Die Sonne macht tolle Sachen! Nicht nur, dass sie nach dem langen grauen Winter jetzt endlich scheint – sie lässt auch jede Menge Plasma regnen. Glücklicherweise nicht auf die Erde – das wäre vielleicht nicht ganz so toll. Aber am 19. Juli 2012 gab es auf der Sonne eine große Eruption. Heißes Plasma wurde weit hinaus in die Korona der Sonne (ihrer äußeren Atmosphärenschicht) geschleudert. Im Laufe des nächsten Tages fiel es dann wieder zurück zur Sonne – und weil das Plasma elektrisch geladen ist, folgt es dabei den Linien ihres Magnetfeldes. Das Magnetfeld kann man natürlich nicht sehen – aber das leuchtende Plasma macht es sichtbar.

Dieses coole Video der NASA, aufgenommen im UV-Licht, zeigt den Plasmaregen in all seiner Pracht:

P.S. Das ist kein Video in Echtzeit, der Prozess läuft viel langsamer ab. Eine Sekunde im Video entspricht sechs Minuten in der echten Welt.

Kommentare (22)

  1. #1 AmbiValent
    6. März 2013

    Beeindruckend. Die Voyager sollte da aber lieber nicht versuchen, durchzufliegen…

  2. #2 Lupino
    6. März 2013

    Ist das in Echtzeit oder wie lange dauert so eine Eruption?

  3. #3 Florian Freistetter
    6. März 2013

    @Lupino: Ne, das ist keine Echtzeit. Das Video umfasst viele Stunden. Eine Sekunde Video sind sechs Stunden Echtzeit.

  4. #4 Zhar The Mad
    6. März 2013

    @Lupino
    “Jede Sekunde des obigen Zeitraffervideos braucht in Echtzeit etwa 6 Minuten, daher dauerte die ganze koronale Regenszene etwa 10 Stunden.”
    (http://www.starobserver.org/ap130226.html)
    “each second in this video corresponds to six minutes of real time. The video covers 12:30 a.m. EDT to 10:00 p.m. EDT on July 19, 2012.”
    (http://www.nasa.gov/mission_pages/sdo/news/coronal-rain.html)

  5. #5 McPomm
    6. März 2013

    Beeindruckend. Die Voyager sollte da aber lieber nicht versuchen, durchzufliegen…

    An den Vorspann habe ich auch sofort denken müssen. 🙂

  6. #6 madM
    6. März 2013

    Das ist keine Simulation? Die machen so deutliche Aufnahmen??

  7. #7 Alderamin
    6. März 2013

    @Lupino

    Man sieht auch, wie sich langsam die Sonne dreht. Die braucht in Echtzeit einen Monat für einen Umlauf.

    @Florian
    Plasma besteht ja aus getrennten Elektronen und (bei der Sonne im wesentlichen) Protonen, die sich wegen der entgegengesetzten Ladung in entgegengesetzter Richtung bewegen müssen. Man sieht hier nur eine Bewegungsrichtung des Stroms im Video.

    Was sieht man da eigentlich wirklich? Ich nehme an, neutrale Atome, bei denen die Elektronen kurzfristig an Kerne gebunden sind und die infolge dessen H-Alpha-Licht (und andere Linien) aussenden. Die Bewegungsrichtung des “Regens” wäre dann diejenige der Protonen. Korrekt?

  8. #8 Alderamin
    6. März 2013

    @madM

    Die machen so deutliche Aufnahmen??

    Die Sonne ist doch ziemlich groß. Das nennst Du deutlich? Dann schau mal =>da.

  9. #9 Dietmar
    6. März 2013

    Die Sonne macht tolle Sachen!

    Ja: Scheinen! Heute! Endlich!

  10. #10 Alderamin
    6. März 2013

    @Dietmar

    Geht so. Ich hoffe, sie scheint noch ein Weilchen.

    Ab heute Abend geht es bei uns los mit Komet PANSTARRS. Heute wird das in der Dämmerung noch nix, aber in den nächsten Tagen den tiefen Westhimmel nach Sonnenuntergang im Auge behalten, am besten mit Feldstecher.

    Bei Daniel Fischer gibt’s schon mal vielversprechende Bilder aus Australien.

  11. #11 Ronny
    Göttingen
    6. März 2013

    @Alderamin:
    Wie Florian ja bereits geschrieben hat, bewegt sich das Plasma, da elektrisch geladen, entlang der Magnetfeldlinien. Dabei hat die Ladung der Teilchen (+/-) keinen Einfluss auf die Richtung, wenn man vorherrschende elektrische Felder vernachlässigt. Aufgrund der durch das Magnetfeld wirkenden Lorentzkraft gyrieren die Elektronen und Protonen mit unterschiedlichem Radius (http://de.wikipedia.org/wiki/Larmor-Radius) um die Magnetfeldlinien. Dabei unterscheidet sich aufgrund der Ladung die Richtung der Spiralbahn, also ob das das Teilchen linksherum oder rechtsherum um die Feldlinie spiralt (Bild: http://iter.rma.ac.be/en/img/MagneticConfinement.jpg). In welche Richtung entlang der Magnetfeldlinie sich die Teilchen bewegen hängt vom parallel zum Magnetfeld wirkenden Anteil des Geschwindigkeitsvektors der Teilchen ab.

    Natürlich spielen auch elektrische Felder eine Rolle. Durch diese werden die geladenen Teilchen, abhängig von ihrer Ladung, in bestimmte Richtungen beschleunigt. Zu den E-Feldern in der Korona bzw. bei Flares und CMEs kann ich aber leider nichts genaueres sagen, da ich mich damit noch nicht beschäftigt habe.

  12. #12 Alderamin
    6. März 2013

    @Ronny

    Danke, ich dachte, der sichtbare Bogen wäre die Spirale, also sieht man die Spiralbewegung direkt gar nicht, die Böden sind eng um die Feldlinien gewickelt.

    Stimmst Du denn mit mir überein, dass man im wesentlichen neutrale Atome sieht? Schließlich sieht man Protuberanzen am besten im H-Alpha-Licht. Das Plasma selbst (darin die Elektronen) müsste ein Temperaturspektrum haben, wie die Photosphäre, richtig?

  13. #13 Alderamin
    6. März 2013

    @Ronny

    ich meinte “Bögen”, nicht “Böden”. Falscher Finger…

  14. #14 Peter Viehrig
    6. März 2013

    @Florian Freistetter

    Ist die zeitliche Beschleunigung 1:6 wie unter dem Video nachgetragen, oder beträgt sie 1:21600 wie im Kommentar angegeben?

  15. #15 Peter Viehrig
    6. März 2013

    Jetzt komme ich schon ganz durcheinander, sorry. Also nochmal: 1:360 oder 1:21600?

  16. #16 Florian Freistetter
    6. März 2013

    @Peter Viehrig: Ja, das im Kommentar ist falsch. Es sind 6 Minuten Realzeit auf 1 Sekunde Video.

  17. #17 wemheuer
    6. März 2013

    @ Aldemarin
    bezüglich Komet PANSTARRS…
    Lässt sich die Flugbahn vielleicht irgendwie in Stellarium importieren?

  18. #19 PDP10
    6. März 2013

    Wow! Was für Aufnamen!

    Besonders beeindruckend wirds, wenn rechts oben die Erde als Vergleichsmasstab eingeblendet wird.

  19. #20 wemheuer
    6. März 2013

    Super, danke Dir 🙂

  20. #21 Ronny
    Göttingen
    6. März 2013

    @Alderamin:
    Die im Video gezeigten Bilder sind im extremen UV-Bereich bei einer Wellenlänge von 30,4 nm aufgenommen. Das entspricht der He II Emissionslinie, also dem einfach ionisierten Helium (siehe z.B. http://www.windows2universe.org/sun/spectrum/uv_helium_ions_he_ii_eit304.html). Dass der Film in Rottönen gehalten ist liegt an der Einfärbung der Bilder, nicht an Halpha, denn das sieht man mit seinen 656,28 nm garnicht in den Aufnahmen. Einen Überblick über die verschiedenen Wellenlängen bei denen das Solar Dynamics Observatory (SDO) beobachtet, gibt es hier: http://sdo.gsfc.nasa.gov/data/
    Auf der Seite steht bei den Bilder auch jeweils dabei, wo die jeweiligen Emissionen herkommen (i).

  21. #22 Alderamin
    7. März 2013

    @Ronny

    Danke. Florian hatte ja auch UV geschrieben, war klar, dass es kein H-Alpha im Tiefroten sein konnte, deshalb schrieb ich “und andere Linien”, ich wusste nur nicht, welche Linien hier beteiligt sein könnten und ging von Wasserstoff aus (hätten ja auch Lyman-Linien sein können; ich kenne Protuberanzen halt vorwiegend in H-Alpha). He II-Ionen sind natürlich nicht elektrisch neutral, also sieht man hier keine neutralen Teilchen.