In den Medien macht gerade ein “Planet, den es nicht geben darf” die Runde. Ich bin bei solchen Formulierungen immer ein wenig skeptisch, denn wenn es den Planeten nicht geben sollte, dann kann es ihn auch nicht geben. Die Naturgesetze lassen sich nicht umgehen; da gibt es keinen Spielraum für Verhandlungen. Wenn wir etwas finden, dass eigentlich nicht existieren sollte, dann sind wir es, die etwas falsch verstanden haben und unsere Theorien erweitern müssen. “Der Planet, den es nicht geben sollte” ist also eher ein “Planet den es ganz offensichtlich gibt, von dem wir uns aber noch nicht erklären können wo er her kommt”. Es handelt sich um den Planet HD 106906b der von Vanessa Bailey von der Uni Arizona und ihren Kollegen entdeckt wurde (“HD 106906 b: A planetary-mass companion outside a massive debris disk”).

Dieser Planet ist aus mehreren Gründen etwas ganz Besonderes. Er ist noch sehr jung und gemeinsam mit seinem Stern den er umkreist ist er erst knapp 13 Millionen Jahre alt. Er gehört zu den ganz wenigen Planeten, die man bisher direkt beobachten konnte, d.h. zu den Planeten, die nicht mit einer indirekten Methode gefunden wurden sondern von denen ein Bild existiert. Und er befindet sich enorm weit von seinem Stern entfernt. Der Abstand beträgt ganz 650 Astronomische Einheiten; also das 650fache des mittlerwen Abstands zwischen Sonne und Erde. In unserem Sonnensystem würde sich HD 106906b weit hinter allen bekannten Planeten befinden und auch noch weit hinter dem Kuiper-Asteroidengürtel der sich hinter der Bahn des Neptun bis ca. 100 Astronomische Einheiten erstreckt. Und dann gibt es noch eine Trümmerscheibe aus Staub die von Asteroiden bevölkert wird und sich näher am Stern befindet; ungefähr zwischen 20 und 120 Astronomischen Einheiten. Und das ist das besondere: Warum befindet sich der Planet so enorm weit von der Scheibe entfernt? Wie kann er dort draußen, so weit von Stern und Scheibe entfernt überhaupt entstanden sein?

Bild des Planeten HD 106906b (rechts oben). Der Stern ist links unten im Bild markiert (sein Licht aber ausgeblendet). Bild: Vanessa Bailey

Bild des Planeten HD 106906b (rechts oben). Der Stern ist links unten im Bild markiert (sein Licht aber ausgeblendet). Bild: Vanessa Bailey

Alter und Abstand vom Stern hängen direkt mit der Tatsache zusammen, dass der Planet direkt abgebildet werden konnte. Normalerweise ist es so gut wie unmöglich, einen kleinen und dunklen Himmelskörper wie einen Planeten neben seinem hellen Stern zu sehen. Das klappt nur in Ausnahmezuständen, nämlich dann, wenn Stern und Planet noch recht jung sind. Junge Sterne leuchten schwächer und werden erst im Alter hell. Junge Planeten dagegen sind noch warm weil sie erst vor Kurzem durch jede Menge Kollisionen entstanden und werden im Laufe der Zeit kälter und dunkler. Je jünger das ganze System, desto mehr Chancen hat man also, dass man das (Infrarot)Licht eines Planeten noch sehen kann. Und natürlich klappt das umso besser, je weiter entfernt sich der Planet vom Stern befindet und je größer er ist. Deswegen sind auch fast alle der direkt beobachteten Planeten sehr massereiche Himmelskörper und hart an der Grenze zum braunen Zwerg (die bei ungefähr 13 Jupitermassen liegt).

HD 106906b hat 11 Jupitermassen; mit einer Unsicherheit von 2 Jupitermassen. Kann also ein Planet sein; es kann aber vielleicht auch ein brauner Zwerg sein. Das Problem bei der direkten Beobachtung ist die fehlende Information was die Masse angeht. Die indirekten Methoden sind zwar indirekt, aber sie erlauben es zumindest Masse und Größe des Planeten aus den Daten abzuleiten. Bei der direkten Beobachtung hat man ein Bild und mehr nicht. Man sieht das Licht das der Planet vom Stern reflektiert, aber keinerlei dynamische Informationen die eine direkte Bestimmung der Masse erlauben. Man muss die Masse des Planeten aus Computermodellen bestimmen, die simulieren wie Sterne und Planeten entstehen und im Laufe der Zeit abkühlen und dunkler werden und nachsehen, welches Modell am besten zu den beobachteten Werten passt. Das ist ein fehleranfälliger Prozess und nicht so einfach wie bei den anderen Methoden.

Zumindest ist bei HD 106906b sicher gestellt, dass es sich um einen Begleiter des Sterns handelt. Denn auch das ist nicht sicher; nur weil man einen kleinen Lichtpunkt neben dem Stern sieht muss das ja noch lange kein Planet sein. Es könnte ja auch ein Stern im Hintergrund sein, der nur zufällig gerade dort zu sehen ist. Aber das kann man überprüfen, wenn man den Stern für ein paar Jahre bzw. Monate beobachtet. Jeder Stern bewegt sich durch die Milchstraße und wenn der kleine Lichtpunkt ein echter Begleiter ist, dann bewegt er sich mit ihm mit. Genau das war hier der Fall und deswegen weiß man, dass es sich nicht um einen Hintergrundstern handeln kann. Eine Bewegung des Planeten um den Stern kann man allerdings nicht sehen. Bei einem Abstand von 650 Astronomischen Einheiten würde ein Umlauf des Planeten um den Stern mehr als 15.000 Jahre dauern und nach nur ein paar Jahren Beobachtung ist diese langsame Bewegung natürlich noch nicht zu sehen.

Aber wie kommt der Planet nun so weit nach draußen? Im Prinzip gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder er entstand weiter innen und wurde nach draußen geschleudert. Das ist nicht außergewöhnlich; so etwas kommt bei der Entstehung von Planeten ständig vor. Es entstehen fast immer mehr Planeten als aus dynamischer Sicht Platz haben und der Überschuss fliegt eben raus. Aber dann sollte man eigentlich auch entsprechende Störungen in der Staubscheibe um den Stern sehen. Ein Planet der sich von innen ganz nach außen bewegt und die Staubscheibe kreuzt sollte die Asteroiden durcheianderbringen die diesen Staub produzieren. Davon aber sieht man nichts.
Der Planet kann auch direkt dort draußen entstanden sein. Dass er dort aber auf die “typische” Art von Planeten ensteht ist eher unwahrscheinlich. Denn normale Planeten bilden sich aus Kollisionen von kleinen Staub- und Gesteinsbrocken und wachsen im Laufe der Zeit an. So weit draußen würde sich das ganze Zeug aber so enorm langsam um den Stern bewegen, dass niemals genug Kollisionen stattfinden können, um einen ausgewachsenen Planeten zu produzieren. Das sieht man ja auch schon in unserem Sonnensystem, wo die weiter außen gelegenen Planeten Uranus und Neptun deutlich kleiner sind als Jupiter und Saturn.

Künstlerische Darstellung des Planeten. In der Ferne leuchten Stern und Staubscheibe (Bild:  NASA/JPL-Caltech)

Künstlerische Darstellung des Planeten. In der Ferne leuchten Stern und Staubscheibe (Bild: NASA/JPL-Caltech)

HD 106906b müsste dann also eher nach Art eines Sterns entstanden sein; also aus dem Kollaps einer großen Gaswolke. Auch das ist nicht ungewöhnlich, denn es entstehen immer wieder Doppel- und Mehrfachsternsysteme in denen die Partner mehrere hunderte oder tausende Astronomische Einheiten voneinander entfernt sind. Aber das sind eben Doppelsterne und keine Planetensysteme. Vielleicht ist HD 106906b ja doch eher ein brauner Zwerg (die durchaus so weit entfernt von nem Stern aus dem Kollaps einer Gaswolke entstehen können).

Ich persönlich glaube, dass es noch deutlich zu früh ist, hier jetzt großartig zu spekulieren; neue Theorien zur Planetenentstehung zu entwerfen, und so weiter. Was die direkt beobachtbaren Himmelskörper angeht, befinden wir uns derzeit in einer ähnlichen Situation wie die gesamte Exoplanetenforschung Ende der 1990er Jahre. Damals hatte man gerade eine Handvoll Planeten entdeckt und die waren alle ziemlich seltsam. Auch das waren Planeten, die eigentlich nicht da sein sollten, wo man sie fand (ganz dicht an ihrem Stern) und es gab jede Menge Spekulationen. Heute wissen wir, dass diese seltsamen Planeten tatsächlich nur eine Ausnahme darstellen und die Mehrheit der Himmelskörper deutlich normaler ist. Aber um das zu erkennen brauchten wir erst die Weltraumteleskope die Daten über hunderte neue Exoplaneten gesammelt haben.

Aus den wenigen direkt beobachteten Planeten die wir bis jetzt kennen, können wir kaum irgendwas brauchbares ableiten. Sie sind alle zwangsläufig seltsam, weil wir nur die seltsamen Fällen der großen und weit entfernten Planeten beobachten können. Auch hier werden wir warten müssen bis die neuen Teleskope im nächsten Jahrzehnt einsatzbereit sind und wir dann nicht nur die Spezialfälle direkt beobachten können, sondern alle. Dann werden wir auch besser verstehen können, wo Planeten wie HD 106906b herkommen!

Kommentare (43)

  1. #1 Alderamin
    9. Dezember 2013

    @Florian

    Aber das sind eben Doppelsterne und keine Planetensysteme. Vielleicht ist HD 106906b ja doch eher ein brauner Zwerg (die durchaus so weit entfernt von nem Stern aus dem Kollaps einer Gaswolke entstehen können).

    Gibt’s denn einen Mechanismus, der den Kollaps von Gaswolken nach unten in der Masse derart begrenzt, dass ein Objekt von mindestens 13 Sonnenmassen herauskommen muss? Kann ich mir schwer vorstellen.

    Es gibt ja zwei Kriterien, nach denen ein Brauner Zwerg von Planeten abgegrenzt werden kann:

    1) nach der Entstehung (in einer protoplanetaren Scheibe -> Planet, aus kollabierender Wolke -> Brauner Zwerg oder Fixstern)
    2) nach dem temporären Auftreten von Fusionsreaktionen (fusioniert temporär Deuterium -> Brauner Zwerg, fusioniert nie -> Planet)

    Die 13 Jupitermassen kommen m.W.n. ausschließlich aus der zweiten Definition.

    Der neu entdeckte Planet könnte also nach der ersten Definition möglicherweise auch mit weniger als 13 Jupitermassen als Brauner Zwerg durchgehen (wenn er so entstanden ist), wobei dann die Frage wäre, ob man dann auch Objekte einfacher Jupitermasse unter den Braunen Zwergen haben will.

    Nach der zweiten Definition handelte es sich nicht um einen Braunen Zwerg, sondern um etwas anderes. In die neuere IAU-Definition eines Planeten passt es nicht so recht (von wegen Umgebung frei geräumt, das widerspräche dem Wolkenkollaps; abgesehen davon, dass die IAU-Definition bisher Exoplaneten sowieso nicht betrachtet). Es handelte sich dann vielleicht um einen “gebundenen Planemo”, ein planetenartiges Objekt, das wie ein Stern entstanden ist, aber hier rein zufällig an einen anderen Stern gebunden ist. Immer den Wolkenkollaps vorausgesetzt.

    Die IAU wird noch eine Menge Definitionsarbeit leisten müssen. Wir könnten es bei fortwährender Vebesserung der Beobachtungsmöglichkeiten mit allerlei Objekten zu tun bekommen, die wir bisher noch nicht kennen:

    – Objekte die (temporär) fusionieren, aber in einer protoplanetaren Scheibe entstanden
    – frei fliegende planetengroße Objekte, die aus ihrem System geschleudert wurden
    – Objekte von Planetenmasse, die nicht in einer protoplanetaren Scheibe entstanden und frei in der Milchstraße umher fliegen
    – die gleichen Objekte als Partner von Fixsternen
    – frei umherfliegende Asteroiden und Kometenkerne
    und vielleicht noch manches andere.

    tl;dr

    Der vermeintliche “Planet” könnte eine neue Objektklasse begründen.

  2. #2 Arnd
    9. Dezember 2013

    Der Unterschied zwischen Stern und Planet ist doch sowieso ein fließender. Wieso soll ein Planet nicht genau wie ein Stern entstehen können? Es war halt nur nicht genug Masse da, damit er “zünden” konnte. Ich erwarte eigentlich jede Menge Planeten jeder Größenordnung, die genauso entstanden sind. Das sind dann wohl meist Gasplaneten.

  3. #3 Stefan K.
    9. Dezember 2013

    “HD 106906b hat 11 Jupitermassen; mit einer Unsicherheit von 2 Jupitermassen. Kann also ein Planet sein; es kann aber vielleicht auch ein brauner Zwerg sein. Das Problem bei der direkten Beobachtung ist die fehlende Information was die Masse angeht. Die indirekten Methoden sind zwar indirekt, aber sie erlauben es zumindest Masse und Größe des Planeten aus den Daten abzuleiten.”

    Ich dachte, man kann allgemein nur die Untergrenze der Masse eines Exoplaneten bestimmen, je nachdem, in welchem Winkel wir auf das System schauen. Wie ist das denn nun?

  4. #4 Florian Freistetter
    9. Dezember 2013

    @Alderamin: “Die IAU wird noch eine Menge Definitionsarbeit leisten müssen”

    Ach, mir wärs lieber, sie würde das lassen. Sieht man ja, wo das hinführt… Es GIBT halt einfach keine klare Grenze zwischen Stern, brauner Zwerg und Planet. Und wenn wir sowas zwanghaft einführen wollen, landen wir wieder bei “Planeten die es nicht geben darf”…

    @Arnd: ” Es war halt nur nicht genug Masse da, damit er “zünden” konnte. Ich erwarte eigentlich jede Menge Planeten jeder Größenordnung, die genauso entstanden sind. Das sind dann wohl meist Gasplaneten.”

    Naja, ALLES kriegst du aus nem Kollaps auch nicht raus… und “zünden” tun auch braune Zwerge; nur halt Deuterium und nicht Wasserstoff.

  5. #5 Florian Freistetter
    9. Dezember 2013

    @Stefan K: “Ich dachte, man kann allgemein nur die Untergrenze der Masse eines Exoplaneten bestimmen, je nachdem, in welchem Winkel wir auf das System schauen. Wie ist das denn nun?”

    Das mit dem Winkel gilt NUR für die indirekte Radialgeschwindigkeitsmethode. Wenn man einen Planeten zB mit der Transitmethode beobachtet, kennt man ja den Blickwinkel (und kann in Kombination mit anderen Daten die Masse bestimmen).

  6. #6 Alderamin
    9. Dezember 2013

    @Florian

    Alle Wissenschaft fängt mit dem Klassifizieren an. Es gibt auch keine klare Grenze zwischen den Spektralklassen. Am Ende hat man daraus gelernt, dass es im Grunde eine Temperaturklassifikation ist, in die auch noch die Sterngröße über den Gasdruck eingeht.

    Dass man sich bei der Planetendefinition nicht mit Ruhm bekleckert hat, ist wieder ein anderes Thema.

  7. #7 Florian Freistetter
    9. Dezember 2013

    @ALderamin: “Alle Wissenschaft fängt mit dem Klassifizieren an.”

    Klar, klassifizieren ist wichtig und ok. Und macht man in der Astronomie ja auch. Aber es bringt nix, an Klassen festzuhalten die nicht haltbar sind und mit aller Macht etwas “Planet” oder “Nicht-Planet” zu nennen, wenn schon längst klar ist, dass diese Trennung so nicht haltbar ist. Da könnte man sich an der Biologie orientieren… Himmelskoerperus Sternus, Himmelskoerperus Planetus, Himmelskoerperus Asteroidus, usw – halt mit vernünftigen Namen und so 😉

  8. #8 Franz
    9. Dezember 2013

    Was ich nicht ganz verstehe, bei Doppelsternen ist so eine Distanz ja durchaus ‘normal’, warum also sollte nicht ein Planet/Brauner Zwerg entstehen als ‘Zweitsonne’ ? Was spricht da dagegen ? Nur die Definiiton ? oder auch die Physik ?

  9. #9 Florian Freistetter
    9. Dezember 2013

    @Franz: Auch die Physik. Denn für nen Kollaps braucht man ne gewisse Mindestmasse…

  10. #10 SkeptikSkeptiker
    Randpolen
    9. Dezember 2013

    Ist für mich als Laie überhaupt nicht vorstellbar, das dieses Teil in 650AE Entfenung noch Licht der dortigen Sonne reflektiert, selbst wenn es ziemlich groß ist, und es bei uns in 299Lj Entfernung dann noch in Teleskopen sichtbar ist. Der Pluto ist ja grade noch mal beobachtbar.

  11. #11 Alderamin
    9. Dezember 2013

    @SkeptikSkeptiker

    Das Dingen ist noch frisch und warm, wie Brötchen beim Bäcker. Deswegen leuchtet es selbst im Infaroten.

    Alle direkt sichtbaren Exoplaneten wurden bisher im Infraroten boebachtet. Da ist der Helligkeitsunterschied zum Mutterstern lange nicht so groß wie im Optischen. Und alle so entdeckten Planeten waren jung und heiß aus ihrer Entstehungsphase (Kompression des Gases, einfallendes Material).

  12. #12 Florian Freistetter
    9. Dezember 2013

    @Alderamin: “Alle direkt sichtbaren Exoplaneten wurden bisher im Infraroten boebachtet. “

    Es gibt aber auch welche die im sichtbaren Licht gesehen worden sind. Hab nur grad vergessen, wer das war. Beta Pic? HR87irgendwas?

  13. #13 SkeptikSkeptiker
    9. Dezember 2013

    @Alderamin:
    “Brötchen beim Bäcker” 😉

    Danke für die Antwort, schon klar, aber die Sätze
    “Man sieht das Licht das der Planet vom Stern reflektiert” “sein Licht aber ausgeblendet”
    erweckten bei mir den Eindruck, es handle sich um sichtbares Licht. Ist also doch ein IR-Bild !?

  14. #14 Alderamin
    9. Dezember 2013

    @SkeptikSkeptiker

    Der Satz ist in der Tat mißverständlich, aber weiter oben im Text steht ja

    Normalerweise ist es so gut wie unmöglich, einen kleinen und dunklen Himmelskörper wie einen Planeten neben seinem hellen Stern zu sehen. Das klappt nur in Ausnahmezuständen, nämlich dann, wenn Stern und Planet noch recht jung sind. Junge Sterne leuchten schwächer und werden erst im Alter hell. Junge Planeten dagegen sind noch warm weil sie erst vor Kurzem durch jede Menge Kollisionen entstanden und werden im Laufe der Zeit kälter und dunkler. Je jünger das ganze System, desto mehr Chancen hat man also, dass man das (Infrarot)Licht eines Planeten noch sehen kann. Und natürlich klappt das umso besser, je weiter entfernt sich der Planet vom Stern befindet und je größer er ist.

    @Florian

    Ich schau’ mal, ob ich was finde. Beta Pictoris ist es aber schon einmal nicht, dessen Planet wurde im nahen Infrarot beobachtet.

  15. #15 Alderamin
    9. Dezember 2013

    @Florian

    Der war’s:
    https://en.wikipedia.org/wiki/Fomalhaut_b

    Scheint der einzige bisher im Visuellen abgelichtete Planet zu sein.

    https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_directly_imaged_exoplanets

  16. #16 Florian Freistetter
    9. Dezember 2013

    Richtig! Fomalhaut! Danke…

  17. #17 Lea
    9. Dezember 2013

    Bei dem Titel und nach dem 50th kommt mir nur ein Planet in den Sinn…

  18. #18 Oliver Tacke
    9. Dezember 2013

    Mir lag bei dem Titel auch gleich “The Impossible Planet” auf der Zunge 🙂

  19. #19 wereatheist
    westlich von Polen
    9. Dezember 2013

    Verständnisfrage an @Florian:

    HD 106906b hat 11 Jupitermassen; mit einer Unsicherheit von 2 Jupitermassen. Kann also ein Planet sein; es kann aber vielleicht auch ein brauner Zwerg sein.

    Wäre ein leichter Brauner Zwerg von bloß 13 Millionen Jahren nicht immer noch am Deuterium fusionieren, und deshalb deutlich heißer als ein Planet mit ein bißchen weniger als der Zündmasse?
    Kann man den Braunen Zwerg hier nicht vielleicht ausschließen?

  20. #20 Florian Freistetter
    9. Dezember 2013

    @wereatheist: Kleine braune Zwergen können schon nach ~10 Myr wieder mit der Fusion fertig sein…

  21. #21 wereatheist
    9. Dezember 2013

    Hui! Dann muss die Leistungsdichte ja recht groß sein!
    Die Sonne hat 1Billionen Jahre brennt, im mW/Tonne Bereich, und so ein ‘frischer’ Brauner Zwerg wird sich dann wohl ziemlich aufblähen und erstaunlich hell leuchten. Gilt für Braune Zwerge eigentlich je schwerer , desto kurzlebiger?

  22. #22 wereatheist
    9. Dezember 2013

    HTML Code Fail
    Hui! Dann muss die Leistungsdichte ja recht groß sein! Die Sonne hat lt; 0.2W/Tonne, ein Roter Zwerg, der gt;1Billionen Jahre brennt, im mW/Tonne Bereich, und so ein ‘frischer’ Brauner Zwerg wird sich dann wohl ziemlich aufblähen und erstaunlich hell leuchten. Gilt für Braune Zwerge eigentlich je schwerer , desto kurzlebiger?

  23. #23 wereatheist
    Scheiternhausen
    9. Dezember 2013

    HTML Code Fail, again 🙁
    Hui! Dann muss die Leistungsdichte ja recht groß sein! Die Sonne hat < 0.2W/Tonne, ein Roter Zwerg, der >1Billionen Jahre brennt, im mW/Tonne Bereich, und so ein ‘frischer’ Brauner Zwerg wird sich dann wohl ziemlich aufblähen und erstaunlich hell leuchten. Gilt für Braune Zwerge eigentlich je schwerer , desto kurzlebiger?

  24. #24 Florian Freistetter
    9. Dezember 2013

    @wereatheist: Vergiß nicht, das ein brauner Zwerg Deuterium fusioniert und keinen Wasserstoff! Deuterium ist da nur sehr wenig, deswegen brennen die nur sehr schwach. Und “kurzlebig” lässt sich nicht wirklich anwenden. Die verbrennen ihr Deuterium und dann ist Schluß. Dann sind sie aber immer noch große Gaskugeln voll Helium und Wasserstoff. Und bleiben das auch, solange nicht irgendwelche externen Ereignisse sie kaputt machen.

  25. #25 wereatheist
    9. Dezember 2013

    Auch bei Deuterium wird es wohl so sein, dass höherer Druck und höhere Temperatur die Reaktion beschleunigen. Und auch wenn der gesamte Energieinhalt des Deuteriums ~10^-4 vom (potenziellen) Energieinhalt des ‘Protoniums’ (¹H) ist, reichte das bei einer mit einem Roten Zwerg vergleichbaren Leistungsdichte für ~100 Myr und mehr

  26. #26 wereatheist
    9. Dezember 2013

    Und ich wundere mich gerade, wie größere Sterne überhaupt entstehen können, wenn das Deuterium-Strohfeuer (kurz & heftig) die Gas/Staubwolke auseinander blasen müsste.

  27. #27 Alderamin
    9. Dezember 2013

    @whereatheist

    Wieso sollte ein bisschen Deuteriumfusion im Kern den Einfall einer massiven Wasserstoffwolke aufhalten? Das ist gerade mal bei großen Wolf-Rayet-Sternen der Fall, die gerne mal 100 Sonnenmassen und mehr haben…

  28. #28 wereatheist
    9. Dezember 2013

    Das ‘bißchen’ Deuteriumsfusion steigt aber leistungsmäßig stark mit Druck&Temperatur. Bei Wolf-Rayet-Sternen ist ²D fusion ein wichtiger Faktor?

  29. #29 Alderamin
    9. Dezember 2013

    @wereatheist

    Das ‘bißchen’ Deuteriumsfusion steigt aber leistungsmäßig stark mit Druck&Temperatur.

    Hier steht genau das Gegenteil, das Deuterium kühlt größere Sterne sogar:

    https://en.wikipedia.org/wiki/Deuterium_burning

    (ist mir allerdings auch neu).

  30. #30 wereatheist
    9. Dezember 2013

    Cool!
    Im wahrsten Sinne des Wortes 🙂

  31. #31 wereatheist
    9. Dezember 2013

    Das ist klasse, und beantwortet meine Fragen:)

    If there were no deuterium burning, then there should be no stars with masses more than about two or three times the mass of the Sun in the pre-main-sequence phase because hydrogen burning would occur while the object was still accreting matter.[2] Deuterium burning prevents this by acting as a thermostat that stops the central temperature rising above about one million degrees, which is not hot enough for hydrogen burning.[3]

    Also Deuterium hält die böse Proton-Proton-Reaktion lange genug auf, dass große Sterne entstehen konnen.
    Hallelujah!
    Wieder was gelernt.

  32. #32 Alderamin
    9. Dezember 2013

    Im übrigen ist das Deuterium ja im Verhältnis zum Wasserstoff selten und der Druck in einem Braunen Zwerg viel geringer als in einem Hauptreihenstern.

    In Hauptreihensternen bis etwas über einer Sonnemasse tritt auch Deuteriumfusion als Teilschritt der Proton-Proton-Kette auf; hier erbrütet sich der Stern sein Deuterium aber selbst, insofern ist es in höherer Dichte vorhanden. die Deuterium-Fusion liefert hierbei etwa die Hälfte der Gesamtenergie.

    Spannend finde ich auch, dass selbst im Zentrum der Sonne, wo die heftigste Fusionreaktion abläuft, ein Kubikmeter Sonne nicht mehr Wärme produziert, als ein Komposthaufen von einem Kubikmeter. Die Sonne ist halt ein sehr großer Komposthaufen 😉

  33. #33 wereatheist
    9. Dezember 2013

    Spannend finde ich auch, dass selbst im Zentrum der Sonne, wo die heftigste Fusionreaktion abläuft, ein Kubikmeter Sonne nicht mehr Wärme produziert, als ein Komposthaufen von einem Kubikmeter. Die Sonne ist halt ein sehr großer Komposthaufen 😉

    Genau. Ein Bär im Winterschlaf gibt mehr Wärme ab (pro Kilogramm). Ein Toast auf den großen Komposthaufen!

  34. #34 Heinz Voigt
    Jena
    9. Dezember 2013

    @ Alderamin
    Komposthaufen, recht so. Wir waren und sind ja demzufolge alle Kompost. Schönes Grinsen gezaubert. Danke

  35. #35 Stefan K.
    10. Dezember 2013

    Also stampfen wir ITER wieder ein und bauen mehr Biomassekraftwerke ;P
    (Sollte der smiley nicht reichen, nochmal klargestellt: Soll ein Scherz sein)

  36. #36 swage
    10. Dezember 2013

    Ach, mir wärs lieber, sie würde das lassen. Sieht man ja, wo das hinführt… Es GIBT halt einfach keine klare Grenze zwischen Stern, brauner Zwerg und Planet.

    Yo. Definitionen, die es nicht geben darf. Mit den Planeten und Sternen ist alles in bester Ordnung.

  37. #37 Theres
    10. Dezember 2013

    https://www.noao.edu/news/2013/pr1311.php
    Wurde das hier schon verlinkt?
    Hier gibt es zumindest Ober- und Untergrenzen für Zwerge und Sterne …

  38. #38 Alderamin
    10. Dezember 2013

    @Theres

    Was zeigt, dass die Grenze zwischen Braunen Zwergen und Hauptreihensternen alles andere als willkürlich und fließend ist. Wenn man die Abwesenheit jeglicher temporärer Fusionsreaktionen als Abgrenzung zu den Planemos wählt, dann hat man eine saubere Klassifikation. Die Entstehung/Gebundenheit sollte eigentlich uninteressant sein und eher eine Zusatzeigenschaft innerhalb einer morphologischen Klasse (die z.B. Planemos von Planeten abgrenzt oder Planeten von Monden und Zwergplaneten abgrenzt).

  39. #39 Theres
    10. Dezember 2013

    @Alderamin
    Ah – danke sehr 🙂 So ganz habe ich es nicht verstanden, weil … irgendwie kann ich niesend kein englisch lesen. ich meine aber, mich an einen Ausreißer zu erinnern, ein kleinster bisher gefundener Stern … kann mich aber auch irren. Die werte Realität ist ja so fies, auch noch so schöne Theorien gern mal für zu schön zu erklären 😉

  40. #40 Alderamin
    10. Dezember 2013

    @Theres

    Im Artikel steht, es gebe eine Untergrenze von 2100 K Oberflächentemperatur, da sei die Hauptreihe definitiv zu Ende. Bis dahin werden mit abnehmender Temperatur die Sterne immer kleiner. Und dann komme eine klare Lücke zu den braunen Zwergen, die mit abnehmender Temperatur wieder größer werden (Braune Zwerge sind alle etwa so groß wie Jupiter, nur 13-80-mal schwerer).

    Es wird wohl schwieriger sein, von außen zu erkennen, ob ein Objekt um die 13 Jupitermassen gerade fusioniert, jemals fusioniert hat (und vielleicht schon lange abgekühlt ist), oder nicht (und nur aufgrund der Kompressionswärme noch heiß ist). Da müsste man dann die Masse genau bestimmen und die Theorie mit Beobachtungen junger Gasriesen und Brauner Zwerge abgleichen.

  41. #41 Theres
    10. Dezember 2013

    @Alderamin
    Sehr spannend – und dumm, dass ich nur wenn ich krank bin Zeit genug habe.
    Hm … ich fand da noch etwas – nämlich Y- Dwarfs – und die sind kühler. (Drei Klassen gibt es, zwei gut belegt, eine theoretisch vorhergesagt und wohl gefunden.) Die Übergänge galten zu der Zeit als der Artikel geschrieben wurde wohl noch als fließend … die vom Zwerg zum Planeten? Eigenartig … ich lese mir das nachher mal durch.
    Zitat: “Should ammonia be discovered, it’s a pretty sure sign that a Y-class dwarf has been found.

    “We are starting to see a little hint of ammonia absorption.” Loic Albert (stellar researcher) of the Canada France Hawaii Telescope in Hawaii, commenting on CFBDS0059.

    There are two other verified classes of dwarfs, L and T-class dwarfs. L-class dwarfs are hotter, with temperatures from 2200 to 3600°F and T-class dwarfs are cooler than 2190°F and methane-rich. CFBDS0059 is obviously much, much cooler, but researchers believe there may be still cooler dwarfs out there, possibly condensing any water vapour in their atmospheres to form clouds, setting Y-class dwarfs far from the characteristics of its L and T-class cousins. Should they get any colder, water will freeze into ice crystals, giving them more planetary than stellar characteristics.” aus https://www.universetoday.com/13660/coolest-darkest-brown-dwarf-star-discovered/

  42. #42 Alderamin
    10. Dezember 2013

    @Theres

    Ach, der Artikel war schon älter?

    Jedenfalls sind schon ein paar Y-Zwerge bekannt, die englische Wikipedia nennt 17), einer davon mit nur rund 25°C, T-Shirt-mäßig.

    https://www.skyandtelescope.com/community/skyblog/newsblog/118538359.html

    Man hat Klasse Y eingeführt, weil sich dort erstmals Linien von Ammoniak und Wasser im Spektrum finden. Laut Wikipedia-Artikel überschneidet sich die Spektralklasse mit der junger, heißer Gasriesen bis unter 1 Jupitermasse. Klar, weil die Spektralklassifikation ja nur etwas über die Temperatur der Gase in der äußeren Atmosphäre des Objekts aussagen, und ob die durch interne Fusion, Kompression, oder externe Bestrahlung ihren Wert hat, ist dafür völlig Wurst.

  43. #43 Theres
    10. Dezember 2013

    @Alderamin
    Das klingt logisch und einsichtig. Les ich mir morgen mal durch. Die englische Wiki scheint aktueller und auch ausführlicher zu sein, was Astronomie angeht. Aber heute kein englisch mehr … ich kämpfe mit meiner Webcam, das langt.