Es dauert nicht mehr lange, bis eine der spektakulärsten Weltraummissionen der letzten Jahrzehnte ihren noch spektakuläreren Höhepunkt erreichen wird. Nach mehr als 10 Jahren Flug durch den Weltraum”, einem spannenden Rendezvous mit einem Kometen und höchst beeindruckenden Bildern wird die Raumsonde Rosetta am 12. November ihre Landeeinheit Philae abkoppeln. Das erste Mal wird dann ein Raumfahrzeug sanft auf der Oberfläche eines Kometen aufsetzen. Die Bilder werden beeindruckend sein und die wissenschaftlichen Erkenntnisse noch viel beeindruckender. Es ist die vermutlich ambitionierteste Mission der Europäischen Weltraumagentur (ESA) und man kann dort zu Recht stolz auf das sein, was man bisher erreicht hat. Und es ist vollkommen verständlich, wenn man diese Leistung und die kommenden Ereignisse entsprechend dramatisch bewirbt.

Der Trailer, den das Deutsche Forschungszentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) kürzlich veröffentlicht hat, wirkt fast wie die Vorschau zu einem Hollywood-Film:

Aber die Mission kann an Dramatik durchaus mit einem Hollywood-Film mithalten. Dabei hat sie aber den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass sie real ist. Es wird wirklich eine Raumsonde auf einem Kometen landen! Und im Gegensatz zu den meisten Hollywood-Filmen ist ein Happy-End hier nicht garantiert. Es war schon verdammt schwierig, überhaupt bis zum Kometen zu kommen. Ein zehnjähriger Flug durch den Weltraum ist keine Selbstverständlichkeit und es hätte unterwegs jede Menge schief gehen können. Und eine Landung auf einem Kometen wurde bisher noch nie probiert. Es ist also durchaus möglich, dass die ganze Sache nicht funktioniert. Vor allem, weil sich die Dinge fern der Erde abspielen und keiner eingreifen kann, wenn die Landesequenz einmal gestartet worden ist. Dann muss sich Philae seinen Weg zur Oberfläche des Kometen ganz alleine suchen und hoffen, an einer günstigen Stelle sicher zu landen. Man kann nur einen groben Bereich vorgeben, innerhalb dem die Sonde irgendwo herunter kommen wird, aber vorab keine “Punktlandung” planen.

So sieht die Gegend aus, in der Philae hoffentlich sicher aufsetzen wird:

Dieses Bild wurde von Rosetta aus einem Abstand von 30 Kilometern aufgenommen und zeigt einen 1 Quadratkilometer großen Ausschnitt der Kometenoberfläche (mit einer Auflösung von 0,5 Metern pro Pixel). Bis jetzt trägt der Landeplatz den eher unspektakulären Namen “Site J”; ein wenig zu trocken für den faszinierenden Anlass. Deswegen hat man nun auch beschlossen, sich einen besseren Namen zu suchen und jeder darf dabei mitmachen. Bis 22. Oktober sind alle aufgerufen einen neuen Namen für Philaes Landestelle vorzuschlagen. Jeder Name ist erlaubt, nur Namen von lebenden bzw. toten Personen sind ausgeschlossen. Wer sich beteiligen will, kann das zum Beispiel mit diesem Online-Formular tun.

Aber wie auch immer die Gegend heißen wird, in der Philae am 12. November hoffentlich seine Eisschrauben in den Boden dreht um sich dort für längere Zeit zu verankern: Es wird auf jeden Fall eine spektakuläre Angelegenheit werden. Und mit Sicherheit besser als in jedem Hollywood-Film!

Kommentare (11)

  1. #1 Alderamin
    18. Oktober 2014

    @Florian

    bzw. toten Personen sind ausgeschlossen

    Hö? Warum das denn? Ist doch gängige Praxis, Krater und Berge nach toten Celebrities (meistens der Wissenschaft) zu benennen.

    Ich las mal, auf C-G benenne man alles mit ägyptischen Namen (eben wegen des Rosetta-Steins). Da hätte sich jetzt z.B. ein Pharao angeboten, Ramses oder Tut-Anch-Amun, sind aber tote Personen (oder zählen Halbgötter extra 😉 ).

    Vielleicht würde ich die Gegend “Sahara” nennen, sieht so wüst und dünenhaft aus. Just kidding…

  2. #2 Florian Freistetter
    18. Oktober 2014

    @Alderamin: “Hö? Warum das denn?

    Naja, vermutlich weil dann Unmengen Leute irgendwelche toten Politiker, Religionsführer et al nominieren und aus der Sache irgendeine PR-Aktion für ihr Weltbild machen wollen…

  3. #3 pederm
    18. Oktober 2014

    “Dabei hat sie aber den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass sie real ist. Es wird wirklich eine Raumsonde auf einem Kometen landen!” Da hör ich doch schon eine neue Verschwörungstheorie trapsen.

  4. #4 bruno
    18. Oktober 2014

    …wie krass, wenn man dieses Foto mit den 28 verschwommenen Pixeln des Annäherungsanfluges vergleicht!

  5. #5 cubi
    19. Oktober 2014

    Ist das ein Farbphoto?

  6. #6 Stefan
    19. Oktober 2014

    Wo kann man sich denn die Landung anschauen? Auf NASA TV vielleicht? 😉

  7. #7 rolak
    19. Oktober 2014

    NASA TV?

    Wäre die beste Wahl, Stefan, immerhin haben die extra zwei Bodenkameras vorab gelandet, um in den spannenden Momenten zur Erhöhung der Dramatik auch mal die Perspektive wechseln zu können

  8. #8 Florian Freistetter
    19. Oktober 2014

    @Stefan: “Wo kann man sich denn die Landung anschauen? “

    Ich denke mal, die ESA wird das wieder live übertragen, so wie auch beim Rendezvous. Ich werde das aber hier im Blog noch rechtzeitig alles verlinken.

  9. #9 Laborratte
    19. Oktober 2014

    @Stefan: hier der vorläufige Ablauf lt. ESA:
    http://www.esa.int/Our_Activities/Space_Science/Rosetta/Call_for_Media_Opportunities_to_follow_Rosetta_mission_s_historic_comet_landing

    “Press briefings and/or live ESA TV transmissions are planned throughout the week of 10 November to provide status reports on Rosetta and its lander, outcomes of the key Go/No-Go decisions in the lead up to separation, and progress as Philae descends towards the comet.”

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