Lichtverschmutzung über einer Großstadt. Bild: Mike Knell, flickr, CC BY-SA 2.0.
Lichtverschmutzung über einer Großstadt. Bild: Mike Knell, flickr, CC BY-SA 2.0.

Ständig nörgeln die Amateurastronomen darüber, dass die zunehmende Verbreitung künstlicher Lichtquellen ihnen den Himmel vermiest, nennen es gar “Lichtverschmutzung”, und verweisen auf Studien, die belegen sollen, wie gesundheits– und umweltschädlich Straßenlaternen, Skybeamer und LED-Werbetafeln sein sollen. Alles übertrieben, wenn überhaupt, dann vernachlässigbar in der Wirkung, werden viele Normalbürger denken und die taghelle Nacht, die sich so viel sicherer als die Dunkelheit anfühlt, weiterhin vorziehen.

Währenddessen machen sie sich möglicherweise Sorgen um das Insektensterben, das in den letzten 27 Jahren zu einem Rückgang der Biomasse der Fluginsekten um 75% führte. Denn Insekten sind immens wichtig, sie sind die Gesundheitspolizei in der Natur, sie sind Grundnahrungsmittel für viele Tiere, darunter die meisten Vögel, und Bestäuber für viele Pflanzen, darunter auch solchen, die uns zur Nahrung dienen.  Schuldige sind schnell gefunden: der Klimawandel, der Rückgang von naturbelassenen Flächen, und der Einsatz von Chemie auf Feldern und in Gärten. Glyphosat wird dabei immer gerne zuvorderst genannt, weil jeder den Stoff aus den Nachrichten kennt – aber Glyphosat ist es gerade nicht.

Generell gibt es alle diese schädlichen Einflüsse, aber sie reichen nicht aus, um den Insektenrückgang in diesem Maße zu erklären, besagt eine neue Studie1 von Dr. Maja Grubisic, Dr. Franz Hölker und anderen, die am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin arbeiten. Sie haben untersucht, wo die signifikant stärksten Rückgänge der Insektenpopulationen zu verzeichnen sind – und fanden sie genau in den Ballungszentren, in denen die Lichtverschmutzung am größten ist. Denn die Hälfte der Insektenarten ist nachtaktiv und manche Fluginsekten orientieren sich am Mond und an den Sternen.

Eine oft gelesene These dafür, warum Insekten sich an Laternen sammeln, soll ihre Orientierung am Mond sein: hält das Insekt den Winkel zwischen Mond und seiner Flugrichtung konstant, dann fliegt es geradeaus. Versucht es dies jedoch bei einer Straßenlaterne, bewegt es sich zwangsläufig auf einer Spiralbahn um und auf die Laterne zu, so dass es unweigerlich dort enden wird, wo es die Laterne bis zur tödlichen Erschöpfung umflattern oder eine leichte Beute für Fressfeinde wird. Viele nachtaktive Insekten fühlen sich, warum auch immer, jedenfalls generell von Licht, vor  allem blauem und  ultraviolettem Licht angezogen, und gerade die sich immer weiter verbreitenden, energiesparenden Weißlicht-LED-Laternen haben einen hohen Blauanteil.

Zur Verringerung der Lichtverschmutzung gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die keine großen Einschränkungen für den einzelnen mit sich bringen. Man kann auf schmalbandigeres Licht ausweichen, das den blauen Anteil vermeidet – solches Licht hat einen gelbfarbigen Stich und wirkt zwar etwas unnatürlich, erfüllt aber dennoch seinen Zweck und stört auch den menschlichen Schlaf weniger. Man kann das Licht besser seitlich abschirmen und nur nach unten richten, wo es benötigt wird und niemanden blendet. Man kann mit Hilfe von Bewegungssensoren die Beleuchtungsstärke dort hochfahren, wo sich gerade jemand befindet und ansonsten den Pegel auf einen Bruchteil herunter dimmen. In der zweiten Nachthälfte sind nur wenige Menschen draußen unterwegs und das Licht könnte auf diese Weise, oder aber auch durch einfache Drosselung nach Zeitschaltuhr reduziert werden (im einfachsten Fall: Abschaltung der Hälfte der Laternen). Öffentliche wie private Gebäude müssen nicht die ganze Nacht von unten angestrahlt werden. Und die immer stärker verbreiteten LED-Werbetafeln dürften nachts nicht mit der gleichen Helligkeit betrieben werden wie am Tage, was leider oft zu beobachten ist. Skybeamer sollten generell verboten werden – man kann nicht Milliarden von Kubikmetern Luftraum für sich als Werbefläche beanspruchen. Dass sich bei weniger Licht Unfälle oder Überfälle häufen, wird oft behauptet, in tatsächlichen Fällen der Beleuchtungsreduktion wurde aber genau das Gegenteil beobachtet.

Bleibt zu hoffen, dass die Studie Resonanz findet. Die deutsche Regierung hat in diesem Monat die Eckpunkte eines Aktionsprogramms zum Insektenschutz vorgestellt, unter denen unter anderem auch die Reduktion der Lichtverschmutzung genannt wird, und investiert dafür zunächst den wenig beeindruckenden Betrag von 5 Millionen Euro in das Programm. Ein bisschen mehr wird es schon bedürfen, die Beleuchtung unseres ganzen Landes insekten- und sternenhimmelfreundlicher zu gestalten.

 

Referenzen und Links

1 Leider nicht frei verfügbar, daher beziehe ich mich hier auf die in den Referenzen verlinkten Berichte über die Originalarbeit

Kommentare (39)

  1. #1 Uli Schoppe
    28. Juni 2018

    Interessanter Beitrag. Und der Titel zieht die Monsanto VTler nicht an

  2. #2 Omnivor
    Am 'Nordpol' von NRW
    28. Juni 2018

    Die Krefelder Studie mit der 75% Abnahme an Fluginsekten wird ja immer wieder stark kritisiert, u.a. da die Sammelorte immer wieder gewechselt wurden. Es gibt wohl eine englische Studie mit 4 festen Orten, bei der es 2x keine Änderung, 1x eine Zunahme und 1x eine Abnahme gab. Wäre interessant zu wissen, ob diese Orte in der Lichtstudie berücksichtigt wurden und wie die Lichtverhältnisse in England waren.
    Meine Sekundär-Quelle ist http://www.keckl.de/texte/Insekten%20Studie%20Junk%20Science%20okt17.pdf

  3. #3 pane
    28. Juni 2018

    Aus der Serie, früher war alles besser: Ich kann mich noch gut an gelb leuchtende Straßenlaternen erinnern. Die waren zuerst rot um dann allmählich gelb zu werden. Waren das Natriumdampflampen? Aber die hätten doch von Anfang an gelb sein müssen.

    Im übrigen wurde ab 23:00 Uhr jede zweite Laterne ganz und die anderen halb abgeschaltet. Heute sind da noch ganz andere Sachen möglich. Etwa Laternen mit Bewegungsmelder. Das wäre früher nicht möglich gewesen, weil diese Lampen erst wieder gezündet werden konnten, nachdem sie stundenlang abgekühlt sind. Oder man hätte normale Glühbirnen benutzen müssen, die aber einen viel zu hohen Verbrauch haben.

  4. #4 Alderamin
    28. Juni 2018

    Das waren Natrium-Hochdruckdampflampen. Die werden heiß und bauen dabei Druck auf, das verursacht die Farbänderung. Sie haben sehr breite Linien durch den Druck und die Temperatur. Es gibt auch Niederdrucklampen, die sind schmalbandiger (nur die gelben Natriumlinien), das Licht ist praktisch monochromatisch. Die zünden, glaube ich, nicht so, und sind weniger hell.

    Für Amateurastronomen und auch Insekten sind das die besten Lampen, aber LEDs sind günstiger im Verbrauch, können gedimmt werden und halten länger. Man müsste sie halt auch gelber scheinen lassen.

  5. #5 pane
    28. Juni 2018

    Ja, LEDs sind noch ein wenig günstiger. Aber es sind auch schon Natrium-Hochdrucklampen durch Energiesparlampen ersetzt worden und das wurde als Energiesparen verkauft. Aber das ist Gaga. Natrium-Hochdrucklampen sind schon sehr sparsam.

  6. #6 roel
    29. Juni 2018

    @Alderamin Im Bezug auf Licht, stimmen wir völlig überein. Lichtverschmutzung ist ein großes Problem für alle Tiere, die sich am Licht orientieren.

    Beim Glyphosat bin ich eher vorsichtig. Viele Argumentationen contra und pro Glyphosat sind in sich nicht schlüssig. Fakt ist jedenfalls, das Glyphosat zur Pflanzenvernichtung eingesetzt wird und genau das auch erledigt. Pflanzen dienen Tieren als Nahrung bzw. als Nahrungslieferant, je weniger Pflanzen Tieren zur Verfügung stehen, desto weniger Nahrung steht ihnen zur Verfügung. Abhilfe könnte man schaffen, in dem extra Pflanzenstreifen am Rand der Felder bzw. auch durchgehend durch ein Feld gezogen werden.

    Aus deinem Link https://www.swr.de/wissen/glyphosat-faktencheck/-/id=253126/did=20514698/nid=253126/45z6by/index.html

    “Ist Glyphosat am Insektensterben schuld?

    Wohl kaum. Die genauen Ursachen des Insektenschwundes sind zwar noch nicht geklärt. Die intensive Landwirtschaft dürfte dabei schon eine Rolle spielen – auch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Zum Beispiel die inzwischen berüchtigten Neonicotinoide”

    weiter

    “Glyphosat dagegen wird nicht gegen Insekten eingesetzt, sondern gegen alle möglichen Pflanzen, die Landwirte nicht auf dem Acker haben wollen und die sie deshalb als Unkraut bezeichnen.”

    Interessant ist hier der Bogen von Pflanzen hinzu Unkraut – aalso von einem positiven hinzu einem negativen Begriff.

    Weiter:

    “Man muss sogar sagen: Unter allen Herbiziden gilt Glyphosat als eines, das Insekten wenig schädigt.”

    Ja super! das Zeugs ist für Insekten das beste was es gibt. Hm, das “wenig schädigt” müsste man sich noch mal in Ruhe anschauen.

    und weiter:

    “Richtig ist: Ein Totalherbizid wie Glyphosat vernichtet auch Kräuter und Pflanzen, von denen sich Insekten ernähren könnten.”

    Ah ja. und weiter:

    “Trotzdem kann man aber schlecht dem Glyphosat die Schuld daran geben, denn Landwirte würden Unkraut sonst eben auf andere Art entfernen.”

    Das ist ein wohl bekanntes Schema. Donald Trump: “Yes that’s right, they don’t have guns, they have knives.”

    und weiter:

    “Entscheidend für das Insektensterben ist eher, dass Insekten insgesamt zu wenig Nahrung in unserer immer monotonen Agrarlandschaft finden – immer weniger Grün, immer weniger Ackerrandstreifen und so weiter.”

    Das ist richtig!

    und weiter:

    “Der Einsatz von Glyphosat ist somit eher symptomatisch für diese Art der Landwirtschaft, aber man kann schlecht sagen, dass speziell dieser Wirkstoff Insekten tötet.”

    Das ist falsch!

    Vergleiche: Der Einsatz von Waffen ist somit eher symptomatisch für diese Art der Straftaten, aber man kann schlecht sagen, dass speziell Schusswaffen die Opfer töten.

  7. #7 gedankenknick
    29. Juni 2018

    Zum Thema Lichtverschmutzung – ärgert mich tierisch. In einem Sternenpark bei wolkenlosem Wetter und dunkel-adaptierten Auge ist es schon erstaunlich, wie die Milchstraße zu sehen ist. Ist jedem Stadtmenschen dringend zu empfehlen!

    Für Amateurastronomen mit ausreichendem Geldbeutel wären die besten Straßenlampen Na- bzw. Hg-Hochdruck-Lampen, da man dann die Lichtverschmutzung mit (zugegebener Maßen schweineteuren) UHS und CLS-Filtern wohl leidlich in den Griff bekommen kann. Zugegebenermaßen habe ich das selbst nie getestet, hatte mich aber vor Jahren mal mit den theoretischen Möglichkeiten auseinandergesetzt und war von den berichteten Ergebnissen doch sehr (positiv) überrascht… LED-Lampen kann man auf diese Weise wohl angebelich eher schlechter filtern. Dass diese Betrachtung allerdings nicht die vorteilhafte Energiebilanz der LED berücksichtigt ist mir auch bewußt. Alles Gute ist wohl nie beieinander.

    Zum Thema Glyphosat und Insekten:
    Wer einmal ein korrekt glyphosatisiertes Getreidefeld gesehen hat wird merken, dass da gar nichts mehr wächst außer die Monokultur. Da kann ich mich an Zeiten erinnern, wo zumindest alle 5m eine Kornblume zwischen den Gräsern stand. Wenn man hektarweise wirklich ALLE “Un”kräuter entfernt sollte es nicht verwundern, dass da keine Insekten mehr durch die Landschaft krabbeln, fliegen, fleuchen oder sich wie auch immer fortbewegt. Es ist schlicht der selbe Effekt wie der Rückgang der Bestände an Großtrappen, Fasanen, Rebhühnern, Hasen usw. durch die Abschaffung der Gebüschreihen innerhalb größerer Ackerflächen zur besseren maschinellen Bearbeitung. Wer das eine will muss mit dem anderen leben. Nebenbei ist da Schlimme an Glyphosat, dass es eben nicht NUR als Pflanzenschutzmittel (im Sinne von Unkrautvernichtungsmittel) verwendet wird. Mit Glyphosat kann man z.B. den Erntezeitpunkt für Getreide steuern, und dafür wird es AUCH eingesetzt. Glyphosat aufs Getreide – exakt 7 Tage später Mähdrescher auf gesprühtes Feld. SOLCHER Einsatz gehört m.E. sofort untersagt.

  8. #8 Alderamin
    29. Juni 2018

    Zugegebenermaßen habe ich das selbst nie getestet, hatte mich aber vor Jahren mal mit den theoretischen Möglichkeiten auseinandergesetzt und war von den berichteten Ergebnissen doch sehr (positiv) überrascht

    Einen dunklen Himmel kann man eigentlich durch nichts ersetzen… Gasnebel, die in einzelnen Emissionslinien leuchten, kann man mit ihnen noch retten, aber Galaxien strahlen breitbandig, man verliert also zwangsläufig Licht. Aber ich will nicht jammern, wenn die oben genannten Maßnahmen ergriffen würden, dann wäre das gut für die Astronomie UND die Insekten UND die Gesundheit. Am Ende wäre es auch billiger. Bisher kamen solche Einsparungen aber anscheinend nicht den Bürgern zugute, sondern wurden in noch mehr Licht investiert. Wenn man einmal für etwas ein Budget hat, wird es auch ausgenutzt.

    LED-Lampen kann man auf diese Weise wohl angebelich eher schlechter filtern.

    Ja, weil die breitbandig strahlen. Die LED selbst nicht, aber das Leuchtmittel, das verwendet wird. Viel breitbandiger als Na-Hochdruckdampflampen.

    Wer einmal ein korrekt glyphosatisiertes Getreidefeld gesehen hat wird merken, dass da gar nichts mehr wächst außer die Monokultur.

    Das ist richtig, aber erstens ist es nicht das Gift selbst, was die Insekten tötet und zweitens würde der Bauer das Unkraut ohne Glyphosat halt anders beseitigen. Im Prinzip könnte man Bauern ja auch einfach dafür belohnen, wenn sie am Rand des Feldes etwas Natur übrig lassen.

    Pro und Contra Glyphosat hin und her – es ist nach Studien jedenfalls kein Hauptgrund für das Insektensterben. Es ist aber ein prima Strohmann, den man anstelle der schlimmeren Ursachen beprügeln kann, die teuerer in der Umsetzung sind. Das sollte man nicht vergessen.

  9. #9 roel
    29. Juni 2018

    @Alderamin

    “Das ist richtig, aber erstens ist es nicht das Gift selbst, was die Insekten tötet und zweitens würde der Bauer das Unkraut ohne Glyphosat halt anders beseitigen.”

    Siehe meinen Kommentar oben.

    “aber erstens ist es nicht das Gift selbst, was die Insekten tötet”

    Vernichtung der Nahrungsgrundlage? Nahrungsentzug? Wie würdest du es bezeichnen, wenn in einem Krieg die kompletten Felder und Nahrungslager des Gegners verbrannt werden.

    “und zweitens würde der Bauer das Unkraut ohne Glyphosat halt anders beseitigen.”

    Ja klar, aber das macht die Handhabung des Glyphosats nicht besser. Es ist vielleicht oben nicht deutlich rausgekommen, aber die Waffenlobby in den USA und Donald Trump argumentieren genauso pro Schusswaffen. Das ist eine Antwort, die nie richtig ist. Wir verbieten keine Schusswaffen, weil dann die Attentäter doch Messer nehmen.

  10. #10 Alderamin
    29. Juni 2018

    Siehe meinen Kommentar oben.

    Gesehen und befunden, dass die Antwort an Gedankenknick diesen weitgehend mit beantwortet.

    Vernichtung der Nahrungsgrundlage? Nahrungsentzug? Wie würdest du es bezeichnen, wenn in einem Krieg die kompletten Felder und Nahrungslager des Gegners verbrannt werden.

    Dann muss man aber nicht ein spezielles Herbizid verbieten, sondern den Einsatz von Herbiziden generell. Bzw. die Unkrautbeseitigung überhaupt. Wie gesagt, Anreize schaffen, um Naturflächen zu erhalten. Und mehr Naturschutzgebiete einrichten.

    Es ist vielleicht oben nicht deutlich rausgekommen, aber die Waffenlobby in den USA und Donald Trump argumentieren genauso pro Schusswaffen. Das ist eine Antwort, die nie richtig ist. Wir verbieten keine Schusswaffen, weil dann die Attentäter doch Messer nehmen.

    Das Argument ist bei den Schusswaffen deshalb falsch, weil es neben Schusswaffen kein Tötungsinstrument gibt, dass es auf Entfernung so einfach macht, jemanden zu töten. Ein Messer benötigt immer Nähe und körperlichen Einsatz und Risiko. Eine Armbrust wäre vielleicht halbwegs vergleichbar, ist aber groß und sperrig und erfordert mehr Zeit zum Laden. Schusswaffen machen das Töten zum Kinderspiel.

    Wenn Glyphosat das einzige Herbizid wäre, und die Alternative mechanische Entfernung (womöglich von Hand) wäre, dann könnte man die Situation mit den Schusswaffen vergleichen, aber es gibt mit Sicherheit andere Stoffe, und ob die in irgendeiner Hinsicht weniger schädlich sind, sieht man spätestens dann, wenn sie massenhaft eingesetzt werden. Glyphosat für das Insektensterben verantwortlich zu machen, ist ein Strohmann für die eigentlichen Probleme, die gelöst werden müssten. Glyphosateinsatz wird eingeschränkt werden, aber ein generelles Herbizidverbot – kannst Du lange drauf warten.

    Ich kann mir auch kaum vorstellen, dass schmalen Streifen um die Felder herum die Insekten retten würden. Dazu bräuchte es sehr viel größere zusammenhängende Flächen. Die müsste man schaffen und als Naturschutzgebiete deklarieren. Die Schutzgebiete bei uns sind bisher so viel ich weiß im Wesentlichen Wälder und das Wattenmeer. Flussauen böten sich an, oder alte Tagebaue, die man mal nicht mit Wasser vollaufen lässt.

  11. #11 roel
    29. Juni 2018

    @Alderamin “Das Argument ist bei den Schusswaffen deshalb falsch, weil es neben Schusswaffen kein Tötungsinstrument gibt, dass es auf Entfernung so einfach macht, jemanden zu töten.”

    Ich denke, es ist richtig, denn die Argumentation geht ja weiter, ich habe es oben schon zitiert. Wenn die Schusswaffen verboten werden, werden halt andere Waffen eingesetzt. Messerattacke in London, wo es kaum Schusswaffen gibt. Kommentar von Trump: “Yes that’s right, they don’t have guns, they have knives.” Warum also Schusswaffen verbieten, es gibt ja Messer. Das Schusswaffen wesentlich effektiver sind, ist etwas anderes. Das effektivste Mittel zum Beseitigen unerwünschter Pflanzen ist zur Zeit Glyphosat. Darum wird es eingesetzt.

    Mir geht es im Moment gar nicht so sehr um Glyphosat, sondern um die Argumentation. Ähnliche Argumente findest du auch gegen Glyphosat, die sind genauso falsch.

    Wir stimmen, denke ich zu einem sehr hohen Prozentsatz überein, aber dieser Faktencheck vom SWR ist grottig.

    Und Glyphosat trägt natürlich nichts zur Lichtverschmutzung und den dadurch verursachten Problemen bei.

  12. #12 Alderamin
    29. Juni 2018

    Das Schusswaffen wesentlich effektiver sind, ist etwas anderes

    Nein, das ist wesentlich! Wenn Du beispielsweise nur Schusswaffen von einer bestimmten Firma verbieten würdest, würde man halt die von anderen Firmen kaufen. Halbautomatische Waffen zu verbieten, bringt hingegen etwas, weil dies es schwerer macht, viele Menschen zu töten. Es geht nur um die Effizienz, sonst nichts.

    Das effektivste Mittel zum Beseitigen unerwünschter Pflanzen ist zur Zeit Glyphosat. Darum wird es eingesetzt.

    Ich kenne mich da nicht aus, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass sich das Präparat nicht durch ein anderes, ähnliches ersetzen ließe. Das ist wie oben, Waffen eines bestimmten Herstellers zu verbieten. Bzw. eigentlich nur ein einziges Modell eines bestimmten Herstellers.

    Und Glyphosat trägt natürlich nichts zur Lichtverschmutzung und den dadurch verursachten Problemen bei.

    Eben.

  13. #13 Finanzer
    29. Juni 2018

    Soweit ich weiß reagieren zumindest einige Insekten (Mücken) nicht auf das Licht an sich, sondern auf die von den Lampen abgegebene Infrarotstrahlung. Wenn dies wirklich stimmt, wären LED-Lampen für einige Insekten sogar besser als klassische Glühlampen. Und nach meiner nicht-repräsentativen Privatstudie scheinen LED-Lampen tatsächlich weniger Insekten anzuziehen. (Die Studie besteht aus einem geöffnete Fenster zur Abmilderung der derzeit recht hohen Temperatur bei angeschalteter Schreibtischbeleuchtung und der subjektiven Auswertung der Anzahl der Insekten in meinem Zimmer)

  14. #14 Alderamin
    29. Juni 2018

    Mag sein, dass speziell Mücken(weibchen) auf IR fixiert sind – sie saugen ja Blut bei warmblütigen Säugetieren (die Männchen m.W.n. nicht). Nachtfalter reagieren aber zum Beispiel auf Licht. Inwieweit Insekten auf welches Licht reagieren, werden die Autoren der Arbeit viel besser wissen als ich, bin ja kein Biologe. Und sie sehen Lichtverschmutzung als wichtigen Faktor beim Insektensterben.

  15. #15 Rationalist
    29. Juni 2018

    Es gibt keine Insektenverknappung. Das ist eine Lüge.

    Glyphosat ist unschädlich. Alles andere ist eine Lüge.

    [Edit: beleidigenden, inhaltslosen Rest entfernt]

  16. #16 tomtoo
    29. Juni 2018

    @Alderamin
    Ich glaube es war keine gute Idee Glyphosat hier mit rein zu bringen.
    Lichtverschmutzung war das Thema, dabei sollte es auch bleiben.

  17. #17 tomtoo
    29. Juni 2018

    5 Millionen Budge, zeigt mir mit welcher Ernsthaftigkeit das Thema angegangen wird.

  18. #18 Rationalist
    29. Juni 2018

    Edit: beleidigenden, inhaltslosen Rest entfernt

    Inweifern? Bitte begründen. Ansonsten ist es eine unhaltbare Behauptung, sprich eine Lüge

    Sorry, dass ich nicht Ihrerr Meinung bin, aber mich deshalb als SOZIALEN ABZUSTEMPELN; IST ASOZIAL:

  19. #19 tomtoo
    29. Juni 2018

    @irrationalen
    Kannst du nicht anders oder willst du nicht anders?
    Bei ersterem hättest du mein Mitleid, bei zweiterem gäb’s zumindest von mir, die gelbe Karte.

  20. #20 Alderamin
    29. Juni 2018

    Inweifern? Bitte begründen.

    Weil ich diesen aggressiven Ton hier nicht mag.

    Ansonsten ist es eine unhaltbare Behauptung, sprich eine Lüge

    Wie wär’s, wenn Sie mal Belege für Ihre Behauptungen (die noch oben stehen) anführen, sonst wären das nach Ihrer Logik ja auch LÜGEN.

    Sorry, dass ich nicht Ihrerr Meinung bin, aber mich deshalb als SOZIALEN ABZUSTEMPELN; IST ASOZIAL:

    Über Ihre Person oder ihre Meinung habe ich noch gar nichts gesagt…

  21. #21 Frosch
    29. Juni 2018

    Unsere Sternwarte wurde weit weg von der Stadt gebaut. Leider ist die Stadt aber enorm gewachsen.
    Obwohl diese Sternwarte technisch viel besser ist, weichen wir auf eine kleinere Sternwarte aus ca. 15 km weiter draussen, weil dort das Licht von den Nachbar-Ortschaften viel geringer ist.
    Der Unterschied ist enorm.

    Nicht nur Insekten und (Hobby-)Astronomen haben Probleme durch das Licht: 30 Prozent der Wirbeltiere und 60 Prozent der wirbellosen Tiere sind nachtaktiv und können davon betroffen sein.

  22. #22 wereatheist
    29. Juni 2018

    @gedankenknick, #8:
    Glyphosat zur Zwangsreifung hat aber keinen großen Effekt auf die Insektenpopulationen, denke ich.

  23. #23 wereatheist
    29. Juni 2018

    LEDs mit gelb/orangem Licht (etwa bei der NaD-Linie 592nm) sind eigentlich leichter herzustellen als ‘weiße’ (die violett sind mit einem gelben Leuchtstoff).
    Dann ist die Straßenbeleuchtung halt nicht farbtreu. Braucht man ja auch nicht.

  24. #24 JW
    29. Juni 2018

    Licht: Bin ich völlig mit einverstanden.
    Glyphosat an alle: Bitte einmal im Baumarkt Eures Vertrauens in die Pflanzenschutzabteilung gehen. Dort steht groß auf den Packungen: Glyphosatfreies Totalherbizid! Es ist nicht der Wirkstoff, sondern die Art der Nutzung. Aber so hat dann jeder Käufer ein reines Gewissen und kann gleich die doppelte Dosis nehmen.

  25. #25 gedankenknick
    29. Juni 2018

    @wereatheist #22
    Glyphosat zur Zwangsreifung: Es bedeutet aber, ein Herbizid in großen Mengen auf ein Feld auszubringen, welches gar keine Herbizide benötigt. Und dann geht es in den Boden. Und bleibt erst mal da, denn in Wohlgefälligkeit wird es sich nicht auflösen. Wie @JW sagte: die Art der Nutzung

    Einfach am Rande: Ich habe per se nix gegen Glyphosat, so wie ich nix gegen Biogasanlagen per se habe. Aber wenn ein Maisfeld komplett gehäckselt in die Biogasanlage fliegt, welches vorher Pflanzenschutzmittel und Dünger bekommen hat, und nicht mal die Kolben werden separat verwertet, geht mir das unheimlich gegen den Strich.

  26. #26 wereatheist
    29. Juni 2018

    Es bedeutet aber, ein Herbizid in großen Mengen auf ein Feld auszubringen, welches gar keine Herbizide benötigt.

    Vermutlich (ich bin kein Experte) eher nicht so große Mengen. Es muss den Pflanzen ‘nur’ ein welk-Signal senden, so dass sie ihre Energie fortan nur auf die Samen-Rettung (a.k.a. Reife) konzentrieren.
    Glyphosat ist ein erstaunlich kleines Molekül, das für mich Dummbatz auch keine fiesen Abbauhemmnisse für Bodenbakterien o. Ä. eingebaut hat, das baut sich vermutlich recht schnell ab.
    Ich hab per se was gegen ‘Biogas’.

  27. #27 tomtoo
    30. Juni 2018

    @wereatheist #23
    Genau da ist das Problem, muss man die Nacht zum Tage machen?
    Oder reicht es zu sagen: Lass mal die Nacht, Nacht sein. Sehen bei Gelblicht sollte ausreichen. Brauche ich Farbechtheit in der Nacht? Übrigens doch eine ganz lustige Wendung zu einem ‘perfekten’ Herbizid.

  28. #28 wereatheist
    30. Juni 2018

    Gelbes oder oranges Licht hat auch den Vorteil, dass man dann in nicht so gut beleuchteten Ecken mehr sieht.
    Das könnte das Sicherheitsgefühl sogar verbessern (und gegen Angst ist schlecht zu argumentieren).

  29. #29 tomtoo
    30. Juni 2018

    @wereatheist
    Kann ich mir auch so denken, der Kontrast zwischen Nacht und Tagsehen würde vermindert. Da sollte es doch aber Untersuchungen geben ?

  30. #30 stone1
    30. Juni 2018

    Hab als Ergänzung ein ausführliches Wiki zum Themenfeld Lichtverschmutzung gefunden das viele Aspekte des Problemfelds beleuchtet.

  31. #31 Andreas
    30. Juni 2018

    Nur die Natriumniederdruckdampflampen zünden rot. Sie sind zudem noch energieeffizienter als die meisten LED. Angeblich will man aber das gelbe Licht nicht (Argument der Industrie?) und es ist existiert eben ein LED-Hype.

  32. #32 uwe hauptschueler
    1. Juli 2018

    Um Mücken umzubringen, habe ich mir mal einen “Blaulicht-Stechmücken-Stecker”, drei blaue LED, Gitterspannung 1000V, zugelegt. Leider zeigen gerade Stechmücken wenig bis kein Interesse für das Gerät.

  33. #33 leo
    einfach ins internet ausweichen !
    1. Juli 2018
  34. #34 Alderamin
    1. Juli 2018

    Die Hochdrucklampen zünden aber auch in einem rötlicheren Ton als im Dauerlicht. Über meinem Aquarium hatte ich früher Halogen-Metalldampflampen, das Weißlicht-Pendant der Na-HD-Lampen, die zündeten grün und wurden dann binnen einiger Sekunden gelb bis nach einer Minute schließlich blauweiß.

  35. #35 Alderamin
    1. Juli 2018

    Dafür fahren Wespen voll auf UV ab.

  36. #36 tomtoo
    1. Juli 2018

    Macht doch wenig Sinn sich über Vorzüge Gelber LED’s und Na Dampflampen zu unterhalten. Wenn vorher nicht ein Umdenken in denn Köpfen, weg von weißem Licht in den Köpfen stattfindet?

  37. #37 roel
    1. Juli 2018

    @Alderamin

    “Nein, das ist wesentlich! Wenn Du beispielsweise nur Schusswaffen von einer bestimmten Firma verbieten würdest, würde man halt die von anderen Firmen kaufen.”

    Aus deinem Link: “Trotzdem kann man aber schlecht dem Glyphosat die Schuld daran geben, denn Landwirte würden Unkraut sonst eben auf andere Art entfernen.”

    Also auf “andere Art”. Das ist auch genauso gemeint! Andere Art ist nicht ‘genauso, nur mit gleichen Mitteln einer anderen Firma’. Was auch Quatsch wäre, weil die Patente auf die Herstellung von Glyphosat 2000 abgelaufen sind.

    Zur Lichtverschmutzung siehe auch: http://scienceblogs.de/frischer-wind/tag/lichtverschmutzung/

  38. #38 Alderamin
    1. Juli 2018

    @roel

    Also auf “andere Art”. Das ist auch genauso gemeint!

    Vielleicht war das da so gemeint und die Argumentation in dem verlinkten Artikel ist schlecht, aber in der Praxis wird man bei Verbot eines bestimmten Herbizids ein anderes verwenden, solange Herbizide nicht komplett allesamt verboten werden, das ist doch völlig klar. Und damit ist das Unkraut immer noch weg und der Ersatzstoff wird vielleicht weniger effizient aber umso schädlicher sein.

    Übrigens habe ich gestern auf Fahrradtour viele Felder gesehen, an deren Seiten Wildblumenzonen angelegt waren. Vielleicht reichen ja auch entsprechende Aufklärung und ggf. finanzielle Anreize. Einzelne Unkräuter mitten im Getreidefeld bringen den Insekten ja auch nicht so viel wie eine zusammenhängende Fläche, und die muss man eben einrichten und nicht besprühen.

  39. […] Neulich hatte ich berichtet, dass einer Studie gemäß die Lichtverschmutzung ein wichtiger Faktor für das Insektensterben sein soll – und dass sie nicht nur ein von Hobbyastronomen aufgebauschtes Medienthema ist. Letzte Woche wurde ein weiterer Artikel zum Thema in den VDI-Nachrichten veröffentlicht, auf den ich gestern per Twitter aufmerksam wurde. […]