Wissenschaft? Esoterik? Ist doch wurscht… Das man in den “Wissenschafts”-Programmen der Privatsender heutzutage ja keine Wissenschaft mehr zu sehen bekommt sondern hauptsächlich Leute, die irgendwelches “XXL” Essen herstellen oder verdrücken bzw. Frauen beim Bikini oder Dessous-Test – daran hat man sich ja schon fast gewöhnt. Und ebenso gewöhnt hat man sich daran, dass die Zeitungen bzw. Zeitungsläden voll mit Esoterik sind.

Seit kurzem gibt es eine neue Esoterik-Zeitung am Markt: “Happinez” will den “Graben zwischen dem Geist und dem Herzen überbrücken” – und auch ansonsten dürfte das Heft genau die üblichen Esoterik-Klischees bedienen. Berichte über den Start des Heftes, das bei der Bauer Verlagsgruppe erscheint, findet man z.B. bei Meedia oder im Spiegel.

Das wäre ja jetzt auch noch nicht sonderlich bemerkenswert. Gibts halt ein weiteres seltsames Heft in der Bahnhofsbuchhandlung… Aber ein Satz hat mich dann doch aufhorchen lassen:

“Chefredakteur des aus Holland importierten Lizenz-Magazins ist Uwe Bokelmann, der gleichzeitig die Bauer-Hefte “TV Hören und Sehen”, “TV 14” und “Welt der Wunder” leitet.”

Ahja… Anscheinend ist es heutzutage in der Medienwelt kein Problem mehr, einerseits ein “Wissenschafts”-Magazin zu leiten und gleichzeitig auch ein Esoterik-Heft zu produzieren. Naja, dann braucht man sich ja auch nicht mehr zu wundern, warum man das Wort “Wissenschaft” bei “Welt der Wunder” nur noch unter Anführungszeichen verwenden kann – und auch solche Publikationen sind dann nicht weiter verwunderlich.

Ich schreibe zwar ein Blog – aber von der Medienwelt hab ich wenig Ahnung. Geht es da echt so zu wie in der Politik wo jeder, unabhängig von der fachlichen Qualifikation, Minister für alles mögliche werden kann? In meiner Naivität bin ich bis jetzt davon ausgegangen, dass man wenigstens als Chefredakteur zumindest ein kleines bisschen qualifiziert für das Themengebiet der Zeitschrift sein muss, die man herausgibt. Aber wenn man gleichzeitig ein Esoterik-Heft und ein “Wissenschafts”-Magazin herausgibt, dann scheint das wohl wirklich keine Rolle zu spielen…

Naja – immerhin bei der Fernsehsendung dürfen ab und zu auch noch vernünftige Menschen auftreten. Aber wer weiß, wie lange das noch der Fall ist. Ich kann mich jedenfalls nur Jenni Zylka vom Spiegel anschließen, die schreibt:

“Wir” anderen lesen dann doch lieber den “Skeptiker“.


Kommentare (36)

  1. #1 Lars Fischer
    11. Juni 2010

    Entschuldigung, aber “Welt der Wunder” ist weder ein Wissenschaftsmagazin noch ein “Wissenschafts”-Magazin, sondern schlicht und einfach Verarsche für Dumme. Ein Wissenschaftsmagazin sieht so aus. 😉

  2. #2 Florian Freistetter
    11. Juni 2010

    @Lars: Das du weißt, wie ein echtes Wissenschaftsmagazin aussieht, ist mir klar. Aber es geht darum, als was man sich verkauft. Klar, WdW ist genausowenig Wissenschaftsmagazin wie Dieter Broers ein Wissenschaftler 😉 Aber in der Zielgruppe wird sowohl das Heft als auch Broers als echte Wissenschaft aufgefasst… Und wenn man jetzt sieht, wie da die Chefposten vergeben werden, braucht man sich auch nicht weiter wundern.

  3. #3 Sören
    11. Juni 2010

    Gibt es für derlei Sendungen wie Welt der Wunder nicht die Bezechnung Wissensmagazin? Damit vermeidet man doch Vergleiche mit wirklichen WissenSCHAFTSmagazinen…

  4. #4 Alexander Stirn
    11. Juni 2010

    Wie kommst Du denn darauf, dass WdW ein “Wissenschaftsmagazin” sein will? Wenn überhaupt, dann bezeichnen die sich selbst als “Wissensmagazin” – und das ist deutlich mehr als nur ein sprachlicher Unterschied.

    Und nein, der Chef eines Wissensmagazins muss genauso wenig Wissenschaftler sein wie der Chef eine Sportzeitung Profisportler oder der Leiter einer Politredaktion Berufspolitiker sein muss. Er muss einfach ein guter Journalist sein (womit ich keine Aussage zu “Welt der Wunder” treffen will).

  5. #5 Bernd Harder
    11. Juni 2010

    @florian:
    << In meiner Naivität bin ich bis jetzt davon ausgegangen, dass man wenigstens als Chefredakteur zumindest ein kleines bisschen qualifiziert für das Themengebiet der Zeitschrift sein muss, die man herausgibt. << Nein.

  6. #6 Marcus Anhäuser
    11. Juni 2010

    Geht es da echt so zu wie in der Politik wo jeder, unabhängig von der fachlichen Qualifikation, Minister für alles mögliche werden kann?

    mitunter schon, weil bei solchen Positionen eher die “Blattmacherqualität” zählt.

    Bei der Apotheken-Umschau kommt einer der Chefs eigentlich aus der Reisejournalismus-Branche … stört auch keinen 😉

  7. #7 Florian Freistetter
    11. Juni 2010

    Ja, jetzt haut mich nicht alle gleich weil ich WdW als “Wissenschaftsmagazin” bezeichnet habe. Gibts da so ne klare verbindliche Definition und eine eindeutige Abgrenzung zu “Wissensmagazin”? Und sollte nicht auch in einem “Wissensmagazin” vernünftig über seriöses “Wissen” berichtet werden (das ja von der Wissenschaft produziert wird)? Und ok – selbst wenn man keine Ahnung von Wissenschaft zu haben braucht, um ein Wissens- oder Wissenschaftsmagazin herauszugeben (das man Wissenschaftler sein muss, hab ich ja nicht gesagt; der Vergleich mit Profisportler/Berufspolitiker ist daher ein wenig schiefe) – ist es dann nicht trotzdem seltsam, wenn man nebenbei noch eine Esoterikzeitung herausgibt?

    Ich wollte nur anmerken, dass es mMn widersprüchlich ist, sowohl für Esoterik als auch für Wissen/Wissenschaft (und die Trennung zwischen Wissenschaft/Wissen sehe ich in Heften wie PM, WdW, etc nicht wirklich so klar umgesetzt) zuständig zu sein. Das ist genauso absurd, wie der ORF, der die Wissenschafts mit der Religionsredaktion zusammenlegt.

    Wie gesagt – ich hab mit der Medienbranche nichts zu tun und keine Ahnung. Vielleicht ist es ja auch nicht seltsam. Mir kommts aber so vor…

  8. #8 gänseblümle
    11. Juni 2010

    Hmh,

    Hab grad echt Gefallen gefunden an Scienceblog.

    Also, dass gibt es doch schon länger…Gehst mal eben mit Olli Kahn ins Bett und schon hast du eine eigene Sendung im Fernseh.
    Kompetenz? Ach wat!! Toootale Sicherheit bei absoluter Ahnungslosigkeit. Das Gesicht, Selfmarketing und Beziehungen.
    Da fangen Menschen an uns zu quälen, weil sie nach ihrem BigBrother-Wahnsinn das singen anfangen müssen. Oder dürfen ein “Glücks-Gefühl”-Geschäft führen. HÄ???

    Raab und Bohlen haben es vorgemacht 😉 Aus allem Geld machen.

    Let me entertain you 😉 (und das auf niedrigsten Niveau, dass auch der letzte Depp die Quoten hoch treibt)

    mfg

  9. #9 Florian Freistetter
    11. Juni 2010

    @gänseblümle: “Gehst mal eben mit Olli Kahn ins Bett und schon hast du eine eigene Sendung im Fernseh.”

    Ok, so dringend will ich dann auch wieder keine eigene Sendung im TV haben 😉

  10. #10 Stefan
    11. Juni 2010

    Zur Abgrenzung und zum Wandel der Ressorts “Wissenschaft” und “Wissen”: siehe Wikipedia-Eintrag “Wissenschaftsjournalismus” sowie die dort zitierten Quellen aus Kommunikationswissenschaft und Journalistik:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaftsjournalismus

  11. #11 Florian Freistetter
    11. Juni 2010

    @Stefan: “Zur Abgrenzung und zum Wandel der Ressorts “Wissenschaft” und “Wissen”: siehe Wikipedia-Eintrag “Wissenschaftsjournalismus”

    Ok, dort findet sich z.B. sowas:

    Heute sind Wissenschaftsjournalisten vermehrt außerhalb des klassischen Ressorts im inhaltlich in der Regel weiter gefassten Bereich “Wissen” tätig.

    oder

    Seit 2001 ist das Format Wissen in den Vordergrund getreten. Wissensmagazine im Fernsehen etwa orientieren sich nicht primär an Forschungsergebnissen, sondern am Alltag der Zuschauer. Sie verpacken die Themen unterhaltend oder emotional und arbeiten den praktischen Nutzwert für die Zuschauer heraus.

    Nimmt man das als Kriterium, dann sieht man natürlich schon diese Unterschied auch z.B. bei WdW und Spektrum der Wissenschaft. Aber aus einer Alltagsorientierung der Berichterstattung folgt ja noch nicht, dass man als “Wissensredakteur” weniger Ahnung von Wissenschaft haben muss als als “Wissenschaftsredakteur”. Gleiches gilt für die “unterhaltsame Verpackung” der Themen (mach ich ja hier auch 😉 ). Ein Chefredakteur, der gleichzeitig ein Wissensmagazin und ein Esoterikheft herausbringt ist genauso ein Widerspruch wie einer, der gleichzeitig ein Wissenschaftsmagazin und ein Esoterikheft herausbringt. Das WdW nur ein Schundheft ist, ist hier mMn weniger eine Entschulding sondern mehr eine Folge dieser mangelnden Trennung…

  12. #12 Marcel
    11. Juni 2010

    Ich denke Marcus hat recht. Was zaehlt ist nicht die Journalistische Qualitaet, sondern der wirtschaftliche Erfolg des Produkts. Waehrend wir aus idealistischen Gruenden bloggen versuchen die Verlage in aller erster Linie Geld mit ihren Zeitschriften zu verdienen. Und dazu muss man nicht hinter den Heftinhalten stehen, man muss nur einen Sinn dafuer haben, was die Zielgruppe lesen will und wie die Anzeigenkunden ueberzeugt werden koennen. Und die Esoterikbranche ist ja ganz offensichtlich eine Geldmaschine. Besonders wenn man in dem Blatt auch gleich noch Kristalstaebe und so ein Zeugs verkaufen kann.

  13. #13 Tinschen
    11. Juni 2010

    Ab der 11. Klasse hab ich ein WdW Abo und habs als Schüler auch richtig gerne gelesen. Seitdem haben sich auch viele Themen zig mal wiederholt und dass auf jedem Cover mindestens ein “geheim” und ein “-code” – gerne auch in Kombination stehen muss, hängt einem mit der Zeit einfach zum Hals raus. Allerdings muss ich sagen, da ich ja seit 2 Jahren jetzt Bio studiere kann ich aber auch sagen, dass zumindest in dieser Richtung meist garnicht schlecht recherchiert wurde. Die Art und Weise wie es geschrieben ist, mag halt den ein oder anderen zum Ausdruck “Schundheft” treiben ok und manchmal gehts schon stark in Richtung Verschwörungstheorien und insbesondere, wie hier im Blog schonmal erwähnt, in Richtung 2012 Weltuntergang ^^.

    Worauf ich in diesem Kommentar eigentlich hinaus will: Die WdW mag einfach gestrickt sein und mit Wissenschaft oft wenig zu tun haben sondern manchmal eher mit Sensationsjournalismus. Aber ich glaube zum einen, den Wissenschaftsschuh möchte sich dieses Magazin (Zeitung+TV) auch garnicht anziehen. Zum Anderen “hört” man den (wenigstens ursprünglichen) Zweck des Magazins ja schon im Titel “Welt der Wunder”. Ich denke, die Zeitung will nicht unbedingt Wissen schaffen sondern viel mehr die Faszination am Wissen. Und sowas finde ich oft genauso wichtig. Ich finde es besser, wenn meine 10-jährige Schwester mal eine Stunde WdW liest (und sich vielleicht dann endlich mal für irgendwas wissenschaftliches interessiert und mich dann was dazu fragt), als wenn sie sich den ganzen Tag die Bravo reinzieht und mir, wenn ich zu Besuch komme, gleich z.B. mal mitteilt “Bio ist doof, warum studierst du das?”
    Die WdW spricht als Zielgruppe also vllt eben weniger uns fertige oder im Werden begriffene Wissenschaftler an, sondern viel mehr die, dies mal werden könnten (oder im Nachhinein gerne geworden wären ^^

  14. #14 Stefan Taube
    11. Juni 2010

    Ich denke der Unterschied zwischen “Wissen” und “Wissenschaft” im Sinne der Medien liegt einfach in den Quellen. Ein Wissenschaftsmagazin wie “Spektrum der Wissenschaft” benutzt die Wissenschaftler und ihre Arbeit selbst als Quelle, die da ja auch den Hauptteil der Autoren ausmachen. Wenn man solch einem Magazin als Chefredakteur vorstehen will, sollte man schon mit den Autoren gewissermaßen auf Augenhöhe sein. Bei einem Wissensmagazin gibt nicht die Wissenschaft das Thema vor, sondern journalistische Kriterien, vor allem der gesellschaftlichen Relevanz (Ölpest, Energieversorgung, Gentechnik, etc.). Daher nennt ja auch Die Zeit ihren Wissenschaftsteil einfach “Wissen”. Das ist ein Beispiel dafür, dass “Wissen” ohne “schaft” nicht gleich Schund sein muss. Wenn man solch ein Magazin macht, ist die Verankerung im Journalismus sicherlich viel wichtiger, als die eigene Kompetenz in Sachen Wissenschaft. Man sucht gute Journalisten als Autoren und nicht Wissenschaftler.
    Ich denke aber auch, dass eine gehörige Portion Schizophrenie oder Ahnungslosigkeit dazu gehört, wenn man gleichzeitig ein Esoterik und ein Wissensmagazin macht. Das mag zwar möglich sein, zeugt aber von einer gewissen Charakterlosigkeit.

  15. #15 Physiker
    11. Juni 2010

    Den Wandel über den Florian Freistetter berichtet, gibt es tatsächlich – hier eine Google-Suche zu “Welt der Wunder”+Wissen(schaft)smagazin:
    2000-2005: Wissensmagazin (140); Wissenschaftsmagazin (65)
    2005-2010: Wissensmagazin (27900); Wissenschaftsmagazin (470)

    Während zu Beginn also immerhin noch 31% der Internetnutzer WdW für ein Wissenschaftsmagazin hielten, sind es inzwischen nur noch mickerige 1,7%.
    Google ist toll.

  16. #16 Der Bo
    11. Juni 2010

    …zumindest muss man ihnen props für das wort “mindstyle magazine” geben…

  17. #17 nihil jie
    12. Juni 2010

    Ahja… Anscheinend ist es heutzutage in der Medienwelt kein Problem mehr, einerseits ein “Wissenschafts”-Magazin zu leiten und gleichzeitig auch ein Esoterik-Heft zu produzieren.

    bei solche formaten geht es doch eigentlich nur ums geschäft nicht um vermittlung von wertvollen und umfangreichen wissen. man sollte natürlich die bevölkerung nicht unterschätzen aber man solte die bevölkerung auch nicht überschätzen. der trend geht zu leichter bequemlicher kost… es muss einfach zu lesen sein, etwas spektakulär muss auch sein, und ein bisschen hockuspokus gehört auch da rein… leider sind das die attribute die viele verlangen.
    natürlich setelle ich mir dabei auch die frage… sind die inhalte dieser zeitschriften representativ für die nachfrage oder schaffen sich die verlage selber diese nachfrage ? tja.. schwer zu sagen.

  18. #18 anonym
    12. Juni 2010

    Zeit für einen neuen Blog-Beitrag? 😀 Denn das Ende der Dunklen Materie scheint gekommen. Wieso das Ende? Nun, laut Studie hat sie zwar auch vorher schon nicht existiert, aber Du sagtest ja bereits in einem anderen Artikel bzgl. Dunkler Materie:
    “Denn die ist ja da; wir messen ihre gravitativen Effekte – nur ihre Zusammensetzung kennen wir noch nicht.”

    Naja, das könnte jedenfalls spannend werden …
    Local-Group tests of dark-matter Concordance Cosmology: Towards a new paradigm for structure formation?
    P. Kroupa et al. Jun 2010. 25pp.
    e-Print: arXiv:1006.1647 [astro-ph.CO]

  19. #19 Florian Freistetter
    12. Juni 2010

    @anonym: Ja, ich hab die Story gelesen die grad wieder durch die Medien geistert. Die Astronomen aus Bonn sind MOND-Fans. MOND ist die Modifizierte Newtonsche Dynamik und sie ist die alternative Theorie um die Gravitationsabweichungen (die unzweifelhaft existieren) zu erklären. Das ist nichts neues für die Astronomie. MOND gibts schon seit Jahrzehnten (hab ich hier mal erklärt: http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2008/12/neptun-vulkan-und-die-dunkle-materie.php). Aber ganz so toll wie die Bonner tun ist MOND auch wieder nicht 😉 Die dunkle Materie ist mit dieser neuen Arbeit noch lange nicht vom Tisch.

  20. #20 koz
    12. Juni 2010

    @Florian Freistetter

    “Wie gesagt – ich hab mit der Medienbranche nichts zu tun und keine Ahnung. Vielleicht ist es ja auch nicht seltsam. Mir kommts aber so vor…”

    Doch doch, seltsam ist das schon. Also für Leute die ihr Hirn ab und zu mal benutzen zumindest. Da muss man auch nicht bei den Privaten kucken. Das Verhältnis zwischen Politik und “Unabhängigen Medien” (lol!) zum Beispiell:
    Diese Sache Ist vielleicht in Austria nicht so präsent gewesen, war hier aber eine Zeit lang ganz großes Thema:

    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,663847,00.html

    Humoristische Variante:

    http://www.fixmbr.de/neues-zdf-logo-gelaekt/

  21. #21 Senficon
    12. Juni 2010

    Ich wusste nicht, dass “Wunder” bei denen wörtlich gemeint war…

  22. #22 Marcel
    13. Juni 2010

    @Florian Freistetter & anonym: Lest ruhig das Paper, es geht uns darin nicht um MOND. Es ist eher klassische Wissenschaft: Wir testen die Hypothese (CDM) in der Lokalen Gruppe und stellen fest, dass die Vorhersagen auf kleinen Skalen in fünf Punkten nicht stimmen. Die Hypothese scheint also falsifiziert zu sein. Das ist der entscheidende Punkt.
    Als alternative Ansätze sprechen wir dann kurz MOND, MOG und f(r) Gravity an. Niemand behauptet, dass MOND die perfekte Alternative ist. Aber es könnte ein Weg in die richtige Richtung sein. Gerade darum sollte man in diese Richtung forschen und die Probleme mit der momentanen Standardtheorie ernst nehmen. Ich finde es schade, dass sonst offenbar kaum ein Astronom in Deutschland sich mit alternativen Gravitationsgesetzen beschäftigen mag.

  23. #23 Florian Freistetter
    13. Juni 2010

    @Marcel: “ie Hypothese scheint also falsifiziert zu sein. “

    Naja, die dunkle Materie ist so schnell nicht vom Tisch. Gewisse Modell bzw. gewisse Eigenschaften der DM passen vielleicht nicht mit den Beobachtungen zusammen. Aber deswegen muss man DM nicht gleich einpacken. Gibt ja noch z.B. die Messungen im Bullet-Cluster u.ä. die man meines Wissens nach ohne DM nicht erklären kann. Es ist ja auch durchaus möglich, dass MOND und DM richtig sind…

    “Ich finde es schade, dass sonst offenbar kaum ein Astronom in Deutschland sich mit alternativen Gravitationsgesetzen beschäftigen mag. “

    Ach komm – das wird weder unterdrückt, noch ist es ein “Pfui”-Thema oder so. Ist halt so wie bei Stringtheorie und Quantengravitation… Die Leute glauben halt anscheinend das sie mit DM eher ans Ziel kommen. Wenn es die Probleme tatsächlich gibt, dann werden sicher bald genug zur alternativen Gravitation wechseln.

  24. #24 Bjoern
    13. Juni 2010

    @Marcel und @Florian: Ethan Siegel schreibt auf seinem Blog auch über das Paper (wie üblich mit einer ellenlangen Einleitung 😉 ):
    http://scienceblogs.com/startswithabang/2010/06/your_theory_doesnt_do_everythi.php,
    und sagt im Wesentlichen dasselbe wie Florian hier.

  25. #25 Marcel
    13. Juni 2010

    @Florian: Ja, du hast recht, es gibt mögliche DM-Formen die mit MOND verträglich sind. Die momentan favorisierte kalte DM allerdings nicht. Warme benötigt MOND für die Erklärung von Galaxienclustern. Dabei könnte es sich evtl. um Neutrinos handeln.
    Gut dass du den Bullet-Cluster ansprichst: Er stellt derzeit offenbar auch eine Schwierigkeit für die LCDM Kosmologie dar (die kollidierenden Galaxienhaufen sind zu schnell: http://arxiv.org/abs/1003.0939). Der Bullet-Cluster lässt sich übrigens auch mit MOND erklären (http://arxiv.org/abs/astro-ph/0609125).
    Insgesamt stimmt es aber natürlich, dass die DM Forschung jetzt nicht abgebrochen werden soll. Wir sollten nur alle einen offenen Geist behalten. Und auf dem Feld wird sich sicherlich noch einiges tun und es wird noch viele spannende Erkenntnisse bringen. Darüber sollten wir uns freuen.
    Achso, und ich wollte sicherlich nicht unterstellen, dass diese Forschung unterdrückt wird. Nur dass ich mir wünschen würde, die verschiedenen Ansätze würden öfter direkt verglichen. Das könnte helfen, zu einer Lösung zu kommen was denn nun besser funktioniert. (Es ist aber leider tatsächlich schwieriger, Forschung dieser Art zu veröffentlichen.)

    @Bjoern: Ethan Siegel … ich denke er betreibt keine eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema. Er regt sich ja immer furchtbar über jede MOND-Veröffentlichung auf, als würde er persönlich angegriffen. Laut seiner Meinung ist MOND nicht nur falsch, sondern jede Beschäftigung damit bösartig (http://scienceblogs.com/startswithabang/2009/10/is_it_evil_to_sell_mond_over_d.php). Einem Wissenschaftlerkollegen aus der MOND-Community hat er unterstellt, er würde wissenschaftliche Beweise frisieren (http://scienceblogs.com/startswithabang/2009/10/dear_mond_time_for_a_new_song.php).

  26. #26 Ludmila
    13. Juni 2010

    @Marcel: Nana. Ich hab Ethan da aber ganz anders verstanden. Ich denke, er fühlte sich damals angepisst, weil der die MOND-Leute wie folgt verstanden hat: “Ha, WIR sind die besten und die DM Leute können einpacken.”

    Der Titel des Post heißt ja auch: “Is it evil to sell MOND over Dark Matter?” Ich sehe den Schwerpunkt klar auf der zweite Hälfte des Titels, den ich gefettet habe. Ethan pisst es an, dass er meint, dass jemand MOND als die bessere Alternative zur DM darstellt. Ich denke nicht, dass er sich aufregen würde, wenn MOND als Ergänzung vorgeschlagen würde. Und wenn Du der Ansicht bist, dass das niemand tut, dann kann es sich um ein schlichtes Missverständnis halten. Das kann halt passieren, wenn man mit Herzblut dabei ist und man meint, dass da Kollegen nicht ganz fair bei der Darstellung ihrer Ergebnisse sind. Das schaukelt sich dann auch gegenseitig hoch.

    Ist von außen auch schwer zu beurteilen.

    Ich verstehe allerdings auch, dass Ihr Euch unwohl in dieser Minderheiten-Rolle fühlt, in der Ihr Euch befindet. Natürlich gibt es derzeit eine große Skepsis gegenüber MOND in der Community. Diese ist tendenziell zunächst konservativ. Aber davon lebt unser Geschäft auch immer: Dieses Wechselspiel zwischen Konservativismus und neuen Visionen. Um die Spreu vom Weizen zu trennen. Ihr müsst beharrlich bleiben und mehr Belege anbringen. Wenn Ihr richtig liegt, wird es irgendwann einen Umschwung geben.

  27. #27 Bjoern
    13. Juni 2010

    @Marcel: Ich verstehe ja, dass dich Ethans Kommentare aufregen, da du dich selbst mit dieser Forschung beschäftigst – aber so, wie du’s hier darstellst, hat er es definitiv nicht geschrieben. Er hat *nicht* gesagt, dass “jede Beschäftigung damit bösartig” wäre, sondern:

    …it is evil to present MOND as though it is a viable alternative to dark matter.

    (den Ausspruch finde ich zwar auch überzogen, aber er sagt trotzdem etwas deutlich anderes aus als du behauptet hast!). Und in dem anderen von dir erwähnten Artikel finde ich auch weit und breit nirgends die Unterstellung, dass jemand Beweise “frisiert” hätte… Meinst du vielleicht das hier???

    Because someone (my guess is HongSheng Zhao, one of the authors of this paper who’s fond of press releases and modifying gravity) is pimping this piece of evidence like it tells us something.

    Abschließend:

    Der Bullet-Cluster lässt sich übrigens auch mit MOND erklären (http://arxiv.org/abs/astro-ph/0609125).

    Ich verstehe zu wenig vom Thema, um das Paper beurteilen zu können – aber eine naheliegende Frage wäre: funktioniert das nur beim Bullet-Cluster oder auch bei anderen bekannten Beispielen? Und: braucht man freie Parameter zum fitten? Wenn ja, wie viele?

  28. #28 Marcel
    13. Juni 2010

    Ethan schrieb in einem Kommentar: “I also disagree with your categorization of MOND as wrong but not evil.” Da er wohl kaum sagen will, dass MOND korrekt ist, schloss ich daraus, dass er MOND für böse hält. Womöglich war das nur unglücklich ausgedrückt, sein Text vermittelte mir aber eher eine tief sitzende Ablehnung von MOND. Und “evil” ist auch nicht wirklich ein im wissenschaftlichen Diskurs gebräuchliches Wort. Da moralische Urteile sich bloß auf menschliches Verhalten beziehen können, vermutete ich, dass er die Beschäftigung damit meinte. Ich gebe zu, damit bin ich zu weit gegangen.

    “… pimping this pice of evidence …” sieht mir nach “Beweise frisieren” aus, ja.

    Zum Bullet-Cluster: Das Lensing scheint mit MOND kein größeres Problem zu sein. Ich vermute, dass dies auch mit anderen Clustern funktioniert, habe aber keine Referenz dazu im Kopf. Man benötigt allerdings zusätzliche Masse (etwa soviel wie Sichtbare), z.B. heisse Neutrinos.
    Wenn man ganz ehrlich sein will muss man sagen: weder LCDM noch MOND können den Cluster momentan erklären. Nur gibt das kaum jemand gerne zu. 🙂

  29. #29 Bjoern
    13. Juni 2010

    @Marcel: Dass das Wort “evil” in dem Zusammenhang übertrieben ist, finde ich ja auch, da sind wir uns also einig.

    “… pimping this pice of evidence …” sieht mir nach “Beweise frisieren” aus, ja.

    Da fehlt mir ein wenig Englisch-Verständnis – ich hatte “pimping” als “darauf herumreiten” bzw. “die Bedeutung übertreiben” verstanden; hat IMO nix mit “Beweise frisieren” zu tun. Wie verstehst du es denn?

    Zum Bullet-Cluster: Das Lensing scheint mit MOND kein größeres Problem zu sein. Ich vermute, dass dies auch mit anderen Clustern funktioniert, habe aber keine Referenz dazu im Kopf. Man benötigt allerdings zusätzliche Masse (etwa soviel wie Sichtbare), z.B. heisse Neutrinos.

    Im Abstract des von dir verlinkten Papers heisst es, Neutrinos mit einer Masse von 2 eV wären nötig, und das KATRIN-Experiment könnte das noch 2009 entscheiden. Weisst du, ob sich da inzwischen was getan hat? (die Particle Data Group ist leider noch auf dem Stand von 2008)

    Wobei ich den Satz übrigens nicht ganz verstehe – KATRIN beschäftigt sich doch nur mit Elektron-Neutrinos, oder? Was ist denn mit den anderen Neutrino-Flavors – die (bzw. eigentlich die relevanten Massen-Eigenzustände) sollten doch höhere Massen haben?

    Wenn man ganz ehrlich sein will muss man sagen: weder LCDM noch MOND können den Cluster momentan erklären. Nur gibt das kaum jemand gerne zu. 🙂

    Das andere von dir verlinkte Paper zeigt in der Tat anscheinend ein großes Problem auf (zu hohe Geschwindigkeit). Ich bin gerne bereit, zuzugeben, dass da das LCDM wohl tatsächlich ein Problem hat… (meine Ansicht ist da aber wenig relevant, ich arbeite schließlich nicht auf dem Gebiet).

  30. #30 anonym
    14. Juni 2010

    @Florian: Danke für Deine Antwort.

    Besonderen Dank aber auch an Marcel, dass er sich hier direkt zu Wort meldet und man auch diese Sicht hören darf. 🙂

    @Bjoern: “to pimp” bedeutet im Regelfall “aufmotzen”, “aufpeppen”, in diesem Zusammenhang würde ich auch “Beweise frisieren” sagen …

    Und wo wir schon bei spannenden Paper (und der Nicht-Existenz von Dunkler Materie?) sind: Durham astronomers’ doubts about the ‘dark side’

  31. #31 Marcel
    14. Juni 2010

    “to pimp” uebersetzt dict.cc mit “aufmotzen”. Auf MTV gab es mal eine Sendung die “Pimp my ride” hiess, in der Autos frisiert bzw. aufgemotzt wurden …

    Wie der Status bei KATRIN ist weiss ich auch nicht, die Website bietet keine aktuellen Informationen. Dementsprechend kann da noch nichts bahnbrechendes passiert sein. In einem Paper habe ich aber letztens gelesen dass die Ergebnisse vielleicht erst 2015 erscheinen. Ich hoffe so lange muessen wir nicht warten.

  32. #32 Bjoern
    14. Juni 2010

    @Marcel: Danke! dict.cc kannte ich noch nicht, ich nehme immer dict.leo.org… (und das sagt zu “to pimp” nur “kuppeln”, hilft nicht weiter…). Trotzdem: “pimp the evidence” würde ich dann halt mit “die Bedeutung der Belege überbewerten” übersetzen – “Beweise frisieren” sehe ich dann immer noch nicht drin. Nur halt die Bedeutung übertreiben.

  33. #33 Ludmila
    15. Juni 2010

    @Marcel& Björn: Warum soll eigentlich das Wort “evil” im “wissenschaftlichen” Austausch nix zu suchen haben? Erstens ist der Artikel von Ethan ein Blog-Beitrag und zweitens: Wann zum Geier hab ich eigentlich ein Gesinnungs-Paper unterschrieben, das mir vorschreibt, welche Wörter ich als Wissenschaftler und nach dazu im *oh mein Gott* wissenschaftlichen Diskurs nicht zu verwenden habe?

    So etwas lehne ich grundlegend ab. Meiner Meinung nach kann es auch und tut es auch unter Wissenschaftlern knallen. Weil wir eben Menschen sind. Außerdem kommt es gerade in einem wissenschaftlichen Diskurs auf den Inhalt und nicht die genaue Wortwahl an. Wenn ich also höre “der Wissenschaftler xyz hat dieses böse böse pfui-Wort gesagt” krieg ich auf gut Deutsch die Krätze. Wenn ich also z.B. sage, dass ich die Thesen von xyz für gequirlte Hühnerkacke halte, weil (gute Argumente folgen), dann erwarte ich, dass man sich die Argumente auch mal ansieht und nicht seine Zeit damit verschwendet, sich darüber aufzuregen, dass ich in einem “wissenschaftlichen Diskurs” (TM) nicht “gequirlte Hühnerkacke” sagen darf.

  34. #34 Marcel
    15. Juni 2010

    @Ludmila: Ich habe nichts dagegen, wenn ein Wissenschaftler sagt, dass eine Theorie gequierlte Huehnerkacke ist. Ein deutlicherer Disput ist mir recht. Aber er muss doch auf sachlichen Argumenten beruhen und nicht in einem verbalen Schlagabtausch stecken bleiben. Also, lasst es knallen, verwendet mehr deutliche Worte. Ist mir recht.

    Aber: “evil” ist eine moralische Wertung. Und will als solche universellen Anspruch haben. Daraus ergeben sich mehrere Probleme:
    – Nach welcher Moral wird geurteilt? Gibt es eine universelle Moral ueberhaupt? Der Begriff ist so unklar definiert, dass man ihn wissenschaftlich fundiert kaum verwenden kann.
    – Ausserdem: Moralische Urteile basieren auf Ge- und Verboten. Wann habe ich die denn unterschrieben? Und warum, zum Teufen ;-), sollen die fuer mich gelten und mich einschraenken.
    – Mal ehrlich: Juckt es den Normalsterblichen ueberhaupt, ob man ueber MOND redet oder nicht? Kann man wirklich eine morlische Aussage bemuehen, wenn die Fragestellung der Menschheit egal ist? Das waehre doch eine Uebertreibung.
    – Die Wissenschaft will objektiv sein. Das muss nicht zwingend fuer die einzelnen Wissenschaftler gelten, auch wenn wir nach diesem Ideal streben. Aber die Wissenschaft als System versteht sich als objektiv. Daher machen solche moralischen Begriffe hier keinen Sinn. Ausser du schaffst es, objektiv hergeleitete Moralische Grundsaetze zu definieren. Aber das ist bislang offenbar noch niemandem gelungen. Somit kann ein einzelner Wissenschaftler gerne, auch aus subjektiven Gruenden, sauer auf einen anderen Sein, die Theorien duerfen aber nicht nach solchen persoenlichen Regungen beurteilt werden.

    Ja, natuerlich ist Ethans Text ein Blogbeitrag. Da kann man gerne mal polarisieren, dass macht diese Textform ja gerade interessant. Aber es geht um Wissenschaft, somit finde ich, dass das oben gesagte auch hier gilt.

  35. #35 Weirdo Wisp
    14. Juli 2010

    Natürlich darf man als Chefredakteur eines “Wissenschaftsmagazins” auch ein “Unwissenschaftsmagazin” betreiben. Du schreibst hier doch auch über Astronomie und Homöopathie! :))

  36. #36 Ludmila
    14. Juli 2010

    @Marcel: Nochmals:
    Ethan hat nicht geschrieben “is MOND evil?”.
    Er hat geschrieben “is it evil to sell MOND over Dark Matter?”

    Er regt sich nicht über den wissenschaftlichen Disput an sich auf, sondern wie der der Öffentlichkeit verkauft wurde. Klar, jeder stellt sich selbst als größten und tollsten dar. Aber es gibt Grenzen.

    Mal ein anderes Thema aus meinem Bereich, wo es mich auch juckte “evil NASA-PR” zu schreiben.

    Ich hab mich letztens darüber aufgeregt, dass die Kollegen und in gewissen Maße auch meine Konkurrenten von Kepler vor ein paar Wochen behauptet haben, sie hätten über 400 potentielle Planeten entdeckt.

    Da hat es mich auch in den Fingern gejuckt, zu schreiben, was diese gequirlte Kacke eigentlich soll. Planetenkandidaten haben wir nämlich auch zu hunderten hier rumfliegen, verkaufen die aber nicht als potentielle Planeten, weil wir ganz genau wissen, dass die Mehrheit davon wahrscheinlich keine Planeten sind. In nem Nebensatz haben die auch irgendwann erwähnt, dass die nur von Kandidaten reden und einige davon keine Planeten sein werden.

    Aber ich finde schon, dass dieses Verhalten an arglistiger Täuschung der Öffentlichkeit grenzt. Nur gute Wissenschaftsjournalisten schaffen es zwischen den Zeilen zu lesen. Der Rest springt auf den Satz auf “Über 450 neue Planeten. WOW! Sind die Kepler-Leute toll. Whooo!”

    Da fühlte ich mich ehrlich gesagt auch ganz schön von der NASA-PR verarscht. Ich hab dann meine Kritik dann etwas runterskaliert.
    http://www.scienceblogs.de/planeten/2010/06/was-macht-kepler-da-gerade.php
    Aber ich war schon ziemlich sauer. Und ich weiß, dass es im Hintergrund meinen CoRoT-Kollegen nicht anders geht.

    Interessanterweise ist ein NASA-Youtube-Video, das nun wirklich die Bedeutung dieser Kandidaten überstrapazierte über Nacht verschwunden. Ich nehme stark an, dass es auch intern bei den Kepler-Leuten gekracht hat und das da jemand klargestellt hat, dass man SO seine Ergebnisse nicht verkauft.

    Siehst Du? Sowas kommt vor, wenn man seine Ergebnisse vermarkten will. Und PR ist eben nicht wissenschaftlicher Disput. In letzterem sind die sachlichen Argumente vorrangig, auch wenn die emotional vorgetragen werden. In der PR dagegen sind Emotionen alles. Die Sache wird damit an den Mann gebracht.

    Und genau an dem Punkt scheint bei MOND und eben bei Kepler etwas passiert zu sein, was nicht passieren sollte. Man hat es ein wenig übertrieben. Und darüber kann man sich auch wirklich aufregen. Und ja, man kann etwas, was man als Täuschung der Öffentlichkeit sieht, durchaus als moralisch verwerflich ansehen und es richtig darstellen. Und wenn man moralisch verwerflich = evil setzt, dann ist das sicherlich sehr stark, aber ich finde durchaus zulässig.

    Ethan hat dann MOND und LCDM gegeneinander gestellt. Ihr schneidet da zwar nicht so gut ab, aber weder verschweigt er, wo Ihr im Gegensatz zur LCDM besser seid, noch behauptet er, dass Ihr nicht wissenschaftlich arbeitet. So sieht das jedenfalls für mich von außen aus.