Der Jupitermond Europa ist einer der faszinierensten Himmelskörper im Sonnensystem. Vor allem, weil es dort tatsächlich Leben geben könnte. Denn Europa ist zwar von einer dicken Schicht aus Eis bedeckt; darunter befindet sich aber ein großer Ozean aus Wasser – viel mehr Wasser, als es auf der Erde gibt. Ob dieses Meer aber tatsächlich Leben enthält oder nicht, wissen wir nicht. Dazu müsste man die Eisschicht durchdringen und den unterirdischen Ozean ausführlich untersuchen. Für solche Missionen gibt es zwar Pläne; die sind aber alle sehr komplex und teuer. Aber vielleicht gibt es eine einfachere Methode. Die Astronomen Mike Brown (der “Plutokiller”) und Kevin Hand haben herausgefunden, dass das Wasser von Europa nicht ganz so unzugänglich ist, wie es den Anschein hatte.

In den 1990er Jahren hat die Raumsonde Galileo die Monde des Jupitersystems besucht. Darunter natürlich auch Europa und die Sonde hat ein Spektrum des vom Eis reflektierten Lichts aufgenommen. Man hat also nachgesehen, wie viel Licht in den jeweiligen Wellenlängenbereichen zurück gestrahlt wurde um so herauszufinden, woraus die Oberfläche genau besteht. Natürlich hauptsächlich Wassereis – aber da war auch noch etwas anderes! Aber was genau das war, konnte man nicht sagen, da die Instrumente von Galileo nicht die nötige Auflösung hatte. Man wusste zwar, das es kein Wassereis war, aber mehr auch nicht. Man hatte natürlich ein paar Vermutungen, die sich aber durch die Beobachtungen nicht bestätigen oder widerlegen lassen. Eine Vermutung hat mit der Bewegung von Europa und seinem Nachbarmond Io zu tun.

So sah Europa aus, als Galileo den Mond 1997 fotografierte. Links ist das Bild in echten Farben zu sehen und rechts wurde der Kontrast erhöht:

PIA01295

Man sieht klar, dass die beiden Hemisphären von Europa unterschiedlich aussehen. Auf seiner rechten Seite ist viel mehr rotes Zeugs zu sehen als auf der linken. Man geht davon aus, dass es von Io kommt. Denn Europa braucht 3,5 Tage um Jupiter einmal zu umrunden. Er braucht auch 3,5 Tage, um sich einmal um seine eigene Achse zu drehen. So wie bei unserem Mond hat die Gezeitenkraft von Jupiter die Bewegungen synchronisiert. Das bedeutet aber auch, dass Europa eine “Vorderseite” und eine “Hinterseite” hat. Eine Hälfte des Mondes zeigt wie die Frontscheibe eines Autos immer in die Bewegungsrichtung und die andere immer in die andere Richtung. Jetzt kommt Io ins Spiel. Dort gibt es enorm viele aktive Vulkane und die schleudern jede Menge Schwefel ins All. Das starke Magnetfeld von Jupiter fängt diese Teilchen ein und da sich Jupiter mitsamt Magnetfeld und Schwefel einmal alle 10 Stunden um seine Achse dreht, bekommt Europas “Hinterseite” regelmäßig jede Menge Schwefel ab. Der Schwefel verbindet sich dort mit dem Wassereis um Schwefelsäure zu bilden. Und diese Schwefelsäure könnte durchaus genau das sein, was Galileo beobachtet hat.

So weit ist die Sache zwar sehr interessant, aber noch nicht spektakulär. Spektakulär wird sie erst mit den aktuellen Beobachtungen von Mike Brown und Kevin Hand. Eine neue Raumsonde, die Europa aus der Nähe beobachtet, gibt es zwar nicht, aber die beiden haben das 10-Meter-Keck-Teleskop auf Hawaii benutzt, um dank neuer Technik trotzdem ein viel besseres Spektrum des Mondes aufzunehmen, als es damals Galileo konnte. So sehen die neuen Daten aus:

Rechts ist die “Vorderseite”, links die “Hinterseite” und die Farbe gibt an, wo Wassereis ist und wo etwas anderes. Blau/gelb sind die Regionen, die hauptsächlich Wassereis enthalten und rot/schwarz sind die Gegenden, wo das “andere” Zeug ist, das Schwefelsäure sein könnte. Natürlich muss da irgendwo auf Europa Schwefelsäure sein; denn man weiß ja, dass der Schwefel von Io auf Europas fällt. Aber gibt es daneben auch noch etwas anderes? Brown und Hand konnte mit den besseren Daten tatsächlich etwas finden, das neu war. Im Labor haben sie verschiedene chemische Experimente angestellt um herauszufinden, welcher Stoff genau das Signal reproduziert, dass sie im Spektrum beobachtet hatten. Es war Bittersalz, das offiziell Epsomit beziehungsweise Magnesiumsulfat (MgSO4) heißt. Magnesium hat aber an der Oberfläche niemand erwartet. Magnesium kommt aus Steinen und Steine gibt es auf der Oberfläche nicht viel, die ja aus Eis besteht. Aber darunter ist das Wasser und darunter ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Ozeanboden aus Gestein. Wenn also nun Wasser das Magnesium aus den Gestein wäscht und dieses unterirdische Meerwasser dann irgendwie an die Oberfläche gelangt, dann wird es dort von Ios Schwefel getroffen und es entsteht Bittersalz.

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Kommentare (39)

  1. #1 Michael
    7. März 2013

    Danke für den Artikel, wieder einmal einen sehr guten Einblick bekommen 🙂

  2. #2 Alderamin
    7. März 2013

    Tolle Sache. Enceladus sprüht ja Wasser als Geysire bis in den Weltraum, und beim Durchfliegen des dünnen Wassernebels hat die Sonde Cassini, soweit ich mich erinnere, ebenfalls Salz gemessen.

    Ist ja auch eigentlich nicht weiter verwunderlich, dass das Wasser auch anderswo Salz enthält. Auf der Erde ist nur jenes Wasser Süßwasser, das per Kondensation über die Atmosphäre als Regen runtergekommen ist und das durch mittlerweile weitgehend ausgelaugtes Gestein geflossen ist.

    Eine Tiefseebohrmission auf dem Europa werden wir bestimmt nicht erleben, aber wenn Wasser aus der Tiefe nach oben kommt, dann würde auch potenzielles bakterielles Leben nach oben gespült werden, das dort zwar nicht überleben könnte, aber für einen Nachweis von Leben sehr leicht zu erreichen wäre. Man müsste nur einen Lander mit einem Instrument um Biosignaturen nachzuweisen, dort hinbringen. Ich wundere mich, dass dies anscheinend noch auf keiner Roadmap zu finden ist. Kann doch nicht viel schwerer als das Surveyor-Projekt sein. Man bräuchte nur eine etwas größere Rakete, und da sind mehrere in der Mache (SLS, Falcon Heavy).

  3. #3 Silava
    7. März 2013

    Ja, danke Florian, das ist sehr interessant. Man könnte also ähnlich Curiosity einen Roboter hinschicken der dann auf der Oberfläche herumfährt und Stellen sucht wo “kürzlich” etwas Wasser an die Oberfläche kam. Wenn es auf Europa Leben gibt, dann sollte man das durch so eine Untersuchung rausfinden können. Das wäre doch mal ein Missionsziel für die NASA/ESA!

  4. #4 THeintz
    Jena
    7. März 2013

    Diesem Kommentar kann ich mich nur anschließen – Danke!

  5. #5 Alderamin
    7. März 2013

    @Alderamin

    Man müsste nur einen Lander mit einem Instrument um Biosignaturen nachzuweisen, dort hinbringen. Ich wundere mich, dass dies anscheinend noch auf keiner Roadmap zu finden ist.

    Oder doch: http://www.space.com/13883-nasa-jupiter-moon-europa-lander-mission.html
    http://en.wikipedia.org/wiki/Europa_Lander

    Sind aber bisher nur Vorschläge. Wahrscheinlich wird man zunächst einmal mit einem Orbiter oder Flyby-Mission Landegebiete suchen, d.h. der Lander wird noch ein Weilchen länger dauern. Fest geplant ist ja die JUICE-Mission, die erst 2030 beim Jupiter ankommen soll. Dann nochmal 10 bis 20 Jahre bis zur Landemission… da bin ich dann ca. 76-86, wenn ich’s noch erlebe. 🙁

  6. #6 robsn
    7. März 2013

    Vielen Dank für den Bericht – solche Einblicke bekommt der deutschsprachige Laie nur hier.

    Aber gab es hier nicht letztens erst ein “TED-Video” über dieses ultra-coole U-Boot, dass sich durch die Eissschicht schmelzen sollte? Dieser Bericht klingt eher, als würde dieses super Gimmick nicht mehr gebaut werden. 🙁

    Trotzdem klingt das alles sehr vielversprechend! Mal sehen, was die nächsten Jahrzehnte Europa-Forschung bringen.

  7. #7 dude
    7. März 2013

    Sehr interressant!
    Bei den Voraussetzungen wäre es ja schon fast eine Überraschung wenn es dor t kein Leben geben würde.

  8. #8 klauszwingenberger
    7. März 2013

    Irgendwie erinnert mich die Titelzeile an eine BILD-Schlagzeile, als die Huygens-Sonde Daten über Methan in der Titan-Atmosphäre meldete: Titan riecht nach Jauche.

  9. #9 Steppl
    7. März 2013

    Europa wäre eigentlich auch eine dankbare Vorlage für ein SciFi-Buch. Auf jeden Fall, wenn man dort auch höheres Leben bis zu einer Zivilisation hinein konstruieren würde. Man müsste eine Möglichkeit finden, wie eine Art Black Smoker eine ausreichende Vegetation ernährt und könnte schon schnucklige Meerjungfrauen und -männer dazu dichten.
    Danach kann man voll in die philosophischen Probleme einsteigen. Ist dort die vorherrschende Lehre, dass am Eis das Ende der Welt ist? Gibt es Ketzer, die behaupten, das Universum ist viel größer und das Grummeln im Inneren von Europa sind nur Wechselwirkungen mit dem “da draußen”? Wie sind die Reaktionen, wenn eines Tages wirklich mal eine irdische Sonde durch das Eis kommt? Und die wichtigste Frage natürlich, Spielen die Cricket?

  10. #10 emreee
    7. März 2013

    @Steppl du hast die Esoteriker vergessen 😀
    Vielleicht haben die auch ihren Däniken , wer weiß wer weiß 😛

  11. #11 Gast
    7. März 2013

    Wie kann man bei so einer Lander-Mission sicherstellen, dass da keine Bakterien/Mikroben von der Erde einen Einfluß auf das zu suchende Leben auf Europa ausüben? Bekommt man ein Raumfahrzeug so keimfrei?

  12. #12 Kallewirsch
    7. März 2013

    Mein Hoffnungsträger für Leben auf Europa, ist ja ein ähnlich gelagerter Umwelt-Fall hier auf der Erde: Die Bakterien im ‘ewigen Eis’ der Antarktis.
    http://www.welt.de/wissenschaft/article111525037/Seit-2800-Jahren-isolierte-Bakterien-entdeckt.html

  13. #13 Steppl
    7. März 2013

    @emreee
    Ungefähr nach dem Motto: Erich von Europien behauptet dort, dass vor vielen tausend Jahren (ähm?) antike Raumfahrer vom Kontinent Atlantis des hypothetischen Planeten Erde auf Europa gelandet sind, eine Zivilisation geschaffen haben, weil sie Arbeiter zum Abbau der Manganknollen gebraucht haben und verschwanden nachdem durch kosmische Einflüsse der Eispanzer zu dick wurde, so dass sie nicht mehr durch kamen?

    Passt ja wirklich wie ein Raumschiff auf eine Nazca-Landebahn. Lässt sich bestimmt auch einbauen.

  14. #14 Alderamin
    7. März 2013

    @Gast

    Bekommt man ein Raumfahrzeug so keimfrei?

    Normalerweise schon. Wenn man es vernünftig macht.

  15. #15 Pete
    7. März 2013

    @Gast, @Alderamin,
    und vernuenftig _muss_ man es machen. DieSonde muss nicht nur keimfrei sein, sondern soll auch noch funktionieren.
    Ich meine, schon in den 60- oder 70ern konnte man in der Zeitschrift “Hobby” lesen, dass die eine oder andere Mission verlorenging, weil man die Sonden falsch sterilisiert hatte.

    Pete

  16. #16 Steffmann
    7. März 2013

    Hmm, müsste man nicht einfach, wenn Leben auf Europa existiert, nach potentiellen Stoffwechselprodukten in den Eruptionen suchen ? Das müsste doch bspw. die Raman-Spektroskopie hergeben oder nicht ?

  17. #17 Paul Johnsens
    7. März 2013

    @Steppl: Solltest du tatsächlich “2010” von Herrn Clarke nicht gelesen haben? Dann aber hurtig nachholen! 😉

  18. […] Ein Ozean wie auf der Erde: der Jupitermond Europa schmeckt salzig! – Astrodicticum Simplex […]

  19. #19 nextpope
    7. März 2013

    2010 – The Year We Make Contact: “All these worlds are yours – except Europa. Attempt no landing there. Use them together. Use them in peace.”

    Na schaun wir mal, was da oben so rumlungert! 😉

  20. #20 Hans
    8. März 2013

    Wie kommt jetzt diese Meldung von Markus Termin in dieses Forum? – Ich dachte, dieser Quatschkopf ist hier gesperrt?
    (Und dass er ein Quatschkopf ist, davon konnt ich mich in den letzten Tagen überzeugen.)

  21. #21 Florian Freistetter
    8. März 2013

    @Hans: “Wie kommt jetzt diese Meldung von Markus Termin in dieses Forum? –”

    Das ist kein Kommentar, sondern ein Backlink. Der entsteht automatisch, wenn jemand in seinem Blog einen Artikel aus meinem Blog verlinkz.

  22. #22 Steppl
    8. März 2013

    @Paul Johnsens
    Ui, sollte mir da jemand vor Jahrzehnten schon meine Idee geklaut haben? Wer da wohl mit seiner Zeitmaschine dahinter steckt?

    Allerdings Nein, ich bin beim Film 2001 stehen geblieben, vom Rest wurde mir nachdrücklich abgeraten.

  23. #23 Hans
    8. März 2013

    @FF: Ah ja. Danke ür die Info.

  24. #24 Christian 2
    8. März 2013

    Das mit der Kontamination ist nicht ganz so problematisch, wie man meinen könnte.
    Der Mars befindet sich sowieso im regen Austausch mit Erdmaterial seit Milliarden Jahren, was ebenso für alle anderen Planeten und Monde gilt.

    Das Vermeiden der Verunreinigung soll vorallem sicherstellen, das etwaiges vorhandenes Leben nicht durch einen neuen ET von der Erde verdrängt wird.

    Natürlich will man nicht irgendwann eine Bakterienkolonie der Erde auf einem fremden Himmelskörper entdecken (Von der Erde wissen wir ja auch, das eingeschleppte Arten die Einheimischen verdrängen).

    Wobei dies aufgrund des regen Austausches vorallem auf dem Mars garnicht so unwahrscheinlich ist.

    Es ist also durchaus möglich, das der Mars, aber auch die galileischen Monde mit Leben von der Erde geimpft wurden.
    Hier gibt es ja jede Menge Leben, und man kann davon ausgehen, das mikrobakterielles Leben auch im Weltall längere Durststrecken überstehen kann.

    Europa allerdings ist ein Ausnahmefall, da dieser Mond aufgrund seiner Größe, der Reibungswärme sowie der möglichen Beschaffenheit seines Ozeans auch komplexeres Leben beherbergen könnte. Das ist es doch, was uns wirklich interessiert.

    Und dieses Leben bekommen wir durch eine Probe des Eismantels nicht zu Gesicht.

  25. #25 Alderamin
    8. März 2013

    @Christian 2

    Das Vermeiden der Verunreinigung soll vorallem sicherstellen, das etwaiges vorhandenes Leben nicht durch einen neuen ET von der Erde verdrängt wird.

    Dies, und dass man bei der Suche nach organischen Spuren auf dem Mars nicht nur die selbst mitgebrachten nachweist.

    Europa allerdings ist ein Ausnahmefall, da dieser Mond aufgrund seiner Größe, der Reibungswärme sowie der möglichen Beschaffenheit seines Ozeans auch komplexeres Leben beherbergen könnte. Das ist es doch, was uns wirklich interessiert.

    Und dieses Leben bekommen wir durch eine Probe des Eismantels nicht zu Gesicht.

    Es wäre sicherlich spannender, Europa-Wale oder -Kraken zu finden, als Europa-Bakterien, aber bisher haben wir halt noch überhaupt kein Leben außer demjenigen auf der Erde nachgewiesen, und einen zweiten, davon unabhängigen Stamm des Lebens zu finden, wäre auf jeden Fall eine Sensation. Dann würde man sicherlich die DNA dieser Bakterien untersuchen wollen, oder wie auch immer die Erbinformation dieses Lebens kodiert wäre, und Vergleiche mit unserer DNA anstellen.

    Den riesigen Ozean des (oder der?) Europa auszukundschaften, wird wohl unseren Nachfahren überlassen sein. Ein kurzer Blick unter das Eis garantiert ja noch nicht, dass gleich Fische vor die Kamera oder das Echolot schwimmen. Der Ozean könnte hunderte Kilometer tief sein und das Leben nur um Thermalquellen existieren, die man erst mal finden und erreichen müsste.

    Wenn man allerdings nicht einmal irgendwelche primitiven Lebensspuren im an die Oberfläche gespülten Wasser finden würde, dann könnte man sich die Suche nach höherem Leben voraussichtlich gleich ganz sparen.

  26. #26 Steffmann
    10. März 2013

    @Steffmann

    Hmm, müsste man nicht einfach, wenn Leben auf Europa existiert, nach potentiellen Stoffwechselprodukten in den Eruptionen suchen ? Das müsste doch bspw. die Raman-Spektroskopie hergeben oder nicht ?

    Ich antworte mir jetzt einfach mal selber, da die Frage so absurd nicht war.

    Erstens kann man nicht nach Stoffwechselprodukten ausserirdirscher Bakterien suchen, da man unmöglich wissen kann, wie deren Stoffwechselprodukte aussehen. Alleine auf der Erde gibt es tausende von bakteriologischen Stoffwechselnprodukten. Insofern wäre niemand in der Lage, zu sagen, dass lässt jetzt definitiv Rückschlüsse auf eine biologische Aktivität zu.

    Warum ich keine Antwort kriege, weiss ich nicht. Vielleicht erklärt mir das mal jemand bei Gelegenheit…..*schmoll*

  27. #27 Alderamin
    10. März 2013

    @Steffmann

    Wieso, Stoffwechsel (mal abgesehen von Atmung) wird vermutlich recht komplexe Kohlenstoffmoleküle erzeugen, die man suchen könnte; weitaus komplexer als nicht-biologische Vorgänge. Ich hab’ aber keine Ahnung, was Raman-Spektroskopie ist und was die nachweisen kann; vermutlich wird man wohl Proben vor Ort analysieren müssen.

    Und nochmal @Christian 2:
    Möglicherweise sind höhere Lebensformen auf Europa schon deswegen ausgeschlossen, weil es dort keinen freien Sauerstoff gibt. Unter dem dicken Eispanzer gibt’s keine Photosynthese, also auch keine Sauerstofferzeugung. Auf der Erde ging es mit dem höheren Leben erst los, als es hinreichend Sauerstoff in der Atmosphäre gab.

  28. #28 Chemiker
    10. März 2013

    Ramanspektroskopie ist Schwingungs­spektroskopie mit sichtbarem Licht (man mißt den Frequnz-Shift bei inelastischer Streuung von sichtbarem Licht an schwingungs­fähigen Molekülen).

    Damit kann man bekannte Kohlenstoff­verbindungen ganz gut identi­fizieren. Bei unbekannten sieht man zumindest wesentliche Strukturmerkmale.

  29. #29 Steffmann
    10. März 2013

    @Chemiker:

    Danke.

    @Alderamin:

    Die Antwort enttäuscht mich. Aber ich versuche es nochmal zu erklären. Theoretisch kann man jedes Spektrum so auseinander nehmen, dass jeder vorhanden Stoff entdeckt bzw. in Menge und Konzentration analysiert werden kann.
    Sind also bspw. Stoffwechselprodukte bekannt, muss man nicht aufwändig Bodenproben ziehen, man muss nur die entsprechenden Spektralanalysen auswerten.

    Da aber, zumindest theoretisch, ein organischer Organismus sowohl anorganische, als auch organische Verbindungen als Abfallprodukte des Stoffwechsels produzieren kann, ist es mittels solche Analysen nicht möglich, aufgrund eines bestimmten Stoffes auf Leben zu schliessen. Richtig oder nicht ? Das war meine Frage bzw. Behauptung.

  30. #30 Steffmann
    10. März 2013

    @Alderamin:

    Möglicherweise sind höhere Lebensformen auf Europa schon deswegen ausgeschlossen, weil es dort keinen freien Sauerstoff gibt. Unter dem dicken Eispanzer gibt’s keine Photosynthese, also auch keine Sauerstofferzeugung. Auf der Erde ging es mit dem höheren Leben erst los, als es hinreichend Sauerstoff in der Atmosphäre gab.

    Es gibt genügend Beispiele auf der Erde, bei den Mikroorganismen weder Sauerstoff noch Licht brauchen. Die existieren sogar in stark Arsen-gesättigten Gewässern.

    Wahrscheinlich war das einfach Anpassung, sprich ohne eine sauerstoffhaltige Welt, hätten sich auch diese Mikroorganismen nicht entwickelt. Aber wahrscheinlich heisst nicht sicher. Die Möglichkeit für solche Entwicklungen ist potentiell gegeben.

  31. #31 Steffmann
    10. März 2013

    @Alderamin:

    Tausendmal sorry, ich habe eben erst gesehen, dass es um “höhere” Lebensformen geht. Was das anbelangt, gebe ich dir natürlich Recht.

  32. #32 Alderamin
    11. März 2013

    @Steffmann

    Tut mir leid, wenn Dich die Antwort enttäuscht hat, ich bin leider kein Chemiker. Ich bin mir halt nicht sicher, ob eine Spektroskopie in der Lage ist, die Struktur eines sehr komplexen organischen Moleküls von einem relativ einfachen aus den gleichen Bestandteilen zu unterscheiden. Wenn das geht, dann sollte man Stoffwechselprodukte als komplexe Moleküle erkennen können, sonst nicht.

  33. #33 Steffmann
    12. März 2013

    @Alderamin:

    Wie schon erwähnt, müsste dazu bekannt sein, wie denn das Stoffwechselprodukt eines beliebigen Organismuses aussehen soll. Da gibt es wahrscheinlich unendliche Möglichkeiten (wie auch das Leben auf der Erde beweist), deswegen habe ich die Idee in Kommentar #29 auch wieder verworfen.

  34. #34 Alderamin
    12. März 2013

    @Steffmann

    Lange Kohlenwasserstoffketten (mit weiteren eingebundenen Elementen, bin da kein Fachmann) würde ich erwarten. Fremdes Leben wird vermutlich auf Kohlenstoff beruhen, weil dieses Element so reaktionsfreudig und vielseitig ist. Die unbelebte Natur bringt längst nicht so komplexe Kohlenwasserstoffe wie die belebte zustande, daher denke ich, dass solche Moleküle ein ziemlich sicherer Nachweis von Leben wären. Was nicht ausschließt, dass es auch einfachere von fremdem Leben erzeugten Moleküle gibt, die wir nicht erkennen würden.

  35. #35 Steffmann
    13. März 2013

    @Alderamin:

    Nein, so einfach ist es meiner Meinung nach nicht. Chemolithotrophen Bakterien beziehen ihren Nährstoffbedarf ausschliesslich aus der Umwandlung von anorganischen Stoffen in Verbindung mit einem Katalysator.
    Siehe auch hier:
    ”https:\\www.thieme.de/medias/sys_master/8804790698014/9783134446081_musterseite_321_340.pdf?mime=application%2Fpdf&realname=9783134446081_musterseite_321_340.pdf”
    Damit gäbe es eine ziemlich grosse Auswahl an Stoffwechselprodukten, z.B. Schwefelsäure eingeschlossen.

  36. #36 JaJoHa
    13. März 2013

    @Alderamin
    Man könnte Aminosäuren suchen, die sind bei irdschen Leben eigentlich immer vorhanden (Eiweiß). Nur müsste man sicherstellen, das es aus biologischen Prozessen stammt. Da sind dann freie Aminosäuren keine Hilfe, da man die auch schon in insterstellaren Molekülwolken gefunden hat und die rein chemisch entstehen können. Längere Ketten könnten da aussagekräftiger sein. Zumindest einige Moleküle sind gut spektroskopisch zu erfassen (im UV und sichtbaren), z.B. Farbstoffe wie Carotinoide. Ich könnte mir vorstellen, das andere Lebewesen auch ähnliche Stoffe bilden, weil die antioxidativ wirken und damit im Stoffwechsel nützlich sind.
    Das ist jetzt das, was mir dazu einfallen würde, vieleicht ist das hilfreich.

  37. #37 Steffmann
    13. März 2013

    @JaJoHa

    Merci. Sehr subtil.

  38. #38 Alderamin
    13. März 2013

    @JaJoHa, Steffmann

    Man könnte Aminosäuren suchen, die sind bei irdschen Leben eigentlich immer vorhanden (Eiweiß).

    Zum Beispiel. Mein Punkt ist ja auch nicht, dass man jedes Leben finden würde, indem man lange Molekülketten nachweist, sondern vielmehr, dass lange Molekülketten ein ziemlich sicherer Nachweis für Leben ähnlich dem auf der Erde wären (hinreichende, aber nicht notwendige Bedingung).

  39. […] Ozean bis an die Oberfläche gelangen kann. Dadurch wissen wir auch dass der Ozean Europas denen der Erde sehr ähnlich ist. Es gibt dort flüssiges, salzhaltiges Wasser – Wasser, in dem vielleicht sogar Leben […]