Auf den Vortrag “Wissenschaftskommunikation für Kinder” von Pia Schreiber (Hochschule Bremen) den ich gestern im Rahmen des Forum Wissenschaftskommunikation gehört habe, habe ich mich im Vorfeld richtig gefreut. Denn ich selbst habe mich ja auch schön des öfteren damit beschäftigt, wie man Kinder und Wissenschaft zusammenbringt. Als der Vortrag dann aber vorbei war, war ich ziemlich enttäuscht…


Abgesehen vom Aufbau des vortrags selbst (der viel zu lang war und an den falschen Stellen viel zu detailliert) waren es vor allem die Thesen von Pia Schreiber, denen ich nicht wirklich zustimmen konnte. Sie hat sich mit Kinderuniversitäten beschäftigt. Die gibt es ja in immer mehr Städten und immer mehr Kinder nehmen daran teil. Frau Schreiber meint aber, dass das was dort passiert eher kontraproduktiv ist und dass das Konzept der Kinderuniversitäten geändert werden müsste.

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Kinder und Wissenschaft: funktioniert super!

Der Akku meines Laptops war gestern leider leer und ich hatte nichts zu schreiben dabei; also muss ich aus dem Gedächtnis zitieren. Aber Schreibers hauptsächliche These war, dass Kinderuniversitäten in der aktuellen Form nicht geeignet sind, den Kindern nachhaltig wissenschaftliche Informationen zu vermitteln. Das liegt daran, dass die Vortragenden auf diesen Veranstaltungen ihre Präsentationen meistens “aus dem Bauch heraus” erstellen und sich dabei nicht an pädagogische Richtlinien und pädagogische Forschungsergebnisse halten. Um das zu ändern sollten die Kinderunis in Zukunft von den pädagogischen Instituten der Universitäten organisiert werden.

Ok. Natürlich schadet es nicht, wenn jemand bei der Vorbereitung eines Vortrags/einer Veranstaltung für Kinder sich auch mit Pädagogik beschäftigt – das ist logisch. Aber man muss sich erstmal klar werden, was der Zweck so einer Kinderuni ist. Sollen den Kindern dort wirklich nachhaltig wissenschaftliche Informationen beigebracht werden? Ich denke – und das haben auch einige Leute nach dem Vortrag angemerkt – dass dies Aufgabe der Schulen ist. Das ist der Ort an dem Kinder und Jugendliche das nötige Wissen möglichst dauerhaft beigebracht bekommen sollen – und dort befinden sich (zumindest idealerweise) auch pädagogisch geschulte Lehrerinnen und Lehrer die wissen wie man das macht. Natürlich wäre es toll, wenn auch eine Kinderuni auf diese Art Wissen vermitteln könnte. Aber da verlangt man meiner Meinung nach zuviel. Die Veranstaltungen an Kinderunis sind meistens singuläre Ereignisse: man hört sich einen Vortrag an; experimentiert einmal im Labor oder macht eine Exkursion – und dann wars das bis zum nächsten Jahr. Das es hier – ohne sämtliche Geschütze der pädagogischen Forschung – extrem schwer ist, sinnvolles Wissen dauerhaft zu vermitteln ist nicht überraschend. Aber ich denke das müssen Kinderunis auch gar nicht.

Wer schonmal eine wissenschaftliche Veranstaltung mit Kindern durchgeführt oder mitgemacht hat der wird – vorausgesetzt die Leute dort waren keine völligen Nieten – gesehen haben, wie sehr die Kinder Spaß haben, wenn sie ein wenig experimentieren können oder wenn man ihnen spannende Geschichten aus der Wissenschaft erzählt. Kinder die Kinderuniversitäten besuchen amüsieren sich dort im Allgemeinen äußerst gut. Und das sollte man nicht unterschätzen! Klar, es wäre toll, wenn sich die Kinder amüsieren und dabei gleichzeitig auf pädagogisch ideale Art und Weise nachhaltig Wissen vermittelt bekommen. Aber wie es Ortwin Renn in seinem Plenarvortrag beim Forum gesagt hat: die “eierlegende Wollmichsau gibt es nicht”. Man muss sich entscheiden was man will. Will man nachhaltig Wissen vermitteln? Oder die Kinder einfach “nur” begeistern? Letzters können die Kinderunis sehr gut. Und ich wiederhole es sicherheitshalber nochmal: das sollte man nicht unterschätzen!

Wenn ein Kind eine Universität besucht und dort einen Tag lang jede Menge Spaß und spannende Unterhaltung findet dann kann es gut sein, dass es die diversen wissenschaftlichen Erklärungen eine Woche später schon wieder völlig vergessen hat. Aber das Kind wird sich daran erinnern, dass eine Universität ein spannender Ort ist! Das Kind wird sich daran erinnern, das Wissenschaft Spaß gemacht hat! Das Kind wird vielleicht deswegen auch in Zukunft Kinderunis oder wissenschafliche Veranstaltungen besuchen und vielleicht später selbst eine wissenschaftliche Karriere einschlagen. Es wird – auch ganz ohne das es sich wissenschaftliche Erklärungen dauerhaft gemerkt hat – eine positive Einstellung zur Wissenschaft entwicklen. Und das ist ein Ergebnis für das sich Kinderuniversitäten nicht zu schämen brauchen!


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Kommentare (25)

  1. #1 MartinB
    1. Dezember 2010

    Also ich wurde bei meiner Kinderuni intensiv von unserer Pressestelle betreut und mit Ideen versorgt, wie man das pädagogisch so aufbereitet, dass die Kinder Spaß haben. (Und den hatten sie…)

    Und wenn ich mich recht erinnere haben die Erfinder des Konzeptes (in Tübingen, glaube ich) es explizit als “Rollenspiel” konzipiert, bei dem Kinder ihre Scheu vor Unis verlieren sollen – das bisschen Stoff, das man in 45 Minuten vermitteln kann, ist ja eher dürftig. Insofern stimme ich dir voll zu: Die Kritik geht am Ziel von Kinderunis wahrscheinlich vorbei. (Viel kritischer finde ich die Frage, wie man gerade die Kinder zu einer Kinderuni hinbekommt, die nicht über Familie o.ä. schon sowieso Kontakt zur Uni haben.)

  2. #2 cydonia
    1. Dezember 2010

    Hm…nicht so einfach darauf einzugehen.
    Ich gebe Pia Schreiber teilweise recht, aus Erfahrung. Ich habe selbst schon Vorträge gesehen, die zwar sehr lustig und/oder sehr spektakulär waren, ich bezweifle aber, dass eine solche Bespaßung mehr bringt als ein Zirkusbesuch.
    Es hängt aber in diesen Fällen sehr vom Vortragenden ab, was wirklich bei den Kindern ankommt. Jetzt auf perfekten pädagogischen Konzepten rumzureiten, halte ich allerdings auch nicht für sinnvoll, weil auch das keine Garantie für einen qualitativ hochwertigen Vortrag ist.
    Ein Beispiel aus einem Bereich, in dem ich selber aktiv bin. In der Umweltpädagogik ist es in den letzten Jahren üblich geworden, mit den Kindern und Jugendlichen pädagogisch wertvolle Spielchen zu betreiben. Ich halte das für den absolut falschen Weg, selbst wenn der “pädagogisch wertvoll”-Stempel auf einem solchen Konzept prangt.
    Wenn ich mit den Kindern beispielsweise im Wald bin, muss ich das Vertrauen haben, dass der Wald, und das was wir dort gemeinsam entdecken und verstehen können interessant genug ist, um die Kinder bei der Stange zu halten, ohne dass ich das Ganze permanent mit Spielchen überzuckern muss. Und die Kinder, wenn sie erstmal begriffen haben, wie spannend es ist, zu lernen, wie man Zusammenhänge verstehen kann, sind meistens fasziniert und wollen gar nicht mehr weg.
    Ich denke Florian, das kann man übertragen, auch auf Konzepte wie die Kinderuni.
    Nicht zuviel Brimborium, sondern echtes Wissen, wozu auch spannend erzählte Geschichten aus der Wissenschaft gehören(die können wichtiger sein als alles andere). Ein kompetenter Vermittler ist das Allerwichtigste, und wenn er sich dann auch noch mit Pädagogik beschäftigt, ist das sicher sinnvoll, aber es ist nicht alles.
    Kinder müssen die Begeisterung spüren, mit der man bei der Sache ist, dann lassen sie sich anstecken und in die Welt des Wissens und Verstehens hineinziehen. Und dann wollen sie auch immer wieder hin. Ging mir früher genauso.
    Also: Kinderuni ja, pädagogische Kenntnisse sind nützlich, zuviel Brimborium verstellt eventuell den Weg zum echten Wissen und der kompetente Vermittler und Begeisterer ist entscheidend. Ein einheitliches Konzept hingegen kann aus meiner Sicht den unterschiedlichen Vermittlerpersönlichkeiten und den unterschiedlichen Wissensgebieten nicht gerecht werden.
    Wer gut ist erreicht die Kinder auch.

  3. #3 cydonia
    1. Dezember 2010

    @MartinB
    Gute und wichtige Bemerkung. Wenn ich zur Kinderuni gehe, kenne ich fast alle Eltern, und das kanns irgendwie nicht sein. Also sollten die Schulklassen hin, als Ganzes, und nicht nur einmal, wenn die Vorträge gut sind!

  4. #4 Kuchlbacher Rudolf
    1. Dezember 2010

    Ich kann dir Florian (und anderen) nur zustimmen. Ich bin bereits seit einigen Jahren immer wieder Referent bei ähnlichen Veranstaltungen und habe mir im vorhinein eigentlich “nur” überlegt, was man wie (und zu welchen Themenbereichen) besonders gut und mit schönen Experimenten bringen kann. Die pädagogische Komponente war (und ist) dabei für mich eigentlich immer zweitrangig gewesen – und die Erfahrung hat mir gezeigt, dass “nachhaltiges” Wissen ohnehin stark an Freude und Interesse an der Sache selbst gekoppelt ist.
    Teilweise bringen Kinder auch schon (eben durch ihr Interesse an Natur(wissenschaft)) schon einen enormen Wissensstand mit, sodass man sich an didaktisch gut durchgestylte Konzepte eh nur schwer halten kann…

    Meine Prämisse lautet hier ganz klar erstmal Interesse zu wecken (das ist aber bei den teilnehmenden Kindern meistens ohnehin vorhanden), und jeder Art von Fragestellung von Seiten der Kinder nachzugehen und sie wenn möglich Lösungsstrategien entwerfen lassen, bzw. Experimente durchführen lassen. Wovon ich persönlich eher weniger halte, ist besonders komplexe oder komplizierte Sachverhalte als perfekte “Show” vorzuführen… davon profitieren Kinder meiner Meinung nach am allerwenigsten.

  5. #5 Chris
    1. Dezember 2010

    Das vorrangige Ziel sollte sein, dass die Kinder Spaß haben. Sobald einmal Wissenschaft=Langweilig verankert ist, sind weitere Bemühungen zwecklos. Die ganzen MINT-Initiativen versuchen das wieder auszugleichen, was die Schule verbrochen hat. Hier sollten die Lehrer geschult werden, ihren Untericht spannend und alltagsbezogen zu gestalten. Bei den aktuellen Curriculae sicherlich schwierig.

    “Bildungsferne” Kinder zu erreichen ist vermutlich ein wesentliches Problem für alle.

  6. #6 Henning
    1. Dezember 2010

    “Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.” (A. de Saint-Exupéry)

    Ich meine der Sinn von Kinderunis sollte es sein, diese Sehnsucht zu wecken – und nicht etwa schon erste Kenntnisse zu vermitteln. Dies wäre nur ein angenehmer Nebeneffekt… Ich kann also Florian nur zustimmen.

  7. #7 cydonia
    1. Dezember 2010

    @Chris
    Das mit dem “Spaß haben” ist ein recht zweischneidiges Schwert, wie ich schon andeutete. Wieso ist die Überzeugung, dass Verstehen und Wissen erwerben keinen Spaß macht, eigentlich so weit verbreitet?
    Wir sind Lebewesen, denen das “Lernen wollen” angeboren ist. Man quält die Kinder nicht, Henning, wenn man ihnen erste Kenntnisse vermittelt: Viele gieren regelrecht danach.

  8. #8 Florian Freistetter
    1. Dezember 2010

    @cydonia: “Ich habe selbst schon Vorträge gesehen, die zwar sehr lustig und/oder sehr spektakulär waren, ich bezweifle aber, dass eine solche Bespaßung mehr bringt als ein Zirkusbesuch.”

    Ein Zirkusbesuch “bringt” den Kindern die Erkenntnis, das Zirkus cool ist und Spaß macht. Jonglieren oder Seiltanzen können sie danach aber nicht. Und genauso “bringt” ein Kinderuni die Erkenntnis, das Wissenschaft cool ist und Spaß macht. Das ist doch nicht tragisch…

    “Das mit dem “Spaß haben” ist ein recht zweischneidiges Schwert, wie ich schon andeutete. Wieso ist die Überzeugung, dass Verstehen und Wissen erwerben keinen Spaß macht, eigentlich so weit verbreitet?”

    Muss ja nicht so sein, das behauptet ja niemand. Ich sage nur, dass sich Kinderunis nicht grämen brauchen, wenn die Kinder nicht als Wissenschaftler und mit tiefen Verständnis der Materie die Uni verlassen. Das sollte gar nicht ihre Aufgabe sein…

  9. #9 Andreas P.
    1. Dezember 2010

    Ich weiss jetzt nicht was genau eine Kinderuni ist, sowas gabs bei uns damals nicht :-).
    Was es aber gab war ein flächendeckendes system der förderung naturwissenschaftlich
    begabter kinder und jugendlicher, da gab es sog. mathe- und physikolympiaden wo die kids
    im prinzip eine kleine Klausur geschrieben haben und damit dann auf schul-, stadt- und kreisebene
    (bis ganz rauf zur republikweiten endrunde) gegeneinander angetreten sind. Das ging schon recht
    früh los, so ab 5. klasse AFAIR.
    Begleitet wurde das ganze durch sogenannte “spezialistenlager” (keine ahnung mehr wie die offiziell
    hießen), da wurde man für zwei oder drei wochen (in den Ferien) in ein wohnheim oder eine
    schule einquartiert, und da gabs dann entsprechendes Programm mit Vorlesungen an der Uni,
    Praktikas mit interessanten Versuchen, alle möglichen Exkursionen, ich kann mich noch an Führungen
    durch’s Phyletische und das Optische Museum, erinnern, an Vorträge im Planetarium, bei Schott & Genossen
    (heute JenaerGlas) waren wir mal in der Mundbläserei (was mich damals schwer beeindruckt hat) ..
    kurz: ich habe diese Lager GELIEBT.
    Wer an diesen ganzen Sachen Spass hatte und sich als überdurchschnittlich begabt rausstellte kam in der
    Regel an eine “Spezialschule” mit spezieller Ausrichtung auf naturwissenschaftliche Fächer, höhere
    Stundenzahl, kleinen Klassen, überdurchschnittlicher Ausrüstung und natürlich entsprechenden Lehrern.
    Ich weiss nicht ob das überall so war aber an der in Jena war es durchaus üblich das zum Teil Dozenten
    und Professoren von der Uni den Unterricht bestritten

    Die Olympiaden sind wohl eine der wenigen Sachen die die Wiedervereinigung überlebt haben,
    der ganze Rest wohl leider nicht. (ich weiss es aber nicht hundertprozentig)

  10. #10 Andreas P.
    1. Dezember 2010

    oh, sorry für die formatierung, an zeilenumbrüche hab ich jetzt nicht gedacht.

    @Florian also ne Editierfunktion wäre schon nicht schlecht

  11. #11 Chris
    1. Dezember 2010

    @Andreas P
    Hm, versteh ich Dich richtig, dass Du eine Zwei-Klassen-Erziehung bevorzugst? Nur, wer schon im Kindergarten das Wort Desoxyribonucleinsäure richtig buchstabieren kann, darf auf das MINT-Gymnasium und bekommt das Ingenieurstudium bezahlt?

    Ich hab da so meine Zweifel

  12. #12 Andreas P.
    1. Dezember 2010

    @Chris
    Nein, da hast du mich falsch verstanden, zumindest würde ich das anders formulieren: ich erachte es als erstrebenswert, das Kinder individuell nach ihren Interessen und Fähigkeiten gefördertert werden, soweit das möglich ist.
    Das dazu ein Bildungssystem gehört, das explizit Kinder aus “bildungsfernen Schichten” (grausige Wortschöpfung) gefördert werden, wie es in der DDR ansatzweise geschah, ist klar.
    Die Fragestellung weiter oben war doch: wie wecke ich bei den Kindern naturwissenschaftliches Interesse .. und ich bin der Meinung das die Vorgehensweise damals duchaus auch den Effekt hatte.

  13. #13 Khorne
    1. Dezember 2010

    Hallo,

    Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass es nicht unbedingt das Wissen selbst sein muss, sondern einfach auch die Art der Erfahrung dieses Wissens sein kann, was einen jungen Menschen zur Begeisterung an Wissenschaft verleitet.
    Bei mir sah es so aus, dass ich nach der vierten Klasse an einer Einführungsveranstaltung meines Gymnasiums in spe teilgenommen hatte. Dort wurden wir in Gruppen aufgeteilt und man hat uns in den Chemieräumen der Schule ein paar Experimente vorgeführt. Ich erinnere mich noch an Bromthymolblau bei verschiedenen pH-Werten. Bei der Vorstellung ging es schlicht um den Effekt und es wurde auch nicht wirklich erklärt was da in dem becherglas passierte, aber für mich war klar, dass ich auf dieses Gymnasium gehen werde, um dann irgendwann mal zu wissen, warum das komische Wasser da die Farben wechseln kann 😉
    Der Kreis schloss sich dann als unser Chemie LK im 13. Jahrgang den neuen Schülern eben solche Experimente vorführte und wir die Begeisterung der Kinder erleben konnten, die sich wohl kaum von unserer damals unterschied.
    Biologie und Chemie (auf das Fach hatte ich von der fünften Klasse an tapfer bis zur neunten warten müssen) war für mich immer etwas spannendes und hat mich selbst dann begeistert, wenn man mich einer furchtbaren Lehrkraft aussetzte.

    Von daher denke ich auch, dass es bei Kinderunis und ähnlichen Veranstaltungen vorrangig darum geht und auch gehen sollte, dass die Kinder merken “Wissenschaft ist toll” und dadurch vielleicht ein eigenes Interesse daran entwickeln. Wie schon gesagt wurde ist die Menge des Wissens, dass man in diesem kurzen Zeitrahmen vermitteln kann gering und je nachdem, um welche Art von Wissen es sich genau handelt, mag es auch sein, das Jahre vergehen ehe die Kinder damit noch einmal zu tun haben werden. Wer kann da also verlangen, dass man bei so einer Veranstaltung nachhaltig Wissen vermitteln soll?

    Im Übrigen recht vielen Dank für diesen Beitrag, Florian. Es ist gut, wenn man sich mal wieder klar darüber wird, warum man eigentlich mit dem Studium angefangen hat. Da geht die Seminararbeit auch wieder etwas leichter von der Hand 😛

    LG

  14. #14 Pete
    1. Dezember 2010

    @Henning,
    Das Zitat finde ich in dem Zusammenhang prima.
    Fuer mich hat Kinderuni nur einen Zweck: Neugierig machen.
    Wenn das gelingt, ist schon viel gewonnen.

    Pete

  15. #15 cydonia
    1. Dezember 2010

    Naja, Florian, du kannst dir meinetwegen gerne die Clownsnase anpappen und den lustigen Astronomen spielen. Ich habe einen anderen Anspruch. Ich kann das mit dem”Es muss aber Spaß machen” echt nicht mehr hören.
    Es macht den Kindern besonders viel Spaß, und sie sind echt zufrieden, wenn sie was begreifen, und nicht nur mit Ahs und OhS staunend zusehen, kruzitürken! 🙂
    Also, nimm den post jetzt nicht zu ernst, aber ich denke schon, dass ich meinen Punkt weiter oben klargemacht hatte, und auch warum ich die Spaßpädagogik nicht für der Weisheit letzten Schluss halte. So weit scheinen mir die Positionen auch nicht auseinanderzuliegen.

  16. #16 Florian Freistetter
    1. Dezember 2010

    @cydonia: “Naja, Florian, du kannst dir meinetwegen gerne die Clownsnase anpappen und den lustigen Astronomen spielen. Ich habe einen anderen Anspruch.”

    Ach komm, das ist jetzt aber nicht nötig, oder? Hab ich meinen Artikel so unverständlich geschrieben?

    “Ich kann das mit dem”Es muss aber Spaß machen” echt nicht mehr hören. “

    Dann is es ja gut dass das niemand hier gesagt hat. Was ich sagte war: Eine Kinderuni macht den Kindern Spaß. Und das ist gut so. Eine Kinderuni führt nicht immer dazu, dass die Kinder dauerhaft was lernen. Und das ist nicht schlimm. Das heisst aber nicht (ich sage es lieber nochmal extra sonst kommst du wieder mit der “Spaßpädagogik und dem mangelnden Anspruch an) dass Kinder nicht auch Dinge begreifen sollen. Man muss sich eben nur darüber klar werden, welche Ansprüche man an welche Veranstaltungen stellt.

    Ich finde es sehr gut, dass es Veranstaltungen gibt, die die Kinder für die Wissenschaft begeistern können. Und die Veranstalter müssen sich nicht dafür entschuldigen, wenn die Kinder dabei Spaß haben. Wenn es dein Anspruch ist, dass die Kinder nach dem was du getan hast unbedingt dauerhaft was gelernt haben müssen, dann ist das ja ok. Aber deswegen muss das nicht gleich für den Rest der Welt auch gelten. Es gibt verschiedensten Möglichkeiten Kinder mit Wissenschaft in Kontakt zu bringen.

    Und ernsthaft wenn du ernsthaft meinst, dass diese Veranstaltungen nur darin bestehen sich ne “Clownsnase anzupappen” und “lustig” zu sein, dann sehe ich nicht mehr wirklich nen Sinn, das weiter zu diskutieren.

  17. #17 cydonia
    1. Dezember 2010

    Wie gesagt, ich war der Meinung es weiter oben differenziert genug dargestellt zu haben, fand mich dann aber auf zwei Aussagen reduziert, was ich nicht so sehr schätzte.
    Ansonsten ist es klar, wie ich auch extra betonte, dass aus meiner Sicht jeder seinen eigenen Stil pflegen sollte, weil das wahrscheinlich am meisten bringt, und dass pädagogische Überfrachtung vermieden werden sollte. Das wars auch schon mehr oder weniger.

  18. #18 MartinB
    1. Dezember 2010

    Wobei ich (auch ohne Clownsnase) schon denke, dass es auch interessant für die Kinder ist, dass Wissenschaftler ganz normale Leute sind, nicht alle sind alte Männer mit Halbglatze und Brille, sondern die sind genauso unterschiedlich wie alle anderen auch.
    Und sie lieben ihr Thema und bringen hoffentlich begeisterung rüber.
    Diesen Lerneffekt (Rollenmuster) sollte man auch nicht unterschätzen.

  19. #19 Florian Freistetter
    1. Dezember 2010

    @cydonia: “. Ansonsten ist es klar, wie ich auch extra betonte, dass aus meiner Sicht jeder seinen eigenen Stil pflegen sollte, weil das wahrscheinlich am meisten bringt, “

    Nein, es geht nicht um den “eigenen Stil” – es geht nicht um “Florian der Spaßastronom mit der Clownsnase der schnelle Unterhaltung aber dafür kein Begreifen bietet” vs “Cydonia der den Kindern ein tiefes Verständnis und damit ebenso Spaß und Unterhaltung bietet” oder sonstirgendwelche dummen Klassifikationen dieser Art. Es geht überhaupt nicht um die Fähigkeiten irgendwelcher Vortragenden. Es geht darum, dass es verschiedene Arten der Wissenschaftskommunikation mit verschiedenen Zielsetzung gibt (von denen eben eine die “Awareness” ist wie es Ortwin Renn genannt hat; also die Faszination an sich; die “Initialzündung” für das Interesse) und das es absurd wäre, von einer Veranstaltung wie z.B. einer Kinderuni zu verlangen sie ALLE zu erfüllen. Das aber hat Pia Schreiber gemacht und das war es das ich kritisiert habe.

  20. #20 cydonia
    2. Dezember 2010

    Ich gebs auf. Ich weiß zwar nicht womit ich mir jetzt den Vorwurf einer dummen Klassifikation verdient hätte, aber was solls. Lassen wirs. Aus Gründen, die mir nicht ganz klar sind scheitert die Kommunikation, und dann wars das eben.

  21. #21 Florian W.
    2. Dezember 2010

    @Cydonia: Jupp, lernen kann Spass machen – schließlich ist es zum Überleben ausgesprochen hilfreich. Aber was viele Menschen in der Schule lernen ist dann doch eher, dass es schwierig ist.
    Wenn hier in diesem Blog Verträge gelobt werden, weil sie gerade mal 7 Minuten lang sind, dann ist es für die Kinder wirklich besser, wenn die Pappnase aufgesetzt wird, als wenn diese Menschen jene Didaktik emitieren, die sie in der Schule gelernt haben.

    Passt jetzt nicht ganz: http://www.youtube.com/watch?v=P6ho3tDJEKY

  22. #22 Florian Freistetter
    3. Dezember 2010

    @Florian W.: “Wenn hier in diesem Blog Verträge gelobt werden, weil sie gerade mal 7 Minuten lang sind,”

    Ich möchte nochmal darauf hinweisen, dass ich Pecha Kucha nicht deswegen gelobt habe, weil die Vorträge kurz sind, sondern weil sie strukturiert sind. Man kann das Pecha Kucha Konzept auch auf längere Vorträge anwenden. Es geht darum, dass man sich Gedanken über das macht, was man erzählt.

  23. #23 Florian W.
    4. Dezember 2010

    Ich hatte mal gelesen, dass in vielen Büchern zum Thema Rethorik stehen soll, dass Vorträge nicht länger als 15 Minuten sein sollten. Die Autoren schreiben dies deswegen hinein, weil die meisten Vorträge so schlecht sind, dass man sie sowieso nicht länger ertragen kann (was natürlich nicht für die Lehrqualität der Bücher spricht – aber für die Praxiserfahrung).

    Aber ich vermute, auch bei schlechten Vorträgen hat sich der Autor vorher Gedanken gemacht, aber nicht darüber was den Zuhörer interessieren könnte, welche Denkbilder man ihm anbiete könnte, wie das Storytelling aussehen möge, sondern eher Gedanken über das eigene Blamieren, die als enorm vermutete Bereitschaft, die Gedankengänge des Vortragenden zu verstehen, oder dass mit dem Strukturieren der eigenen Gedankenwelt die Vorbereitung abgeschlossen sei.

    Die Frage, die sich stellt ist, wie kurz muß ein Vortrag sein, damit er bei auch schlechter Vorbereitung ertragbar ist?

    Anscheinend 7-Min wenn Powerpoint weiterschaltet.

  24. #24 Momo
    4. Dezember 2010

    Ich möchte nur mal so einwerfen, wenn ihr euch überlegt, welchen Inhalt ihr wie übermitteln wollt, dann sind das schon pädagogische (eigentlich didaktische) Überlegungen, da ihr ja Inhalt und Methode und somit auch das Ziel festlegt. Dass man bedenkt, das ein kindgerechter Vortrag nicht wie ein Vortrag für Erwachsene aufgebaut sein kann ist hoffentlich selbstverständlich?!?
    Es ist nicht wichtig einen Vortrag von vorne bis hinten durchzuplanen mit pädagoischen Absichten und didaktischen Überlegungen. Kinder stört es überhaupt nicht, im Gegenteil, wenn auch mal kleine Pannen passieren oder man kurz auf der Leitung steht. Einfach flexibel sein und zu seinen Fehlern stehen. Klingt einfach ist es aber nicht, wie ich aus eigener Erfahrung weiß.
    Und von wegen Spaßpädagogik: derzeit gibt es tatsächlich einen pädagogischen Trend der in diese Richtung geht und ist mittlerweile, zwar umschrieben und schön formuliert, ein wichtiges Grundziel (von vielen) der pädagogischen Arbeit. Doch es gibt nun mal kein nachhaltiges Lernen bzw Aneignen von Wissen ohne Intresse, Freude und intrinsische Motivation.
    Oder was wisst ihr noch aus eurer Schulziet von Fächern, die ihr nicht leiden konntet? Nicht viel vermutlich, dafür wisst ihr umso mehr von Fächern die euch interessiert haben oder wo der Lehrer die Wissensvermittlung anschaulich gestaltet hat und mal gelacht wurde.

  25. #25 Pia Schreiber
    12. Juli 2011

    Guten Tag,

    ich bin leider erst jetzt durch Zufall auf diesen Blogeintrag gestoßen und möchte mich als Vortragende gerne dazu äußern. Erst einmal vielen Dank für die Kritik, denn da mein Projekt noch mitten im Prozess ist, bin ich immer wieder dankbar für Anregungen, die ich konstruktiv annehmen und umsetzen kann.
    Ja, in meinem Vortrag habe ich Kinderuniversitäten, wie sie zur Zeit bestehen, kritisch betrachtet, da ich denke, dass es kurz vor dem 10jährigen Jubiläum von Kinderuniversitäten an der Zeit ist, das Modell einmal zu hinterfragen. Der eigentliche Fokus meiner Doktorarbeit ist aber die Wissenschaftskommunikation für Kinder generell. Das heißt, mich interessieren vor allem Fragen wie „Wo stehen Kinderuniversitäten im Gesamtsystem Wissenschaftskommunikation?“; „Was wollen sie leisten?“; „Was leisten sie tatsächlich?“ usw. Da wird von den verantwortlichen Unis als Ziel oftmals genannt „Wissenschaftlichen Nachwuchs fördern“. Die Frage ist: Wird dieses Ziel tatsächlich erfüllt? Natürlich haben die Kinder ihren Spaß. Natürlich hat Kinderuni dadurch einen großen Erfolg. Doch wie nachhaltig ist der Erfolg? Ist es wirklich so, dass ich durch Kinderunivorlesungen allein neue Interessenten für meine Studiengänge finde? Oder beschränkt der Erfolg sich nur darauf, dass die Kinder zu Hause und bei ihren Freunden begeistert von den Vorlesungen berichten, letztlich aber auf Dauer ein falsches Bild von Wissenschaft behalten – überspitzt formuliert: Wissenschaft macht immer Spaß und ist bunt und lustig. Muss man da nicht vermehrt verzahnen und Zusatzangebote schaffen bzw. institutionalisieren (kleine Gruppen, Begleitung bis zum Abitur, über Angebote, die aufeinander aufbauen), um die Begeisterung der Kinder für die einzelnen Vorlesungen – die sie ohne Frage zum großen Teil zeigen – nicht abebben zu lassen und nach und nach in eine längerfristige Begeisterung für die „wirklich“ Wissenschaft und all ihre Herausforderungen fließen zu lassen?
    Was können wir tun, um auch längerfristig diese Nachhaltigkeit zu erreichen? Und was wollen Kinderunis überhaupt erreichen? Vermutlich geht es tatsächlich nicht darum, pädagogisch bis ins kleinste Detail ausgefeilte Vorlesungen zu bieten – im Gegenteil, vielleicht ist es sogar das Alleinstellungsmerkmal von Kinderuniversitäten, dass es eben nicht so ist; dass nicht immer alles verständlich und greifbar ist. Vielleicht erwarten die Kinder das gar nicht anders. Dennoch – und da werden Sie mir vielleicht zustimmen – ist die Wissenschaftskommunikation für Kinder noch in den Kinderschuhen und ausbaufähig. Und die Aufgabe der Wissenschaft ist es, solche Projekte stetig zu analysieren und auch zu hinterfragen.

    Ich freue mich auf Ihre Antworten!

    Mit freundlichen Grüße aus Bremen,
    Pia Schreiber