gute Wille demonstriert wird, etwas zu tun, was den guten Willen beweist, und fertig, ganz im Stile der Cargokulte.

  137. #138 switcher
    9. Mai 2016

    Ich finde hier herrscht eine eigenartige Diskussionskultur, die nicht nach Erkenntnisgewinn strebt sondern nach Weltbildbestätigung und Reinhaltung desselben. Also eigentlich keine Diskussionskultur, sondern eine Verkündigungskultur.

    Mir ist die Vorgeschichte, die Earonn, MartinB und user unknown hier nochmal ausfechten, nicht bekannt. Ich kann nur von meiner Perspektive aus beurteilen.

    Ich möchte Wissen aggregieren. Ich habe hier kommentiert, um die Diskussion um meine Argumente anzureichern und zu schauen, ob die Erfahrungen anderer an diesen Argumenten zerschellen oder die Argumente zerbrechen oder scheinbar wiedersprüchliches in ein- und derselben Realität vorkommen kann.

    Letztlich wollte ich wissen, ob Triggerwarnungen tatsächlich etwas neues sind, welchen Zweck sie erfüllen, wie sie wirken, wie sie angewendet werden, wann sie nützlich sind, wann nicht, in welchem Umfeld/Kontext sie eingesetzt werden etc.

    Ich musste feststellen, dass nicht sehr viel mehr herausgekommen ist, als das Kreiseln um ein- und dieselbe Situation (Vorlesung, Strafprozessordnung, Vergewaltigung, Triggerwarnung ist gut) und die Frage: Bist du dafür oder dagegen? Allein die Frage hört sich an, wie ein Aufnahmetest, ob man der Leitkultur der Gruppe folgen will.
    Man geht sogar noch weiter und versucht anhand dieser Frage das Messen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (Rassismus/Sexismus etc.) bei einer Person zu operationalisieren (da erweist man der Einstellungsforschung einen Bärendienst) und bemerkt gar nicht die Ironie.

    Argumente, die abweichen oder die Perspektive auf das Thema ändern, werden mitunter als Strohmann abgetan, als Derailing des Themas, als rhetorischer Kniff oder als Extrembeispiel. Subjektive (sic!) Erfahrungsberichte werden nach Art der Quelle rangiert anstatt sie zunächst gleichwertig zu behandeln. Besonders glaubwürdig scheinen demnach besonders die selbsternannten Anwälte der Opfer/Betroffenen zu sein.

    Ich stelle eine Wette auf: Ich wette user unknown und MartinB haben mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Zwei Weltbilder, die gar nicht so unterschiedlich sind. Man kann sich jetzt über die blöden Gardinen des Nachbarn aufregen oder sich einig darüber sein, dass Gardinen oder ein Vorhang wenn schon keine Zierde, dann doch praktisch sind. Zum Beispiel.

    In der Sache bin ich jedenfalls nicht schlauer geworden. Hängt der Gebrauch von Triggerwarnungen von der Art der Gewalteinwirkung, des Unfalls, des Ereignisses ab oder der Schwere des Traumas oder vom Heilungsprozess? Wie kann man dies wissen, wenn man nicht Opfer oder Arzt oder Freund oder enger Bekannter ist? Oder ist der Gebrauch generell geboten, muss es also gar nicht wissen? Wie triggert man dann richtig? Wie sieht der Gebrauch aus, wenn man nichts weiß oder demgegenüber z.B. das Trauma und das Ereignis kennt? Kann man eine Triggerwarnung falsch anwenden oder ist sie immer richtig? Ist es falsch keine Triggerwarnung anzuwenden? Wann sollte man definitiv eine Triggerwarnung einsetzen?

    Die einzige Antwort, die ich hier lesen konnte, war: “Solange man auch nur einem Menschen hilft, sind Triggerwarnungen gut.” Das ist kindisch, und es ist ein Totschlagargument.
    Dass Triggerwarnungen nicht heilen, darüber besteht ja Einigkeit. Dass der Heilungsprozess insgesamt beschleunigt wird, darüber herrscht Unwissen. Erst recht wenn man davon ausgeht, dass man nicht überall gewarnt wird/werden kann. Deshalb ist die Frage, ob in Vorlesungen Triggerwarnungen ausgesprochen werden sollten, womöglich irrelevant. Aber auch diese Frage wurde hier nicht diskutiert.

    ‘Triggerwarnungen sind gut’, das war das Passwort um zur Gruppe dazuzugehören. Dem Rest wurde bescheinigt, er wolle Triggerwarnungen verbieten. Bist du nicht für mich, bist du gegen mich. Das ist eine ungeeignete Basis für eine Diskussion, falls man daran interessiert ist.

    Irgendwie trägt ja jeder dazu bei, also will auch ich mich nicht davon freisprechen, die Diskussion erschwert zu haben. Ich werfe aber trotzdem den Fehdehandschuh. Muss ihn ja niemand aufheben.

  138. #139 MartinB
    9. Mai 2016

    @switcher
    Ne, ich hebe den nicht auf, mehr Strohmänner (und Unterstellungen) geht mal wieder kaum. Im Artikel selbst steht ziemlich deutlich, worum es geht, nämlich darin, Verständnis dafür zu haben, wenn Menschen sagen, dass sie gern Triggerwarnungen bei bestimmten Themen hätten. Deine mehr als unterirdische Art der Argumenttation (ich sage nur “Zeitgewinn ist kein Wert weil Hartz IV”…) kommt dann noch dazu.

    Ich erklär aber zum Abschluss des ganzen mal mit einer Analogie, wie sich die Situation für mich darstellt:

    Martin erzählt die Geschichte, wie er neulich schwer bepackt ins Institut kam und ihm jemand freundlich die Tür aufgehalten hat. Darauf sagt er “Hey Leute, Tür aufhalten ist ne nette Sache, schaut euch vielleicht mal um, wenn ihr durch ne Tür geht, ob hinter euch jemand ist, und haltet im Zweifel lieber die Tür auf.”

    Und dann kommen die Kommentare
    “Wo ist die peer-reviewed-Studie, dass Türaufhalten es wirklich leichter macht, vorwärts zu kommen?”
    “Wie oft kommt es überhaupt vor, dass jemand schwer bepackt irgendwo rumläuft?”
    “Geh doch lieber zweimal, dann hast du auch ne Hand frei um die Tür aufzumachen.”
    “Ich hatte neulich dasselbe problem, aber da war keiner, also habe ich ganz geschickt die Tür mit dem fuß aufgemacht. Wenn alle Leute sich ans Türaufhalten gewöhnen, dann kann am Ende keiner mehr ne Tür mit dem fuß aufmachen. Tür aufhalten macht nur unselbstständig.”
    “Als nächstes wird dann gefordert, dass jeder, der durch eine Tür geht, dort stehenbleiben muss, bis der nächste kommt, damit immer jemand ne Tür aufhält.”
    “Hier habe ich einen Link, der das wissenschaftlich untersucht und zeigt, dass Türaufhalten unnötig ist.” (Bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass der Link im wesentlichen Studien zitiert, die sich mit Drehtüren beschäftigen und die einzige Studien zu normalen Türen falsch interpretiert.)
    usw.

  139. #140 MartinB
    9. Mai 2016

    Sorry, ich habe noch vergessen
    “Und dann wird jeder, der keine Tür aufhält, wegen unterlassener Hilfeleistung verklagt.”

  140. #141 Beobachter
    9. Mai 2016

    @ MartinB:

    Das haben Sie abschließend in den fiktiven “analogen Kommentaren” (am Beispiel Türe aufhalten) schön beschrieben:
    Wenn (eigentlich) Selbstverständlichkeiten wie etwas Rücksichtnahme, Höflichkeit und Freundlichkeit im Umgang mit seinen Mitmenschen völlig unnötigerweise zum ausufernden, zu einem bis in`s Detail zu hinterfragenden “wissenschaftlichen” Diskussionsgegenstand werden.

  141. #142 user unknown
    9. Mai 2016

    @MartinB:
    Die Beispiele sind schlecht gewählt.

    Der Adressat Ihres Türaufhaltens ist jeweils ein Einzelfall, bei dem der Laie leicht eine gute Abschätzung treffen kann, ob Hilfe nötig ist.

    Das Gießkannenprinzip der Triggerwarnungen wird damit nicht abgebildet.

    Was natürlich auch nicht geht, ist, anhand dieser trivialen Fälle beweisen zu wollen, dass Fragen der Traumatisierung oder von Phobien ebenfalls trivial sind:

    “Wo ist die peer-reviewed-Studie, dass Türaufhalten es wirklich leichter macht, vorwärts zu kommen?”

    Beweisführung mittels Analogie ist Betrug.

    “Geh doch lieber zweimal, dann hast du auch ne Hand frei um die Tür aufzumachen.”

    Sind Sie der Türaufhalter oder der schwer Bepackte? Das geht bisschen durcheinander, nicht wahr?

    Ich hatte neulich dasselbe problem, aber da war keiner, also habe ich ganz geschickt die Tür mit dem fuß aufgemacht

    Wieder der Rollenwechsel.

    “Als nächstes wird dann gefordert, dass jeder, der durch eine Tür geht, dort stehenbleiben muss, bis der nächste kommt, damit immer jemand ne Tür aufhält.”

    Nur dass diese nächsten, die das fordern, längst da sind. Aber statt sich mit unliebsamen Argumenten auseinanderzusetzen erfinden Sie lieber Gleichnisse, die vielleicht sagen sollen, dass niemand auf die Idee käme, so eine alberne Forderung beim Türaufhalten zu stellen, nur bei Triggerwarnungen gibt es diese albernen Forderungen längst.

    Das müsste Ihnen eigentlich zeigen, dass in dieser unbekümmerten Art, Beispiele zu erfinden, ein systematischer Fehler stecken muss. Wenn Sie wollen, erkläre ich Ihnen gerne, welcher Fehler das ist.

  142. #143 MartinB
    10. Mai 2016

    @StefanW
    Hab’s nicht wirklich gelesen, aber das hier sprang ins Auge:
    “Nur dass diese nächsten, die das fordern, längst da sind”
    Ja, und? Da ich nicht dazuzähle (und auch im Artikel oder den Kommentaren nie so etwas gefordert habe), ist das kaum ein Argument gegen meinen Standpunkt, der nach wie vor der ist, dass Triggerwarnungen eine Form von Rücksichtnahme und Höflichkeit sind, die wenig kostet und im Zweifelsfall Menschen helfen kann. Es ist zwar eine übliche, aber dennoch eine falsche Argumentationstechnik, mir einen Standpunkt zuzuschreiben, den ich nie geäußert habe. Genauso, wie man das Tür-Aufhalten für sinnvoll halten kann, ohne entsprechende Gesetze zu fordern, kann man auch Triggerwarnungen für sinnvoll halten, ohne sie verbindlich vorschreiben zu wollen.

  143. #144 Earonn
    12. Mai 2016

    @user unknown
    Nur weil es keinen Text mit dem Wort “BBC Experiment” gibt, heißt das nicht, dass Sie den ganzen Vorgang ignorieren dürfen.
    Und wenn Sie keine BBC schauen können, berechtigt Sie das ebenfalls nicht, darüber hinwegzugehen.

    Es ist kein Experiment. Es ist schlichter Alltag. Die BBC macht es seit Jahren, wir schauen es uns an.
    Übrigens, es wird auch auf “extreme violence” oder “sexual violence” hingewiesen – und manchmal denke ich mir dasselbe wie bei diesem Thread – “Nö, heute nicht” und schaue mir das nicht an. Vermutlich bin ich da nicht die Einzige.
    Und trotzdem geht es Großbritannien ganz offensichtlich recht gut. Bislang wurde hier noch keiner wegen fehlender Warnungen verklagt.

    Was wiegt schwerer: die Ausführung einer Maßnahme oder die Vermutungen darüber?

    Betreffs der Befürchtung, es würde später heißen, wer es nicht macht, sei unhöflich:
    Es gibt Höflichkeitsgesten, die ungeschriebene Regeln sind, und es gibt solche, die es nicht sind. Wozu Triggerwarnungen gehören würden, kann keiner voraussagen.

    Ich frage mich wirklich, woher diese Angst kommt.

    Aber okay, gehen wir vom Super-GAU aus: Triggerwarnungen werden Pflicht.
    So wie u.U. Behindertentoiletten, offizielle Unterlagen in der zweiten Landessprache (wo vorhanden) oder Braille, Rampen für Rollstuhlfahrer vor offiziellen Gebäuden…
    Wir haben schon sehr viele solcher “Zwänge” umgesetzt. Betroffenen halfen sie weiter, und wir anderen – merken für gewöhnlich nichts davon.
    Nochmal: wovor diese Angst?

    @Martin
    Danke fürs Mitgefühl.
    Und Respekt für dein Engagement hier

  144. #145 MartinB
    12. Mai 2016

    Habe gerade noch das hier gefunden:
    http://www.newstatesman.com/2016/04/stephen-frys-objections-trigger-warnings-arent-acceptable-they-are-understandable

    Und von hier:
    http://www.newstatesman.com/2015/11/free-speech-delusion
    “The occasional use of “trigger warnings” on campus, for example, has been wilfully misinterpreted by those who did not grow up with them as an attempt to censor classic literature. In fact, trigger warnings are a call for cultural sensitivity and a new way of interpreting important texts. Which, correct me if I’m wrong, is part of what studying the humanities has been about for decades. Back in real life, nobody is going around slapping “do not read: contains awful men” on the cover of Jane Eyre. There are no undergraduate mini-Hitlers burning books in Harvard Yard. The people who’ve got carried away by outrage here are the people devoting endless column inches to denouncing trigger warnings. “

  145. #146 switcher
    13. Mai 2016

    @MartinB
    Über die Artikel muss ich nochmal nachdenken, aber ich begrüße es sehr, dass das Thema damit etwas breiter gefasst wird.
    “But the divide is also, sometimes, a cultural one, a generational one, and an emotional one” – vielleicht liegt da der Hund begraben, mal wieder oder immer noch. Oder kann man es rein vernunftslogisch lösen?

    Das Argument mit der Verteidigung von Privilegien (älter, weiß, männlich, etabliert) halte ich für ein brüchiges Erklärungsmodell, nicht völlig haltlos zwar, aber letztlich nicht zweckdienlich. Das Privileg seine Meinung frei zu äußern, um am Artikel zu bleiben, ist kein Privileg sondern ein Grundrecht. Für alle. Nicht weniger als das. Es ist keine Extraportion, es ist das Hauptgericht.

    Die Autorin hat aber Grenzen, Möglichkeiten und Folgen aufgezählt, die mir auf den ersten Blick plausibel erscheinen.

    Die beiden Artikel haben mich jedenfalls beschäftigt und tun es noch.

    Ich hab auch einen Artikel im Rucksack, der die psychologische Sicht auf Triggerwarnungen und die Institutionalisierung (in Amerika) lenkt. Der ziemlich lange Artikel schließt mit einer Liste von “common cognitive distortions”, die durch Triggerwarnungen, so wie ich es verstanden habe, eher verstärkt werden. (Ist “ziemlich lange” in diesem Zusammenhang eigentlich auch eine Triggerwarnung oder ein Antiklimax einer Empfehlung?)

    http://www.theatlantic.com/magazine/archive/2015/09/the-coddling-of-the-american-mind/399356/

  146. #147 MartinB
    13. Mai 2016

    @switcher
    Habe gerade nicht die zeit, um den Artikel komplett zu lesen, aber ich habe die ersten paar Absätze gelesen und auch da fällt auf, dass ganz verschiedene Dinge in einen Topf geworfen werden – Triggerwarungen, die als Warnungen dienen, die Forderung bestimmte Inhalte gar nicht mehr zu vermitteln, Mikroaggressionen (und ja, ich denke, es ist korrekt anzunehmen, dass es eine Mikroaggression sein kann, wenn ich jemanden, der z.B. asiatisch aussieht, nach seinem Geburtsort frage, das aber bei einem “europäisch” aussehendem Menschen nicht tun würde), das sind alles unterschiedliche Dinge, die zwar miteinander zu tun haben, aber nicht dasselbe sind. (Und natürlich werden da Auswüchse geschildert, die ich auch für absurd halte.)

    Und auch da wird – in meinen Augen fehlerhaft – geschlossen, dass man aus der Tatsache, dass man traumatisierte Personen durch kontrolliertes Aussetzen mit Triggerreizen von ihren Ängsten befreien kann, folgt, dass Triggerwarnungen unnötig sind.

    ” A discussion of violence is unlikely to be followed by actual violence, so it is a good way to help students change the associations that are causing them discomfort. ”
    Richtig. Deswegen sollen solche Themen ja auch diskutiert werden, aber die traumatisierten Personen müssen diejenigen sein, die die Kontrolle haben, wann sie sich den Reizen gewachsen fühlen.

  147. […] aktuelle Debatte über Triggerwarnungen hat es mal wieder gezeigt: Kritisiert man das Verhalten von Menschen oder legt ihnen Gründe nahe, […]

  148. #149 Gefbo
    15. Mai 2016

    Triggerwarnung vorweg: Kommentar kann Spuren von Widerspruch enthalten. Weiterlesen auf eigene Gefahr.

    @ MartinB
    Interessant. Folgendes fällt mir auf:
    Das, was du hier gern als Slippery Slope abtust – und dann doch eingestehst, dass es extreme Tendenzen gibt, von denen du dich distanzierst – ist das nicht, worauf sich der Kommentar bezieht, der Auslöser für diesen Blogbeitrag, eben diese Tendenzen?
    Du hast ja nicht einfach nur geschrieben: “ich finde Türaufhalten echt nett!” Sondern: “Jemand hat sich über Türaufhalten lustig gemacht! Das finde ich nicht nett!” Nur, dass sich natürlich niemand über Türaufhalten lustig gemacht hat, auch hier nicht, so weit ich das überblicke. Sondern über eine Geisteshaltung, eine Opferrollenglorifizierung, die in diesen extremen Tendenzen das Gegenteil dessen bewirken kann, was gewollt ist. Es ist ein schwieriges Thema und ich erwarte nicht, dass du mir zustimmst. Aber ganz ehrlich, ich glaube, du verstehst den Grund für den Widerspruch einfach nicht. Widerspruch bedeutet bei dir, dass man nicht empathisch ist,dass einem die Gefühle anderer Menschen egal sind, so ist das auch in den thematisch verwandten Diskussionen hier bisher gewesen. Es geht aber nicht um ein “reiß dich halt zusammen”. Zu viel Schutz kann durchaus schädlich sein. Wenn ein Kind eine irrationale Angst hat, tut man ihm keinen Gefallen, es vor der Realität zu schützen. Man zeigt ihm, dass die Angst unbegründet ist.
    Mit Verlaub, aber ich glaube einfach, dass du nicht allzu viel Ahnung davon hast. Deshalb finde auch ich die Forderung nach Expertenmeinungen bezüglich Traumaverarbeitung mehr als legitim.
    Es geht nicht um irgendwelche Triggerwarnungen. Es geht um eine Kultur, die Angst vor bloßen Worten hat, die nicht unterscheidet zwischen einer Vorstellung und der Realität und die jede Mücke zu einem Elefanten macht.
    Ich weiß, das ist dir alles zu sehr Meta-Ebene, darum geht es hier gar nicht, was hat das mit Triggerwarnungen zu tun, schon klar. Aber das ist es, was mich daran stört und vielleicht ist es ja auch das, was die Blogbeitrag auslösende Kommentatorin stört.
    Ich glaube nicht, dass man mit einigermaßen vernunftbegabten Menschen darüber diskutieren muss, dass es prinzipiell ‘ne Gute Idee ist, auf andere Menschen Rücksicht zu nehmen und nett zu sein. Welche Maßnahmen aber wogegen helfen oder welche Konsequenz sie haben könnten; sich auf der Meta-Ebene auch zu fragen, welche Geisteshaltungen genährt werden, das ist eben weniger trivial.

    Gegen Triggerwarnungen hab ich nämlich prinzipiell nix. Ich will schließlich nicht wissen, was in der neuen Game of Thrones Folge passiert, bevor ich sie geguckt hab 😉

  149. #150 MartinB
    16. Mai 2016

    @Gefbo
    “Sondern über eine Geisteshaltung, eine Opferrollenglorifizierung, die in diesen extremen Tendenzen das Gegenteil dessen bewirken kann, was gewollt ist.”
    Ja, aber das Problem ist doch genau, dass z.B. der ZEIT-Artikel alles in einen Topf wirft, so wie auch die Kommentare hier – es wird so getan, als seien Triggerwarnungen in Wahrheit die Aufforderung, bestimmte Sachverhalte nicht mehr zu diskutieren. Und ja, ich stimme, zu, dass das in Einzelfällen so ist (und lehne das weitgehend ab) – das sagt aber nichts über die Sinnhaftigkeit von echten Triggerwarnungen.

    “Wenn ein Kind eine irrationale Angst hat, tut man ihm keinen Gefallen, es vor der Realität zu schützen. Man zeigt ihm, dass die Angst unbegründet ist.”
    Ja, das ARgument hatten wir schon etwa 5 mal – wen ein Kind Angst vor Spinnen hat, dann wirfst du ihm aber nicht ohne Vorwarnung ne Tarantel in den Schoss sondern fängst eben an, unter kontrollierten Bedingungen erst mal Bilder von Spinnen anzugucken und sagst “Jetzt kommt gleich ein Bild von einer besonders großen Spinne. Meinst du, dass du das angucken kannst?” bevor du die Seite umblätterst. Und genau diese Funktion erfüllen Triggerwarnungen.

    “Mit Verlaub, aber ich glaube einfach, dass du nicht allzu viel Ahnung davon hast. ”
    Dann informier dich mal, wie man Menschen mit Trauma desensibilisiert. Guck zum Beispiel hier:
    http://www.btonline.de/krankheiten/trauma/posttraumatische-belastungsstoerung-therapie
    Auch da wird das geschützte Umfeld bei der Wiedererinnerung betont, ebenso wie die Tatsache, dass das nur funktioniert, wenn bereits eine Stabilisierung eingetreten ist.

    “Es geht nicht um irgendwelche Triggerwarnungen. Es geht um eine Kultur,”
    Es ist schon ziemlich frech, dass du mir sagst, worum es in meinem Text geht. In meinem Text geht es um triggerwarnungen und ihre Nützlichkeit.

    “darum geht es hier gar nicht, was hat das mit Triggerwarnungen zu tun, schon klar”
    ??? Ja, wenn dir klar ist, dass es darum nicht geht, warum zum Geier schreibst du es dann?

    “Aber das ist es, was mich daran stört ”
    Also, dir ist zwar klar, dass es mir nicht darum geht, aber dich stört, dass *du* die Assoziation mit einer “Kultur der Angst vor Worten” hast und dass du diese Verbindung siehst? Es ist also quasi meine Veranwtrotung, dass *du* (oder andere Leute) irgendwelche Extremvorstellungen automatisch mit Triggerwarnungen in Verbindung bringst?
    Ich glaube, mein Ironiemeter ist gerade explodiert – vermutlich hätte ich ne Triggerwarnung dranschreiben sollen, dass der Text Ängste vor einer Angstkultur auslösen kann.

    “Ich glaube nicht, dass man mit einigermaßen vernunftbegabten Menschen darüber diskutieren muss, dass es prinzipiell ‘ne Gute Idee ist, auf andere Menschen Rücksicht zu nehmen und nett zu sein”
    Da sehen wir in den Kommentaren ja andere Beispiele…

    “Welche Maßnahmen aber wogegen helfen oder welche Konsequenz sie haben könnten; sich auf der Meta-Ebene auch zu fragen, welche Geisteshaltungen genährt werden, das ist eben weniger trivial.”
    Trigerwarnungen als solche (also das, worum es in diesem text geht) werden von Betroffenen als nützlich angesehen, ich habe in meinem Text auf Grund persönlicher Erfahrung deutlich gemacht, warum ich das gutverstehen kann, und bisher hat absolut niemand mir erklären können, was denn nun der große Nachteil an Triggerwarnungen sein soll oder Studien zeigen können, die das Gegenteil belegen (der mehrfach gebrachte Link mit den 5 Argumenten enthält ja in bei näherem Hinsehen keine Argumente gegen Triggerwarnungen, wie oben gezeigt) – außer dem Argument “nährt eine Geisteshaltung…”. Und das ist mir dann doch etwas dünn.

  150. #151 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2016/05/15/comic-collab-56/
    17. Mai 2016

    Nur weil es keinen Text mit dem Wort “BBC Experiment” gibt, heißt das nicht, dass Sie den ganzen Vorgang ignorieren dürfen.
    Und wenn Sie keine BBC schauen können, berechtigt Sie das ebenfalls nicht, darüber hinwegzugehen.

    Erstens können Sie mir nicht verbieten über etwas hinwegzugehen oder nicht.

    Zweitens ist es an Ihnen, die Sie das Thema BBC hier einzubringen wünschen, darzustellen, worum es genau geht.

    Offenbar geht es ums Fernsehprogramm. Für das Ansehen des Fernsehprogramms bekommt man aber keinen akademischen Abschluß. Man macht kein Krimi- und Horrordiplom ohne Filme über häusliche Gewalt gesehen zu haben, weil man sich mit Hilfe von Triggerwarnungen davor geschützt hat.

    Das ganze Thema Kinder- und Jugendschutz passt auch nicht in die Diskussion, scheint aber der Dreh- und Angelpunkt der BBC-Trigger zu sein. Das weiß ich aber nicht, ohne eine sachliche Darstellung desssen, was die BBC da nun genau macht und wieso. Jedenfalls ist Jugendschutz ein weites Feld und würde die Diskussion hier wohl sprengen.

    Und trotzdem geht es Großbritannien ganz offensichtlich recht gut.

    Ein merkwürdiger Maßstab!

    G8 war keine Initiative, die ich unterstützt habe, daher kann ich mir auch erlauben, zu erklären, dass Jugendschutz an einer Universität nichts verloren hat.

    Die Universität muss ein Ort sein, an dem man mit der Realität konfrontiert wird, sofern man es bislang nicht wurde. Ob als Psychologe oder Arzt mit Auswirkungen von Gewalt, als Literaturwissenschaftler mit der Darstellung von Gewalt, als Jurist oder Historiker – die Studenten sollen befähigt werden sich später selbständig mit den Themen ihrer Fachrichtung zu beschäftigen und sie müssen einen Überblick über den Stand der Forschung erwerben.

    Ich frage mich wirklich, woher diese Angst kommt.

    Welche Angst? Schonmal erwogen, es könnte etwas anderes als Angst sein?

    Aber okay, gehen wir vom Super-GAU aus: Triggerwarnungen werden Pflicht.
    So wie u.U. Behindertentoiletten, offizielle Unterlagen in der zweiten Landessprache (wo vorhanden) oder Braille, Rampen für Rollstuhlfahrer vor offiziellen Gebäuden…

    Jetzt wieder der Vergleich mit den Rampen?

    Rampen ermöglichen den Zugang, nicht den Ausschluss. Eine Triggerwarnung ist ja mehr wie ein Hinweis im Vorlesungsverzeichnis, dass das Physiklabor mit Rollstuhl nicht zu erreichen ist.

    Nochmal: wovor diese Angst?

    Bitte psychologisieren Sie nicht herum.

    Wenn Ihre Umwelt nicht dauernd ausruft “Oh, eine Rollstuhlrampe!” heißt das noch nicht, dass sie diese nicht wahrnimmt. Solche baulichen Maßnahmen sind eigentlich nicht zu übersehen. Solche Einbauten sind auch nicht immer leicht zu realisieren, wenn sie nachträglich geschehen, sondern kosten Geld, das an anderer Stelle fehlt.

    Daher ist es rational diese nicht auf gut Glück zu bauen, sondern da, wo sie am dringendsten gebraucht werden und den Betroffenen am meisten Nutzen bringen.

    Im Vergleich sind Triggerwarnungen natürlich billig, wenn sie der einzelne Dozent auf gut Glück einsetzt. Will man sie aber rational einsetzen, dann braucht es eben vielleicht doch Forschung, um zu sagen, in welchen Fällen überhaupt ein unzumutbares Unbill abzuwehren nötig ist. Ob die Abwehr hilfreich ist. Ob die Maßnahme funktioniert. Wie man es am besten umsetzt.

    Ich könnte jetzt auch fragen: “Wieso machen Ihnen diese Fragen so viel Angst?”.

    Aber darum soll es ja nicht gehen, um Ihre persönliche Befindlichkeit, sondern um das gesellschaftliche Problem: Für wen wären Warnungen überhaupt angezeigt? Für wen sind sie kontraproduktiv? Was kann im Einzelfall triggern? Wie kann man die Betroffenen warnen, ohne dass sie sich als Betroffene outen müssen, in dem sie dann spontan eine Veranstaltung verlassen, wenn gewarnt wird? Welche Alternativen hat man, ihre Probleme zu lösen?

    Mit Ihren Rampen verglichen sind die Triggerwarnungen Einbahnrampen, die nur rausführen, aus öffentlichen Gebäuden, Rampen die nirgends hinführen, Rolltreppen für leicht Übergewichtige, die besser mal zu Fuß gehen würden, Rampen mit Schranken davor, aber viele Rampen die gut zu sehen sind. Alibiveranstaltungen, blinder Aktionismus.

    In einem Wissenschaftsblog erwarte ich die oben genannten Fragen stellen zu können, und dass das als konstruktive Kritik verstanden wird, nicht als Abwehr.

  151. #152 Earonn
    19. Mai 2016

    @uu
    klar können Sie über alles hinweggehen. Ich kann Sie nicht zwingen.
    Und Sie können mich nicht zwingen, einen Diskussionspartner ernst zu nehmen, der bei allem, was seiner Vorstellung widerspricht, die Finger bis zum Anschlag in die Ohren haut und die Augen fest zukneift.

    In einem Wissenschaftsblog erwarte ich die oben genannten Fragen stellen zu können

    Naja, in einem Wissenschaftsblog sollte man allerdings auch erwarten, dass Teilnehmer nicht einfach über Sachen hinweggehen wollen, nur weil sie ihnen nicht in die Weltsicht passen.

    Ich habe ein praktisches Beispiel vorgeführt, das bislang offenbar so weit gut läuft – es wurde nicht eingestellt, es gibt keine Klagewellen in GB, etc.
    Sie haben keine konkreten Beispiele, in denen Triggerwarnungen schadeten. Ich habe eines, in dem sie, wie gesagt, seit Jahren angewandt werden.

    @MartinB

    Und auch da wird – in meinen Augen fehlerhaft – geschlossen, dass man aus der Tatsache, dass man traumatisierte Personen durch kontrolliertes Aussetzen mit Triggerreizen von ihren Ängsten befreien kann, folgt, dass Triggerwarnungen unnötig sind.

    Umgekehrt wird doch ein Schuh draus: Triggerwarnungen könnten ein Hilfsmittel für z.B. Phobiker oder traumatisierte Menschen werden, sich gezielt Medien rauszusuchen, die die für sie kritischen Reize enthalten, um so an der eigenen Therapie zu arbeiten. 🙂

  152. #153 MartinB
    19. Mai 2016

    @Earonn
    “Umgekehrt wird doch ein Schuh draus”
    Stimmt – und das genau dann, wenn sie es verkraften können (in dem von mir verlinkten Text steht ja auch, dass eine Konfrontation nur unter bestimmten Bedingungen sinnvoll und evtl. heilend ist).

    Aber immerhin haben wir bald den Großteil der üblichen “Argumente” zusammen, insbesondere 7-12:
    http://scienceblogs.de/hier-wohnen-drachen/2013/05/13/warum-wir-nie-etwas-andern-sollten/?all=1

  153. #154 MartinB
    19. Mai 2016

    Ganz besonders #10, fällt mir gerade auf:
    ” es gibt immer irgendeinen Extremstandpunkt, der die gerade zur Debatte stehende Änderung befürwortet. Also kann man alle, die die Änderung wollen, prophylaktisch erst einmal mit diesem Standpunkt identifizieren oder sie zumindest in dessen Nähe rücken…. ) Auch dieses Argument kann man natürlich immer anführen – Mediziner sind alle kleine Mengeles, Wissenschaftler wollen alle nur Atombomben bauen, usw. Es gibt immer einen Extremisten, der einen bestimmten Standpunkt teilt – “und Hitler war auch Vegetarier, nehmt das, ihr fleischverweigernden Gutmenschen!””

  154. #155 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2016/05/18/empowerment/
    20. Mai 2016

    Und Sie können mich nicht zwingen, einen Diskussionspartner ernst zu nehmen, der bei allem, was seiner Vorstellung widerspricht, die Finger bis zum Anschlag in die Ohren haut und die Augen fest zukneift.

    Das “bei allem” mal als übliche Rabulistik beiseite. Ich hatte gefragt, was genau das TW-Programm der BBC ausmacht, was es umfasst, und wie es begründet ist, und Ihre Entgegnung so verstanden, dass Sie keine Darstellung kennen, die ich nachlesen könnte, sondern dass ich mir ein paar Jahre BBC-Programm anschauen soll, um es selbst anhand des Programms rauszufinden.

    Das ist nun von meiner Seite aus gesehen eine Zumutung. Sie können das natürlich anders sehen.

    Ich gehe auch nicht darüber hinweg, weil es meiner Weltsicht widerspräche. Da ich das BBC-Programm nicht kenne weiß ich ja gar nicht, ob etwas daran meiner Weltsicht widerspricht.
    Der Zeitaufwand steht in keinem Verhältnis zum Nutzen, zumal Triggerwarnungen im TV ja nur am Rande mit solchen in Unis zu tun haben.

    Ich habe ein praktisches Beispiel vorgeführt, das bislang offenbar so weit gut läuft – es wurde nicht eingestellt, es gibt keine Klagewellen in GB, etc.

    Sie haben behauptet, dass es gut läuft, ja.

    Ich habe darauf hingewiesen, dass sich Universitätsveranstaltungen von Fernsehprogramm unterscheidet, aber gegenüber solchen Hinweisen halten Sie sich die Ohren zu.

    Umgekehrt wird doch ein Schuh draus: Triggerwarnungen könnten ein Hilfsmittel für z.B. Phobiker oder traumatisierte Menschen werden, sich gezielt Medien rauszusuchen, die die für sie kritischen Reize enthalten, um so an der eigenen Therapie zu arbeiten.

    Eigentor.
    Es geht ja hier um Universitätsveranstaltungen, primär, und ein Phobiker oder Traumatisierter kann sich eben nicht in eine Strafrechts- oder Literaturwissenschaftsvorlesung setzen und hoffen, da sein persönliches Leiden aufzuarbeiten.

    Sie haben keine konkreten Beispiele, in denen Triggerwarnungen schadeten.

    Ich habe weiter oben 2 Artikel verlinkt, aber statt darauf einzugehen haben Sie sich die Finger bis zum Anschlag in die Ohren gehaut und die Augen fest zugekniffen, um einen großen Rhetoriker zu zitieren.

    @MartinB:

    ” es gibt immer irgendeinen Extremstandpunkt, der die gerade zur Debatte stehende Änderung befürwortet. Also kann man alle, die die Änderung wollen, prophylaktisch erst einmal mit diesem Standpunkt identifizieren oder sie zumindest in dessen Nähe rücken…

    In der Tat sind pauschalisierende Aussagen einer Debatte so selten zuträglich, wie Strohmänner.

    Meine ganz unpauschalen Fragen, um sie in Erinnerung zu rufen, waren:
    a) Welche Traumata soll man durch TW vor Reaktivierung schützen? Gibt es eine vorläufige Liste, gibt es Erkenntnisse dazu, wie viele Studenten prozentual betroffen sind?
    b) Kann man einen Großteil der Betroffenen mittels TW überhaupt schützen oder sind die Trigger zu unspezifisch? Oder sind die Trigger vielleicht so allgemein, dass schon die TW selbst triggert?

    Sie lesen die Fragen wohl so, als könne man daraus darauf schließen, dass ich per se gegen TW sei, offenbar um Betroffenen eins rein zu würgen und noch “selbst schuld!” hinterherzurufen.

    Meine Frage ist aber, ob man hier nicht nur scheinbar etwas gutes tut, also Ressourcen verplempert, und nebenbei vielleicht, weil man alle Fragen nach Evidenz nonchalant bei Seite wischt, eine seltsame Kultur des Vermeidens unangenehmer Themen vorantreibt und sich recht unwissenschaftlich von Gefühlen und Anekdoten leiten lässt.

    Wenn man den Verdacht hat, dass Worte und/oder Tatsachenschilderungen für Traumatisierte schädlich sind, muss man nicht interessiert daran sein, genaueres zu wissen? Würde ein genaueres Wissen nicht dazu führen, dass man besser damit umgeht? Das man weiß, wo TW angemessen sind und wo nicht?

    Kritisches Denken heißt, die eigene Position zu hinterfragen. Wenn man die Fragen ergebnisoffen stellt, dann ist man in der Lage auf die Antworten zu reagieren. Vielleicht lernt man ja, dass man viel mehr TW braucht, vielleicht auch viel weniger, vielleicht anders, als man erst gedacht hat. Wahrscheinlich lernt man v.a., dass man viel mehr Forschung braucht.

  155. #156 Earonn
    30. Mai 2016

    @userunknown
    Na, Sie geben sich aber auch alle Mühe, die Äuglein fest zuzukneifen.
    Genau, Alltag ist keine Universitätsveranstaltung, und darum brauchen Sie auch nicht ein klein bißchen drüber nachdenken, ob etwas, das im Alltag funktioniert, vielleicht doch nicht so schlimm ist – man kann es ja mit “kein Experiment” abbügeln.

    Eine Beschränkung auf Vorlesungen sehe ich im Ausgangstext nicht. Sie wurden als eines von mehren möglichen Anwendungsgebieten erwähnt.

    Ein bisschen Rücksicht für den Fall, dass andere weniger glücklich waren

    Das war es, worum Martin zuletzt in seinem Text bat.
    Wieso man sich dagegen so mit Händen und Füßen sträubt, bleibt mir ein Rätsel. Die Menschheit hat schon die Einführung ganz anderer Freundlichkeiten überstanden…

  156. #157 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2016/05/28/die-frau-von-einer-tram/
    30. Mai 2016

    Na, Sie geben sich aber auch alle Mühe, die Äuglein fest zuzukneifen.

    Müssen wir in diesem Stil kommunizieren?

    Genau, Alltag ist keine Universitätsveranstaltung, und darum brauchen Sie auch nicht ein klein bißchen drüber nachdenken, ob etwas, das im Alltag funktioniert, vielleicht doch nicht so schlimm ist – man kann es ja mit “kein Experiment” abbügeln.

    Ich habe Unterschiede zwischen Univeranstaltungen und TV-Programm genannt und nichts mit “kein Experiment” abgebügelt.

    Eine Beschränkung auf Vorlesungen sehe ich im Ausgangstext nicht.

    Stimmt. Das ist aber der Kontext, in dem TW weithin diskutiert werden.
    Es gibt auch Spoiler in Foren, Blogs, Facebook usw., etwa wenn man eine Filmkritik schreibt, und das Ende verrät, oder ein Rätsel stellt, und die Lösung, vielleicht ausklappbar oder rückwärts oder Cäserverschlüsselt darunterschreibt.
    Es erregt bei mir aber keinen Diskussionsbedarf. Wenn Sie sich nicht für TW an Universitäten interessieren, dann ignorieren Sie doch einfach die Beiträge dazu.

    Jedenfalls entführe ich das Thema nicht, denn in der Einleitung geht es genau um TW an Unis und einen Blick über den großen Teich.
    Es gibt übrigens ein interessantes Video (22 min. Audio mit Standbild) zum Thema: Safe Spaces — Sam Harris and Jonathan Haidt on the Disturbing Trend of Vindictive Protectiveness .

    Wieso man sich dagegen so mit Händen und Füßen sträubt, bleibt mir ein Rätsel.

    Ich sträube mich nicht gegen etwas, sondern äußere Kritik, und wieso Dir das ein Rätsel ist kann ich nicht nachvollziehen – ich habe meine Bedenken und Fragen ja hingeschrieben. Setz Dich halt damit auseinander, statt zu versuchen, mich als Person in Frage zu stellen (Äuglein zukneifen) und die Sache zu psychologisieren (sträubt sich). Das nennt man ad hominem Argumentation und gilt als schlechte Diskussionsmethode, als rhetorischer Kniff in Bedrängnis, wenn man keine Argumente mehr hat. Schlecht insofern, als einer konstruktiven Debatte abträglich und auch, weil durchschaubar.

    Aber schön, dass Du geantwortet hast, das gab mir die Gelegenheit das Sam Harris Video einzubringen, und ich schätze, ich habe noch mehr Material, also immer zu! Du bist willkommen. 🙂

  157. #158 omnibus56
    http://gravatar.com/omnibus56
    10. Juli 2016

    Hallo Martin,

    sorry, dass ich erst jetzt zu diesem Beitrag etwas schreibe, aber ich habe ihn erst jetzt gelesen, und ich denke, ich muss eine andere Möglichkeit für den Verlauf einer Chemotherapie darstellen, weil mein Verlauf (er läuft noch und ich habe 8 von 12 Sessions alle 14 Tage hinter mir) ziemlich konträr zu Deinem ist.

    Ich habe einen Pankrreasschwanz-Karzinom mit Leber-Metastasen. Als Chemo bekomme ich Folfirinox, die volle Dröhnung. Tatsächlich hatte ich a) Angst vor den Symptomen, die Du geschildert hast und die das Standardbild der Chemo darstellen, aber b) habe ich keine Lust ohne Kampf aufzugeben und daher c) “wat mut, dat mut”.

    Als ich die erste Session (stationär) bekam, wartete ich also auf das Würgen, von dem ich so oft gelesen und gehört hatte. Aber als ich ein erstes, leichtes Unwohlsein spürte, habe ich mich bei der Schwester gemeldet, bekam einen Zusatz-Tropf und weg war die Übelkeit. Und es blieb dabei. Nach vier Tagen (ein Medikament wird stationär 48 Stunden gegeben) kam ich heim und habe mir scharfe Spaghetti Bolognese von meiner Frau gewünscht und mit großem Appetit gegessen. Kein Problem, weil ich Granisetron und Vergentan bekommen und genommen habe. Ich war allerdings tatsächlich sehr schlapp, was aber nach den Erfahrungen der restlichen bisherigen Sessions eher am schlechten Schlaf im Krankenhaus lag.

    Die zweite Session war erneut stationär. Am Ablauf und Nebenwirkungsbild änderte sich nichts. Leichte Übelkeit, Tropf, und gut. Die Müdigkeit war deutlich geringer, weil die Zimmergenossen ruhiger und der Schlaf im Krankenhaus besser war.

    Seit der dritten Runde bekomme ich die Chemotherapie ambulant: 5 Stunden im Krankenhaus und die Langzeit-Stufe mit einer kleinen portablen Pumpe zu Hause (ich habe einen Port, sonst wäre es nicht möglich). Durch Vergentan und Granisetron habe ich keine Probleme mit Übelkeit. Mein Appetit und Hunger ist gut. Mein Gewicht, das zu Beginn trotz guten Essens abnahm, legt wieder zu. Ich treibe Sport und vertrage auch den gut. Eine (nicht übermäßige) Müdigkeit die ersten vier Tage ist das einzige “Problem”. Ach ja, ich habe wegen der Chemo auch eine Diabetes entwickelt. Aber damit müssen auch andere leben… Also kein Lamentieren! Und die erste Zwischenkontrolle war sehr positiv.

    Okay, ich bin vielleicht nicht der typische Chemo-Patient. Vielleicht ist die nächste Zwischenkontrolle negativ. Kann sein. Ich denke nicht daran, was negativ sein könnte, sondern rechne erst einmal mit dem Positiven. Kommt es negativ, hilft Lamentieren auch nicht, oder? Man muss aus jeder Situation das Beste machen. Zurzeit ist mein Leben mit dem Krebs und der Chemo durchaus gut erträglich.

    Ich wollte hiermit zeigen, dass Deine Darstellung kein Muss ist. Es kann (wie bei mir) auch ganz anders sein. Ich hoffe, dass mein Verlauf andere, die aus Angst vor der in ihrem Fall vielleicht einzigen Chance Chemotherapie zurückschrecken, motiviert es wenigstens zu versuchen.

    Beste Grüße
    Omnibus56

  158. #159 MartinB
    11. Juli 2016

    @Omnibus
    Nicht böse sein, aber ich habe deinen Text nur überflogen – aus naheliegenden Gründen.
    Und natürlich muss es nicht allen so gehen (meine Chemo wurde damals auch von den Krankenschwestern gern als “Hammer-Chemo” bezeichnet und war wohl bekannt dafür, besonders hart zu sein).

    Davor zurückschrecken sollte man so oder so nicht – besser als elend sterben ist es allemal.

  159. #160 omnibus56
    http://gravatar.com/omnibus56
    14. Juli 2016

    @Martin
    Warum sollte ich böse sein? Du hast Deine Therapie, so vermute ich, schon hinter Dir. Für den alternativen Bericht zur Motivation, nicht aufzugeben, bist Du also sowieso die falsche Adresse. 🙂 Zielgruppe (trotz der persönlichen Anrede) waren die Leser, die es vor sich und Angst haben, es könne sie völlig fertig machen. Denen wollte ich zeigen, das muss nicht so sein; denn ich hatte die gleichen Befürchtungen. Also Dein Querlesen war völlig in Ordnung.

    Übrigens, Folfirinox (meine Chemo) gehört angeblich auch in die “Hammer-Kategorie”. Daher meine Befürchtungen bevor es los ging.

  160. #161 MartinB
    14. Juli 2016

    @omnibus56
    Ja, ist bei mir schon lange her, aber ich glaube, so ganz verwindet man das nie.

  161. #162 MartinB
    14. Juli 2016

    @omnibus56
    Ich habe oben mal einen Nachtrag eingefügt.

  162. #163 Nostradamus
    14. Juli 2016

    Ich (ein Gast) habe gerade zufällig gesehen, dass es hier noch andere “Gast”-Accounts gibt. Werde diesen also nicht mehr verwenden.
    Vielleicht kann ja mal jemand kurz erklären, wie ich einen unverwechselbaren Avatar hie in die Kommentarfunktion platziere.

    p.s. kann als Gast nichts posten

  163. #164 Merilix
    27. Oktober 2016

    Besteht nicht die Gefahr das eine Triggerwarnung selbst zum Trigger wird? Eventuell sind die Bilder im Kopf die bei der Warnung entstehen viel schlimmer als das reale Bild mit dem man unvorbereitet konfrontiert wird. Dann wirkt die Warnung quasi als Vorbereitung für den Trigger damit er auch ja feuern kann.

    Triggerwarnungen in extremen Fällen Ja aber man solls auch nicht übertreiben damit.

  164. #165 MartinB
    27. Oktober 2016

    @Merilix
    “Besteht nicht die Gefahr das eine Triggerwarnung selbst zum Trigger wird?”
    Soweit ich weiß, ist die Gefahr sehr gering – weil die bloße Nennung eines Wortes meist zum Triggern nicht ausreicht. Selbst wenn sie das tut, ist aber die Stärke deutlich geringer als wenn man direkt mit detaillierten Schilderungen konfrontiert wird (so jedenfalls meine Erfahrung). Und die Warnung wirkt ja nicht als Vorbereitung für den Trigger, weil sie mir ja ermöglicht, später weiterzulesen, rauszugehen oder einfach nur tief durchzuatmen etc.

  165. #166 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2018/01/26/die-fettste-kartoffel/
    23. Mai 2019

    Ich habe einen Psychologenpodcast gefunden, der sich auch (2. Stunde) mit Triggerwarnungen beschäftigt.

    Triggerwarnung: Er bestätigt mich in vielen Punkten.