Astronomie ist wichtig! Gut, es ist keine große Überraschung wenn ich das sage. Immerhin bin ich selbst Astronom und verdienen meinen Lebensunterhalt damit, in dem ich Menschen etwas über Astronomie erzähle. Aber das ändert trotzdem nichts an der Tatsache, dass Astronomie wichtig ist. Das mag manche vielleicht überraschen. Physik ist wichtig, denn die erfindet neue Dinge die man dann im Laden kaufen kann. Biologie ist wichtig, denn die findet raus wie man Krankheiten heilen kann. Aber Astronomie? Astronomen schauen sich doch nur Sterne an, die wahnsinnig weit von der Erde entfernt sind und machen sich Gedanken über Dinge die vor ein paar Milliarden Jahren passiert sind oder in ein paar Milliarden Jahren passieren. Was für einen Einfluss soll denn die Astronomie auf unser ganz alltägliches Leben haben? Diese Antwort auf diese Frage liefert Marissa Rosenberg von der Universität Leiden vom Projekt Universe Awareness (dass das schöne Motto “Inspiriert jedes Kind mit der Schönheit unseres Universums” hat) gemeinsam mit ihren Kollegen in dem kürzlich erschienenen Artikel “Why is Astronomy Important?”.

In ihrer Arbeit listen Rosenberg und ihre Kollegen auf, wo Forschung und Technik die ursprünglich für die Astronomie entwickelt worden sind, heute überall in ganz anderen Gebieten eingesetzt wird. Dazu gehören zum Beispiel:

  • CCD-Chips, die heute überall in Digitalkameras eingesetzt werden.
  • Programmiersprachen wie Forth oder IDL die für astronomische Anwendungen entwickelt wurden, werden heute in der Industrie verwendet.
  • (Kommerzielle) Satelliten nutzen astronomische Techniken, um aus Beobachtungen der Sterne ihre Position zu bestimmen.
  • Sonnenkollektoren nutzen Materialien die zum Bau von Großteleskopen entwickelt worden sind.
  • Die Technik der Apertursynthese wurde ursprünglich für die Radioastronomie entwickelt; wird heute aber in der medizinischen Bildgebung (MRI-Scan, Computertomografie, etc) angewendet.
  • Sensoren die zur Teleskopsteuerung entwickelt wurden, werden zur Temperaturüberwachung in Brutkästen für Babys eingesetzt.
  • Eine Technik zur Verbesserung der Bildqualität von radioastronomischen Aufnahmen aus dem Jahr 1977 wird heute überall in WLAN-Netzwerken verwendet.
  • Die gaschromatische Analyse von Gepäckstücken auf Flughäfen, bei denen nach Sprengstoff und Drogen gesucht wird, stammt von einer Marsmission.

Rosenberg und ihre Kollegen liefern noch viel mehr Beispiele (ihr könnte den Artikel übrigens auch gleich hier auf der Homepage der Internationalen Astronomischen Union lesen). Und wenn es zwar sehr informativ ist (die Sache mit dem WLAN wusste ich zum Beispiel noch nicht) bin ich mir doch nicht sicher, ob das tatsächlich die richtigen Argumente sind, um die Bedeutung der Astronomie zu vermitteln.

Die diversen Techniken und Geräte aus der Astronomie die heute in allen möglichen anderen Bereichen eingesetzt werden, demonstrieren ja eigentlich nur, dass Grundlagenforschung funktioniert. Astronomie ist so gut wie immer Grundlagenforschung. Aber trotzdem passiert das, was immer passiert wenn man mehr über die Welt herausfindet: Am Ende entstehen daraus neue und ganz konkrete Technologien die uns auch ganz konkret im Alltag beeinflussen. Das ist in der Astronomie nicht anders als in der biologischen, chemischen oder physikalischen Grundlagenforschung. Je mehr wir wissen, desto mehr können wir machen. Ob dieses Wissen nun aus der Biologie, der Physik oder der Astronomie kommt ist dabei zweitrangig.

Das Besondere an der Astronomie liegt in einem ganz anderen Bereich. Der wird im Artikel von Rosenberg und ihren Kollegen zwar auch angesprochen, aber nur kurz am Ende. Im Gegensatz zu vielen anderen Forschungsgebieten scheint die Astronomie uns Menschen auf eine ganz spezielle Art zu faszinieren. Sie scheint ein menschliches Grundbedürfnis anzusprechen; den Wunsch, unsere Rolle im Universum zu verstehen; den Wunsch, zu erfahren, was da draußen existiert. Und natürlich auch den Wunsch zu erfahren, wo eigentlich alles her kommt und wie alles zu Ende gehen wird. Es geht um die Frage nach unserem Weltbild und darauf hat die Astronomie im Laufe der vergangenen Jahrtausende einen enormen Einfluss gehabt. Es erscheint uns heute selbstverständlich, dass Kosmologen und Astronomen über den Urknall Bescheid wissen und uns erklären können, wie sich das Universum in den 13,8 Milliarden Jahren seit seiner Geburt entwickelt hat. Aber noch in den 1990er Jahren war nicht klar, ob das Urknallmodell tatsächlich brauchbar ist, das Universum zu beschreiben – erst die Ergebnisse des COBE-Satelliten brachten hier die nötigen Daten und den wissenschaftlichen Durchbruch. Und es ist noch keine 100 Jahre her, dass wir darüber diskutiert haben, ob es noch andere Galaxien gibt oder unsere Milchstraße alles ist, was existiert. In den Jahrhunderten davor haben wir herausgefunden, dass unsere Sonne ein ganz normaler Stern ist; unsere Erde ein ganz normaler Planet und weder Sonne noch Erde der Mittelpunkt des Universums.

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Kommentare (46)

  1. #1 Spritkopf
    7. November 2013

    Ich finde Astronomie und Astrophysik schon deswegen so wichtig, weil das Universum ein riesiges physikalisches Versuchslabor darstellt. So können wir dem Urknall und den Schwarzen Löchern entnehmen, dass die Relativitätstheorie noch nicht die finale Theorie sein kann und dass es in irgendeiner Form eine Synthese mit der Quantentheorie geben muss. Wir würden nichts von dunkler Materie und dunkler Energie wissen, wenn wir nicht Hinweise darauf im Weltall beobachtet hätten. Und wer weiß, als was sich diese uns noch unbekannten Phänomene in der Zukunft entpuppen (und wie sie uns vielleicht irgendwann mal nützlich sein werden). Weitere Beispiele lassen sich zahlreich finden.

  2. #2 Mathias Jäger
    Heidelberg
    7. November 2013

    Ein noch sehr wichtiger Punkt für alle Hobby- und Profiköche fehlt allerdings bei der Aufzählung noch: Das CERAN Kochfeld besteht aus Glas, das ursprünglich für Teleskopspiegel entwickelt wurde.

    Ansonsten jedoch eine ausgezeichnete Auflistung der technischen Entwicklung, die nur dank der Astronomie möglich war!

  3. #3 Hanna Sathiapal
    7. November 2013

    “Es geht um die Frage nach unserem Weltbild und darauf hat die Astronomie im Laufe der vergangenen Jahrtausende einen enormen Einfluss gehabt.”

    Ich bin völlig einverstanden, dass wir vermehrt den Wert von Grundlagenforschung inkl. der Astronomie im Zusammenhang mit ihrer kulturellen Bedeutung für die Menschheit betonen sollten. Für mich liegt der gesellschaftliche ‘Nutzen’ ganz klar hier, und hier ist meiner Meinung auch die Notwendigkeit von Öffentlichkeitsarbeit begründet.

  4. #4 Die Menschheit
    7. November 2013

    Physik erfindet keine Dinge. Biologie heilt nichts. Ingenieure und Mediziner machen das, meist auf Basis von Grundlagenforschung, die im Weltraum oder im Umfeld der Astronomie stattfinden kann, sofern das sinvoll ist. Zu behaupten, Dinge wie CCDs wäre ohne die Astronomie nicht erfunden worden, ist gelinge gesagt kühn, denn wenn es zuträfe, würde die Menschheit auch Weltkriege brauchen, denn ohne Militärtechnik wäre auch so manches andere Gerät nicht erfunden worden. Und am Ende beruht der Glaube, die Menschheit brauche Astronomie, auf dem Glauben, dass sie auch WLAN, Flughäfen oder Satelliten brauchen würde. Ist das so? Wer hat das entschieden? Die Menschheit? Nein, und das dem nicht so ist, ist auch kein Problem. Aber vielleicht sollten die Astronomen und ihre Hofberichterstatter die Legitimation ihres Berufsstandes nicht ganz so hoch aufhängen.

  5. #5 Adent
    7. November 2013

    Die Menschheit als Nick, hmmm das klingt jetzt sehr ähnlich zu Das Wort, sei dem wie es sei…

    Biologie heilt nichts.

    Kannst du das etwas näher erklären, so ergibt das nämlich keinen Sinn?

    Ingenieure und Mediziner machen das, meist auf Basis von Grundlagenforschung, die im Weltraum oder im Umfeld der Astronomie stattfinden kann, sofern das sinvoll ist.

    Ja, genau das hat Florian auch geschrieben (wobei man darüber streiten kann ob Weltraumforschung den Medizinern was bringt, so what?
    Und was sinnvoll ist entscheidet wer?

    Und am Ende beruht der Glaube, die Menschheit brauche Astronomie, auf dem Glauben, dass sie auch WLAN, Flughäfen oder Satelliten brauchen würde.

    Äh zum einen hast du geschrieben die Ingenieure brauchen die Grundlagenforschung der Astronomie (u.a.) und hier widersprichst du dir? Und zum anderen, ja dass hat die Menschheit entschieden, zumindest der Teil der WLAN fleissig nutzt (also auch du, ok wenn du über LAN drin bist dann natürlich nicht), der durch die Gegend fliegt und Fernsehen schaut oder telefonieren möchte.
    Also was war jetzt eigentlich dein Argument?

  6. #6 Alderamin
    7. November 2013

    @Die Menschheit

    Ich bin auch der Ansicht, dass die Spinoffs alleine keine Rechtfertigung für die Astronomie bilden würden und vermutlich auch Lösungen für die angesprochenen Anwendungen auch auf andere Weise gefunden worden wären. Vielleicht abgesehen von der Raumfahrt, die uns Satelliten-TV, Wettervorhersage, GPS, Kommunikationssatelliten und dergleichen gebracht hat. Sie wäre schwerlich ohne die Vorarbeit der Astronomie denkbar.

    Aber dem zweiten Teil von Florians Argument, dem schließe ich mich vorbehaltlos an. Ohne Astronomie wüssten wir nichts davon, dass wir auf einer Welt in einem luftlosen Vakuum leben, das einen Stern umkreist, welcher mit hunderten Milliarden anderen eine Galaxie bildet, deren es wiederum hunderte Milliarden gibt. Wir hielten uns (und das tun viele ja immer noch) für das Zentrum der Welt, die “Krone der Schöpfung”, und würden wohlmöglich glauben, dass uns nichts passieren kann und wir uns jede Dummheit mit dieser einen Erde erlauben könnten, weil unser persönlicher Gott oder Schutzengel uns bewachte.

    Wir haben in der Schule alle Fächer wie Kunst, Sport oder Deutsch belegen müssen, auch wenn sie uns nicht interessierten oder für unseren heutigen Job nicht nötig gewesen wären. Aber sie gehören zur Allgemeinbildung, dazu, über den Tellerrand hinausblicken zu können. Die Astronomie, die uns unsere Position und Bedeutung im Weltall zeigt, gehört zur Allgemeinbildung der Menschheit.

  7. #7 s.s.t.
    7. November 2013

    @Die Menschheit

    Und am Ende beruht der Glaube, die Menschheit brauche Astronomie, auf dem Glauben, dass sie auch WLAN, Flughäfen oder Satelliten brauchen würde. Ist das so?

    Also zurück auf den Baum, hopp, hopp, marsch, marsch.

  8. #8 haarigertroll
    7. November 2013

    “Der wahre Wert der Astronomie liegt aber in ihrer Fähigkeit, unsere Sicht auf die Welt zu verändern”
    Genau so sehe ich das auch. Mehr noch als jeder andere Wissenschaftszweig hat Astronomie einen immensen kulturellen Wert. Es ist schließlich kein Zufall, dass die ersten systematisch betriebenen Forschungen der Menschheitsgeschichte astronomischer Natur waren.
    Andere Kulturgüter wie Musik, Kunst oder auch Philosophie werden nicht an ihrem wirtschaftlichen Wert gemessen, die Astronomie schon. Dass sie selbst da noch nicht einmal schlecht abschneidet ist daher umso bemerkenswerter

  9. #9 Bediko
    7. November 2013

    Diese Antwort auf diese Frage liefert Marissa Rosenberg von der Universität Leiden vom Projekt a href=”https://de.unawe.org/”>Universe Awareness (dass das schöne Motto

    Da ist ein kleiner Fehler 🙂

  10. #10 Walter
    7. November 2013

    Ich finde Astronomie einfach wunderbar. Sich vorzustellen, was außerhalb unseres geschützten Bereiches – auch als Erde bekannt – geschieht, ist faszinierend. Wenn man sich dann auch noch der Größe des Universums bewusst wird, erkennt man (sofern genug Hirnleistung vorhanden ist), wie klein und völlig unwichtig DIE MENSCHHEIT ist. Wenn da draußen irgendwas geschieht, sind wir schneller weg als uns lieb ist. Niemand wird irgendwas dagegen tun können und dem Universum ist es ziemlich wurscht, ob der kleine blaue Planet noch da ist oder nicht. Und was gibt es faszinierenderes als jetzt im Herbst/Winter in den Himmel zu blicken und dort z.B. den mächtigen Orion zu bestaunen. Alleine wenn man bedenkt wir groß Beteigeuze ist. Das sind Größenordnungen, die die Vorstellungskraft fast sprengen.

    Ok, nicht ganz das Thema, aber gehört auch dazu. Von den technischen Leistungen, die nötig sind, um überhaupt das Universum zu erforschen red ich gar nicht, denn die sind ebenso gewaltig.

    Ach es ist einfach faszinierend!

  11. #11 Nordlicht_70
    7. November 2013

    Mit Hilfe der Astroniomie haben die Menschen z. B. gelernt, Zeit und Ort zu bestimmen.
    Schon vor tausenden von Jahren konnte mit Hilfe der Astronomie die beste Zeit zur Aussaht bestimmt werden. Die großen geographischen Entdeckungen ab dem 15. Jh. waren erst möglich, als nicht nur genügend astronomisches Wissen sondern auch technische Geräte entwickelt wurden, die den eigenen Standort genügend genau bestimmen konnten. (Allein dieses Thema ist äußerst faszinierend und mind. einen eigenen Artikel wert).
    Jemand, der mir sagt, er braucht keine Astronomie, kommt mir vor, wie ein Ötzi vor 5000 Jahren, der sagt: “Mir ist wurscht, ob ich mein Mammut um 9.26 Uhr oder um 11.38 Uhr jage und ob mein Tal 20km weiter südlich oder nördlich liegt, ist mir auch schnuppe.” 🙂

  12. #12 rolak
    7. November 2013

    Forth .. für astronomische Anwendungen entwickelt

    ^^Hey, das war mir neu – #4 galt damals™ in den 70ern als ziemlich abgedrehtes all-in-one-System für Frickler und Robotiker, die ansonsten nicht programmieren konnten (dh weder C noch Assembler 😉 ), als praxisorientiertes Analogon zu Basic und Logo/Turtle. Lebt ja heute eher im Verborgenen, unter dem Deckel von Postscript, OpenFirmware etc

    Astronomie in der üblichen Spontanbedeutung -mit Verlaub- des Sternguckens ist der Reality-Check für sämtliche Hypothesen, die sich aus den Unmengen Daten ergeben, die durch die Astronomie gesammelt wurden. War für mich (ebenfalls ‘damals’) die allererste Begegnung mit dem Konzept ‘wissenschaftliches Arbeiten’. Nicht daß ich selber tätig geworden wäre, doch Kosmologie war schon immer außerst reizvoll…

  13. #13 Anderland
    7. November 2013

    Poste ich immer wieder gerne im Fa(r)cebook:
    https://www.helles-koepfchen.de/artikel/485.html

  14. […] morgen habe ich probiert zu erklären, warum Astronomie so enorm wichtig für uns Menschen ist. Natürlich gibt es auch noch jede Menge andere wichtige wissenschaftliche Disziplinen. Die […]

  15. #15 Kretzer
    7. November 2013

    … und die Teflonpfanne! Was ist mit der Teflonpfanne?!

    Die habt ihr mal wieder vergessen. Nein, im Ernst: Was hätten wir ohne die Erkenntnisse der Astronomie und anderer Wissenschaften, Evolutionstheorie nur als Stichwort… wir hätten die Kindermärchen der Religionen.

    Die Religionen (und sonstige dogmatische Ideologien), mit ihren Abermillionen an Toten, überwunden zu haben, ist die größte Leistung der Wissenschaften. Eben: Das Weltbild ist es – das haben sie komplett verändert, das ist der eigentliche Wert der Wissenschaften.

  16. #16 Hans
    7. November 2013

    #12 rolak

    Forth .. für astronomische Anwendungen entwickelt

    ^^Hey, das war mir neu

    Das wusste ich lange Zeit auch nicht, aber tatsächlich wurde die Sprache (und das zugehörige System drumrum) ursprünglich entwickelt, um Radioteleskope damit zu steuern. – Siehe hier, zweiter Absatz.

  17. #17 rolak
    7. November 2013

    Schönen Dank für die versuchte Aufklärung, Hans, doch als einer der Jecken, die alles ihnen Neue, insbesondere aber alles interessante Neue sofort hachgucken, war die Jagd schon vorbei, das Halali geblasen, bevor der Kommentar erschien…

  18. #18 Liebenswuerdiges Scheusal
    7. November 2013

    Ach hachgucken war das Wort das ich heut den ganzen Tag gesucht hab, rolak ;-)) .

  19. #19 Liebenswuerdiges Scheusal
    7. November 2013

    Und, rolak zum Halali bäst man vor der Jagd, nach der Jagd wird die Strecke gelegt.

  20. #20 Liebenswuerdiges Scheusal
    7. November 2013

    Man möge die letzten beiden Kommentare als postmeetingtraumainduzierte Klugscheisserei ablegen.

  21. #21 Liebenswuerdiges Scheusal
    7. November 2013

    Und ich weiss es heisst bläst nicht bäst (meine Tastatur mag mich nicht mehr).

  22. #22 Spritkopf
    7. November 2013

    Es saugt und bläst der Heinzelmann… :mrgreen:

  23. #23 rolak
    7. November 2013

    hachgucken war das Wort

    WFF. WurstFingerFehler.
    BSLS. BlindSchreibLernSyndrom.
    Irgendsowas. Aber dennoch voll daneben und nicht gesehen, zugegebenermaßen. Schön verwandelt, Liebenswuerdiges Scheusal.

    bäst man vor der Jagd

    Es äst das Wild, es bäst der Beagel, es bläst der Wind – doch vor? Der Formulierung nach mag das mal so gewesen sein, doch so alt bin ich dann anscheinend doch nicht, kenne es ausschließlich andersrum:

    Der heutige Ablauf des Halali stellt das ritualisierte Ende der Jagd dar

    Doch dergleichen soll das Jadgfieber der Astronomen auf gar keinen Fall ereilen.

  24. #24 Hans
    7. November 2013

    @rolak, #17: Das konnte ich ja nicht ahnen…
    Btw: Du bist nicht zufällig auch irgendwie Elektronik bewandert, oder doch? – Ich jedenfalls schon, und finde die Multicomputerchips, die Mr. Moore später entwickelt hat, sehr interessant. Nicht, das ich dafür Verwendung hätte, aber das Konzept gefällt mir.

  25. #25 Hans
    7. November 2013

    @LS: Wie wäre es denn mit “Foramten“? – Den Begriff hab ich gestern kreiert, als ich eigentlich was über “Formate” schreiben wollte… :mrgreen:

  26. #26 AmbiValent
    7. November 2013

    @Kretzer
    Die Tefrodpfanne (bzw das Material dazu) wurde schon vor dem Weltraumprogramm erfunden… deswegen fehlte sie auch in der Liste.

  27. #27 Liebenswuerdiges Scheusal
    7. November 2013

    @Hans
    Zu dir passender wäre: Gengeln 😉 .

  28. #28 Desolace
    7. November 2013

    @Hans (und OT)
    Ich bin Meisterin im Verlesen 😀
    Bei mir gab nicht nur “Studentengewächse” statt “Staudengewächse” sondern auch ein Konzert “mit Erniedrigungen” statt einem “Ehrendirigenten”… wer benutzt auch schon solche Wörter?! 😀

  29. #29 Hans
    8. November 2013

    @Scheusal:
    Ja klar, und Du bist ein Bengel. ;-P

  30. #30 Ronald Weinberger
    8. November 2013

    Astrononomie ermöglicht nicht bloß Einblicke in “Schönes” – wer vermag sich der Ästhetik der Aufnahmen etwa “planetarischer Nebel” zu entziehen – sondern fördert ebenso das Staunen und die Begeisterung über das, was sich sozusagen oberhalb unserer Köpfe vollzieht, vollzog und zu vollziehen anschickt. Konkret meine ich u. a. das ehrfurchtsvolle, bisweilen ungläubige Staunen, das ich so häufig bei meinen nicht eben wenigen populären astronomischen Vorträgen erleben durfte. Unvergesslich bleiben mir zum Beispiel die ab und zu getätigten (später erfolgten) Aussagen von Personen aus dem Publikum. die Einblicke in das “himmlische Walten” hätten ihr persönliches Lebens verändert, stets jedoch bereichert.

    Aber reden wir nicht nur von Wirkungen auf die Rezipienten astronomischer Prozesse und Forschungsergebnisse. Als jahrzehntelang in der astronomischen Forschung (und Lehre) tätig Gewesener habe ich selbst außerordentlich viel Freude an dieser phantastischen Wissenschaft gewinnen – und bewahren – dürfen.
    Fazit: Die Beschäftigung mit Astronomie, “aktiv” wie “passiv”, ist wahrlich schön!

  31. #31 Statistiker
    9. November 2013

    Auja, die gleiche Liste könnte man für Atombomben basteln….. Astromonie ist sinnlos und kostet ein Geld, das man sinnvoller ausgeben kann.

    Selbstbeschäftigungstherapie überbezahlter Männer.

  32. #32 Kassenwart
    9. November 2013

    @Statistiker

    na, war der Kaffee heute morgen wieder nix?

    Überbezahlt? Ok, dir kann ich es ja sagen. Für das Geld was ein Astronom bekommt, würde sich ein schlichter Manager der unteren oder je nach Unternehmensgröße mittleren Ebene morgens nicht mal aus dem Bett rollen.
    So. jetzt ist es raus.

    So long.

  33. #33 Florian Freistetter
    9. November 2013

    @Kassenwart: “Für das Geld was ein Astronom bekommt,”

    Und das krieg ich nicht mal, weil ich ja freiberuflicher Autor bin und kein Astronom mehr…

  34. #34 s.s.t.
    9. November 2013

    @Statistiker

    Und auch Deine nächste Urlaubsreise ist sinnlos und kostet ein Geld, das man sinnvoller ausgeben kann.

  35. #35 Hoffmann
    9. November 2013

    @ Statistiker:

    Astromonie ist sinnlos und kostet ein Geld, das man sinnvoller ausgeben kann.

    Wenn Du die Adjektive austauschst, wird es richtig:

    Astromonie ist sinnvoll und kostet ein Geld, das man sinnloser ausgeben kann.

  36. #36 Frank
    14. November 2013

    Dass Wissenschaft sich überhaupt immer nach ihrem volkswirtschaftlichen Nutzen fragen lassen muss, ist ohnehin Unsinn. Sie schafft – und das disziplinübergreifend – einen viel höheren Wert (wie in dieser Kreditkartenwerbung: unbezahlbar!).

    Was nun die Astronomie betrifft, so ist hier der Nutzen in historischer und gesellschaftlicher Hinsicht bisher gar nicht berücksichtigt. Nordlicht hat in #11 aber schon angedeutet, dass astronomische Beobachtungen z. B. die Entdeckungen ab dem 15. Jahrhundert erst möglich gemacht haben. Das Navigieren nach den Sternen durch die Bestecknahme ermöglichte die exakte Positionsbestimmung. Dadurch konnten Seefahrer erstmals das offene Meer überqueren, ohne auf den Zufall zu hoffen. Vorher navigierte man i. d. R. indem man entlang der Küstenlinie fuhr.

    Damit verbunden veränderte sich das Weltbild, dass ja zuvor von der Kirche bestimmt wurde, die dafür auf die Schöpfungsgeschichte rekurierte. Auch der Fall Galilei trug dazu bei, die alte Ordnung, mit der auch die Legitimation von Herrschaft einherging, zu erschüttern. Naturwissenschaftliche Erkenntnis half bei der Befreiung des Geistes des Individuums und ließ schließlich die Philosophie der Aufklärung entstehen, ohne die (und die durch sie verursachten Revolutionen) wir noch heute Untertanen irgendeines degenerierten Adelsgeschlechts wären.

    Den wirtschaftlichen Nutzen dieser Entwicklung auszurechnen, das vermag wahrscheinlich keiner.

    Aber die Zeiten des (wirklich) guten, alten Bildungsideals des Wilhelm von Humboldt sind gezählt: Nach Bologna wird die universitäre Ausbildung komplett nach ihrer Wirtschaftlichkeit beurteilt. Ob das nun dem wissenschaftlichen Nachwuchs schadet, kann ich nicht beurteilen. Ich bin zu lange von der Universität weg… aber ich befürchte es.

  37. #37 Hans
    15. November 2013

    #36 Frank

    Aber die Zeiten des (wirklich) guten, alten Bildungsideals des Wilhelm von Humboldt sind gezählt:

    Vermutlich hast Du recht, aber ich hoffe trotzdem, dass Du Dich irrst.

    Nach Bologna wird die universitäre Ausbildung komplett nach ihrer Wirtschaftlichkeit beurteilt. Ob das nun dem wissenschaftlichen Nachwuchs schadet, kann ich nicht beurteilen. Ich bin zu lange von der Universität weg… aber ich befürchte es.

    Das befürchte ich auch. Und selbst wenn es dem einzelnen Individuum nur begrenzt schadet, der Gesellschaft als Ganzer wird es auf jeden Fall schaden, wenn das Bildungssystem nur noch Fachidioten hervor bringt, die nicht mehr in grösseren Zusammenhängen denken können. Oder (noch schlimmer) denen das denken in grösseren Zusammenhängen und reflektieren über verschiedene Theorien spätestens auf der Uni ausgetrieben wird. Denn die wirklich grossen Innovationen passieren doch meisst, wenn Leute von vielen Dingen etwas verstehen, aber nicht, wenn sie von Ihrem Fachgebiet fast alles, aber schon von den Nachbardisziplinen nicht viel mehr wissen, als dass es die gibt.

  38. #38 Frank
    15. November 2013

    #37 Hans:

    Ich hoffe mit Dir und wünsche mehr sehr, dass ich mich irre. Allerdings ist das , was ein Freund, der Priv.-Doz. an einer deutschen Uni ist, so erzählt, wenig ermutigend. Zumindest in seiner Fakultät ist das neue BA/MA-System vielleicht kein Desaster, aber doch immerhin eine Katastrophe… Ich bin kein Naturwissenschaftler und weiß daher nicht, ob es in diesen Fachbereichen ähnlich ist – für die Geisteswissenschaften ist es anscheinend verheerend. Besonders die Qualität des akademischen Nachwuchses, für die zukünftige Lehrarbeit an den Universitäten, wird hier wohl leiden. Die heutigen Studenten werden so auf das Fertigwerden und Bloß-schnell-Geldverdienen konditioniert, dass ihnen eine akademische Karriere kaum mehr zumutbar ist, denn das würde bedeuten, dass sie sich während ihres straff durchorganisierten Studiums die Zeit nehmen müssten, sich nebenher noch mit all den Dingen vertraut zu machen, die eine umfassende Vorbereitung auf eine spätere Lehrtätigkeit erfordert – und die sie einfach nicht haben.

    Eine jüngere Freundin von mir – abgeschlossene Bacholorette (!) – nannte ihre Ausbildung ein Schmalspur-Studium! Das mag sicher nicht für alle gelten; ganz sicher nicht. Aber irgendwie behagt einem das Alles nicht wirklich.

  39. #39 Schüler
    Merseburg, Sachsen-Anhalt
    27. Dezember 2017

    Hi,
    ich muss in der Schule einen Vortrag über das Thema “Astronomie im Alltag” halten. Allerdings habe ich keine Ahnung, was ich da alles sagen soll. Bisher habe ich zwei Gliederungspunkte, “Hat Astronomie im Alltag überhaupt einen Nutzen” und “Beispiele im Alltag”. Mehr habe ich leider nicht, weil ich einfach nicht mehr finde. Kann mir vielleicht jemand helfen? Würde mich über hilfreiche Antworten freuen.

  40. #40 stone1
    27. Dezember 2017

    Hallo @Schüler,
    3 einfache Beispiele wären etwa Kalender, Zeit und GPS (global positioning system). Darüber kann man schon einiges schreiben. Ein guter Einstieg für die Recherche ist der Wikipedia-Eintrag.

  41. #41 Alderamin
    27. Dezember 2017

    @Schüler, stone1

    GPS ist Raumfahrt, nicht Astronomie, aber Navigation in der Schifffahrt wurde früher (vor GPS) ausschließlich nach Sonne und Sternen durchgeführt.

    Kalender, klar. 12 Monate wegen 12 Mondzyklen pro Jahr, jeder Mondzklus (29,5 Tage) lässt sich einigermaßen gut vierteln in 7-tägige Wochen (Neumond, erstes Viertel, Vollmond, letztes Viertel). Die Namen der Wochentage nach Planeten, Sonne und Mond: Mon(d)tag (frz Lundi nach la lune), frz. frz. Mardi nach Mars, frz. Mercredi nach Merkur, frz. Jeudi nach Jupiter, frz. Vendredi nach Venus, engl. Saturday nach Saturn und natürlich der Sonntag.

    Die Existenz (und die Eckdaten) der Jahreszeiten haben astronomischen Ursprung (Schiefe der Erdachse, flacherer Einfallswinkel des Sonnenlichts im Winter, damit kühlere Temperaturen). Ostern fällt immer auf den Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühjahr (und am Ostertermin hängen mit festem Abstand die Karnevalstage, sowie Fronleichnam, Christi Himmelfahrt und Pfingsten).

    Die Gezeiten durch Mond und Sonne. Wann es zu Sturmfluten an der Küste kommt.

    Außerdem gäbe es uns nicht, wenn nicht vor 65 Millionen Jahren ein Asteroid die Saurier ausgerottet hätte und die Karten für das Leben auf der Erde neu gemischt wurden. Überhaupt stammt das Wasser der Erde aus Asteroideneinschlägen, die Erde begann heiß und trocken im inneren Sonnsystem, das heute noch vorhandene Wasser kam erst später mit den Asteroiden von weiter außen im Sonnensystem.

  42. #42 Florian Freistetter
    27. Dezember 2017

    @Schüler: Vielleicht findest du in der Bibliothek mein Buch “Der Komet im Cocktailglas”. Das handelt nur von Astronomie im Alltag.

    Ansonsten: Kalender/Zeitmessung wurden schon genannt. Aber recherchier vielleicht auch mal, wo die Elemente herkommen. Wo das Wasser auf der Erde herkommt. Welche Ereignisse die Evolution der Lebewesen in der Vergangenheit beeinflusst haben bzw. Massensterben verursacht haben. Wie die Ozonschicht entsteht und welche Rolle sie für unser Leben spielt. Usw. – da gibt es schon einiges… 😉

  43. #43 stone1
    27. Dezember 2017

    @Alderamin

    GPS ist Raumfahrt

    Ja klar, aber bei Satelliten kann man sich auch beispielsweise mit Umlaufbahnen befassen. Mit Positionsbestimmung durch Sextanten und so wollte ich nicht anfangen, das fällt heutzutage wohl eher schon ins Fach Geschichte ; )

  44. #44 Alderamin
    28. Dezember 2017

    @stone1

    Totgesagte leben länger:

    Heutzutage verwenden Schiffe zur Navigation GPS (Global Positioning System), doch sind Mittel für die Positionsbestimmung mit astronomischen Methoden (also Tabellen und Geräte) weiterhin vorgeschrieben. Nach einer etwa zehnjährigen Pause unterrichtet die US-Navy seit 2011 wieder Navigatoren, und seit Herbst 2015 alle Offiziere, in Astronomischer Navigation.

  45. #45 stone1
    28. Dezember 2017

    @Alderamin
    Okay, okay. Ist ja auch sinnvoll, eine Alternative zu haben für den Notfall – im Falle der Navy beispielsweise ein EMP-Angriff.

  46. #46 Jens Hafner
    Zürich
    17. Januar 2018

    Genau diese Frage “Ist Astronmie überhaupt sinnvoll?” stellte ich mir vorhin beim Morgen-Kaffee, als ich wieder weiterlas in der schwindelerregenden letzten Astronomie-Ausgabe von “Spektrum der Wissenschaft”: Kollision von Neutronensternen, schwarze Löcher, Gravitationswellen – Hallelulja, kann ich da nur sagen.

    Astronomie ist so eine merkwürdige Nebenbeschäftigung von mir, weil ich mit allen anderen Wissensgebieten salopp gesagt “schon durch” bin. Sterne &Co bieten jedoch weiter stets ungeahnte Möglichkeiten für eine intellektuelle Beschäftigung: Atemberaubende Ansichten und Aussichten, schwindelerregende Erklärungen, verstörend komplizierte Berechnungen, erschütternde Perspektiven.

    Aber, und jetzt kommts: Wozu das eigentlich?

    Planeten, die wir nie persönlich erreichen werden. Galaxien, die für uns immer unerreichbar weit weg bleiben werden. Bilder, nur Bilder, und immer wieder Bilder. Und Erklärungen, die kaum fassbar sind angesichts der Grösse dort draussen.

    Mir kommt es vor, als ob man lebenslänglich in einer Zelle eingesperrt ist und die Welt dort draussen nur noch aus der Ferne beobachten darf. Durch ein kleines Fenster, mit einem kleinen Fernglas.
    Das Leben dann: Alles nur Bilder. Kein Anfassen. Kein Mitten-drin-sein.

    Wie gesagt, ich schaue gern in den nächtlichen Sternenhimmel. Aber die Unerreichbarkeit des Schönen dort draussen, bringt mich manchmal um.